Kapitel 17
Kibus PoV
Ja, sie hatten überlebt.
Und
das ziemlich knapp. Wäre nicht plötzlich diese unglaublich
starke Energie aus Mimus heraus gebrochen und hätte die Feinde
zerschmettert, dann wären die Gefährten mit bitterer
Sicherheit dem Tode geweiht gewesen. Doch was hatte diese Energie
ausgelöst? War es die Hilflosigkeit von Kibu gewesen oder die
sichere Vorahnung, dass sie alle sterben würden? War es Angst
oder blinder Heldenmut? Oder war es wohlmöglich alles zusammen
gewesen? Nachdem Kibu und die anderen beiden Mimus nun in innerhalb
von etwa zwei Stunden die wahrsten Löcher in den Bauch gefragt
hatten und er immer noch keine Antwort auf ihre Fragen gegeben und
gefunden hatte, gaben sie es letztendlich auf, die Wahrheit aus ihm
heraus zu zwingen. Er wusste es wirklich nicht, nur das er plötzlich
diese unglaubliche Energie gespürt hatte, die die Überhand
über ihn gewonnen hatte. Und das war verdammt gut so gewesen,
denn sonst wären sie alle gestorben und hätten sich nur den
Reihen der Gefallenen angeschlossen, die vorher, vergebens, die
Grotte mit Mut und Tatendrang betreten hatten. Kibu war dankbar. Sie
konnte gar nicht sagen wie sehr. Und so musste es wohl auch
Mercredias und Salvenius gehen. Auch wenn Mercredias im ersten Moment
eine blinde Panik überkommen hatte, als er die beiden Elfen,
Mimus und Kibu, leblos hatte zu Boden fallen sehen.
„Ich dachte
wirklich, es sei jetzt endgültig aus…" Er schwieg betrübt.
Kibu lächelte ihn ermunternd an.
„Aber das war es nicht.
Mimus sei Dank. Er hat es geschafft, hat sein Leben für uns
riskiert." Sie tätschelte Mimus die Schulter. „Das war
wirklich mutig! Ich bin dir sehr, sehr dankbar, Mimus." Er errötete
leicht und winkte ab.
„Ach was. Wir hätten sonst sowieso
keine Chance gehabt. Und was zählt mein Leben im Austausch gegen
drei schon…" Kibu blickte ihn empört an.
„Dein Leben
zählt eine ganze Menge, mein Lieber! Wie kannst du so was sagen.
Du bist einer meiner besten Freunde, was hätte ich denn ohne
dich tun sollen, hm?" Ihre Züge wurden wieder weicher. „Es
war schon ganz schön dumm von dir…aber wir alle sind dir
dankbar, dass du es getan hast. Und vor allem aber, dass dir dabei
nichts weiter passiert ist, als ein dröhnender Schädel."
Sie grinste leicht. „Das hast du gut gemacht, wirklich." Mimus
schien verlegen und dennoch stolz und zufrieden.
„Danke."
Sagte er. Mercredias trug einige Verbände um den Körper
gewickelt. Darunter der an seiner Schulter, mehrere an Armen und
Beinen. Die rechte Hand war komplett bandagiert und auch die Hüfte
war mit einem straffen Band umwickelt. Darüber trug er, wie
gewöhnlich, eine seiner roten Roben. Sein markantes aber
ebenmäßiges Gesicht war von blauen Flecken geziert, genau
wie das von Salvenius, welcher dazu noch eine Kopfbinde trug, von
seinem Schlag auf den Kopf. Auch er war bandagiert. Kibu ihrerseits
hatte einen unschönen langen Kratzer quer über die Wange
gezogen und die Unterlippe war aufgeschlagen. Dazu kamen die
Würgemale an ihrem Hals und einige Verbände, unter denen
die Verbrennungen zu heilen begannen. Mimus war ähnlich
bandagiert und trug ein schmerzlinderndes Pflaster an der Stirn, wo
er mit dem Kopf den Boden geküsst hatte, als er bewusstlos
gefallen war. Insgesamt machte das Quartett einen recht amüsanten
Eindruck und hätte man nicht gewusst, dass sie vor kurzem erst
den Kult in der Grotte zerschlagen hatten, dann hätte man
annehmen können, sie seien ganz unvorbereitet in eine Horde
Kodos gelaufen und niedergewalzt worden. So aber, behandelte man sie
zumindest in der Taverne des Hauses Andilien mit einer großen
Menge an Respekt. An diesem Abend ruhten sich die vier Elfen dort auf
den bequemen Sofas aus, rauchten genüsslich den köstlichen
Tabak der Wasserpfeifen, tranken und aßen. Es war wahrlich ein
guter Abend, schließlich hatte man etwas zu feiern. Die
Zerschlagung des Kults und das Leben selbst. Und die Freundschaft.
