Kapitel 16

Kibus PoV

Immer tiefer drangen sie in die unheimliche Finsternis der Grotte ein. Feuchtes Gestein hüllte sie in eine ungenehme Kälte und ließ es ihnen eisig über den Rücken laufen. Das Rinnsal zog sich immer noch weiter in die Höhle hinein und sie konnte ein seltsam schmatzendes und schleifendes Geräusch in der Ferne wahrnehmen, welches mit jedem Schritt näher zu kommen schien. Ab und zu hallte ein Echo an den glitschigen Wänden wieder, welches sich anhörte wie ein Zischen. Ob es nun natürlichen Ursprungs in der unterirdischen Gischt fand oder nicht, wollte keiner der Gefährten für den Moment wirklich wissen.

Mercredias hielt an und bedeutete den anderen mit erhobener Hand zu warten. „Still!" Alle verharrten mitten im Schritt, die Waffen gezückt, bereit zum Angriff, denn die Spannung, die sich seit Eintritt in die Grotte in ihren Körpern breit gemacht hatte, war nun schier unerträglich. Die Luft schien zu schwirren und der Geruch von Angst lag über den Köpfen der Elfen. Die Stille, die mit einem Mal herrschte schien sich noch weiter ins Unermessliche zu steigern und jede Sekunde zu explodieren. An Mimus Schläfe strich ein Tropfen kalter Schweiß entlang, sich einen Weg nach unten bahnend. Gequält, sich nicht weiter darum zu kümmern und sich möglichst nicht zu bewegen, schluckte er und fixierte weiterhin den Hohlraum vor sich. Kibus Herz dröhnte in ihren Ohren. Was hatte Mercredias dazu veranlasst so apruppt stehen zu bleiben? Hatte er wohlmöglich etwas in der Finsternis erspähen können? Obwohl es nur wenige Sekunden waren, die sie nun so angespannt warteten, sie zogen sich hin wie eine klebrige Masse Wyrmlingschleim, hafteten an den Versen wie Sumpfmatsch, der jeden erbarmungslos zurück zog und zu verschlingen drohte. Als Mercredias endlich seine Hand senkte bekam Zeit endlich wieder eine Bedeutung. Der Atem wurde erleichtert ausgestoßen, die Spannung fiel ab, der Herzschlag beruhigte sich langsam wieder. Was für ein Moment der Angst. Kibu seufzte und hob ihren Blick vom Boden, bereit um weiterzugehen, erschrak und taumelte zurück. Ein Schrei der Panik schnitt durch die Stille der Grotte, ließ das Blut in den Adern gefrieren. Salvenius reagierte als erster und seine Klinge durchschnitt glitschige Schuppen, bohrte sich tief in das stinkende Fleisch des Naga vor sich, welcher Kibu aufgelauert hatte und wohl der Grund für das Misstrauen Mercredias' gewesen sein musste. Ein zielsicheres Grinsen machte sich auf dem Gesicht des Elfen breit, doch anstatt nach hinten wegzufallen, schlängelte der Naga weiter auf Salvenius zu, wohl kaum interessiert an der Schneide, die sich in seinen Körper gerammt hatte. Salvenius Grinsen erstarb jäh und er riss gerade noch so seinen Langdolch nach oben, um den Angriff des Naga mit seinem Dreizack abzuwehren. Jetzt reagierte auch Mercredias und formte mit all seiner Willenskraft einen Ball aus purem Feuer, schleuderte ihn dem Naga geradewegs in das schlangenähnliche Rückgrat. Mit einem jaulenden Zischen wand sich die Meereskreatur um, bereit einen weiteren Angriff auf Mercredias vorzunehmen. Blitzschnell kam sein Hieb mit der Waffe des Meeresgottes Neptun und hämmerte Mercredias gegen die harte Felswand, zerriss sein Gewand am Schulterbereich und die scharfen Widerhaken krallten sich dort wo die Robe nun fehlte in das entblößte Fleisch. Der Rothaarige keuchte und Blut floss, sickerte über seinen Arm, durchtränkte die Reste der Robe.

„NEIN!" Kibu riss entsetzt die Augen auf und stürmte auf den Naga zu. Woher sie mit einem Mal ihren Dolch gezückt und wie sie den Naga letztendlich erledigt hatte, wusste sie nicht mehr. Erst als sie sich des Leichnams vor sich und der Blicke der Begleiter gewahr wurde, ahnte sie, dass sie es gewesen sein musste, der den Naga zur Strecke gebracht hatte.

