Autorenanmerkung: Erneut Danke an frl-smilla und Lesemaus für ihre Reviews. Antwort gab es dieses Mal per E-Mail. Ich hoffe, es hat funktioniert.

Eine kleine Anmerkung zum folgenden Kapitel findet ihr am Ende (will euch ja vorher nichts verraten).

Viel Spaß!


Kapitel 33: Blut, der Saft des Lebens

Die nächsten Tage steckten wir bis zu den Ohren, und darüber hinaus, in Arbeit. Ich genoss es die Zeit immerhin mit Danny verbringen zu können, verstohlen sah ich immer mal wieder auf seinen Hintern, oder wir tauschten Blicke aus, zumindest am Tatort war uns das vergönnt. Sobald wir wieder im Büro und Labor waren galt die professionelle Distanz, zumindest wenn andere Techniker und Laborassistenten um uns herum waren.

Vor allem in den ersten Wochen nach unserem Outing hatten wir die neugierigen Blicke von allen auf uns spüren können, aber inzwischen schien sich alles total beruhigt zu haben. Jeder wusste, dass keiner von uns, nur weil wir bisexuell bzw. schwul waren, über sie herfallen würden. (Ich schloss Don immer in dieses kollektive Outing mit ein, wenn ich daran dachte oder darüber sprach.) Ich merkte, dass ich mal wieder mit Don würde reden müssen, immerhin hatte er mir gegenüber diesen Typen erwähnt. Mir lag viel an Don, irgendwie kam er mir manchmal doch etwas vor wie ein Sohn, den ich nie hatte, er gehörte zu meinen engen Mitarbeitern und ich passte auf ihn auf. Ich hoffte sehr, dass er glücklich war, aber er wirkte recht ausgeglichen am Tatort, so dass ich mir darüber weniger Gedanken machte.

Viel mehr beunruhigte mich die Tatsache, dass DJ Pratt jetzt anscheinend noch nicht mal mehr vor Mord zurückschreckte. Aiden war nur, weil sie in Versuchung gekommen war Beweise in einer Vergewaltigung zu manipulieren, von mir entlassen worden, jetzt ging es um Mord, oder zumindest fahrlässige Tötung, unterlassene Hilfeleistung oder Todschlag. Es war nicht mein Job festzulegen, wofür er angeklagt würde, so lange er angeklagt würde. Aber es gab nichts, womit wir den Kerl festnageln konnten. Ich war kurz davor aus meiner Haut zu fahren. So sehr ich nach Außen hin immer wieder die Ruhe selber erschien, so sehr brodelte es zeitweise in mir.

Ich war froh, dass wir unseren Organ-Dieb gefunden hatten, aber mich ließ dieser andere Fall nicht in Ruhe: Zwei Vergewaltigungsopfer (mindestens), drei Vergewaltigungen, eine Leiche, und der Typ lief immer noch frei auf den Straßen von New York herum. Es war frustrierend.

An diesem Abend lief ich wie ein Tier in einem Käfig in meiner Wohnung auf und ab, als es klingelte und Danny davor stand. Sonst war ich immer derjenige, der dafür sorgte, dass er ruhig war. Ich beruhigte eigentlich jeden aus dem Team, aber gerade brauchte ich wohl einfach seelischen Beistand.

„Mac, was ist los?" fragte Danny mich, während er eintrat. Die Haustür unten musste wohl noch offen sein, oder er war reingeschlüpft, es war auch nicht wichtig, er kam in meine Wohnung und schloss die Tür. Das Ganze mit einer Selbstverständlichkeit, die ich vor einigen Monaten noch nicht erwartet hätte, aber es fühlte sich gut an.

„Pratt." antwortete ich gepresst.

„Oh Mac…" Danny nahm mich einfach in den Arm. Und ich ließ es zu. Ich ließ mich in seine Arme ziehen und legte meinen Kopf einfach auf seine Schulter. Die Berührung zwischen uns beruhigte mich etwas. Nicht genug, bei weitem nicht genug. Ich wusste, dass ich mich an das Gesetz halten musste, aber es hieß nicht, dass ich nicht auch Gefühle haben durfte. Und die Emotionen, die in mir hoch kochten sagten mir, dass ich Pratt am liebsten den Hals umgedreht hätte, eigenhändig, aber das Gesetz band meine Hände.

