Ein paar Minuten später erschienen zwei Dutzend voll ausgerüsteter Wachen, die das Kommando übernahmen und die Menschen zurück drängten, um eine Gasse für die fremden Besucher zu schaffen.
Nachdem man sich mehr und mehr dem Kern der Siedlung näherte, konnte Sam schon den prächtigen Steinbogen erkennen, der als Eingang zur Burg diente und noch einmal durch eine breite Mauer geschützt war. Die runden Steintürme, die wie Riesen über dem Bauwerk thronten, bildeten die Eckepunkte für die verschiedenen Seitenflügel und umrahmten würdevoll den weitläufigen Innenhof.
Ein mächtiger sechseckiger Turm rundete das Bild ab, der wesentlich breiter aber auch höher war, als die runden Ecktürme und an den Südflügel anschloss.
Vielleicht eine Art Gefängnisturm, mutmaßte Sam und das kurzweilig von Erstaunen abgelöste, völlig ungebetene Gefühl von Vorahnung beschlich erneut ihre Knochen, während das zerknüllte Stück Papier in ihrer Jackentasche, das wieder in ihr Gedächtnis rückte, plötzlich gefühlte hundert Tonnen wog.
Daniel´s Augen leuchteten wieder wie die eines kleinen Kindes vor dem Weihnachtsbaum, trotz der Tatsache, dass er die Burg schon einmal gesehen hatte und auch Jack und Colonel Dixon schienen sichtlich beeindruckt von dem massiven Bauwerk.
Schon wie bei ihrem ersten Besuch hatte Sam allerdings auch diesmal den Eindruck, dass die Bewohner dieser Festung sehr zurückgezogen lebten und man außer der unmittelbaren Dienerschaft von Fürstin Taria, wenig Kontakt zu den hier arbeitenden Menschen bekam, was im Übrigen auch für den Rest der Bevölkerung galt. Sam vermutete, dass das wohl auch nicht erwünscht war und so hatte sie sich auf die Verhandlungen konzentriert, was ihr im nach hinein sehr nachlässig erschien.
Das Stallpersonal, die Wachen, das Küchenpersonal, die Soldaten … alle wirkten extrem schweigsam und in sich gekehrt, etwas, das sie im Allgemeinen nicht sonderlich störte, aber im Moment einen fahlen Beigeschmack in ihrem Mund erzeugte.
Davon und seine Begleiter hielten vor einem größeren Gebäude im Innenhof, das allem Anschein nach die Stallungen beherbergte, baten ihre Gäste abzusteigen und ihm zu folgen. Sam kannte das Procedere, hatte sie ja schon zwei Nächte hinter den Mauern dieser Festung verbringen müssen.
„Wenn sie uns folgen würden General", bat Davon und die Gruppe wurde unter den argwöhnischen Augen mehrerer Wachen durch ein riesiges Holztor geführt.
„Sagen sie Carter", flüsterte Jack ihr konspirativ zu und zog sie am Arm näher zu sich.
"Wie ist sie überhaupt Fürstin geworden? Erbfolge oder wie darf ich mir das vorstellen?"
„Heirat Sir", sagte sie kurz und zuckte mit den Achsel bis sie trocken hinzufügte.
"Leider hatte der holde Gatte nach der Hochzeit nur noch wenig Gelegenheit seine junge Ehefrau zu genießen. Es hieß, er sei einige Tage später in seinem Ehebett verstorben." Sam grinste dabei von einem Ohr zum anderen und er wusste warum.
„Ah", erwiderte Jack, räusperte sich provokativ und widmete seine Aufmerksamkeit wieder den drei jungen Männern vor sich.
Die langen düsteren Gänge der Gebäudeflügel schienen sich ewig zu ziehen, und ließen ansatzweise die Weitläufigkeit des gesamten Komplexes erahnen. Nur die Fackeln, die in regelmäßigen Abständen an den Wänden angebracht waren, sorgten für etwas gedämpftes Licht. Das Echo der Schritte, das in den langen Gängen hallte, betonte die unheimliche Stille, die ihnen wie ein dunkler Schatten zu folgen schien. Sie erreichten einen großen Torbogen, durch dessen weite Öffnung ein harmonisches gelbliches Licht drang. Große Fenster in weichen Gelbtönen durchsetzten die dicken Mauern und fluteten den Raum mit einer wohltuenden Wärme.
Prunkvolle Säulen waren aufwendig in die Wände eingearbeitet und endeten im Deckengewölbe, das mit zahlreichen Malereien verziert war und den Raum viel höher erscheinen ließ, als er tatsächlich war. Am Ende des Saales befand sich ein treppenförmiger Absatz und man konnte erahnen, dass es sich dabei um so eine Art Thonsitz handeln musste.
Sam hatte diesen Raum zuvor noch nicht gesehen, wurden sie und Daniel doch in einem wesentlich kleineren und einfacher gehaltenem Zimmer empfangen und hatten offenbar ohnehin nur einen verschwindend geringen Teil des prunkvollen Anwesens zu Gesicht bekommen.
Ein Teil der Wachen blieb am Gang vor dem Torbogen stehen und bezog dort Stellung, während der Rest sich neben dem Thronsitz positionierte.
„Wenn ihr einen kleinen Moment warten würdet, Fürstin Taria wird euch gleich empfangen.", erklärte Davon, verbeugte sich nochmals ehrfürchtig vor Sam, die nur zustimmend nickte bevor er schließlich eilig den Raum verließ und Jack konnte es sich einfach nicht verkneifen, den Abgang des jungen Mannes mit einem weniger sachlichen „Schleimer!", zu kommentieren.
„Wow, sieht so aus, als hätte sie für Jack den roten Teppich ausgerollt. Bei uns war´s nicht mal ein kleiner Läufer", witzelte Daniel, als er sich voller Erstaunen umsah und seine Hände behutsam über die Ornamente der prunkvollen Säulen streiften.
