Autorenanmerkung: frl-smilla, ein Dankeschön für das Review von Chapter 20, Kapitel 19: Danny in der Falle. Ich glaube, ein paar Dinge beantworten sich in diesem Kapitel.
In diesem Kapitel wird mal keine Folge abgehandelt.
Viel Spaß!
Kapitel 21: Hot Dog mit Hawkes
Am nächsten Tag zur Mittagszeit tauchte Sheldon Hawkes in meinem Büro auf. Ich erwartete schon fast, dass er sich vielleicht darüber beschweren würde, dass er in den letzten Tagen nicht genug zu tun hatte. Dann aber dachte ich daran, dass wir eigentlich immer genug zu tun hatten, Hawkes hatte bestimmt irgendeine Arbeit gefunden, während ich mich mit Danny zusammen auf den Fall konzentriert hatte. Außerdem hatte Hawkes sich auch mal etwas geregeltere Arbeitszeiten verdient, und wenn es nur für einen Tag war, oder vielleicht auch für zwei.
Aber Hawkes wollte sich gar nicht über mangelnde Arbeit beschweren. Hätte mich auch gewundert, dafür war er viel zu clever.
„Hey Mac, hungrig?" fragte er. Ich sah von (wie sollte es auch anders sein?) meinem Papierkram auf. Das war ungewöhnlich. Das klang fast so, als würde Hawkes mit mir Essen gehen wollen. Und wenn es nur ein Snack zur Mittagszeit war. Ich vermutete nicht, dass es eine Verabredung sein sollte. Hawkes musste irgendwas anderes beschäftigen.
„Ja." sagte ich schließlich. „Wollen wir irgendwo was Essen gehen?" Sheldon machte nicht den Eindruck, als würde er mich noch deutlicher fragen, also machte ich den Schritt.
„Klingt gut."
Ich nahm mein Jackett, achtete darauf, dass ich mein Handy auch eingesteckt hatte und ging mit Sheldon zu den Aufzügen. Wir fuhren runter, verließen das Gebäude und liefen ein Stück, bis wir zu einem dieser Stände kamen, die es überall in New York City gab: Die Straßenstände, die Hot Dogs verkauften.
„Hot Dog?" fragte ich. Sheldon nickte.
Die Schlange war nicht gerade kurz, immerhin war es Mittagszeit, aber als wir unsere Hot Dogs in Händen hielten und rein bissen, wussten wir, dass es die Wartezeit wert war. Ich deutete auf eine Bank: „Wollen wir uns setzen?" fragte ich Sheldon schließlich, als ich den ersten Bissen hinuntergeschluckt hatte.
Er ging mit mir die wenigen Schritte zu der Bank und wir setzten uns. Irgendwie fehlte mir jedes bisschen Geduld in dem Augenblick. Sonst schaffte ich es oftmals zu warten bis Verdächtige von sich aus anfingen zu reden, aber im Moment konnte ich es nicht.
„Also, was gibt es, Hawkes?" Es hatte sich so eingebürgert, dass ich ihn meist beim Nachnamen ansprach, so dass ich es total automatisch tat. Noch nicht mal wenn ich mit anderen über ihn redete verwendete ich seinen Vornamen, zumindest nicht bewusst.
„Was sollte es geben?" fragte er, und versuchte so zu tun, als gäbe es wirklich keinen Anlass, weshalb er mich aus dem Büro heraus haben wollte.
„Spiel nicht den Unwissenden. Du wärst wohl kaum zur Mittagszeit in mein Büro gekommen um mich zu fragen, ob ich hungrig sei, wenn du nicht über irgendetwas reden wolltest. Und ich vermute mal, es ist was privates, denn alles andere hättest du wohl im Büro gesagt."
Hawkes schaute mich an, so als wäre er total verblüfft, was für Schlüsse ich gezogen hatte, oder dass ich ihn so leicht durchschaut hatte.
„Hey, ich bin schon etwas länger Detective." sagte ich schließlich.
„Ja, es gibt da was, worüber ich mit dir reden wollte…" sagte er schließlich.
„So?" fragte ich, gespannt, was er mir wohl würde sagen wollen. Vielleicht ging es ja um Lindsay, vielleicht wollte er sich absichern, ob er sich mit jemanden aus dem Büro verabreden könnte. Es gab keine offiziellen Richtlinien zu diesem Thema, zumindest nicht unter Kollegen. Mir war es eigentlich nur wichtig, dass effizient gearbeitet wurde, weshalb ich mich auch nicht in das Privatleben der Leute einmischen würde. Abgesehen davon, dass diese Leute meine Freunde waren und ich deswegen sowieso schon in ihrem Privatleben mit drin steckte. Es war komplizierter, als ich dachte. Aber eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz wäre noch komplizierter. Andererseits war ich derjenige, der damit ja mehr oder minder angefangen hatte.
