Nachdem ich mich endlich aus meinem Autositz erhoben habe, schleiche ich wie ein geprügelter Hund, wohlgemerkt ein verhungerter, schlafloser geprügelter Hund durch meine Haustür und irgendwie fühle ich mich auch dem entsprechend. Ich werfe meine Schuhe in die Ecke und knalle meine Schlüssel voller Wut auf meinen Wohnzimmertisch. Für einen Moment wünsche ich mir, ich könnte ihn einfach nur hassen, aber wenn man Gefühle mal eben so abstellen könnte, hätte ich den blöden Schalter längst umgelegt und dann mit einem Hammer einmal beherzt draufgehauen, um ja nicht noch mal in die Verlegenheit zu kommen, mich in meinen kommandierenden Offizier zu verlieben

Ich werfe mich auf meine Couch und lege die Beine auf den Tisch, das Gefühl sich einmal zu benehmen wie ein Mann umnebelt meine Sinne und versetzt mich in Hochstimmung. Männer tun einfach wonach ihnen ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Solange nur das regelmäßige Verteilen des Erbgutes auf den weiblichen Part der Bevölkerung zur Regulierung des eigenen hormonalen Gleichgewichts in bequemen Abstanden erfolgt, ist deren Welt in bester Ordnung und warum zur Hölle habe ich auch nur eine Sekunde lang angenommen, dass Jack da anders sein könnte.

Die dumme kleine Sam schlägt sich die Nächte um die Ohren und vergisst bei dem Gedanken an den armen Colonel O`Neill, der sich inzwischen seelenruhig durch Edoras Betten hoppt, doch tatsächlich ihr eigenes Leben, nur um am Schluss einen kräftigen Tritt in den Hintern zu bekommen. Ich ergebe mich dem Gedanken, dass ich einmal zu oft das naive Dummchen war und die Idee lässt mich keine Minute später gierig über der Kloschüssel hängen, um mir auch noch den Rest Nahrung, der meinen Magen auf Sparflamme am laufen hielt, grazil aus meinem Körper zu pressen.

Es ist genau dieser Moment, der mich schwören lässt, nie wieder das naive Dummchen zu sein und mir ab jetzt auch einfach das zu nehmen, wonach mir gelüstet. Ich spüle mir den Mund im Waschbecken aus, hole mir eine Flasche Wein aus der Küche, um mich wenigstens einmal an diesem Tag wie der Gewinner zu fühlen.

Meine Couch ist nun wieder mein Zufluchtsort und die Flasche Wein trinkt sich, wie ich eben feststelle, auch ganz gut ohne Glas, was den Vorgang des sich heftig Betrinkens in beträchtlichen Ausmaß beschleunigt. Ja, ich bin zynisch, das muss ich anerkennen, aber die Wahl zwischen Zynismus und Schwäche ist schnell getroffen, denn ich habe nicht vor, ihm den Triumph zu gönnen, mich in die Riege seiner gebrochenen Herzen einzureihen. Ich brauche ihn nicht, genauso wenig, wie er mich zu brauchen scheint, auch wenn ich weiß, dass ich wohl noch ein wenig Zeit benötige, um mir das in notwenigem Maße einzureden, damit ich es auch selbst glaube.

Der Schmerz wird mit jeden Schluck Rotwein erträglicher, denn ich drifte immer mehr ab in einen dämmerähnlichen Zustand und ein hauchzarter Schleier des Vergessens legt sich über meine geschundene Seele, als ich endlich einschlafe.

Es ist genauso verschwommen um mich herum, als ich erwache vom Klappern und Klimpern des Geschirrs in meiner Küche. Ich schaue mich kurz um, aber außer den Geräuschen höre ich nicht viel, wen wundert es auch, wo doch ganz munter eine Blaskapelle in meinem Kopf vor sich hin spielt und alle Töne irgendwie schief klingen. Begleitet von einem unaufhörlichen Dröhnen in meinen Ohren stütze ich mich auf meine Ellenbogen und drücke mich nach oben, als irgendeine unbekannte Kraft mich wieder Richtung Boden zu drücken scheint. Meine Bettdecke lieg wohl platziert auf mir und selbst dieses federleichte Gewicht fühlt sich gerade an wie ein eine Asphaltdecke, die auf mir gepflastert wurde.

Das Rauschen der Dunstabzugshaube wird etwas lauter, als sich die Tür zu meiner Küche mit einem dumpfen Knarren öffnet, Schritte leise immer näher kommen und sich Jemand vor mich kniet. Ich habe meine Augen längst wieder geschlossen und hoffe damit jedwede Person aufzuhalten, die jetzt versuchen will mit mir zu reden. Ich will einfach nichts hören und nichts sehen, doch ich weiß nur zu genau, um wen es sich handelt und kenne die Person gut genug, um zu wissen, dass sie nicht einfach gehen wird. Eine Hand streicht über meine Wange und ihr schweres Atmen macht mir ein schlechtes Gewissen, ihr erst solchen Ärger bereitet zu haben.

