„Inzwischen haben sie hier das Sagen Reynolds, also möglichst nichts in die Luft jagen, keine seltsamen Pflanzen einschleppen und ein wachsames Auge auf Felger werfen, wir wollen doch keine intergalaktische Katastrophe, oder? Ach ja vergessen, der Schreibtisch bräuchte abarbeiten", instruierte er den jüngeren Mann mit ernsthafter Miene bis sich schließlich ein ironisches Grinsen in seinem Gesicht ausbreitete und er dem leicht verdutzten Mann auf die Schulter klopfte.

„Hey, kleiner Scherz, Reynolds! Nur ein Scherz!"

„Ja General, das will ich doch sehr hoffen." Der jüngere Mann rollte mit seinen Augen, wusste man doch bei O`Neill niemals, ob er es erst meinte oder nur seine derben Späße trieb.

„Dann will ich die Kids mal nicht warten lassen." Jack erhob sich widerwillig und bot Colonel Reynolds seinen heiß geliebten Ledersessel an. „Keine Füße am Tisch!"

„Ach und falls die Tok´ra vorbeikommen, erst schießen, dann fragen!

Viel Spaß Colonel", spottete er lauthals und verschwand in Richtung Konferenzraum.

Beide SG Teams saßen erwartungsfroh um den Tisch versammelt als Jack sie endlich mit seiner Anwesenheit beehrte und er zu seiner Überraschung feststellen musste, das diese furchtbare Angewohnheit des nervösen Kulitappens auf dem Tisch scheinbar doch teamübergreifend war und SG 13 schien im Falle eines Wettbewerbs eindeutig bessere Chancen auf den Sieg zu haben, etwas dass zu seiner Zeit völlig undenkbar gewesen wäre. Er war unschlagbar in dieser Disziplin und ein Funken Wehmut erfasste ihn. Die Stimmung war ausgelassen und es herrschte rege Konversation am Tisch. Einzig und allein Carters offensichtliche Anzeichen von nächtlicher Schlaflosigkeit in Form von dunkleren Rändern um ihre sonst so atemberaubenden blau-grauen Augen gefielen ihm rein gar nicht. Darüber würde er mit Daniel wohl noch sprechen müssen.

Es war nun Sam´s Aufgabe auch SG 13 in Kenntnis zu setzen, was der ganze Aufstand sollte, der da um eine halbwüchsige Keltenfürstin veranstaltet wurde und Colonel Dixon seinen Kurztrip nach Vegas gekostet hatte.

Sam´s illustrer Beschreibung zufolge hatte sie sich zusammen mit Daniel ganze drei Tage an der exzentrischen jungen Frau die Zähne ausgebissen, als diese vehement auf der Tatsache bestand, sie verhandle nicht mit kleinen Untergebenen, sondern nur mit dem Anführer höchstpersönlich. Sam´s Geduld war schließlich an ihre Grenzen geraten und selbst Daniel, der normalerweise in jeglicher Situation mit beneidenswertem Verhandlungsgeschick und schier endloser Geduld glänzte, war mit seinem Latein am Ende und so blieb schlussendlich nur die Kapitulation. Trinium war noch immer selten zu finden und schwer abzubauen, aber auf Epona existierten bereits gut laufende Minen mit reichen Vorkommen und Fürstin Taria war zumindest prinzipiell gewillt zu handeln, aber eben nur mit Jack, dem großen Führer, wie sie mit Nachdruck zu sagen pflegte. Sam war gezwungen einzulenken, schon allein weil es der gnädigen Fürstin von Anfang an missfallen hatte, ausgerechnet mit einer Frau verhandeln zu müssen und es wurde gleich zu Beginn unmissverständlich erklärt, dass Frauen auf Epona zwar sehr geschätzt waren, aber dennoch Kleider zu tragen hatten und dass eine Frau als Soldatin mit Waffe im Arm ebenso wenig gern gesehen war, wie die Männerkleidung, die sie dabei trug. Nun ja, Sam beharrte auf Toleranz gegenüber den Unterschieden zur Erde und Taria hatte zumindest diesen Punkt am Ende zähneknirschend hingenommen.

„Der Stand dieser Menschen entspricht etwa dem der Kelten im Jahre 300 bis 400 vor Christi, ausgenommen natürlich von den uns bisher weitestgehend unbekannten Einflüssen der letzten Jahrhunderte auf Epona. Das Dorf und seine Häuser sind typisch für keltischstämmige Ansiedlungen dieser Zeit. Das ganze entspricht aber nach unserm Ermessen eher der Größe einer Kleinstadt und wird perfekt abgerundet von der Festung unsrer überaus geschätzten Fürstin. Ihrer Abstammung nach könnten sie Nachfahren der Helvetier oder Vindeliker sein, keltische Stämme die in Mitteleuropa beheimatet waren.

Fakt ist, wir sollten Taria nicht aufgrund ihres Alters unterschätzen. Es mag zwar nicht geläufig sein, dass eine Frau dort die Macht inne hält, aber die Menschen auf Epona scheinen sie aus irgendeinem Grund zu verehren. Diese junge Dame weiß sehr genau, was sie will und wie sie es durchsetzen kann", erklärte Daniel nachdrücklich, als er im Kopf alle Details der ernüchternden Gespräche noch einmal Revue passieren ließ. „Sie ist stur und extrem von sich eingenommen, also alles, was auch auf dich zutrifft Jack. Ihr solltet euch also bestens verstehen."

