Rettung
Schmerz umhüllte seine Gedanken als Harry merkte, dass er langsam wieder in die Wirklichkeit zurückgezogen wurde.
Ein leises Wimmern schlich sich über seine Lippen und Übelkeit stieg in ihm auf. Seine Lunge brannte wie Feuer, seine Brust und sein Rücken bestanden nur noch aus Schmerzen alleine und sein Unterleib pochte. Harry spürte wie etwas Zähflüssiges seine Beine hinab rann und er wusste dann es ein Gemisch aus Blut und Sperma war.
Mit diesem Gefühl wachte Harry nun schon seit drei Sommern, beinahe jeden Tag auf und dieses Mal wusste er, den nächsten Morgen würde er nicht überleben. Er konnte nicht mehr. Nicht mehr lächeln um seine Freunde nicht zu beunruhigen, nicht mehr der starke Junge sein auf den alle vertrauten und er konnte nicht mehr so tun als wäre alles so wie es sein sollte.
Er wurde schon immer von seinen Verwandten geschlagen oder zu stundenlanger Arbeit im Garten gezwungen. Doch seit seinem zweiten Schuljahr in Hogwarts war es schlimmer geworden. Es verging kein Tag an dem er nicht mindestens eine Ohrfeige bekam.
Als Harry dieses Mal die Augen aufschlug war es zu viel. Die Übelkeit nahm überhand und er erbrach sich keuchend auf den Teppichboden in seinem Zimmer. Der beißende Geruch von Erbrochenem stieg ihm in die Nase und rief erneuten Brechreiz hervor.
Er musste wohl innere Verletzungen haben dachte er bei sich als er zusätzlich zum säuerlichen Geschmack auch noch Blut schmeckte.
Die Tür knarrte und Harry sah sich wieder seinem Foltermeister gegenüber.
Severus Snape, seines Zeichens Tränkemeister und Lehrer für eben jene an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei saß in der Bibliothek seines Anwesens und war in eine spannende Lektüre über Magische Wesen aller Welt vertieft. Denn entgegen aller Meinungen war Severus Snape keineswegs arm. Nur die wenigsten wussten, dass seine Mutter aus einer reichen Familie stammte und er, nach ihrem frühzeitigen Ableben, alles geerbt hatte.
Vor ihm prasselte ein wunderbar warmes Feuer im Kamin und auf dem kleinen Beistelltisch stand ein leeres Weinglas.
Noch immer vollkommen in den geschriebenen Zeilen des Buches vertieft, griff Severus nach dem Glas und setzte es an seine Lippen doch als er die erwartete Feuchtigkeit und den Geschmack nicht wahrnahm sah er verdutzt auf.
Murrend stellte er das Glas wieder ab und rief nach seiner Hauselfe. Sofort erschien vor ihrem Herren eine kleine, koboldartige Kreatur und sah den Dunkelhaarigen mit großen, treuen Augen an.
„Bring mir noch ein Glas Elfenwein, Sinny", orderte Severus und sah wieder in sein Buch. Er konnte noch kurz das heftige Schlackern der langen Ohren an den dicklichen Wangen hören als diese nickte und dann war es wieder still. Ja… So mochte er es. Keine nervigen Schüler, kein Lucius der ständig versucht ihm auf die Nerven zu gehen und kein Tom der neue Tränke braucht. Einfach nur in Ruhe ein Buch lesen und dazu ein oder zwei Gläser feinen Elfenwein genießen. So stellte sich der stets griesgrämige Tränkeprofessor das Paradies vor.
„Master, der gewünschte Wein und ein Brief von Lord Slytherin", fiepte die kleine, etwas runde Elfe und stellte das Weinglas auf den Beistelltisch ab – reichte ihrem Herren den Brief. „Er kam gerade mit einer eiligen Eule, Master", piepste sie weiter und nach einer Handbewegung von Seiten Severus, verschwand sie wieder.
Severus hatte derweil sein Buch beiseite gelegt und sah den Brief kritisch an. Er war in einem unauffälligen Umschlag und die Schrift war in geschwungenen Buchstaben und grüner Tinte leicht leserlich.
„Was hab ich gerade vom Paradies gedacht?", fragte er sich leise und öffnete den Umschlag.
Viel stand nicht auf dem Pergament. Eigentlich nur ein direkter Befehl, dass er sofort in Slytherin Manor zu erscheinen habe.