„Es tut mir leid Jan", murmle ich kaum verständlich vor mich hin. „Ich hab dein Vertrauen missbraucht und bin selbst heimgefahren." Meine Fassade beginnt ein wenig zu bröckeln, als ich meine Augen öffne und ihre unendlich ehrliche Wärme spüre.

„Du hättest nicht trinken sollen in deinem Zustand Sam, das ärgert mich fast mehr, als sie Tatsache, dass du mich mit dem Taxi angelogen hast und erzähl mir nicht, du hast es überhaupt in Betracht gezogen, eines zu nehmen."

Verflucht, denke ich, woher um Himmels Willen weiß sie das immer alles?

Sie gibt mir einen Kuss auf die Stirn und ich bin ehrlich schockiert, weshalb sie überhaupt noch mit mir redet.

Ihre Stimme wird dünn als sie flüstert und ich spüre ihr tiefes Mitgefühl darin.

„Ich habe doch nicht geahnt, dass so etwas passieren würde Sam. Ich kann mir nur vorstellen, was du gefühlt haben musst nach all den Wochen harter Arbeit…."

Im Prinzip will ich nicht darüber reden, aber ich erinnere mich an mein Versprechen, dass nun gehalten werden will.

„Ich möchte ihn einfach nur noch vergessen, wie er mich auch vergessen hat", gestehe ich mit zittriger Stimme und drehe meinen Kopf zur Seite, um sie nicht an meinen Tränen teilhaben zu lassen. Verflucht, ich will nicht schwach sein, ich will stark sein und ihn endlich spüren lassen, was es heißt, das Opfer der eigenen Einfältigkeit zu sein. Ich schließe einen Pakt mit mir selbst. Er wird erfahren, was ihm entgeht, weil er sich an den Hals dieser Mutter Theresa geworfen hat und wenn es das letzte ist, was ich tue.

Janet sieht den Wechsel der Gefühle in meine Augen, die sich im Takt des Sekundenzeigers meiner Uhr zu verändern scheinen und starrt mich entsetzt an.

„Was geht in diesem hübschen klugen Köpfchen vor Sam? Kann es sein, dass es etwas ist, dass ich lieber nicht wissen will?" fragt sie mich naserümpfend.

„Mag sein, aber sagen wir es mal so. Wenn er glaubt, ich warte bis er seine Hausmütterchenphase überwunden hat, um dann vielleicht in meine Arme zu fallen, dann hat er sich geschnitten. Andere Mütter haben auch schöne Söhne Jan und es wird Zeit, dass ich ein paar davon kennen lerne."

Janet reibt ihre Augen mit ihren Handballen und atmet scharf aus. Sie ist eine Frau und sie ist nicht dumm, sie weiß was ich meine. Ich habe beschlossen, die andere Seite von mir endlich raus zulassen, die weibliche Seite und Gott ist mein Zeuge, er wird sich noch wünschen, mich auch nur einmal anfassen zu dürfen.

Meine beste Freundin opfert derweil ihren Abend bei dem Versuch, meine Seele zu retten, die dummerweise leider schon in der Hitze Edoras verloren ging und ich versuche ihr zu erklären, dass es vergebene Liebesmüh ist, eine Frau auf ihrem Rachefeldzug umstimmen zu wollen. Ich weiß, ich kann nicht kochen, bin auch ganz sicher nicht die Frau, die zuhause das Sofa anwärmt und das Bier kaltstellt, aber bisher habe ich auch nie angenommen, dass dies Jacks Vorlieben seien.

Auch habe ich mich nie gerühmt ein Männer verschlingender Vamp zu sein, aber irgendwo zwischen drin lag offensichtlich das Traumbild eines jeden Mannes, wenn es um Frauen ging. Es war immer gut, nicht mit seinen Reizen zu geizen und die Zeit war gekommen, die Wirkung dieser Regel einmal höchst selbst zu testen.

Arme Janet, denke ich, die noch immer hofft, mich bekehren zu können für die brave Seite in mir und nicht weiß, dass ihr Kampf längst verloren ist. Meine Entschiedenheit ist immens, hat bereits alles in mir infiziert wie ein Virus, das sich unaufhaltsam über jede Zelle meines Körpers verteilt und schließlich meine Seele einnimmt. Ich ziehe mir gedanklich eine Maske über, eine hauchdünne Hülle, die mein Inneres verdeckt, bin wild entschlossen die mentale Domina zu spielen und hoffe, niemand wird das Schauspiel als solches erkennen.