„Warum hast du ihr nicht einfach schöne Augen gemacht, Danny? Das funktioniert doch sonst auch immer?", warf Jack schmunzelnd ein und alle starrten ihn an mit einem Mix aus Entsetzen und Ungläubigkeit.

„WAS? Ist doch wahr", verteidigte er sich vehement.

„Jack, diese Frau will dich! Frag mich nicht warum, aber es ist so."

„Aber sicher will sie das Danny, wie sollte es anders sein. Hat dein jugendlicher Charme diesmal also tatsächlich versagt? Wie alt, sagtest du noch mal, ist die Dame?"

„Jack!"

„Daniel?"

„Jaaack."

„Verdammt."

„Antwort, Danny, oder bin ICH nicht hier der General? Du weißt schon der Boss, il Capo, el Jefe, der Obergringo eben!" Er lehnte sich demonstrativ zurück in seinen Stuhl und schien sich köstlich über die sich bei Daniel tief formierenden Stirnfalten zu amüsieren.

„Etwa 28 Erdjahre, Jack! Willst du noch mehr wissen? Größe, Gewicht, Vorlieben … ?"

„Nur zu Daniel, wenn ich diesmal schon deinen Job erledigen soll, muss ich mich doch wenigstens gebührend darauf vorbereiten."

Das Geplänkel der beiden Männer trug scheinbar maßgeblich zur allgemeinen Belustigung der am Tisch versammelten bei und rief ausnahmslos Gelächter unter den Mitgliedern von SG13 hervor.

„Das kann ja amüsant werden", flüsterte Colonel Dixon seinem jungen Kollegen Simon Wells zu, als der krampfhaft, aber mit wenig Erfolg versuchte sich das Lachen zu verkneifen. „Ja, ich wette Colonel Carter wird ihm diesen Zahn schon ziehen", spottete Bosworth. Als der aber den auf ihn gerichteten grimmigen Blick von Teal´c witterte, bemühte er sich sofort wieder um den notwendigen Ernst.

„Wie dem auch sei, ich würde dann sehr gern wieder zum eigentlichen Thema kommen", warf Sam sichtlich genervt ein. Von dem chauvinistischen Getue, dass Männer anscheinend regelmäßig nötig zu haben schienen, um ihr angeknackstes Ego aufzupolieren, hatte sie nun vorerst genug.

„Nun Carter, wie soll ich die junge Dame denn jetzt beeindrucken? Mit meinem unendlichen, unwiderstehlichen Charme oder meiner grenzenlosen Professionalität?"

Er zog sich zurück an den Tisch, legte bedächtig seine Hände darauf und verschlang provokativ seine Finger ineinander.

"Carter?"

„Nun Sir", sie suchte nach Worten und neigte ihren Kopf, als sich ihre Augen trafen, „da sich letzteres in den vergangenen Minuten scheinbar restlos in Luft aufgelöst hat, müssen sie sich wohl auf ersteres verlassen."

„Danke Carter!" Seine Augenbrauen hoben sich blitzartig in Schwindel erregende Höhen und er wusste, sie war in vollem Angriffsmodus. Nach gestern Abend hätte ihm eigentlich klar sein müssen, dass er sich solche Spielchen nicht noch einmal leisten konnte, aber sein loses Mundwerk war einfach nicht zu bändigen.

„Sind wir heut mit dem falschen Fuß aufgestanden Colonel oder hat sie Daniel schon am frühen Morgen mit den endlosen Geschichten um seine Steinchen traktiert?"

„Sir, wir müssen in einer knappen Stunde aufbrechen und ich befürchte, das wird kein Spaziergang. Vielleicht haben Sie nach all der Zeit auf ihrem hübschen Bürostuhl vergessen, wie es da draußen zugeht, aber ich hatte definitiv mehr als genug solchen Bullshit in den letzten Wochen und wenn sie erlauben, würde das hier nur all zu gern zügig hinter mich bringen." Ihre finsteren Augen fanden die seinen und signalisierten das endgültige Ende seiner humoristischen Eskapaden. Er wusste genau, wann es besser war nicht weiter zu argumentieren.

„Okay Carter, dann würde ich vorschlagen, wir gehen es an. Falls es noch Fragen gibt, wenden sie sich vertrauensvoll an unsren pflichtbewussten Colonel hier. Sie haben das Kommando Carter, ich kümmere mich um die Verhandlungen und die Verantwortung für diese Mission liegt bei ihnen."

Er hatte den Wink also verstanden und er war ihre Regelkonformität gewohnt, auch wenn die ihm in jeder Hinsicht momentan den letzten Nerv raubte.

„Um 0830 am Tor! Wegtreten!" Jack´s Benehmen war plötzlich übertrieben förmlich und für ihn absolut untypisch. Auch SG 13 hatte den abrupten Stimmungswandel sofort vernommen und blieb bis auf ein verhaltenes simultanes „Jawohl Sir" vorsichtshalber still. Jeder hier wusste, dass es nun besser war, den Mund zu halten und schleunigst das Weite zu suchen. Der Gemütszustand ihrer weiblichen Kollegin unterlag bekanntermaßen seit geraumer Zeit starken Schwankungen und auch O`Neill´s Laune war seit ihrer Ankündigung, diesen Cop aus Denver tatsächlich heiraten zu wollen am absoluten Tiefpunkt angelangt und man kam zur stillen Übereinkunft, lieber in Deckung zu bleiben und das Schlachtfeld zu meiden. Es blieb nur noch auf eine nicht zu erwartende Besserung zu hoffen oder die nächsten Tage würden wohl zum ausgesprochenen Drahtseilakt ausarten.