Severus seufzte ergeben und trat an den Kamin. Er streute etwas Flohpulver in das Feuer welches sofort grün aufloderte und reiste zu seinem Freund.
„Bi…bitte… au…auf…hören… ich… ka…nn nicht…mehr…", Harry flehte doch je mehr er wimmerte, keuchte, weinte oder schrie, desto unnachgiebiger wurden die Schläge.
Am ganzen Körper zitternd vor Kälte und Schmerz, lag Harry auf dem Boden und sah in das Fette Gesicht seines Onkels hoch. Er konnte kaum etwas erkennen, da seine Brille schon vor langer Zeit zerbrochen war, doch das war auch nicht nötig. Wusste er doch auch so, wer ihm diese Qualen bereitete.
Seine Tränen brannten in den offenen Wunden in seinem Gesicht, der blutgetränkte Teppich scheuerte seinen Rücken noch mehr auf und die schwere Kette um seinen Hals rieb ihm die Haut darunter auf – auch wenn die Kette schon soweit gelockert wurde, dass sie zum Boden reichte.
Harry lag zitternd vor seinem Onkel.
„Aufhören? Du willst mir, MIR Befehle erteilen? Ich hab noch nicht mal richtig angefangen du Missgeburt!", schrie Vernon und trat Harry voller Hass in den Bauch und ein fürchterliches Knacken war zu vernehmen.
Ein gellender Schrei drang an das Ohr des Erwachsenen und ließ ihn erregt schnauben. „Stell dich nicht so an! Ich hab noch nicht mal richtig zugetreten. Will ja schließlich noch meinen Spaß mit dir haben", lachte er und zerrte den schluchzenden Jungen an den Haaren auf die Knie und verging sich erneut an den Retter der Zaubererwelt. Vernon grunzte befreiend auf, den Brechreiz Harrys ignorierend.
„Vernon! Komm endlich, Liebling! Wir wollen doch für Dudders einkaufen gehen, vergiss das nicht!", rief Petunia die Treppe hinauf und rettete – zu Harrys Leidwesen – dem Jungen unbewusst das Leben.
„Glück gehabt, Junge", fauchte Vernon und stieß Harry mit dem Kopf hart gegen die Wand wo dieser bewusstlos hinab glitt.
„Was ist los? Hast du auch eine eilige Eule bekommen, Severus?", fragte ein blonder Mann mittleren Alters seinen Freund. Seine Haare waren etwa schulterblattlang und er sah den Schwarzhaarigen aus unergründlichen, hellblauen, ja fast grauen Augen an. „Ja, ich hab auch eine bekommen, Lucius. Irgendwas scheint ihn zu beunruhigen", erwiderte Severus und machte sich gemeinsam mit dem Blonden auf den Weg zum Arbeitszimmer des Dunklen Lords.
Als sie vor einer hohen und schweren Eichentür ankamen, zögerten sie für einen kurzen Moment und klopften dann an.
„Kommt rein! Gut dass ihr da seid. Wir… ICH habe ein Problem", begann Tom Marvolo Slytherin ohne Umschweife und tigerte nervös vor seinem Schreibtisch auf und ab. Das Büro, welches Severus und Lucius betreten hatten war sehr stilvoll eingerichtet. Ihnen gegenüber stand ein schwerer, dunkler Eichenschreibtisch auf dem sich etliche Pergamentrollen und etwaige Bücher stapelten. Zu ihrer Rechten erhob sich ein hohes Bücherregal voll von Schätzen die in der Hauseigenen Bibliothek keinen Platz mehr gefunden hatten oder dem Lord einfach zu wertvoll waren um sie dort für jeden frei zugänglich zu lassen.
Links war eine schöne und gemütlich aussehende Sitzgruppe mit einem kleinen Tisch davor auf dem eine Flasche Feuerwiskey bereitstand. Diese Wand wurde jedoch von einem großen Fenster, welches den Blick auf den Garten freigab, eingenommen.
„Was ist den los, dass du so abdrehst?", fragte Lucius gerade heraus und sah auf den jünger aussehenden Mann. Er hatte wuschelige, dunkelbraune Haare, schöne blaue Augen – die bei starken Emotionen rot wurden – und eine vornehm blasse Haut. Ein Fremder würde ihn wohl auf mitte- ende zwanzig schätzen. Nur in der Öffentlichkeit ließ sich Tom dazu herab die Illusion seines Schlangengesichtes aufzusetzen.