Jack vernahm mit Erleichterung, dass die im Zimmer verbliebenen Wachen am andren Ende des Saals eher wie Daniel´s heiß geliebte griechische Statuen wirkten, als lebendige Menschen. Sie zeigten keinerlei Regung, was Jack dazu tendieren ließ, eine kurze Lagebesprechung abzuhalten.
„Spuck´s aus Danny", befahl er ungeduldig und sah sich noch einmal vorsichtig um.
„Faszinierend! Das ist nicht keltisch, Jack. Ionische Säulen. Das zeugt eindeutig davon, dass diese Siedlung außer den keltischen auch noch anderen kulturellen Einflüssen der Erde unterlag. Die Frage ist nur wann die aufkamen, vor oder nach der Umsiedlung nach Epona."
Daniel war in seinem Element, niemand hätte das leugnen können.
Jack seufzte schwer und stellte die Frage, die keiner stellen wollte, aber von der jeder wusste, dass die Antwort darauf auch ungefragt kommen würde.
„Und das ist wichtig, weshalb Daniel?"
„Weshalb?"
„Ja Daniel weshalb? Wieso, warum, aus welchen Gründen….Du verstehst schon?"
Daniel´s Stimme wurde merklich leiser und man sah, dass er versuchte, die Dinge in seinem Kopf zu ordnen. Sein Zeigefinger legte sich nachdenklich auf seine Lippen und sein Kinn stützte sich auf seinen Daumen.
„Sagen wir, diese Menschen blieben sich selbst überlassen, nachdem sie hier her kamen. Vielleicht wusste derjenige oder diejenige, der sie her brachte, ja nichts von dem Trinium, seinem Wert oder dessen Verwendung. Oder er war ein kleiner unwichtiger Goa´uld, der besiegt wurde und niemand kam, um Anspruch auf sein Territorium zu erheben. Egal welches Szenario, es gab andre Einflüsse hier und wenn, wie ich vermute, diese Einflüsse nach der Besiedlung hier aufkamen, wo ist der zugehörige Goa´uld jetzt? Tot, besiegt oder war er nur einfach schon länger nicht mehr hier?"
„Na schön Danny, nach der kleinen Begrüßungszeremonie hast du grünes Licht, dich umzusehen", bestimmte er energisch, drehte sich aber noch mal zu Sam, „wenn das für sie okay ist Carter?"
„Natürlich Sir", antwortete sie steif und im Vergleich zu den letzten Konversationen, die beide hatten, diesmal auch mit dem nötigen Respekt.
„Gut, ich sollte das allerdings mit unsrer Gnädigsten absprechen", stellte Jack klar und lehnte sich noch einmal zu Daniel. „Inoffiziell hast du grünes Licht, alles auseinander zu nehmen, was uns irgendwie Informationen beschafft! Lasst euch aber nicht erwischen dabei, sonst muss ich leugnen, das autorisiert zu haben. Wir verstehen uns?"
„Ja schon klar, Jack."
„Sir, meinen sie, wir haben ein Problem hier?" Sam´s Stirnfalten zeugten von dem unguten Gefühl, das sie mit ihm zu teilen schien. Jahrelange Erfahrungen hatten beiden gelehrt lieber zuviel, als zu wenig Fragen zu stellen. Zu oft hatte der schöne äußere Schein, das übel riechende Innere verdeckt. Jack hasste Überraschungen und irgendwie roch es verdächtig danach und seine Nase hatte ihm, was das betraf, bisher selten einen Streich gespielt.
„Wir werden sehen Carter", antwortete er verhalten und verstärkte den Griff um seine P90, „Ich hoffe doch nicht."
„Vielleicht sollten wir erstmal keine voreiligen Schlüsse ziehen", mahnte Daniel eindringlich und lehnte sich demonstrativ gegen einer der massiven Säulen, die er noch kurz zuvor liebkost hatte wie eine erstrangige Geliebte. „Es ist durchaus noch nicht ganz auszuschließen, dass diese römisch-griechischen Einflüsse schon vorhanden waren, bevor diese Menschen hierher gebracht wurden", fügte er hinzu, als sein Blick unbewusst zu den Wachen schwenkte, deren Ohren urplötzlich zu doppelter Größe anzuwachsen schienen.
„In der Tat, aber wir sollten dennoch die Augen offen halten", ergänzte Teal´c in gewohnt lässigem Ton, während er seine Augen instinktiv zu seiner Teamführerin gleiten ließ. Sie wusste genau, warum er sie so fordernd ansah, aber sie schüttelte nur kurz ihren Kopf und ließ ihn damit wissen, dass sie nicht gewillt war, jetzt darüber zu sprechen. Der Junge hatte sie gebeten, den Zettel erst zu lesen, wenn sie allein war und sie beabsichtigte vorerst auch, sich daran zu halten. Sie war dankbar, dass Teal´c schon immer jemand gewesen war, der ein klares Kommando akzeptieren konnte, auch wenn es von einer Frau kam und nicht direkt seine Meinung widerspiegelte.
„Mal sehen, wie lang uns die Dame hier schmoren lässt, bevor sie uns endlich mit ihrer Anwesenheit beehrt", murmelte Dixon, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, um dort den stillen Beobachter zu spielen.
Das Geräusch von Schritten hallte aus den dunklen, kalten Gängen und die einsetzenden Stimmen wurden immer deutlicher. Die Aufmerksamkeit aller konzentrierte sich sofort in Richtung Eingang
Mehrere Wachen traten ein, gefolgt von einigen älteren, vornehm gekleideten Männern und zwei Frauen, vermutlich sowas wie Zofen, die eine junge zugegebenermaßen wirklich bildhübsche junge Frau begleiteten.
Ihre schwarzen langen Haare hingen in großen schwingenden Korkenzieherlocken an ihren schmalen Schultern herunter. Die vordersten Strähnen ihrer Haare waren zu geflochtenen Zöpfen am Hinterkopf gebunden und mit diversem Haarschmuck versehen worden. Sie trug ein langes, schwarzes Velourskleid mit weiten Trompetenärmeln, das an der Taille mit einem aufwendigen goldgeflochtenem Band gebunden war und ihre schlanke Figur betonte. Ihre blasse Haut und die damit noch größer wirkenden dunkelbraunen Augen ließen Jack unweigerlich an Schneewittchen denken und alles, was ihr noch fehlte, was ein Kamm und ein Apfel.
