Jahr 2
Karteikarten
Max hatte nicht lange überlegen müssen, wie er an alte Schülerakten oder Karteikarten über das Strafregister kam. Irgendwann ergab es sich von selbst, dass er beim Mittagessen mitbekam, wie Professor Longbottom Lily Potter darüber informierte, dass ihr Nachsitzen am Freitag in Filchs Büro stattfinden würde. So dachte sich Max, dass ja nichts leichter war, als in Hogwarts Nachsitzen aufgebrummt zu bekommen, besonders wenn ihm am Nachmittag eine Stunde mit seinem Lieblingslehrer Professor Baddock zustand, der ihn mehr als alles auf der Welt verabscheute.
Eigentlich war Max noch recht gut gelaunt gewesen, weil er es geschafft hatte Peeves davon zu überzeugen einen ganzen Korridor mit magisch langanhaltenden Stinkbomben zu attackieren, der nun die nächsten Wochen nicht mehr betreten werden konnte,
Das beste an seinem Leben als Übeltäter war, war, dass er oft sogar auch noch Bewunderung von seinen Mitschülern kassierte. Susanna Lewis aus seinem Jahrgang, wusste er, schwärmte ein wenig für ihn und zwei Jungen im Jahrgang über ihm, Oliver McKinnon und Steven Thomson, hatten ihm die Stinkbomben überhaupt erst besorgt. Sie hatten ihm gesagt, er solle sie in die Schultaschen der Slytherins schmuggeln, aber Max hatte bisher selten das Vergnügen gehabt, wirklich mit einem von ihnen aneinander geraten zu sein. Nur Ruben Nott natürlich hatte ihn einmal nach dem Kräuterkundeunterricht als Schlammblut betitelt – was auch immer das bedeuten mochte. Davey Robins, ein Mitschüler, hatte ihm und Nicolas Martin, dem Nott einen Gartengnom in die Schultasche gesteckt hatte, der ihn anschließend gebissen hatte, erklärt, dass Ruben Nott sich, da er nur Zauberer in der Familie hatte, für etwas Besseres hielt. Ein Schlammblut war wohl jemand ohne magische Vorfahren, doch Max war ja nun sicher, dass er definitiv magische Vorfahren hatte, er kannte sie nur eben noch nicht und wusste bisher auch noch nicht, wie genau sein Großvater geheißen hatte.
Tatsächlich erteilte Professor Baddock Max Nachsitzen, weil er von den Zwillingsmädchen Moira und Macie damit angab, wie er Baddocks Bücher durch den Raum schweben lassen konnte. Leider wollte er ihn dazu wieder in sein Büro einladen. Es war zum verzweifeln. Max musste in Filchs Büro. Natürlich hätte er zur Not Lily fragen können, ob sie ihm die nötigen Informationen besorgte, aber er wollte es immer noch allein herausfinden.
Erst am nächsten Tag wurde er unverhofft in Professor Longbottoms Büro eingeladen und er glaubte schon, dass nun sein letztes Stündlein an dieser Schule geschlagen hatte. Peeves hatte offenbar vor dem blutigen Baron zugegeben, dass er die Stinkbomben von einem Gryffindor-Zweitklässler mit schwarzen Haaren hatte und da war es ein leichtes gewesen, ihn dahinter zu vermuten.
Am Ende vom Gespräch kam Max jedoch mit genau das davon, was er sich vorgestellt hatte und zwar durfte er Lily am Freitag Gesellschaft leisten.
Diese war mehr als überrascht, als sie ihn ebenfalls vor der Bürotür stehen sah, allerdings wohl auch ein wenig erleichtert, wenn man bedachte, dass sie die Arbeit sonst allein hätte machen müssen. Max war nicht unbedingt hier, um ihr eine große Hilfe zu sein. Nein, er hatte nur einen Grund und eine Mission. Er wollte herausfinden, welche Blacks es geschafft hatten aus dem Stammbaum verbannt zu werden. Zu allem Übel kam Professor Baddock während des Nachsitzens herein und konnte es nicht unterlassen Lily und ihn zu verspotten. Wenn Professor Baddock einen weiteren Schüler in seinem Jahrgang neben ihm hasste, dass war es Lily und Max war nicht klar, warum. Er selbst war eben der Missetäter schlechthin, aber Lily geriet aus Versehen in Schwierigkeiten und das nicht einmal häufig.
„Mr Fry, natürlich", begann Max Baddock nachzuäffen, als die Bürotür wieder ins Schloss gefallen war.
„Das war ja wieder typisch", folgte Lily seinem Beispiel und erhob den Zeigefinger warnend in Max' Richtung.
Einer der besten Charaktereigenschaften an Lily war, dass sie für jegliche Albernheiten zu haben war.
