Autorenanmerkung: Mal wieder ein längeres Vorwort von mir. Erst einmal vielen Dank an QueenAlex und frl-smilla für die Reviews zum letzten Kapitel.

frl-smilla: Ab und an häuft sich so eine Fallzusammenfassung, bei diesem Kapitel wird es dir wohl mehr zusagen, manchmal ist es ausführlicher, weil ich Kleinigkeiten aus Macs Blickwinkel genauer beleuchtete. Ich glaube, als ich mal warnte, dass so viel über Fälle kommen würde, da schrieb ich gerade die vorhergehenden Kapitel, war aber hier noch lange nicht beim Posten so weit.

QueenAlex: Ich reviewe manchmal auch nicht so regelmäßig, wie ich gerne würde. Passiert, ist menschlich. Ich freu mich, dass du (und natürlich auch frl-smilla) überhaupt reviewt. So kurz waren die Kapitel nun auch wieder nicht, muss ich ja mal sagen, aber im Gegensatz zu manchen anderen schon. Ich muss gestehen, dass es manchmal schwierig ist ein gutes Maß zu finden, ich hoffe trotzdem, dass es mir einiger Maßen gelingt.

Zum heutigen Update: Von einigen schon sehnsüchtig erwartet kommt jetzt endlich das Kapitel zu "Stuck on you"/"Mitten ins Herz", und das Beste: Montag geht es mit dem Anschluss daran weiter. Ich mache keine Weihnachtspause. An dieser Stelle möchte ich all meinen Lesern, auch den stillen, ein frohes Weihnachtsfest wünschen und mich für die explodierenden Hitzahlen der letzten zwei Wochen (in etwa) bedanken: Mit diesem Kapitel dürften die 1000 Hits dann durchbrochen werden. Dankeschön!

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!


Kapitel 23: Bei Cozy's

Bei unserem letzten Fall wusste ich endlich, was für Ausstellungen Stella besuchte, und ich lernte auch ihren Freund endlich kennen. Ich wusste nicht so recht, was ich von Frankie halten sollte, aber so lange er sie glücklich machte, war mir alles recht. Und sie sah toll aus in dem Kleid. Nicht, dass Stella nicht sowieso eine schöne Frau war, aber das Kleid schmeichelte ihrer natürlichen Schönheit nur noch mehr.

Weniger schön war unsere Leiche gewesen. Wenn es nach dem Schützen gegangen wäre, dann hätte er uns am liebsten wohl gleich zwei tote Körper hinterlassen, so kümmerte sich aber Hawkes um den Teil des Paares, das beim Liebesakt gestört wurde, der nur vom Pfeil durchbohrt war.

Lindsay half mir, deswegen half ich ihr: Sie erbrachte den Beweis, dass nicht nur eine Frau, sondern sogar auch jemand, der niemals zuvor mit Pfeil und Bogen geschossen hatte, ganz leicht mit dem Bogen, den wir als Mordwaffe ausmachen konnten, jemanden hätte töten können. Und ich glaube, nachdem sie mit ihrem ersten Pfeil so viel Erfolg hatte machte es ihr richtig Spaß. Vielleicht züchtete ich mir hier gerade meine eigene Konkurrenz als Waffenexperte heran.

Dafür half ich ihr bei der Suche nach Fingerabdrücken auf den Bassgitarren, die sie und Danny von dem Musikladen beschlagnahmt hatten. Dabei fiel Lindsay auf, dass ich wusste, wie man mit einem solchen Instrument umging. Eigentlich gab ich ihr mit meiner Hilfe nur noch mehr Arbeit, aber sie bekamen den Fall schneller gelöst.

Später kam sie in mein Büro um sich bei mir zu bedanken, doch ich war noch woanders unterwegs. Aber mein Kalender lag offen auf meinem Tisch. Das war kein Zufall gewesen. Ich wollte, dass sie sah, dass ich jede Woche mittwochs abends einen Termin hatte. Sie war ein cleveres Mädel, sie würde schon raus finden, was es war. Und um ganz sicher zu gehen setzte ich Stella noch mal drauf an.

Deswegen war es auch keine Überraschung, als sie an diesem Abend im Cozy's auftauchte. Immerhin hatte ich meine Finger mit im Spiel. Und da Danny und sie gemeinsam an dem Fall gearbeitet hatten, hatte ich darauf gehofft, dass sie ihn mitbringen würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Wir spielten unser Set zu Ende, ich konnte gar nicht sagen, wie gespannt ich darauf war, was Danny wohl sagen würde, wenn ich zu ihnen an den Tisch käme.