„Chevron fünf aktiviert", ertönte Sergant Harriman´s unverkennbare Stimme über den Lautsprecher im Torraum, als Colonel Dixon sich demonstrativ neben Colonel Carter und Teal´c am Fuße der Rampe platzierte, während der Rest seines Teams im Hintergrund lungerte. Er richtete sich selbstsicher auf und riskierte einen neugierigen Blick zu der Frau neben ihm. Eines musste man ihr wirklich lassen. Sie war immer wieder eine imposante Erscheinung und eine Augenweide zugleich, wenn sie ihre P 90 würdevoll unter ihren Arm schob und ihr Cappy auf dem Kopf zurechtrückte. Er wusste, es gab im SGC mindestens zwei dutzend Männer, die ihren rechten Arm für ein Date mit ihr geben würden und mindestens ein weiteres Dutzend, dass auch noch den linken hinhalten würde. Automatisch erfasste ihn ein Gefühl von Respekt und Bewunderung, das unaufhaltsam durch seine Knochen drang. Sie hatte sich in all den Jahren zweifellos einen legendären Ruf erarbeitet: Sie war schön, brilliant, stahlhart und unnahbar. Die schwarze Witwe hatte sie einst einer genannt, nachdem der Tod allen Männern, die ihr im Laufe der Jahre näher gekommen waren, wie ein schwarzer Schatten zu folgen schien.

„Chevron sechs aktiviert!"

Daniel rumpelte als nächster in den Torraum, offenbar voller Sorge, er wäre mal wieder der letzte, bemerkte aber nach einem kurzen Blick auf die Anwesenden, dass Jack ihm diesmal den Rang ablaufen würde.

„Chevron sieben aktiviert!"

Mit aller Wucht schoss der blaue Wirbel in den Torraum, zog sich danach mit dem gewohnt beeindruckenden Kawoosh in den Ereignishorizont zurück, um dann vor der bereits versammelten siebenköpfigen Gruppe erwartungsvoll zu schimmern.

Daniel schielte ungeduldig zur grauen Metalltür am Eingang des Torraumes und starrte sie an, als könne er sie mit Telepathie öffnen und einen muffeligen General dahinter zum Vorschein bringen.

„Wo zu Teufel bleibt Jack?"

Seine Frage kaum ausgesprochen, sah Daniel wie sich das Schiebetor öffnete und Jack stürmte in den Torraum wie ein frischer Herbststurm und es folgte abrupt ein simultanes „General" und „Sir".

„Hey Kiddoh´s, alle bereit?" Carter´s Augenbrauen schnellten in die Höhe, ein klares Indiz, dass sich die Stimmung auf ihrer Seite keineswegs gebessert hatte.

„Können wir gehen, Sir?"

„Na aber sicher doch, Colonel!" Er wendete sich noch einmal zum Kontrollraum und seine Augen erspähten Colonel Reynolds. „Sollte es irgendwelche Probleme geben Reynolds, wenden sie sich vertrauensvoll an Hammond!"

„Ja Sir! Viel Glück Sir", hörte er den pflichtbewussten Führer von SG3 durch den Lautsprecher sagen bevor die acht Teilnehmer im Ereignishorizont verschwanden und die Verbindung abbrach.

„Bäume, viele Bäume, was auch sonst", murmelte Jack mürrisch, als er sich umsah und als erstes den üppigen Baumbestand registrierte.

„Herzlich Willkommen Colonel Carter! Ich freue mich außerordentlich, dich so schnell wieder zusehen! Dr. Jackson, Teal´c."

Ein unbestritten gut aussehender junger Mann mit schwarzem lockigen Haar und stechend grünen Augen, der Jack´s Schätzungen zufolge höchstens zwanzig sein konnte, begrüßte die Gruppe überschwänglich, als sie die Steintreppen vor dem Tor verließen. Seine Augen leuchteten voller Bewunderung, als er die blonde Frau vor ihm anschmachtete und sie mit selbigen förmlich zu verschlingen schien. Zwei junge Männer, die mit Sicherheit nur unwesentlich älter waren, standen direkt hinter ihm.

„Nettes Empfangskomitee. Hat der Kindergarten Wandertag?", flüsterte Jack Carter zu, die ihre Augen verdrehte und ein gequältes „Sieht so aus Sir" herauswürgte.

„Die Freude ist ganz meinerseits, Davon!" Sam war freundlich, fast schon zu freundlich für ihren Geschmack, ob gleich ihr schon jetzt bei der Vorstellung graute, sich wieder stundenlang mit seiner anstrengenden Gebieterin herumschlagen zu müssen und bereitete sich mental auch gleich auf die Aufgabe vor, noch dazu Babysitter für einen im Moment ziemlich nervenaufreibenden General zu spielen, der ohne Zweifel der Meinung war, dies wäre ein Ausflug zu seiner Belustigung.

