Autorenanmerkung: Langes Kapitel, lange Fallanalyse aus Macs Sicht. Kleine Bemerkung: Ich habe Teile aus der englischen Fassung der Folge entnommen, die im Synchronisationsprozess leider weggefallen sein. Vielleicht bekomme ich ja im Review erzählt, was genau ich damit meine. ;-)
Der Dank für die Reviews der letzten Woche geht an TeddyHamster und Lesemaus! Vielen Danke! (Sollte ich mir wegen der vielen Nager-Namen Sorgen machen? ;-) )
Erneut mal wieder ein Dank an die vielen Leser: Es macht Spaß zu sehen, wie die Hit-Zahlen nach oben gehen.
Viel Spaß beim neuen Kapitel!
Kapitel 38: Danny unter Verdacht
Am nächsten Morgen gingen Danny und ich wie gewohnt zur Arbeit. Wir arbeiten ein paar Tage lang ganz normal, verbrachten mal die Mittagspause zusammen oder gingen mal einen Kaffee trinken. Die Abende verbrachten wir aber getrennt, es ergab sich einfach nicht. Er stand nicht unangekündigt vor meiner Tür und ich nicht vor seiner.
Sicherlich lag das auch daran, dass ich noch jede Menge im Büro aufzuarbeiten hatte. Manchmal kam ich mit den ganzen Unterlagen überhaupt nicht nach. Als ‚Boss', wie Danny mich ab und zu liebevoll betitelte, hatte ich einfach verdammt viele Aufgaben: Ich musste nicht nur die Berichte zu meinen Fällen schreiben, ich musste auch noch die Arbeit all der anderen beaufsichtigen, oder ihnen zumindest mit Rat und Tat zur Seite stehen, und von Zeit zu Zeit sogar bewerten. Nicht zu vergessen, dass ich immer mal wieder selber einen Blick auf einen Fall werfen wollte.
Ich wollte gerade aus dem Büro gehen und nach Hause fahren, als mein Telefon klingelte. Und bevor ich es mich versah war ich an einem Tatort und wurde von Flack eingewiesen. Dieses Mal hatte das Opfer selber mich angerufen gehabt, und das nur, um einen Mord zu gestehen, der 15 Jahre zurücklag. Aber es kam noch besser: Die Leiche, von der er am Telefon gesprochen hatte war nicht in New York sondern in New Jersey vergaben. Immer wenn es zu staatenübergreifenden Fällen kam, dann konnte man mit Kompetenzgerangel rechnen. Das war zwar nicht der Fall, aber die Kollegen aus Jersey waren nicht erfreut, dass ich sie mitten in der Nacht aus dem Bett klingelte.
Hey, selbst ich wäre zu dieser Zeit lieber im Bett gewesen, und erst recht als ich merkte, wohin uns dieser Fall führte. Hawkes hatte Rufbereitschaft, und als ehemaliger Gerichtsmediziner war er auch mit am besten qualifiziert mit mir zusammen eine 15 Jahre alte Leiche aus der Erde des Giant Stadiums heraus zu graben. Stella beschwerte sich irgendwann später darüber, dass ich sie zu einem weiteren Mordfall in dieser Nacht rief und sie somit von Frankie wegholte. Ich konnte es ihr nicht verübeln, dass sie nicht begeistert war aus den Armen ihres Freundes gerissen zu werden. Und Danny war wohl auch nicht sonderlich begeistert, als ich ihn anrief und ihm sagte, dass er in dieser Nacht würde arbeiten müssen. Aber immerhin kamen wir so dazu kurz am Telefon miteinander zu sprechen.
Doch so wenig Danny von diesem nächtlichen Anruf begeistert war, noch weniger war ich davon begeistert, was später noch kam. Ich war bei Sid, während dieser die Autopsie an unserem Skelett durchführte, und er wies mich auf eine Narbe auf dem Rücken meines nächtlichen Anrufers hin: Ein weggelasertes Tattoo. Auf meine Frage, ob er es wieder sichtbar machen könnte kam eine typische Sid-Antwort: Wenn ich ihm das richtige Werkzeug geben könnte, dann würde er sogar die Titanic heben. Das hätte ich nur zu gerne gesehen. Aber leider glaubte ich nicht, dass ich ihm das Werkzeug würde geben können, um die Titanic zu haben. Somit begnügte ich mich damit ihm eine Mikrowelle zu organisieren, damit er das Tattoo wieder sichtbar machen konnte.
