Autorenanmerkung: Danke mal wieder an die doch inzwischen recht zahlreichen Leser, und auch an die "Doppelleser", die zwei Hits oder sogar mehr hinterlassen. Es ist schön, wenn eine Geschichte so sehr fesselt, dass sie gerne auch zwei Mal gelesen wird (ich kenne es auch aus der Leser-Sicht).
Ein Dank für Reviews geht erneut an Lesemaus und QueenAlex. "Die üblichen Verdächtigen.", wenn ich das mal so sagen darf. Antworten gingen hoffentlich alle per PM raus und durch.
Hm, was gibt es noch zu sagen? Einige sahen es vielleicht schon kommen, was jetzt kommt, und der Titel verrät ja schon etwas.
Kurz und schmerzlos: Viel Spaß!
Kapitel 32: Golf ist nicht gleich Golf
Die größte Grünfläche in New York ist und bleibt der Central Park, zumindest, wenn man Manhattan als das Herz von New York ansah. Natürlich hatte der Staat New York noch mehr Grünflächen, und außerhalb der Stadt hätte ich bestimmt auch einen ‚normalen' Golfplatz gefunden, aber ich wollte mit Danny sowieso nur mal was außerhalb meiner vier Wände unternehmen, und nicht gleich in seiner Wohnung landen. Und ich wollte mal nicht mit ihm was trinken oder essen gehen. Er sollte mich mal mehr als Mensch sehen.
So ganz hatte er die Überraschung über die Entdeckung, dass ich Bass spielte, wohl noch nicht verwunden. Er musste einfach erfahren, dass es auch für mich noch mehr gab, als nur Arbeit. Ja, ich kann auch mal entspannt und relaxt sein und meinen Spaß haben, auch wenn das meistens eher mit einem Buch der Fall ist, oder beim Training, was dann schon wieder in den Beruf reinspielt.
Ich hatte Ewigkeiten kein Mini-Golf mehr gespielt. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass Claire und ich mal gemeinsam gespielt hatten… Nicht nur einmal, mehrmals sogar. Irgendwann war ich so frustriert gewesen, dass ich keine Lust mehr darauf gehabt hatte, obwohl es eigentlich Spaß machte.
Aber wo ist der Spaß, wenn man zwar mit drei Schlägen einlocht, aber dein Gegner meistens ein ‚Hole in one' schafft? Claire war ein Ass im Minigolf. Sie haute den Ball zwar nicht immer sofort rein, aber sie lag meistens mindestens zwei Schläge vor mir. Und so hatte ich am Ende nicht selten eine Zahl auf meinem Zettel, die zwei bis drei Mal so hoch war wie ihre Schlagzahl. Sie versuchte zwar mir es beizubringen, aber es blieb bei den Versuchen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr immer nur zu verlieren und sie keine Lust mehr immer nur zu gewinnen und wir wanden uns anderen Freizeitaktivitäten zu.
Doch jetzt stand ich wieder auf einem Minigolfplatz. Neben mir Danny, der ziemlich perplex schaute.
„Ist das dein Ernst, Mac?" fragte er mich ungläubig. Ich nickte.
„Ja, mein voller Ernst."
Wir waren angekommen, ich hatte uns Schläger organisiert, alles so schnell, dass Danny erst langsam so richtig merkte, was ich hier vorhatte.
„Ich kann nicht Golf spielen." sagte Danny schließlich.
„Dann passt das ja, ich nämlich auch nicht.1" antwortete ich ihm nur in einem ungewöhnlich fröhlichen Tonfall. Wieso auch nicht? Ich hatte frei, er hatte frei, es war ein schöner Tag: Nicht zu warm, nicht zu kalt, sonnig, aber nicht zu sonnig. Nicht so, dass man fürchten musste, sich einen Sonnenbrand einzufangen.
Wir begannen bei dem ersten Loch, bei der ersten Bahn, was eigentlich noch recht einfach war. Ich erklärte Danny, wie man den Schläger zu halten hatte, wobei es beim Minigolf nicht so wichtig war, dass man den Schläger genau richtig hielt. Nicht, dass ich ein Golfprofi wäre, aber ich hatte mehr Ahnung von Golf als Danny, anscheinend zumindest. Irgendwann stand ich hinter ihm, nachdem wir schon ein paar Löcher gespielt hatten, um ihm noch mal die Position der Hände am Schläger zu zeigen, und wie er am besten Schwung holte.
