Als schliesslich nur noch wenige der maskierten Zauberer standen, erhellte ein Schreckensschrei die Winkelgasse.

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Die anwesenden Zauberer und Hexen blickten umher, suchten nach dem Grund für diesen Angst erfüllten Schrei einer Frau.

Direkt vor dem Scherzladen der Weasley-Zwillinge stand Bellatrix LeStrange, ihren Zaubstab auf das kleine Mädchen vor ihr gerichtet. Nicht weit von ihr entfernt stand offensichtlich ihre Mutter, die von Professor McGonnagal daran gehindert wurde zu ihrer Tochter zu laufen.

„Ergib dich Potter, oder das Schlammblut stirbt."

Die Drohung der dunklen Hexe, so kalt gesprochen als würde sie über das Schlachten von Schweinen oder Hühnern reden, verfehlte ihre Wirkung nicht. Harrys Gesicht verlor jede Farbe, seine Schultern nahmen wieder die seit Dumbledores Tod bekannte Haltung ein und sackten nach unten. Er schien zu resignieren. Da sprach, zu aller Entsetzen, das kleine Mädchen einen einzigen Satz:

„Tu es nicht!"

Was dieser Satz für sie selbst bedeuten würde konnte sie unmöglich verstehen. Sie konnte unmöglich wissen was für Qualen ein Zauberer einem anderen antun konnte, und doch sprach sie mit der absoluten Gewissheit das richtige zu tun.

„Du erinnerst mich an jemanden, junge Dame. Ein kleiner Junge, damals nicht viel älter als du. Er dachte auch, er würde alles schaffen, er könnte nicht verlieren. Und doch verlor er seinen Paten und schliesslich sogar den Mann, der zuvor immer für ihn da war, ihn beschützte."

Harry sprach die Worte sanft, beinahe flüsternd, und doch konnte ihn in der Stille die nach Bellatrix´ Drohung eingetreten war jeder verstehen.

Einzig die magischen Vögel sangen leise ein beruhigendes Lied, eine Symphonie aus Gefühlen.

„Sorg dafür, dass deine Schosstierchen verschwinden Potter, sofort."

Die Todesserin hatte ihren Satz kaum zu Ende gesprochen, da zeugten die Feuerbälle vom Verschwinden der Sagentiere. Es schien geradezu, als hätten sie genau verstanden was Bellatrix gesagt hatte. Als wüssten sie, was der den sie augenscheinlich beschützen wollten tun würde, noch bevor er selbst sich dessen im Klaren war.

„Der alte Mann ist fort, Potter. Mein Cousin folgte deinen Eltern vor über einem Jahr und wie es scheint, haben nun auch die letzten begriffen wie tödlich es sein kann, wenn man dich kennt. Selbst ein Phoenix weigert sich, dich weiter zu beschützen, wenn dafür ein Schlammblut sterben müsste."

„Du hast nichts verstanden LeStrange. Dein Halb-Blut-Meister ..."

„Wage es nicht so von dem dunklen Lord zu sprechen, du lästiges Balg. Er wird herschen."

„Nur in der Hölle, Bella, nur in der Hölle. Tom Riddle wird sterben."

Die Zuschauer dieses seltsamen Geschehens sagen sich fragend an, offensichtlich nicht verstehend, wer denn Tom Riddle sei. Doch die Frage wurde beantwortet, wenn auch auf eine ihnen wohl sehr unangenehme Art.

„Werde ich das, Potter? Und was bringt dich auf die Idee, Du, ein mittelmäßig begabter Zauberer, hättest mehr Chancen dies zu erreichen als der alte Mann?"

Ein unterdrücktes Zischen durchfuhr die Menge als Lord Voldemort vor der Gringotts Bank wie aus dem Nichts auftauchte, direkt hinter Harry Potter, der nun mitten zwischen den beiden stand, die er wohl am meisten hasste.

„Ich habe dich schon einmal vertrieben. Du warst unfähig mich als Säugling zu vernichten, was glaubst Du wohl, was 'der eine mit der Macht den dunklen Lord zu vernichten' als erwachsener Zauber fertig bringen kann?"

Erneut zuckte die Menge zusammen als Harry wie nebenbei das Gerücht bestätigte, er wäre derjenige der Du-weisst-schon-wen vernichten würde, der Auserwählte.

„Ich weiss sehr wohl was du kannst, Potter. Und doch muss ich mich fragen, was Du nun zu tun beabsichtigst. Deine Beschützer sind weg und Bella hat gedroht das Schlammblut zu töten wenn Du dich nicht ergibst. Ich bin neugierig, Potter, was wirst du tun?"

Die Mutter des kleinen Mädchen schaute flehend zu Harry hinüber und wie sie und auch Ginny zusammen mit allen anderen sehen konnten, war Harry Potter bereit aufzugeben.

„Tu es nicht!" erschien noch einmal der Schrei des potentiellen Opfers, doch er vertönte, ohne von irgendjemandem für voll genommen zu werden. Einzig eine Person schien zu reagieren, den Ruf überhaupt wahr zu nehmen.

Leider, für die Mutter, war es ausgerechnet die einzige Person, die irgendetwas verändern konnte. Harrys Schultern strafften sich erneut, seine Mundwinkel verzogen sich zu einem offensichtlich spöttischem Grinsen.

„Der mächtige Lord Voldemort" - die Menge schrie auf - „lässt seine Bediensteten seine Arbeit für ihn verrichten. Was ist, TOM, hast du soviel Angst vor mir, dass du unschuldige kleine Mädchen bedrohen musst um mich zu besiegen?"

Voldemort musste offensichtlich seine Wut unterdrücken mit seinem alten Muggelnamen angesprochen zu werden. Einzig Dumbledore brachte es fertig so mit ihm zu reden und Dumbledore war tot. Doch da stand Der-Junge-der-lebt, gerade 17 Jahre alt, und sprach mit ihm, dem mächtigsten lebenden Zauberer wie mit einem Schuljungen.

„Wage es nicht so mit meinem Meister zu ..." Weiter kam LeStrange nicht, als Voldemort seinen Zauberstab hob und mit einem kleinen Wink das Mädchen zu seiner Mutter schickte. Die Frau nahm ihre Tochter in die Arme und brach in Tränen aus, sie musste von der Professorin gehalten werden damit sie nicht ihre eigene Tochter unter sich begrub.

„Dein Mut wird dich dein Leben kosten, Potter. Doch nicht heute, mir ist durchaus bewusst, wie die Chancen hier aussehen. Wir werden uns wieder sehen. Bis dahin rate ich dir, dein Leben zu geniessen. Vielleicht nutzt Du die Chance und verwendest meine abgelegte Freundin, diesen Rotschopf, für etwas Entspannung?"

Ginnys Reaktion war vollkommen irrational. Niemand mit etwas Verstand schickt dem dunklen Lord einen Fluch, niemand wagt es ihn anzugreifen wenn er offensichtlich verschwinden will, man ist schliesslich froh wenn er wieder weg ist. Doch Ginny Weasley war, wie Voldemort richtig bemerkte, ein Rotschopf. Und rothaarige Hexen sind, ganz entsprechend dem Vorurteil unter den Muggeln, voller Temperament.

Und so kam es, dass Lord Voldemort, gefüchteter dunkler Lord, just in dem Augenblick disapparierte, als ein gelber Zauberstahl aus Ginnys Zauberstab auf ihn zuraste. Und auch wenn jeder der Zeugen es besser wusste, jeder sich vollkommen über den zeitlichen Zufall im Klaren war, würden sie später Stein und Bein schwören, die 15 jährige Ginny Weasley hätte ihn-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf vertrieben.