Und was ich dann zu sehen bekam gefiel mir gar nicht…
Tanglewood.
Noch immer hallten die Worte von Sonny Sassone in meinen Ohren wieder, wie er mir sagte, dass Danny alles über sie wüsste und sie alles über ihn.
War ich übrigens eigentlich der einzige dem auffiel, dass die Tanglewood Boys wohl einen Hang zu Namen hatten, die mit einem S begannen? Sonny Sassone und Salvador Zabo, was ausgesprochen wie ein S klang.
Ich musste mit Danny über die ganze Sache reden. Ich zeigte ihm ein Foto von Salvador Zabo und fragte ihn nach ihm. Natürlich kannte er ihn, sie waren in der gleichen Nachbarschaft aufgewachsen. Wir hatten nicht viel über seine oder meine Kindheit bisher gesprochen, aber immerhin wusste ich, als der Name Louie fiel, dass es um seinen Bruder ging. Es fiel mir nicht leicht ihm zu sagen, dass er bei diesem Fall außen vor bleiben würde müssen. Und es überraschte mich umso mehr, dass Danny keine Diskussion darüber mit mir begann. Wir waren im Büro, deshalb tauschten wir natürlich keine weiteren Vertraulichkeiten aus. Ich hätte gerne mehr über die Tanglewood Boys erfahren, aber ich wollte Danny nicht drängen, und dass er so bereitwillig sich von dem Fall fernhalten wollte war schon mehr als ich erwartet hatte.
Vielleicht war Danny auch ganz froh, dass er sich nicht mit den Tanglewood Boys und seiner Vergangenheit auseinander setzen musste. Ich weiß nicht, wieso er so bereitwillig sich aus dem Fall heraushalten wollte, und ich machte mir auch nicht lange Gedanken darüber, dafür wartete viel zu viel Arbeit auf mich: Die Waffe, die wir mit der Leiche zusammen aus der Erde des Giant Stadiums geholt hatten musste überprüft werden: Vor allem darauf, ob sie auch die Mordwaffe war: Ein Colt 545, fast schon eine antike Waffe, zumindest verglichen mit den Mordwaffen, die wir sonst so hatten. Und ziemlich vom Wetter angegriffen. War nicht so leicht sie überhaupt wieder schussbereit zu bekommen. Aber vielleicht war die Waffe registriert, oder eine Kugel aus ihr schon mal in einem anderen Fall aufgetaucht, einem früheren Fall. Aber natürlich war die Waffe nicht registriert.
Dafür konnten wir aber trotzdem etwas mit der Registrierungsnummer anfangen, denn es gab Waffen mit den genau darauf folgenden Registrierungsnummern, die gestohlen worden waren, und der Name, der dabei auftauchte war mir bekannt: Sonny Sassone. Gerne hätte ich auf eine weitere Begegnung mit ihm verzichtet, aber anscheinend war es unvermeidlich, und vielleicht konnten wir ihn dieses Mal hinter Gitter stecken. Hawkes, der mir bei der Waffe geholfen hatte, war mit dem Namen natürlich nicht vertraut. Zu der Zeit hatte er noch in der Gerichtsmedizin gearbeitet. Ich war absolut nicht begeistert darüber wieder daran erinnert zu werden. Aber ich gab Hawkes den Auftrag doch die frühere Akte herauszuholen und etwas darin zu lesen. Vielleicht fand er etwas, was uns würde helfen können. Ich wusste durchaus den neuen Blickwinkel zu schätzen, den er mit ins Team brachte.
Ich redete mit Sonny Sassone, weil ich es musste, mit wenig Begeisterung. Ich hielt ihn für ein Aas, und es war mir zu wider zu wissen, dass er nicht mehr im Gefängnis saß. Er hatte mehr Dreck am Stecken als man sich wohl vorstellen konnte. Und spielte sich mal wieder auf als wäre er sonst wer. Manchmal juckte es mir in meinem Beruf wirklich in den Fingern einem Tatverdächtigen eine rein zuhauen. Aber natürlich konnte ich das nicht tun.