Aber nicht meine Gefühle. Es tat mir irgendwie immer noch leid, Aiden entlassen zu haben, obwohl ich wusste, dass ich damals das Richtige tat. Aber als ich sah, wie groß die Versuchung damals für sie gewesen sein musste, Beweise zu manipulieren, hatte ich keine Wahl gehabt. Andererseits war es fast noch schlimmer Pratt auf freiem Fuß zu sehen. Trotzdem: Wir durften es einfach nicht zulassen, dass so etwas jemandem später vielleicht zu einem Freispruch verhalf. Wir waren immer noch Polizisten und in erster Linie den Beweisen verpflichtet. Die durften nicht lügen. Wäre es zu einem Prozess gekommen und wäre Pratt auf Grund von manipulierten Beweisen angeklagt worden, was im Prozess zum Vorschein gekommen wäre (und darauf konnte man praktisch Gift nehmen, die Anwälte von vielen Verbrechern wussten zumindest, wie sie über solche Dinge ihre Mandanten frei paukten), dann wäre jede weitere Anklage genau beäugt worden.

Ich versuchte durchzuatmen und mich wieder etwas zu beruhigen. Es machte ja keinen Sinn mich aufzuregen. Irgendwann würden wir Pratt kriegen, und vermutlich würde ich in der Zwischenzeit jeden Abend, bevor ich das Büro verlassen würde, erneut den Aktenordner mit allen Beweisen zu den Fällen zu Pratt durchgehen, nur um weitere Verbindungen zu finden. Ich fragte mich schon jetzt, wie viele Frauen er wohl noch vergewaltigen würde, bevor wir ihn endlich überführen könnten. Wie vielen Frauen würde er noch Gewalt antun, bevor er im Knast sitzen würde? Und wie lange würde er dann hinter Gittern sein?

Danny merkte, dass ich in Gedanken weg war. Ich spürte seine Hand, die beruhigend über meinen Rücken streichelte, während er mich in seinen Armen hielt. Ich atmete seinen Geruch ein, maskulin, wie Danny eben war, aber irgendwie auch nach der Jugend riechend, die Danny noch ausstrahlte, obwohl er schon lange kein Teenager mehr war.

„Manchmal erscheint alles so sinnlos…" murmelte ich irgendwann. An Schlaf war für mich noch nicht wirklich zu denken, obwohl es bereits spät war und die letzten Tage einiges an Kraft gekostet hatten.

„Ich weiß…" antwortete Danny mir, bevor er mich sanft aber bestimmt dann doch ins Bett bugsierte. Er trickste mich regelrecht aus, wie er mich sanft in mein Schlafzimmer dirigierte, mich küsste, mich berührte, und schließlich mir mein Hemd aufknöpfte. Ich war froh an diesem Tag ein Unterhemd darunter zu tragen. Er zog mir die Hose aus, und ich ließ es geschehen. Meine Hände suchten den Saum seines T-Shirts, zogen es ihm über den Kopf, nur um festzustellen, dass er auch ein Unterhemd drunter trug.

Am Ende lagen wir in Unterwäsche in meinem Bett, ich an seine Brust gelehnt. Bei Claire hatte ich mich auch anlehnen können, aber es war anders gewesen. Körperlich war sie mir nie so ebenbürtig gewesen wie Danny es war. Ich würde niemals jemanden, den ich liebte, verletzen, aber man merkte es einfach, dass etwas anders war. Danny gab mir auf eine andere Art Stärke als Claire es jemals hatte tun können. Sie hatte oftmals leise zu mir geflüstert, mit mir gesprochen, versucht beruhigend auf mich einzureden, oder hatte versucht genau aus mir herauszubekommen, was mich bedrückte. Danny ließ es einfach auf sich beruhen. Wenn ich reden wollte, dann konnte ich reden und wusste, dass er da war.

Aber ich wollte wohl gar nicht reden.

Irgendwann waren wir eingeschlafen. Und am nächsten Morgen war er überraschender Weise schon fort, als ich erwachte. Hatte ich wirklich den Wecker überhört? Hatte ich so fest geschlafen?

Eine Notiz auf meinem Nachttisch beantwortete nicht wirklich eine meiner Fragen: „Bis später bei der Arbeit. Danny"

Ich zog mich an, machte mich fertig fürs Büro, frühstückte in Ruhe. Heute wurde ich nicht allzu früh im Büro erwartet. Danny auch nicht, wir hatten diese Woche die gleiche Schicht. Ich hatte es mal wieder so gelegt. Und deshalb wunderte es mich, dass er schon weg war, aber es würde wohl seinen Grund haben.

