Und auch wenn jeder der Zeugen es besser wusste, jeder sich vollkommen über den zeitlichen Zufall im Klaren war, würden sie später Stein und Bein schwören, die 15 jährige Ginny Weasley hätte ihn-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf vertrieben.


Harry brauchte über eine Stunde um aus der Winkelgasse zu kommen und zwei weitere um in den Verhören der Auroren und des Zaubereiministers für Zufriedenheit zu sorgen.

Voldemort und LeStrange waren entkommen doch die Todesser die Harry betäubt hatte waren es nicht. Warum der dunkle Lord seine Gefolgsleute zurück gelassen hatte war unklar, doch jeder wusste, sie würden früher oder später wieder zu ihrem Herrn zurück gelangen. Harry hatte Zeit gewonnen und doch hatte er verloren.

Seine Bestätigung der Gerüchte um den Auserwählten bedeuteten, dass er auf einmal noch weniger Leben haben würde als ohnehin schon. Rufus Scrimgour machte dies bereits beim Begrüssen deutlich:

„Ich könnte Sie Sie-wissen-schon-wem als Gegenleistung dafür anbieten, dass er uns in Ruhe lässt, wissen Sie. Es besteht sogar die Chance, dass er darauf eingeht."

„Und anschliessend alle abschlachtet, sobald ich aus dem Wege bin. Sorgen Sie lieber für mehr Sicherheit. Nebenbei, ist Stan Shunpike eigentlich schon aus Azkaban entlassen worden?"

Die Frage blieb, ausser einem gequältem Gesichtsausdruck, unbeantwortet. Harry nickte Tonks und Shaklebolt zu als er ihnen auf dem Weg zum Apparationspunkt begegnete und verliess endlich das Ministerium, direkt nach Nummer 12 Grimauldplace.

Das Haus gehörte ihm, ohne Zweifel, denn obwohl der Fideliuszauber noch immer bestand, Dumbledore hatte ja nie die Chance erhalten vor seinem Tod den Zauber aufzulösen, schien etwas Seltsames passiert zu sein. Harry konnte selbst bestimmen wer das Haus betreten konnte und wer nicht. Alastor Moody war der erste der plötzlich nicht mehr hinein kam, obwohl er ohne Zweifel vom Geheimniswahrer, Dumbledore, informiert worden war.

Niemand konnte sich das Verhalten des Zaubers erklären, niemand verstand die Hintergründe, und doch schien auch kaum jemand wirklich daran interessiert zu sein, gab dieses unerklärliche Verhalten doch Harry eine Sicherheit, die einzig von Hogwarts und Nummer 4, Private Drive noch überboten wurde.

Harry hatte, ganz wie er Dumbledore versprochen hatte, nach Schulende seine Zeit bis zu seinem siebzehnten Geburtstag bei den Dursleys verbracht. Hermine und Ron hatten ihn begleitet, dank der Volljährigkeit seiner beiden Freunde war Platz und Versorgung kein Problem, die beiden konnten einfach alles herzaubern was sie brauchten.

Doch Harrys Geburtstag war etwas, dass er wohl nie würde vergessen können. Sie waren um kurz nach 24.00 Uhr am 31. Juli aus Harrys Zimmer gegangen, am Wohnzimmer vorbei mit einem „Tschüss" in Richtung Haustür gegangen und wollten gerade disapparieren, als Petunia Dursley erschien.

„Was wird jetzt aus uns, wo der Schutzzauber mit deiner Volljährigkeit verschwinden wird?"

Harry hatte sie angeschaut und seine Antwort hatte ihn beinahe ebenso hart getroffen wie das Ziel dieser zwei Worte:

„Mir egal."

Die drei hatten sich kaum in ihrem neuen Zuhause eingerichtet, als sie Nachricht von Tonks bekamen: Über Harrys altem Zuhause schwebte das Dunkle Mal und das Haus brannte lichterloh.

Harry wusste, dass er etwas fühlen sollte, irgendwas, jetzt, wo seine letzten Verwandten tot waren, doch nach all den Jahren der Qualen konnte er es nicht. Die Tränen die ihm die Wange herunter liefen als er am Abend seines Geburtstags ins Bett ging entstanden nicht aus Trauer um seine Verwandten sondern aus Trauer um eine Kindheit die er nie gehabt hatte.

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Als Harry nach seinem unfreiwilligen Abenteuer aus der Winkelgasse wieder im ehemaligen Haus seines Taufpaten ankam, fand er ein Chaos vor. Ginny und ihre Mutter brüllten sich an, irgendetwas über einen Fluch, mehr verstand Harry nicht.

Hermine und Ron sassen auf der Couch, seine Hand verstohlen auf ihrem Bein, und bestaunten das Spektakel das die beiden Weasley-Frauen boten.

Remus Lupin lehnte mit der Schulter an der Wand, Tonks an seiner Seite, beide mit einem Lächeln auf den Lippen und einem kurzen Kopfnicken in Harrys Richtung um zu zeigen dass sie ihn gesehen hatten.

Fred und George waren nicht da, sie gehörten zu der Gruppe Zauberer und Hexen die das Haus einfach nicht mehr rein liess. Ihre Vermutung, Harry würde sich in ihrer Gegenwart aus irgendeinem Grund unsicher fühlen und deshalb unbewusst dem Haus befehlen ihnen den Zugang zu verwehren war vermutlich näher an der Wahrheit als sie selbst ahnten. Remus Lupin hatte diesen nebenher gesprochenen Satz mit Stolz aufgenommen, würde diese Deutung der seltsamen magischen Ereignisse doch andeuten, dass Harry sich in seiner Gegenwart sehr wohl sicher fühlte, trotz seines kleinen haarigen Problems.

