Und dieses Endergebnis, der endgültige Tod des letzten Erben von Salazar Slytherin war es, das Snape Hoffnung machte. Hoffnung auf einen Zeitpunkt an dem er nie wieder so wie jetzt gerade schmerz verzehrt zusammen zucken würde weil sein Meister ihn zu sich bittet.
--
Harry ging den Weg zu Hogwarts entlang, als wäre er der Herr der Welt. Er fühlte sich gut, so gut wie seit langer Zeit nicht mehr. Genauer seit dem Augenblick als Sirius durch den Vorhang fiel. Harrys derzeitige Stimmung jedoch überbot sogar den Augenblick als er Ginny das erste Mal küsste. Er konnte es nicht erklären, aber er könnte schwören, würde er jetzt einen Patronus rufen, das magische Wesen könnte einen Dementor nicht nur vertreiben sondern sogar verletzen, womöglich gar vernichten. Nicht dass er das wollte, aber so fühlte er sich einfach.
Er bemerkte nicht, wie ihn viele Paar Augen verfolgten, als er auf das Tor zuschritt. Es waren neugierige Augen. Doch diese Neugier entstammte nicht dem üblichen Der-Junge-Der-Lebt-Getue, diese Neugier entstammte etwas anderem. Etwas, das Filius Flitwick wohl so ausdrücken würde: Dumbledore mag früher derjenige gewesen sein, vor dem sich Du-Weisst-Schon-Wer fürchtete, doch das traf schon lange nicht mehr zu.
Die Augen wussten sehr genau wozu der junge Mann der dabei war sie zu besuchen fähig war. Nicht sein Wissen, das war bestenfalls durchschnittlich, sondern sein Willen. Nicht aufgeben. Was auch immer passiert, er würde nie aufgeben. Sie konnten nicht anders als diesen Wesenszug mit ihrem gestorbenen Schulleiter zu vergleichen. Doch während Dumbledore dabei immer mit seinen Augen funkelte und nur in höchster Not seine wahre Macht aus seiner Kontrolle liess, so war Harry Potter ohne Zweifel ein Mann dem man schon an den harten Augen ansah, dass man ihm besser aus dem Weg gehen sollte.
Doch gerade diese Augen waren es, die nicht dem Bild entsprachen welches Harry die letzten Tage in der Zaubererwelt gezeigt hatte. Statt hart umher zu blicken taten sie etwas, was einem Grossteil der Lehrerschaft mehr fehlte als die Person selbst: Sie funkelten das Dumbledorefunkeln. Gerade so, als wäre der mächtigste Zauberer seiner Zeit in diesem jungen Mann wieder geboren worden und seine Augen sollten aller Welt beweisen dass er noch lebte.
Doch Albus Dumbledore war tot, getötet durch Avada Kedavra von Severus Snape. Allerdings, etwas hatte überlebt. Und damit ist nun nicht das Dumbledorefunkeln gemeint. Nein, Dumbledores Macht hatte, auf seltsame Art, überlebt. Harry musste noch immer an das seltsamste Gespräch zurückdenken dass er jemals hatte. Kurz, nachdem Fawkes und dieser seltsame neue Phoenix aufgetaucht waren.
Dumbledores Stimme, wie aus dem Nichts in seinem Kopf erschienen, bescherte Harry den vermutlich verstörendsten Augenblick seines Lebens. Er fiel vor Schreck vom Stuhl und starrte mit offenem Mund den zweiten Phoenix an, der ihn mit bohrendem Blick und doch seltsam funkelnden Augen taxierte.
„Ja, Harry, ich bin es." Der zweite Phoenix öffnete den Schnabel, er sprach offensichtlich, und doch nahm Harry es nicht als Worte war. Es war mehr wie ein Wissen. Ein Fühlen.
„Du hast dich gefragt, warum dein Leben so sehr mit einem Phoenix verknüpft ist. Die Antwort, Harry, ist überaus kompliziert und dennoch sehr einfach.
In jeder Generation wird ein Phoenix-Kompanion geboren, Harry. Ein grundsätzlich guter Mensch, nicht zwangsläufig ein Zauberer oder eine Hexe, auch wenn die betroffenen Muggel erst nach ihrem Tod von ihrem Glück erfahren. Der Mensch wird von der Dunkelheit berührt werden und letztlich über sich selbst triumphieren.
