Das erste Abendläuten in der Dämmerung riss Sam mit einem Schlag aus ihrer Starre. Ihre Haare waren noch immer klamm und klebten an ihrem Kopf wie Wachs an einem Baum. Sie war eiskalt, spürte nur noch einen Teil ihrer Gliedmaßen als sie wie versteinert am Boden vor der Tür kauerte und sich bewusst wurde, dass sie die vermutlich schlimmste Lungenentzündung ihres Lebens bekommen würde, wenn sie es weiterhin bevorzugte, da unten die Welt zu verfluchen und sich in Selbstmitleid zu baden. Die Kälte kroch in jeden Knochen ihres Körpers und sie scheiterte kläglich bei dem Versuch abzuschätzen, wie lange sie schon dort gesessen war. Ein detaillierter Plan formte sich in ihrem Kopf, welche Bewegungsabläufe, Muskeln oder Gelenke wohl nötig waren, um sich aus dieser Position zu befreien. Es war immer wieder schön und durchaus entspannend, sich mit derlei wissenschaftlichen Vorgängen vom eigentlich wichtigen abzulenken.

Ich hab keine Wahl, dachte Sam frustriert. Nichts von alledem würde einfach verschwinden, auch wenn sie dort sitzen bliebe und auf das Ende der Welt warten würde. Beide Beine fühlten sich an, als hätten sie mittlerweile am Boden Wurzeln geschlagen, während sie mit aller Macht versuchte besagtes Paar nach vorn zu strecken ohne dabei Panikattacken zu bekommen. Ihre Knie schmerzten furchtbar und ihre Wadenmuskeln übten den Aufstand in Form von wiederkehrenden Krämpfen, doch Samantha Carter würde nicht an simplen anatomischen Schwierigkeiten scheitern, schwor sie mit allen Fluchwörtern, die ihrem Wortschatz zur Verfügung standen.

Sie hievte sich nach oben in einem Akt der totalen körperlich Verausgabung bis ihre Füße endlich wieder die gesamte Last ihres Körper trugen und weigerte sich weiterhin standhaft über das nachzudenken, was sie eigentlich in jene Lage gebracht hatte. Hätte ihr noch vor zwei Tagen einer erzählt, ihr Vorgesetzter würde sie eiskalt abservieren, und sie halbnackt in ihrem Zimmer inmitten einer keltischen Festung Millionen Lichtjahre von zuhause entfernt stehen lassen wie eine drittklassige Hure, hätte sie denjenigen vermutlich für vollkommen irre erklärt, aber nach dem derzeitigen Stand der Dinge war das wohl so in etwa, was passiert war. Ein bitterkaltes Lachen entfloh ihrem Rachen und sie warf sich mit Mühe und Not auf´s Bett, um sich noch einmal für einige Minuten in eine fetale Halbkugel zu rollen. Es war der blanke Sarkasmus, der sie im Moment am Leben hielt und sie fühlte sich wie eine Fremde im eignen Körper.

War das wirklich Samantha Carter, die allem eine scharfe Note verpasste und so tat, als könnte ihr nichts und niemand etwas anhaben oder war es einfach ein Kokon, den sie versuchte überzustülpen aus nackter Angst, ihm sonst nie wieder unter die Augen treten zu können? Sam wusste die Antwort und es war zweifelsohne klar, dass sie keine Ahnung hatte, wie es weitergehen sollte und so tat sie das, was sie am besten konnte. Sie war einfach Colonel Carter, hart, abgebrüht, kontrolliert und fokussiert.

Sam erhob sich aus ihrem tranceähnlichen Zustand, streifte sich T-Shirt und Hose über und sammelte ihre Gedanken. Das zweite Abendläuten. Es mussten etwa zwei Stunden sein bis dahin und sie würde allein gehen, nicht aus Trotz aber aus purem Selbstschutz. Wie könnte sie ihn jetzt hier auch nur ansehen, geschweige denn mit ihm reden, nachdem, was vorgefallen war. Er hatte Recht. Als er vor ihrer Tür gestanden war, war sie wütend, verzweifelt, verängstigt. Der bloße Gedanke an ihn mit einer anderen Frau verschürte ihre Kehle. Sie wollte so gern glauben, dass er falsch lag, aber in jenem Moment hätte sie fast alles getan, um ihn für sich zu gewinnen, weil die Option ihn zu verlieren einfach nur inakzeptabel war. Aber in einem Punkt lag er falsch, so falsch wie nur irgend möglich. Es war nicht ihr gekränktes Ego….

Sam schüttelte sich kurz. Sie hatte einen Job zu erledigen. Focus Sam, ermahnte sie sich kurz. Sie konnte nicht so schutzlos gehen, sie musste sich bewaffnen, soviel war klar.

Sam schob die Beretta in den Innenholster Ihres Gürtels, packte ihr Messer und diverse andre hilfreiche Utensilien in die andre Seite und stopfte das schwarze Tanktop wieder zurück in ihre Hose.

Dieses verdammte Fest war ein Problem. Denk nach Sam, denk nach.

