Autorenanmerkung: Bevor doch noch die ersten Morddrohungen kommen ( ;-) ), dachte ich mir, ich update endlich mal wieder. Ich habe die Geschichte nicht vergessen, aber im Moment eine ziemliche Schreibblockade und auch gerade sonst nicht die Lust an der Geschichte weiterzuschreiben. Aber ein bisschen Vorrat habe ich immer noch, und jetzt, da die Bombe zur dritten Staffel ja letzte Woche geplatzt ist muss ich die Geschichte ja mal zum Ende bringen.
Vielen Dank meinen Lesern, besonders meinen neuen Lesern und auch Reviewern. Ich hoffe, ich habe allen geantwortet.
Und jetzt viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Und falls ihr meine Muse seht: Ich bin immer noch da, wo sie mich verlassen hat! ;-)
Kapitel 41: Stellas Schrecken
Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich gewusst hätte, was uns noch erwarten würde. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte, dass die Sache mit Dannys Bruder noch nicht einmal das Schlimmste war, was mir passieren sollte, was die nächsten Wochen bringen sollten.
Louie erholte sich langsam aber sicher. Es hatte einige Tage gedauert, bis er wieder vollkommen das Bewusstsein erlangte, auch, weil ihn die Ärzte wegen seiner Verletzungen unter starken Schmerzmitteln hielten, deren Dosen sie langsam verringerten. Aber er erlangte das Bewusstsein wieder, und belastete Sonny mit seiner Aussage noch mehr, auch wenn ich das eigentlich nur über Danny erfuhr. Natürlich hatte ich persönlich durch Danny auch Interesse an dem Fall, aber bis es vor Gericht gehen würde, das würde noch Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern.
Trotzdem kehrte etwa eine Woche nach Louies Einlieferung ins Krankenhaus langsam wieder Alltag ein. Danny und ich sahen uns ab und an nach unserer Schicht, verbrachten aber auch Abende alleine. Doch ich merkte, dass er mir fehlte. Ich begann mich sehr an ihn zu gewöhnen, und wenn ich morgens aufwachte und er nicht neben mir lag, dann tat es jedes Mal irgendwie weh.
Claire war nicht über Nacht aus meinen Gedanken verschwunden, überhaupt nicht. Ich fühlte mich ab und an geradezu schuldig, weil ich Danny vermisste und nicht sie, aber ich konnte es nicht ändern. Es verging kein Tag, an dem ich nicht an sie dachte, aber es verging auch kein Tag, an dem ich nicht an Danny dachte. Und Danny sah ich dann auch noch fast täglich. Claire auch, aber bei Claire waren es nur Fotos, nur Erinnerungen. Und man kann nicht in der Vergangenheit leben, vor allem nicht, wenn man eine solche Gegenwart hatte, wie ich mit Danny, und vielleicht… vielleicht ja sogar auch eine Zukunft.
Manchmal frage ich mich, ob es gut ist, dass wir nicht wissen, was auf uns zukommt. Vielleicht wäre ich beruhigter gewesen, wenn ich gewusst hätte, was mit Danny und mir passieren würde. Andererseits hätte ich mich vielleicht dann auch mehr zurückgelehnt und weniger getan. So hatte ich ab und an immer noch das Gefühl der Angst, ihn verlieren zu können. Wir benahmen uns zwar so, als wären wir in einer festen Beziehung, aber waren wir das wirklich? Keiner von uns traute sich, das Thema so wirklich anzusprechen.
Und dann passierte etwas, womit keiner von uns gerechnet hatte, etwas, was ich lieber nicht erlebt hätte, und nicht nur ich.
Ich wusste zwar von Stellas Freund, aber was wirklich in ihrem Leben passierte, davon bekam ich wenig mit. Ich war zu sehr mit meinem eigenen Leben beschäftigt, ich hatte wieder ein Leben. Ein Leben, dessen Mittelpunkt nicht meine Arbeit sondern ein Mensch war, ein besonderer Mensch: Danny.
Umso erschreckender war es, als ich den Funkruf hörte: Schüsse in Stellas Wohnhaus. Und als ich dann noch hörte, dass vermutlich ein Polizist beteiligt war…
Der schlimmste Alptraum wurde Wirklichkeit.
Es haute mich fast um, Stella bewusstlos am Boden zu finden. Wir alle waren krank vor Sorge, aber wir konnten nichts tun. Nun ja, nichts stimmt nicht: Ich konnte den Tatort untersuchen, aber sie war so verletzlich gewesen, wie sie da am Boden lag, barfuss, in diesem knappen Sommerkleidchen. Die Temperaturen hatten in den letzten Tagen extrem umgeschlagen: Der Frühling kam in die Stadt. Es war einer der ersten heißen Tage gewesen.