Denn nun teilten die vier Elfen eine gemeinsame Erfahrung miteinander
und zwar die, wie knapp sie dem Tode entkommen waren und wie sehr
jeder einzelne von ihnen doch an seinem Leben hing und wie
wunderschön es in dieser Welt war.
Mit
der Menge an Alkohol stieg auch die Stimmung und die Laune der Vier.
Man unterhielt sich angeregt, scherzte und tratschte. Mimus summte
gemütlich vor sich her, sein Wasserpfeifchen schmauchend,
Salvenius stand bei einer der Damen am Tresen und war schon wieder
ganz in seinem Element den Handkuss zu vollführen und Mercredias
und Kibu saßen lächelnd am Tisch und machten sich die
höchst lobenden Komplimente. Mercredias plauderte aus dem
Nähkästchen was seine Gefährtin betraf und Kibu
sprach, dem Alkohol sei Dank, offen über ihre Gefühle. Je
weiter der Abend fortschritt, desto näher kamen sich die Hexe
und der Magier und auch Mimus Summen wurde immer lauter und wechselte
schließlich in einen fröhlichen und warmen Gesang über.
Kibu blickte von dem Barden, welcher sichtlich Spaß an seinem
Metier hatte, hinüber zu Mercredias und musterte ihn.
„Ihr
sagt also, Euer Interesse an Eurer Gefährtin sinkt? Wie kommt
das?" Mercredias schien zu grübeln und auch darüber, wie
seine Worte am wenigsten lallend aus seinem Munde kommen würden.
„Nun ich…sagen wir es einmal so. Ich habe große Kräfte
in mir und…" Kibu nickte.
„Oh ja, das nehme ich an. Euer
Feuer war nicht zu unterschätzen." Er lächelte.
„Meint
Ihr wirklich?" Sie nickte erneut.
„Oh ja, das meine ich ganz
ernst. Dafür, dass Ihr noch kein ausgebildeter Magier seid.
Ziemlich gut!" Mercredias schien stolz und die Röte des
Alkohols auf seinen Wangen mischte sich mit der Röte der
Verlegenheit.
„Nun, ich danke Euch für Eure schmeichelnden
Worte, Kibu. Jedenfalls…meine Gefährtin weiß um diese
Kräfte. Und sie…" Sein Lächeln verschwand und ein
Ausdruck bitterer Enttäuschung trat auf sein Gesicht. „Sie hat
mich zwar aus Liebe erwählt aber…nun ja, sie möchte diese
Kräfte für sich beanspruchen, versteht Ihr?" Kibus Züge
zeigten Mitleid und Verständnis.
„Ja, ich verstehe. Wie
grausam. Ihr schenktet Ihr Liebe und sie nutzt Euch aus…" Er
nickte und erschrak dann vor seiner eigenen Reaktion.
„Nein
nein. Versteht mich nicht falsch. Sie schenkte mir auch Liebe. Und
sie tut es noch. So empfinde ich es jedenfalls. Sie ist keine
schlechte Elfe. Sie ist nur…sie möchte es eben zu etwas
bringen. Deshalb will sie meine Macht. Und das wird auf Kurz oder
Lang nun einmal nicht funktionieren…das mit uns." Er blickte sie
an, seine Augen direkt in ihre schauend und ein sanftes Lächeln
seine Lippen umspielend. Kibu konnte nicht anders als, wie
hypnotisiert, seinem Blick standzuhalten. Sie errötete als er
ihr Kinn mit zwei Fingern sachte anhob und ihr Herz machte einen
Satz, als sich seine rauen Lippen langsam auf die ihrigen legten. Die
Sekunden, ja Minuten zogen sich dahin wie Stunden, wie Jahre. Kibu
war perplex und obwohl der Rothaarige Magier, welcher ihr gegenüber
saß, sich leicht vorgebeugt und sie mit geschlossenen Augen
geküsst hatte, saß sie immer noch, bewegungsunfähig
und mit weit geöffneten Augen, auf ihrem Stuhl, unfähig
etwas zu tun oder gar zu erwidern. Als Mercredias von ihr abließ
und sie erneut musterte stieß Kibu die Luft scharf aus. Was war
da soeben passiert? Hatte sich dieser Kuss wirklich zugetragen oder
träumte sie wohlmöglich schon wieder? Sie konnte es nicht
mit Sicherheit sagen, erst dann als Mercredias ihr ein Lächeln
zuwarf und den Mund öffnete, um zu ihr zu sprechen.