Stattdessen beschäftigte ich mich lieber mit Adam zusammen mit unserer neusten Investition in Laborzubehör: FastScan: Ein Scanner zur Schädelrekonstruktion mit dazugehörigem Computerprogramm. Hätte ich zu der Zeit schon gewusst, was dieses Gerät noch mit heraus finden würde… ich hätte wohl liebend gerne auf die Investition in die Technik verzichtet, wenn wir die Leiche dann niemals gehabt hätten und dieser Mensch stattdessen noch gesund und munter durch die Straßen von New York laufen würde.
Der Artikel in der Zeitung half uns zumindest den Vater des Opfers unseres 15 Jahre zurückliegenden Mordes zu finden. Es ist nie leicht mit den Angehörigen von Mordopfern zu reden, aber wenn die Opfer Kinder oder gerade mal Heranwachsende, Teenager, waren, dann war es oftmals besonders schlimm. Irgendetwas in den Genen unserer Spezies brachte uns dazu daran zu denken, dass diese Opfer noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Vielleicht war es einfach der Arterhaltungstrieb, vielleicht steckte mehr dahinter. Ich hatte keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen.
Denn das nächste was passierte war Danny, der in mein Büro stürmte. Nein, er stürmte eigentlich nicht in mein Büro, er schlich mehr hinein. In der Hand hielt er einen Laborbericht. Ich erwartete eigentlich keine Nachricht von ihm über seinen und Stellas Fall. Stella war meine direkte Stellvertreterin, mir reichte es vollkommen, wenn sie mich ab und an auf dem Laufenden hielten, sie mussten mir nicht jeden Laborbericht vorlegen.
Aber dann kam der Hammer: Die DNS an dem Zigarettenstummel, dem Zigarettenfilter, den Hawkes aus der Erde der Endzone des Football-Feldes gesiebt hatte war zu einer Vergleichesprobe aus dem Labor zurückgekommen. Und nicht zu irgendeiner. Nein, es musste ausgerechnet Dannys sein.
Dannys DNS war an einer Zigarette, die wir unmittelbar an unserem Tatort gefunden hatten. Naja, mehr an der Fundstelle der Leiche. Ich hatte noch nicht mal gewusste, dass er rauchte. Andererseits war diese Zigarette vermutlich 15 Jahre alt, wie auch die Leiche. Aber es machte Danny zu unserem Hauptverdächtigen, ob wir es wollten oder nicht.
Es zerriss mir fast das Herz, als Danny von seiner sonst so professionellen Haltung, die er trotz unserer sehr intimen Beziehung aufrechterhielt, zu einem viel persönlicheren Tonfall wechselte. Natürlich brauchte er jetzt nicht den Chef, der ihn noch dafür rügte, dass seine DNS an einem Tatort aufgetaucht war. Und ich musste es ihm wirklich zugute halten, dass er sofort zu mir gekommen war, er selber. Dass ich die DNS-Ergebnisse nicht von Lindsay bekommen hatte, sondern von ihm. Vermutlich hatte Lindsay ihm Bescheid gegeben so bald sie das Ergebnis in Händen gehalten hatte. Kollegiale Loyalität. Nicht zu vergessen die Freundschaft, die uns alle doch auch verband.
Trotz allem fiel es mir nicht sehr leicht seiner Bitte nachzukommen. Aber er bat mich darum als Freund, nicht als sein Partner oder Lebensgefährte oder wie immer wir unsere Beziehung definieren wollten. So ganz konnte ich halt nicht aus meiner Haut heraus, und irgendwie war unsere Unterhaltung doch eher einem Verhör ähnlich, als einem Gespräch unter Freunden. Und endlich bekam ich ein paar Antworten zu den Tanglewood Boys und zu Dannys Familie. Aber sie gefielen mir nicht wirklich: Louie war ein Tanglewood Boy, oder ist es immer noch. Eine Gang verlässt man immerhin nicht so einfach.
Er erzählte mir alles von dieser Nacht, der Nacht, in der der Junge anscheinend erst mehr oder minder hingerichtet wurde und später im Giant Stadium vergraben wurde. Zumindest alles, was er von dieser Nacht wusste, denn Louie hatte dafür gesorgt, das Danny schnellstens wegkam. Ob bewusst oder unbewusst: er hatte ihn so geschützt. Nur diese Zigarettenkippe belastete Danny.