Aber sicher doch, fiel ihr ein, warum war sie nicht gleich darauf gekommen. Der Frauen liebste Ausrede musste herhalten und sie probte ein migräneverzerrtes Gesicht, dass sie etwa zehn Minuten später in einer brillianten schauspielerischen Leistung einem verdutzten Colonel Dixon zu präsentieren gedachte. Sie musste unbedingt im Bett bleiben, etwas dass unter diesem Umständen sicher keiner in Frage stellen würde und das ihr den nötigen Freiraum bot für eine Zeit lang unbemerkt zu verschwinden.

„Sam? Bist du noch da?" Das Klopfen an der Tür riss sie aus den Gedanken und sie erkannte erleichtert Daniels Stimme. Nach einem prüfenden Blick in den Spiegel, bei dem sie voller Erleichterung feststellte, dass die letzten roten Überbleibsel um ihre Augen fast verschwunden waren, lief sie zur Tür.

„Ich komme schon," rief sie, öffnete die Tür und fand ihre beiden Teammitglieder dort, offenbar fertig ausgerüstet für eine kleine Entdeckungsreise ins Kellergewölbe. Daniel hatte seinen Ellenbogen an den Türrahmen gelehnt und fuhr mit der Hand durch sein zerzaustes Haar. Seine Augen schielten unter den Brillengläsern nach oben und er betrachtete sie etwas genauer.

„Alles in Ordnung bei dir? Du siehst so … uhm mitgenommen aus?"

„Migräne Daniel, man nennt so etwas Migräne und hat dir deine Mutter nie gesagt, welche Sätze Frauen gegenüber absolut tabu sind?", maßregelte sie ihn, während sie sich provokativ ihre Augen rieb und hoffte, er würde den Wink mit dem Zaunspfahl verstehen.

„Ich muss Daniel Jackson zustimmen, Colonel Carter, du siehst in der Tat etwas mitgenommen aus", mischte sich nun auch noch Teal´c ein, der seine Hände hinter seinem Rücken versteckt hielt.

„Ich danke euch sehr, wirklich und nachdem wir nun alle Freundlichkeiten ausgetauscht haben Jungs wäre es wirklich nett, wenn ihr euch in den Keller zurückzieht und ich dasselbe mit dem Bett tue."

Daniel hielt seine Hände defensiv in die Höhe.

„Schon gut, schon gut, ich versteh schon, du willst deine Ruhe. Ich dachte nur, du würdest vielleicht wissen wollen, dass wir grünes Licht für das große Gewölbe haben, dürfen aber offiziell auch nur dort bleiben und haben den Anweisungen der Wachen zu folgen…", er wartete einen Augenblick und sie zog ihn am Arm nach drinnen.

„Tut, was ihr tun müsst. Ich bin mir sicher, irgendwas stimmt hier nicht. Ich weiß nicht, was wir letztes Mal übersehen haben, aber ich will es wissen, hast du verstanden Daniel?"

Teal´c verneigte seinen Kopf und griff nach Daniels Ausrüstung.

„Passt bloß euch auf, Teal´c!", erkläre Sam nervös. „Ich will keine Überraschungen. Heißt ich will sofort wissen, wenn es etwas zu wissen gibt! Ich hab keine Lust euch dann in Einzelteilen aus einer von Tarias Familiengrüften zu fischen."

„Schon klar", flüsterte der junge Mann sichtlich belustigt, als sich plötzlich eine weitere Tür neben ihnen öffnete und Daniel das Grauen in Sam´s Gesicht sah, als würde der Teufel höchstpersönlich kommen, um sie zu holen. Daniel´s sechster Sinn sagte ihm, dass sie aussah als wolle sie flüchten, aber vor was?

Ein ziemlich verschlafen wirkender Colonel Dixon gesellte sich zu der illustren Gesellschaft, die das Gebiet um Sam´s Türrahmen zu besetzten schien und ihre Gesichtszüge, die noch Momente zuvor kurz vorm Entgleisen waren, rückten sich wieder zu recht zu einem vorsichtigen Lächeln.

Sam´s innere Panik, dass der Moment gekommen war, vor dem sie sich mehr fürchtete als vor einem von Anubis Supersoldaten, war augenblicklich verschwunden und sie begrüßte den Kommandanten von SG 13, der noch immer gähnend vor ihr stand mit einem saloppen „Guten Morgen Dixon, sie hatten eine gute Nacht?"

Der runzelte fragend seine Stirn und sah sie etwas verwirrt an. „Morgen? Hab ich was verpasst?"

„War ein Scherz Dixon", erklärte Daniel grinsend und klopfte dem Mann auf die Schulter.

„Sam, wir sind dann weg. Alles wie besprochen", flüsterte Daniel und Teal´c erklärte stoisch. „Ich werde ihn keinen Moment aus den Augen lassen, Colonel Carter!", was ihm wiederum Daniel´s massives Augenrollen einbrachte, der immer davon genervt war, dass ihn seine drei Freunde so manches Mal wie ein rohes Ei behandelten.

Sie sah den beiden Männern mit gemischten Gefühlen nach und hätte sie am liebsten begleitet, wusste sie doch, dass Daniel ganz gern dazu neigte, sich in diverse Schwierigkeiten zu bringen, wenn seine Neugier geweckt war, aber die Tatsache, das Teal´c bei ihm war beruhigte sie ungemein.

Sam atmete tief ein und bemühte sich sehr ein schmerzverzerrtes Gesicht aufzusetzen, was ihr offensichtlich besser gelang als vermutet, war doch ihr schauspielerisches Talent ansonsten eher mittelmäßig ausgeprägt, denn Colonel Dixon sah sie mitleidig an.

