Autorenanmerkung: Dank für die Reviews geht dieses Mal an TeddyHamster, Lesemaus und QueenAlex. Und damit begrüße ich dann auch den neusten Reviewer-Zugang ganz herzlich, ebenso wie mögliche weitere neue Leser. Ach so: Antworten sind per Review-Reply unterwegs gewesen, müssten also unter eurer E-Mail-Adresse, mit der ihr euch bei angemeldet habt zu finden sein.

Kleine Anmerkung noch: Quengeln bringt gar nichts, was kommt, das kommt, und was nicht kommt, das kommt halt nicht. Schreibblockaden sind zeitweise schwer zu durchbrechen, deswegen nutze ich es auch immer so gut ich kann, wenn die Muse mich mal wieder ausgiebig knutscht. Anders gesagt: Updates kommen evtl. nach dem Zufallsprinzip, wobei im Moment die Montage ganz gut laufen, aber das kann sich auch wieder ändern. Spätestens wenn mein Kapitelvorrat aufgebraucht ist...

Jetzt aber erstmal viel Spaß mit dem weiteren Kapitel!


Kapitel 34: Dinner mit der Truppe

Aiden legte ihre Hand auf Dannys Unterarm, während sie von einem ihrer gemeinsamen Fälle erzählte. Ein bisschen Eifersucht regte sich in mir, während ich sie so vertraut zusammen sah. Dabei war es einfach nur lächerlich, sie war immer noch Aiden.

Im Büro war lange Zeit über Danny gespöttelt worden. Zwar hinter vorgehaltener Hand, und so, dass vor allem Danny es nicht mitbekam, aber ich hatte meine Ohren überall. Komisch, dass es mir jetzt erst wieder einfiel und nicht damals, als Stella sagte, dass sie glaubte, dass Danny was mit Aiden hätte.

Aiden hatte Danny mal mitten im Flur erklärt, dass sie außerhalb seiner Liga spielen würde.

Mitten im Flur, das war der springende Punkt gewesen. Natürlich hatte es jemand hören müssen.

Ich weiß noch nicht mal, ob Danny es jemals wirklich bei ihr probiert hatte. Es war auch vielleicht nicht wichtig, vor allem nicht, als Danny im Gegenzug von ‚Montana' sprach, bis Aiden merkte, dass es um Lindsay ging.

Die beiden hatten sich nicht getroffen. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass sie sich auch nie treffen würden. Es war auch eines der letzten Male, dass ich Aiden sah. Selbst in einer Metropole wie New York lief man sich immer mal wieder über den Weg, es ließ sich gar nicht vermeiden.

Auf jeden Fall funkelte da etwas in Aidens Augen, als Danny so über Lindsay sprach. Ich fragte mich, ob es Eifersucht von ihr war, weil Danny sich so gut mit ‚Detective Monroe', also Lindsay, verstand und sie ihm bei der Arbeit wohl nicht so fehlte, wie sie es sich erhoffte. Wenn es Eifersucht war, dann amüsierte es mich, immerhin war sie gerade diejenige, die Danny anfasste. Zwar nicht wirklich intim, aber so berührte ich ihn nie vor dem ganzen Team, bisher nicht.

Stella warf mir einen Blick zu. Sie merkte so oft, wenn ich etwas beobachtete. Dann schenkte sie mir ein kleines Lächeln. Ob sie sich wohl an die Szene im Café erinnerte, als ich mit Danny Händchen hielt? Oh Gott, es klang lächerlich, wenn ich so darüber nachdachte. Oder dachte sie vielleicht an den Abend, als Don und sie Danny auf meinem Sofa vorfanden.

„Ich mache dir mal mein Hühnchen Parmesan." hörte ich Aiden Danny versprechen, als unsere Essensbestellung kam.

Sie hatten jedenfalls noch engeren Kontakt, als ich gedacht hätte. Und ich fühlte mich wieder etwas schuldig, weil ich Aiden hatte entlassen müssen.

Wir aßen, wir redeten. Vor allem natürlich über das Blutspenden, wer von uns schon mal Blut gespendet hatte, wer ein Neuling war, welche Blutgruppe wer hatte, obwohl ich es natürlich in den Unterlagen hätte nachlesen können. Das Labor hatte DNS-Proben von jedem, für den Fall, dass wir einen Tatort unbeabsichtigt kontaminieren würden. Es wäre ja wirklich ärgerlich, wenn man ein Haar vom Tatort untersuchen würde, nur um irgendwann dann herauszufinden, dass es einem von uns gehörte. Jeder Polizeibeamte war in dieser Datenbank.