Und ich musste es ihm natürlich nicht gerade sehr subtil sagen, dass im Moment er derjenige war, den wir für einen Mörder halten mussten. Es musste ihn ziemlich hart getroffen haben. Aber ich glaube, ich konnte es wieder wettmachen, als ich ihm sagte, dass ich seinen Worten glaubte, dass er mit der Sache nichts zu tun hatte und dass er nie einen Fuß in das Stadium gesetzt hatte. Danny wusste, dass ich niemand war, der leichtfertig einem Verdächtigen glaubte. Aber dies war nicht irgendein Verdächtiger: Dies war mein Kollege, mein Freund, der Mann, den ich liebte. Oh Gott, ich wünschte, ich hätte ihn in den Arm nehmen können, ihm sagen können, das alles wieder gut werden würde, dass ich für ihn da wäre, dass er nicht alleine wäre. Aber ich konnte es nicht. Wir waren im Büro. Trotzdem glaubte ich, dass Danny wusste, wie ich fühlte.
Ich tat alles, was ich nur tun konnte, aber ich schonte Danny nicht wirklich. Er musste seine Marke abgeben, vor den Augen von Hawkes, Lindsay, Adam und Flack, der gerade auch bei uns im Büro war. Er musste seine Waffe abgeben. Vorher hatte ich ihn noch instruiert niemandem etwas darüber zu sagen. Ich musste ihn leider aus dem aktiven Dienst ziehen. Immerhin kam ich drum herum ihn komplett von der Arbeit zu suspendieren. Danny verstand es, zumindest hoffte ich das, auch wenn ich sehen konnte, wie weh es ihm tat. Himmel, es tat mir ja sogar weh ihm dies anzutun.
Ich hatte meine Leute immer sorgfältig ausgesucht. Aber vor solchen Vorkommnissen war man nie gefreit. Und es tat mir besonders weh, weil es Danny war: So vieles hatte er von mir gelernt. Doch nicht zuletzt waren es auch meine Gefühle für ihn, die dazu beitrugen, dass ich mich wohl ebenso schlecht fühlte wie er sich. Vielleicht ließ ich es mir nur nicht ganz so anmerken wie er.
Mein nächster Schritt war ungewöhnlich. Nun, vielleicht nicht so ungewöhnlich, aber es war bestimmt nicht meine übliche Vorgehensweise. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemanden von Dannys Familie unter solchen Umständen kennen lernen würde. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Danny mir irgendwann seinen Bruder vorstellen würde. Irgendwann… Vielleicht, nachdem ich ihn meinen Eltern vorgestellt hätte. Aber es ging hier um Danny, um seinen Job, seine Karriere, verdammt, es ging um sein Leben! Ich musste mit Louie reden. Also suchte ich ihn und versuchte etwas aus ihm herauszubekommen. Ich musste wissen, wer Bobby Manning erschossen hatte.
Nicht, dass Louie mir wirklich was sagte, aber ihm ging es ebenso darum Danny zu schützen, wie es mir darum ging. Das Einzige, was mich daran beunruhigte, war die Tatsache, dass er vielleicht den falschen Weg dafür wählen würde, einen Weg, der illegal wäre. Für Danny war die Situation schon schwer genug, das Letzte, was er brauchen würde, wäre sein Bruder im Gefängnis. Aber es gab nichts, was ich hätte tun können. Ich versuchte ebenso Danny zu beschützen, aber ich wusste nicht, was damals passiert war. Alles was ich hatte waren die Beweise. Und die Beweise zeigten im Moment alle nur in eine Richtung: Sie zeigten mit dem Finger auf Danny.
Das nächste was ich von Louie Messer hörte, oder besser gesagt über ihn, kam von Don Flack: Er war zusammengeschlagen worden und hatte am Tatort nicht geatmet und jetzt war er im Krankenhaus. Ich musste Danny finden um es ihm zu sagen. Aber wie Danny so war: Er hatte dort Ohren, wo er besser keine haben sollte und wusste schon Bescheid. Ich kam gar nicht dazu ihn davon in Kenntnis zu setzen, er war schon am Krankenhaus. Mir wurde später erzählt, dass er nicht nur mit Blaulicht vorgefahren war, sondern dass ihn auch noch die Sanitäter von seinem Bruder wegzerren mussten. Was, wenn mir mal was passieren würde? Würde er dann ebenso reagieren?