„Geht es ihnen nicht gut Colonel Carter?" fragte er neugierig und was das anging musste sie noch nicht einmal lügen, ging es ihr doch tatsächlich eher wie ein mehrfach durch die Mangel gezogenes Hemd, aber sie nahm all ihr Können zusammen und begann zu jammern.

„Ich habe furchtbare Migräne. Es scheint, ich brauche doch mal ein paar Stunden Schlaf, um meinen Körper wieder auf Kurs zu bringen." Sam sah ihn mit großen Rehaugen an, etwas, dass bei den meisten Männer ganz gut funktionierte. „Ich befürchte, ich kann leider nicht mit zu dem Fest gehen, ich wäre eine wirklich schreckliche Begleitung, sie sehen ja selbst." Erklärte sie und rieb sich leidend den Nacken.

„Ich werde mich gleich hinlegen, eine Tablette nehmen und morgen früh bin ich wieder wie neu", fügte sie schon fast freudig hinzu. „Sagen Sie bitte General O`Neill wie sehr es mir leid tut…", und sie musste innerlich schon fast lachen bei diesem Satz, wusste Colonel Dixon doch nicht, wie verdammt nah diese Aussage tatsächlich an der Wahrheit war,"…dass ich nicht mit ihnen kommen kann. Ich wünsch ihnen beiden viel Spaß."

„Ähm, ich wollte ohnehin gerade zu ihm, wollen sie es ihm nicht einfach selbst sagen?", fragte Dixon scheinheilig, denn so gern das die Frau vor ihm wohl glauben wollte, er war nicht auf den Kopf gefallen und er konnte die Migräneausrede riechen bis auf tausend Kilometer Entfernung, hatte er doch eine Frau, eine furchtbare Schwiegermutter und vier Kinder zuhause. Colonel Carter war ohne Zweifel im Vergleich zu seinem Exemplar, das jene Ausrede schon bis zur Perfektion getrieben hatte, ein blutiger Laie und es war glasklar, das würde sie definitiv üben müssen, wenn sie das noch öfter, aber vor allem glaubhaft verkaufen wollte. Er wusste genau, was dann kommen würde und er amüsierte sich innerlich köstlich darüber, wie stolz sie schien, es so perfekt zu machen, dass sie nicht einmal in Erwägung zog, er könne ihr Spiel durchschauen.

Sam hielt blitzschnell eine Hand an ihre Schläfe und schloss leidend ihre Augen.

„Ich glaube, es ist besser, ich lege mich sofort hin" erwiderte sie schnell. Auf Dixons Gesicht erschien ein breites Grinsen und er klopfte sich mental selbst auf die Schulter für seine Menschenkenntnis.

„Aber sicher doch Colonel, gehen sie schon, legen sie sich hin. Ich kann es ihm auch sagen", erklärte er kurzerhand und beschloss, sie nicht weiter zu quälen, auch wenn die Neugier ihn fast zerriss und er nur all zu gern wissen wollte, was da vor sich ging und er hätte seinen heiß geliebten Baseball Schläger gewettet, dass etwa vor sich ging.

„Danke Dixon, haben sie viel Spaß!", flüsterte sie und drehte sich zur Tür und er murmelte nur gemächlich. „Ja,ich bin ganz sicher den werden wir haben! Gute Nacht Colonel."

Sam hingegen huschte zurück in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Auf keinen Fall wollte sie riskieren dass sie Jack begegnete. Sicher war das irgendwann unvermeidbar, auch wenn sie sich liebend gern für den Rest ihres Lebens auf einer Südseeinsel verschanzt hätte. Zum jetzigen Zeitpunkt wollte sie eine Begegnung tunlichst verhindern. Sie ging langsam zum Fenster und in der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit schweifte ihr Blick zu besagtem Südturm, der sie eine halbe Weltreise durch diese verdammte Festung kosten würde, wenn sie dabei nicht gesehen werden wollte. Es schien ihr sicherer, einfach früh genug aufzubrechen, um sich etwas Spielraum zu verschaffen, was das Zeitfenster betraf. Der Stuhl vor dem Fester lud zum verweilen ein und sie setzte sich, lehnte ihren Kopf, der nun tatsächlich eine leichte Migräne zu entwickeln schien, an die Wand hinter sich und stierte nach draußen. Die Stille war nicht gut, dachte sie, gar nicht gut und sie ermahnte sich, nicht zu grübeln. Doch der Gedanke, dass sie jetzt mit ihm in jenem Bett liegen könnte, auf das ihr Blick gerade fiel, ließ neuerlich Tränen in ihre Augen schießen. Aller Sarkasmus und alle heimlichen Treffen dieser Welt, die ihre Aufmerksamkeit forderten, konnten jenes beklemmende Gefühl nicht vertreiben, dass wie ein schwerer Betonklotz auf ihrer Seele lag.

„Guten Abend General O´Neill", begrüßte Colonel Dixon seinen Basiskommandeur mit einem bei weitem übertriebenen Lächeln, nachdem dieser ihm etwas mürrisch die Tür geöffnet hatte. Oh herrje, dachte Dixon unverblümt, der sieht fast noch schlimmer aus als Colonel Carter und ganz langsam formte sich ein Gesamtbild in Dixons lebhafter Phantasie, was wohl vorgefallen sein konnte, nachdem er O`Neill und seine 2IC in fast exakt demselben Zustand vorgefunden hatte.

