Dumbledores Stimme, wie aus dem Nichts in seinem Kopf erschienen, bescherte Harry den vermutlich verstörendsten Augenblick seines Lebens. Er fiel vor Schreck vom Stuhl und starrte mit offenem Mund den zweiten Phoenix an, der ihn mit bohrendem Blick und doch seltsam funkelnden Augen taxierte.
Er sass im Sessel und starrte ins Feuer. Es gab für ihn viel zu überlegen und nichts davon erschien ihm angenehm.
The one with the power to vanquish the Dark Lord approaches...
Seit er diese Worte das erste Mal hörte, hatte er Hoffnung. Er wollte es glauben, er musste es glauben. Das es jemanden geben könnte der mächtiger sein würde als Der-Dessen-Name-Nicht-Genannt-Werden-Darf. Das es jemanden geben WIRD der mächtiger ist. Doch niemand hätte ihn davon überzeugen können, dass es ausgerechnet POTTER sein würde.
Noch immer verzweifelte er an Dumbledores Worten von vor so vielen Jahren. „Es kommen zwei Zaubererjungen in Frage." So ein harmloser Satz und so eine schreckliche Bedeutung. Das Ergebnis, es ist nur einer, war noch schwerer zu begreifen. Und doch gibt es keinen Zweifel; Harry James Potter, Sohn von James und Lily Potter, ist Der-Junge-Der-Lebt. Er ist der einzige lebende Zauberer der die Begegnung mit dem dunklen Lord überlebte, obwohl Du-Weisst-Schon-Wer alles daran setzte genau das zu verhindern. Und nicht nur einmal, nein, er hat es gleich sieben mal geschaft mit seinem Leben zu entkommen.
Einmal rettet ihn das Opfer seiner Mutter. Einmal verhilft ihm purer Zufall und eine unverschämte Göre zur Rettung. Einmal war sein Gegner zu schwach und abgelenkt um wirklich etwas zu bewerkstelligen. Beim nächsten mal half ihm ohne Zweifel noch immer Lily Potters Opfer, doch er hatte den Mut und die Geistesgegenwart seine einzige Chance zu nutzen. Sein vierter Erfolg schliesslich hätte klar machen sollen, dass man Harry Potter nicht unterschätzen sollte. Welcher Junge von nichtmal 13 Jahren gewinnt schon einen Kampf gegen einen 1000jährigen Basilisk und rettet dabei auch noch ein kleines Mädchen.
Der nächste Kampf jedoch war für den Mann im Sessel der wirklich entscheidende Moment. Der gefürchteste Zauberer seit Jahrhunderten hat einen Körper und ist umgeben von seinen Untergebenen und doch verliert er de facto in einem magischen Duell gegen einen 14 jährigen Teenager, nicht einmal sein Imperiusfluch war stark genug den Willen dieses Jungen zu brechen. Und obwohl Potter ohne Zweifel durch die wohl schlimmste Folter die Zauberer erfunden haben geschwächt war entkam er zurück in die Sicherheit Hogwarts, zurück zu dem bis vor wenigen Wochen einzigen Zauberer, der ihm helfen konnte sich für Tom Riddle zu wapnen.
Dann war da natürlich noch die Begegnung im Ministerium, um die Aufzählung zu komplettieren. Doch das Eingreifen Dumbledores verhinderte ein wirkliches Kräftemessen.
Man könnte vielleicht die letzte Begegnung zwischen den beiden in der Winkelgasse noch hinzu zählen, doch es war offensichtlich das der dunkle Lord dort gar nicht versucht hat Potter zu töten.
Doch was auch immer in Voldemorts Gedanken vorging, während er selbst bereits beim Denken des Namens zusammen zuckte, eins stand fest: The one with the power to vanquish the Dark Lord würde alles unternehmen um auch ihn zu töten. Und Severus Snape war sich seit dem Autauchen der magischen Vögel in der Winkelgasse keineswegs mehr sicher, dass Potter wirklich nur der Sohn eines Schlammbluts und eines Verrückten war. Die magische Bevölkerung mag es nicht bemerkt haben und nach allem was ihm seine Quellen verrieten war es nichtmal dem Dunklen Lord oder dem Ministerium klar, doch ein Phoenix hilft einem Zauberer nur unter sehr bestimmten Bedingungen.