Nein Jack, dachte er und blinzelte verschmitzt zu Sam, sie waren weder in keinem Gebrüder Grimm Märchen, noch war er der Prinz und keiner seiner Mitstreiter ein Mitglied der sieben Zwerge. Wobei ihm die Vorstellung, Carter zu seinem Schneewittchen zu machen und sie hier und jetzt wach zuküssen, durchaus ein gewisses Kribbeln in bestimmten Körperteilen hervorrief. Doch seine überaus lebhaften Tagträume wurden jäh von der Realität in Form einer jungen fordernden Fürstin unterbrochen, die ihn ohne Umschweife ansprach und nicht einmal auch nur kurz in Betracht zog, dass auch Colonel Dixon der große Jack O`Neill, Anführer der Tau´ri hätte sein können.
„General O`Neill, was für eine Ehre, endlich deine Bekanntschaft zu machen." Sie streckte ihm ihren Handrücken entgegen und auch ohne dass Jack jemals die Hauptrolle in einem Mantel und Degenfilm gespielt hätte, wusste er sehr genau, was von ihm erwartet wurde. Er hauchte einen angedeuteten Kuss auf ihre Hand und versuchte all seinen Charme spielen zu lassen.
„Dieses Kompliment kann ich nur zurückgeben."
Sie schlug ihre Augen weit auf, lächelte verheißungsvoll und zog ihn mit Hilfe ihrer Hand, die noch immer in seiner lag, zu sich, bis ihre Lippen zärtlich die sensible Haut unter seinem Ohr berührten.
„Vielen dank General" flüsterte sie ihm ins Ohr und Jack hätte schwören können, dass dieses junge Ding dabei war, hemmungslos mit ihm zu flirten. Verdammt, die könnte meine Tochter sein, stellte er verwirrt fest und wenn sie es wäre, würde er sie über´s Knie legen und ihr erklären, dass man tunlichst die Finger von solch alten Männern lassen sollte.
Dezent versuchte er sich aus dem Griff ihrer Hand zu winden, ohne sie dabei bloß zu stellen und versuchte sich selbst daran zu erinnern, was sein eigentliches Ziel war, doch alles, was ihm dann durch den Kopf ging, war die umwerfend schöne blonde Astrophysikerin neben ihm und er riskierte einen Blick zu ihr. Ihre augenscheinliche Abneigung dem gegenüber, was sich da vor ihren Augen abspielte, war unmöglich zu übersehen und sie studierte eindringlich den marmorähnlichen Fußboden des Saales, als wolle sie Daniel dabei Konkurrenz machen. Als ihre Augen wieder nach oben schnellten und die seinen fanden, traf es ihn wie ein Blitz. War es das, was er glaubte, zu sehn oder war es nur sein bloßes Wunschdenken? Konnte es sein, dass sie tatsächlich eifersüchtig war und das ausgerechnet auf eine Frau, die ihr in seinen Augen niemals hätte das Wasser reichen können. Wobei, überlegte er scharf, welche Frau könnte das jemals?
Mit Mühe und Not versuchte er wieder ins Hier und Jetzt zu finden und bemerkte wie seine junge Verehrerin ihren Arm in den seinen gehakt hatte, dann den Rest der Gruppe begrüßte und offenbar keinerlei Anstalten machte, ihren Fisch so schnell wieder von der Angel zu lassen.
„Ich kann gar nicht verstehen, wie du mir diesen faszinierenden Mann solang vorenthalten konntest, Colonel Carter", teilte sie Sam mit leuchtenden Augen mit, während diese insgeheim, alle möglichen Arten des langsamen, qualvollen Todes ihrer Konkurrentin vor ihrem geistigen Auge ablaufen ließ.
Jack versuchte unter dessen die junge Dame nicht zu verärgern und beschloss das Spielchen, um des Vertrages Willen, erst einmal mitzuspielen. Zumindest sollte es so kein Problem werden, sie davon zu überzeugen, Daniel etwas im Keller nach den allseits berühmten Leichen stöbern zu lassen.
Mit bloßem Entsetzen beobachtete Sam, wie die junge und zweifellos attraktive Frau keine Möglichkeit auszulassen schien, Jack zu berühren, wann und wo immer sich die Gelegenheit bot und ihr offenbar wenig professionelles Interesse an ihm, ließ das Blut in ihren Adern kochen. Bei Gott, sie war eifersüchtig, wem hätte sie etwas vormachen wollen. Diese Frau berührte ihn überall da, wo sie selbst ihn hätte berühren wollen und fand sich urplötzlich zurück irgendwo in der brütenden Mittagssonne von Edora, in der ihr Herz in tausend Stücke gebrochen war und sie einen Schmerz und eine Enttäuschung spüren ließ, wie nie zuvor. Sie musste sich eingestehen, dass es noch nie in ihrem Leben einen Mann wie Jack gegeben hatte, der es schaffte, dass sie sich zugleich so stark, aber auch so schwach fühlen konnte.
Jack trieb die Rolle des perfekten Gentleman bis zur Perfektion und hatte sich einige Meter mit Taria entfernt, um die Herren kennen zu lernen, die mit ihr gekommen waren. Offenbar hielten diese eine höhere Stellung innerhalb Mogons inne und standen in Verbindung mit Epona´s Trinium Abbau.
Teal´c und Colonel Dixon hatten es sich derweil auf ein paar der an den Wänden verteilten Stühle bequem gemacht und versuchten nicht allzu sehr ihre Langweile zu zeigen, während Daniel sich tunlichst um Sam bemühte, die jeden Augenblick zu explodieren drohte wie eine Ladung C4. Ihr offensichtliches Missfallen über Jack´s übertriebenen Einsatz, was Taria betraf, war nun auch für den Letzten im Raum kaum noch zu übersehen und er bemühte sich redlich, sie zu beschwichtigen.
