Kapitel 8: In welchem Lily sich rächt oder in welchem Lily mit Potter in der Mädchentoilette ist
Die Mädchentoilette. Das Schlüsselwort dabei ist MÄDCHEN (für den Fall, dass du es nicht bemerkt hast).
Das letzte Mal, als ich das überprüft habe, war James Potter noch kein Mädchen. Genauer gesagt ist er das Gegenteil zu einem Mädchen, mit seinen maskulinen Gesichtszügen und der muskulösen Figur und den starken Händen und Armen und…. Oh mein Gott! Wer hat diese Gedanken in meinen Kopf gepflanzt? Was denke ich da?
Das ist keine Sache, die ich einfach wegerklären kann... lass uns sagen, dass ich wahnsinnig bin/noch an dem emotionalen Zusammenbruch leide und ich einfach beweisen wollte, dass Potter nicht im Mädchenklo sein sollte (Ha! Ich bin der Master von BS, ich kann meinen Weg durch alles bluffen).
All dieses Zeug über seine leckere muskulöse Figur und seine starken männlichen Gesichtszüge, die mich dazu bringen einfach darauf zu brennen meine Finger... verflixt, ich habe es schon wieder getan, oder?
Was ist los mit mir? Wieso passiert das mir?
Ein weiterer erwürgter Schluchzer kam hoch und die Tränen begannen schneller zu fließen.
Ich verliere meinen Verstand. Ich kann sogar nicht mal mehr normal denken.
Wieso passiert das mit mir?
Wen hab ich beleidigt?
Welche große Galaxie genutzt mich als die Zielscheibe eines sehr kranken Witzes?
Ich hatte an diesem Punkt bereits aufgegeben die Schluchzer zu stoppen. Ich erinnerte mich nicht mal dran, dass James da war, bis er sich neben mich kniete und mich in seine Arme zog. Er presste meinen Kopf an seine Schulter und strich mir in sanften, langsamen und beruhigenden Bewegungen über den Rücken.
Als ich etwas meiner Selbstkontrolle (und auch meine Würde) wiedererlangte, schaffte ich es mich ein wenig von ihm wegzuziehen und fand mich ihm in die Augen sehend wieder.
Seine reizenden, fesselnden, fantastischen, bezaubernden, wunderschönen haselnussbraunen Augen. Ich bin so was von erledigt.
„Tut mir Leid, Lily. Gott, es tut mir so Leid. Das ist alles meine Schuld."
Ich schüttelte den Kopf, bei seinem intensiven Blick mangelte es mir an Worten. Das ist nicht seine Schuld. Das ist meine Schuld! Ich! Ich bin zu beschuldigen.
Ich bin diejenige die seinen Schuh geküsst hat!
Ich bin diejenige, die gerade einen ´kleinen´ Klaustrophobieanfall hatte!
Ich bin diejenige, die aus Wahrsagen geschmissen wurde!
Ich bin diejenige, die beinahe in den Händen eines verrückten Slytherins gestorben wäre!
Ich bin diejenige, die einen Gottverfluchten emotionalen Zusammenbruch hatte!
Und ich bin ganz sicher die eine, die absolut überzeugt ist, das da eine Stimme in meinem Kopf ist, die über James Potter und dessen Gesichtszüge (und Muskeln und Lippen und Augen und Hände und ich halte jetzt die Klappe) spricht!
Aber was am unbestreitbarsten und unwiderruflich ist, dass ich die eine bin, die sicher ist, dass jemand Magnete in James Potters Lippen installiert hat!
Wenn das kein Wahnsinn ist, dann weiß ich es nicht.
Also um das jetzt zusammenzufassen, James braucht sich wirklich nicht zu entschuldigen, weil ich diejenige bin, die psychiatrische Hilfe braucht.
Da das ganz klar alles mein Fehler ist, tat ich das was jede selbst respektierende verrückte Person tun würde… ich klammerte mich wieder zurück an James´ Schulter (welche übrigens sehr nett und warm und beruhigend ist) und erneuerte mein weinen... dieses Mal über den Fakt, dass ich meinen Verstand vermisse. James schlang seine Arme noch fester um mich und ich fühlte mich viel besser. Wie seltsam ist das?