Janet kümmert sich weiter aufopferungsvoll um mich. Sie kocht, räumt auf, putzt und pflegt meine geschundene Seele. Ich hab sie gar nicht verdient. Mein schlechtes Gewissen schwappt über den geistigen Tellerrand, als sie mir auch noch anbietet, heut Nacht hier zu bleiben, um mir meine Hand zu halten, doch ich lehne dankend ab und freue mich Cassie als willkommene Ausrede zu benutzen, warum sie auf keinen Fall bleiben könne. Als ich endlich allein bin, lasse ich mich auf mein Bett fallen und starre ins Dunkel. Ich kann den Anblick nicht vergessen, die Vertrautheit, die Wärme und ihr liebreizendes Gesicht, als sie ihn anhimmelt. Natürlich himmelt die ihn an, anscheinend hatte sie ihn im Bett und der Gedanke allein reicht schon aus, bei mir neuerlich den Wunsch auf eine weitere Flasche Wein, ach was besser gleich Whiskey, zu wecken. Ich trage mich mit dem Gedanken, aufzustehen und meinen Hunger nach Vergessen zu stillen, aber meine müden Glieder senden andere Signale und ich presse meine Augen zu.

Der schrille Klingelton meines Handys reißt mich aus meinem Wohl verdienten Schlaf, habe ich doch ewig arbeiten müssen, tausende der verdammten Schaf Biester zählen müssen, um ihn endlich zu finden und ich zucke zusammen, wie ein Lamm, dass die Ankunft des großen bösen Wolfs erwartet. Ein Blick auf das Display verheißt nichts Gutes. Was will Hammond von mir? Ich zögere, rangehen oder einfach mal für ein paar Tage die Entbehrliche spielen, gut Lust darauf habe ich jedenfalls, aber mein verfluchtes Pflichtbewusstsein siegt über meinen inneren Schweinehund und ich nehme ab.

„Carter. Was kann ich für sie tun Sir?"

„Major." Eine längere Pause folgt, bevor er spricht. „Sam, ich weiß, was sie die letzten Wochen geleistet haben und sie haben sich ein paar Tage für sich mehr als verdient, aber wir haben ein Problem mit Tordiagnostik und Sergeant Siler ist am Ende seines Lateins angelangt."

Ich seufze schwer und ahne, was er fragen will, auch wenn ich nur all zu gern die Gehörlose spielen will.

„Ich bin in einer guten Stunde da, Sir", sage ich ihm, verdrehe dabei die Augen und bin froh, dass man mich durchs Telefon nicht sehen kann. Wie gerne wäre ich nun seinem ursprünglichen Befehl gefolgt und hätte mir eine volle Woche Auszeit gegönnt, aber ich füge mich in mein Schicksal, meiner persönlichen Apokalypse wohl etwas schneller gegenüber zu treten, als erhofft.

Ich kann seine erleichtertes Stöhnen hören, bevor er auflegt und erinnere mich, dass es nicht Hammonds Schuld war, sondern die eines ignoranten, idiotischen, völlig blinden und herzlosen Colonels, der eine Frau wie mich verdammt noch mal gar nicht verdient hat. Ja, es ist Zeit, mein auf den absoluten Tiefpunkt gesunkenes Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Ich bin mehr wert, als dieses schmollende leidende Etwas, dass gerade noch in meinem Bett lag und hole demonstrativ die stolze, kluge, schöne und selbstbewusste Frau wieder aus der Schublade, die für ein paar Stunden dort eingeklemmt war.

Ich bin gerade dabei mich anzuziehen, sehe im Spiegel aber leider, dass meine Fassade dringend eine Renovierung braucht und dusche mich schnell noch. Das SGC kann ruhig mal ein wenig auf mich warten, denke ich, werfe mir provokativ etwas mehr Farbe ins Gesicht und schenke meinem Haar ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit.

Nach einer halben Stunde sitze ich endlich im Auto auf meinem Weg ins Stargate Center. Ich bin gut aufgelegt, besser als zuerst befürchtet und streife mir lasziv durchs Haar, als mich der Airman am Eingang eindringlich mustert. Wenig später bin ich schon wieder in den grauen Gängen des SGC unterwegs und habe bis jetzt meine Angst, der einen Person zu begegnen, der ich partout nicht begegnen will, einfach perfekt überspielt und bin enorm stolz auf mich, bis ich an der letzten Kurve kurz vor meinem Labor plötzlich Stimmen höre. Es ist Daniel und seine Stimme zeugt von Verärgerung und das nicht zu knapp. Und dann wird mir klar warum. Ich bewundere ihn fast dafür, mein Ritter in schimmernder Rüstung verteidigt mich bis aufs Blut. Ich tue, was man als braves Mädchen nicht tun würde, denn ich lausche.

