Autorenanmerkung: Erstmal möchte ich um Entschuldigung bitten, dass ich gestern nicht geupdated habe. Ich glaube dadurch, dass meine ganzen Alerts wieder mal nicht funktionieren, habe ich nicht ganz so viel an die Geschichte gedacht, wie ich es sonst tue. (Okay, und dass ich bei meinen CSI:NY-Sims versumpfe könnte auch seinen Anteil dazu beigetragen haben.)

Großer Rundumschlag zu den Reviews:

Erstmal ein dickes Danke an euch drei für die Reviews, Lesemaus, frl-smilla und QueenAlex.

Lesemaus: Ich liebe Cliffhanger als Autorin (und hasse sie als Leserin). Weiter geschrieben ist längst, nur nicht gepostet. Ich sollte nur auch langsam mal wirklich noch weiter schreiben, aber ich habe noch genug Material für die nächsten Wochen.

frl-smilla: Schade, dass du Dannys Tattoo nicht kennst, dabei tauchte es auch in der Episode "Cool Hunter" (Folge 16, zweite Staffel) auf. Und in der aktuellen TV Serien Highlights ist ein Portrait über Carmine Giovinazzo: Auf dem einen Foto sieht man Teiles des Tattoos, ansonsten: Einfach mal nach Bildern im Netz suchen. Wegen dem Küssen: Ich bin auch Brillenträgerin, und frag lieber nicht, wie oft ich mir die Brille bei heftigen Knutschereien verschmiert habe oder sogar teilweise auch das Gestell verbogen... Vielleicht stelle ich mich ja auch nur so doof an? ;-) Ich wollte es nur irgendwie wohl mit drin haben, dass die Brille mal erwähnt wird. In diesem Kapitel übrigens auch schon wieder...

QueenAlex: Abwarten, ob deine Freude weiterhin anhält... ;-)

Vielen Danke nochmals für die Reviews, habe mich sehr drüber gefreut. Und euch viel Spaß mit dem neuen Kapitel! (Und kommt mir alle gut ins neue Jahr! Danke für die 1250 Hits, die die Geschichte bisher hat!)


Kapitel 25: Der Morgen danach

Das erste, was ich spürte, als ich am nächsten Morgen aufwachte, war der Arm, der auf meinem Körper lag, bevor ich merkte, dass ich ebenso Dannys Körper umschlungen hatte. Als nächstes merkte ich, dass mein Körper im Schlaf auf die Nähe sofort angesprungen war. Und dann spürte ich, dass Dannys Körper ebenso reagierte. Ich öffnete meine Augen, um auf den Wecker zu schauen und festzustellen, wie spät es war und ob ich mich vielleicht ins Badezimmer schleichen könnte, um mir unter der Dusche einen herunter zu holen. Bestimmt nicht mein übliches morgendliches Ritual, aber ich sah keine Alternative.

Stattdessen schaute ich geradewegs in diese blau-grünen Augen.

„Hast du mich etwa im Schlaf beobachtet?" fragte ich schließlich.

Danny nickte leicht, vermutlich, weil er sich wohl sagte, dass leugnen eh zwecklos war. Ein kleines Lächeln huschte über mein Gesicht. Irgendwie war das süß, dass er mich im Schlaf beobachtete.

Da war es wieder, dieses Wörtchen ‚süß', aber mir viel kein passender Ausdruck dafür ein. Es erinnerte mich daran, als Stella mal einen Fund an einem Tatort als ‚klebrig' bezeichnete, und ich sie damit aufzog, dass das ein guter forensischer Ausdruck sei, den ich mir merken müsste. Aber wie sollte man es sonst beschreiben, dass Danny meinen Schlaf bewachte? Oder überwachte?

„Duschen?" fragte ich knapp. Danny nickte.

„Gäste zuerst." Wir wühlten uns beide aus den Laken und ich legte ihm im Badezimmer ein Handtuch zurecht, bevor ich in die Küche ging um etwas Frühstück zuzubereiten, so weit es ging. Ich hatte sogar mal Milch im Haus, also stellte ich Müsli und Cornflakes auf den Tresen. Ich wusste nicht, was Danny am liebsten zum Frühstück aß, aber ich vermutete, dass sonst Toastbrot und Erdnussbutter eine gute Alternative zum Müsli oder den Cornflakes wäre.