Es ist wahrscheinlich wegen diesen Händen… sie sind so verflixt tröstend. Ich weinte mich aus und sogar nachdem meine Tränen gestoppt hatten, behielt James mich in seinen Armen.
„Wir haben einen ziemlich groben Tag, oder?", brach er nach einer Weile die Stille.
„Ja.", stimmte ich zu und lachte wässrig. James schüttelte den Kopf und wischte mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Ich verstehe einfach nicht, wie Vittles die Durchgänge nicht gesehen hat."
Ich war so sehr damit beschäftigt die süße Verwirrung auf seinem Gesicht zu betrachten, dass ich was er sagte fast nicht genug mitbekam um zu antworten. Was ich gehört hatte, war, „Vittles… Durchgänge." Aber da ich meinem Schulsprecherinnentitel zur Ehre gereiche, habe ich es geschafft diese zwei Wort zu einem ganzen Gedanken zu bringen. Ich hoffe, dass er davon sprach, dass Vittles nicht dazu fähig war, die Durchgänge zu finden, oder andernfalls wird das wirklich seltsam rauskommen.
„Oh, das ist mein Fehler." (oh Freude, noch etwas anderes zu der Liste hinzuzufügen, auch wenn dieses hier eigentlich eine gute Sache ist), „Ich habe irgendwie eine Türöffnung oder Wand oder so etwas ausgelöst, das den Gang von dem Hauptgang geschlossen hat."
„Wirklich? Ich wusste nicht, dass das möglich ist.", sagte James mit interessiert aufleuchtenden Augen, „Das muss ich den Jungs sagen. Sie werden definitiv daran interessiert sein. Wenn wir Eingänge öffnen und schließen könnten… denk mal an die Möglichkeiten, die das eröffnen würde…."
Ich räusperte mich und sein Blick kam zurück zu mir von da wo er hingestarrt hatte, an einen zukünftigen Streich, den nur er sich vorstellen konnte, denkend.
„Richtig.", sagte er und errötete ein wenig, was ihn ungemein anbetungswürdig aussehen ließ... in einer unanbetungswürdigen Weise, „Nun, wir müssen gucken, ob wir diesen Gang nicht wieder auf kriegen…"
„Wenn ich ein Unruhestifter mit bedenklichen Absichten wäre, was ich nicht bin, aber theoretisch gesprochen-", unterbrach ich ihn desinteressiert, „Dann würde ich den Gang geschlossen lassen, weil Vittles ganz sicher da noch einmal nachgucken wird, in der Hoffnung andere…" Ich hätte fast Pärchen gesagt, aber das war lächerlich.
Potter und ich sind kein Pärchen. Nicht mal ein wenig. Und der einzige Grund, warum ich ihn weiter mit Worten wie süß, anbetungswürdig und reizend verbinde, ist, dass ich gerade einen emotionalen Zusammenbruch hatte. Und wenn du schon mal einen emotionalen Zusammenbruch hattest, dann weißt du, wie schädlich sie für dein Gehirn sein können.
„... Schüler zu fangen.", beendete ich nach einer langen Pause. Aber wirklich, ich bin eine nette Person, ich gebe James Tipps fürs Unruhestiften und alles.
„Für einen nicht Unruhestifter denkst du ganz sicher wie einer.", sagte James und strich mir sanft über die Haare. Ich versuchte nicht zu zittern als er seine Finger durch mein Haar fuhr.
Was? Es ist kalt hier, okay? Das ist wieso ich zittere, das hat keinen anderen Grund.
„Du hast nach deiner Tasche gesucht, oder?", wisperte James, sein Gesicht extrem nah an meinem.
Alles was ich tun konnte war dümmlich zu nicken. Nicht weil er so nah war oder so was. Ich denke was passierte ist, ist, dass der emotionale Zusammenbruch meine Sprachverarbeiter beschädigt hat.
Meinen Hals liebkosend, fegten seine Worte über meine Haut, „Du hast ihn in Wahrsagen vergessen."