„Was um Himmels Willen war DAS?" fragte Mimus, eine Mischung aus Entsetzen und glücklicher Fassungslosigkeit auf seinem Gesicht geschrieben. Kibu blickte auf ihre Hände, an denen eine dunkle Flüssigkeit klebte, wahrscheinlich das Blut des Naga. Dann auf den Dolch, der immer noch im Rachen der Bestie steckte.

„Ich…ich habe keine Ahnung." Mercredias schritt an ihnen vorbei, seine Hand auf seine blutige Schulter gepresst.

„Ist doch egal, es ist tot, das ist es doch, was jetzt zählt. Wir sollten weiter!" Mimus hielt ihn zurück.

„Sekunde noch, du kannst so nicht kämpfen. Lass mich mal sehen…" Mit einigen gekonnten Griffen hatte er die Wunde untersucht und seine Hand darauf gelegt, um sie zu heilen. Wenigstens provisorisch. „Das müsste für den Augenblick gehen." Mercredias nickte dankend, dann wandte er sich zu Salvenius um und seine Hand landete krachend in seinem Gesicht. Salvenius taumelte und Kibu riss entsetzt die Hände vor den Mund. Mimus sprang mit einem zielsicheren Sprung zwischen die Beiden, um die Streithähne von einander fern zu halten.

„Du Idiot! Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, so hirnlos auf dieses Vieh loszugehen? Hat man dir in deiner Ausbildung eigentlich überhaupt etwas anderes beigebracht, außer Frauen zu verführen, du Tölpel?" In den Augen des Magiers loderte die Flamme des Zorns. Salvenius Hand war auf seine blutende Nase gepresst und seine Augen voller Unverständnis.

„Was denn? Ich habe doch nur versucht Kibu zu schützen!"

„Ja und uns dabei fast alle umgebracht. Pass beim nächsten Mal gefälligst besser auf, du Narr. Du bist ein Schattenschleicher und kein Kriegsmann!" Bedrückt ließ Salvenius den Kopf hängen und Mercredias schritt weiter in die Höhle hinein, Mimus ihm hinterher eilend. Kibu wollte sich zu Salvenius wenden, doch er drehte sich von ihr weg.

„Salvenius?"

„Lasst mich…er hat doch Recht mit dem, was er sagt. Ich bin nur eine Gefahr. Geht nur weiter, ich gehe zurück." Zwischen Kibus geschwungenen Brauen zeichnete sich eine unziemliche Falte auf. Eine Falte der Wut.

„Und dich verkriechen wie ein feiger Wurm? Uns hier zurücklassen, hilflos auf uns alleine gestellt? Kannst du mit reinem Gewissen deine Freunde hier zurücklassen, ja?" Er sah sie an, seine Augen geweitet. Solche Worte hatte er von der zarten Hexe nicht erwartet.

„Du kommst gefälligst mit weiter. Gut, du hast gerade nicht gerade sehr lobenswert gehandelt, aber es geschah in einer guten Absicht. Du wolltest mir mein Leben retten. Aber jetzt wegen einem Fehler aufzugeben ist falsch, Salvenius und das weißt du auch. Wenn du jetzt gehst, dann machst du nichts besser, aber wenn du weiter den Weg in die Grotte beschreitest, dann kannst du deinen Fehltritt wieder gut machen. Denkst du wir könnten ohne einen Schwertkundigen in dieser Höhle hier überleben?" Er schien perplex. „Nein, könnten wir nicht. Und jetzt komm…die anderen sind uns schon ein gutes Stück voraus." Und mit diesen Worten eilte sie Mimus und Mercredias hinterher, sicher, dass Salvenius ihr folgen würde.

Sie waren gerade um eine Ecke gebogen, als sie einen silbrigblauen Schein ausmachen konnte, der die Plattform, die vor ihnen lag in ein mattes, falsches Licht kleidete. Langsam schlichen sie weiter darauf zu, um einen besseren Blick auf das zu erhaschen, was sich da vor ihren Augen aufgetan hatte. Die Plattform lag mitten im Wasser, nur erreichbar durch eine Art Tunnel, welcher wohl darunter herführen musste, geradewegs hinauf zu der merkwürdigen Insel. Auf der Anhöhe selbst standen einige umgekippte und halbzerfallene Säulen, zwischen denen schwarz vermummte Gestalten umherwanderten. Einige von ihnen hatten Ritualdolche an ihre Gürtel gebunden, andere trugen lange Stäbe auf dem Rücken. Das mussten die Kultanhänger sein, die mit den Naga im Bunde standen. Die Elfen verhielten sich nahezu lautlos, um noch ein weiteres Stückchen heranzukommen. Wieder hob Mercredias die Hand und sie stoppten. „Wie gehen wir weiter vor?" fragte er im Flüsterton. Kibu antwortete ihm ebenso leise.