Es kam ihr vor, als hallten Jack´s Worte in ihrem Kopf und sie stellte mit Entsetzen fest, dass sie wohl einfach zuviel Zeit mit ihm verbracht hatte und das sein bisweilen an Respekt mangelndes Verhalten schlussendlich doch noch auf sie abgefärbt hatte.

„Und du musst General O`Neill sein", hörte sie Davon sagen, als sich dieser schließlich doch dem General zugewandt hatte. „Wir haben schon viel von dir gehört. Colonel Carter hat in den höchsten Tönen vom Anführer der Tau´ri gesprochen. Du musst sehr weise und mächtig sein."

„Weise? Mächtig? Hat sie das gesagt?", entgegnete Jack dem jungen Mann erstaunt, neigte seinen Kopf fragend zur Seite und kreuzte dabei den Blick seines sichtlich unangenehm berührten Colonels. „Wenn Carter das sagt, muss wohl was dran sein. Sie ist schließlich das Genie hier."

„Fürstin Taria brennt schon darauf dich endlich kennen zulernen. Wir werden zu Ehren unserer Gäste am Abend ein großes Fest geben", teilte Davon mit.

„Eine Party! Na wenn das nicht gut klingt, oder Colonel?"

„Sicher Sir!" antwortet sie spitzzüngig und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem jungen Mann, der an ihr zu kleben schien wie eine Biene am Honig.

„Wir haben Pferde für euch mitgebracht. Vor uns liegt noch ein anstrengender vier Stunden Ritt zum Dorf."

Daniel gesellte sich unterdessen zu Jack, während dieser nervös mit den Zügeln seines Pferdes kämpfte.

„Uhmm Jack? Ich wollte dich eigentlich bitten, mir die Chance zu geben, das Kellergewölbe unter der Festung und die dortigen Inschriften etwas näher anzusehen. Ich würde wirklich gern mehr erfahren über die genaue Herkunft dieser Menschen oder wie sie hier her gekommen sind. Und wenn du mich fragst…." Jack´s Hand schoss wie ein Pfeil in die Höhe und signalisierte Daniel damit, seine Erklärungen unverzüglich einzustellen.

„Ah ah, ich frage dich aber nicht", entgegnete er bissig und Daniel ergriff frustriert die Flucht. Mit Jack war momentan nicht zu reden und es erschien ihm einfacher, sein Glück bei Sam zu versuchen. Zumindest würde sie zuhören, etwas zu dem Jack absolut nicht fähig war, hatte er doch die Aufmerksamkeitsspanne eines Kleinkindes und alles was über die üblichen drei Wort Sätze hinausging war eine echte Herausforderung, zumindest war es das, was er allen immer weis machen wollte und Daniel hatte schon vor langer Zeit den Braten gerochen und erkannt, dass jene ausgekochte Taktik von Jack offenbar immer zum Ziel führte und man ihn in Frieden ließ.

Gut für Daniel, dass er prinzipiell die Begabung hatte, in Jack immer diesen „Großer Bruder, kleiner Bruder" Effekt auszulösen, wenn er schmollte und brachte Jack damit über die Jahre immer wieder dazu, Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun wollte.

„Ach verflucht", wetterte Jack und lief ihm nach, um ihn dann wie jedes Mal, kleinlaut um Verzeihung zu bitten, noch eine Gewohnheit, die er endlich ablegen sollte.

„Sorry Daniel, ehrlich!" Daniel´s Lächeln kehrte flugs zurück und er war froh, dass sich einige Dinge eben niemals ändern würden.

„Was war es, das du mir mitteilen wolltest?", fragte Jack kleinlaut.

Er schwieg einen Moment und zog in Erwägung, ihn noch etwas schmoren zu lassen, entschied sich aber doch dagegen. Man sollte sein Glück nie herausfordern und nun hatte er ihn schon mal da, wo er ihn haben wollte.

„Ich hatte vor dir mitzueilen, dass ich darauf tippe, dass es vermutlich mal wieder die Goa´uld waren, die diese Menschen hierher brachten, wenn man mal den Namen des Planeten zugrunde legt. Epona war eine Fruchtbarkeitsgöttin und die Göttermutter der Kelten. Vielleicht war es ein Goa´uld, der die Göttin Epona verkörperte? Frage wäre dann, wo ist er jetzt? Welcher Goa´uld lässt freiwillig solch ein enormes Triniumvorkommen einfach zurück und wenn ja warum? Ich nehme an, das dürfte auch für dich von Interesse sein.

"Guter Punkt Danny", gab er zähneknirschend zu.

"Jack, ich muss doch wirklich nicht unbedingt dabei sein bei diesem Fest, oder? Ich würde wirklich viel lieber … na ja du weißt schon, ein bisschen in alten Kellern schnüffeln. Und nach dem du ja nun meine bisherige Aufgabe hier übernimmst…!"

Daniel rückte seine Brille zurecht und versetzte Jack einen ordentlichen Schubs auf den Rücken, um dann ein breites Grinsen aufzusetzen. Er war Wachs in seinen Händen, wenn er ein schlechtes Gewissen hatte.

„Okay Danny, du kannst dich mit Teal´c im Keller verschanzen, Inschriften lesen und Steinchen zählen und ich bemühe mich derweil die Wünsche unsrer Fürstin zu erfüllen ….