Meine Arme lagen auf seinen Armen, meine Hände auf seinen Händen, und mein Schritt war genau an seinem Hintern. In dem Moment übernahm mein Körper die Kontrolle: Kurz presste ich mich etwas fester an Danny Po, einen Moment gab er dem Druck nach, bevor er mir standhielt, und nicht wegzuckte. Ich hatte ihn vielleicht überrascht gehabt mit meiner plötzlichen Aktion, aber offensichtlich hatte er nichts gegen die Nähe. Ich auch nicht, aber für mehr als einen flüchtigen Körperkontakt war dies nicht der geeignete Ort, auch wenn mein Glied fast sofort begonnen hatte anzuschwellen.
Danny hatte es spüren können, wir standen doch etwas länger als nur ein paar Sekunden zusammen, und schließlich zeigte ich ihm noch mal den Schlag, bevor ich mich unter Protest meines Körpers von ihm löste. Jede Faser in mir schien danach zu schreien ihn weiter im Arm zu halten, ihn zu berühren, ihn zu küssen, aber ich konnte das nicht.
Es war eine Sache gewesen ihn auf der Herrentoilette vom Sullivans zu küssen. Ihn in meiner oder seiner Wohnung zu küssen war sowieso kein Problem. Aber in der Öffentlichkeit? An einem öffentlichen Ort? Das hier war zwar New York, und viel liberaler als manch andere Staaten, aber wir befanden uns nicht gerade im Schwulenviertel der Stadt. Ganz abgesehen davon brauchte nur jemand hier zu sein, der uns beide oder einen von uns von der Arbeit her kannte, und sofort wären wir der Klatsch der New Yorker Polizei. Die Person würde noch nicht mal uns bekannt sein müssen. Das CSI-Team war bekannt genug. Wir hatten oft die unterschiedlichsten Polizisten zur Sicherung des Tatortes vor Ort. Es war praktisch unmöglich sich alle Gesichter und Namen zu merken, obwohl ich versuchte mir so viele wie möglich zu merken. Aber wir hatten nicht die Zeit uns jedem persönlich vorzustellen, ebenso wenig dass sie sich uns vorstellen konnten. Und so kam es, dass wir wie bunte Hunde in der New Yorker Polizei waren, aber im Gegenzug eher wenig Polizeibeamte mit Namen kannten, und noch weniger Beamte so gut kannten, dass wir persönliche Dinge von ihnen wussten.
Irgendwie schaffte ich es mich weiter auf das Spiel zu konzentrieren, zumindest so weit, dass ich am Ende nicht haushoch gegen Danny verlor. Ich musste einfach daran denken etwas ganz anderes einzulochen, als den Ball. Und vor allem nicht in so ein Loch im Zement…
Ich fragte mich, ob Danny wohl ähnlichen Gedanken nachhing. Mein Blick wanderte so verstohlen wie irgendwie möglich zu seinem Schritt, um zu sehen, ob es einen sichtbaren Beweis gäbe, dass er erregt wäre. Wenn ich ihn umarmt hätte, dann hätte ich es fühlen können, aber wir waren immer noch in der Öffentlichkeit, und ich konnte einfach nicht über meinen Schatten hinweg springen.
Ich brachte unsere Schläger zurück und fragte Danny, ob er mit mir noch in ein nahes Café würde gehen wollen. Ein Tee, ein Kaffee oder auch nur Wasser, irgendwas trinken, sitzen, reden, vielleicht auch nur Danny in die Augen schauen. Ich genieße jede Minute, die ich mit ihm verbringe, auch jede schweigende Minute, denn einfach nur mit ihm zusammen zu sein macht mich glücklich. Immer noch. Auch wenn es zwischen uns damals noch anders und viel unsicherer war als es heute ist.
Wir gingen in dieses kleine Café und ich steuerte auf eine dieser Nischen dort zu, doch noch bevor Danny oder ich uns setzen konnten hörten wir beide eine bekannte Stimme:
„Beziehungen am Arbeitsplatz sind wohl niemals einfach."
Wir sahen uns an. Eigentlich wollten wohl weder Danny noch ich lauschen, aber es ging vielleicht gar nicht anders.
„Kuck mal: Er ist ein netter Kerl, du magst ihn sehr. Quatsch, du bist sogar in ihn verliebt. Liebe muss erst wachsen, das kommt erst mit der Zeit."
„Liebst du Frankie?"
Auch die zweite Stimme war Danny und mir bekannt. Wir warteten noch etwas.
„Ich weiß es nicht. Ich mag ihn sehr."
„Aber?"