„Oh.", sagte ich. Nicht besonders redegewandt, ich weiß, aber meine Sprachverarbeiter sind kaputt. Gib mir ne Pause. Außerdem war ich auch sehr damit beschäftigt, dem Verlangen, in die andere Richtung zu rennen, zu widerstehen. Die Haarsache war schön, aber ich bin ziemlich paranoid über die Halssache jetzt und ich wünsche mir, dass er aufhört.
„Ich habe sie mit meinem in der Nähe des Verteidigungsklassenzimmers gelagert."
Ich legte eine Hand auf seine Wange und drückte ihn ein wenig weg, hauptsächlich von meinem Hals weg. Bin ich die einzige die die Halssache ziemlich seltsam findet? Ich meine, es ist einfach so vampierhaft. Alles in allem würde ich es nur mögen allen Versuchen von Halsküssen aus dem Weg zu gehen, da es mich nervös macht.
James lächelte mich auf eine Weise an, die mich dazu brachte, mich wie das schönste Mädchen der Welt zu fühlen (auch wenn ich wusste, dass meine Augen rot und meine Haut überall fleckig war). Er könnte jedes Mädchen haben, das er wollte, wenn er sie nur einmal am Tag so anlächelt.
Dann wurden die Magneten wieder angestellt.
Unsere Lippen hatten sich gerade erst getroffen und James zog mich näher zu ihm, sanft trennte er meine Lippen mit seinen, als die Tür aufschwang und eine Gruppe giggelnder Drittklässlerinnen einließ.
Wir rissen auseinander und ich sprang auf die Füße. James folgte mir auf, wenn auch ein wenig langsamer. Ich stützte mich gegen die Wand und starrte die tuschelnden Mädchen mit weit aufgerissenen Augen an, wartend, dass sie uns bemerken würden. Ein Mädchen, mit der Art seidenen schwarzen Haaren für die eine Rothaarige wie ich töten würde, sah in unsere Richtung und ihr Mund fiel auf. Ich winkte ihr zu und lächelte.
Wenn ich nett war, würde sie vielleicht nichts Ärgerliches tun… wie Schreien. Ich sah zu James, welcher sich langsam auf die Tür zu bewegte.
Dann begann das Mädchen zu schreien. Dummer schreiender Jammerlappen! Alle Mädchen wirbelten herum und starrten mich verwirrt an. Dann bemerkten sie James und entschieden sich ihre Stimmen der Schrei Katzenmusik im Klo zu leihen. Toiletten habe wirklich schreckliche Akustik.
Ich konnte nicht schnell genug da rauskommen. Ich rannte James fast um als wir aus der Tür rausstürzten und in die bevölkerte Halle. Es war Klassenwechsel. Vielleicht werden wir es schaffen in der Menge zu entkommen. James war vor mir und ich drängelte, um mit ihm mitzuhalten. Unglücklicherweise für mich wurde meine Entfernung zu James mit jedem Schritt größer. Dumme große Menschen mit ihren dummen langen Beinen und konsequent langen Schritten.
„James!", schrie ich über den lauten Lärm der Schüler. Er drehte sich genau in der Zeit um, um zu sehen, wie ich fast von einem großen Gör, das spielend drei mal so viel wie ich wiegt, umgelaufen wurde.
Als ich meine Füße wieder unter mich kriegte und nicht mehr fast umgerannt werden würde, sah ich mich nach James um. Er war weg. Großartig! Ich spähte über meine Umgebung. Ich war eigentlich nahe der Verteidigungsklassenräume, wo geeigneterweise meine nächste Stunde war.
Ich fühlte jemanden gegen meine Seite fegen und sah runter. Schuss. Ich hatte immer noch James´ Schuh. Wenigstens glühte er nicht mehr. Das bedeutete wahrscheinlich, dass mein Gesicht auch nicht mehr glühte! Wundervoll.
Ich startete gerade meinen Weg den Flur entlang und dann schlang sich ein Arm um meine Taille. Ich wirbelte herum und sah James, der mich albern angrinste.
