Kapitel 12
Kibus PoV
Die Nacht war ruhig und das Bett weich und bequem gewesen und als Kibu zur etwa zehnten Stunde von ihrem Zimmer herunter kam, saß Mercredias bereits an einem der Tische und schien vor sich hin zu grübeln. Vor ihm stand ein, noch zur Hälfte gefüllter, Teller und ein Kelch mit einer roten Flüssigkeit, die Kibu als Traubensaft identifizierte, da sie stark bezweifelte, der Magier würde am frühen Morgen bereits Wein zu sich nehmen. In seiner linken Hand drehte er eine violette Weintraube zwischen Daumen und Mittelfinger, welche er sich abwesend an die Lippen führte, jedoch mitten in der Bewegung inne hielt, da er damit beschäftigt war das Stück Pergament zu begutachten, was er in seiner rechten Hand trug. Kibu musterte ihn verschlafen und wartete zunächst, ob er sie vielleicht auch von alleine wahrnehmen würde, doch das tat er nicht und so trat sie näher zu ihm heran und berührte ihn sachte an der Schulter. Der Magier schreckte hoch und seine Augen schnellten zu Kibu hinauf. Sie lächelte.
„Guten Morgen, Mercredias!" Seine Züge entspannten sich und die Weintraube wanderte in seinen Mund, während er schnell das Pergament zusammenfaltete und ohne ein Wort in seinem Gewand verschwinden ließ. Kibu war verwundert. Was hatte er nur zu verbergen?
„Habt Ihr gut geschlafen, Mylady?" Fragte Mercredias mit einem Lächeln auf den Lippen, welches noch größer wurde, als Kibu bestätigend nickte.
„Ja, das habe ich, Eure Betten sind wirklich äußerst bequem, allerdings ohne eine weitere Person darin für einen alleine ziemlich groß…" Sie bemerkte erst einige Sekunden später, was sie da eigentlich von sich gegeben hatte und errötete in einem ziemlich dunklen Rotton, löste schnell den Blick von Mercredias und sah zu Boden. Der Magier jedoch lächelte nur in sich hinein, schwieg aber auf ihren Kommentar hin.
„Ähm, also…was…was treibt Euch so früh aus dem Bett?" Kibus Gesichtsröte war immer noch nicht völlig abgeklungen, doch Mercredias lächelte nur weiterhin, ehe er die Stimme erhob.
„Ach, wisst Ihr, dass werdet Ihr schon früh genug erfahren, wenn…vielleicht solltet Ihr zum Briefkasten gehen?!" Kibu schien verwundert, Mercredias etwas nervös, also verließt Kibu das Gasthaus, um sich den Briefkasten genauer anzuschauen, denn Mercredias schien etwas zu wissen, was sie nicht wusste. Tatsächlich wartete in dem kleinen Kasten ein, an Kibu adressierter, Brief in einem sauberen roten Umschlag, welchen die hübsche Elfe auch gleich mit einem ihrer Fingernägel öffnete. Die Worte, die sie zu lesen bekam überraschten sie völlig:
Werte Kibu,
Ich habe diese Nacht kein Auge zutun können, denn mir blieb es versagt meine Gedanken von Euch zu lösen. Es scheint ein Weg des Schicksals gewesen zu sein, dass wir uns begegneten und ich möchte Euch an dieser Stelle einige ehrliche Worte aussprechen, die mir seit dem gestrigen Abend einfach nicht mehr aus dem Kopfe gingen. Mylady, ich bedauere Euch sagen zu müssen, dass ich bereits eine Dame an meiner Seite gefunden habe, Ihr Name lautet Merdisare. Doch ist dies kein Brief der meinen Abschied verkündet, sondern ein Brief der Hoffnung, nicht nur für Euch, ebenso für mich selbst. Mit dem Augenblick, mit welchem Ihr die Taverne betratet glomm in mir etwas auf, das ich seit langem als verloren abtat. Ihr wecktet den Geist des Feuers in mir und öffnetet mir die Augen, die Augen für die Schönheit einer einfachen Elfe, welche ich zu kennen verlangte, obgleich ich nichts über sie wusste. Diese Elfe wart Ihr, Mylady. Euer Antlitz erhellte den Raum, euer Lächeln ließ mein Dasein erstrahlen und eure Stimme, so süß wie Honigwein, weckte die leblose Seele, welche in meinem Körper Inne hielt.