„Sam?"
„Hm?"
„Alles okay?"
„Aber klar, alles okay. Was sollte nicht okay sein", zischte sie, fummelte wie wild an ihrer P90 und wühlte in ihren Westentaschen, als ob sie dort die Antwort auf alle ungeklärten Fragen der Physik finden würde..
„Naja, mal davon abgesehen, dass Jack sich benimmt wie ein Arsch…."
„Das ist ganz allein seine Sache. Er ist erwachsen und es ist sein gutes Recht, zu tun, was auch immer er will."
„Sam bitte, du kannst mir nicht erzählen, dass dir das völlig egal ist."
„Nicht Daniel, nicht jetzt!" Sie ergriff seinen Unterarm und ihr flehender Blick ließ ihn Einhalt gebieten. In ihren Augen standen Tränen und er konnte sehen, wie viel Mühe es sie kosten musste, diese zurückzuhalten und was es für sie bedeutete hätte, wenn ihre Schwäche, was Jack betraf, hier für jedermann sichtbar zur Schau gestellt würde.
„Okay, okay aber du weißt, dass das alles nur ein gekonntes Schauspiel ist…?"
„Tatsächlich?" warf sie scharf ein und wendete sich wieder ihrer Weste zu. "Dann sollte er aber definitiv einen Oskar bekommen für seine überaus überzeugende Leistung", fauchte Sam zornig und ihr hämischer Tonfall tat ihr im selben Augenblick noch leid, war Daniel doch wirklich der Allerletzte, der ihren Unmut über Jack´s Verhalten zu spüren bekommen sollte.
„Es tut mir leid, Daniel. Ich komm schon klar", erklärte sie und gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange. Daniel hatte seine Lektion gelernt.
„Okay Sam, aber du weißt, dass immer da bin, wenn du… na ja du weißt schon."
„Das weiß ich Daniel, danke." Sie quälte sich ein Lächeln heraus, setzte sich dann zu Teal´c und Dixon und wartete dort geduldig auf das Ende des 1. Aktes.
Nachdem die ersten Formalitäten weitestgehend erledigt waren, führte Taria alle Anwesenden in einen Nebenraum, der dem Thronsaal in nichts nachstand, aber doch eher eine Art Salon zu sein schien, in dem ein riesiger ovaler Tisch mit vielen Stühlen stand. Jack wurde wie erwartet neben Taria platziert und Daniel, der sich völlig im Klaren war warum, beobachtete Jack´s Flirten mit der wesentlich jüngeren Frau mit wachsendem Argwohn. Wenig später wurde ein Essen serviert und Colonel Dixon´s Blicke schweiften abwechselnd zwischen General O`Neill und seiner 2IC, die am anderen Ende des Tisches saß, wurde aber nur mit Sam´s absolut ausdruckslosem Gesicht honoriert, die ab diesem Zeitpunkt all ihre Kraft darin zu investieren schien, nichts von dem lodernden Vulkan ihrem Inneren preiszugeben, der kurz vor seinem Ausbruch stand.
Jack schien sich unterdessen weiterhin köstlich zu amüsieren, aber Daniel konnte sehen, wie er regelmäßig Sam´s Reaktionen auf sein Verhalten prüfte und er konnte absolut nicht nachvollziehen, was dieses seltsame Spielchen aus Eifersucht und Kontrolle zwischen beiden zu bedeuten hatte. Warum mussten sich Menschen ihr Leben immer komplizierter machen, als es tatsächlich war? Er würde es nie verstehen, gestand er sich ein und diese beiden Menschen waren für ihn ohnehin ein Buch mit sieben Siegeln.
Offenbar waren sich Jack und die junge Frau, die so dringlich seinen Körperkontakt suchte, prinzipiell einig über Liefermengen und Art der Leistungen, die die Tau´ri im Gegenzug für regelmäßige Triniumlieferungen zu erbringen hatten, und Jack schien sichtlich zufrieden mit dem, was im groben Rahmen beschlossen wurde.
Dennoch hatte Daniel noch immer kein gutes Gefühl bei Tarias enormen Interesse an Jack und je mehr Zeit verstrich, umso klarer wurde, dass sie sehr genau zu wissen schien, wer heut Nacht ihr Bett mit ihr teilen sollte. Jack wirkte zunehmend geschmeichelt von ihren Avancen, die inzwischen von subtil zu deutlich sichtbar gewechselt hatten und nun definitiv einer Intervention bedurften.
Daniel blieb hinter Jack´s Stuhl stehen und legte seine Hand auf die Schulter seines besten Freundes.
„Könnte ich dich mal einen Moment sprechen, JACK? Allein!"
„Aber sicher doch Daniel."
Er erhob sich unter den wachsamen Augen seiner jungen Verehrerin vom Stuhl und folgte seinem angespannt wirkenden Freund zu einem der großen Fenster, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich niemand hören konnte.
„Was glaubst du eigentlich, was du da tust Jack?"
Der aber hob nur unschuldig seine Augenbraue.
„Meinen Job Daniel!"
„Glaubst du eigentlich selbst, was du da sagst? Das hier ist absolut kindisch Jack! Selbst von dir hätte ich mehr…mehr…."
Er zuckte entnervt mit den Schultern.
„Mehr was, Daniel?"
„Mehr Feingefühl, mehr Vernunft erwartet!"
„Was ist eigentlich dein Problem?", unterbrach er den jungen Archäologen.
„Ich bin ein Mann, sie eine Frau, sie will mich und ich will…!
Herr Gott noch mal, was soll so falsch daran sein zu nehmen, was man kriegen kann, anstatt immer auf das zu warten, was man ohnehin nie haben kann."