Ah und Daniel, vielleicht solltest du auch bei Carter noch mal anfragen. Sie hat hier das Kommando und ich würde nur ungern…". Daniel verstand genau, dass er Sam nicht weiter verärgern wollte und nickte kurz als beide auch schon die Stimme besagter Frau vernahmen.

Sie hatte begonnen lauthals mit Befehlen um sich zu werfen und ließ dabei keinerlei Spielraum für Diskussionen irgendwelcher Art. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, dass sie ein bizarres Vergnügen darin zu finden schien, ihre männlichen Kollegen umherzuscheuchen wie persönliche Leibsklaven. Daniel gefiel nicht wirklich, was er da sah, denn ihr Verhalten in den letzten Monaten ähnelte zusehends dem von Jack, als er noch Chef von SG 1 war. Er hätte damit niemals Jacks Führungsqualitäten in Frage stellen wollen, aber die Abgebrühtheit und den Sarkasmus, den sie in letzter Zeit so bereitwillig an den Tag legte, stand ihr gar nicht.

„Colonel Dixon, sie kommen mit uns. Sergeant Wells, Balinsky und Bosworth, sie bleiben am Tor und halten Kontakt zum Stargate Center alle 12 Stunden! Schlagen sie irgendwo in der Nähe ein Lager auf, Funkkontakt mit uns alle 6 Stunden, ist das klar?"

Daniel sah die Blicke, die unauffällig zwischen den drei zurückbleibenden Mitgliedern von SG 13 ausgetauscht wurden, bevor ein verhaltenes, schon fast eingeschüchtert wirkendes „Ja Ma´am" deren gemeinsames Schicksal besiegelte und die drei Männer dazu verdammte, die erhoffte Seifenoper zwischen O`Neill und seinem 2IC zu verpassen.

„Und ich hatte mich schon so gefreut…", hörte Daniel Balinsky zu seinem Kollegen Bosworth sagen.

„Wem sagst du das Cameron", kam als prompte Antwort. „Immer hat Dixon den ganzen Spaß. Das ist so unfair."

Beide Offiziere sahen Sam noch einmal frustriert nach, als diese sich athletisch und mit militärischer Würde auf den schwarzen Hengst schwang, den Davon für sie vorgesehen hatte.

Selbst Jack war sichtlich erstaunt und er hoffte inständig, dass die Aufgabe eines Kommandeurs nicht irgendwann das aus ihr machen würde, was nach all den Jahren Militär und verdeckten Operationen aus ihm geworden war. Sie war schon seit er sie kannte eine Ausnahmesoldatin, war stahlhart, wenn es nötig war und egal, welche Aufgabe man ihr anvertraute, man konnte zu hundert Prozent sicher sein, dass sie es mit Präzision und Erfolg ausführte. Aber es war definitiv nicht mehr dieselbe Samantha Carter, die ihn damals zum Armdrücken herausgefordert hatte. Sie war gewachsen, mental und im Kampf, aber ihre reine weiße Seele hatte schwarze Flecken bekommen mit jedem Leben, dass sie beendete und jedem Menschen, den sie verloren hatte in diesen nun schon fast acht Jahre andauernden Krieg. Für ihn war es längst schon zu spät, aber sie sollte nicht eines Tages als eine dieser verbitterten gebrochenen Soldaten enden, von denen er schon viel zu viele gesehen hatte und zu denen er sich gewissermaßen auch selbst zählte.

Sie bemerkte seinen fragenden Blick und zuckte mit den Schultern, bis sich ein vorsichtiges Lächeln formierte, als sie zu ihm herabsah. Ihm war klar, sie würde nicht akzeptieren, dass er ihre Vorgehensweise oder gar ihre Befehle in Frage stellte, also beließ er es dabei und erwiderte ihr verhaltenes Lächeln.

Aber nichts daran war wirklich ehrlich. Zu genau kannte er das Muster. Er entdeckte dieses Lächeln immer häufiger bei ihr und immer in Kombination mit dem Versuch, krampfhaft die Fassade der unantastbaren Colonel Carter, der nichts und niemand zu nahe kommen konnte, unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Ihre Augen hatten den Glanz des Anfangs längst verloren, jenen Glanz, den er damals in dem jungen Captain gefunden hatte und der ihn vom ersten Augenblick an fasziniert hatte.

Das Lächeln, das keines war starb fluchtartig auf ihren Lippen und ihr Blick senkte sich zu Boden, als hätte sie in seinen Gesicht lesen können, dass er sie so leicht durchschaut hatte. Sie verschloss ihre Augen und sammelte sich und er wusste, was dann kam. Sie war wieder da! Miss Kick-Ass Soldier in Reinform!

„Wenn wir dann endlich alle soweit sind, würde ich gern starten", erklärte Sam mit schroffem Ton, sah sich dann kurz um und nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass endlich alle aufgestiegen und zum Abmarsch bereit waren.

Der Ritt nach Mogon, dem größten Dorf Epona´s und Sitz von Taria´s Festung verlief ohne größere Vorkommnisse, was Jack jedoch nicht davon abhielt, sich unaufhörlich über seinen Rücken, seine angeschlagenen Knie, die Bäume und überhaupt alles zu beschweren. Daniel befand, er benehme sich Zunehmens wie eine alternde Diva, was Jack wiederum dazu veranlasste Daniel regelmäßig mit bösen Blicken zu belohnen.