Ich weiß, das waren keine Gedanken, die man haben sollte. Und ich hoffte wirklich nicht, dass mir jemals irgendetwas Schlimmes bei der Ausübung meines Berufes zustoßen würde, aber man konnte nie wissen. Und es wäre schön zu wissen, dass da jemand wäre, der sich um mich sorgt.
Ich beschloss darauf erst mal eine zu Rauchen. Nein, ich war kein Raucher, das geschah zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Etwas bei meinem Gespräch mit Louie hatte mich darauf gebracht, und verbunden mit dem Filter der Zigarette, den wir am Tatort gefunden hatten, würde ich so vielleicht den Beweis finden, dass Danny es nicht war. Vielleicht würde ich ihn entlasten können. Also qualmte ich zwei Zigaretten und versuchte nicht zu inhalieren. Die eine rauchte ich nur etwa zur Hälfte und klemmte sie mir dann hinters Ohr, so wie ich es bei Louie Messer gesehen hatte. Die andere rauchte ich komplett zu Ende, bevor ich mit dem Stummel ins Labor zurückkehrte. Rauchen in öffentlichen Gebäuden war schon lange nicht mehr gestattet.
Ich kämpfte gerade gegen aufsteigende Kopfschmerzen an als Stella mein Büro betrat. Natürlich roch sie sofort den Rauch. Zwei Zigaretten, naja, eineinhalb, und auch wenn ich sie draußen geraucht hatte, und meinen Mantel anhatte, so stank ich doch nach dem Tabakrauch. Scharfsinnig wie Stella war musste sie natürlich auch feststellen, dass ich eine Zigarette hinter meinem Ohr hatte. Sie war noch da, wo ich sie festgeklemmt hatte.
Stella versuchte mich aufzubauen, denn ich war langsam kurz vorm Verzweifeln, weil ich immer noch keinen Schritt weiterkam. Der Zufall kam mir schließlich zur Hilfe und erklärte endlich, wie die Zigarette mit Dannys DNS ins Giant Stadium gekommen war: Ich beugte mich etwas nach vorne, senkte den Kopf, eigentlich ein Zeichen meiner Frustration, als die Zigarette hinter meinem Ohr sich löste.
Was, wenn Danny seine Zigarette nur halb geraucht hatte und Louie den Rest hinter sein Ohr geklemmt hatte? Möglich war es. Und während sie Bobby Manning begruben, hatte sich die Zigarette gelöst und war in das Loch gefallen. So war Dannys DNS dorthin gekommen. Es war eine Erklärung, und auch wenn sie vielleicht nicht zu Dannys vollkommener Entlastung reichen würde, so wäre es doch genug um begründeten Zweifel hervorzurufen, dass Danny überhaupt am Tatort war. Die Beweise hatten mich letztendlich doch nicht im Stich gelassen.
Dafür hatte ich das Gefühl, Danny im Stich gelassen zu haben. Ich musste zu ihm. Er war natürlich im Krankenhaus bei Louie, wo auch sonst? Lindsay war mit mir gekommen, sie war immerhin Dannys Partnerin, auch wenn sie bei diesem Fall zusammen mit Hawkes mich unterstützte. Ihre Anwesenheit half mir auch die professionelle Distanz zu Danny zu waren. Wir waren immerhin nicht im Büro, aber da Lindsay da war konnte ich nicht meinen Gefühlen einfach nachgeben. Danny in den Arm zu nehmen war so nicht möglich. Und es war vielleicht auch besser so. Immerhin war das ein Krankenhaus. Und seine Familie könnte jeden Augenblick auftauchen. Er war bestimmt nicht der einzige, der sich um Louie Sorgen machte. Flacks Anwesenheit hätte mich wohl weniger davor zurückgehalten, Danny in den Arm zu nehmen. Ich hatte gesehen, wie Don Tim umarmt hatte. Ich hatte sogar gesehen, wie die beiden sich geküsst hatten. Nicht, dass Danny und ich uns vor ihnen geküsst hätten. Mehr als Händchen zu halten taten wir nicht vor anderen. Zumindest nicht, wenn wir wussten, dass sie um uns herum waren. Und eine Umarmung konnte immerhin immer noch rein freundschaftlich ausgelegt werden.
