Autorenanmerkung: Erst mal muss ich meine treuen Leser hier um Verzeihung bitten, dass ihr so lange auf ein neues Kapitel warten musstet. Mich beschäftigt die Geschichte immer noch und ich entwickle gerade die Handlung zu "Tödliche Nähe"/"All Access", auch wenn ich beim Weiterschreiben gerade etwas in der Luft hänge, aber das kommt schon wieder. Da bin ich zuversichtlich.
Vielen Dank auch dieses Mal an die Leute, die so lieb gereviewt haben. Mit frl-smilla und QueenAlex sind "die üblichen Verdächtigen" erneut in der Runde, aber Demetra vergrößert den Kreis (auch wenn ich ja zu gerne wissen würde, ob du nur das erste Kapitel gelesen hast, oder ob das Review zufällig zu Kapitel 1, also dem Prolog, abgesendet wurde).
So, ich fass mich mal kurz und verrate nicht mehr, ihr werde schon sehen... Viel Spaß!
Kapitel 27: Zweite Nächte – etwas kompliziert?
Im ersten Moment fühlte ich mich hilflos, als wir bei mir ankamen. Ich hätte nicht erwartet, dass es jemals wieder so komisch zwischen Danny und mir wäre, aber gerade war es doch irgendwie ungewohnt. So richtig wusste ich auch nicht, wo wir eigentlich jetzt standen. Waren wir ein Paar? Waren wir keins? Was waren wir?
Ich schloss meine Wohnungstür auf und ließ Danny dann den Vortritt. Kaum hatte ich die Tür geschlossen und mich zu ihm umgedreht packte Danny mich auch schon und drückte mich gegen die Wand, während seine Lippen mich fordernd küssten. Im ersten Moment war ich total perplex, riss die Augen auf und war sogar kurz davor gewesen ihn gegen die gegenüberliegende Wand zu schleudern. Seit der Trainingseinheit waren meine Verteidigungsinstinkte wieder erwacht und fast hätte Danny sich mit blauen Flecken auf dem Boden wieder gefunden.
So aber schlossen sich meine Augen schließlich langsam, während meine Lippen sich unter seinen öffneten. Ich wusste nicht, was dieser Kuss zu bedeuten hatte, ich wusste nicht, was Danny damit bezweckte, und ich fragte mich unwillkürlich, ob er vielleicht eher der dominantere Typ wäre… Die nächste Frage, die in meinem Kopf auftauchte, ging unwillkürlich unter die Gürtellinie. Die kleine Stimme, die irgendwie meine innere Stimme war, wollte nur zu gerne wissen, ob dies ein Zeichen war, dass Danny beim Liebesspiel gerne den aktiveren Part besetzen würde.
Ich begann darüber nachzudenken, während ich seinen stürmischen Kuss erwiderte, ob ich in der Lage wäre, mich ihm hinzugeben. Aber ich war unfähig mir diese Frage zu beantworten. Es war eine neue, ungewohnte Situation mit einem Mann zusammen zu sein. Und außerdem hatte ich ihm ja gesagt, dass ich es langsam angehen wollte, also erwartete ich nicht wirklich, dass ich mich schon heute mit dieser Frage würde auseinander setzen müssen.
Danny küsste mich weiterhin, seine Zunge erforschte meine Mundhöhle, fuhr über meine Zunge, meine Zähne, meine Lippen, ertastete meinen Mund… Und bescherte mir eine wachsende Erregung. Ich konnte merken, wie ich hart wurde, und Danny ließ mich fast sofort spüren, dass es ihm ebenso ging, dass er genauso erregt war wie ich, in dem er sich an mich presste und sein hartes Glied durch seine Hose kurz an mir rieb. Es war ein ungewohntes Gefühl, aber nicht befremdlich.
Irgendwie dirigierte ich uns in Richtung Wohnzimmer, in Richtung Sofa, dabei die Lichter in meiner Wohnung anschaltend. Ich versuchte den Gedanken daran zu verdrängen, was Danny außer der Pizza, die ich bei unseren Küssen auf seinen Lippen noch schmecken konnte, noch heute zu Abend gegessen hatte. Wir landeten auf dem Sofa, ich auf Danny, denn er war überraschend gegen das Möbelstück gestoßen. Natürlich kannte ich meine Wohnung so gut, dass ich mich auch blind darin zurechtgefunden hätte. Oder zumindest im Dunkeln.