„Es sind mindestens acht von diesen Kultlern dort oben. Ich weiß nicht, was sie sind, aber es wäre durchaus vorstellbar, dass einige von ihnen über dieselbe Magie verfügen wie ich…" Mercredias blinzelte sie an.

„Und das heißt?"

„Schatten- und Schwarzmagie. Dämonenbeschwörung zum Beispiel." Drei Augenpaare hafteten auf ihr. Kibu lächelte unsicher. „Na ja, so ist das nun mal…euch wirft doch auch keiner vor, welcher Art von Magie oder Kampfkunst ihr euch bedient, also. Es ist effektiv und das genügt." Die drei anderen beäugten sich mit ratlosen Blicken und schienen dann in ein stilles Übereinkommen zu gelangen, dass Kibu wohl recht mit dem hatte, was sie sagte.

„Gut, also willst du damit sagen, dass es durchaus vorstellbar wäre, dass diese acht Kultanhänger noch…na ja…Hilfe herbei beschwören könnten?" Kibu nickte.

„Genau das meine ich damit. Wir müssen aufpassen, weil sie sonst in der Überzahl wären…was sie sowieso schon sind. Traut sich jeder zu, zwei von denen zu übernehmen?" Salvenius fiel ihr leise ins Wort.

„Nun…ich bin Schattenschleicher, einen von ihnen könnte ich auch so außer Gefecht setzen, indem ich ihm eine ordentliche Kopfnuss verpasse." Er grinste. „Dann kann ich noch mithelfen, wenn der eine erledigt ist." Kibu nickte.

„Sehr gut. Noch mehr solcher Tricks im Angebot?" Mimus grübelte.

„Kannst du dich noch an einen der Trainingstage erinnern? Wir beide verfügen über gewisse Fähigkeiten, mit denen wir uns etwas Zeit verschaffen können…weißt du noch?" Kibu überlegte kurz, schnippte dann mit dem Finger.

„Ja…richtig! Wir könnten diese Furcht eventuell wieder auslösen. Das würde uns wirklich etwas Zeit verschaffen. Und du könntest deine heilenden Kräfte wirken lassen, falls es ernst wird." Der Barde nickte.

„Gut also…Salvenius schleicht vor und betäubt einen von ihnen. Dann greifen wir auf dein Zeichen an, jeder schnappt sich einen oder zwei. Wird es brenzlig, dann schreit und Mimus und ich verschaffen uns etwas Zeit mit einer Aura, der sie garantiert nicht widerstehen können. Und wenn es wirklich, WIRKLICH brenzlig wird…dann schaut, dass ihr euch irgendwie in Mimus' Nähe aufhaltet. Ich werde noch…Hilfe beschwören. Das dürfte klappen." Alle nickten.

„Ja, wird schon schief gehen…"

