3. Wake me up inside
Mit schleichenden Schritten schleppte sich das rothaarige Mädchen hinunter in die große Halle. Es war jetzt knapp halb neun am morgen und für ihre Verhältnisse, oder eher für die Zeit, zu der sie zu Bett gegangen war, viel zu früh. Doch leider gab es auch am Wochenende genaue Zeiten für das Frühstück, Mittag- und Abendessen. Und diese wurden nur in den seltensten und wichtigsten Fällen geändert.
Ein Grund, warum Virginia vor allem das Frühstück des Öfteren einfach ausfallen ließ. Doch heute war ihr irgendwie nicht danach. Sie hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan und es zog sie heute wie magisch in die Reihen der anderen, in den Tumult des allmorgendlichen Rituals. Aus den verschiedensten Gründen!
Langsam steuerte sie auf ihren Platz, etwas abseits des Trios, schräg gegenüber ihrem Bruder, zu. Sie wurde kaum beachtet, während sie sich neben den Creevey Brüdern nieder ließ, die ihr ein fröhliches „Guten Morgen!" zuwarfen. Sie nickte bloß stumm. Ihr war gerade überhaupt nicht nach sprechen zumute. Sie fühlte sich merkwürdig... schmutzig...durchschaubar...
Dennoch reizte sie dieser Gedanke, dieser merkwürdige Plan, den sie gestern heimlich im Gemeinschaftsraum ausgearbeitet hatten. So albern es auch war, so unsicher sie dieser Gedanke stimmte, umso mehr sie darüber nachdachte, umso interessanter fand sie ihn.
Und sie hatte die ganze Nacht darüber nachgedacht!
Warum auch eigentlich nicht? Immerhin würde er es niemals erfahren. Wie sollte er auch, wenn nicht gerade Himmel und Hölle verschmelzen oder einer der anderen es ihm sagen würde. Doch warum sollten sie? Parvati und Lavender hatten einfach zu wenig mit ihm oder Ron am Hut, dass er es ihnen überhaupt glauben würde.
Und Mione... Sie würde sich wohl eher ein Bein ausreißen, als ihren beiden Freunden zu gestehen, dass sie vom Sex mit Severus Snape träumte...
Was hatte sie also zu verlieren?
Außer ihrem Stolz, ihrer Ehre und ihren Ruf?
Sie seufzte, griff sich eine Scheibe Toast, platzierte diese auf die Mitte ihres Tellers und bestrich sie langsam mit etwas Marmelade. Sie wusste nicht einmal, welche Geschmacksrichtung sie ergriffen hatte. Wieder einmal war sie mit den Gedanken einfach zu weit weg.
Ertappte sich schließlich dabei, wie sie ihn klammheimlich anstarrte und sich dabei die klebrige Süßigkeit über den Daumen strich. „Äh...", entfuhr es ihr im ersten Moment etwas geschockt, bevor sie ihren Daumen, samt Marmelade in den Mund steckte, um ihn wieder zu säubern.
„Hasd weh gtan, Tschin?", rief ihr Ron kauend zu. Offenbar sollte es besorgt klingen, denn das konnte sie in seinen Augen lesen, die er wie sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Doch durch die Tatsache, dass er mit vollem Mund sprach, klang es eher albern und unzivilisiert.
Naja, aber es war ihr Bruder! Es war Ron! Von ihm kannte sie es nicht anders! Seid sie 14 war, hatte sie ihn scheinbar an Reife und Verstand überholt. So wie die meisten männlichen Weasleys, abgesehen von ihrem Vater und vielleicht Charlie. „Nein, alles in Ordnung.", gab sie schließlich zurück und wischte sich ihren nassen Finger an der Robe ab.
Was für ein Bild gab sie hier eigentlich ab?
Vorsichtig blickte sie erneut etwas nach links, traf diese unglaublich grünen Augen. Der Gryffindor besah sie mit einem Lächeln. Sie konnte es nicht wirklich einordnen, dass konnte sie nie. Meistens deutete sie zu viel daraus, deswegen ließ sie es lieber ganz bleiben. Er hatte das Kinn auf seine Faust abgestürzt, vor ihm lag immer noch das Buch, ich welchem er und Ron gerade gelesen hatten. Mit Sicherheit handelte es von Quidditch. Von was auch sonst? Die Bilder flackerten sie munter an, auch wenn sie nicht erkennen konnte, was sie abbildeten.