Die Gerüchteküche im SGC brodelte seit Jahren, was das Verhältnis der beiden anging und selbst ein vollkommen Blinder hätte zumindest die Vibrationen gespürt, die entstanden, wann immer sich beide gemeinsam in einem Raum befanden. Es gab mindestens hundert verschiedene Theorien, was das betraf. Entweder hatten beide seit Jahren klammheimlich ein Verhältnis oder man hatte ein von höchster Stelle toleriertes Verhältnis oder bei manchen waren sie gar schon seit Jahren verheiratet und Pete war lediglich eine Cover Story. Fakt war, das es keine Theorie gab, die es nicht gab. Er sah seinen direkten Vorgesetzten mit mehreren musternden Blicken an und konnte sich dennoch für keine der Theorien entscheiden. Aber was er unbestreitbar sehen konnte, waren zwei kreuzunglückliche Menschen, die offensichtlich beschlossen hatten, sich ihrer beider Leben immer noch schwieriger zu machen und es überkam ihn eine Flut von Mitleid für seine beiden Kollegen.

„Colonel Dixon", sagte er kurz und sah sich um, konnte aber außer dem Führer von SG 13 niemanden sehen. „Wo ist der Rest?"

„Dr. Jackson und Teal´c sind schon unterwegs in den Keller und … uhm Colonel Carter bat mich ihnen auszurichten, dass sie ein furchtbare Migräne habe und unpässlich sei."

„Unpässlich? Was zur Hölle…", aber bevor ihm beinah etwas rausgerutscht wäre, dass definitiv nicht für Colonel Dixon´s Ohren bestimmt war, stoppte er inmitten des Satzes, der nach Dixon´s Meinung aber sicherlich noch wesentlich mehr Schimpfwörter beinhaltet hätte, hätte er den Satz tatsächlich zur Vollendung gebracht.

Dixon überlegte einen Moment und starrte kurz zu Boden, bevor er mit einer weit ernsteren Miene wieder hochblickte.

„General, darf ich offen sprechen?"

„Warum nicht Dixon, spucken Sie´s aus!" sagte er zu seinem jüngeren Kollegen und schnappte sich seine Jacke, die am Bett lag.

„Also wenn sie mich fragen Sir, sie hat gelogen. Es ging ihr nicht gut, das war mit Sicherheit die Wahrheit, aber der Grund war Bullshit. Ich hab zuhause eine Frau, die in der Disziplin absoluter Meister ist, aber selbst die kann mich nicht mehr täuschen." Er wartete einen Augenblick, um die Reaktion des älteren Mannes abzuwarten, wurde aber lediglich mit betretenem Schweigen belohnt und entschloss sich nun doch auszuholen. Man konnte das Drama ja nun schon fast nicht mehr mit ansehen.

„Hören Sie O`Neill, es geht mich wirklich gar nichts an, aber vielleicht …." Jack unterbrach Dixon jäh und hob eindringlich seinen Finger, ahnte er doch schon, dass etwas kommen würde, was er auf keinen Fall hören wollte.

„Sie haben ganz recht Dixon, es geht sie verdammt noch mal gar nichts an", knurrte er aufgebracht. "Und ich schwöre, dafür wird sie später eine sehr gute Erklärung brauchen!", fügte er fast schon brüllend hinzu bevor die Tür zuflog und er wie ein wild gewordener Stier über den Gang fegte.

„Na das kann ja noch heiter werden!" schwor Dixon missmutig und ergänzte mit zuckenden Schultern „Denen ist doch wirklich nicht zu helfen."

„Ich habe da was gefunden Teal´c! Würdest du dir das bitte mal ansehen?" rief Daniel laut vom andren Ende des riesigen Gewölbes, dass durch große Rundbögen in mehrere Abteile gegliedert war. Am Ende des letzten Abteils befand sich eine imposante Steinmauer mit mehreren Inschriften, die meisten davon schienen tatsächlich keltischen Ursprungs zu sein, doch die Übersetzung bereitete Daniel zusehends Probleme, da viele der Schriftzeichen nur noch teilweise erhalten waren und der Text dadurch größere Lücken enthielt und man versuchen musste einige Details einfach aus dem Kontext zu holen.

„Hast du solche Zeichen schon einmal gesehen Teal´c?" fragte Daniel verwundert, als der Jaffa hinter ihm auftauchte und sich zu ihm auf den Boden kauerte.

„Ich fürchte, ich muss dich enttäuschen Daniel Jackson, diese Zeichen sind mir völlig unbekannt", erklärte der und wischte mit der Hand über den Staub, der fast die gesamte Wand bedeckte und legte damit mehrere kleine Stellen frei. „Aber man könnte den Eindruck gewinnen, dass diese Steine hier in einer Art Muster in die Wand eingesetzt wurden."

Beide Männer standen auf und gingen einige Schritte zurück, um einen besseren Blick auf die gesamte Mauer zu bekommen.