„Du hast doch nicht gedacht, dass ich dich verlassen würde, Liebling, oder?" Ich fühlte wie mein Bauch flip-flops machte bei seiner Zärtlichkeit…. ´Liebling´.
Nun, das bedeutet nicht, dass er dich liebt, erinnerte ich mich selbst streng. Was eine verflixt gute Sache war, denn ich würde es hassen, wenn ich gezwungen wäre, sein Herz zu brechen. Du weißt… da ich nicht das gleiche fühle. Er ist so ein netter Kerl. Und klug, auch, hoffentlich klug genug um nicht etwas Dummes zu tun, wie sich in mich zu verlieben, denn ich könnte ihn nie zurücklieben. Niemals (mit der möglichen Ausnahme des Wahnsinns, aber dafür kann ich nicht zu Verantwortung gezogen werden).
Ich bemerkte, dass ich ihn anstarrte und brach errötend meinen Blick.
„Komm schon.", sagte er und führte mich den Flur entlang.
Ich habe Glück, dass in Hogwarts niemand Gedanken lesen kann, denn sonst würden sie denken, dass ich in James Potter verliebt wäre, was ich nicht bin… nur für den Fall, wer auch immer ihr seid, die zuhören. Und nebenbei, es ist nicht nett den Gedanken anderer Leute zuzuhören, also solltet ihr sofort aufhören und das unterlassen.
James führte mich zu dem Bild neben dem Verteidigung-gegen-die-Dunklen-Künste-Klassenraum.
„Hey Schönheit.", sagte er und winkte dem hübschen Mädchen auf dem Bild zu. Sie giggelte und blinzelte in seine Richtung mit ihren unmöglich langen Wimpern.
„Kann ich die Taschen von dir zurück haben"
„Sicher.", sagte sie und erhöhte das Wimpernklimpern. Ich unterdrückte das Verlangen sie empört zu knebeln. Typisch Potter, der flirtete sogar mit Portraits.
Das Portrait schwang auf und eröffnete eine kleine Nische in der Wand. James packte unsere beiden Rucksäcke und schwang sie über seine Schulter. Ich versuchte ihm meinen abzunehmen, aber er hielt seine Hand fest über beiden Trägern. Er ist so en Trottel. Wieso gibt er mir nicht einfach meinen Rucksack?
Das Portrait schwang wieder zu und das Mädchen begann Potter wegen seinen ´verträumten Augen´ (komm schon, sie sind nicht so verträumt) zu komplimentieren. Potter schien das auch noch zu genießen. Er bemerkte nicht einmal als ein leicht hustete um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Gut, schön, er kann einfach so sein. Ich stürmte in den Klassenraum und setzte mich neben Remus, der panisch seine Hausaufgabe hinkritzelte.
„Fertig.", sagte er und legte mit einem letzten Schnörkel die Feder nieder.
Er sah mich neugierig an. „Ist das James´ Schuh?", fragte er und ich schlug ihn damit auf den Kopf.
„Natürlich nicht.", sagte ich. Und auch wenn es so wäre (wie es ja auch ist) würde ich es ihm nicht sagen.
Ich fragte mich wie er das wusste. Für mich sieht das wie ein ziemlich normaler Schuh aus. Wie in aller Welt konnte er wissen, dass es Potters war?
Das würdest du nicht! Das könntest du nicht! Also wieso würde Remus sofort annehmen, dass ich James Potters Schuhe rumtrug? Sehe ich wie der Sorte von Mädchen aus, die James Potters Schuhe rumtragen würden! Nein, tue ich nicht!
Ich schlug Remus noch einmal.
Er schrie auf. „Wofür war das?"
„Für die Vermutung." Dummer vermutender Remus und seine dummen korrekten Vermutungen.
Ich drehte mich zum Vorderen der Klasse, wo Vittles gerade hineinging und zu seinem Tisch ging. Scheinbar war seine hysterisch lachen Stimmung verschwunden. Mitleid. Es ist eigentlich eine Art von amüsierend… so lange er nicht über mich lacht (was er aber getan hat. Also ist das jetzt wo ich darüber nachdenke alles gar nicht so amüsant).