„Kein Aber."
„Okay." Doch ganz überzeugt klang Lindsay nicht.
„Lass die Tatsache, dass ihr zusammen arbeitet nicht zwischen Sheldon und dich kommen. Reicht schon, dass Danny und Mac es nicht auf die Reihe bekommen."
Danny verzog das Gesicht, während Stella fortfuhr:
„Oder glaubst du, dass Danny Mac gesagt hat, dass er ihn liebt? Sie sind ja zusammen, aber Mac zu sagen, was er für ihn empfindet, wie viel er ihm bedeutet, dass schafft der coole Danny Messer ja nicht." Sie klang ziemlich angepisst, und Danny kräuselte seine Lippen, presste sie aufeinander bevor er murmelte: „Ich bring' sie um."
Es war klar, dass Stella viel an Danny lag, sie kannten sich ja auch nicht gerade erst seit gestern, trotzdem merkte man auch, dass es ihr auf die Nerven ging, dass Danny und ich beide uns nicht zu unseren Gefühlen füreinander bekannten. Ich war trotzdem froh, dass sie nicht auch noch über meine Gefühle für Danny sprach. Ich wollte es ihm selber sagen, wenn der richtige Zeitpunkt da wäre.
Eindeutig war Danny von Stellas Worten nicht begeistert, aber ich fragte nicht nach, ob es stimmte, was Stella sagte. Ich wollte Danny die Chance lassen, es mir zu sagen, dann, wenn er den Zeitpunkt für angemessen hielt. Und ich glaube, ein kleiner Teil in mir wollte auch gar nicht wahr haben, dass er mich tatsächlich lieben könnte. Es erschien mir einfach zu absurd, dass mir wirklich das Glück zuteil werden sollte, nicht nur wieder jemanden zu lieben, sondern auch zurückgeliebt zu werden. Andererseits war Danny mal wieder an meiner Seite, er hatte seinen freien Tag mit mir verbracht.
Ich versuchte einfach mein Bestes, um die Situation möglichst zu entschärfen.
„Stella, Lindsay…" begrüßte ich meine Mitarbeiterinnen, die eigentlich arbeiten müssten, da Danny und ich ja frei hatten. Erst als ich hervor trat konnte ich die Berge an Papier und Unterlagen sehen, die auf dem Tisch lagen, Stifte, Notizen, Fotos, alles durcheinander, aber so sicher in Folien verpackt, dass weder Stellas Tee noch Lindsays Kaffee den Materialien etwas anhaben würden können, und ihre Schmierzettel, auf denen sie ihre Gedanken niederschrieben und sich kleine Anmerkungen machten waren ihre Arbeitsunterlagen. So lange die Berichte für die offiziellen Akten nicht aussahen, als wäre das Frühstück darin eingewickelt gewesen war es für mich nicht wichtig, wie meine Mitarbeiter ihre Notizen notierten. Die Resultate zählten.
Danny trat in das Sichtfeld von Stella und Lindsay, und ich merkte, wie seine Hand sich in meine schob, bevor er sie kurz leicht drückte. Mein Blick blieb auf den beiden Frauen ruhen, die gerade noch nicht nur ihr Liebesleben sondern auch das unsrige diskutiert hatten. Ich hatte das Gefühl, dass Danny ihnen noch mal demonstrieren wollte, dass wir zusammen waren. Stella hatte uns schon zusammen gesehen, aber Lindsay war es bisher entgangen, uns so intim zusammen zu sehen.
„Können wir uns zu euch setzen, oder wolltet ihr weiter in Ruhe euer Liebesleben diskutieren?" fragte ich möglichst harmlos, bevor ich hinzufügte: „Oder wollt ihr weiter über unseres reden?"
Dieses Mal war es an mir kurz Dannys Hand zu drücken. Ich wollte Stella es etwas zurückzahlen ihn so vor mir bloßgestellt zu haben, wobei ich inständig hoffte, dass sie nicht damit antworten würde, dass ich ja auch Danny nicht sagen würde, dass ich ihn liebte. Aber wir waren einfach noch nicht an dem Punkt, als dass wir uns unsere Gefühle so offenbaren würden. Und wenn sie es mir zurückzahlen würde, indem sie es Danny so sagen würde, dann würde ich auch damit umgehen können.
Ich liebte Danny, und daran war nichts falsch, wie mir ihre Blicke auch geradezu versicherten, denn sowohl auf Lindsays als auch auf Stellas Gesicht lag ein Lächeln.