„Was los ist? Das ist los, Lucius! Ich hab heute eine rote Eule bekommen. Eine ROTE! Ich dachte mir gleich, dass da was nicht stimmen kann und ich hatte Recht! Rot müsst ihr euch vorstellen! Das ganze Gefieder!" – „Ja, Tom. Das ist üblich wenn etwas äußerste Priorität besitzt", unterbrach Severus gelassen Toms Redeschwall. „Komm zur Sache", setzte er noch hinzu und machte so seinen Unmut klar. Jeder wusste, dass sich Severus eher im Hintergrund hielt, was den Krieg anging. Er braute die Tränke. Das war seine Aufgabe. Und er spionierte bei Dumbledore. Auch wenn dieser dachte er würde für ihn spionieren.
„Was war in dem Brief?", schaltete sich nun auch wieder Lucius in das Gespräch mit ein und setzte sich, gemeinsam mit dem Lord und dem Halbblutprinzen, zu der Sitzgruppe, schenkte jedem ein Glas Feuerwiskey ein und sah Tom auffordernd an.
„Ein Stammbaum…"
„Ein Stammbaum?", kam es zweistimmig zurück und Tom reichte seinen Freunden ein alt aussehendes Stück Pergament.
Darauf war, mit verschlungenen Ästen und in wunderbaren Farben ein aufwendig gestalteter Stammbaum abgebildet. „Und warum macht der dich so nervös?", fragte nun der Tränkemeister und hob elegant eine Augenbraue. „Schau ihn dir zuerst mal an bevor du mich so dumm anmachst", schnauzte Riddle zurück und schien seinen Freund mit Blicken erdolchen zu wollen.
„Ich wollte eigentlich nur mal eine Aufstellung all meiner Besitztümer in Gringotts haben und diese verdammten Kobolde sollten mir bei wichtigen Dokumenten eine Eule schicken und das haben die mir geschickt", seufzte Tom und ließ den Kopf hängen.
„Zeig mal her", streckte Lucius seine Hand nach dem Pergament aus.
Nun beugten sich die beiden ranghöchsten Todesser über den Stammbaum und begannen die Namen zu lesen.
„Das wussten wir ja schon", murmelte Snape und tippte mit dem Finger gegen den obersten Namen. Salazar Slytherin.
„Ja, schon. Und er war mit Gryffindor zusammen und die haben dann Kinder bekommen und die wieder auch und so weiter und so fort.", murrte Tom und sah sich gleich zwei geschockten Todessern gegenüber. „Was ist?" – „Slytherin und Gryffindor?", fragte der Schwarzhaarige überrascht. Hieß es doch in der Geschichte, Slytherin und Gryffindor hätten sich bis aufs Blut gehasst und das hatte sich auch auf ihre Häuser übertragen.
„In der Zaubererwelt ist es nichts Neues, dass sich zwei Männer lieben. Was stellt ihr euch so an. Ich bin eben der Beste", setzte Tom noch siegessicher grinsend hinterher. Er liebte es zu zeigen was er hatte. „Aber das ist nicht das, was mir so zu schaffen macht, sonder das", deutete er auf einen der untersten Namen.
Jetzt wurden auch Severus und Lucius blass. „Du und Li… Evens seid… ward Halbgeschwister? Über etliche Ecken zwar aber… wie?", fragte der Aristokrat geschockt. „Godric hatte wohl ne Affäre mit einer Hexe die den Namen Evens in den Stammbaum brachte", erklärte der Führer der Todesser und deutete auf einen Nebenzweig der jedoch zu verblassen schien. „Und darum ist dann wohl auch der Hass, von dem alle sprechen, entstanden", erläuterte er weiter. „Aber das heißt ja…", begann Lucius und sah zu seinem Freund. „Der junge Potter ist irgendwie so was wie mein Neffe, ja. Seht ihr nun warum ich so durcheinander bin? Ich habe all die Jahre gegen meine eigene Familie gekämpft. Und ich bin sicher das alte Suppenhuhn hat davon gewusst", knurrte der dunkelhaarige und seine blauen Augen leuchteten für einen Moment blutrot auf.
„Was hast du jetzt vor, Tom?"