Immerhin lag es auf dem Kopf und zwischen ihnen stand eine ganze Schinken- und Käseplatte...
Als sie wieder den Blick hob, sich bereit fühlte, ihm wieder in die Augen zu schauen, waren diese wieder fest in das Geschehen des Buches vergraben...
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Hermione beobachtete das Geschehen im Stillen. Sie saß eingekeilt zwischen Ron und Neville, da sie mit dem Weasley die Plätze getauscht hatte, damit dieser in Ruhe mit Harry über das neueste ‚Quidditch, die wundervollsten Torstöße' Exemplar diskutieren konnte. Ihr konnte es recht sein, denn erstens interessierte sie Quidditch immer noch nicht wirklich. Jedenfalls nicht viel mehr, als in den Jahren zuvor und zweitens hatte sie so eine schlechtere Sicht auf Professor Snape. Ihr sollte es recht sein...
Das Knirschen von Papier, leises Gemurmel, dann begann Ron leise zu glucksen. Der Lockenschopf drehte langsam den Kopf, Harry blätterte hastig um, hustete kurz und Ron beugte sich etwas tiefer über die Seiten des Buches.
Hermione hob eine Augenbraue... Sie bezweifelte auf einmal stark, dass die beiden Jungen da wirklich ein Buch, sondern vielmehr eine Zeitschrift, welche mit höchster Wahrscheinlichkeit zwischen den Seiten stecke und vom letzten Hogsmeade Besuch stammte, lasen.
Männer! Konnten sie diese Art von Lektüren nicht wenigstens in ihren Schlafräumen lassen, wenn sie sie schon besitzen mussten?
Ihren Tee schlürfend ließ sie ihre Augen über den gesamten Tisch wandern. Ein paar Erstklässler, die mit ein paar merkwürdig aussehenden, hüpfenden Käfern spielten, bevor sie sie aßen. Offensichtlich ein neues Kostbarkeitchen von Berti Botts! Dann einige giggelnde, tuschelnde und kichernde Drittklässler, die auf den Nebentisch starrten. Sie war zu faul, nachzugehen, wohin sie wohl genau starrten...
Und dann war da Ginny. Ihre kornblauen Augen ruhten auf Ron...
Nein, eigentlich ruhten sie auf Harry, welcher wohl gerade zu vertieft in die neueste Ausgabe des 'Witchmasters' war um es zu bemerken. Gestern hätte sie es aber auch kaum bemerkt. Wo dieses Mädchen doch alles dafür getan hatte, sie alle glauben zu lassen ihr gebliebenes Interesse am Schwarzhaarigen wäre rein Freundschaftlich!
Der Rotschopf sah wieder auf, nun direkt in ihre Augen. Eine Sekunde verfärbten sich ihre Wangen blutrot. Vor drei Jahren hätte Hermione dieses Rot vielleicht noch mit dem Rot ihrer Haare vergleichen können, doch jetzt traf das nicht mehr wirklich zu. Ginnys Haare waren um einiges heller geworden, erinnerten sie jetzt mehr an eine Mischung aus Gold und Rot. Eine äußerst interessante Mischung, wie sie schon letztes Jahr irgendwann festgestellt hatte, als die Haare der Fünftklässlerin noch um einiges Kürzer gewesen waren.
Die Weasley blickte sie einen Moment zögernd an, bevor sie eine schwache Geste mit der Hand machte, sie nach draußen deutete. Hermione brauchte eine Sekunde, bis sie begriff, dass sie sich in der Halle mit ihr treffen sollte. Sie nickte stumm und erhob sich langsam.
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Virginia folgte der Älteren in geringem Abstand. Es war ja nichts ungewöhnliches, dass sie mit ihrer Vertrauensschülerin sprechen wollte. Ungestört! Jedoch fühlte sie sich trotzdem unbehaglich, als sie in der Eingangshalle schließlich auf die beste Freundin ihres Bruders und auf die beste Freundin ihres... Harrys... Harrys beste Freundin... traf...
„Hey.", sagte sie schließlich. Nein, eigentlich hauchte sie es.
Hermione lächelte etwas unschlüssig.
Virginia erwiderte das Lächeln und blickte einen Moment zu Boden. War in Butterbier eigentlich genug Alkohol enthalten, um ihre Sinne zu benebeln? War in Butterbier überhaupt Alkohol enthalten?