Ich fuhr zur Arbeit. Es war ein normaler, ruhiger Arbeitstag: Ich stand im Labor und untersuchte Beweisstücke von Fällen, ich machte chemische Analysen, checkte Fingerabdrücke. Nichts wirklich Aufregendes. Zwischendurch kümmerte ich mich immer mal wieder um die ganzen Unterlagen, der „Papierkram" eben.

Alles war wie an einem durchschnittlichen Tag, wenn wir nicht gerade unter Hochdruck daran arbeiteten, einen Mörder zu fangen. Bis ich, nachdem ich eine DNS-Analyse bei Jane abgeholt hatte, wieder in mein Büro kam und dort die versammelte Mannschaft vorfand: Lindsay, Stella, Don, Sheldon und Danny.

„Was habt ihr denn vor?" fragte ich. „Eine Meuterei?"

„Nein, eine Entführung." kam es von Stella.

Ich konnte gerade noch den Bericht aus der DNS auf meinen Schreibtisch legen bevor Don und Danny mich in meinen Mantel zwängten und alle zusammen mich mit sich zu den Fahrstühlen zerrten.

„Wo gehen wir hin?" wollte ich wissen, wobei ich schon so meinen ersten Verdacht hatte. Sullivans, war die erste Vermutung. Aber ich wurde eines besseren belehrt, während wir uns auf zwei Autos in der Tiefgarage aufteilten.

Stella fuhr den Wagen, in den Danny mich geschoben hatte, Lindsay war mit Sheldon und Don im anderen Auto, das Don fuhr. Ich merkte, dass sie und Sheldon auf der Rückbank Platz genommen hatten. Sah so aus, als hätte sie ihre kleine Krise darüber, dass sie zusammen arbeiteten, überwunden.

Ich vermutete immer noch, dass wir in einer Bar enden würden, doch Danny fragte mich auf unserem Weg: „Hast du heute genug gegessen?"

„Frühstück, Mittagessen… Der Tag war ruhig, ich hatte mal Zeit für ausgeglichene Ernährung."

„Und getrunken?"

„Hm… Wieso willst du das wissen?"

„Wie viel Kaffee hattest du heute?"

„Nur die Tasse zum Frühstück, sonst bin ich heute irgendwie beim Wasser hängen geblieben."

„Gut." kam es von Stella. Trotzdem drückte Danny mir eine weitere Flasche Wasser in die Hand und sagte: „Trink das."

Es wurde immer mysteriöser. Selbst unser Zielgebäude gab mir keinen wirklichen Aufschluss darüber, was sie mit mir vorhatten. Erst, als wir alle Formulare in die Hand gedrückt bekamen gingen bei mir ein paar Lichter auf.

„Blutspenden? Ihr schleppt mich zum Blutspenden?"

„Oder hast du Angst vor Nadeln, Mac?" begann Hawkes mich aufzuziehen, wobei Lindsay bei seiner Frage nicht wirklich glücklich schaute. Ich allerdings schüttelte den Kopf.

„Hast du eigentlich einen Organspendeausweis, Mac?" fragte Stella. Noch mehr Unterlagen, die ich in die Hand gedrückt bekam.

„Wir machen das alle, oder?" fragte Lindsay etwas unsicher.

„Klar."

„Auf jeden Fall."

„Sicher doch."

Anscheinend waren sich alle einig, nur ich war überrumpelt worden.

Schließlich war Lindsay die erste, die mit Sheldon zusammen zum Blutspenden rein ging. Ich konnte noch sehen, wie sie Sheldons Arm ergriff. Dann hörte ich gerade noch wie sie fragte: „Du piekst mich doch, oder?". Sheldon nickte als Antwort, und dann waren sie hinter der Tür verschwunden.

„Wer kam denn auf die Idee?" wollte ich schließlich wissen, während ich Don, Stella und Danny fragend ansah.

„Danny." kam die Antwort von einer mir bekannten Stimme hinter mir, während Aiden Burn auftauchte. Im Schlepptau hatte sie Sid Hammerback.

„Und gar nicht mal eine schlechte Idee, wenn ich das so sagen darf… Wir haben genug mit dem Tod zu tun." Da konnte ich Sid nur beipflichten, wobei er fast nur mit Leichen zu tun hatte, während wir anderen immerhin noch ab und an mit lebenden Opfer sprechen konnten. Aber auch das war nicht immer ein Vergnügen.