„Heute eine Mitschrift.", bellte er und die ganze Klasse stöhnte.
„Remus.", wisperte ich, „Kann ich mir etwas Pergament und eine Feder bei dir leihen?" Ich kann nicht meine eigenen Sachen benutzen, weil der dumme Potter meine dumme Tasche hat.
„Bist du sicher, dass du das Pergament nicht behalten willst?"
Ich verdrehte die Augen während er mir die Sachen rüberschob. Remus war die Art Mensch, die immer darauf bestand die korrekten Worte zu benutzen.
Hier ist eine theoretische Unterhaltung:
„Kann ich dieses Buch nehmen?"
„Ich weiß es nicht, kannst du?"
Theoretisch verdrehe ich die Augen bei seiner theoretischen Dummheit.
„Darf ich es nehmen?"
„Ja, du darfst."
Ich schrieb gerade emsig die Notizen, die Vittles mit seinem Zauberstab an der Tafel erscheinen lies, ab, als mich etwas Scharfes am Hinterkopf traf. Ich rubbelte verärgert meinen Hinterkopf.
Nach einem schnellen Blick um sicher zu gehen, dass Vittles nicht guckte, drehte ich mich auf dem Stuhl um und sah alle hinter mir wütend an. Sie schenkten mir nicht viel Aufmerksamkeit.
Meine Güte, konnten sie nicht bemerken, dass ich versuchte sie böse anzusehen? Ich betrachtete sie alle misstrauisch und drehte mich langsam wieder um.
Keiner von ihnen hatte mir einen Hinweis darauf gegeben, kein Lächeln oder ein Zucken, das er derjenige gewesen war, der das gemacht hatte. Ich sah, was mich getroffen hatte, neben meinem Stuhl auf dem Boden liegen und hob es auf.
Es war ein zusammengeknülltes Pergamentstück. Ich entknüllte es und bemerkte, dass es eigentlich ein Muggel Klebpapier war. Wer in aller Welt (außer mir) hatte Muggelpapier mit Kleberand? So weit ich weiß, bin ich die einzige die das benutzt. Sie sind so praktisch… Ich habe immer ein paar in meiner Tasche.
Meine Tasche... welche Potter hat. Dieser… dieser… Idiot! Ich habe eine starke Abneigung gegen ihn! Ich fühlte einen anderen Stich, diesmal auf meinem Arm.
Ich wirbelte ohne mich damit aufzuhalten, zu prüfen, ob Vittles guckte und sah Potter wütend an. Dieser war fleißig über seine Notizen gebeugt mit meinem Post-it Block unschuldig neben seinem Pergament liegend. Ich sah seinen stuppigen Kopf mit einem Blick wie Dolchstiche an und drehte mich wieder um.
Ich hatte nicht einmal meine Feder in die Hand aufgenommen, als ein Ball von Post-it Zetteln mein Ohr traf, auf dem Tisch aufprallte und dann unter Remus´ Stuhl rollte.
Das war zuviel!
Das war mehr als zuviel!
Dieses armselige, unwürdige, Stück… schimmlige Geleebohne! Das würde er zurückkriegen.
Ich tauchte unter Remus´ Stuhl, fasste den Post-it Ball, drehte mich auf meinem Stuhl um und feuerte es auf James Potters Kopf.
Da es so ein außergewöhnlich großes Ziel war, war ich eigentlich sicher in meiner Geschicklichkeit ihn zu treffen.
Ich habs geschafft! Ich hab ihn genau auf dem Kopf getroffen. Score!
Er hatte diese Vergeltung eindeutig nicht erwartet und sein Kopf schoss hoch und er rief, „Was ver-" Er stoppte als Vittles ihn scharf ansah.
„Mr. Potter, ein Wort des Rates. Der beste Weg einer Frau ihre Zuneigung zu zeigen, ist sie nicht mit Papierbällchen zu bewerfen."
James hatte die Anständigkeit dabei zu erröten. Ich stimmte völlig mir Vittles überein (zum ersten Mal überhaupt), nicht dass es wichtig ist, da Potter keine Gefühle für mich hat, Zuneigung oder sonst was… das kann er einfach nicht.