„Liebste
Kibu…" Er stockte, schien nicht richtig zu wissen, wie er
fortfahren sollte und für Kibu war es Gewissheit. Der Kuss war
real gewesen. Mercredias hatte sie geküsst. Er war ihr wirklich
angetan. Sie konnte ihr Glück kaum fassen.
„Liebste Kibu,
ich…möchte Euch noch einmal an meinen Brief verweisen. Ich
weiß, ich kann mir nicht viel von einer Dame, wie Euch
erhoffen, da ihr einfach zu wundervoll seid, um Euch eines einfachen
Magiers wie mir anzunehmen und doch…mein Interesse ist nicht minder
als zu dem Zeitpunkt, an welchem ich den Brief verfasste. Im
Gegenteil. Jetzt, da mir meine Gefährtin ihre wirklichen
Absichten offenbarte da…nun ja, da habe auch ich eine Entscheidung
getroffen. Und ich werde für meine Entscheidung kämpfen.
Und für Euch, Kibu." Ihr Herz raste förmlich und ihr
Gesichtsausdruck musste jegliche Fassung verloren haben, dessen war
sich Kibu bewusst. Mercredias sprach hier von etwas, das sie niemals
für möglich gehalten hatte. Er sprach davon, sie als seine
neue Gefährtin auserwählt zu haben. Und das sagte er zu
IHR. Sie, Kibu, die selbst ein großes Interesse an dem
stattlichen Magier gefunden hatte. Aber Mimus und Salvenius…Sie
bedeuteten ihr beide viel. Doch hatte Kibu ihre Entscheidung nicht
bereits getroffen? Würde sie dem Magier es in die Augen sagen
können? Salvenius war einfach nicht der Mann, den Kibu sich
vorstellte. Sie brauchte jemanden an ihrer Seite, der, trotz eigener
Probleme, trotz Verletzungen und trotz jeglicher eigener Belange, für
sie da war. Der sie beschützte und ihr Mut zusprach. Und nicht
umgekehrt. Salvenius war ein netter Kerl, aber er war nicht der Eine.
Trotz alledem würde er natürlich ein guter Freund bleiben,
daran bestand kein Zweifel. Mimus. Kibu hatte schon früh
gespürt, dass die beiden mehr verband als nur das Band der
Freundschaft. Sie waren wie verwandte Seelen, konnten über alles
miteinander reden, scherzen, weinen. Es war als wären sie
Geschwister.
Und
gerade das war es, was Kibu die Entscheidung, wen sie zu ihrem
Gefährten haben mochte, abnahm. Sie waren wie Geschwister. Mimus
war wie ein gleichaltriger oder älterer Bruder für sie. Er
kümmerte sich rührend um ihre kleinen Wehwehchen, sie
sprachen offen über Probleme und Dinge, die sie beschäftigen
und sie waren immer füreinander da. Diese Vertrautheit und
Liebe, die sie bisher so deutlich bei ihm gespürt hatte, war
anderen Ursprungs als die der wahren Liebe, der Lust und der
Leidenschaft. Das war die Liebe der Verbundenheit und der
Freundschaft, des Vertrauens. Kibu musste bei dem Gedanken
schmunzeln. Wie hatten sie ihre Gefühle nur so täuschen
können, was für eine Närrin sie doch gewesen war all
das nicht gleich zu erkennen. Sie blickte zu Mercredias.