Viele sehr kleine Steine waren in einer Art Mosaik zwischen den Inschriften eingesetzt. Daniel hatte sie zu anfangs als eine Art Verzierungen oder Ornamente gedeutet und durch den vielen Staub und die leider sehr unzureichende Beleuchtung war Daniel das vorher einfach nicht aufgefallen.

„Du hast Recht Teal´c, das könnten verschlüsselte Schriftzeichen sein, so verpackt, dass man es gar nicht offensichtlich wahrnimmt, wenn man nicht das große Ganze sieht. Jedes dieser kleinen Mosaike könnte Buchstaben oder ganze Worte enthalten. Bring mir schnell die andre Taschenlampe und die zwei Fackeln aus den Gängen, das sollten wir uns unbedingt genauer ansehen", orderte Daniel und hatte dabei dieses Glitzern in den Augen, das er immer bekam, wenn er etwas entdeckt hatte, das seiner Meinung nach der Schlüssel zur Erkenntnis war.

Colonel Dixon hatte unterdessen einen Marathon gestartet, um seinen Boss endlich einzuholen, der immer noch mit halsbrecherischer Geschwindigkeit jegliche Kurve in der Festung nahm und sicherlich ein saftiges Bußgeld hätte zahlen müssen, wenn man dort eine Radarkontrolle durchgeführt hätte. Selbst sein kleinster Sohn, befand er verärgert, benahm sich erwachsener als jener aufgebrachte General, bei dem man jeden Augenblick erwartet hätte, dass Dampf aus seinen Ohren käme und er vor Wut platzen würde.

Dixon sprach ein Stoßgebet zu den Göttern, welche das hier auch immer waren, als er sah, dass sich General O`Neill vor dem Thronsaal, der schon mit jeder Menge Gästen gefüllt war, endlich zu beruhigen schien. Die Wachen vor den Türen und auch in den Gängen, die sie durchquert hatten, verhielten sich verhältnismäßig ruhig, wenn man mal vom Grad der Bedrohung ausging, die der Gesichtsausdruck von O`Neill jedem vermitteln haben musste, der ihm über den Weg gelaufen war.

Colonel Dixon machte sich nichts vor, dieser Abend konnte an sich nur ein Desaster werden, wenn man den Beginn des ganzen betrachtete. Die Tatsache, dass dieser Mann im Moment so unberechenbar war wie der Verlauf eines Tornados, gepaart mit der Aussicht auf einen Abend mit einer jungen Frau, die sich zur Aufgabe gemacht hatte, jenen Mann heut Nacht notfalls gewaltsam in ihr Bett zu zerren, führte dazu, dass er sich eingestand, dass ihm nun sogar die Vorstellung eines fünften Kindes besser gefiel, als das hier. Wie weit musste es dann schon gekommen sein, grübelte er und suchte sich einen der vielen Diener, die mit einer Art Schnaps umher liefen, um sie an die Gäste zu verteilen. Normalerweise würde er so etwas gar nicht erst anrühren, bemerkte er mürrisch, zumal ja bekanntermaßen im SGC schon tausende Geschichten über Alkohol auf anderen Planeten grassierten, die zu ungeahnten Auswirkungen geführt hatten. Aber er brauchte das jetzt. Wie um Himmels Willen hätte er sonst diesen Abend überstehen sollen?

„General, schön dich zu sehen", flüsterte Taria ihm mit sanften Lippen ins Ohr, hakte sich bei ihm ein und ohne dass Dixon auch nur die Chance zu irgendeiner Frage hatte, war sein kommandierender Offizier mit der betörenden jungen Frau im Arm zwischen den vielen Gästen verschwunden. „Na schön", wetterte er, "der Mann ist erwachsen und braucht keinen Babysitter." Der nächste junge Mann mit Tablett im Arm kreuzte seinen Weg und das zweite Glas des nach irgendetwas unbekanntem schmeckenden Gebräus verschwand hinter seiner Kehle.

Nachdem Jack aufgehört hatte zu zählen, wie vielen Frauen von irgendwelchen bornierten Mienenverwaltern er vorgestellt worden war, war seine ohnehin am Boden kriechende Laune nun am absoluten Tiefpunkt angekommen. Kein Gespräch, keine dieser schönen Frauen, keine noch so wichtige Person Eponas hatte es auch nur einen Augenblick lang geschafft, sie aus seinem Kopf zu vertreiben und er verspürte eine unendliche Wut auf die Frau, die es schon wieder und immer noch schaffte, ihm irgendwie jeglichen Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Taria lächelte ihn unterdessen unentwegt an und er wusste, dass sie nicht aufgegeben hatte in ihrem Bestreben, ihn für sich zu gewinnen und es kostete einen enormen Kraftaufwand nicht einfach nachzugeben, mit ihr zu gehen und ihr ihren Wunsch zu erfüllen.

„Komm Jack, ich möchte dir gern was zeigen. Es wird dir gefallen." Sie nahm seine Hand in ihre und führte ihn durch drei kleinere Nebenräume. Im dritten Raum kamen sie zum stehen und zwei überdimensional große Glastüren öffneten sich und brachten einen riesigen Balkon zum Vorschein. Eine Fackel brannte im Wind, der schon an Stärke zugenommen hatte und das Grollen, das schon seit längerer Zeit zu hören war, wurde nun deutlich bedrohlicher. Die Blitze, die immer noch weit von der Festung entfernt über den Himmel tobten, erhellten von Zeit zu Zeit den Nachthimmel.

