6. Neutrale Basen
Da stand sie nun, zögernd... Nicht fähig zu handeln...
Dabei war es doch so einfach! Eine einfache, simple Handbewegung, welche sie schon hunderte von Malen durchgeführt hatte. Warum fiel sie ihr jetzt so verdammt schwer?
Von unten drang weiterhin Stimmengewirr zu ihr durch, auch wenn sie nicht mehr verstand, was gesprochen wurde.
Schließlich klopfte sie... Ihre Hand fühlte sich unnatürlich an, als sie das Holz berührte und ihr Herz im Takt des Klopfens zu rasen begann...
Himmel, sie war doch keine 14 mehr!
„WAS!", brüllte jemand von der anderen Seite und sie wich entsetzt zurück. Hätte man ihr nicht sagen können, dass sie einen Schutzschild mitnehmen sollte?
„Harry?", rief sie durch das Holz.
„Wer ist da?"
„Virgin-Ginny!", antwortete sie und hätte sich am liebsten geohrfeigt. Noch nicht einmal ihren Namen bekam sie fehlerlos auf die Reihe. Wie zur Hölle sollte sie ihm dann fachlich erklären, dass sie in die Mannschaft wollte? Wenn er sie nicht vorher fraß oder in den Boden stampfte. Aber, dann hätte sich dieses Problem eh erledigt!
Schweigen...
Irgendwie kam nichts zurück...
„Ich bin wegen der freien Stelle als Jägerin hier.", fügte sie zaghaft hinzu.
Wieder folgten einige Sekunden des Schweigens...
„Sekunde.", brüllte er schließlich, dieses Mal um einiges ruhiger, wenn auch noch laut genug. Dann ertönten Schritte, poltern... Das rauschen von Wasser... Wieder poltern... Das zuschlagen von Schränken... Vielleicht auch Schubladen...
Was machte er da drinnen? Den Schlafraum umdekorieren? Renovieren? Umbauen? Abreißen? Alles zusammen?
Dann stürmten die Schritte auf die Tür zu. Sekunden später flog diese schwungvoll auf und ein ziemlich zerzauster und recht zerknittert aussehender, schwarzhaariger junger Mann stand in der Tür. „OK, komm rein.", sagte er schließlich und deutete ihr an, einzutreten.
Sie tat wie ihr geheißen wurde und guckte sich etwas unschlüssig im Zimmer um. Das letzte Mal war sie hier mit Dean gewesen und es hatte ein böses Ende genommen. Sie hatte den Schlafraum wütend und in Tränen aufgelöst verlassen und er sprach seitdem nicht mehr mit ihr...
Harry hetzte um sie herum, zum Schreibtisch neben seinem Bett und kramte in einer der Schubladen. „Setz dich.", sagte er währenddessen.
Zögernd trat sie an sein Bett, ließ sich darauf nieder. Es war weich... Etwas zerwühlt... Warm... Sicherlich hatte er gerade eben noch hier gelegen...
Entsetzt zog sie die Hand vom Lacken und legte sie zusammen mit der anderen in ihren Schoß! Sie sollte sich wirklich zusammen reißen! Jedenfalls wenn sie sich in seinem Zimmer befand! Auf seinem Bett! In seiner Gegenwart!
Überhaupt war es ein Fehler hier her zu kommen! Sie war gänzlich verrückt geworden!
Aber, sie wollte ja nur in die Mannschaft! Da war es doch ihr gutes-
Ihr stockte der Atem, als er sich plötzlich und abrupt nach einer tiefer liegenden Schublade bückte. Der Rand seiner schwarzen Boxershorts lugte unter dem Bund seiner Jeans hervor. „Irgendwo hab ich sie.", sagte er gedämpft.
„Och...", sagte sie, während sie immer noch am Bund seiner Shorts hing, über der etwas zartbraune Haut zum Vorschein kam. Er konnte sich ruhig Zeit lassen!
„Hey!", rief er, richtete sich auf und wirbelte herum, so dass sie nun an der Vorderseite fest hing. „Möchtest du es jetzt machen, oder lieber später?"
„Was?", stieß sie hektisch hervor und ihre Wangen verfärbten sich blutrot. War sie so leicht durchschaubar oder hatte sie nur etwas Wichtiges verpasst?
„Na, das ausfüllen des Bewerbungs-Bogens! Das kennst du doch noch!", sagte er dreckig grinsend und fuchtelte dabei mit den Pergamentbögen.
Sie hegte den Wunsch, einfach im Nichts verschwinden zu können. Plopp und weg! Warum konnte sie nicht appartieren? Es scherte sie noch nicht einmal, wenn sie danach in ganz England verteilt enden würde...