Erst später wurde mir so richtig bewusst, dass Don wohl besser über Stellas Privatleben Bescheid wusste als ich: Er kannte und erkannte Frankie. Unsere Leiche wurde schnell identifiziert, dank Don. Nun ja, zumindest hatten wir Dank Don einen ersten Anhaltspunkt, wer er sein könnte. Natürlich musste die Identität immer noch bestätigt werden.
Ich hasste es Stellas Wohnung zu durchwühlen, in ihren Privatbereich vorzudringen. Es war nicht so, als wenn ich nie in ihrer Wohnung gewesen wäre, aber ich hatte mich nie so genau umgeschaut. Und es war gleichzeitig schrecklich sich auszumalen, was passiert war. Sie hatte mir zwar erlaubt mich in ihrer Wohnung umzuschauen, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich bei ihr im Krankenhaus hätte sein sollen. Es war gut zu wissen, dass wenigstens Don dort war.
Vielleicht war es sogar besser, dass Don dort war. Nicht, dass er nicht auch temperamentvoll sein konnte, denn das konnte er, aber vielleicht fühlte sich Stella gerade etwas sicherer in der Gegenwart eines Mannes, der an ihr garantiert kein sexuelles Interesse hatte. Und Don schätzte sie unglaublich als Freundin, als platonische Freundin. Sie war für ihn eher wie eine Schwester. Es war beruhigend zu wissen, dass sie nicht vergewaltigt worden war, aber ihr Gesicht zu sehen: Die ganzen Kratzer, Platzwunden, Schnittwunden, blaue Flecke.
Frankie hatte sie gut zugerichtet. Es war bittere Ironie die in dieser Feststellung meines Geistes mitschwang. Hätte Stella ihn nicht selber erschossen, ich hätte ihn für diese Tat wohl bei lebendigem Leibe gehäutet. Aber es ist nicht unsere Aufgabe zu richten. Trotzdem: Die Emotionen kochten auch bei mir hoch, und ich weiß, eigentlich hätten wir diesen Fall gar nicht bearbeiten sollen. Wir waren alle viel zu sehr emotional involviert.
Und dabei wussten wir eigentlich gar nicht, was genau passiert war. Wir mussten vor allem feststellen, dass Stella in Notwehr gehandelt hatte. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, dass sie aus irgendeinem anderen Grund ihre Waffe gezogen hätte. Sie war durch und durch Polizistin, sie war eine der Guten, sie war nie irgendwie in Versuchung geraten. Gerade nach dem, was mit Aiden passiert war, als sie versucht gewesen war, die Beweise zu manipulieren: Stella hatte so was nie in Betracht gezogen. Sie war absolut integer.
Ich konnte von mir nicht behaupten, dass ich nicht schon mal getötet hatte: Im Krieg. Eine andere Situation, aber ich glaube, dass die Auswirkung auf Menschen gleich oder zumindest doch sehr ähnlich sein kann. Es war hart mit manchen dieser Erinnerungen zu leben. Ich glaube, ich hatte Claire einiges zugemutet, wenn ich mit ihr darüber sprach. Doch inzwischen war das meiste in die hinterste Ecke meines Kopfes verbannt worden, so dass diese Erinnerungen eher selten noch mal hochkamen, aber vollkommen kann einen die Vergangenheit wohl nie loslassen.
Das Ganze zerrte aber auf jeden Fall an mir, und ich konnte nichts daran ändern. Und dann war da noch der Russo-Fall, den ich parallel immer noch mit Hilfe von Lindsay und Danny bearbeitete. Es war besser, dass Danny an diesem Fall mitarbeitete. Natürlich sorgte er sich auch um Stella, ebenso wie Lindsay, aber wir konnten nicht alle an ihrem Fall arbeiten. Und ich hatte schon Schwierigkeiten, objektiv zu bleiben. Danny mit seinem Temperament, das zeitweise doch immer noch durchbrach… Im schlimmsten Fall hätte es Stella ihren Job kosten können, wenn wir sie nicht mit den Beweisen hätten so weit entlasten können, dass sie in Notwehr gehandelt hatte, dass Frankie sie sonst getötet hätte, wenn sie ihn nicht erschossen hätte.
Ich will gar nicht daran denken, dass er sie hätte umbringen können. Don berichtete mir, was Stella ihm erzählt hatte. Immer wieder standen wir in kurzem telefonischen Kontakt, glichen Beweise mit ihrem Bericht ab.