„Setzt euch." sagte Stella schließlich und rutschte etwas, um Danny und mir Platz zu machen. Unsere Hände lösten sich, bevor wir uns setzten und schließlich Kaffee bestellten.
„Stella hat Recht." begann ich schließlich, bevor ich einen verwirrten Blick von Lindsay als Antwort erhielt. „Lass die Tatsache, dass Sheldon und du zusammen arbeitet dir nicht die Chance darauf nehmen mit ihm zusammen glücklich zu werden. Er ist ein feiner Kerl, er würde dir nie absichtlich wehtun." ermutigte ich Lindsay zu ihrer Beziehung zu Sheldon.
Ihre braunen Augen sahen mich mit einer Mischung aus Überraschung, Verwunderung und Dankbarkeit an. Ich glaube, mein Ruf im Büro war langsam wirklich in Gefahr, weil der Kontakt zu meinen Mitarbeitern immer persönlicher wurde. Sie lernten mich alle auf dieser anderen Ebene kennen, und plötzlich erschien vieles in einem ganz anderen Licht.
„Ihr seid beide professionell genug um Beruf und Privatleben zu trennen." Hey, sogar Danny und ich schafften das ja, irgendwie. Nicht, dass berufliche Dinge nicht trotzdem einen manchmal in ganz schöne Probleme stürzen konnten. Und ich konnte auch nicht sagen, dass unser Job unser Leben nicht beeinflusste. Aber es war auch schön, viel Zeit mit ihm verbringen zu können, gerade da wir eigentlich wenig gemeinsame Freizeit hatten. Wir wohnten ja nicht zusammen, und davon waren wir noch meilenweit weg. Himmel, wir mussten erst mal unsere Beziehung insgesamt festigen. Und dann war da auch noch der körperliche Teil unserer Beziehung.
„Danke, Mac." Lindsay lächelte. Danny und Stella ebenso. Ich glaube, ich hatte die richtigen Worte gefunden, es war gut zu wissen, wenn die Mitarbeiter einem vertrauten. Ich würde es Lindsay und Sheldon nicht sagen, aber ich würde die beiden sowieso nicht so schnell gemeinsam zu einem Fall einteilen, immerhin waren sie beide die Neulinge, sie sollten lieber einen „alten Hasen" an ihrer Seite haben.
„Und, was habt ihr da?" frage ich schließlich und griff nach den Unterlagen. Es war unglaublich, selbst an meinem freien Tag konnte ich die Finger nicht von der Arbeit lassen. Danny lachte nur, bevor er sich auch ein Stück Papier nahm und die Unterlagen von Stella und Lindsay anfing zu betrachten, bevor die beiden uns in den Fall einwiesen. Mir hätten sie früher oder später sowieso einen Statusbericht abliefern müssen, Danny war wohl einfach nur interessiert. Ich weiß nicht, in wie weit unsere Hinweise ihnen tatsächlich weiterhalfen, aber ich hatte immer wieder festgestellt, dass der männliche und der weibliche Verstand auf unterschiedliche Art und Weise funktionierte. Irgendwie hatten wir Männer wohl einen anderen Blickwinkel auf die Dinge als Frauen.
Wir saßen lange in dem Café. Lustigerweise wunderte ich mich erst, als ich Danny bei sich zu Hause abgesetzt hatte, darüber, dass das Café eigentlich meilenweit von unserem Labor entfernt war, und was Stella und Lindsay in der Gegend trieben, aber vielleicht hatten sie nur mal ungestört sein wollen. Und eine andere Umgebung konnte auch den Geist befreien.
Ich fuhr nach Hause, verbrachte den Abend alleine und in Ruhe in meiner Wohnung. Ich wusste nicht, was Danny noch vorhatte oder tat, es war nicht so, dass wir immer wissen mussten, was der andere tat, und das machte unsere Beziehung bisher vielleicht auch mit so stabil, dass wir einfach irgendwie Vertrauen in einander hatten. Wobei ich mich doch oft fragte, was Danny vielleicht tat, wenn ich nicht bei ihm wäre. Aber ich versuchte nicht an ihm zu zweifeln. Wir waren auf einem so guten Weg, das könnte alles nur wieder zerstören.
1 Ironischerweise habe ich bei GettyImages Fotos von Gary bei einem Golfturnier gesehen und gehe mal davon aus, dass er Golf spielen kann, Mac kann es aber nicht, oder mein Mac kann es zumindest nicht. Außer er kann den Golfschläger zu einer Waffe umfunktionieren… ;-)