„Eigentlich würde ich dir jetzt sagen, du hast den Job. Aber, du kennst die Regeln! Ich muss allen Bewerbern eine Chance geben.", fuhr er schließlich fort und sah sie immer noch fragend an.
„Verständlich.", gab sie zurück und starrte auf den Boden. Popp und weg, plopp und weg, plopp und weg! Ob des funktionierte, wenn sie es nur oft genug versuchte?
„Also, jetzt oder später?", wiederholte er nun und erneut zog sich ein dickes Grinsen über sein Gesicht.
Plopp und weg, plopp und weg...
Sie stöhnte, zuckte mit den Schultern. DAS war ihre Chance! Wenn sie das appartieren auch nicht beherrschte, sie konnte sich den Bogen krallen, verschwinden und ihn nachher unter der Schwelle durchschieben!
„Jetzt... Hier...", stammelte sie...
Verdammt! Warum sagte sie Jetzt, wenn sie doch Später dachte?
Er nickte zufrieden, legte den Bogen auf dem Schreibtisch ab und kramte ein kleines Tintenfass mit Federkiel aus einer weiteren Schublade. Sie saß stillschweigend auf dem Bett und beobachtete ihn...
Was tat sie hier?
„OK, lass dir ruhig Zeit.", sagte er und lehnte sich erwartungsvoll gegen die Schreibtischkante. Sie starrte ihn einen Moment entgeistert an, bevor sie registrierte worauf er wartete und sich langsam erhob. Mit schleichenden Schritten näherte sie sich dem Schreibtisch, ließ sich auf dem Stuhl nieder und begann das Formular auszufüllen...
Wie bereits Monate zuvor, nur da hatte sie es sich aus einem Stapel von vielen gezogen und im Gemeinschaftsraum mit etwa 15 anderen bearbeitet...
Sie konnte spüren, dass er ihr über die Schulter sah, während sie schrieb. Doch sie ignorierte es, brachte Wort für Wort auf das Pergament, bis sie fertig war. „OK.", sagte sie schließlich, rollte den Bogen zusammen und legte ihn auf den Schreibtischrand.
„Wunderbar.", gab er zufrieden zurück und verfrachtete das feinsäuberlich zusammengerollte Papier in eine der Schubladen.
Ein paar Sekunden, welche ihr eher wie Stunden vorkamen, verweilte sie schweigend, bevor sie sich langsam wieder aufrichtete und versuchte ihn so wenig wie möglich anzusehen. Warum fühlte sie sich in seiner Gegenwart immer wieder, wie das kleine, dumme Kind?
„Alles klar, ich sag dir dann Bescheid, wegen dem Probetraining!"
Sie zuckte etwas zusammen, als sie an das Letzte dachte, wo ihr so plötzlich und unvorbereitet der Traum vom Fliegen in einer Quidditch Mannschaft geplatzt war. Dabei war sie gut! Mehr als gut und sie hatte auch den Eindruck gehabt, gut geflogen zu sein...
„Mach dir keinen Kopf, du bist eine der besten Spielerrinnen, die es momentan an Hogwarts gibt!", sagte Harry, so als hätte er ihre Gedanken gelesen.
Sie lächelte schwach, etwas unsicher... Und er lächelte plötzlich zurück, seine grünen Augen funkelten sie frech an. Dann zwinkerte er. „Und mein OK hast du eh schon!"
##
Ron hockte immer noch, tief versunken, auf seinem Stuhl und ignorierte sie immens. Doch ihr sollte es recht sei, so hatte sie mehr Zeit zum lernen, Hausaufgaben machen und nebenbei noch einmal genauestens alles über den Brauprozesses und die Eigenschaften des Vielsafttrankes zu erkunden. Letzteres geschah immer zwischen einigen Büchern und Pergamentrollen, so dass man selbst bei einem intensiverem Schulterblick nicht erkennen konnte, was sie da vor sich hatte und studierte.
Ihre Freunde waren zwar nicht die hellsten, wenigstens was Ron betraf, aber sie waren nicht hoffnungslos dumm. Auch wenn sie wahrscheinlich niemals auf den wahren Grund kommen würden, würde dass ihre Neugierde wecken! Denn wann machte sie schon einmal was ohne ihre beiden, besseren Hälften!
Abgesehen vom duschen, schlafen und anderen Dingen, bei denen man entweder besser alleine war, oder es eben wegen ihren unterschiedlichen Geschlechtern nicht möglich war, dies zusammen zu tun. Nicht dass es sie störte oder gar nervte, dass sie ständig von Harry und Ron umgeben war! Sie liebte sie – wie Brüder versteht sich-, dennoch war es manchmal etwas... stressig...