„Nun…um
ehrlich zu sein. Ich hatte in letzter Zeit meine Schwierigkeiten
damit, eine Entscheidung zu fällen. Doch ich glaube schon, dass
ich nun endgültig gewählt habe. Ich gebe zu, es ist mir
nicht leicht gefallen, aber ich bin mir nun über meine Gefühle
im Klaren. Klarer als sie es jetzt sind, könnten sie nicht sein
und ehe ich einen Fehler begehe, indem ich sie Euch
verheimliche…Meine Wahl ist auf Euch gefallen, Mercredias." Der
Magier blickte zunächst erstaunt, dann jedoch verzogen sich
seine Mundwinkel hinauf zu einem Lächeln.
„Es freut mich
wirklich zu hören, dass ich mich in Euch nicht getäuscht
habe, Kibu. Und es ist mir eine Ehre, dass eine Frau, wie ihr sie
seid, klug, schön und so anmutig sich mir offenbart. Mehr kann
ich von meinem Schicksal wohl kaum verlangen." Kibu errötete
leicht als er ihre Hand nahm und sachte drückte.
„Werdet
Ihr es Salvenius sagen?" fragte die Hexe und Mercredias verneinte.
„Nein, das ist nun Eure Aufgabe. Aber keine Angst, ich werde
hinter Euch stehen. Er wird es zunächst nicht verstehen, weil er
sehr selbstsicher ist. Aber mit der Zeit wird er damit klar kommen,
vertraut mir." Sie nickte zaghaft und blickte hinüber zu dem
Blondschopf, welcher gerade dabei war einer dunkelhaarigen Elfe den
Hof zu machen. Kibu musste unweigerlich schmunzeln, als ihr jedoch
gewahr wurde, was sie ihm würde sagen müssen verstrich der
freudige Ausdruck auf ihrem Gesicht. Seufzend stand sie auf, dicht
gefolgt von Mercredias, und trat zu Salvenius und der Elfe.
„Salvenius, kann ich dich kurz sprechen?" Er wand sich zu ihr
um und sah ihr mit einem selbstsicheren Lächeln in die Augen,
welches jedoch an Freundlichkeit verlor, als er Mercredias hinter ihr
erblickte.
„Selbstverständlich, was gibt es denn…?"
Die dunkelhaarige Elfe musterte Kibu aufmerksam und als sie sich Kibu
genauer ansah runzelte sie die Stirn. Kibu tat es ihr gleich und auch
Mercredias schien etwas verwundert. Die Fremde, die wohl den Namen
‚Lady Allaria' trug, soviel Kibu mitbekommen hatte, sah ihr zum
verwechseln ähnlich. Gut, vielleicht nicht zum verwechseln,
dennoch, eine gewisse Ähnlichkeit war da. Dasselbe rabenschwarze
lange Haar, offen und mit einem Reifen beschmückt. Feine reine
Haut und ein schmales Gesicht, welches sogar ähnliche Züge
trug. Ja selbst in Größe und Maßen stimmte die Figur
der beiden Elfen überein. Einzig und allein die Augen waren
vollkommen anders. Kibus blaue Katzenaugen und die stechengrünen
Allarias unterschieden sich ungemein voneinander. Aber ansonsten
hätten sie als Schwestern durchgehen können…Salvenius
grinste.
„A-Also ich…ich wollte dir nur…meine Wahl
mitteilen." Sein Grinsen blieb ihm auf dem Gesicht stecken und er
schluckte.
„Ja richtig, die Wahl. Hmh, und…wie hast du dich
entschieden, werte Kibu?" Immer noch die Elfe mit Namen Allaria
anstarrend, welche sogar dasselbe Kleid trug wie sie, antwortete Kibu
ganz geistesabwesend und nüchtern.
„Mercredias."
Salvenius, welcher soeben einen Schluck seines Weines zu sich
genommen hatte, verschluckte sich auf der Stelle und begann zu
prusten. Allaria schien verwirrt, Mercredias blieb ernst, doch der
Ausdruck von Triumph war in seinen Augen zu lesen.
„B-Bitte
was?" frage Salvenius, als er sich einigermaßen wieder
gefasst hatte.
„Mercredias. Ich habe mich für ihn
entschieden. Es tut mir…tut mir wirklich leid." Erst jetzt löste
sie ihren Blick von Allaria und sah den Dieb entschuldigend an. Er
erwiderte nichts, starrte sie nur an. Dann wandte er sich zu Allaria
und küsste sie als wenn es keinen Morgen mehr gäbe. Sie,
perplex, ließ es zu und wusste nichts zu erwidern. Als
Salvenius sich von ihr löste, blickte er Kibu nur stumm an, warf
dann Mercredias einen Blick zu und packte grob Allarias Hand. Er
lächelte, als wäre nichts gewesen, allerdings verrieten
seine Augen etwas anderes…
„Ach, das ist doch nicht weiter
schlimm. Ich habe sowieso schon jemanden für mein Herz gefunden.