Ich möchte Euch mit diesem Brief jedoch nicht nur erläutern, wie ungemein glücklich Ihr mich mit Eurem Auftreten machtet, sondern ebenfalls, wie sehr es mich schmerzt hören zu müssen, dass Ihr Euch gestern für Salvenius ausspracht und somit gegen mich. Ist dies allerdings Eure Entscheidung, so muss ich sie wohl respektieren und werde dem jungen Glück nicht länger im Wege stehen. Fragt nicht, woher ich dies alles zu wissen glaube, denn ich mag es Euch sogleich unterbreiten, es war Salvenius. In seinem Brief schilderte er mir, dass Ihr Ihn lieber möget als mich und dass er eine Eurer Zärtlichkeiten erfuhr, gleich nachdem ich den Raum verlassen hatte. Liebste Kibu, ehe Ihr mit meinem hochgeschätzten Freund Salvenius verkehrt, dachte ich, Ihr solltet meine Gefühle erfahren und hoffe, Ihr könnt verstehen, warum ich diesen Brief verfassen musste,
In tiefster Zuneigung,
Mercredias.
Kibu stockte der Atem. Die Zeilen waren in einer äußerst eleganten Schrift verfasst worden und scheinbar wirklich ernst gemeint, denn sonst hätte Mercredias sie wohl nicht auf direktem Wege zum Briefkasten geschickt. Jetzt wurde Kibu auch klar, was es mit dem Pergament auf sich hatte, welches der Magier in größter Hast weggesteckt hatte, als Kibu den Raum betrat und er sie erblickte. Sie wusste nicht recht, ob das Stück Pergament in ihrer Hand nun ein Grund zur Freude oder ein Grund zur Trauer war, eines jedoch wusste sie. Sie war perplex. Und das sogar ziemlich. Mercredias hatte also eine Frau an seiner Seite, Merdisare, schien jedoch nicht all zu glücklich zu sein, denn er hatte in seinem Brief davon gesprochen, Kibu selbst hätte ein Feuer in seinem Inneren geweckt. Sprach er nun von Leidenschaft, die er empfand, auf Grund von Kibus Äußerlichkeiten, von Reizen, die sie aussendete und denen er erlegen war? Dass sie hübsch war, das wusste Kibu, denn man hatte es ihr oft genug gesagt, auch wenn sie selbst nicht gänzlich davon überzeugt war, aber welche Frau war das schon. Aber hatte sie bisher jemand aufrichtig geliebt? Kibu wusste nicht, was sie über all das denken sollte, doch sie glaubte zu wissen, dass Mercredias und Merdisare wohl den Alltag erleben mussten, denn Mercredias schien nicht ausgefüllt mit ihr an seiner Seite. Das wiederum führte Kibu zu der Annahme, dass der Magier wohl doch nur an ihren äußerlichen Reizen interessiert war, denn wie konnte er jemanden lieben, wenn er doch bereits jemanden hatte, den er liebte? Kibu schüttelte den Kopf, das alles verwirrte sie zunehmend. In ihrem Kopf spielten sich wahre Szenarien ab, da war einerseits Mimus, der schöne Barde, der mit ihr schon einiges durch gestanden hatte und ihr immer wieder klar machte, wie hübsch, begehrenswert und, vor allem, liebenswert sie eigentlich war. Er behandelte sie nicht nur gut, auf Grund ihrer Äußerlichkeiten, sondern auch, weil er auf den Grund ihrer Seele blickte, ihr jeden Wunsch von den Augen ablas und ihr beistand. Mercredias hingegen war für Kibu ja fast noch ein Fremder. Ein Fremder mit einer anderen Frau an seiner Seite. Sie konnte nicht sagen, ob er nur auf ihr Äußeres fixiert war oder ob er ebenso ihre Seele begehrte. Doch sie wusste, dass sie ihn anziehend fand und das nicht zu wenig. Er war unglaublich elegant und dieser Hauch von Arroganz faszinierte sie auf eine Art, die es ihr fast unmöglich machte, Mercredias nicht zu begehren. Insgeheim sehnte sie sich sogar schon fast danach, einmal die Lippen des Magiers mit ihren zu berühren, doch diesen Gedanken verscheuchte sie ganz schnell, sobald er in ihrem Kopf eine feste Form annahm. Nun blieb noch Salvenius, der fremde Charmeur, den sie am gestrigen Abend als Freund Mercredias' kennen gelernt hatte. Er strahlte eine Selbstsicherheit und Überzeugung aus, die sie zuvor bei noch keinem anderen Elfen gesehen hatte und seine laszive Lebenseinstellung begeisterte sie. Doch bei ihm würde sie sich niemals sicher fühlen können, denn er war nun einmal ein Casanova und wenn sie ihn richtig einschätzte, dann hatte er gerne nicht nur eine Frau an seiner Seite, so wie Mercredias. Egal wie sie sich entschied, es würden immer zwei der jungen Männer leer ausgehen und sie würde sie enttäuschen müssen mit den Worten, die sie ihnen vorbrachte. Und egal, wie die Wahl fiel, nichts würde danach mehr so sein, wie vorher…
Kibu faltete den Brief ordentlich zusammen und steckte ihn ein. Sie würde wohl zurück in die Taverne gehen und sich Mercredias stellen müssen. Also seufzte sie kurz, strich ihre Robe noch einmal glatt, fuhr sich mit der Hand ein letztes Mal durch ihr schwarzes Haar, ehe sie sich zurück in die Taverne begab, zurück zu Mercredias und zurück zu ihrem wahren Leben, hinausgezerrt aus ihren träumerischen, illusionistischen Gedanken.