„Schön dich zu sehen, Aiden." begrüßte ich sie und reichte ihr etwas steif die Hand. Ich konnte nicht umhin mich schuldig zu fühlen. Pratt, ihre Entlassung. Das alles ging mir seit der Frauenleiche und den eindeutigen Hinweisen, dass Pratt was mit ihrem Tod zu tun hatte, oder sie wohl zumindest vergewaltigt hatte, nicht mehr aus dem Kopf.

Wir plauderten alle etwas über belangloses Zeug, bevor Danny und ich als nächste zum Blutspenden gingen. Unterlagen hatten wir alle ausgefüllt, ebenso die Formulare für die Organspendeausweise. Es war vielleicht nicht viel, was wir taten, aber es war immerhin etwas. Unsere Opfer waren meistens nicht mehr in der Lage mit ihren Organen evtl. noch andere zu retten. Wenn Herz und Lunge nicht mehr arbeiteten, und das seit Stunden, dann konnten die Organe nicht mehr verwendet werden. Außerdem kamen oft entweder ein überhöhter Alkoholpegel oder sogar Medikamente oder Drogen noch hinzu, die nicht unbedingt gesundheitsfördernd waren.

Es dauerte einige Zeit, bis die ‚Vampire' uns unser Blut ausgesaugt hatten. Anscheinend gab es mehrere Räume in denen gespendet wurde, denn ich sah weder Stella und Don, noch Sheldon und Lindsay, noch Aiden und Sid. Nur Danny und ich saßen praktisch nebeneinander, Nadeln in unseren Armen, und versuchten nebenbei uns irgendwie zu unterhalten, weil sich das Lesen einer Zeitschrift wohl doch etwas schwierig herausstellte, wenn man nur einen Arm wirklich benutzen konnte.

Nachdem wir entlassen wurden, mit dem nötigen Papierkram, und natürlich vielen Erklärungen von Ärzten, gingen wir wieder zum Auto, um uns dort mit dem Rest der Truppe zu treffen. Wir warteten einige Zeit bevor Sheldon auftauchte.

„Lindsay ist umgekippt." teilte er uns praktisch sofort mit. „Ihr Kreislauf hat wohl nicht so ganz mitgespielt. Sie hat auch ein bisschen Angst vor Nadeln, obwohl sie sehr tapfer war, als ich sie piekste…"

Arme Lindsay. Nicht jeder konnte wirklich mit Nadeln umgehen. Ich wusste, dass sie eine verdammt harte Frau war, in vielerlei Hinsicht. Lindsay konnte einiges einstecken. Ich erinnerte mich gerne wieder an ihre Begeisterung, als sie den Bogen in der Hand hielt. Aber jeder hatte seine Schwächen, und bei Lindsay waren es anscheinend Nadeln und das eigene Blut. Es war immer noch etwas anderes Blut aus seinem eigenen Körper zu sehen als das Blut von jemand anderem.

„Ich bring' sie nach Hause." erklärte Sheldon uns weiter. Ich nickte nur.

„Wünsch ihr gute Besserung." gab Danny ihm mit auf den Weg. Hawkes nickte.

„Von mir auch." fügte ich noch hinzu. Ich sah wie er wegging. Vermutlich ein Taxi rufen. Ich hoffte aber sehr, dass Sid und Aiden uns noch etwas Gesellschaft leisten würden, zusammen mit Don und Stella. Danny hatte mir erzählt, dass sie geplant hatten, nach dem Blutspenden gemeinsam essen zu gehen.


Autorenanmerkung: Ich habe noch nie Blut gespendet, nur Blutplasma. Dementsprechend garantiere ich nicht für die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe des Blutspendevorgangs. Organspendeausweise sind, so weit ich es weiß, in Deutschland nur der Ausdruck eines Willens, aber nicht rechtskräftig, doch auch hier bin ich kein Experte in dem Gebiet. Doch ich bin sicher, dass es im Internet genug Seiten gibt, die weiterführende Informationen zu dem Thema beinhalten.

Behaltet also bitte im Kopf, dass dies eine rein fiktive Geschichte ist und manche Dinge nicht wirklich akkurat sind, auch, da die Geschichte in den USA spielt und nicht in Deutschland (und ich mich mit dem amerikanischen Recht noch schlechter auskenne als mit dem deutschen...).