Das ist Lady Allaria. Dann…wünsche ich Euch noch viel Glück
und einen erholsamen Abend." Und so zog er sie, erneut grob am
Handgelenk gepackt, mit sich. Allaria allerdings warf noch einmal
einen verwirrten Blick auf Kibu, welche ihr wohl denselben fragenden
Blick schenkte. Mercredias brummte hinter ihr.
„Was ist los?"
„Ist es Euch nicht aufgefallen?"
„Nein, was denn?"
„Na, diese Elfe. Allaria. Sie sieht Euch sehr ähnlich."
Kibu nickte.
„Doch, das schon. Ja und?" Er schnaubte.
„Na,
versteht Ihr nicht, warum Salvenius sie nimmt?" Kibu begriff
allmählich, worauf er hinaus wollte.
„Ihr meint…?" Er
nickte.
„Oh ja, das meine ich. Salvenius will Euch. Keine
andere. Deshalb wählt er sie. Reiner Zufall, dass er diese
Elfendame hier im Andilien gefunden hat. Hätte er sie nicht
gefunden, so würde er alles dafür tun, Euch für sich
zu gewinnen." Kibu nickte leicht.
„Meint Ihr wirklich?"
Erneut nickte er heftig.
„Oh ja, soviel ist klar. Ich kenne ihn
schon lange. Er ist ein Casanova, ein Schürzenjäger, der
nichts anderes im Kopf hat als Frauen. Und wenn er sich etwas in den
Kopf setzt, dann will er es auch durchsetzen. Da er das jetzt aber
nicht kann, nimmt er sie. Na ja, er kommt schon darüber hinweg.
Seltsam nur diese Ähnlichkeit zwischen Euch beiden.
Allerdings…seit Ihr bei Weitem die Hübschere von beiden."
Kibu lächelte verlegen.
„Vielen Dank." Der Magier strich
ihr sanft über die Wange.
„Gern geschehen…" Langsam
beugte er sich zu ihr und fixierte ihre sonderbaren blauen
Katzenaugen. Kibu erwiderte schüchtern seinen Blick. Einem
solchen hatte sie sich nie zuvor bei einem Mann stellen müssen
und jetzt war ihr diese intensive, ja fast schon lüsterne,
Musterung seltsam unangenehm. Mercredias kam noch etwas näher
und seine Augen strichen über Kibus helle volle Lippen,
woraufhin sie rot wurde wie der Schneewittchenapfel. Seine große
aber schmale Hand strich erneut über ihre Wange, hinab zu ihren
Lippen und ein Finger glitt sanft darüber hinweg, bahnte sich
einen Weg ihr Kinn hinunter, wo er zum Stillstand kam und es langsam
in seine Richtung schob. Das markante Gesicht des Magiers kam immer
näher und mit einem Mal spürte Kibu erneut die rauen Lippen
des Magiers auf ihren. Ein kribbelndes Zucken durchfuhr ihren
gesamten Körper und sie konnte nicht anders als einfach nur die
Augen zu schließen und sich seiner Zuneigung voll und ganz
hinzugeben. Schier endlos schien der Kuss zu sein, Minuten vergingen
in denen Mercredias Arm langsam zu Kibus Rücken wanderte und sie
dicht an sich gedrückt hielt. Kibus Hände hatten sich ganz
automatisch um seine Schultern und seinen Nacken gelegt und ihre
Küsse waren voller Leidenschaft. Zum ersten Mal in ihrem Leben
gab sich Kibu voll und ganz einem Mann hin und zum ersten Mal vergaß
Kibu alles um sich herum: Salvenius und Allaria, den Vorfall des
Tages, Mimus und Maev, ja sogar die ganze weite Welt. Alles verpuffte
ins Nichts und ließ nur tausende und abertausende
Schmetterlinge zurück, die anmutig durch die warme Luft eines
lauen Sommerabends im Immersangwald streiften und die Sonne dem Mond
übergaben…