Ich wusste, dass ich praktisch ein anderer Mensch war, wenn ich auf der Bühne war und Bassgitarre spielte. Musik machte mich zu einem anderen Menschen. Im Cozy's spielten wir an diesem Abend Jazz, aber ich mochte durchaus auch andere Musik. Aber vor allem merkte ich, dass ich ein Lächeln auf den Lippen hatte, während ich spielte. Ich wusste nicht, ob es die Musik war, oder der Gedanke, dass Danny da war und mich spielen sah, mir zuhörte. Wobei mich jeder Gedanke an Danny lächeln ließ. Nicht, dass mich die Musik nicht auch glücklich machte, aber die Anwesenheit meines jungen CSI, der mein Herz immer noch zum Hüpfen brachte und mir das Gefühl gab 15 zu sein, machte alles einfach noch viel besser.

In einer kurzen Pause sagte ich einer der Kellnerinnen, sie sollte ihnen eine Runde auf meine Rechnung bringen. Wir spielten noch drei Lieder, sozusagen die Zugabe, bevor wir unter Applaus die Bühne für diesen Abend verließen. Der Besitzer stellte eine CD an, so dass auch nach dem Ende unseres Auftritts Musik die Bar erfüllte. Irgendwie gehörte das dazu, auch wenn man durch die Gespräche wohl kaum mehr was von der Musik hören konnte.

Ich ging zu Danny und Lindsay an den Tisch. Lindsay hatte mich schon auf dem Schießstand mit einem Pullover über meinem Hemd erwischt. Doch jetzt trug ich wirklich reine Freizeitkleidung. Mein Bass lag sicher bei den anderen Instrumenten hinter der Bühne, ich würde ihn nachher holen, bevor ich die Bar verlassen würde.

„Und, wie hat es euch gefallen?" fragte ich, während ich mir einen Stuhl heranzog und die Kellnerin mir ein Bier vor die Nase stellte. Es hat Vorteile, wenn man regelmäßig ein und dieselbe Bar besuchte: Die Leute wussten, was man trank. Bei mir war es Wasser während des Auftritts, das wir flaschenweise bekamen. Und anschließend trank ich meist noch ein Bier an der Bar, oder mit der Band zusammen.

„Das war toll, Mac!" sagte Lindsay in ihrer offenen und freundlichen Art.

„Danke, Lindsay." Danny hingegen schien es die Sprache verschlagen zu haben, denn er sah mich nur an.

„Ich vermute mal, dir wäre Hardrock wohl lieber gewesen, aber Bon Jovi spielen erst in einigen Wochen im Madison Square Garden.1" scherzte ich.

„Huh?" Er sah mich ziemlich verwirrt an. „Woher weißt du das?"

„Was? Dass du mit Jazz wohl nicht so viel anfangen kannst, oder wann Bon Jovi wieder in New York sind?" antwortete ich mit einer Gegenfrage.

„Ähm… Beides."

„Danny… Ich bin ein CSI." sagte ich einfach nur, während ich endlich einen Schluck von meinem Bier nahm. Lindsay lachte nur leise, während Danny mich weiterhin irritiert ansah.

„Ehrlich, Danny. Bon Jovi und der Hardrock waren ein Schuss ins Blaue, irgendwie dachte ich… auch wegen deinem Tattoo…"

„Moment mal, du weißt von meinem Tattoo?"

„Ja. Stella hat mir davon erzählt. Außerdem… Du bist nicht der einzige, der sich im Umkleideraum umzieht." Ja, ich hatte Dannys Tätowierung schon mit eigenen Augen gesehen. Nachdem Stella mir nach dem Vorfall mit dem Panikraum davon erzählt hatte, hatte ich es selber sehen wollen und immer wieder versucht zur gleichen Zeit wie Danny im Umkleideraum zu sein, nur um mal einen Blick auf die Hautverzierung zu werfen. Und ich konnte nicht sagen, dass der Rest von seinem Körper, den ich zu dieser Gelegenheit auch zu sehen bekam, missfallen hätte: Muskulöse Oberarme, weitere Teile der Brustbehaarung, seinen Rücken… Himmel ich hatte sogar einmal einen kurzen Blick auf seinen Oberkörper werfen können. Der Anblick hatte mir mehr als nur gefallen. Allerdings hatte ich die Tätowierung nie genau betrachten können.

„Und Bon Jovi: Die Ankündigungen hängen nun ja schon länger…" beendete ich meine Ausführungen. Ich glaube, Danny war geschockter, dass ich von seiner Tätowierung wusste, als darüber, dass ich wusste, wann Bon Jovi spielten.

„Du hast eine Tätowierung?" fragte Lindsay Danny ziemlich neugierig. Ich hätte nicht gedacht, dass sie davon nichts wusste. Andererseits achtete Danny darauf auf der Arbeit angemessen gekleidet zu sein. Wenn er nicht gerade in einem Panikraum feststeckte, in dem die Klimaanlage ausgestellt wurde. Ich war gespannt, ob er ihr seine Tätowierung zeigen würde.