„Ich weiß es nicht. Es war mir schon von Anfang an klar, dass Dumbledore Potter ständig gegen mich aufhetzt, aber der Junge hätte ja nicht kämpfen müssen"
„Wie würdest du dich verhalten, wenn man dir weiß macht, dass ein Irrer deine Eltern umgebracht hat und jetzt hinter dir her ist?", fragte nun Severus.
„Wohl nicht anders. Aber auch, wenn ich jetzt mit ihm reden würde, würde Harry nicht zuhören. Dafür ist er einfach zu stur"
„Lass es auf einen Versuch ankommen. Potter kennt dich nicht in dieser Gestalt. Geh nach London und lern ihn kennen. Gib ihm die Chance dich kennen zu lernen", schlug Lucius vor und klopfte Tom beruhigend auf den Rücken.
„Vergiss es, Luc. Der Orden hat ständig Auroren um das Haus postiert. Da kommt Tom nicht rein", schmetterte Snape diesen Plan nieder.
„Wenn ich mit ihm reden soll, dann nur in einer, für mich sicheren, Umgebung", beharrte Tom.
„Und wie willst du ihn hierher kriegen?", seufzte Severus und rieb sich die Nasenwurzel. Potter machte wirklich immer Probleme.
„Die Muggel sind gerade nachhause gekommen", flüsterte Lucius und sah seinen Freund durch die Dunkelheit hinweg an. „Das seh ich auch. Verdammter Mist. Warum immer ich. Ich wette mit dir, Potter macht wieder Ärger", murrte Snape und verschränkte die Arme vor der Brust. Er hasste den Außendienst. „Wette angenommen, alter Freund. 10 Gallionen?", fragte Luc und hielt dem schwarzgekleideten Tränkemeister die Hand entgegen. Es wurde eingeschlagen. „Leichtes Geld", kommentierte Severus noch und reichte dem Blonden eine kleine Phiole welche dieser auch gleich entkorkte und den braunen Inhalt, mit dem Spruch: „Auf Potter", in einem Zug trank. „Leck mich doch", trank auch Severus den Vielsafttrank und verzog angewidert das Gesicht. Warum hatte er sich auch von Tom überreden lassen? Die Ausrede, dass Potter ihm mehr vertrauen würde als Lucius alleine, war der größte Witz den er je gehört hatte. Potter würde einem Basilisken mehr vertrauen als ihm.
„Du siehst beschissen aus, Sev", grinste ihm ein blonder Junge in schlabber Jeans und schwarzem Shirt entgegen. „Sagt der Richtige, Luc", konterte Severus und er wollte gar nicht wissen, wie er aussah.
„Lass uns gehen"
Helles Licht drang in das kleine Zimmer als die Tür geöffnet wurde. Wimmernd kniff Harry die Augen zusammen. Das Licht blendete ihn. „Bi…tte… Wa…ss…er… bitt…e", flehte der-Junge-der-lebt und streckte seine zitternde Hand nach der Schüssel aus, die auf den Boden gestellt wurde. Doch egal wie sehr er sich streckte, er kam nicht ran. „Hier", monoton sprach Petunia dieses Wort aus und rollte Harry eine offene Dose Hundefutter hinüber. Sie würde sich hüten dieses Zimmer weiter als nötig zu betreten. Die Schüssel schob sie mit einem Besenstiel näher an Harry heran der auch gleich gierig trank und danach nach der Dose griff.
Er war nicht stark genug um einen Hungertod zu sterben.
Petunia verließ mit gerümpfter Nase das Zimmer, schloss es mit mehreren Vorhängeschlössern ab und ging wieder hinunter als es an der Tür klingelte. „Ja?", fragte sie und öffnete dem Besucher. Vor der Tür standen zwei jugendliche, etwa im Alter von 15 oder 16 Jahren. „Guten Abend Mrs. Dursley. Ist Dudley da?", fragte der blonde von ihnen und Petunia bat die Freunde ihres geliebten Sohnes herein. „Ja. Er ist oben in seinem Zimmer. Die erste Tür links", lächelte sie und wuschelte dem Schwarzhaarigen durch die Haare. „Danke", lächelte der Blonde erneut und verschwand mit seinem Freund die Treppe hinauf. „Das war ja einfach. Jetzt schau nicht so, Sev.", meinte Luc leise und sah sich auf dem Flur auf dem sie nun Standen um. „Jaja…", schlimmer konnte es wirklich nicht mehr werden. Hatte diese Muggel ihm doch tatsächlich die Frisur ruiniert.