Während Danny duschte und ich alles hinstellte konnte ich nicht umhin über die letzte Nacht nachzudenken. Ich wusste immer noch nicht, was das bedeutete. Waren wir jetzt zusammen? Oder nur auf dem Weg dorthin? Was sollte ich tun, oder was würde er tun? Was wäre jetzt der nächste Schritt? Wie würde es überhaupt weitergehen?

Ich versuchte das Denken erst mal einzustellen, aber das funktionierte auch nicht so richtig. Frauen sagen vielleicht, dass wir Männer nicht denken würden, oder mit unserem Geschlecht denken würden, aber in diesem Fall konnte ich meine Gedanken nicht stoppen, die durch meinen Kopf rasten.

Bis Danny aus dem Badezimmer kam und zur Couch gestikulierte, während er nur mit einem Handtuch um die Hüften barfuss und noch tropfend durch meine Wohnung lief. Der Anblick war zu gut, und ich wünschte mir sofort, jeden Morgen ihn so zu sehen. Oder ihn überhaupt zu sehen.

Was, wenn diese Nacht am Ende doch nur ein einmaliges Vorkommnis bleiben würde? Und Danny vielleicht doch zu Frauen zurückkehren würde. Vielleicht wartete da draußen in der Stadt schon die nächste Cindy auf ihn, oder wie immer sie heißen würde. Er nahm seine Kleidung.

„Du kannst ins Bad, wenn du willst, ich kann mich ja auch in deinem Schlafzimmer anziehen." Der erste Satz von ihm an diesem Morgen. Und am liebsten hätte ich ihn einfach umarmt und geküsst. Aber ich nickte nur. Dass wir uns total ungezwungen vor einander um oder anziehen würden, oder sogar einander gegenseitig ausziehen würden, davon waren wir noch weit entfernt, und ich wollte es auch nicht wirklich überstürzen, auch wenn meine Phantasie immer mal wieder gerne anfing zu rasen. Wenn es darum ging die Dinge in die Tat umzusetzen, dann wollte ich lieber nichts überstürzen. Aber ich machte mir trotzdem eine mentale Notiz, dass ich Kondome und Gleitcreme besorgen sollte. Tja, die Theorie war bekannt, die Praxis war noch ein anderes Gebiet, aber ich wusste, was ich brauchen würde, wenn ich mit Danny würde schlafen wollen, wenn er es denn auch wollen würde.

Mental schlug ich mir schon wieder auf die Finger. Wir waren nicht so weit, wir waren noch lange nicht zu weit. Zwei Küsse und eine zusammen verbrachte Nacht. Das machte noch keine Beziehung aus. Ich duschte. Eiskalt. Etwas wärmer. Und wieder eiskalt. Es half etwas gegen meine Erektion, bis ich merke, dass ich ebenso wie Danny meine Kleidung außerhalb des Badezimmers gelassen hatte.

Ich nahm meinen Bademantel, dankbar dafür so etwas zu haben, wobei ich mich seit Jahren fragte, wieso ich einen hatte, aber jetzt war es gut ihn zu haben. Ich zog ihn über, bevor ich ins Schlafzimmer ging und mir Kleidung für den Arbeitstag heraussuchte und anzog. Ich schenkte Danny einen Blick, während ich an ihm vorbei ging. Er sah gut aus in meiner Küche. Mir gefiel der Anblick.

Ein Glas Orangensaft, eine Tasse Kaffe und eine Schale Müsli später waren wir beide so weit, dass wir zur Arbeit fahren konnten. Ich hatte die Küche etwas aufgeräumt und wir würden genug Zeit haben, um pünktlich zu unserer Schicht zu kommen. Nicht, dass wir immer mit der Stechuhr in der Hand arbeiteten. Als Tatortermittler schob man mehr als genug Überstunden, und ich mochte vielleicht ein strenger Chef sein, jemand der es mit Dingen extrem genau nahm, aber ich konnte durchaus damit leben, wenn einer meiner CSI mal fünf Minuten später zur Arbeit kam oder eine Viertelstunde früher ging. So lange sie da waren, wenn man sie brauchte. Und solange ich keine Beschwerden von unseren anderen Mitarbeitern bekam, die ihnen zuarbeiteten. Es wäre bestimmt nicht schön gewesen, wenn ich hören müsste, dass jemand nicht da wäre, um seine Laborresultate oder DNS-Ergebnisse abzuholen. Andererseits bekam so was ja auch keine Beine und lief weg.