Plötzlich spürte ich Dannys Finger an den Knöpfen meines Hemdes, wie er begann mein Hemd von oben aufzuknöpfen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihn zurückgeküsst, aber fast augenblicklich hörte ich auf. Ich konnte nur noch seine Finger spüren, die begannen mich zu entkleiden. Das ging zu schnell, viel zu schnell. Wohin sollte das führen?
Es war keine Angst oder Panik, keine Furcht, die in mir aufstieg. Es war viel eher ein starkes Gefühl von Unsicherheit. Okay, oder vielleicht doch auch Angst. Ich wollte nicht verletzt werden, ich wollte nicht benutzt werden, und es war einfach zu unklar, was das mit Danny eigentlich war. Es fühlte sich gut an von ihm geküsst zu werden, aber ich wollte mit ihm zusammen sein und nicht nur jemand sein, mit dem er vielleicht nur spielte. Ich erinnerte mich wieder an Cindy und was Hawkes mir erzählt hatte, und auch, dass Danny mir sagte, dass sie nicht mehr zusammen wären, aber ich fragte mich doch etwas, ob nicht schon wieder die nächste Frau auf ihn wartete.
Meine Finger ergriffen seine, als er den zweiten Knopf öffnen wollte und ich ließ von seinen Lippen ab.
„Stopp!" Ich war nicht laut geworden, aber in meiner Stimme lag eine gewisse Entschlossenheit. Ich sah Danny an. Seine Brille war verschmiert und etwas verrutscht. Seine Augen suchten meinen Blick, irgendwas in ihnen war fragend. Ich verlagerte mein Körpergewicht von seinem Körper herunter und setzte mich schließlich neben ihn auf das Sofa.
„Ich kann das nicht…" sagte ich leise, während ich auf meine Hände schaute, unfähig in diesem Moment Danny anzusehen. Es war irgendwie eine Zurückweisung seiner Person, und ich wusste das. Augenblicklich fragte ich mich, wie er reagieren würde, und bekam auch sofort eine Antwort.
„Was kannst du nicht, Mac?" fragte Danny leise. Der Mann, von dem ich das Gefühl hatte, dass er mit etlichen Frauen geschlafen hatte, ohne jemals mit ihnen eine tiefer schürfende Unterhaltung zu führen, fragte mich jetzt, was ich nicht tun konnte. Und ich wusste, dass ich ihm eine Antwort, eine Erklärung schuldete.
„Ich…" setzte ich an, nur um mich zu fragen, ob das der richtige Beginn war. „Das geht zu schnell." antwortete ich Danny schließlich, ohne ihm wirklich zu antworten.
Plötzlich stand ich auf meinen Beinen, ohne selber zu wissen, wie es dazu gekommen war und sah auf Danny runter, der auf meinem Sofa saß.
„Was ist das eigentlich?" fragte ich ihn. „Was sind wir für dich?"
Ich zwang ihn in die Defensive ohne mir darüber bewusst zu sein.
„Ich weiß nicht." antwortete Danny mir schließlich, offensichtlich verunsichert.
„Fantastisch. Du weißt es nicht. Und ich weiß es nicht." Ich merkte, dass ich wütend wurde, weil ich frustriert war. Ich wollte, dass er mir sagte, dass dies der Anfang einer Beziehung sei, dass er mir sagte, dass er was für mich empfand, und gleichzeitig hatte ich auch Angst davor, vor allem davor, was es mit uns machen würde.
„Vielleicht ist dies ja nur ein Experiment für dich. Du sagtest ja, dass du es vielleicht mal mit einem Mann ausprobieren solltest."
Ich sprach das aus, was ich dachte, obwohl ich Danny eigentlich nicht für so… doof… blöd….dämlich? Mir fehlt immer noch ein passendes Wort. Auf jeden Fall erwartete ich nicht, dass Danny dieses Experiment ausgerechnet mit jemandem aus seinem beruflichen Umfeld veranstalten würde. Und ich wollte garantiert kein Versuchskaninchen sein.
„Wenn dies für dich nur ein Versuch ist, wie es mit einem Mann ist, dann will ich nicht dein Versuchskandidat sein."
Mich sahen blaugrüne Augen durch die Brille an, ich wusste nicht, was in seinem Kopf vor sich ging.
„Fein." Seine Stimme war eiskalt, als er aufstand. „Ich will auch nicht nur ein Experiment für dich sein." Ich merkte, dass er gekränkt war, aber ich sah gerade keinen anderen Ausweg.