Als ich Stella vom Krankenhaus abholen wollte sah ich ihre Umarmung mit Don, und fühlte mich etwas besser, dass ich nicht bei ihr war. Don war wohl ein würdiger Ersatz gewesen, vielleicht war es ihr sogar so lieber gewesen. Wir verabschiedeten uns auf dem Flur von Don, dem ich allerdings sagte, dass Danny und ich später bei ihm vorbeikommen würden und irgendwas zu Essen mitbringen würden. Nach dem letzten Besuch bei ihm und dem mehr oder minder katastrophalen Essen, was eigentlich wohl nur Danny gerettet hatte, hielt ich es einfach für besser. Er sagte Stella das, was ich ihr auch gesagt hätte, wenn ich die Worte über meine Lippen bekommen hätte: Dass sie jeder Zeit zu ihm kommen könnte, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, dass sie ihn anrufen könnte, ganz egal, und dass er ihr zur Not auch gerne sein Sofa zur Verfügung stellen würde.
Sie lehnte dankend ab.
Ebenso, wie sie mein Angebot mit dem Hotel ja auch ausschlug. Vielleicht auch verständlich, nachdem ich ihr vorher gesagt hatte, dass sie erstmal nicht zur Arbeit kommen dürfte. Sie würde mit dem Polizei-Psychologen reden müssen. Und wir, mein Team, als ihre Freunde, würden bestimmt auch noch lange Zeit für sie da sein müssen.
Aber Stella schien sich vorgenommen zu haben, stark zu sein. Sie wollte zurück in ihre Wohnung, egal, wie schlimm es dort immer noch aussah. Und ich wusste genau, wie schlimm es dort aussah: Überall waren Blutspuren: In ihrem Badezimmer, ihrem Wohn-Schlafraum. Ihr Blut, Frankies Blut. Natürlich war sie so einen Anblick gewöhnt, wir kamen oft an schlimme Tatorte, aber trotzdem, es war doch was anderes, wenn es die eigene Wohnung war.
Ich war versucht gewesen, sie in den Arm zu nehmen, doch ich tat es nicht. Ich hatte in den letzten Monaten gelernt, Emotionen wieder zu zeigen, zuzulassen, nicht zuletzt Dank Danny, aber irgendetwas hinderte mich daran, sie dort und zu diesem Zeitpunkt in den Arm zu nehmen. So geleitete ich sie nur zu einem Taxi.
Nachdem sie abgefahren war griff ich zum Handy und rief Danny an, er war gerade auf dem Weg aus dem Labor raus und nach Hause, oder zu mir, unterwegs. Ich schätzte grob, wie lange er brauchen würde, um zu Don zu fahren, ebenso wie lange ich selber wohl brauchen würde. Don war vom Krankenhaus aus nach Hause gefahren, und ich vermutete fast, dass ich, wenn ich mich sofort auf den Weg machen würde, wohl fast mit ihm bei seiner Wohnung ankäme.
Also verabredete ich mich mit Danny bei dem Chinesen, der bei Don um die Ecke war, damit wir dort eine Auswahl an Essen zum Mitnehmen holen konnten.
Dieser Tag hatte wirklich an uns allen gezerrt. Danny sah erledigt aus, als ich ihn vor dem Restaurant traf. Wir suchten was aus der Speisekarte aus, verschiedene Sachen: was scharfes, was milderes, süß-sauer, Nudeln, frittiert, Glasnudeln, Reis. Ich ließ uns auch Suppe fertig machen. Vielleicht würden wir sie nicht essen, aber Suppe konnte man immer auch ganz gut aufwärmen. Danny erzählte mir, während wir auf das Essen warteten und etwas tranken, dass er Lindsay angerufen hätte. Er sagte, dass ihr die Sache mit Stella ganz schön zugesetzt hätte, und er irgendwie das Gefühl hatte, dass sie heute Abend nicht alleine sein sollte. Er hatte vorher noch kurz mit Don telefoniert gehabt und ihn vorgewarnt, dass Lindsay vielleicht auch noch vorbeischauen würde. Ich stockte unsere Bestellung nicht noch auf, irgendwie hatte ich es wohl vorher mir schon fast gedacht, dass wir am Ende alle, das ganze Team, bei Don sitzen würden, und reden würden, über die Vorkommnisse des Tages, der letzten Tage.
Ich griff zum Handy und rief eben Sheldon an, von dem ich wusste, dass seine Schicht gleich enden würde. Don war wohl auch längst klar, dass er einen kompletten Überfall zu erwarten hatte. Vage vermutete ich, dass wohl auch Tim da sein würde. Ich hatte Dons Freund inzwischen mehrmals getroffen, und er war mir nicht unsympathischer geworden, eher das Gegenteil. Aber für nichts in der Welt hätte ich Danny gegen ihn eingetauscht.