„Ist das nicht schön Jack?" fragte sie lächelnd und zog ihn näher an sich, während beide das Schauspiel am Himmel aus sicherer Entfernung beobachteten.

„Ja, das ist es", seufzte er und konnte kaum leugnen, dass dieser Ort einen gewissen Reiz bot, aber er kannte auch ihre Absichten dahinter und so gern er Sam einfach vergessen hätte, er konnte es nicht. Wut staute sich wieder auf beim Gedanken daran, was sie getan hatte und wie feige es war, sich nun in seinem Zimmer zu verstecken, wie ein kleines ungezogenes Kind, das der Strafe der Eltern entgehen wollte.

Taria drehte sich vorsichtig zu ihm und streifte zärtlich mit ihren Fingerkuppen über seine Wange. „Gib mir wenigstens eine Chance, Jack. Ich verspreche, du wirst es nicht bereuen", flüsterte die junge Frau mit leuchtenden Augen und ohne ihn auch nur einmal zu Wort kommen zu lassen, küsste sie ihn. Sie erwartete jeden Augenblick seinen Rückzug und war umso überraschter, als er wider Erwarten darauf einging, sie grob an sich drückte und den Kuss erwiderte. Seine Hände waren plötzlich überall, er wollte sosehr vergessen, sosehr versuchen Sam einfach zu ersetzten mit einer anderen Frau. Der Kuss wurde leidenschaftlicher, intensiver und er spürte ihre Erregung, die Art wie ihre Lippen an seinen nippten, ihre Hände Dinge taten, die seinen Körper dazu verführten, zu glauben, er könne das tun, auch wenn die Frau vor ihm nicht war, was sein Herz wirklich wollte.

Der Balkon war groß, erstreckte sich außen über zwei Zimmer und sie zog ihn weiter bis zur nächsten Tür, die sie mit einem leichten Druck aufstieß.

„Komm mit mir", hauchte sie ihm sanft entgegen und sein Blick fiel sofort auf das riesige Bett, das inmitten des Zimmers stand, Kerzen brannten im ganzen Raum und ließen ihre Silhouette im warmen Licht noch erotischer erscheinen. Das hier war kein Zufall, gestand sich Jack ein und sah, wie das goldene Band an ihrem Kleid zu Boden fiel, das Kleid kurz darauf folgte und über ihre schmalen Schultern nach unten rutschte. Vor ihm stand eine völlig nackte junge Frau, deren lange Locken sanft ihre jugendlichen Brüste umspielten und Jack fragte sich kurzerhand, was heut los war mit den Frauen, dass alle dazu neigten, für ihn das Akt Model zu spielen. Zweifelsohne, sie war schön, wer hätte das leugnen können. Taria nahm seine Hand und führte ihn zum Bett, bevor sie sein Hemd öffnete und den Stoff beiseite schob. Ihre Hände streiften langsam über seine Hüften und sie öffnete seinen Gürtel. Oh Verdammt, schon wieder ein Dejà vue, dachte Jack nun leicht panisch und begann seine Optionen zu erwägen. Sie war gut mit dem, was sie da tat und es fiel ihm immer schwerer die Kontrolle zu behalten. Er schloss seine Augen und hatte tatsächlich in Betracht gezogen es einfach zuzulassen und zu vergessen, dass sie nicht Carter war.

Sam hatte geduldig gewartet, die ersten Regentropfen klopften an ihr Fenster, als sie noch einmal zum Südturm blickte. Nur wenige Lichter flackerten auf dem Weg dorthin und langsam wurde es Zeit aufzubrechen. Viele Dinge waren ihr in der letzten Stunde durch den Kopf gegangen. Sie dachte an ihren Vater, den sie nun schon solange nicht mehr gesehen hatte. Der Kontakt mit den Tok´ra war gelinde gesagt miserabel seit dem Debakel auf der Alpha Basis und sie vermisste ihren Vater, mehr als sie sagen konnte, aber das schlechte Verhältnis zwischen Selmak und dem High Council nach dem Bruch der Allianz hatten tiefe Risse hinterlassen in den Beziehungen der Tok' ra zur Erde. In den letzten Jahren war er mehr Vater für sie gewesen, als in all den Jahren zuvor und sie schwor sich, dass sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um den Kontakt mit ihm herzustellen, sobald sie wieder zuhause war.

Sam warf einen letzten Blick auf ihre Uhr, noch etwa dreißig Minuten bis zum zweiten Läuten, schätzte sie, schwang ihre Jacke dynamisch über ihre Schultern und kontrollierte die Waffe und das Messer. Das Funkgerät ließ sie am Tisch liegen, konnte sie es sich doch auf keinen Fall leisten, dass das Ding auf dem Weg nach unten plötzlich zum Leben erwachen würde.

Sie löschte die Kerze auf dem kleinen Schränkchen neben dem Bett und schlich aus ihrem Zimmer.