„Danny, wenn du nur wissen willst, wie es ist, einen Mann zu küssen, mit einem Mann zu schlafen, dann solltest du dir jemand anderes suchen." fuhr ich schließlich etwas sanfter fort.
„Glaubst du wirklich, ich würde mich mit meinem Chef einlassen, wenn es mir nur ums Knutschen ginge? Glaubst du wirklich, ich würde mich mit dir einlassen, wenn du für mich nur eine Nummer wärst? Glaubst du, ich würde meine Karriere bloß für einen Fick riskieren?"
Er war lauter geworden, das Temperament, das in seinen Adern floss, das in seinem Blut floss, schien hervorzukommen. Resignierend schüttelte ich den Kopf. Das glaubte ich eigentlich nicht, aber sicher war ich mir auch nicht gewesen.
„Mac, ich…" setzte er an, nur um dann abzubrechen.
„Ach, vergiss es!" Er stand auf und ging zur Tür. Ich konnte an seiner Körperhaltung sehen, dass er geknickt war. Aber irgendwie konnte ich an nichts denken, um ihn aufzuhalten.
„Geh nicht." bat ich ihn, als er schon an meiner Wohnungstür war.
„Wieso nicht?" fragte er müde zurück.
„Geh nicht so. Lass uns darüber reden."
„Was sollen wir noch reden? Du glaubst, ich würde dich benutzen."
„Nein." sagte ich, und merkte, dass es stimmte. Ich glaubte ihm, dass er sich nicht leichtfertig mit mir einlassen würde. „Ich glaube dir, dass du mich nicht benutzt. – Und ich benutze dich auch nicht." fügte ich schließlich hinzu. Irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde er wissen müssen, dass das alles nicht nur ein Spiel für mich war.
Ich sah, wie er mit seiner Zunge seine Lippen befeuchtete. Es sah unglaublich sexy aus, trotzdem riss ich mich zusammen. Es wäre nicht gut für uns beide, wenn wir jetzt wie zwei Teenager übereinander herfallen würden, auch wenn mir der Gedanke gefiel. Die Vorstellung war gut, vor allem wäre sie gut in einsamen Nächten, aber die Realität war etwas anderes. Trotzdem schaffte ich es meine Gedanken davon fortzulenken.
„Danny, was sind wir eigentlich?"
Er zuckte mit den Schultern. Das brachte mich auch nicht weiter.
„Du bist Mac, und ich bin halt Danny." antwortete er schließlich, was auch nicht half. „Du hast doch gesagt, dass du es langsam angehen möchtest… Wir haben später auch noch Zeit, uns ein Etikett aufzudrücken. Es ‚Beziehung' oder ‚Partnerschaft' oder ‚Lebensgemeinschaft' zu nennen."
Er hatte ja Recht. Und eigentlich verurteilte ich das Schubladendenken ja auch, aber trotzdem: Es war schön die Sicherheit zu haben zu wissen, woran man war. Ich war im Moment aber schon froh, dass er nicht aus meiner Wohnung geflohen war. Stella hätte mir am nächsten Tag wohl die Hölle heiß gemacht.
„Und wir sind gerade dabei uns… anders kennen zu lernen… besser kennen zu lernen." fuhr er schließlich fort. Ich nickte zustimmend. Inzwischen saß ich wieder auf meinem Sofa und Danny ließ sich neben mir nieder.
„Mac?" fragte Danny schließlich nach einiger Zeit des Schweigens, in der ich weiter darüber nachdachte, wie es mit uns weiter gehen sollte.
„Hm?"
„Wie langsam willst du es eigentlich mit uns angehen?"
Ich war kurz davor ihn zu fragen, wie er das nun meinte, andererseits war klar, wie er es meinte. Aber ich wusste nicht, wie ich sagen sollte, was ich dachte, was ich fühlte
„Ich möchte mir sicher sein, bevor wir… weiter gehen."
„Wie weit gehen?" Ich glaubte, Danny wusste genau wovon ich redete, und dass er mich vielleicht nur etwas ärgern wollte, dass er von mir hören wollte, was ich meinte.
„Bevor wir miteinander schlafen." antwortete ich ihm schließlich. „Ich… Ich will einfach, dass es was Festes ist, bevor wir so weit gehen. Ich weiß, dass dies hier für dich bestimmt nicht nur irgendeine Nummer ist, bitte versteh das nicht falsch, aber ich will nichts überstürzen. Das ist alles auch neu für mich… Seit…" Ich stockte. Die Erinnerungen an Claire kamen wieder hoch, aber ich musste es ihm sagen. „Seit Claires Tod war mir niemand mehr so nahe."