Teal´c bewunderte unterdessen Sam´s Geduld mit den zwei Streithähnen und hatte schon seit längerem damit gerechnet, dass sie womöglich doch ihre Zat auspacken würde, um beide, für die Aussicht auf ein paar friedliche Minuten, ins Land der Träume zu befördern.

Etwa gut zwei Stunden und gefühlten vier ausgedehnten Mischwäldern später gab sich Sam geschlagen und gewährte ihrem nörgelnden CO ein paar Minuten Pause, nachdem dieser jedem einzelnen sein Leid geklagt hatte über die Dringlichkeit seiner körperlichen Bedürfnisse. Sam beschloss am Ufer eines kleinen Waldsees rast zu machen, um allen die Möglichkeit zu geben, die Beine zu vertreten und die Pferde zu tränken.

Ein paar Meter laufen würden auch ihr mehr als gut tun. Sie wollte nichts sehnlicher als allein sein, die Einsamkeit genießen, wenn auch nur für ein paar Minuten und verließ die Gruppe unter dem Vorwand, dem Ruf ihrer eignen Blase zu folgen.

Sie fand eine faszinierende alte Eiche am andren Ufer des See´s, deren Stamm mindestens zehn Meter dick sein musste und sie strich ihre Fingerkuppen vorsichtig über die tiefe Maserung der Rinde. Was hatte dieser Baum wohl schon alles gesehen über die Jahrhunderte und sie wunderte sich wie viele Menschen schon unter der weiten Krone Schutz und Halt gesucht hatten. Sie ließ sich vorsichtig am Stamm hinab gleiten bis ihr Rücken die groben Konturen des Holzes spürte und sich ihr Kopf sachte an den Stamm lehnte. Ein warmes Gefühl von Geborgenheit schwemmte über ihre schmerzende Muskulatur. Sam zog ihre Knie zu sich und schloss schließlich erschöpft ihre Augen. Nur ein paar Minuten Sam, dachte sie, tief ein und ausatmend und dem leisen Gesang der Vögel lauschend. Nur ein paar Minuten….

„Sam? Sam, wo bist du?" Sie riss erschrocken ihre Augenlider auf und blickte für einen Moment orientierungslos ins Leere. Wo bin ich? Was tue ich hier? Diese Stimme, ich kenne diese Stimme. Daniel?

„Daniel? Daniel! Ich bin hier", rief sie, bevor er sie fand und mit besorgten Augen ansah.

„Verdammt Sam, wir haben uns Sorgen gemacht. Was hast du dir dabei gedacht?" Er beugte sich zu ihr und strich sanft die Strähnen nach hinten, die über ihre Stirn gefallen waren.

„Wie lang…?", murmelte sie noch nicht vollständig munter.

„Fast dreißig Minuten! Bist du in Ordnung?"

„Ja,ja alles bestens. Ich muss eingeschlafen sein."

„Sam, das hier gefällst mir nicht. DU gefällst mir nicht. Ich will keine Floskeln mehr, ich will die Wahrheit, was zum Teufel ist los mit dir?" Er klang fast etwas wütend, als er sich vorsichtig neben sie setzte

Sein rechter Arm legte sich behutsam um ihre Schulter und er strich sanft mit den Fingern an ihrem Oberarm auf und ab. Beide starrten stur auf den See. Dejà vue, dachte er, das scheint zur Gewohnheit zu werden.

„Hör mal Sam, ich weiß, dass du ungern über irgendwas sprichst, aber ich kann nicht mehr einfach zusehen, wie du dich kaputtmachst.

Vermutlich bleibe ich hier der Alleinunterhalter, aber du weißt, was du mir … uns bedeutest. Bitte sprich endlich mit mir. Ich kann nicht mehr einfach nur wegsehen, verstehst du das?"

Sie schwieg und lehnte ihren Kopf an seine Schulter, wie sie es am Abend zuvor auch schon getan hatte und saugte verzweifelt alle Kraft auf, die er bereit war zu geben.

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll Daniel! Ich meine kennst du das Gefühl, wenn du in einem Wald stehst und nach dem Weg suchst, du dich drehst und drehst, aber egal, wo du hinschaust, alle Bäume sehen gleich aus?"

„Liebst du ihn Sam? Und ich meine nicht nur die Illusion einer glücklichen Beziehung, ich will wissen ob du IHN liebst?"

„Gott Daniel, wie kann ich das beantworten, wenn ich noch nicht einmal weiß, was es heißt, wirklich zu lieben? Ich hab noch nie Jemanden reingelassen. Also so richtig reingelassen in meine Seele, geschweige denn in mein Herz. Ich hab mein ganzes Leben damit verbracht, eine Mauer um mich zu bauen und je näher mir Jemand kam, umso mehr Steine habe ich darauf gesetzt."

Sie schloss ihre Augen und fuhrt fort.

„Es ist nicht seine Schuld Daniel, wirklich. Er ist ein guter Mensch und ich weiß er liebt mich,

aber wie könnte er mich glücklich machen, und ich bin sicher, dass will er, wenn ich ihn ausschließe? Er hatte nie eine Chance die wahre Sam Carter kennen zu lernen."