Die Idee mit den Organspendeausweisen fand ich persönlich allerdings besonders gut. Wir redeten noch während des Essens darüber. Jeder von uns hatte die Unterlagen ausgefüllt, ohne großartig zu zögern. Stella hatte zugeben müssen, dass sie bereits einen Ausweis hatte, aber sie hat ihn einfach erneuert. Wir mussten darüber diskutieren, dass viele Leute oftmals nicht bereit waren, Organe zu spenden, wenn ihre Kinder bei Autounfällen starben. Wir alle sahen einfach viel zu viel Tod in unserem Beruf, als dass wir nicht etwas hätten tun wollen, um mal dem Tod effektiv entgegen zu treten. Leider blieb uns oft nichts anderes übrig, als den Täter zu finden, der jemanden umgebracht hatte. Und irgendwie war die Aussicht darauf, dass der eigene Unfalltod vielleicht ein Leben retten könnte beruhigend. Es war nicht so, dass ich eine Todessehnsucht hatte, überhaupt nicht.

Ich lebte wieder, ich liebte wieder. Ich genoss jeden Moment dieses Essens. Aber es war gut, etwas vorauszuplanen.

Was ich nicht erwartet hatte, war eine Situation, die nach dem Nachttisch eintrat, den wir uns alle gönnten.

„Was machst du noch heute Abend, Messer?" fragte Aiden Danny.

Wir saßen nebeneinander, aber hatten nicht über Pläne für den Abend gesprochen. Und ich hatte auch nicht darüber nachgedacht, dass Aiden von meinem, nein, unserem Outing nichts mitbekommen hatte. Und Sid, der neben Stella am Tisch saß, wusste nichts davon, dass Danny und ich so was wie zusammen waren. Irgendwie erwischte es mich deshalb eiskalt, als Danny meine Hand ergriff uns sagte: „Ich dachte, wir lassen den Tag gemütlich bei mir auf dem Sofa ausklingen…"

In seinem Blick, den er mir nach diesem Satz zuwarf lag eine Frage. Es war ein Vorschlag, nichts unumstößliches. Und dann war da noch die Tatsache, dass er mich zu sich in die Wohnung einlud. Ich würde bei ihm übernachten. Wenn ich dem Vorschlag zustimmen würde. Aber erstmal musste ich wohl die Blicke von Aiden und Sid überleben.

Von Sid war es nur ein relativ irritierter, etwas skeptischer und fragender Blick, typisch Sid eben. Er griff zu seinem Wasserglas und nahm einen Schluck. Die meisten von uns tranken noch Bier oder Wein, was wir zum Essen hätten, aber Sid hatte sich konsequent an Wasser gehalten. Irgendwann während des Essens hatte ich ihn mal gefragt, ob es ihm was ausmachen würde, wenn alle um ihn herum Alkohol trinken würden. Er hatte sehr nachdenklich geschaut und schließlich gesagt, dass es ihm in solchen Situationen manchmal schon schwer fallen würde nichts zu trinken. Und dann erzählte er mir, dass er sich dann daran erinnerte, wie er gewesen war, wenn er betrunken war. Wie ihn der Alkohol verändert hatte. Dass er sich in den Momenten selber nicht gemocht hatte. Als er darüber sprach, dass es immer noch Momente gab, in denen er sich nicht mochte, musste ich zustimmend nicken. Wir alle mögen uns manchmal wohl nicht selber. „Aber", so waren Sids Worte, „trocken kann ich mich trotzdem immer noch besser leiden als alkoholisiert."

Aiden hingegen plumpsten fast die Augen aus den Höhlen als sie Dannys Hand auf meiner sah. Irgendwie war es mehr ein Bekenntnis als jemals zuvor, dass wir zusammen waren. Lindsay und Sheldon waren zwar nicht dabei, Stella und Flack wussten schon länger, dass Dannys und mein Verhältnis enger geworden war, aber dies war in der Öffentlichkeit, es war nicht mehr in meinen vier Wänden.