„Hey, Sev. Warum denkst du ist diese Tür verriegelt? Ein Monster dahinter?", grinste Lucius und öffnete die Tür am Ende des Ganges mit einigen lautlosen Alohomora-Zaubern. Er war nun mal neugierig.
„Hör auf rumzuschnüffeln. Wir sollen Potter holen und nicht im Dreck rum stochern", maulte Sev zurück und legte einen Silencio um die Tür zu Dudleys Zimmer. Ein weiterer Silencio kam auf die Treppe damit ja kein Geräusch nach unten dringen konnte.
Plötzlich hörte er ein ersticktes Keuchen und drehte sich alarmiert, mit gezogenem Zauberstab um. „Was ist los?", fragte er als er Lucius sah. Dieser lehnte gegen die wieder geschlossene Tür und hielt sich die Hand vor den Mund – hatte jegliche Farbe aus dem Gesicht verloren. „Das ist… abartig…", würgte Luc und schürte so die Besorgnis in Severus noch mehr. „Was ist abartig?", wollte der Hogwartslehrer wissen und öffnete nun seinerseits die Tür aus der sein Freund eben geflüchtet war. Sofort drehte er sich um und schnappte keuchend nach Luft. Ein bestialischer Gestank schlug ihnen entgegen.
„Was zum Teufel ist da drin? Haben die da ihren Hund verrecken lassen?", fragte Luc und hielt sich nun ein Stofftuch vor Nase und Mund als sie das Zimmer erneut betraten.
Die Luft in dem Zimmer hing wie eine zähflüssige Masse über den Möbeln. Es war wohl seit Wochen nicht mehr das Fenster geöffnet worden.
Es stank nach Fäkalien, Erbrochenem, Blut und Schweiß.
Als sie sich umsahen stockte ihnen ein weiteres Mal der Atem. Das Bett zu ihrer Rechten war zerwühlt und die Hand- und Fußschellen an den Bettpfosten waren wie die Laken, blutverschmiert. Der Teppich hatte sichstellenweise mit Blut vollgesogen und auch an den Wänden waren hin und wieder Blutspuren zu sehen.
Auf der linken Seite, auf dem Schreibtisch stand ein Eulenkäfig in dem das Tier reglos lag. Der Kopf lag unter dem Tisch.
Aber das Schlimmste war der leblose Körper der ihnen gegenüber auf dem Boden lag. Eine schwere Kette war um den Hals und den Handgelenken gebunden. Die Haut mit Blut verschmiert und an den Stellen wo man noch Haut erkennen konnte, war sie dreckig oder blau. Die schwarzen Haare klebten voll von Schweiß und Blut am Kopf und nur ganz schwach hob und senkte sich die Brust des Jungen.
Harry Potter, Goldjunge von Gryffindor, lag nackt und aufs Übelste misshandelt vor seinem Tränkeprofessor und rührte sich nicht mehr.
„Bei Merlin…", murmelte Luc und drehte sich so schnell wie möglich zur Seite um sich zu übergeben.
Severus ignorierte den Drang sich Lucius anzuschließen, trat vollends ins Zimmer und kniete sich neben seinen Schüler. „Sein Puls ist zwar nur sehr schwach, aber er ist da. Los! Wir müssen ihn hier rausholen!", rief Snape und entfernte die Ketten vom Jungen, zog seinen Umhang, den er vor der Verwandlung verkleinert hatte, aus der Hosentasche und legte ihn um den geschundenen Körper.
Als er spürte wie sich sein Körper wieder zurückverwandelte, schwenkte er seine Zauberstab und trug im nächsten Moment seine normale Kleidung die ihm jedoch noch zu groß war. Anschließend schob er einen Arm unter Harrys Beine und einen unter seinen Rücken. „Wie kann man so was nur einem Kind antun?", fragte sich Luc und trat hinter Severus. Auch er hatte bereits seine alten Klamotten an und veränderte stetig seine Gestalt bis er wieder das Aussehen eines 37-jährigen Mannes hatte.
„Los, raus hier", befahl Snape und hob Harry auf die Arme – erschrocken wie leicht der Junge doch war.
Die beiden Männer nickten sich zu und disaparierten von der Stelle.