Ich instruierte Lindsay Louies persönliche Gegenstände und seine Kleidung ins Labor zu bringen während Don Flack auf Danny aufpassen sollte. Natürlich war Danny kein bisschen begeistert, dass ich ihm einen Babysitter daließ. Ich wäre auch viel lieber selber dageblieben, aber meine Arbeit brachte nun mal Pflichten mit sich. Danny würde das verstehen, er kannte meinen Job ja. Einer der Vorteile, wenn man im gleichen Beruf arbeitete. Stella klagte nicht nur darüber, dass wir sie von Frankie weggeholt hätten, sondern auch, dass er nicht verstehen würde, dass ihr Job nicht mit dem Feierabend endete. Flack sollte ein Auge auf Danny werfen. Ich wollte nicht, dass er vielleicht doch noch irgendeine Dummheit beging. Als der Fall auftauchte, da war er noch vernünftig gewesen, aber jetzt, mit seinem Bruder im Krankenhaus, irgendwo zwischen Leben und Tod… Ich wusste nicht, wo ihn das vielleicht hinführen würde. Und ich wollte seine Abgründe auch nicht auf diese Weise herausfinden.
Zuerst fand ich die Abgründe von Louie Messer und Sonny Sassone heraus: Louie hatte eine Wanze getragen, er hatte sich mit Sonny getroffen. Zum Glück konnte ich das Band retten, und es war eine unglaubliche Genugtuung die Handschellen hinter Sonnys Rücken klicken zu lassen. Den Rest musste ich den Gerichten überlassen. Aber ich konnte nur hoffen, dass sie ihn für lange Zeit, wenn nicht sogar für immer, wegsperrten.
Der Fall war abgeschlossen, und ich konnte endlich das tun, was ich die ganze Zeit schon hatte tun wollen: Ich fuhr zum Krankenhaus um nach Danny zu sehen. Ich wusste, dass er dort sein würde. Irgendetwas sagte es mir. Ich traf ihn draußen, noch auf der Straße. Er hatte keine Brille auf, ungewöhnlich für Danny, aber nicht total außergewöhnlich. Es gab immer mal wieder Gelegenheiten, bei denen er sie abnahm. Nicht nur hochschob, sondern ganz abnahm und wegsteckte. Seine Augen glänzten vor Tränen und waren leicht gerötet, er hatte geweint. Natürlich erkundigte ich mich nach Louie, obwohl ich schon jetzt wusste, dass es nicht sehr gut aussah. Aber ich musste ihm immer noch sagen, dass das Band, das wie ich wusste Danny inzwischen auch gehört hatte, der Beweis gewesen war, der ihn entlastet hatte. Sein Bruder hatte ihn gerettet, wie er ihn schon vor 15 Jahren davor gerettet hatte bei einem Mord dabei zu sein.
Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee kam ihn zu fragen, ob er okay wäre. Ganz offensichtlich war er es nicht. Ich konnte mich nicht erinnern Danny jemals so aufgelöst gesehen zu haben. Wütend, ja, kurz davor zu explodieren, sauer, frustriert, aber niemals so traurig und hoffnungslos wie in diesem Augenblick. Er musste mir nicht sagen, dass Louie ziemlich zusammen geschlagen worden war, ich wusste es bereits. Aber trotzdem tat er es. Und ich konnte ihm endlich den Beistand anbieten, den ich ihm schon die ganze Zeit hatte geben wollen. Wir waren nicht im Büro, ich war nicht im Dienst, er war nicht im Dienst, und ich nahm ihn einfach in den Arm und hielt ihn, klopfte ihm aufmunternd auf den Rücken, während er seinen Tränen freien Lauf ließ.
Ich hatte zuvor schon in seinen Armen geweint, es war das wenigste, was ich für ihn tun konnte. Ich hielt seinen Nacken, seinen Kopf, und merkte dann, dass dieses Tätscheln des Rückens nicht sanft genug war, wie es vielleicht hätte sein sollen. Ich strich ihm sanft über den Rücken, aber seine Tränen schienen nicht versiegen zu wollen.
„Bitte, bring mich weg von hier." bat er mich schließlich. Und ich leistete seiner Bitte natürlich Folge.
Nächste Woche: Das Warten hat ein Ende! Endlich wird die Geschichte wirklich M!
(Nur schon mal eine kleine Vorwarnung... (Okay, und etwas um euch erst recht neugierig zu machen.))