Aiden öffnete ihren Mund um etwas zu sagen. Sie hatte sinnliche Lippen, das musste man ihr lassen, aber ich liebte Danny. Ich liebte ihn so sehr, dass ich ihn für das schönste Geschöpf auf der ganzen Welt hielt. Nein, ich halte ihn für das Schönste auf der ganzen Welt. Weil ich ihn liebe. Mit Claire war es genauso gewesen. Für mich ist sie immer noch eine Schönheit. Sie war auch eine Schönheit.

Irgendwie kam es mir so vor, als würde Aiden was sagen würden, aber immer bevor ein Ton aus ihrem Mund herauskam schlossen sich ihre Lippen wieder.

„Was ist, Burn? Du siehst aus wie ein Fisch auf dem Trockenen…"

Sie sah mich an, dann wieder Danny, dann wieder mich.

„Ihr… ihr beide?" stammelte sie schließlich, mehr nicht herausbekommend.

„Was soll mit uns beiden sein?"

Flack grinste leicht, während Stella ein Lachen versuchte zu unterdrücken. Danny drückte in der Zeit leicht meine Hand.

„…habt was miteinander?"

Aiden war wirklich total ungläubig. Und irgendwie konnte ich es nachvollziehen. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass Danny und ich zusammen waren. Und vor allem drückte ich mich immer noch davor ihm zu sagen, dass ich ihn liebte. Meine Gefühle hielt ich verbal noch zurück, aber ich war nicht zurückgezuckt, als seine Hand sich auf meine gelegt hatte. Trotzdem überließ ich in diesem Fall das Reden Danny. Er und Aiden waren Partner gewesen. Er kannte sie wohl besser als jeder andere aus dem Team.

„Mac und ich sind zusammen." sagte er schließlich.

Ich merke, dass meine Brust leicht vor Stolz anschwellte und ich mich aufrechter hinsetzte. Danny schenkte mir einen Blick mit einem Lächeln, das von Herzen kam. Es war wohl das erste Mal, dass wir uns wirklich so öffentlich zu einander bekannten.

„Du treibst es mit einem Kerl? Und dann auch noch mit… Mac?" platzte es aus Aiden heraus, bevor sie wirklich merkte, was sie sagte, und dass ich auch noch am Tisch saß.

„Nichts gegen dich, Mac." fügte sie rasch hinzu. „Aber…"

Aber… Ich konnte ihre ganzen Gegenargumente gegen unsere Beziehung in meinem Geiste hören: Er ist zu alt, er ist ein Mann, er ist nicht gut genug für dich. Moment mal! Nicht gut genug… Ich stockte in meinen Überlegungen. Ich hatte nie über so etwas nachgedacht. Für mich standen alle Menschen auf einer Ebene. Ich erhob mich nicht über Danny oder erhob ihn über mich, weil er jünger war, schlanker, und definitiv einen besseren Schlag bei den Frauen hatte. Es interessierte mich noch nicht mal sonderlich, dass er mehr Chancen beim weiblichen Geschlecht hatte als ich. Für ihn war es vielleicht relevant, weil er jemand war, der gerne durch die Laken turnte, mit den unterschiedlichsten Frauen. Wobei es ihm in diesem Moment absolut egal erschien.

Und ich konnte nicht sagen, dass ich Frauen überhaupt nicht anzog. Aber wenn ich jemanden wollte, so wie ich Danny wollte, dann war jeder Gedanke an eine andere Person aus meinem Kopf verschwunden.

„Mac und ich treiben es nicht. Wobei es dich gar nichts angeht, was wir tun und lassen." Ich war perplex, dass er einfach so über unser Sexualleben sprach. Aber es war die Wahrheit. Noch immer war außer Kuscheln und Küssen nichts weiter passiert.

Es wäre eine perfekte Gelegenheit gewesen zu sagen, dass ich ihn liebte. Es wäre auch eine perfekte Gelegenheit für ihn gewesen mir zu sagen, dass er was für mich empfand, wenn er denn etwas für mich empfand. Aber irgendwie konnte ich inzwischen fühlen, dass da etwas war, sonst hätten seine Finger bestimmt nicht so zart über meinen Handrücken gestreichelt.

„Aiden, das ist unsere Sache, unsere Sache ganz allein. Und egal was du dazu sagen willst: Behalt es einfach für dich!"

Danny war ein bisschen aufbrausend am Schluss geworden, Aiden hatte verteidigend ihre Hände in Luft gehoben.