Die langen dunklen Gänge wären einem Hitchcock Film durchaus würdig gewesen und sie tastete sich um jede Kurve, über jede Treppe, um jeglichen Kontakt mit den Wachen zu vermeiden. Gerade als sie die letzten Stufen nach unten steigen wollte hörte sie Stimmen aus einem der Gänge. Die vielen Türen, von denen sie keinerlei Ahnung hatte, wohin sie führten boten das Risiko irgendjemandem in die Hände zu laufen, dem sie dann vermutlich viele Fragen hätte beantworten müssen und die `Oh mein Gott, ich hab mich verlaufen´ Ausrede wäre so weit entfernt vom Westflügel keine besonders gute Idee mehr gewesen. Sie lief schnell die letzten Stufen zurück und versteckte sich hinter einer der Nischen, die durch die großen Torbögen am Anfang der Gänge entstanden. Die zwei Wachen schienen so in ihr Gespräch vertieft zu sein, dass sie nicht einmal in ihre Richtung schauten. Ihr Herz hämmerte wild und ihr Puls raste in ungeahntem Tempo. Sie konnte auf keinen Fall riskieren gefunden zu werden, bevor sie wusste, was der oder diejenige ihr zu sagen hatte. Was wenn sie wirklich in Gefahr waren und dies tatsächlich kein Hinterhalt war?

Irgendwas in ihr glaubte daran, wenn sie auch beim besten Willen nicht sagen konnte was.

Sie wartete noch einen Moment, als sie plötzlich das durchdringende Geräusch der Glocke am großen Turm sie aufrüttelte. Das zweite Abendläuten. Sie verließ ihre Nische und lief die Treppen hinunter, behielt die Gänge im Blick die von der unteren Etage abgingen und nahm die letzten Stufen nach unten. Am Eingang des Südflügels standen zwei Wachen, die mehr oder weniger in eine Unterhaltung vertieft waren. Verdammt, dachte Sam, die musste sie unbedingt loswerden. Sie huschte kurz über den Flur und schlich sich in den Gang des Südflügels, platzierte an einer der Türen eine kleine Ladung Sprengstoff, den sie per Fernzünder aktivieren konnte und huschte ungesehen wieder zurück in den Treppenaufgang. Die Wachen unterhielten sich noch immer angeregt, als Sam den Zünder aktivierte und eine kleine Explosion beide Männer aufschreckte, die darauf hin ohne lange nachzudenken um die Ecke in den Gang des Südflügels rannten. Sam verlor keine Zeit und lief zu der großen Holztür, öffnete sie vorsichtig und erkannte, dass draußen keine Wachen zu sehen waren. Es regnete schon intensiver, als sie die Tür wieder schloss und die letzten Meter zum Südturm rannte, im Schutz in der Dunkelheit, die nur durch ein paar noch immer recht weit entfernte Blitze kurzzeitig erhellt wurde.

Sie lief hinter die Mauer und erspähte die unter einem kleinen Vordach gestapelten Strohballen. Ihre Finger krallten sich vorsichtig in die Gürtelschnalle und schoben ihr T-Shirt ein wenig beiseite, bis sie ihre Beretta spüren konnte. Sam sah sich um, versuchte alle Richtungen zu scannen aus denen sich irgendwer hätte nähern können und lehnte schließlich ihren Rücken an einen der Strohballen. Mit der Hand an ihrer Waffe wartete sie und ein paar Minuten vergingen bis eine schmale Gestalt aus der Dunkelheit auf sie zukam. Sie hob ihre Beretta und legte ihren Finger wartend auf den Abzug. Plötzlich spürte sie Jemanden hinter sich und eine raue Männerstimme erklang aus dem Hintergrund.

„Das würde ich nicht tun, Colonel Carter", sagte der Mann kalt und ein kurzer Moment der Ablenkung führte dazu, dass der Mann, der vor ihr aufgetaucht war, ihr die Beretta aus der Hand kickte, die mit einem Knall hinter einen der Ballen fiel. Sam landete darauf hin einen präzisen Schlag mit ihrem Fuß in dessen Magengegend. Der Mann taumelte schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht rückwärts und sank zu Boden. Danach ging alles ganz schnell. Ehe sie überhaupt die Chance bekam, sich umzudrehen, um sich dem andren Mann gebührend zu widmen, hatte der von hinten seinen rechten Arm um ihre Kehle geschlungen, während der linke um ihre Hüfte ihre beiden Arme blockierte. Verdammt, dachte sie panisch, der war gut und noch dazu schien er recht groß und kräftig zu sein. Sam trat mit ihrem Fuß gegen das Schienbein ihres Angreifers, der kurz aufheulte, dessen Griff deshalb aber nicht merklich nachließ. Sie versuchte ihren Ellenbogen zu befreien für einen gezielten Schlag in die Magengegend, doch dann spürte sie wie ihr jemand ein nasses Tuch vor ihre Nase und ihren Mund hielt. Mit letzter Kraft schob sie ihren Ellenbogen nach hinten und trat ein letztes Mal nach dem Mann, aber es war zu spät. Alles begann sich zu drehen, die Bilder verschwammen und um sie herum wurde schwarz.

Es hatte keine fünf Minuten gedauert und Jack war vollkommen klar, dass dieser dämliche Plan niemals funktionieren konnte. Er hatte ganze achte Jahre nichts anders versucht, als sich diese Frau aus dem Kopf zu schlagen und nun stand da dieses blutjunge wunderschöne Mädchen und alles, was er sehen konnte, war Carter. Was hatte sie mit ihm gemacht, dass jede andre Frau im Gegensatz zu ihr wie armselige Notlösung wirkte und egal welche Strategie er zu verfolgen versuchte, sie endete unweigerlich in einer Sackgasse.