Wie auch immer, wir kamen rechtzeitig im Büro an. Rechtzeitig, um genau Stella in die Arme zu laufen. Ihre Augenbrauen gingen nach oben, als sie uns gemeinsam sah: Danny in der Kleidung vom Vortag, ich daneben. Okay, seine Kleidung war nicht zerknautscht. Und es soll tatsächlich Leute geben, die zwei Tage hintereinander das gleiche tragen. Aber wir redeten hier von Stella.

„Na, hattet ihr gestern einen schönen Abend?" Verdammt, ich hatte vergessen, dass sie ja davon wusste…

„Ja, war ganz okay."

Huch? Ich sah Danny an. Für mich hatte sich das alles nach mehr als ‚ganz okay' angefühlt gehabt. Ich dachte darüber nach, ob er vielleicht alles schon wieder bereute. Ich traute es ihm durchaus zu. Wenn wir es langsam angehen würden, dann wären die Zeiten vorbei, in denen er überall wildern könnte. Ich hatte zwar keinen wirklich genauen Einblick in Dannys Privatleben, aber seine kleinen Kabbeleien und Flirtereien mit Lindsay und auch wie er vorher mit Aiden umging, das sagte doch einiges aus. Stella hatte doch sogar mir erzählt gehabt, er hätte anscheinend was mit drei Frauen gleichzeitig gehabt.

Danny war wohl ein bisschen so was wie ein kleiner Casanova. Okay, er sah gut aus, das konnte ich nicht bestreiten. Das wollte ich nicht bestreiten. Aber mein Herz war sowieso so offen für ihn. Andere hätten bestimmt bemängelt, dass er ja Brillenträger sein, und ebenso, dass die Haare auf seinem Hinterkopf schon dünn würden. Ja, Danny neigte tatsächlich schon in seinem jungen Alter zu den ersten Anzeichen einer Glatze. Wobei niemand sagen konnte, wo das hinführen würde. Manche Leute hatten ja schon mit Anfang zwanzig die ersten grauen Haare, ergrauten aber erst spät vollkommen.

Wissenschaftlich gesehen waren es eigentlich auch weiße Haare: Ihnen fehlten die Farbpigmente. Aber das war ein anderes Thema. Und ich erinnerte mich auch an das Gerücht über mangelnde Haare und steigende Potenz. Aber den Gedanken versuchte ich jetzt im Büro lieber nicht weiter zu vertiefen.

Ich war froh, dass Stella ihm einen irritierten Blick zuwarf und nicht mir. Ich zuckte kaum merklich mit den Schultern, doch Stellas Blick dürfte das wohl nicht entgangen sein. Danny verließ uns in Richtung des Umkleideraums während ich in mein Büro ging um zu sehen, was sich so an Arbeit im Laufe der Nacht angesammelt hatte. Meist kamen Berichte herein, sei es etwas über DNS-Befunde oder andere Dinge, die die Leute im Labor herausgefunden hatten und uns mitteilen mussten. Ich hatte meist sowieso noch irgendeinen älteren Fall am Laufen, ich wollte immer noch die Kästen mit den ungelösten Fällen weniger werden lassen. Ich merkte, dass Stella mir folgte.

„Danny hat also nicht zu Hause geschlafen…" sagte sie und sah mich herausfordernd an.

Als ich ihr nicht antwortete fragte sie mich schließlich: „Musste er auf deinem Sofa schlafen?"

Ich schüttelte den Kopf.

„Hast du etwa das Gästebett wieder benutzt?" Sie wusste davon.

Erneut schüttelte ich den Kopf.

„Oh mein Gott!" Sie sah mich an, bevor sie auf mich losstürzte und mich umarmte.

„Du hast es ihm endlich gesagt!" Sie hüpfte leicht, ich legte meine Hände auf ihre Schultern und schüttelte schon wieder den Kopf, während ihre Begeisterung erstarb.

„Aber…? Wie…?" Sie gestikulierte in Richtung des Umkleideraums, dann sah sie wieder mich an, und schien gleichzeitig unfähig einen geraden Satz herauszubringen. Ich zuckte erneut mit den Schultern.

„Mac!" Ihre Stimme klang ungeduldig und drohend. Und ich war so wortkarg geworden, wie Danny es schon den ganzen Morgen war.