„Hältst du diese Idee. Naja, du weißt schon.", begann sie nervös. „Hältst du sie wirklich für gut? Jetzt, wo du eine Nacht drüber geschlafen hast?"
Der Lockenschopf zögerte, in ihren Augen sah sie, dass diese ebenfalls innerlich kämpfte. Dass er ihr ähnlich ging, wie ihr. Vernunft gegen Verlangen! Realität gegen Traum und Wunsch!
„Ich stehe irgendwie zwischen den Stühlen. Es ist sicherlich verboten, obwohl es dazu keinerlei Schulregeln gibt! Es ist eine Art Vergewaltigung, obwohl wir dabei eigentlich niemanden verletzten. Mein Verstand sagt eigentlich nein, aber dann...", sie blickte zum Eingang des Speisesaals und obwohl nichts zu erkennen war, wusste Virginia worauf sie hinaus wollte.
„... dann siehst du ihn und du weißt, es ist die einzige Möglichkeit ihm so nahe zu sein, wie du es schon lange ersehnst. Und dann lässt es dich nicht mehr los.", beendete sie leise den Satz.
„Nicht ganz, aber so in etwa.", fügte Hermione lächelnd hinzu.
Eine Weile starrten sie beide schweigend auf den Eingang der großen Halle, aus der dichtes Stimmengewirr zu ihnen durchdrang.
„Warum Snape?", fragte die Jüngere schließlich.
„Warum ausgerechnet Harry?", stellte Mione die Gegenfrage.
Virginia zuckte schwach mit den Schultern. „Ich weiß es nicht wirklich. Irgendwie erscheint es mir richtig."
„Warum auf diesem Weg?"
Sie lachte heiser auf. „Bei Merlin, wie denn sonst? Soll ich ihn fragen, ob er nach dem Training oder den Hausaufgaben nicht mal eine halbe Stunde Zeit hätte, um mich zu entjungfern, weil er in meinen Augen der Richtige ist?"
„Eher eine viertel Stunde und ich versichere Dir, du wärest nicht die einzige, die ihn so etwas schon einmal gefragt hat.", gab die Braunhaarige Augenzwinkernd zurück.
Virginia lächelte schwach. Das war es ja...
Sie schoben sie immer wieder zu seinen kleinen, hysterischen Fans in die Schublade. Dabei gehörte sie da seid letztem Jahr nicht mehr rein. Vorher vielleicht... Nein, mit Sicherheit... Aber, seid letztem Jahr, war es anders...
Sie schickte ihm keine dümmlichen Valentins Karten mehr, sie bekritzelte nichts mehr mit seinem Namen oder Initialen oder schnitt sich Bilder von ihm aus irgendwelchen Zeitschriften aus und hängte sie über ihr Bett. Sie wurde nicht mehr rot, wenn er mit ihr sprach, auch wenn sie dies dennoch am liebsten vermied, und sie benahm sich in seiner Gegenwart nicht wie ein kleines, hysterisches Kind...
War es so falsch, dass sie etwas für ihn empfand? Es war doch aufrichtig, wenigsten in ihren Augen?
War es nur einer Cho Chang vergönnt Harry Potter zu mögen?
„So war es nicht gemeint.", sagte Hermione schließlich besänftigend und tätschelte ihr sanft die Schulter. „Sorry, das sollte eher ein Scherz sein."
„Alles klar.", antwortete sie einlenkend.
Der Lockenkopf blickte etwas abwesend zu Boden.
„Ok und nun sag schon, warum Snape?", fragte sie schließlich grinsend. Insgeheim um das Thema zu wechseln, aber auch, weil sie es brennend interessierte. Sie war sich bis gestern mehr als nur sicher gewesen, dass das Mädchen, welches ihr gerade gegenüberstand und bis unter die Haarspitzen rot anlief, Snape bis zum zerbersten hasste.
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Hermione schluckte schwach. Das war eine gute Frage, die sie sich selber nicht wirklich beantworten konnte. Wie sollte sie es dann anderen erklären? Sie war dieser Frage bis jetzt immer sehr gut ausweichen können...
„Hey ihr zwei Süßen, erweitert ihr unsere Pläne etwa ohne uns!", hallte es von Eingang auf sie zu. Ginny zuckte etwas entsetzt zusammen, aber Parvati schwieg den Rest des Weges, bevor sie sie erreicht hatte und sich etwas zu ihnen herüber beugte.