„Du glaubst also, wenn du mit dieser Frau ins Bett springst, wirst du dich besser fühlen? Ich kann weiß Gott nicht verhindern, dass du tust, was du glaubst, tun zu müssen, aber denk daran, dass du damit die Tür, die im Moment nur angelehnt ist für immer verschließt. Glaub nicht, dass sie das verzeihen würde, nicht noch ein zweites Mal."
Gerade als Daniel ihn wie sooft wie einen dummen gemaßregelten kleinen Jungen stehen lassen wollte, griff Jack wütend nach dessen Schulter und drehte ihn zu sich.
„Was zur Hölle soll das heißen? Wer hat denn jede einzelne meiner Einladungen zum Fischen immer eiskalt abgelehnt. Wer wollte denn, dass das alles den Raum nicht verlässt? Und wer in Herrgotts Namen hat den verdammten Cop angeschleppt und sich einen Ring an den Finger stecken lassen? Sag mir das bitte, Daniel!"
„Also ist das alles nichts weiter als Rache? Gott Jack! Wie armselig ist das denn? Werd endlich erwachsen, bevor es zu spät ist und Sam drauf kommt, dass sie wirklich was Besseres haben könnte!"
Daniel konnte sich diesen ausgegorenen Mist wirklich nicht länger anhören und ließ Jack einfach stehen. Mittlerweile schien auch der Rest des Saales die kleine Meinungsverschiedenheit zur Kenntnis genommen zu haben und Daniel zuckte unschuldig mit den Achseln, als Sam ihm einen warnenden Blick zuwarf.
Taria erhob sich und übernahm das Wort.
„Ich schlage vor, dass unsre Gäste nun endlich die Gelegenheit bekommen sollten, sich etwas frisch zu machen. Davon wird euch eure Zimmer zeigen und ich freue mich schon, euch alle nachher hier wieder begrüßen zu dürfen. Nach dem ersten Abendläuten, werden wir euch zu Ehren ein Fest geben, um den Vertrag zwischen Ebona und den Tau´ri zu feiern. Ich möchte euch allerdings eindringlich bitten, eure Waffen diesmal auf den Zimmern zu lassen. Wir wollen doch die anderen Gäste nicht einschüchtern", erklärte sie freundlich aber bestimmend.
Na Klasse, dachte Sam, die ein absolut mulmiges Gefühl dabei hatte, ihren einzigen Schutz ablegen zu müssen, hatte aber im Grunde genommen schon mit dieser Forderung gerechnet.
Als sich die Letzten erhoben hatten und den Ausgang suchten, griff Taria noch einmal nach Jacks Arm, bevor er den Anderen folgen konnte.
„Ich hoffe doch inständig, dass wir beide heut Nacht noch etwas mehr Zeit für uns haben werden, um den Bund zwischen unsren beiden Völkern gebührend zu besiegeln?" Ihr lasziver Blick ließ keinerlei Fragen offen über das, was sie von ihm wollte. „Du bist ein faszinierender Mann Jack O`Neill und ich würde nichts lieber tun, als dir meine uneingeschränkte Gastfreundschaft zu beweisen", fügte sie leise hinzu, als ihre Finger sanft über die Muskeln seines Oberarmes glitten.
„Wir werden sehen Taria, aber ich befürchte, dass du von mir mehr erwartest, als ich geben kann, auch wenn ich mich wirklich sehr geschmeichelt fühle." Sie nickte kurz und er wusste genau, dass es nicht das war, was sie hören wollte, nahm die offensichtliche Zurückweisung aber seltsam ruhig auf. Er lächelte kurz und streichelte mitfühlend ihre Hand, bevor er den andren folgte. Egal, was er zu Daniel gesagt hatte in der Hitze des Gefechts, alles was er jemals wollte war Sam. Wie könnte er dieses junge Mädchen wirklich anrühren? Sie war wie ein Kind in seinen Augen. Zugegebenermaßen hatte er es genossen, Sam so eifersüchtig zu sehen, zu spüren, dass er ihr nicht völlig gleichgültig war und vielleicht wollte er sie auch ein Stück weit denselben Schmerz spüren lassen, den er empfand, wenn er an Pete dachte, aber er hatte nie ernsthaft in Betracht gezogen, diesem Mädchen zu geben, was es wollte.
Er konnte das so allerdings unmöglich stehen lassen und beschloss kurzerhand, dass er später mit Carter reden musste, um noch einmal unmissverständlich klar zu machen, dass sein Interesse an Taria rein professioneller Natur war.
Davon führte die Gruppe in den Westflügel des Anwesens. Entlang eines kürzeren Ganges befanden sich sechs Gästezimmer und für SG 1 Verhältnisse waren die absoluter Luxus, war man ja sonst eher an Schlafsäcke und Zelte gewöhnt. Die Betten waren groß und komfortabel, aber was Sam anging, war es vor allem die Aussicht, die atemberaubend war und sie schon beim letzten Besuch stundenlang an den alten Sessel vor ihrem Fenster gefesselt hatte.
Der Tag war lang, anstrengend und bei weitem noch nicht zu Ende. Alles was sie jetzt wollte war ein Bad, ein Wunsch, der ihr prompt erfüllt werden sollte, als eine der vielen Zofen ihr Zimmer betrat, völlig ungefragt ein Bad vorbereitete und nach getaner Arbeit so schnell wie sie gekommen war, das Zimmer wieder verließ. Sam zog ihre Jacke aus und öffnete den Reißverschluss ihrer Hose, als sie sich plötzlich wieder an den Zettel in ihrer Jackentasche erinnerte.
Sie ließ sich entkräftet auf´s Bett fallen und zog das zerknüllte Stück Papier heraus, zögerte aber einen Moment bevor sie es öffnete und glatt strich.
`Komm nach dem zweiten Abendläuten zum Südturm, warte am Vordertor hinter den großen Strohballen. Komm auf jeden Fall allein und sprich mit niemandem darüber. Ihr seid in Gefahr!´
Sam schloss erschöpft ihre Augen und atmete tief ein. Das Stück Papier fiel aufs Bett und sie vergrub ihr Gesicht resignierend in ihren Händen. Sie war so müde von allem . So unendlich müde von all dem dauernden Kampf ums überleben, die Angst Jemanden zu verlieren, der ihr wichtig war, müde von der ständigen Angst, dass nur eine einzige falsche Entscheidung oder eine kleine Unaufmerksamkeit das Ende der Welt, wie sie sie kannten, sein konnte.