„Und Miss Evans."
Nein, nicht ich! Ich schwöre, ich werde mich nie wieder rächen!
„Obwohl ich ihr Verlangen nach Rache verstehe, sollten sie sich daran erinnern, dass es ihre armselige Entscheidung war, sich mit solch einem Missetäter einzulassen, der sie überhaupt in diese Situation gebracht hat."
Ich habe mich nicht mit ihm eingelassen! Kein einlassen! Nicht! Kein bisschen! Ich hasse Vittles! Was für ein Narr. Ich bin wirklich rot (wie eine Tomate oder ein Hydrant), ich weiß einfach, dass ich es bin. Mein Gesicht fühlt sich an wie auf Feuer. Das ist so peinlich.
„Jetzt zurück zu den Notizen bitte.", sagt Vittles und lässt mit einem Schwenken seines Zauberstabs noch mehr Notizen an der Tafel erscheinen.
Ich habe so einen scheiß Tag.
Der Gong verkündete das Ende der Schulstunde und ich hätte nicht erleichterter sein können. Ich blieb auf meinem Stuhl bis die ganze Klasse, Vittles eingeschlossen, rausgegangen war, weil ich das Gefühl hatte, dass es das Beste wäre, die ganze Welt bis später zu vermeiden.
„Ugh.", stöhnte ich und hievte mich aus meinem Stuhl. Ich fühlte mich nicht besonders nach Bewegung.
„Du zielst wirklich gut, Schatz. Du bist nicht zufällig daran interessiert mein Reservejäger zu werden, oder?"
„Sei still, Potter." Ich hatte nicht mal bemerkt, dass er immer noch hier drin war.
„Hier ist deine Tasche."
„Oh... danke.", sagte ich sarkastisch. Ich nahm ihm meine Tasche ab, nicht zu nett (ich schnappte sie mehr), und schwang sie über meine Schulter. Ich sah runter auf den Schuh, der neben meinem Tisch stand.
„Oh, James, mein Lieber, hier ist dein Schuh." Ich hielt ihn bei den Schuhbändern hoch schwang ihn vor zurück.
„Danke.", sagte er eifrig und griff danach.
Ich schwang ihn fester und warf ihn dann in die Luft. Hehe.
„Hab ihn.", rief James. Ich denke, da kommt der Sucher in ihm raus. Er liebt es Dinge zu fangen. Mit dem Kopf nach oben gerichtet beobachtete er den Schuh und als er runterfiel bewegte er sich vor um ihn zu fangen und rannte in mich.
„Potter.", schrie ich, als die Kraft mit der er in mich gerannt war uns dazu brachte nach hinten zu stolpern und auf einen Haufen zu fallen. Ich quietschte als ich die Tischecke in meinem Hintern fühlte. Nicht weil es schmerzte oder so, sondern weil wir alle wissen, was es bedeutet, wenn ich (mit Potter verwickelt) in Tische rannte.
Tatsächlich fielen James und Ich über die Oberfläche und mit einem komplett klischeehaften und übergebrauchten Knacks, teilte sich das Ding in tausende winzig kleiner Stücke und überließ der Schwerkraft ihre Arbeit an James und mir zu tun.
Ich erfasste einen überraschten Blick in James' Augen als wir fielen. Ich weiß nicht warum er überrascht ist. Ehrlich, wer hat das nicht kommen sehen?
Als ich landete, prallte ich ein wenig von Boden ab, nur um von Potters Aufprall auf mir platt gequetscht zu werden. Ich keuchte als ich in Schlücken nach Luft schnappte, in dem Versuch zu ersetzen was Potter aus meinen Lungen gedrückt hatte.
„Tut mir Leid!", schrie James und versuchte von mir zu klettern. Unglücklicherweise wurden seine Versuche von seinem Schuh vereitelt, der neben seinem linken Fuß gelandet war. Als er versuchte besseren Halt zu bekommen, stolperte er (während er dabei ziemlich hinreißend aussah) und lag wieder auf mir und dieses Mal gingen die Magneten an.