„Ja, auf dem rechten Oberarm." antwortete er Lindsay. Sein Mantel hing über der Stuhllehne und Danny trug noch einen dünnen Pullover. Aber nicht mehr lange. Klar, er konnte mit der Tätowierung etwas vor Lindsay angeben. Ich wusste, dass er bei ihr wohl auf Granit beißen würde, weil sie von meinen Gefühlen für ihn wusste, und bestimmt auch noch aus etwa einem Dutzend anderer Gründe, aber das hielt die beiden ja auch nicht vom Flirten ab.

Zwei Sekunden später trug er nur noch eins dieser weißen Feinrippunterhemden, und zeigte Lindsay seine Tätowierung. Und auch ich konnte die schwarze Farbe in seiner Haut jetzt mal genauer unter die Lupe nehmen.

„Wieso hast du nichts gesagt, dass du davon weißt?" fragte er mich, während ich mir die Tätowierung ansah. Lindsay fuhr mit ihren Fingerspitzen sanft über seine Haut. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten es ihr gleich zu tun.

„Und mir den Spaß entgehen lassen, den Ausdruck auf deinem Gesicht gerade zu sehen?" fragte ich zurück. Es war nämlich wirklich interessant gewesen, wie Danny reagiert hatte. Ich hatte keinen solchen Körperschmuck. Dafür war meine Haut auf andere Weise gezeichnet.

„Mac, wie lange spielst du schon Bass?" fragte Lindsay schließlich, und Danny zog sich seinen Pullover wieder über, wohl auch, weil einige weibliche Gäste inzwischen ziemlich unverhohlen zu ihm herüberschielten. Ich musste sagen, ich konnte es ihnen nicht verdenken, ich hatte selber ja meine Probleme, meinen Blick von ihm loszureißen. Erst als er wieder den Pullover trug, konnte ich Lindsay ansehen. Himmel, ich würde Danny mit anderen Augen sehen, nachdem ich die Tätowierung von so nahem gesehen hatte. Noch immer wünschte ich mir, ich hätte sie auch berühren können, aber ich war immer noch nicht so weit ihm zu sagen, was ich empfand. Wir würden weiter wohl umeinander herumtänzeln, wie zwei Boxer, die beide darauf warteten, dass der andere zuerst zum Schlag ausholte.

Ich hoffte nur, dass keiner von uns anschließend K.O. zu Boden gehen würde.

„Ähm… Ein paar Jahre." antwortete ich schließlich ziemlich ausweichend auf Lindsays Frage. So genau konnte ich es auch gar nicht benennen. Ich hatte irgendwann im College angefangen zu spielen, viele Jahre pausiert, immer mal wieder einen Bass in der Hand gehabt. Richtig ernsthaft hatte ich erst nach Claires Tod wieder angefangen zu spielen.

„Ich glaube, ich sollte nach Hause…" gähnte Lindsay schließlich.

„Ich begleite dich." bot Danny ihr an.

„Danke, aber ich bin ein großes Mädchen. Ich nehme ein Taxi, und wir sehen uns morgen."

Er zuckte mit den Schultern, während Lindsay ein paar Dollar auf den Tisch legte um ihren Wein zu bezahlen. Ich würde das nachher zwar mit übernehmen, aber die Kellnerin würde sich bestimmt über das Trinkgeld freuen.

„Pass auf dich auf, Lindsay." sagte ich.

„Bis Morgen, Montana." verabschiedete Danny sich von ihr.

Ich trank mein Bier noch aus, und auch Danny leerte sein Getränk.

„Soll ich dich irgendwohin noch mitnehmen?" fragte ich Danny.

„Ja, warum nicht."

Ich beglich unsere Rechnung, holte meinen Bass und verließ mit Danny Cozy's, wir steuerten auf mein Auto zu, stiegen ein, und schließlich, nachdem wir uns angeschnallt hatten, fuhren wir los.

„Wo soll ich dich denn rauslassen?" fragte ich.

„Nimm mich doch einfach mit zu dir." antwortete Danny mir schließlich.

Mein Herz klopfte viel schneller, und ich versuchte mir einzureden, dass dies nicht das zu bedeuten hatte, was ich wollte, dass es bedeutete. Trotzdem konnte ich ein kleines Lächeln immer noch nicht aus meinem Gesicht wischen. Es war praktisch den ganzen Abend dort festgefroren gewesen, und auch jetzt wollte es noch nicht verschwinden.


1 Da kein genaues Datum erwähnt wird habe ich dies einfach so ausgewählt. Nennt es künstlerische Freiheit. Ich mag Bon Jovi, ich könnte mir vorstellen, dass es Dannys Musikgeschmack treffen könnte.