Mercredias saß immer noch an dem Tisch, an dem Kibu ihn zurück gelassen hatte. Sie war unsicher und blieb in gewisser Distanz zu ihm stehen. Erneut stieg ihr die Röte ins Gesicht und erneut wusste die hübsche Hexe nicht, was sie Mercredias sagen sollte. Doch es war gar nicht nötig, denn sein Blick verriet viel über ihn. Er war gespannt, neugierig, eifersüchtig und ebenso ratlos, wie Kibu sich in diesem Moment fühlte. Gespannt wohl darüber, was Kibu zu seinem Brief zu sagen hatte. Eifersüchtig auf Salvenius, welcher, wie im Brief eindeutig beschrieben, sich Kibus angenommen hatte und neugierig natürlich, ob der Brief irgendetwas in der Elfe ausgelöst hatte. Als Kibu das Wort erheben wollte begann ebenso Mercredias, beide stoppten gleichzeitig in ihrem Satz, blickten sich abwartend an und lächelten dann verlegen. Hätte jemand in diesem Moment das Bild mit angesehen, er hätte wohl schmunzeln müssen, denn nahezu eindeutig waren die Gefühle, die in dieser Situation mitspielten.
„Ihr zuerst, Mylady." Mercredias deutete mit einer eleganten Handbewegung auf Kibu und lächelte. Die Elfe erhob das Wort.
„Nun ich….also ich…" Sie hatte ihre Worte eigentlich immer noch nicht gewählt und so hielt sie jetzt einfach nur den Brief in die Höhe, woraufhin Mercredias' Gesichtsausdruck sich ein wenig veränderte. War es Furcht, die in seiner Mimik zu lesen war? Oder war es…Nüchternheit? Kibu wusste es nicht, genauso wenig wie sie wusste, was sie als nächstes sagen würde. Es war, als wäre sie völlig unvorbereitet auf Mercredias gestoßen, obwohl sie genau gewusst hatte, dass er drinnen auf sie warten würde. Sie seufzte kurz auf und versuchte dann einigermaßen in Worte zu fassen, was ihr soeben durch den Kopf schoss.
„Mercredias ich…fühle mich sehr geschmeichelt und…sehr geehrt. Ein Elf Eures Hauses, das ist wahrlich zu viel des Guten, ich hätte nicht im Entferntesten damit gerechnet." Er sah geschmeichelt aus, sie fuhr fort. „Nun…Euer Brief bedeutet mir wirklich viel. Ich weiß, dass Ihr zwar keine Rechtfertigung von mir verlangt und doch möchte ich mich zu Euren Worten äußern." Sie überflog noch einmal kurz die verzierte Schrift ehe sie fortfuhr. „Ich…hätte nicht damit gerechnet, dass Eure Gefühle mir gegenüber so sind, wie sie eben sind. Das alles war, weiß Gott, auch nicht geplant, glaubt mir, aber ich stieß nun einmal zur selben Zeit auf zwei ganz reizende Männer. Mit einem weiteren im Schlepptau. Versteht mich nicht falsch, Mercredias, aber ich möchte Euch auch keine falschen Hoffnungen machen. Glaubt mir ich…ich bin Euch wirklich sehr zugetan, doch möchte ich nicht abstreiten, dass Eurer Freund Salvenius ebenso in meiner Gunst steht, wie Ihr. Allerdings muss ich Euch in einem Punkt Eures Briefes leider Unrecht geben. Er und ich…da ist nichts…und da wird auch in kommender Zeit nichts sein. Ich mag Ihn, aber das ist für den Zeitpunkt auch schon alles." Mercredias' Züge zeigten ein Lächeln, einen Triumph, einen Sieg. Kibu war sich unsicher, ob sie das als positiv oder als negativ werten wollte und auch sollte.