Ganz nebenbei bedeutete dies etwas, über das die Mitglieder des „Harry traut uns"-Clubs nur heimlich sprachen: Wenn Harry Potter jemandem auch nur im Geringsten misstraute, und sei es unbewusst, würde diese Person dieses Haus wohl nie wieder betreten können. Sie hatten bisher keine Experimente gemacht und der einzige der diese Fähigkeit mit bösen Blicken zur Kenntnis nahm war Mad-Eye Moody, doch den nahm unehin niemand richtig ernst wenn es um seine Paranoia ging.

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Harry schaute sich die beiden streitenden Weasleyfrauen kurz an, überlegte kurz und machte kehrt in Richtung seines Zimmers. Ihm bereitete etwas Kopfschmerzen das heute passiert war. Auch wenn alle anderen das Geschehen scheinbar verdrängt hatten, stellte sich ihm dennoch eine wichtige Frage, deren Antwort durchaus „die Macht den dunklen Lord zu vernichten" eine ganz neue Bedeutung beibringen konnte.

Er wusste natürlich, dass er kein Superheld war, der mit einem Fingerschnippen Probleme lösen konnte. Ihm fehlten 50 Jahre Erfahrung um mit Voldemort gleich zu ziehen und auch wenn er sich selbst eingestand durchaus ein starker Zauberer zu sein, womöglich gar einer der Stärksten werden könnte wenn er so lange leben würde, so war die fehlende Erfahrung ein Problem das es zu lösen galt. Und die Erfahrung die er besass zwang ihn, nach einer Lösung für ein Problem zu suchen, dass bisher in seinen Begegnungen mit Voldemort scheinbar niemandem wirklich aufgefallen war:

Fawkes Schwanzfeder war der magische Kern seines Zauberstabs, Fawkes war es der ihn vor dem Basilisken gerettet hatte. Fawkes Gesang ertönte als sein und Voldemorts Zauberstab sich verbanden, ein ohne Zweifel ohnehin seltenes Ereignis, geschweige denn wenn die Besitzer der Bruderzauberstäbe auch noch tödliche Feinde sind. Dumbledores Patronus war ein Phoenix, vermutlich Fawkes, und das was bei der Beerdigung des Schulleiters in den Himmel aufstieg, seine Seele vielleicht, war ebenfalls ein Phoenix. Wo immer Harry auch auf grosse, scheinbar unüberwindbare Probleme stiess, und seien es auch welche emotionaler Art, ein Phoenix war nicht weit entfernt. Was also gab es an ihm, dass heute sogar gleich mehrere dieser magischen Vögel erschienen um ihm zu helfen? Warum hilft ein Phoenix einem Menschen?

War es noch möglich, dass Harrys Vertrauen in Dumbledore in seinem zweiten Schuljahr für Fawkes Erscheinen sorgte, so erklärte dies weder seinen Zauberstab und die damit verbundene Rettung auf dem Friedhof noch erklärt es, warum sie ihm heute in der Winkelgasse geholfen hatten.

Und überhaupt, woher kam ein Phoenix? Sind sie wirklich vollkommen unsterblich oder leben sie lediglich aussergewöhnlich lange und dieses Aufsteigen aus der Asche und das vorherige Verbrennen dient mehr einer Erneuerung?

All diese Fragen gingen ihm durch den Kopf, als er in seinem Zimmer an seinem Schreibtisch sass und vergessen auf die Strasse starrte. Erst als das ihm inzwischen vertraute unterdrückte Geräusch einer Stichflamme hinter ihm gleich zweimal ertönte drehte er sich um. Zu seiner Überraschung erkannte er einen der Ankömmlinge sofort, hatte er doch gerade im letzten Jahr viel Zeit in Gegenwart seines ehemaligen Herrn verbracht.

„Kompanion, Harry, oder auch Partner; nicht Herr. Ein Phoenix gehört niemandem, hört auf niemandes Befehle und entscheidet jede seiner Aktionen ganz für sich alleine."

Dumbledores Stimme, wie aus dem Nichts in seinem Kopf erschienen, bescherte Harry den vermutlich verstörendsten Augenblick seines Lebens. Er fiel vor Schreck vom Stuhl und starrte mit offenem Mund den zweiten Phoenix an, der ihn mit bohrendem Blick und doch seltsam funkelnden Augen taxierte.


AN:

Die Kapitel werden kurz bleiben, Sorry Leute. Ausnahmen bestätigen da natürlich die Regel, aber mir sind kurze Kapitel einfach lieber.

Zum Pairing sage ich nur eins: Harry/Hermine war seit Band 4 ausgeschlossen, zum Glück ehrlich gesagt.

Was ich ändern werde, oder genauer gesagt schlicht weglassen, sind die Horcruxe. Mir missfällt die Idee die JKR da ins Spiel gebracht hat einfach extrem. Ansonsten werde ich mich an die Bücher 1 bis 6 halten, inclusive Snape. Die Stunden mit Dumbledore haben statt gefunden, der Professor hat Harry über Toms Laufbahn erzählt, doch in meiner Version ohne die Seelenteile. Es geht wirklich nur um „Kenne deinen Feind".

Zum Thema „Super Harry": Das ist er schon, das muss man gar nicht mehr forcieren.