Und diese Bedingungen sorgten für etwas, das Snape nicht mehr kannte. Er bekam Angst, Angst vor einem 17 Jahre jungen Zauberer der es bisher nicht einmal geschafft hatte seinen Schulabschluss zu machen. Doch dieser junge Zauberer hatte etwas an sich dass einen Phoenix dazu brachte sich ihm anzuschliessen. Denn das ist die offensichtlichste Bedeutung dieser Zusammenkunft der Vögel um einen Menschen zu retten: Einer der Ihren wird ihn bis zu seinem Tod begleiten.
So wie Fawkes es für Dumbledore tat wird Harry Potter ab sofort, oder genauer sobald er selbst es begriffen hat, einen unsterblichen Beschützer haben, der nur darauf wartet zur Hilfe gerufen zu werden. Und sei es nur, um an Orte vorzudringen, die durch Apparieren allein nicht zu erreichen sind, so wie Dumbledore es mit Fawkes in Hogwarts tat, wann immer ihn die Schutzbanne über ein Problem informierten. Einen Phoenix als Transportmittel zu nutzen werden viele vielleicht als unmoralisch betrachten, doch wie der Schulleiter ihm einmal erklärte, ein Phoenix hat mit dem Eingehen des Bundes bereits mitgeteilt, auf die Fähigkeit seines Partners zu vertrauen, ihn nicht zu missbrauchen. Selbst kleine und grössere Streiche waren dann nicht unter der Würde eines Phoenix. Kann man dem verrückten alten Mann Glauben schenken genossen die magischen Tiere es sogar.
Doch die Bedingungen für diesen Vertrauensvorschuss seitens des Feuervogel waren es, die dem Zaubertrankmeister Sorgen bereiteten, wenn er an sein eigenes Überleben dachte; Neben dem Charakter und der Willenstärke die es bedarf diesen Bund zu überstehen, bezieht der Phoenix etwas in seine Bedingungen ein, dessen Grund nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist: Das magische und geschichtliche Potential des Zauberers. Über die historische Bedeutung des einzigen Zauberers der Avada Kedavra überlebt hat braucht man nicht zu diskutieren, doch die magischen Fähigkeiten Potters hatte Snape bis zu der Entscheidung der Phoenixe als durchschnittlich bewertet.
Das hiess nun nicht er hätte sich geirrt, zumal er dies nichtmal vor sich selbst jemals zugeben würde. Es hiess nur, dass der Phoenix der mit Harry Potter einen Bund eingehen wird, womöglich jetzt gerade in diesem Augenblick, in seinem Kompanion einen Zauberer mit grundsätzlich guten Absichten sieht, der magisch zu den obersten 2 der zaubernden Bevölkerung der Welt gehören wird. Und daraus ergibt sich eine Konsequenz, die Snapes Hoffnung steigerte, gleichwohl sie aus seiner Weigerung entstand einen möglichen Fehler einzugestehen.
Denn wenn Harry Potter derzeit nicht zu diesen magisch so mächtigen Zauberern gehört, wovon Snape überzeugt war, dann würde er es im Laufe seines Lebens werden. Die Entwicklung eines Zauberers besteht immer aus einer Steigerung seiner Macht, meistens durch Hinzugewinnung von Erfahrung und damit besserer Nutzung seiner Möglichkeiten, manchmal so wie bei dem dunklen Lord durch magische dunkle Rituale. Und wenn Potter noch nicht zu den mächtigsten gehört, doch durch langes Leben diese Macht erhalten wird, bedeutet dies gleichzeitig, dass Harry Potter Lord Voldemort besiegen wird. Denn nur so bekäme er die Gelegenheit zu einem langen Leben.
Und dieses Endergebnis, der endgültige Tod des letzten Erben von Salazar Slytherin war es, das Snape Hoffnung machte. Hoffnung auf einen Zeitpunkt an dem er nie wieder so wie jetzt gerade schmerz verzehrt zusammen zucken würde weil sein Meister ihn zu sich bittet.
AN:
Snape... das Reizthema schlecht hin wenn man Fan von Harry Potter ist. Er gehört zu den letzten Rätseln die JKR erst im bald erscheindenden letzten Buch lösen wird, seitdem die mögliche Beziehung Harry/Hermine zum Glück als Unsinn entlarvt wurde.
Ich halte es da etwas einfacher, wenn ich zu Frage über Snapes Loyalität auch nicht wirklich etwas Neues beitrage wie man mit etwas Nachdenken schnell selbst merkt.
Das nächste Update kommt wenn es fertig ist :)
Ich bevorzuge aus sprachlichen Gründen die englische Originalfassung der Prophezeihung wie man hier mal wieder bemerken durfte. Die Deutsche erzeugt nämlich leider ein Ergebnis das im Original gar nicht so offensichtlich ist, weshalb ich das umgehe.