`Vergiss sie Jack… und ich bin bereit, dir all das zu geben, was du brauchst…!´

Er konnte jetzt noch Ihren Atem spüren, ihre Stimme hören, als sie es sagte.

Wie zur Hölle sollte das noch irgendwie funktionieren. Ein kühler klarer See und ein kleine gemütliche Hütte schoss in seine Gedanken, seine Angel im Wasser und die Abgeschiedenheit der Wälder Minnesotas. Der Gedanke war ihm in den letzten Jahren sooft gekommen, doch er wurde gebraucht. Die Erde brauchte ihn, das SGC brauchte ihn, die Air Force brauchte ihn, aber die einzige Person, von der er so gern gebraucht werden wollte, brauchte nur sich selbst. Die Aussicht auf den Ruhestand erschien ihm nun wieder erstrebenswerter denn je. Er würde gehen, am besten gleich auf einen anderen Planeten. Die Versuchung, sie zu sehen war so groß, dass er nicht einmal jetzt, höchstens drei Stunden nach dem sie ihm mal wieder sein Herz zerrissen hatte, genug Kraft aufbringen konnte, sie zu ignorieren oder sie einfach nur zu hassen.

Taria hielt seine Hand und offenbar konnte sie sehen, dass er längst nicht mehr da war.

Jack hielt ihr schmales Gesicht in seinen Händen und ein kurzes „Es tut mir leid" war alles, was er sagen konnte, bevor er eine der vielen Decken, die sich auf ihrem Bett befanden um ihre Schultern legte, ihr einen leichten Kuss auf die Stirn gab und schweigend den Raum verließ.

„Tja Jack", sagte sie leise mit starren Augen, als sie ihn über den Balkon verschwinden sah. „Ich hatte wirklich gehofft, wir könnten das so regeln, aber ich bekomme auch ohnehin immer, was ich will", flüsterte sie und ihr schallendes Lachen hallte durch die Nacht…

Jack kehrte unverzüglich zurück in den Thronsaal und suchte Dixon, fand ihn leider nicht mehr ganz nüchtern und schleppte den jüngeren Mann, der nun leicht wirres Zeug zu reden begann, zielstrebig zu den Quartieren im Westflügel, warf ihn in sein Bett und deckte ihn zu.

„Schlafen sie ihren Rausch aus Dixon", sagte Jack gelassen und ließ den Kommandeur von SG 13 selig schlafend in seinem Bett zurück.

Jack hasste sich selbst dafür, aber es war wie eine unsichtbare Macht, Magnetismus oder was auch immer, dass ihn ein paar Minuten später wieder vor ihrer Tür zum stehen kommen ließ. Müde und erschöpft rieb er seine Augen und auf seinen Schultern saßen Engelchen und Teufelchen, die sich einen erbitterten Kampf lieferten. Wer gewann konnte er beim besten Willen nicht sagen, aber er fand sich schlussendlich klopfend an ihrer Tür wieder, vor der er schon drei Stunden zuvor gestanden war, doch sie reagierte nicht.

Er klopfte noch einmal.

„Carter, machen sie auf, wir müssen reden", rief er nüchtern, während er nervös an seiner Stirn kratzte.

Nichts. Lag sie doch im Bett und schlief mit der behaupteten Migräne?

Er klopfte ein letztes Mal und Jack, der wohlweislich nicht für seine Geduld bekannt war, öffnete vorsichtig die Tür. Es war dunkel und er konnte rein gar nichts sehen. Kurzerhand holte er am Gang eine der vielen Fackeln und ging zurück in ihr Zimmer, aber da war nichts, absolut nichts. Ihr Bett war leer, sie hatte es noch nicht einmal kurz benutzt und er durchsuchte aufgewühlt das Zimmer mit der Fackel. Wo zur Hölle war sie? Das erste, was ihm einfiel waren Daniel und Teal´c. Wollte sie die beiden vielleicht nicht allein lassen und war ihnen gefolgt? Ein unangenehmes Kribbeln breitete sich in seinem Magen aus und Panik begann in ihm aufzusteigen als er ein zerknülltes Stück Papier am Boden vor dem Bett fand. Er hob es auf, strich es vorsichtig glatt und stierte voller Entsetzen auf die Worte, die darauf standen.

`Komm nach dem zweiten Abendläuten zum Südturm, warte am Vordertor hinter den großen Strohballen. Komm auf jeden Fall allein und sprich mit niemandem darüber. Ihr seid in Gefahr.´

Jack musste nicht lang nachdenken, kannte er sie doch gut genug, um zu wissen, dass sie ganz sicher allein und ohne erforderliche Rückendeckung dort hin gegangen sein musste. Die Panik schien nun seinen gesamten Körper zu übernehmen. Er musste zum Südturm, sofort. Das zweite Abendläuten war schon mindestens eine Stunde her und sie hätte schon längst zurück sein müssen. Er betete zu Gott, dass ihr nichts passiert war, als er plötzlich das unmissverständliche Geräusch des Öffnens einer Zat hinter sich hörte, was ihm ein gefrustetes "Oh verdammt" entlockte bevor ihn die allseits beliebte elektrische Ladung traf und ihn bewusstlos zu Boden beförderte.