Ihre Stimme zitterte und sie wirkte so schwach und verletzlich, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Er hatte nicht vor, sie in eine Ecke zu drängen, aber er würde auch nicht länger zusehen, wie sie sich in eine Hochzeit flüchtete, die sie zweifelsohne noch unglücklicher machen würde, nur um sich selbst zu beweisen, dass sie alles in ihrem Leben im Griff hatte.

„Ich kann dir nur sagen, dass es nichts bringt davonzulaufen, nur weil du Angst hast. Vertane Chancen werden für immer über dir hängen wie ein Damoklesschwert und dich bis in deine dunkelsten Träume jagen.

Natürlich kannst du dabei verletzt werden, wenn du dich Jemandem voll und ganz hingibst, aber ich kann dir versprechen, dass das, was du für deinen Einsatz bekommen wirst, größer und schöner ist, als das was du dafür investieren musstest. Und glaub mir, auch wenn ich unendlich gelitten habe, als ich Sha´re verlor, kann ich noch immer erhobenen Hauptes sagen, dass die kurze Zeit, die ich mit ihr verbringen durfte, all den Schmerz wert war. Hör einmal auf dein Herz Sam, nicht auf deinen Verstand und du wirst ein Gefühl erfahren, das so mächtig ist, dass es für ein ganzes Leben reicht. Öffne dich und lass es zu Sam … Ich verspreche dir, du wirst es nicht bereuen."

Sie nickte, lehnte sich zum ihm und küsste sanft seine Wange.

„Hab ich dir jemals gesagt, wie sehr ich dich liebe Dr. Jackson?"

„Nein Colonel Carter, aber ich glaube, es könnte mir gefallen…." Das brachte ihre Augen zum leuchten und sie grinste neckisch.

„Ich liebe dich Daniel Jackson, nicht weniger, als ich meinen eigenen Bruder liebe", flüsterte sie ihm sanft ins Ohr, nahm seine Hand in ihre und drückte sie sachte, um sie dann liebevoll zu küssen.

„Wenn du so weiter machst, werde ich so rot anlaufen wie eine Tomate. Also wenn du das willst…."

Sie kicherte verlegen und er wusste instinktiv, dass sie diesmal wirklich okay war. Mit Schwung erhob er sich von seinem Platz neben ihr, stützte sich an der Eiche ab und hielt ihr seine Hand entgegen.

„Komm schon, die andren warten, sonst ist Teal´c der nächste hier zum Gruppenkuscheln!"

Er half ihr auf und presste einen leichten Kuss auf ihre Stirn. „Ich liebe dich auch Sam", hauchte er und ließ seinen Daumen über ihre Wange streifen.

Sie würde definitiv mit Pete reden müssen, wenn sie wieder zuhause war und sie schwor sich, diesmal würde sie nicht davonlaufen.

„Hey, ich hatte schon befürchtet, ihr zwei seid ohne uns schwimmen gegangen." Jack´s Stimme war schon zu hören, als sie ihn noch nicht einmal sehen konnte. „Was ist aus - Ich will das schnellstmöglich hinter mich bringen – geworden, Carter?"

„Sorry Sir, ich war eingeschlafen! Wie geht's dem Rücken?"

„Neu wird er nicht mehr, aber ich werd´s ertragen!", zischte er. "Danke der Nachfrage. Können wir dann endlich Danny? Carter?"

Sam saß schon wieder auf ihrem Pferd, bereit für den letzten Teil der Reise. Sie lächelte Daniel noch einmal zu, still dankend dafür, dass er immer da war, wenn sie ihn am meisten brauchte.

Jack sah den jungen Mann fragend und leicht verwirrt an, als er die vertrauten Blicke bemerkte, die beide da austauschten. Ein ungewollter Anfall von Eifersucht verschnürte seine Kehle und nahm ihm fast die Luft zum atmen. Was war da grad passiert zwischen beiden, dass ihr diesen verklärten Ausdruck ins Gesicht zaubern konnte?

„Daniel?"

„Schon gut Jack, es ist alles in Ordnung", versicherte ihm der Archäologe, als könne Jack das tatsächlich beruhigen und fügte ein zuversichtliches "Wirklich!" hinzu.

„Wenn du das sagst…", brummte er, hievte sich mit aller Gewalt zurück auf das Pferd und beschloss, mehr als nur ein Auge auf beide zu werfen, solange sie hier waren.

„Da vorne ist Mogon", rief Davon aufgeregt, als wäre er schon Jahre nicht mehr da gewesen. Sam schüttelte nur kurz den Kopf und genoss den atemberaubenden Blick auf das Dorf, das geschützt von Wald und Felsen auf einem Plateau eingebettet war und durch die Festung im Zentrum und der großen Anzahl an Türmen eine unbestrittene Faszination ausübte. Wenn man die Jahreszeiten mit denen der Erde hätte vergleichen wollen, hätte Sam spontan auf Herbst getippt, denn die Blätter der vielen Laubbäume färbten sich in magischem rot und orange, während die Sonne von Epona an jenem frühen Nachmittag schon tief am Horizont stand.