„Wir haben schon einmal überlegt, wie wir an die Zutaten kommen könnten.", hauchte sie schließlich.
‚Snapes Büro', schoss es durch ihren Kopf.
„Wir könnten einen der Slytherins fragen, ob sie uns etwas aus-"
„Wir stehlen es aus Snapes Büro.", warf sie ein. So weit würde es noch kommen, dass sie einen oder eine Slytherin einweihen müssten.
Parvati pfiff anerkennend. „Du bist böse.", sagte sie grinsend. „Naja und dann haben wir überlegt, wo wir ihn brauen könnten. Was hältst du von unserem Zim-"
„In den Kerkern gibt es einen kleinen Abstellraum, den noch nicht einmal Filch mehr betritt."
Parvatis Augen vergrößerten sich noch etwas. „Du bist nicht nur böse, du bist ein Genie.", sagte sie noch breiter grinsend.
Hermione sah errötend zu Boden. Wenn die zwei wüssten, wie lange sie heute Nacht dafür die Karte des Herumtreibers gewälzt hatte. Obwohl... Doch... Sie war ein Genie... Und sie war böse... Und es gefiel ihr!
Ebenfalls grinsend sah sie auf. In Ginnys Augen glitzerte es schelmisch, bevor sie den Kopf schüttelte und sich langsam mit Parvati abwandte. Erst jetzt entdeckte der Lockenschopf den Grund dafür. Ihre beiden besten Freunde waren nur noch wenige Schritte von ihr entfernt und Ron knuffte seiner Schwester in die Seite, als diese sie passierte...
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Parvati harkte sich spielerisch bei ihr unter, während sie alle Mühe hatte, die beiden Jungen bestmöglich nicht zu beachten. Was äußerst schwierig war, da ihr Bruder sie fast zu Boden stieß und so natürlich auch noch die Aufmerksamkeit des anderen auf sie zog. Das fehlte ihr noch, dass sie wie ein Käfer vor ihm auf dem Boden kroch...
„Entspann dich. In knapp einem Monat, gehört er dir.", kicherte ihr Parvati leise zu, als sie außer Reichweite waren.
„Du meinst wohl eher, in knapp einem Monat werde ich mich von einer von euch, welche aussehen wird wie er und voll gepumpt mit Liebeselixier und Potentzaubern ist, flachlegen lassen...", gab sie zynisch zurück.
Parvati zuckte beiläufig die Schultern. „Ja, so in etwa! Aber, das ist doch fast das Selbe..."
Heyhoe... Was soll ich groß sagen, außer DANKE an alle meine Leser, ob stumm oder nicht, auch wenn ich mich wie immer riesig über jede noch so kleine Rev freuen würde! ;) gg
Großen Dank geht an meine lieben Reviewer, die mir das Weiterschreiben noch leichter machen und ich hoffe mal stark, dass euch der weitere Verlauf der Story ebenfalls gefallen wird. knuff
Black-Rose-Lily: Ja, das denke ich schon, jedenfalls arbeite ich daraufhin... Mal sehen, was letztendlich daraus wird... ;)
Vanilla: Na, ganz ohne tippeln wäre es doch langweilig! gg
blub: Naja, so neu ist diese Idee aber doch auch net. ;) Außerdem wird diese Sache auch nur einer der Nebenstränge sein, die meine Story haben wird... Sprich, es wird noch andere Pairings oder Geschehnisse geben, außer Miones heimliche Schwäche für Snape, oder eben diesen chaotischen Plan... Ok, ich verrate zuviel... Einfach dranbleiben...
Teufelsweib: Danke! knuff
Angi: Himmel, wie ihr euch alle auf Mione und Snape stürzt... löl Ok, aber ich wusste das ist ein kleiner Schockmoment, deswegen hab ich ihn ja eingebaut! Und da kann man ne Menge draus machen, auch wenn es vielleicht nicht ganz so ablaufen wird, wie ihr es euch Momentan erhofft oder denkt... Aber, abwarten...
Valerie: Hat sich deine Frage jetzt eigentlich geklärt? Und wie gesagt, noch mal danke für das Lob... ;)
Decado: Danke! knuff
finnae: Also, würde ich ja gerne machen, aber ich bin ehrlich, ich vergesse es eh! schäm Abber, du kannst Storys, welche du besonders gerne magst marken, dann findest du sie ganz leicht wieder...
TheSnitch: Danke... knuff