„Jedenfalls…wollte ich, dass Ihr das wisst. Wie steht es mit Euch? Ist es Euer Wille Eure Herzdame auf solch einem Wege zu verraten?" Sie blickte den Magier ernst an, er schien verwundert über die Frage fast so…als hätte er Merdisare für einen Augenblick…vergessen? Mercredias räusperte sich.
„Ihr dürft mich wiederum nicht falsch verstehen, Kibu. Mein Herz gehört meiner Gefährtin. Und doch spüre ich mehr in mir, mehr Feuer, was sich für Euch zu interessieren beginnt. Ich kann es nicht aufhalten, Ihr seid einfach eine bezaubernde Schönheit. Daran lässt sich nichts ändern, somit auch nichts an meinem Interesse für Euch, an meiner Neugierde. Mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen, Mylady." Er lächelte. Kibu war sprachlos. Gut, das war ja in soweit geklärt. Er hatte eine Gefährtin, die er liebte. Sein Herz gehörte Ihr. Und doch interessierte Mercredias sich für sie, für Kibu. Was genau sollte die Zukunft mit solch einem gefühlstechnischen Chaos bloß bereithalten? Kibu wusste es nicht. Sie nickte nur.
„Lasst mich Euch ein wenig aufmuntern, meine Liebe. Wie wäre es, wenn Ihr und Eurer Freund Mimus uns heute Nachmittag in die Tiefschwarze Grotte am Strand des Eschentals begleitet? Es wird keine lange Reise werden, doch wir haben von einigen sehr wertvollen Artefakten im Inneren der Grotte gehört. Wäre es nicht fabelhaft, wenn wir sie vielleicht entdeckten?" Er schien begeistert und Kibu ließ sich von seiner Euphorie anstecken.
„Gut, ich werde Euch begleiten, Mercredias." Sie besiegelte Ihr Wort mit einem Wangenkuss, welcher gar nicht mal so übel war… „Wenn Ihr mich dann entschuldigen wollt, ich muss noch einige Vorbereitungen treffen und mich auf die Suche nach Mimus machen. Auf bald!" Und somit verließ Kibu das Haus Andilien.
Draußen angekommen holte sie erst einmal tief Luft. Sie hatte sich kaum auf das Gespräch vorbereiten können und ihre Gedanken rasten. Hätte sie bloß nicht so einen Schwachsinn daher geredet. Hatte sie das überhaupt? Waren ihre Worte nicht eigentlich mehr weise gewählt und ihre Stimme voller Bedacht gewesen? So ein Unsinn. Es war eine Katastrophe gewesen. Mercredias musste die junge Hexerin für eine vollkommene Spinnerin halten. Und doch interessierte er sich für sie.
Kibu wollte sich gerade zur Bank aufmachen, als sie an einer ganz anderen Bank direkt gegenüber einen jungen Elfen sitzen sah. Er saß im Schneidersitz auf der Bank, seine Hände lagen auf seinen Knien und seine Augen waren geschlossen, trotzdem hatte sie das seltsame Gefühl, als beobachtete er sie. Sein Haar war kohlrabenschwarz, schimmerte im Sonnenlicht in einem samtigen Blau. Es war zu einem losen Zopf zusammen gebunden, welcher ihm locker über die Schulter hing und einzelne Haarsträhnen frei gab. Sein Gesicht war markant und doch ebenmäßig, bis auf eine kleine Falte, die dadurch entstand, dass sein rechter Mundwinkel leicht zu einem dezenten Grinsen nach oben gezogen wurde. Arme und Hände waren gut trainiert, genau wie der Rest seines Körpers, man sah, dass er scheinbar viel für seine Fitness tat. Kibu wusste auch nicht, weshalb dieser Elf ihre Blicke so auf sich zog, vielleicht war es, weil er die Elfe, trotz seiner geschlossenen Augen, zu beobachten schien? Wahrscheinlich jedoch war, dass die vielen Tätowierungen sie hatten aufmerksam werden lassen. Sie konnte natürlich nicht genau erkennen, um was für Symbole und Schriftzeichen es sich handelte und doch…irgendetwas war an dem Elfen unheimlich. Unheimlich anziehend? Nein, wohl kaum, Kibu verscheuchte den Gedanken sofort wieder. Genau in diesem Moment öffnete der Elf seine Augen und sah Kibu direkt in ihre hübschen Katzenaugen. Sie stand nur da und starrte ihn an. Hatte er wohlmöglich gerade ihre Gedanken gelesen? Nein, das konnte nicht sein, so etwas war ganz und gar unmöglich. Kibus Blick wurde auf ein paar scharfer Dolche gezogen, welches klirrend auf sich aufmerksam gemacht hatte, als der Elf beim Aufblicken daran vorbei geschliffen war. Sie hingen lose an seinem Gürtel, anscheinend wollte er sie gar nicht unnötig verstecken, sondern, genau im Gegenteil, sogar die Blicke auf sie lenken. Seine schwarze Lederrüstung hatte auch schon bessere Tage gesehen...