Noch weit entfernte dunkle Wolken schoben sich schwerfällig am Himmel voran und ließen ein bevorstehendes Gewitter erahnen, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach am späten Abend entladen würde. Anheimelnd, dachte sie, als sie sich der bevorstehenden Nacht in Taria´s Festung bewusst wurde. Mit der dazu gehörigen Geräuschkulisse eines hallenden Donnerschlags und den Lichteffekten zischender Blitze würde das ganz sicher perfekt ins Klischee eines billigen Horrorfilms passen.

Ihr Blick fiel unweigerlich auf Jack, der sich ihrer Aufmerksamkeit völlig unbewusst war und sie begann zu phantasieren, wie es wohl wäre, leidenschaftlich von ihm geliebt zu werden in einer stürmischen Gewitternacht auf einer keltischen Festung. Ihre Augen flogen über seine Haut und das weiche Spiel seiner wohlgeformten Muskulatur, als sie träumte, jede Stelle seines begehrenswerten Körpers einzeln zu berühren, wie ihre glühenden Hände sinnlich über die Haare seiner Brust glitten und sie dabei den betörenden Duft seine Haut einsaugte. Ihre Lippen würden ungehemmt über seine Schulter fliegen, über die sensible Haut an seinen Hals und fänden schließlich seine Lippen für einen begierigen Kuss während sie miteinander verschmolzen….

Oh Gott, dachte sie, das war so verdammt real. Sie griff energisch nach den Zügeln, als sie drohte vom Pferd zu fallen und hatte Mühe, den Hengst wieder unter Kontrolle zu bringen, der offenbar ihren vorübergehenden Mangel an Körperkontrolle instinktiv wahrgenommen hatte. Erschrocken über sich selbst, gab sie dem Pferd einen seichten Stoß und versuchte kurzzeitig etwas Abstand zwischen sich und dem Objekt ihrer Begierde zu bringen. Nicht hier Sam, N*I*C*H*T hier, appellierte sie und versuchte sich wieder auf das zu konzentrieren, wofür sie hier war: Trinium und zwar jede Menge davon. „Genau Sam, vergiss das bloß nicht!", murmelte sie so leise, dass es auch wirklich keiner hören konnte.

Das Dorf war genau, wie sie es in Erinnerung hatte. Einmal innerhalb der aus Holzpalisaden bestehenden Stadtmauern fühlte man sich weit in der Zeit zurückgeworfen. Menschen säumten die schmalen schlammigen Gassen und Kinder spielten ausgelassen vor den meist mit wenig Fenstern ausgestatteten Häusern aus Lehm und Holz, die liebvoll in einer Art Fachwerkstil errichtet worden waren. Die Dächer, die fast bis zum Boden gingen und wie Finnhütten wirkten, hatten einen ganz besonderen Charme, dem Sam schon bei ihrem ersten Besuch erlegen war.

Das Vorrankommen in der sich an den Häuserwänden drängenden Menschenmenge gestaltete sich eher schwierig, denn das Gewühl der Einheimischen um die Gruppe Fremder verunsicherte vor allem die Pferde, deren mürrische Geräusche und nervösen Bewegungen nun auch den Rest ihrer Begleiter beunruhigten. Die Gruppe war auseinander gerissen worden und Sam fand sich allein einige Meter hinter Davon und seinen zwei Begleitern, während die restlichen vier Mitglieder weiter weg hinter Sam zurück hingen.

Sam sah nach oben, als plötzlich neben ihr ein Junge aus der Menge auftauchte und sie erkannte sofort das Kind, dessen Mutter bei ihrem letzten Besuch verzweifelt versucht hatte, sie anzusprechen, aber umgehend von mehreren übereifrigen Leibwachen der Fürstin überwältigt und zurück in ihr Haus gebracht wurde.

„Colonel Carter, Colonel Carter!" Sam stoppte ihr Pferd, das nervös am Boden tappte und der Junge griff hastig nach ihrem Bein.

„Wer bist du?" fragte sie, doch der Junge antwortete nicht und drückte ihr stattdessen einen zerknüllten Papierfetzen in die Hand. Seine warmen braunen Augen starrten sie ängstlich an.

„Lies erst, wenn du allein bist. Bitte!", rief er ihr im Tumult zu.

„Hey, wie ist dein Name?", aber der Junge tauchte genauso schnell in der Menge unter, wie er aufgetaucht war. Die Angst, die sie in seinen Augen gesehen hatte, ließ ihr Blut gefrieren und ein eiskalter Schauer lief über ihren Rücken. Sie blickte sich vorsichtig um und stellte zu ihrer großen Erleichterung fest, dass Davon und seine beiden Begleiter wegen der vielen Menschen um sich herum, unmöglich gesehen haben konnten, dass der Junge ihr etwas zu gesteckt hatte. Sie streckte sich noch einmal nach oben und ihr Blick schweifte in die Richtung in der er verschwunden war, konnte aber nichts mehr von ihm sehen. Alles ging so schnell. Sam hielt noch immer den Papierfetzen und ließ ihn unauffällig in der Jackentasche verschwinden. Einzig und allein Teal´c, der die hintere Gruppe angeführt hatte sah sie fragend an und sie mutmaßte, dass er gesehen haben musste, was passiert war. Sie schüttelte nur den Kopf und er verstand, dass dies kein guter Zeitpunkt war. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit und Sam befürchtete, dass ihr der Grund dafür nicht gefallen würde und fragte sich wieso auch nur eine einzige Mission mal ohne Komplikationen ablaufen sollte.