Nein, zugegebener Maßen, nervte es! Für viele war sie nicht Hermione Granger, begabte Hexe, Vertrauensschülerin und beste Anwärterin für die kommende Schulsprecherin. Nein, sie war die beste Freundin von Harry Potter, dem Jungen der lebt!
Und ja, manchmal hasste sie es...
Seufzend richtete sie sich auf, ihr Rücken knackte protestierend, als sie sich zurück lehnte. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass in weniger als einer halben Stunde die offizielle Nachtruhe beginnen würde. Es hielten sich zwar nur die Wenigsten, bestehend aus größtenteils Erst- bis Drittklässlern, daran, aber als Vertrauensschülerin sollte sie doch wenigstens so tun, als wenn ihr diese Richtlinie am Herzen liegen würde. Eigentlich taten sie das auch. Wenigstens meistens...
Stimmen und das deutliche zufallen einer Tür, gefolgt von leisen, leichten Schritten drangen zu ihr durch, lenkten so ihre Aufmerksamkeit auf den Zugang zu den Jungenschlafsälen. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, dass auch Ron sich dorthin gewandt hatte.
Wenige Sekunden später erschien Virginia Weasley am Absatz!
Ihre Wangen waren leicht gerötet, ihre blauen Augen wirkten abwesend. Wüsste sie es nicht besser, hätte die ältere Gryffindor geschätzt, das junge Mädchen stände unter Drogen oder ähnlichem. Es war schon erstaunlich, was Adrenalin und sonstige Hormone so ausrichten konnten!
„Was hab ihr gemacht?", schnarrte Ron, wobei seine Stimme wohl gleichgültig klingen sollte, ihre Wirkung jedoch jämmerlich verfehlte.
Das Gesicht seiner Schwester verfärbte sich noch etwas tiefer, bevor sie die Augen weiter aufriss und deutlich wütend den Kopf schüttelte. „Geredet? Bewerbungsbögen ausgefüllt? Was sonst?"
Ron zog die Stirn leicht kraus und nagte an seiner Unterlippe. Eine Geste, die sie auch schon oft bei Ginny gesehen hatte, jedoch meistens, wenn diese nervös war. „Und, wie war es so?", setzte er hinzu.
Hermione stöhnte gequält auf. Ladys and Gentlemen, hier war er! Der Einzige, der Wahre, der Unglaubliche...
Mister Indiskret!
„Du bist so ein Idiot!", zischte Virginia zornesrot und stürmte durch den Gemeinschaftsraum zu den Mädchenschlafsälen.
Ronald lehnte sich schulterzuckend zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und starrte auf die Tischkante. „Meinst du, ich kann jetzt mit ihm reden?", knurrte er dann.
Ja, wie einigen von euch aufgefallen ist, komme ich jetzt gerade etwas vom eigentlichen Faden der Story ab. Dem Trank! Aber, keine Sorge, den behalte ich natürlich bei! Aber, ich baue die Story absichtlich etwas aus, das hat alles seinen Sinn und vor allem wird der Monat so net so langweilig für die Mädels und euch... gg ;)
Thx geht wie immer an meine treuen Leserlies und vor allem an meine wundervollen Reviewern... schmatz
Angi (Ma guggen, was Gin mit Cho so anstellt, wenn sie es denn mal erfährt! ;) gg)
Alienore (Na, ist er doch! Jedenfalls kam es mir gerade in den letzten beiden Büchern wirklich so vor! gg Ich finde ihn so aber einfach zum knuddeln... :D
Decado (Bün ich etwa gierig? :( Ok, dann nehm ich nur einen... Bessa als nix... ;))
Blub (Hehe... :D)
Vanillia (Könnte sein... Mehr dazu hab ich ja oben schon gesacht... ;) Also, dranbleiben, dann erfährst du es vielleicht bald... gg)
Haunted-jess (ja, die Idee ist schon sehr schräg, deswegen fand ich sie ja so interessant... ;))
Cosma (Ja, sieht momentan wohl ganz danach aus... gg)
Inlaka (Ja, da hat er wohl einige hier geschockt... fg)
Black-eyed-april (Ja, das mit Ginerva hab ich auch schon erfahren, aber anfangs dachte ich halt es heißt Virginia – hab ich auch irgendwo mal gelsen- und ich finde den Namen einfach schöner. Sprich, ich bleibe jetzt einfacg dabei! Aba, trotzdem danke... knuff)
Sweetkitty04 (Dangö... gg schokigreif Lecka... schmatz Zum Rest...Tja, abwarten... gg)
Bele (Dangö... knuff)
Gifty (Abwarten... Abwarten... Abwarten... Hehe... gg)
Ihr seid echt meine Helden!!! alleknuddel keksreich