Dumme Magnete.
Bevor ich wusste (offensichtlich) was passierte, verwandelte sich dieser Unfallkuss in Küsse und so fand uns Vittles, als er 10 Minuten später wieder in die Klasse kam. Zu meiner Verteidigung, wir hatten uns ein wenig vom Fußboden auf bewegt. Ich saß gegen ein Stuhlbein gelehnt und James lehnte sich an mich.
Ich hatte es tatsächlich genossen … was man auch anderes über James Potter sagen kann, er ist ein exzellenter Küsser, aber das hatten wir bereits erörtert, oder?
Ich schob James von mir weg sobald ich realisierte, dass wir Zuschauer hatten.
Was hatte ich mir dabei nur gedacht? Ich werde verrückt! Wieso, oh wieso, müssen diese Magneten mich plagen? Die Welt ist so unfair!
In Ordnung, ich muss mich beruhigen. Ein weiterer emotionaler Zusammenbruch ist das letzte, was ich jetzt brauche. Tiefe Atemzüge, Lily, tiefe Atemzüge.
„Obwohl sie oft ihren Wunsch ausgedrückt haben mein Klassenzimmer zu ihrem zweiten Zuhause zu machen, Mr. Potter, würde ich es vorziehen wenn sie ihre romantischen Rendezvous anderswo stattfinden ließen."
„Ich… Ich…" Ich begann ein paar Sätze, die nie ganz wurden, aber wenn sie herausgekommen wären, wären sie in etwas so geworden: „Ich habe einen schrecklichen Tag und wenn Sie ihn weiter noch schlimmer machen, werde ich Ihnen den Brustkorb rausreißen und ihn als Regenschirm benutzen." Oder, die immer berühmte Möglichkeit, „Ich schwöre, wäre ich eine extrem talentierte und mächtige Hexe in Verwandlung, würde ich euch beide in Frösche verwandeln und in den See schmeißen, so dass ich euch nie wieder sehen muss."
Ich entschied (mit viel Voraussicht) dass diese Sätze nicht gut aufgenommen würden und stimmte einstimmig mit mir selbst ab, dass zu gehen die beste Strategie wäre.
„Umm … nun, ich muss gehen." Ich rannte in einen weiteren Tisch als ich rückwärts zur Tür wich und nachdem ich um ihn herum gestolpert war sah ich auf, um Vittles und Potter mich merkwürdig ansehend zu sehen.
„Bye!", schrie ich und rannte aus dem Raum. Sobald ich diesen verfluchten und absolut schrecklichen Raum verlassen hatte, stoppte ich und lehnte mich gegen die Wand neben der Tür. Außer der Sicht für die im Raum, aber leicht zu bemerken für die, die den besagten Raum verlassen mochten.
Ich wartete nicht auf James oder so etwas, aber … ich holte einfach Luft. Von vorne im Klassenraum zur Tür ist eine lange Stecke zu rennen… wirklich.
Seltsam war, dass James nicht raus kam, was nicht wirklich wichtig war da ich nicht auf ihn wartete oder so.
Ich schob mich zurück zur Tür und spähte hindurch. Ich sah James den Tisch reparieren während Vittles zusah. Das ist nett von James. Aber ich schätze es ist seine Schuld, dass er kaputt ist.
„Ich muss sagen, Mr. Potter, sie hätten nicht besser wählen können."
James sah auf, „Sie ist wundervoll, oder?"
Whoa, sie reden über mich!
„Eine ziemlich bemerkenswerte junge Lady. Ich bin einfach überrascht, dass sie sie haben würde."
Ich habe ihn nicht! Oh Merlin, das klang falsch. Aber dennoch, ich habe ihn nicht.
James errötete. „Ich weiß.", murmelte er.
Nun, das ist nicht exakt wahr. Ich meine, ich bin nicht zu gut für ihn oder so. Und wenn man auf den Boden der Sache guckt, er ist auch nicht gut für mich. Das Problem ist dass wir einfach nicht zu gut zusammen sind.