Sie musste nachdenken, aber hey, tat sie das nicht immer? Sam stand auf, streifte hastig das schwarze Top über ihren Kopf und ließ ihre geöffnete BDU zu Boden fallen, ließ Unterwäsche und Socken folgen und stieg dann in die große Aluminiumwanne.
Das Wasser war wohlig warm und ihre Muskeln entspannten sich langsam, als sie bis zu den Schultern eintauchte und ihren Kopf auf dem Rand ruhen ließ.
Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Sie sollte allein kommen. Was für ein Klischee. Alles roch so verdammt nach einem Hinterhalt und dennoch schrie eine Stimme in ihrem Inneren, genau das zu tun, was von ihr verlangt wurde. Sollte sie mit Jack reden oder einfach den Mund halten und das Risiko eingehen? Eine Entscheidung und tausend verschiedene Ausgänge.
Für einen Augenblick spürte sie nur das Wasser auf ihrer Haut und sie ließ einen Moment des völligen Vergessens über sich herein brechen. Ihr Kopf tauchte ins Wasser, das vorübergehend all ihre Gedanken verschlang und alles entschwinden ließ, dass so schwer auf ihrer Seele lag.
Ein forderndes Klopfen an der Tür riss sie aus der kostbaren Stille. Sie schreckte hoch, stieg aber sofort eilig aus dem Wasser und schnappte hastig nach dem Handtuch auf dem Stuhl neben ihr, das die Zofe für sie hinterlassen hatte und wickelte es um ihren Körper, als ihr Blick panisch auf das Stück Papier am Bett fiel.
„Carter?"
Sie knüllte es wieder zusammen und schob es zurück in ihre Jackentasche.
„Carter?"
„Ich komme Sir, einen Moment noch!" Der Augenblick war denkbar ungünstig. Was zum Teufel wollte er von ihr? Der letzte, den sie jetzt sehen wollte, war er. Zu tief saß die Enttäuschung über die Art wie er Tarias Avancen erwidert hatte. Sie lief zur Tür und stellte noch einmal sicher, dass das Handtuch auch wirklich alles verhüllte, was es verhüllen sollte und öffnete zurückhaltend die Tür.
„Oh", murmelte er und blickte abrupt zu Boden, als er sah, dass sie nur mit einem Handtuch bedeckt war, ihre Haare triefend nass waren und einige Tropfen davon langsam über die zarten Hautpartien ihres Halses liefen, um dann unschuldig in ihrem Dekoltee zu verschwinden.
„Sorry Carter, ich wusste nicht…also…ich hatte nicht vor…ich sollte…. Was ich eigentlich meinte war, ich sollte wirklich später wiederkommen", stammelte er wirr und erinnerte sich scharf daran, dass er zum reden gekommen war, zum reden Jack, NUR Reden, obwohl er nichts lieber getan hätte, als ihr das verdammte Handtuch vom Leib zu reißen, sie aufs Bett zu werfen und….
„Kommen Sie schon rein Sir, ich beiße nicht." Er zuckte zusammen, wie ein Schulkind, das man gerade beim spicken erwischt hatte. Sie trat beiseite und wartete bis er sich endlich durchringen konnte einzutreten.
Er lief sofort zielgerichtet zum Fenster und blickte starr nach draußen, seine Hände lässig in den Hosentaschen. Die Bäume in der Ferne boten ein Bild aus bunten Farben in der untergehenden Abendsonne, schwarze Wolken türmten sich am Himmel und das leichte Grollen aus der Ferne war Vorbote für das Gewitter, das vermutlich schon bald übers Land ziehen würde. Aber alles, was er wirklich wahrnahm, stand hinter ihm, halbnackt, eingewickelt in ein viel zu kleines Handtuch, dass die weiche Haut ihrer langen schlanken Beine fast gänzlich unbedeckt ließ.
„Ich sollte wirklich später wiederkommen", erklärte er erneut und ohne sie auch nur einmal anzusehen, stürmte er an ihr vorbei, den Boden fest im Blick, nur um seinen Arm von einer schmalen Frauenhand umfasst zu finden, die ihn sanft zurückhielt. Er schloss seine Augen als der betörende Duft ihrer Haut all seine Sinne flutete und alles um ihn herum unbedeutend erscheinen ließ. Seine Augen verließen den Boden und streiften langsam hinweg über ihre auf den Punkt trainierten Beine, ihre leider zu gut verdeckten Hüften, ihre perfekten Brüste und er wusste, dass sie jede Bewegung seiner Augen genau registriert hatte.
„Ich sollte…ähm…gehen…wirklich", stotterte er schließlich noch einmal wie ein verängstigter Teenager vorm ersten Mal und er wusste er war verdammt nah dran, endgültig die Kontrolle zu verlieren, wenn er jetzt nicht ginge, denn diesmal würde kein Pete kommen, um zu verhindern, dass er sich nahm, was er so dringend wollte.
Sie ließ seinen Arm los und stellte sich vor ihn, als er einen Schritt zurück Richtung Wand ging. Was zur Hölle tut sie da, dachte Jack während seine Augen prüfend den kürzesten Weg zur Tür suchten, aber sie war schneller. Als konnte sie seine Gedanken lesen, drückte sie ihn gegen die Wand dahinter und presste ihren Körper an seinen. Das war so absolut untypisch für Colonel Samantha Carter und einen Moment lang zog er in Betracht, dass das möglicherweise gar nicht Sam war, vielleicht ein Goa´uld, Gehirnwäsche oder doch ein Alienvirus? Aber das konnte nicht sein, wann um Himmels Willen sollte das passiert sein?
„Gefällt ihnen nicht, was sie sehen Sir? Bin ich so angst einflössend, dass man vor mir flüchten muss, JACK?"