Kibu trat ein wenig zur Seite, sodass sie mit ihrer Energie keine Aufmerksamkeit auf sich und die Gefährten ziehen konnte, schloss die Augen und konzentrierte sich. Tief in ihrem Herzen begann ihre Magie sich auszudehnen, unruhig zu flimmern. Sie griff langsam darauf zu, ihre Konzentration stieg beinahe ins Unermessliche. Mercredias wand sich ihr zu, als er in seiner magischen Aura eine Störung wahrnahm, die wohl durch den Zugriff von Kibu auf unbekannte Mächte ausgelöst wurde, und auch Mimus drehte den Kopf überrascht zu der hübschen Elfe, die nun völlig in Trance zu sein schien. Leise Worte in einer unheimlich klingenden Sprache wurden von ihren vollen Lippen geformt, traten in einer Art Singsang hinaus und gewannen etwas an Lautstärke. Misstrauisch aber auch neugierig beäugten die beiden Elfen den Vorgang, der sich vor ihren Augen abspielte, traten einen Schritt zurück, als sich um Kibu eine Wand aus lodernder Schattenmagie bildete. Ein leichtes Zittern erschütterte den Boden um sie herum, als Kibu ihre Worte beendete und die Arme senkte. Die Energie verschwand und gab den Blick auf eine Kreatur der Hölle frei. Sie schwebte vor Kibu über dem Boden…oder kam sie AUS dem Boden? Der schwarze Rauch, welcher dort zu sehen war, verhüllte weitere Vermutungen, woher dieses Ding eigentlich stammen konnte, doch es selbst schien auch nicht aus viel mehr zu bestehen als aus diesem seltsamen schwarzvioletten, bläulich schimmernden Qualm. Hätte die Kreatur nicht ein ‚Gesicht' gehabt, dann hätte man es für eine einfache Qualmwolke halten könne, wenn auch eine äußerst merkwürdige. Aber diese Dämonenfratze, die sie aus der Wolke heraus anstarrte ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Gelblichgrün lodernde Augenhöhlen starrten sie an, aus welchem das Feuer der tiefsten Hölle zu sprechen schien. Ein ‚Maul', welches sich immerfort bewegte und verschob, allerdings so etwas wie gefährliche Reißzähne preisgab. Und Pranken, wie die eines Löwen, nur länger und spitzer, eingefasst von zwei metallernen Armschienen, welche den Dämon wohl bändigen mussten. Er grollte tief und nahm immer wieder neue Formen an, wohl um sich umzusehen, wer oder was ihn herbeigerufen hatte. Kibu nickte zufrieden. Es war wohl alles so verlaufen, wie sie es gewollt hatte, doch über die Lippen ihrer Begleiter drang kein Wort. Auch Salvenius war nun aufmerksam auf das geworden, was sich weiter hinten abgespielt hatte und konnte nichts weiter als mit offenem Mund das Höllenvieh anzustarren.

„D-Das ist…ist der Dämon…?" Mimus schluckte.

„Ja, das ist Zak'Thyk. Er ist ein Leerwandler. Beschützt mich mit seinem…ehm…Leben, ja." Sie lächelte schief.

„Ah…" Mehr konnte man für den Moment wohl auch nicht von dem Barden erwarten, da das, was er dort sah, bei Weitem das begreifliche Wissen überstieg.

„Er macht seine Arbeit gut, vertraut mir. Geht's dann los?" Alle nickten und machten sich wieder auf bis zu der Biegung, welche sie zu der Plattform geführt hatte. Nicht aber, ohne noch einmal einen misstrauischen Blick auf den Dämonen zu werfen, welcher hinter Kibu herschwebte. Unter ihren Füßen verlief weiterhin das dünne Rinnsal…

Mit einem leisen ‚Klunk' viel einer der Kultanhänger nach hinten über und blieb reglos und mit geöffneten Augen auf dem glitschigen Boden liegen. Einige drehten sich zu ihm herum und musterten ihn argwöhnisch, wanden sich jedoch wieder ab, nicht weiter interessiert, da solche ‚Anfälle' wohl normal zu sein schienen bei einer Überdosis an Mana. Die Gefährten jedoch wussten es besser. Salvenius hatte zugeschlagen. Mit einem weiteren ‚Schlick' blieb ein weiterer reglos in der Bewegung stehen, ließ nur schlaff die Arme baumeln und verlor seinen Stab. Ein Murmeln machte sich breit. Was war hier los? Dann tauchte der junge rötlichblondhaarige Elf aus den Schatten auf und versenkte seine Klinge im Rücken des Reglosen, welcher sofort tot zu Boden fiel. Gleichzeitig und mit einem Kampfesschrei stürmten die Gefährten aus ihrem Versteck auf die Meute der Anhänger zu und machten sich über sie her. Kibus Leerwandler nahm sich gleich Zweier an und prügelte das Innerste aus ihnen heraus, steckte jedoch selbst wohl auch ziemlich ein, da er sichtbar an Größe verlor. Kibu schleuderte immer wieder Schattenmagie auf die Anbeter, doch genauso bekam sie etliche Schattenblitze zurück, welche sie nach hinten rissen, ihr Mana entzogen und ihr schmerzhafte Verbrennungen zufügten. Mercredias hatte sich ebenfalls auf zwei gestürzt, allerdings sah es nicht gut für ihn aus, da einer von ihnen den Magier in die Mangel genommen hatte und er andere auf ihn einschlug. Mimus versuchte so gut es ging seine heilenden Hände walten zu lassen, doch auch er musste gehörig von einem der letzten Übriggebliebenen einstecken. Immer wieder prasselten Dolchstiche auf ihn nieder, bis er ausholte und dem Schwarzmagier schmerzhaft seine Faust ins Gesicht schlug. Er prallte zurück und fiel der Länge nach hin, was Salvenius die Chance verlieh, seine beiden Dolche in den hilflosen Leib zu rammen und seiner fragwürdigen Existenz ein Ende zu bereiten. Ein Grollen ließ die Erde erbeben und ließ vermuten, dass die Höllenkreatur dem Erdboden gleich gemacht worden war. Allerdings tauchte hinter Salvenius ein nahezu identischer Zwilling von ihr auf und machte sich über den Dieb her.