Er nickte verstehend. „Ihr hattet eine ganz besondere Beziehung…" meinte er schließlich leise, und ich antwortete nur mit einem kleinen Nicken. Ich war den Tränen nahe, und ich hatte schon mal vor ihm wegen Claire geweint. Ja, unsere Beziehung war etwas Besonderes gewesen, sonst hätte ich sie wohl nicht geheiratet.
„Ja." sagte ich schließlich, und rückte mit noch mehr heraus: „Ich habe nie mit jemandem außerhalb einer festen Beziehung geschlafen. Ich war kein Typ für One Night Stands. Ich war mit all meinen Partnerinnen lange Zeit liiert…"
Ich wusste nicht genau, ob Danny das wohl verstand. Ich sagte dabei nicht, dass ich in sie alle verliebt war, aber mich verband mit jeder dieser Frauen etwas, auch wenn manche Beziehungen nur ein paar Monate gedauert hatten. Es war nicht mit einem One Night Stand zu vergleichen, es gab ein gewisses Vertrauen, man wusste, was der andere mochte…
„Ich verstehe…" nickte Danny. „Ich glaube, ich fahre dann am besten mal nach Hause." fuhr er fort.
„Möchtest du nicht hier übernachten?" Ich wollte ihn bei mir haben, auch wenn das alles vielleicht zu schnell ging und auch wenn ich wirkliche körperliche Nähe noch nicht zulassen konnte. Ich wollte wenigstens gerne neben ihm einschlafen und wieder aufwachen.
„Bist du dir sicher?" fragte er. Ich hätte nie gedacht, dass er mal mich das fragen würde. Andererseits war unsere Beziehung auch keine normale Beziehung, keine Durchschnittsbeziehung.
„Ja." antwortete ich schließlich. Er schenkte mir ein kleines Lächeln. „Deine Zahnbürste steht noch im Badezimmer…"
Sein Lächeln wurde etwas breiter. „Gut zu wissen." Er folgte mir ins Schlafzimmer, wo ich ihm erneut Kleidung von mir für die Nacht gab. Anscheinend beobachtete er mich ganz genau wo was lag. Dann verschwand er ins Badezimmer und ich zog mich im Schlafzimmer um. Er kehrte zurück und schlüpfte wie selbstverständlich auf der einen Seite unter die Decke. Als ich Zähne geputzt hatte und zurückkehrte blätterte er in dem Buch das auf meinem Nachttisch lag. Nein, blättern war nicht der richtige Ausdruck, er las.
„Rätsel bei der Arbeit sind dir wohl nicht genug?" fragte er mich als er mich bemerkte.
Ich grinste etwas. Ich mochte einfach spannende Bücher, und dass Dan Brown 1 mit dem ‚Da Vinci Code' einen der spannendsten Thriller der Gegenwart geschrieben hatte war unbestritten. Das Buch war unterhaltend gewesen, man konnte mitfiebern und miträtseln, deswegen hatte ich mir auch den Vorgänger und den Nachfolger besorgt, wobei ‚Meteor' mir weniger zusagte als ‚Illuminati': Es war zwar ebenso spannend, aber die verschlüsselten Botschaften fehlten, die ‚Da Vinci Code' und ‚Illuminati' so besonders machten, vor allem den ‚Da Vinci Code'.
Danny legte das Buch wieder weg als ich ins Bett kletterte und ihn an mich zog. Ich wollte ihn im Arm halten, wenn wir schon in einem Bett schliefen, wenn er schon heute Nacht bei mir war. Ich löschte mein Nachtlicht und hielt Danny in meinen Armen und fragte mich, wann ich das letzte Mal so glücklich gewesen war. Dann schlief ich ein.
1 Dan Brown: Autor von den Büchern „The Da Vinci Code" (auf Deutsch „Sakrileg"), „Illuminati" (englisch „Angels and Demons") und „Meteor"( englisch: „Deception Point"), da Mac in der zweiten Folge der zweiten Staffel „Summer in the City" auf „The Da Vinci Code" verweist und sagt, er hätte es gelesen, dachte ich mir, es würde passen, dass ein weiteres Werk des Autors auf seinem Nachtschrank liegt.