Hatte sie ihn gerade Jack genannt? Das war ganz und gar nicht fair.
„Sam bitte, was soll das?", stöhnte er, als die Nähe zu ihr fast unerträglich wurde.
Wie hätte er jetzt noch stoppen sollen, was so unvermeidbar schien, wenn sein Körper doch schon so unmissverständlich auf sie zu reagieren schien.
Zarte Finger fanden ihren Weg zu seinem Gürtel, schoben das T-Shirt nach oben und er wehrte sich nicht länger, als sie ihm half es auszuziehen. Ihre Hände streiften über seine Hüften, seinen muskulösen Oberkörper und folgten ihren Lippen, die sich ihren Weg über die weichen Haare auf seiner Brust bahnten, seinen Hals hinauf glitten und seine Wangen umfassten.
„Sam, bitte, wir sollten das nicht tun…", raunte er atemlos in die nassen Strähnen ihres blonden Haares.
„Shhhht, nicht reden", hauchte sie sanft und er spürte ihren warmen Atem auf seiner Haut, als sie ihn an sich zog und ihre Lippen ungestüm auf seine presste. Alles um ihn herum begann sich zu drehen, ihre Zunge bat frenetisch um Eintritt und deren stürmisches Ringen begann.
Seine Hände umfassten schroff ihren Po und er hob sie nach oben. Sie schien gefallen daran zu finden, als er die Fronten wechselte und sie energisch gegen die Wand drückte. Sie schmeckte nach mehr doch ihre Lippen trennten sich und er vermisste sofort den Kontakt. Er küsste zärtlich seinen Weg entlang ihrer Schultern, über die zarten Hautpartien ihres Halses und seine Zunge umspielte wild ihr Ohrläppchen, um dann zurückzufinden zu ihren vollen Lippen. Sie ließ ihn bereitwillig gewähren.
Ihr Kuss brach nicht einen Moment während er sie auf den Tisch neben der Tür hob und seine Finger am Handtuch fummelten, das schließlich hinabrutschte. Er unterbrach den Kuss, um sie das erste Mal so bewundern zu können, wie sie wirklich war. Die schönste Frau, die er je gesehen hatte saß vor ihm und sah ihn flehend an, nicht aufzuhören.
„Gott Sam, du bist so unendlich schön", flüsterte er überwältigt und seine Augen verschlangen jeden einzelnen Teil dieser Frau mit Verlangen, sie zu spüren, zu berühren an jeder erdenklichen Stelle. Seine Hände liebkosten ihre straffen Brüste und er nippte sanft an ihren festen Brustwarzen, küsste sie hungrig als sie ihren Oberkörper ekstatisch nach hinten warf und jede einzelne seiner Bewegungen mit Begierde in sich aufzusaugen schien.
Sie richtete sich wieder auf und ihre Hände begannen hastig an seinem Gürtel zu fummeln. Jack ließ sie ohne Gegenwehr gewähren, als sie die letzten Barrieren entfernte zwischen sich und dem Mann, den sie liebte. Sam konnte sehen, wie bereit er war und es entfachte einen erneuten Schwall von Leidenschaft in ihr, zu sehen, dass Jack sie mindestens genauso begehrte, wie sie ihn. Seine Hände streiften zärtlich über die Außenseiten ihrer Oberschenkel und umfassten ihre Hüften, als er ihre Haut an seiner spürte.
Ihre Lippen trafen sich in einem weiteren leidenschaftlichen Kuss und sie genoss das Spiel ihrer Zungen in seinem Mund. Gott, sie wollte ihn so sehr, wie noch keinen anderen Mann zuvor und Sam spreizte ihre Beine, sah ihn noch einmal an, bevor ihre Hände seine Hüften umfassten und sie ihn an sich zog.
„Vergiss sie Jack… und ich bin bereit, dir all das zu geben, was du brauchst...", raunte sie sanft gegen die empfindsame Haut seines Nackens, als sie diese mit zärtlichen Küssen bedeckte, aber augenblicklich erkannte sie, was sie da eigentlich gesagt hatte und wie es sich für ihn anhören musste.
Ihre Worte trafen ihn wie ein Faustschlag ins Gesicht und rissen ihn aus dem Rausch der Lust, dem er so bereitwillig verfallen war. Eine bittere Erkenntnis brach über ihn herein, wie eine riesige Welle, die alles zerstörte und er riss sich energisch von ihr los. Fassungslos starrte Jack in ihre schockierten Augen, die plötzlich so entsetzlich hilflos wirkten.
„Sag mir, dass das nicht wahr ist, Sam", forderte er nun sichtbar wütend und war entschlossen, sich diesmal nicht wieder von seinen eigenen Gefühlen für sie einlullen zu lassen.
Oh Gott, was hatte sie getan. Ihre innere Stimme verfluchte sie aufs schändlichste für das, für das was sie da gesagt hatte.
„Jack, bitte nicht. So war das nicht gemeint. Ich schwöre…".
„Was Sam? Was schwörst du? Dass das alles hier nicht nur ein billiger Versuch war, mich davon abzuhalten mit Taria ins Bett zu gehn? Ist dein Ego wirklich so verletzt, dass du zu solch drastischen Mitteln greifen musstest? Das ist doch krank. Glaubst du wirklich, es ist der Sex den ich brauche? Du hast garnichts verstanden Sam. Ich bin keine deiner verdammten Missionen, Colonel Carter!"
Er schien nichts mehr hören zu wollen, von dem, was sie zu sagen hatte und sammelte fieberhaft seine Sachen am Boden zusammen, während sie hoffnungslos versuchte, zu retten, was nicht mehr zu retten war. Sie hatte das Handtuch wieder um ihren noch immer erregten Körper geschlungen und alles lief wie ein Film noch einmal vor ihr ab bis zu der Stelle, an der der schönste Moment ihres Lebens in einen absoluten Alptraum umschlug.