Kibu wollte sich abwenden, als plötzlich zu ihren Füßen eine schwarze Königsnatter den Weg versperrte, doch die junge Blutelfe ängstigte sich nicht vor ihr, ganz und gar nicht. „Heda, ist das Eure Schlange?" fragte sie den hübschen Elfen auf der Bank, immer noch die Schlange betrachtend.
„Ganz recht. Das ist meine. Darf ich vorstellen, Sarpe!" Seine Stimme klang dunkel und lockend, irgendwie aber doch melodisch und weich.
„Eine ziemlich große Schlange, Ihr müsst sie gut in Form halten." Kibu lächelte.
„Ach wisst Ihr, das tue ich mit jeder meiner Schlangen." Grinste er Kibu lasziv an und hob vielsagend eine Braue. Kibu schluckte leicht und wusste nicht recht, was sie dazu sagen sollte. Der Kerl schien ein ziemlicher Weiberheld zu sein.
„Mein Name ist Slaeth De'Ville. Dürfte ich den Eurigen erfahren, schöne Frau, denn sonst fürchte ich, kann ich heute Nacht kein Auge zu tun." Er erhob sich mit einer eleganten Bewegung von seinem Sitzplatz und trat ein paar Schritte auf die Hexe zu. Kibu hob eine Braue. Na der schien ja wirklich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Gott sei Dank hatte sie wenigstens Benehmen gelernt.
„Sehr erfreut, Kibu Schattenrabe ist mein Name." Sie machte einen leichten Knicks, bei welchem sich Slaeths Blick neugierig in ihren Ausschnitt vortasteten. Kibu fühlte sich unwohl.
„Ah, Kibu also. Ein reizender Name für eine reizende junge Frau. Und dürfte ich erfahren was eine so bezaubernde Elfe wie Euch geradewegs nach Silbermond zum guten alten Slaeth führt?" Kibu grinste nun ihrerseits.
„Ach wisst Ihr…Ich kam mit einem…meinem Gefährten hierher, bereit um einen anderen, äußerst hochrangigen Elfen seiner Gefährtin auszuspannen." Slaeth schien perplex. Sie lachte. „Das war nur ein Scherz. Gut, dass ich mit einem Gefährten hier her kam ist korrekt der Rest…na ja, nicht ganz." Ihr Lachen wurde zu einem Lächeln und Slaeth kratzte sich grinsend am Hinterkopf.
„Ah, das hätte ich auch nicht von einer solch reizvollen Dame wie Euch erwartet, meine Teuerste." Slaeth verschränkte triumphierend seine Arme vor der Brust. Kibu ließ sich dadurch nicht aus dem Takt bringen.
„Tja, man sollte trotzdem mit allem rechnen." Sie schmunzelte.
„Aber gewiss doch. Als Dieb und Tagelöhner sollte man stets mit allem rechnen und auf alles gefasst sein. Wie heißt es doch so schön: Lass die Überraschung die Überraschte sein." Er lachte, Kibu stimmte mit ein. Irgendwie gefiel ihr die Art dieses Slaeth. Auch wenn er ein übertrieben von sich überzeugter Blutelf zu sein schien, aber wer von diesem ganzen Volk war das nicht? Es gab nur wenige.
„Wohl an, meine Liebe, ich muss mich nun entschuldigen, ich habe…äh…noch diverse Dinge zu klären. Ich hoffe man sieht sich wieder, Schönheit!" Er verbeugte sich tief und verschwand mit einem Mal ins Nichts. Kibu starrte auf die Stelle wo zuvor noch der junge Elf gestanden hatte, doch nichts. Nichts bis auf eine schwarze Königsnatter, die sich langsam von Kibu wegbewegte…