Nein, Harry, hier geht es nicht um deinen jetzigen Kampf gegen Lord Voldemord sondern um etwas viel wichtigeres. Du hast dich in deinem ersten Schuljahr geweigert, Tom zu helfen, obwohl er dir versprach, fälschlich wie du heute weisst, deine Eltern zurück zu bringen. Du hast in deinem zweiten Schuljahr trotz aller Widrigkeiten ein unschuldiges Leben gerettet, obwohl niemand dir einen Vorwurf hätte machen können, wärst du nicht in die Kammer des Schreckens gegangen. Du hast später Sirius und Remus daran gehindert, Peter zu töten. Du hast einem Gegner im Trimagischen Turnier einen Tipp gegeben, weil du für dich entschieden hattest, es sei 'das richtige'.
Ein Phoenixkompanion wird geboren, doch seine Entscheidungen später machen ihn erst zu dem was er ist. Der Zauberstab diente Fawkes als Test, die Blendung des Basilisken als Ausgleich in einem überaus ungleichen Kampf, die Rettung deines Lebens als Belohnung. Was heute geschah, das Erscheinen der magischen Vögel um dir beizustehen, war das Zeichen an die magische Bevölkerung, das mein Nachfolger gefunden wurde.
Dir wird bis an dein Lebensende ein Phoenix zur Seite stehen."
Dumbledore schlug mit den Flügeln, als Harry hoffnungsvoll aufblickte.
„Nein, Harry, nicht ich. Der gestorbene Phoenixpartner bekommt die Möglichkeit, seinem Nachfolger alles zu erklären, doch er wird nicht dessen Begleiter. Wenn dieses Gespräch beendet ist, werde ich die Fähigkeit zu dieser seltsamen direkten Art der Kommunikation verlieren. Und ich werde verbrennen. Gemeinsam mit Fawkes hier. Doch nur ein Phoenix wird wieder geboren. Nur einer. Aus zwei wird eins. Doch ich selbst bin ja ohnehin nur 'Zugabe', so dass die Zahl sich nicht ändern wird. Sie ist so seit Anbeginn der Magie und wird so sein wenn sich niemand mehr an Zauberer und Hexen erinnern wird.
Dein neuer Freund wird dir zur Seite stehen wie Fawkes mir. Er wird dir etwas geben das mir in vielen Duellen das Leben rettete: Die Sicherheit im Recht zu sein. Denn dafür kämpfen wir, Harry, für das Recht. Nicht das Recht des Ministeriums, das Recht des Stärkeren oder das Recht der Natur, sondern für das Recht, dass jedem Bösen immer auch etwas Gutes entgegen stehen sollte.
Du, Harry, wirst dieses Gute sein.
Bevor wir nun gehen um deinem Helfer zum Leben zu verhelfen noch eine Bitte: Sag meinem Bruder, dass es mir leid tut. Er wird dich, so hoffe ich, verstehen. Und vielleicht erklärt er dir auch, was ich meine. Leb wohl Harry. Ich wusste immer, dass Du es schaffen kannst. Jetzt weiss ich, dass du es schaffen wirst!!"
Und mit einer blendend hellen Stichflamme lösten sich die magischen Tiere auf und rieselten als schwarze Asche zu Boden. Doch kaum war der kleine Ascheberg über die normale, Harry von Fawkes bekannte, Grösse gewachsen, bewegte sie sich. Und Harry erinnerte sich unvermittelt an das Märchen des hässlichen Entleins. Er wusste was da vor ihm war. Er wusste wie wunderschön ein Phoenix war. Doch das, was da gerade ungelenkig herum tappste war einfach nur ein frisch geschlüpftes, nacktes Kücken.
Und doch fühlte er in diesem Augenblick, was Dumbledore gemeint hatte. Und auch wenn er sich nicht sicher war, ob er gewinnen könnte. Über eines war er sich sicher: Er würde es Tom Riddle schwer machen. Sehr schwer. Nicht aus Rache. Sondern einfach weil er im Recht war.
ANM:
Wie ich schon sagte, ich werde die Horcruxe ignorieren. Und für jene von euch, die Band 7 gelesen haben, auch den Hauptbestandteil daraus, oder wohl eher im Plural die drei Hauptbestandteile, werde ich weglassen. Auch wenn mir persönlich Band 7 am besten gefallen hat.