Als er seine Hose hochzog griff Sam völlig verzweifelt nach seinem Arm und klammerte sich daran fest, als hinge ihr Leben davon ab. Dann tat sie etwas, dass sie sich nach Jonas Hanson geschworen hatte, nie wieder zu tun. Sie bettelte.
„Jack bitte, du musst mir zuhören! Geh nicht, ich… ich….
„Was Carter? Ohhh, aber klar doch", schrie er plötzlich voller Hohn und sie bemerkte die immense Wut, die in ihm aufstieg, „warum bin ich nur nicht gleich darauf gekommen! Jack ist ja dumm genug, das nicht zu merken, spielt ja nicht in meiner Liga, nicht wahr? Das war´s doch, was du dachtest, Sam. Ich weiß wirklich nicht, was mich mehr schocken sollte? Das, was du offenbar von mir denkst oder die Tatsache, dass du nur bereit warst mit mir zu schlafen, um was? Danach einfach schön so weiter zu machen wie bisher? Ich hätte es von Anfang an wissen müssen, dass das hier auch nicht eine Sekunde lang wirklich Samantha Carter war. Ich hab diese Spielchen so satt….
„Verflucht Jack, so ist das nicht. Ich…."
„Und wie ist es dann? Welchen Grund hättest du sonst mit deinem kommandierenden Offizier zu schlafen? Denn in meinen Augen sollte es nur einen verdammten Grund dafür geben, Sam! Du hast noch immer die Möglichkeit, dich zu erklären…."
Er sah sie an mit dunklen, fordernden Augen und wartete auf eine Antwort und Sam wusste nur zu genau, wenn sie jetzt nicht sagen würde, was sie schon längst hätte sagen müssen, würde sie ihn verlieren, vielleicht für immer. Warum nur war das so schwer zuzugeben, so schwer über ihre Lippen zu bekommen, dass es ihr vorkam als bräche ihre Zunge beim bloßen Versuch, es auszusprechen. Diese drei endgültigen Worte, die das Schicksal ihrer beider Karrieren besiegeln würden, wogen so schwer auf ihr.
Tu es Sam, forderte ihr Herz, tu es jetzt!
… Aber sie schwieg, wie sie es immer tat, wenn ihr Verstand über ihr Herz gesiegt hatte.
Was folgte war nichts als quälende Totenstille.
„Ich verstehe", flüsterte er bitter und die unendliche Enttäuschung in seinen Augen war kaum zu ertragen.
„Jack…", wimmerte sie mit zittriger Stimme, Tränen formierten sich in ihren Augen, aber er schob sie grob beiseite und blickte sie wütend an.
„Lassen Sie mich los Carter, SOFORT!"
„Jack nein, bitte, tu das nicht…."
„ General, Colonel Carter!"
Er sah noch einmal kurz zu ihr auf, doch die Kälte in seinen Augen ließen sie erstarren und ihre Hand an seinem Arm gab nach. Er zog sich eilig das T-Shirt über und ohne sich noch einmal umzudrehen, stürmte Jack aus der Tür, die mit einem heftigen Knall zufiel.
Sie lief hinterher, spürte aber nur noch die eisige Brise, die ins Zimmer huschte, bevor sich die Tür vor ihr schloss und Gänsehaut breitete sich über ihrem Körper aus. Alles, was sie wollte, war ihn aufzuhalten, ihn daran hindern zu gehen, aber ihre Angst war wie immer stärker. Sam drehte sich und lehnte ihren Rücken an die geschlossene Tür, als die ersten Krämpfe über ihren Körper hinweg tobten. Sie rutschte die Tür hinab und presste ihre Knie zum Körper, bis sich endlich all die Tränen ungehindert ihren Weg zur Oberfläche bahnten, die sie bisher so erfolgreich unterdrückt hatte. Es war zu spät. Zulange hatte sie gewartet, zu oft hatte ihre Angst und ihr gottverdammter Ehrgeiz über die Liebe zu ihm gesiegt. Liebe. Was für ein pathetisches Wort, dachte sie, aber das erste Mal in ihrem Leben war ihr wirklich klar, was es bedeutete. Und erst jetzt, da es zu spät war, konnte sie es auch sich selbst gegenüber eingestehn. Sie liebte ihn. Samantha Carter liebte Jack O`Neill „Gott Sam, wie armselig", erklärte sie erschöpft, allein in der Stille mit einer Mischung aus lachen und weinen.
Jack öffnete zögernd die Tür zur kleinen Galerie, die am Ende des Ganges lag und einen atemberaubenden Ausblick über die Lichter der großen Siedlungen am Fuße der Festung bot. Sein schneller Atem und sein rasender Puls beruhigten sich nur langsam, als er tief ein und ausatmete und die frische Abendluft spürte, die durch seine Lungen drang. Er hatte es gehört, ihr Schluchzen auf der andren Seite der Tür, als seine Hand noch wie gelähmt an der Türklinke klebte, hin und her gerissen zwischen Liebe und Hass. Sein Herz hatte zuviel ertragen müssen in den letzten Jahren, als er sie unzählige Male verloren glaubte. Jolinar, die Entität, Adrian Conrad, Niirti, Fifth und er hätte die Liste unendlich weiterführen können, aber am Ende war sie es immer selbst, die ihn wegstieß, ohne ihn dabei jemals ganz loszulassen. Seine Kraft war am Ende und das erste Mal in seinem Leben musste er zugeben, dass er es satt war zu kämpfen. Sie hatte zu oft versucht, sich seine Loyalität zu sichern, ohne wirklich etwas von sich zu geben. Er wollte nicht länger ihr Mann in der Hinterhand sein, er konnte das einfach nicht mehr.
Zitternde Hände umklammerten die Brüstung und stützten seinen bebenden Körper. Er musste sie endgültig gehen lassen, wenn er seine eigene Seele retten wollte. Es war Zeit aufzuhören, etwas zu wollen, dass er niemals haben konnte, denn sie war nur bereit ihren Körper zu geben, aber noch immer nicht ihr Herz und vielleicht würde sie es nie sein.