Kibu musste sich nun dem Zorn stellen, den ihr Leerwandler über die beiden Kultler hatte walten lassen. Ein schneller Hieb zerschnitt ihre ebenmäßige Wange und ließ sie zu Boden gehen. Sie versuchte sich aufzurappeln, doch einer der beiden Feinde, welcher eine Hakennase und rabenschwarzes öliges Haar besaß, war schneller. Er hob seinen Fuß und trat ihr schmerzhaft auf die schlanke Hand. Sie jaulte auf. Eine Hand umschloss ihren Hals und zog sie nach oben, was ihr die Luft abschnürte. Immer weiter zog sie die Elfe, bis ihre Füße kurz über dem Gestein hingen und sich ihre Fingernägel flehend und schmerzhaft in die Hand des Angreifers versenkten, damit er sie los ließ. Doch das tat er nicht. Tränen traten Kibu in die Augen, weil sie immer noch keine Luft bekam und der Griff um ihre Kehle ernsthaft schmerzte. Ein wahnsinniges Lächeln hatte sich auf dem Gesicht des Anhängers breit gemacht, als er sich seines Kollegen gewahr wurde, welcher nun langsam mit seinem Dolch auf die Elfe zuschritt. Mercredias, welcher zwar selbst mit seinen Angreifern zu tun hatte aber Kibu um jeden Preis helfen wollte, riss sich mit letzter Kraft los, als Salvenius bei dem Versuch, Kibu zu Hilfe zu kommen, bewusstlos geschlagen wurde. Er taumelte, verletzt, auf die Elfe zu und versuchte, die Klauen des Wahnsinnigen von ihrem schlanken Hals zu lösen, ohne Erfolg. Ein einfacher Fußtritt des Komplizen in eine von Mercredias' Wunden genügte, um ihn unter Schmerzen und mit einem Röcheln zurückzustoßen. Mimus nahm alles nur noch in Zeitlupe war, was um ihn herum geschah. Salvenius, welcher bewusstlos am Rande der Plattform lag, Mercredias, welcher sich unter den etlichen Wunden kaum noch bewegen konnte und doch erfolglos versuchte, Kibu zu retten. Und Kibu. Kibu, die mit letzter Kraft versuchte die Hand von ihrem Hals zu lösen. Kibu, die Zentimeter über der Erde hing, kraftlos und schwach. Kibu, die mit erstickter Stimme und Tränen in den Augen kurz davor war zu sterben. In seinem Inneren löste sich etwas, groß wie ein Stein, rollte einen Abhang hinunter, tief in seine Magengrube und hinterließ nichts als pure Verzweiflung aus welcher sich Hass formte.

„NEEEEIIINNNN!!!" Mimus' Schrei musste wohl noch oberirdisch die Welt erzittern, so kraftvoll hatte er ihn ausgestoßen. Seine sonst so freundliche, gutmütige Erscheinung war verschwunden, die priesterähnliche Aura mit ihr und machte einer Energie platz, die so wohl noch nicht mal die Anhänger bisher gekannt hatten. Um ihn herum flackerte und knisterte es, wie elektrische Strömungen. Mit ausgebreiteten Armen und wild entschlossen, seine Gefährten zu retten, brach die Woge der Energie, die Mimus aus seinem Innersten gezogen hatte über den Anhängern nieder, zerschlug sie untereinander und spülte ihre Leiber in die Endlosen Weiten des Nether. Alles drehte sich um ihn, er konnte nichts mehr wahrnehmen, nichts mehr hören, nichts sehen.

…….

Fast gleichzeitig fielen er und Kibu auf den steinharten Boden der Plattform und blieben reglos liegen, ein Rinnsal Blut färbte sich mit dem Rinnsal, welches sie bis hierher geführt hatte und ein hilfloser Schrei der Verzweiflung drang von irgendwoher wie ein Donnergrollen durch die Höhle, prallte an den zersplitterten Wänden ab und wurde mit einem Echo des Todes wieder herangespült…

…….