„Und Miss Potter, manchmal glaube ich, es steckt wie die Magie im Blut", fuhr Max fort und erhob sich von seinem Platz.
Max war nicht ganz sicher, ob dieser Satz nur auf Lily bezogen war, aber Professor Baddock war ein junger Lehrer. Er hatte nicht einmal Lilys Eltern unterrichtet und kannte lediglich ihre Brüder. Max' Großvater war unmöglich bei ihm zur Schule gegangen.
„Was machst du?", fragte Lily ihn plötzlich und Max überlegte, dass es wohl das Beste war, einfach zuzugeben, was er hier wirklich trieb.
„Oh, ich suche etwas", antwortete er und blätterte wie wild die Kartei mit den Vergehen der Schüler durch, fand jedoch nichts.
Natürlich nicht. Er musste langsamer und mühevoller suchen.
„Und was?", fragte Lily neugierig.
„Ich bin um ehrlich zu sein aus einem Grund hier", erklärte er, während er eine Akte nach der anderen hervorzog.
Lily zog die Brauen hoch.
„Der da wäre?", fragte sie.
„Ich suche Informationen über Angehörige der Familie Black", gab er schließlich zu.
„Wozu?", fragte Lily, die ihn nun interessiert musterte.
„Ich glaube, dass ich mit ihnen verwandt bin. Ich weiß nur nicht, wie und mit wem genau."
„Hast du deshalb das Buch über die alten reinblütigen Familien gelesen?", fragte Lily weiter.
„Ja", seufzte Max, „Das war aber Zeitverschwendung. Mein Großvater ist nicht so alt."
„Dein Großvater?", fragte Lily.
„Ja, meine Großmutter hat ihn auch nicht richtig gekannt, aber er muss es sein", erklärte er.
„Aber wie kommst du dann darauf, dass du die Informationen hier findest?"
„In der Bibliothek war nichts zu finden. Er war anscheinend auch nicht vornehm genug, um nicht aus dem Familienstammbaum herausgebrannt zu werden und ich bin sicher, dass er in Hogwarts war. Dieses Büro ist meine einzige Chance", erklärte Max, während er wild die Karteien durchblätterte.
„Vergiss die Kartei", sagte Lily plötzlich, „Wenn du mehr über die Familie Black wissen willst, dann habe ich..."
Doch Lily kam nicht mehr dazu, zu sagen, was sie hatte, denn in genau diesem Moment öffnete sich die Bürotür wieder und Filch humpelte hinein.
Max warf Lily einen interessierten Blick zu, setzte sich dann jedoch wieder auf seinen Stuhl
„Weitermachen!", fauchte Filch die beiden an, als er sich auf seinen Stuhl fallen ließ und ein Pergament entrollte.
Nun war Max Interesse geweckt. Was genau wusste Lily? Hätte sie ihm etwa die ganze Zeit helfen können?
Doch bald darauf bekam er seine Antwort, denn in den Karteikarten tauchte tatsächlich ein Name immer wieder auf und das interessanter Weise immer wieder mit einem anderen Namen zusammen.
Sirius Black und James Potter.
Max hatte nicht gewusst, dass man so viel Unheil stiften konnte, doch die beiden hatten es offenbar geschafft. Sirius Black also? War er mit James Potter befreundet gewesen? War er einer der Schöpfer der Karte des Rumtreibers? Kannte Lily ihn deshalb und noch viel wichtiger: Konnte sie ihm weiterhelfen?
Nach dem Nachsitzen erklärte Lily ihm, dass er ihr immer bekannt vorgekommen war und dass er wohl genauso aussah wie sein Großvater. Max' Großmutter hatte das ein ums andere Mal erwähnt, aber dieses ähnliche Aussehen, war ihm nie eine große Hilfe gewesen. Nie hatte man ihn darauf angesprochen, dass er aussah wie Sirius Black.
„Er war der Pate meines Vaters. Wir haben ein Fotoalbum mit ein paar Bildern", erzählte Lily ihm.
„Meinst du, ich kann mir das mal anschauen?", fragte Max begeistert nach.
Das war endlich ein erster Anhaltspunkt.
„Klar, komm einfach mal in den Ferien bei uns vorbei. Ich rede mit meinem Vater. Er wird sich freuen."
„Wow", entfuhr es Max, „Weißt du, ich suche jetzt schon so lange danach und dabei war die Antwort eigentlich direkt vor meiner Nase."
Lily schnaubte belustigt.
„Du hättest dir einiges an Bücherlesen ersparen können", sagte sie.
Max nickte.
„Und Nachsitzen... viel Nachsitzen", fügte er hinzu, „Aber offenbar liegt das wie die Magie im Blut."
So, das war das vorletzte Kapitel für das zweite Schuljahr!