„Alles klar, Messer. Es ist natürlich deine Sache, mit wem du dein Bett teilst…"

Schweigen trat ein. Sid hielt sich zurück, es kam kein Kommentar, dass wir ja vielleicht auch es einfach an anderen Orten trieben, nichts in der Richtung, was ziemlich merkwürdig für Sid war, aber ich war trotzdem froh darüber.

„Aber die Einladung zum Hähnchen Parmesan steht…" sagte Aiden schließlich.

„Ich freu mich drauf." Danny schenkte ihr ein Lächeln, womit ihr Streit wohl beigelegt war. Total sicher konnte ich mir da natürlich nicht sein, wenn sie alleine wären, dann würden sie das Thema von Dannys und meine Beziehung vielleicht wieder aufgreifen.

„Also, Mac, wollen wir?" fragte Danny schließlich, nachdem jeder seine Rechnung beglichen hatte. Er hatte erst seine Hand wieder von meiner weggezogen, als er seinen Geldbeutel zückte. Ich schenkte ihm ein schmales Lächeln bevor ich nickte.

Die Verabschiedungsrunde begann. Ich umarmte Stella und küsste sie auf die Wange, ich drückte Don kurz, Sid bekam einen Händedruck und einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter, und Aiden bekam schließlich auch einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

„Alles Gute für euch, Mac." raunte sie mir in diesem Moment zu. Es war vielleicht wirklich nur die Überraschung gewesen, die sie so komisch hatte reagieren lassen.

„Mac, wann kann ich dir denn Tim vorstellen?" fragte Flack, während wir alle schon auf dem Weg zur Tür waren. Mehrere Köpfe drehten sich zu Don.

„Abendessen in ein paar Tagen?" fragte ich ihn, während ich im Geiste meinen Terminkalender durchging. Ich reservierte meine arbeitsfreien Abende schon im Geiste für Danny und glich unsere Dienstpläne ab, aber irgendwie schien es Don wohl wichtig zu sein, dass ich seinen Freund kennenlernte.

„Wer ist Tim?" fragte Aiden.

„Dons Freund." antwortete ich. Niemand außer mir wusste davon, und selbst ich riet gerade, weil Flack mir gegenüber damals ja keinen Namen erwähnt hatte, aber er nickte nur zustimmend. Danny lächelte.

„Du hast einen Freund?" Er grinste geradezu.

„Ja, aber das erzähl ich dir alles ein anderes Mal, Messer." versuchte Don das Thema zu beenden.

„Wie, du auch?" fragte Aiden jetzt noch.

„Ne, Burn. Danny und Mac haben ja beide noch was für so hübsche Dinger wie dich übrig…" Don zwinkerte Aiden zu. „Bei mir würdest du dagegen auf Granit beißen."

Stella lachte und hielt sich an Dons Arm fest, damit sich nicht auf den Boden fiel. Ich wusste nicht genau, was sie so amüsierte. Dass Don Aiden als ‚hübsches Ding' bezeichnete, dass Danny und ich auch noch Frauen mochten oder dass sie bei ihm ‚auf Granit beißen' würde. Oh Gott, ich wollte lieber nicht über den letzten Teil nachdenken. Es fiel mir zeitweise schon schwer genug über mich und Danny in einer intimen Situation nachzudenken. Aber Danny war der einzige Mann, mit dem ich mir so was Intimes überhaupt vorstellen konnte.

Aber ich wollte bestimmt nicht über Dons private Ausstattung nachdenken, und erst recht nicht im Zusammenhang mit Oralsex. Manchmal wünschte ich mir, er würde doch etwas mehr nachdenken, bevor er redete. Andererseits war ich ihm immer noch für die eine oder andere Information dankbar, die er an mich weitergegeben hatte. Er war meine Quelle in der Schwulenszene, irgendwie. Trotzdem wollte ich nicht so über ihn nachdenken.

Wir verabschiedeten uns alle und entschwanden schließlich in die unterschiedlichsten Richtungen. Stella und Don brachten die Wagen zurück, Danny und ich spazierten durch Manhattan, Sid und Aiden machten sich auch zu Fuß auf den Weg, obwohl Don Aiden sogar noch anbot, sie nach Hause zu fahren. Stella verzichtete darauf, Sid das anzubieten. Irgendwie war sie wohl nicht scharf darauf, eine seiner Geschichten zu hören. Vielleicht war es ihr auch zu unheimlich, mit ihm alleine in einem Auto zu sitzen.

Wie auch immer, irgendwann landeten Danny und ich doch in der U-Bahn und fuhren zu ihm.