„Raus mit der Sprache! Du erzählst mir sofort, was hier los ist!" Das klang mehr nach einem Befehl als nach allem anderen. Nicht, dass sie dazu in der Position war, aber sie war nach allem immer noch meine beste Freundin, meine engste Vertraute.

„Wir waren doch gestern bei ‚Cozy's'…" Sie nickte. Klar, ich hatte ihr ja den Auftrag gegeben gehabt Lindsay in die richtige Richtung zu lotsen, damit sie Danny mitschleppen würde. „Naja, Danny ist anschließend mit mir gefahren…" Ich machte eine kleine Pause. „Zu mir nach Hause…"

Ich sah, wie ihre Augenbrauen erneut nach oben wanderten.

„Er hat mich geküsst."

„Er hat… dich geküsst…?" Ich wusste nicht, ob sie meine Worte wiederholte, um sich den Inhalt wirklich bewusst zu machen, oder ob sie mich dazu bringen wollte, ihr mehr Informationen zu geben.

„Ja, er hat mich geküsst. Und dann… ist er über Nacht geblieben."

„Und?" fragte Stella und sah mich weiterhin fragend an. Immerhin waren ihre Augenbrauen nicht mehr fast an ihrem Haaransatz.

„Nichts und. Wir haben geschlafen."

Stella seufzte.

„Stella, ich konnte es ihm nicht sagen. Ich habe ihm gesagt, ich will es langsam angehen lassen. Aber ich weiß immer noch nicht, was wir da eigentlich langsam angehen. Ich weiß nicht was er empfindet. Verdammt, im Moment weiß ich noch nicht mal, was ich empfinde, zumindest nicht so richtig."

Es tat gut, meine Verwirrung mal zum Ausdruck zu bringen. Jetzt steckte ich schon seit Monaten in diesem Chaos, diesem Gefühlschaos. Aber es schien so, als käme ich einen Schritt weiter, oder? Ich meine, es sah doch immerhin danach aus, als würde sich eine Beziehung zwischen Danny und mir anbahnen. Das war schon mal gut. Irgendwie. Denn andererseits konnte dies in alle möglichen Richtungen führen. Was, wenn es für Danny nur ein Spiel war? Was, wenn Danny mit mir nur einfach erst mal Erfahrungen mit einem Mann sammeln wollte? Und dann… Ich wollte nicht weiter drüber nachdenken, was wäre, wenn er erst mit mir… Und sich dann einen anderen… Ich musste schon wieder daran denken, wie nahe Don Flack und Danny sich standen. Aber ich vertraute Flack.

Nur wieso misstraute ich im Moment Danny?

Ich wünschte mir so sehr, dass in diesem Moment das Telefon klingeln würde und wir eine Leiche hereinbekämen, nur damit ich mich nicht weiter mit Stella auseinander setzen müsste. Aber natürlich klingelte das Telefon, wie immer bei solchen Gelegenheit, nicht.

„Mac, du liebst ihn." brachte Stella mich wieder in die richtige Richtung. Ich nickte. Ja, ich liebte Danny, denn sonst würde mich das alles wohl nicht so verrückt machen. So verrückt, dass ich glaubte, dass man es mir im Moment sogar ansehen konnte.

Sie nahm mich in den Arm. „Alles wird gut, Mac" Ihre Finger streichelten über mein Haar. Es war eine so vertraute Geste, aber es war Stella, wir waren Freunde, und sie wusste, dass ich inzwischen wieder anfing mich so weit zu öffnen, dass ich solche Zärtlichkeiten zuließ.

„Ich will ja nicht stören…" hörte ich plötzlich eine Stimme. Ich merkte, dass ich meine Augen geschlossen hatte, und sah auf, dabei hatte ich bei dem Klang der Stimme schön gewusst, wer es war. Nur eine Person brachte mein Herz fast augenblicklich dazu doppelt so schnell zu schlagen wie noch Sekunden davor.

„Stella, ich habe hier Testergebnisse, die Adam mir mitgegeben hat. Mac, Jane wollte irgendwas von dir." Danny reichte Stella die Ergebnisse und verschwand wieder. Ich stand da wie ein begossener Pudel und hoffte nur, dass Danny nicht denken würde, dass da was zwischen Stella und mir wäre. Vielleicht knisterte es immer mal wieder, aber es war nicht mehr als eine sehr gute, sehr enge Freundschaft.