Ich konnte ja nicht so tun, als wäre ich unschuldig. Immerhin hatte ich mich in Danny verliebt. Aber ich war nicht mit ihm zusammen, also war das noch was anderes. Trotzdem konnte ich nicht behaupten, dass es meine Arbeit nicht beeinflussen würde. Natürlich beeinflusste es meine Arbeit, wenn auch nur in so weit, dass ich mehr darauf achtete, wer wann mit wem zusammenarbeitete, als ich es sonst tat. Und ich Danny ab und zu absichtlich zu Fällen einteilte, die ich bearbeitete, oder wenn ich nur in Bereitschaft war, niemand anderen vom Team anrief, damit er oder sie Danny unterstützten. Aber hauptsächlich war eigentlich Lindsay seine Partnerin, mit Hawkes jetzt draußen bei der Tatortermittlung hatten sich die vorher eingespielten Teams verändert. Ich arbeitete weniger mit Stella zusammen. Aber für das Team selber stellte sich das doch alles eher als Gewinn heraus.
„Es geht um Danny." fuhr Hawkes schließlich fort. Meine Augenbrauen wanderten automatisch nach oben. „Ich dachte… Ach, ich weiß auch nicht."
„Was ist los, Hawkes?" fragte ich schließlich.
„Ich weiß nicht, vielleicht ist es ja gar nichts. Vielleicht hätte ich es gar nicht erwähnen sollen, nur… Nachdem ich weiß, dass du in Danny verliebt bist, und da Danny auch Gefühle für dich hat…" Er schlug sich mit der Hand auf den Mund und ließ fast seinen Hot Dog fallen.
„Sheldon, Stella hat es mir schon erzählt." Wieso ich zu seinem Vornamen wechselte, wusste ich auch nicht.
„Naja, ihr hattet euch ja geküsst, und jeder dachte, das wäre es dann, ihr wärt jetzt zusammen, bis Danny dann zum Tisch kam und von Flack nach Hause gefahren werden wollte, und dann, bei diesem Fall… Also, der Fall mit der Leiche, auf der ein ganzes Kapitel eines Romans geschrieben stand…"
„Ja?" ermunterte ich Hawkes weiterzureden.
„Als wir damals einen Verdächtigen befragen gingen, da klingelte sein Handy… Ich konnte ihm über die Schulter sehen, auf dem Display stand „Cindy", und er sagte, weil das so ein Klingelton war, ich weiß nicht, ob du das Lied kennst, „Talk" von Coldplay?"
„Hawkes, komm zum Punkt."
„Er sagte, das wäre seine Freundin, und sie wäre ziemlich gut im Reden…"
Es traf mich wie ein Schlag. Danny hatte eine Freundin?
„Er hat nicht abgenommen, er meinte, er würde sie später zurückrufen…"
Ich war total geplättet. Mir verging auch jeder Appetit auf den Hot Dog. Ich sah das Würstchen in dem Brötchen in meine Hand skeptisch an.
„Ich habe ihn ein paar Tage später zu Cindy befragt…" fuhr Sheldon fort, als er merkte, dass von mir keine Reaktion kam.
„Er erzählte, sie hätte die Sache viel zu schnell als viel zu eng angesehen und ihm den Klingelton heruntergeladen. Er meinte, es ginge ihm nur um…" Ich sah Sheldon fragend an. „…den Sex. Okay, so hat er es nicht ausgedrückt. Er sagte nur, es wäre nicht ernstes. Sie hätten Spaß zusammen, aber mehr wäre es für ihn auch nicht."
Ich sah Hawkes an, immer noch total von der Nachricht geplättet. Okay, ich war nicht mit Danny zusammen, und ich war schon etwas eifersüchtig gewesen, als er die Models so angesehen hatte, aber jetzt von Sheldon zu erfahren, dass Danny tatsächlich im Moment mit einer Frau schlief… Ich hatte das Gefühl, mir würde der Boden unter den Füßen weggezogen.
„Weißt du…" begann ich, und brach dann ab. „Hat er…" Ein weiterer Versucht, der fehlschlug.
Sheldon legte mir eine Hand auf den Unterarm.
„Er hat mir nicht gesagt, ob er noch was für dich empfindet. Aber ich glaube einfach nicht, dass er so schnell über seine Gefühle für dich hinwegkommt. Mac, ich versuche immer noch das ganze zu verarbeiten, die ganze Sache mit dir als bisexuellem Mann, und Danny, und Flack… Und dass du in Danny verliebt bist… Ich glaube einfach nicht, dass er nichts mehr für dich empfindet."
Ich zuckte nur mit den Schultern. Ich wusste es nicht. Keine Ahnung, ob ich es jemals erfahren würde. Ich würde ihm sagen müssen, was ich für ihn fühlte. Und dann würde er mir vermutlich bildlich gesehen ein Messer ins Herz stoßen. Entweder mit dieser Cindy, oder mit sonst einer Frau. Oder vielleicht auch einem anderen Mann.
Von meinem Hot Dog war nicht mehr viel übrig, und ich warf den Rest einfach in einen Papierkorb. Hawkes hatte aufgegessen.
„Lass uns zurück ins Labor gehen." sagte ich schließlich.
„Alles okay, Mac?" fragte er mich, und klang wirklich besorgt. Es war schön zu wissen, dass ich Freunde hatte, die sich um mich kümmerten, denen was an mir lag, und die für mich da waren.
„Ja, ich komm' damit klar." sagte ich schließlich. Ich wusste zwar nicht wie, aber irgendwie würde ich schon damit klar kommen. Immerhin konnte ich mich ja gleich in die Arbeit stürzen. Vielleicht würde ich heute Abend nach der Arbeit mit Stella etwas trinken gehen.