Es dauerte fast eine halbe Stunde, bevor unsere Bestellung fertig war, und als wir bei Don an der Tür klingelten konnten sowohl Danny als auch ich schon die Stimmen von Sheldon und Lindsay hören. Ich hoffte nur, dass Don genug Getränke im Haus haben würde und wir nicht nach einer Stunde anfangen müssten, Leitungswasser zu trinken.
Wir wurden mit großem Hallo begrüßt, immerhin brachten Danny und ich ja das Futter für die Meute mit, die es sich um Dons Wohnzimmertisch gemütlich gemacht hatte: Lindsay und Sheldon saßen auf dem Boden, sie hatte ihren Kopf auf seine Schulter gelegt. Irgendwie wurde mir in dem Moment erst wieder klar, dass es außer Danny und mir ja noch ein zweites Pärchen in meinem Team gab. Gerade mit dem ganzen Trubel um Stella hatte ich das komplett vergessen. Vermutlich hatte Sheldon schon vor meinem Anruf von diesem spontanen Treffen gewusst, aber er hatte sich am Telefon nichts anmerken lassen. Ebenso wenig, wie Lindsay und er sich im Büro anmerken ließen, dass sie mehr waren, als nur Kollegen.
Danny und ich stellten die Plastiktüten mit dem Essen erstmal auf den niedrigen Couchtisch, legten erstmal ab. Die Nächte wurden immer noch verdammt kalt, auch wenn das Thermometer tagsüber in die Höhe stieg. Don holte Teller, Gläser und Besteck aus der Küche, Tim half ihm dabei, während Danny und ich die ganzen Pappschachteln und Styroporbehälter auspackten und teilweise öffneten. Die Suppe stellten wir tatsächlich erstmal zur Seite. Lindsay stürzte sich begeistert auf eine Schachtel und lud sich eine ordentliche Portion auf ihren Teller. Sie war wirklich keine Kostverächterin. Sheldon grinste recht breit, eines seiner Lächeln, die seine weißen Zähne entblößte und zeigte.
Wir fingen an zu Essen, nachdem alle ihre Plätze gefunden hatten und etwas auf ihren Teller hatten und was zu trinken in ihren Gläsern. Don hatte sowohl Apfelsaft als auch Wasser im Angebot. Den Wein lehnten wir alle dankend ab. Mir war nicht nach Alkohol zumute, Danny anscheinend auch nicht. Sheldon sagte, er müsste noch fahren.
Ich hatte vielleicht gerade zwei Bissen gehabt, als es an der Tür klingelte. Wir hatten alle quer durcheinander geredet, von den strukturierten Gesprächen, die wir sonst im Büro hatten, war nicht viel zu bemerken. Es war eher wie auf einer College-Party, auch die Stimmung, obwohl es eigentlich gar nicht wirklich passte, immerhin wäre eine unserer engsten Freundinnen fast ums Leben gekommen. Aber vielleicht brauchten wir einfach die Abwechslung. Lindsay hatte gerade behauptet, sie hätte das beste Essen, Danny wollte probieren, Sheldon hatte ihr lautstark widersprochen, dass seins das Beste wäre, während Tim sie versuchte davon zu überzeugen, dass süß-sauer ja nun überhaupt nichts wäre und wirklich gutes Essen scharf zu sein hätte. Don wiederum verstand nicht, dass ich Apfelsaft trank und sagte, ich würde mir den Geschmack des Essens doch nur verderben und ich solle doch lieber wie er Wasser trinken.
Mitten in diesem Chaos klingelte es, und es grenzte fast schon an ein Wunder, dass die Klingel überhaupt gehört wurde, denn nebenbei lief auch noch das Radio. Immerhin kein Fernseher, aber wir produzierten ja eigentlich auch schon genug Lärm.
Don ging zur Tür und öffnete, und als er mit dem Neuankömmling ins Zimmer kam verstummten wir alle, erstarrten mitten in unseren Bewegungen. Ich hatte gerade einen Schluck trinken wollen, während Lindsay und Sheldon ihre Teller weggestellt hatten und sich auf dem Boden kabbelten, es sah so aus, als würde Sheldon nun mit Kitzeln davon überzeugen wollen, dass sein Essen besser wäre als ihres. Und Danny hatte gerade seine Hand auf meinen Oberschenkel gelegt, während Tim aufgestanden war und zur Stereoanlage gegangen war, um eine CD einzulegen, während sein Essen etwas weiter abkühlte. Vielleicht war es ihm doch etwas zu scharf, wobei er gerade noch behauptet hatte, es wäre nur noch viel zu heiß. Ja, es war alles noch gut warm, zum Glück.
Eine bedrückende Stille brach über uns alle herein, wie Don so im Zugang zu seinem Wohnzimmer stand, mit Stella im Arm, deren Gesicht tränenüberströmt war.
