Personen: James Potter, Emilia Hopkins, Fred Weasley, Marius Proudfoot, Gracie Conner, Madeleine Towler, Leslie Middleton

Zuordnung: Teil 2, Kapitel 18

Erwachsen

James und die anderen Gryffindor-Sechstklässler waren gerade aus den Kutschen ausgestiegen und wollten nun nach ein paar Zweitklässlern in den Hogwarts-Express einsteigen, als James Emilias Stimme vernahm.

„James!", rief sie und kam auf ihn zugelaufen, „Falls wir uns nicht mehr sehen, wollte ich dir noch schöne Ferien wünschen."

James grinste sie breit an und umarmte sie zum Abschied.

„Dir auch schöne Ferien", wünschte er ihr.

Ihm war bewusst, dass alle Umstehenden sie nun anstarrten und gespannt waren, was nun passierte, aber er ignorierte sie. Sie durften weiterhin gern denken, was sie wollten. Es gab nur eine Person, bei der es ihm weniger egal war, aber er wusste, dass er sie lieber vergessen sollte.

„Übrigens hat unsere Scharade etwas gebracht", erklärte Emilia plötzlich, „Brad hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihn diesen Sommer zu besuchen."

„Und?", fragte James interessiert, „Was hast du gesagt?"

„Dass es nichts wird", grinste Emilia ihn an, „Weißt du, als er mich plötzlich gefragt hat, hatte ich überhaupt kein Interesse mehr. Du hattest Recht. Er ist ein Idiot."

„Ich habe es dir ja gesagt", sagte James, „Du findest jemand besseren!"

„Sollte nicht so schwer sein", grinste Emilia, „also dann, hab einen schönen Sommer! Wenn du magst, kannst du mich aber jederzeit besuchen kommen! Mein Angebot steht nach wie vor."

„Gern", sagte James, „also dann."

Emilia drehte sich herum und winkte noch einmal zum Abschied, ehe sie wieder zu ihren Freundinnen hinüber lief. James sah ihr grinsend nach.

„Das musst du uns nun aber genauer erklären", riss Fred ihn aus seinen Gedanken und James spürte die interessierten Blicke seiner Mitschüler auf sich.

„Muss ich das?", fragte er und grinste Fred breit an.

Nachdem Fred das ganze Jahr über jedem im Schloss erzählt hatte, dass Emilia seine Freundin war, konnte James sich nun nicht nehmen lassen, ihn ein bisschen mit seiner eigenen Neugier zu quälen.

„JA!", riefen Marius und er jedoch im Chor.

„Ich habe nie gesagt, dass sie meine Freundin ist", erklärte James, „Ich bin euch keine Erklärung schuldig."

Doch das hielt die beiden bei Weitem nicht davon ab, ihn den ganzen Weg über, auf dem sie ein freies Abteil suchten, mit ihrer Fragerei auf die Nerven zu gehen.

Als sie schließlich eins gefunden hatten, ließ James sich lässig auf einen der Sitze plumpsen und griff sich an den Hinterkopf, um sich die ohnehin unordentlichen Haare zu zerwuscheln.

Fred und Marius ließen sich auf den Sitzbänken neben der Tür fallen, während Gracie sich ihm gegenüber ans Fenster setzte. Sie betrachtete ihn jedoch nicht, sondern blickte nach draußen, als ob es dort etwas Interessantes zu sehen gäbe.

„Nun rück schon raus mit der Sprache, James", sagte ihre Freundin Madeleine irgendwann genervt, „Ich will mir das jetzt nicht die ganze Zugfahrt anhören müssen."

„Es gibt nichts zu sagen", behauptete James, glaubte jedoch leicht zu erröten.

Zum ersten Mal in seinem Leben war es ihm unangenehm, so viele Blicke so gespannt auf sich zu spüren.

„Sie war nie meine Freundin. Wir haben es nur gespielt, weil sie Brad Boot eifersüchtig machen wollte. Der hat sie letztes Jahr kurz vor dem Ball für Lola Vielmetti sitzen lassen. Außerdem hat sie mir dieses Jahr ein bisschen in Zauberkunst geholfen. Ihr seht also, ich muss euch enttäuschen. Die Zeit, die ich mit ihr verbracht habe, ging nicht für wilde Knutschereien in Besenkammern drauf."

James fiel auf, wie Fred und Leslie sich ansahen und dabei dämlich grinsten. Madeleine dagegen wirkte sichtlich überrascht und Gracie sah nicht mehr nur aus dem Fenster. James' Wangen fühlten sich heiß an, doch als er es wagte, ihren Blick zu erwidern, sah sie wieder aus dem Fenster.

„Das heißt, ihr habt das nur gemacht, um Boot zu manipulieren", entrüstete sich Marius, „und nicht einmal uns hast du eingeweiht?"

James verdrehte die Augen und zuckte die Schultern.

„Es ist alles Freds Schuld. Wenn er nicht jedem erzählt hätte, dass ich mit ihr ausgehen würde, dann hätte es auch niemand geglaubt."

„Oh, sehr erwachsen, James, schieb die Schuld auf deinen unschuldigen Cousin."

Halb genervt, halb belustigt beendete James das Gespräch damit und sah wie Gracie aus dem Fenster. Irgendwie fühlte er sich erleichtert, dass die Wahrheit nun endlich raus war.

„Ich finde wirklich, dass du dieses Jahr viel erwachsener geworden bist", sagte Gracie plötzlich und sah James direkt an.

Ihre Blicke trafen sich und James spürte, wie seine Wangen anfingen zu glühen.

„Danke", murmelte er verlegen und seine Hand fuhr wie immer zu seinem Hinterkopf und zerwuschelte dort sein schwarzes Potterhaar.