„Hast du überhaupt den Hauch einer Ahnung, was sie die letzten Wochen geleistet hat Jack? Wie kann man nur so selbstgerecht sein." Ich kann ihn nicht sehen, aber seine Stimme reicht, um mir den Ausdruck in seinem Gesicht vorzustellen.

„Was genau willst du mir eigentlich sagen Danny. Ich saß drei Monate dort fest und die Wahrscheinlichkeit, wieder zurückzukommen war so gut wie nicht existent."

„Ja Jack, das rechtfertigt durchaus, dass du begonnen hast, dich abzufinden, aber noch lange nicht die Art, wie du sie gestern behandelt hast, wie du ihre Bemühungen in keiner Weise gewürdigt hast. Wäre ich an Sams Stelle gewesen, hätte ich vermutlich gut Lust gehabt, dich einfach dort zu lassen und das Tor wieder zuzuschütten."

Wow, ich bin perplex. Meine Brust schwillt an voller Stolz für den jungen Mann, der so vehement für mich einsteht und ich sehe, wie er den großen Jack O`Neill einfach sprachlos stehen lässt. Wer hätte ihm das zugetraut. Ich bin gefangen in meiner Verehrung für meinen Freund und ergreife trotz allem die Flucht. Mein Labor ist tabu, solange Jack davor lungert und auf mich lauert, also drehe ich ab und begebe mich direkt zum Kontrollraum, um Siler zu helfen. Ich lege es nicht darauf an, ihn zu sehen, bin aber gewillt, meinen Dämonen entgegen zu treten, notfalls auch noch heut.

Es dauert nicht lange und ich kann das Problem beheben und wundere mich, welches Walross um Himmels Willen die ganze Zeit auf der Leitung des sonst so verlässlichen Mannes stand. Sein Versuch sich mit mir über Colonel O`Neill zu unterhalten, wehre ich gekonnt mit Jacks ach so beliebten Techno Gebrabbel ab, das so ziemlich jeden Mundtot machen kann und bin stolz auf meine filigrane Strategie.

Ich steige in den Aufzug und drücke den Knopf, um wieder in mein Labor zu gelangen, als sich eine Hand kurz vorm Schließen durch die Tür zwängt, den Vorgang abbricht und die Türen wieder aufspringen. Ich ahne Schlimmes und werde auch sofort in meiner Ahnung bestätigt. Verflucht, warum kann ich nicht einmal Unrecht haben?

„Carter! Ich hab schon nach ihnen gesucht", sagt er als er hastig zu mir in den Aufzug springt und ich kurzweilig in Betracht ziehe ihm ein hübsches blaues Auge zu verpassen. Hab gehört, soll grad voll in Mode sein und erspart farbige Kontaktlinsen. Aber meine pazifistische Ader gebietet mir Einhalt und ich beschränke mich darauf, innerlich ein teuflisches Süppchen zu kochen, während er da steht wie ein armer Welpe, den man ausgesetzt hat. Ups, denke ich still vor mich hingrinsend, man hatte ihn ja tatsächlich ausgesetzt, auf Edora, aber mit einem treuen Hundeblick findet man ja immer Unterschlupf unter der Bettdecke einer armen vereinsamten Frau. Mein Sarkasmus springt mich fast von innen an und ich erkenne mich kaum wieder, doch da er meine einzige Waffe gegen die immer wieder an die Oberfläche strebenden Gefühle für meinen kommandierenden Offizier ist, heiße ich ihn willkommen, merke aber, dass trotz der Tatsache, dass ich Jack im Moment abrund tief hasse oder es zumindest versuche, ein Blick aus seinen schokobraunen Augen reicht, meine Entschlossenheit beinah aufzuweichen.

„Was wollen sie Sir, meine Zeit ist knapp?" frage ich mit einem gelangweilten Unterton und verschränke meine Arme vor meinem Oberkörper, als wolle ich mich vor ihm und seinem Charme schützen, der mich nur wieder einlullen wird und mich am Schluss als die Dumme dastehen lässt. Ich neige meinen Kopf zu Seite und schlage meine Augen weit auf. Ich warte.

„Wir müssen reden."

„Wirklich Sir? Ich wüsste nicht worüber." Ich habe kein Interesse mehr, meinen Unmut über ihn länger hinter einer aufgesetzten freundlichen Fassade zu verstecken. Nach gestern soll er gefälligst mit meinen Launen leben, wie ich mit den Seinen.

Er drückt auf Stop und der Aufzug bleibt stehen. Meine Augen verengen sich und die Falten auf meiner Stirn deuten auf eine baldige Explosion meinerseits hin. Könnten Blicke jetzt wirklich töten, läge er bereits leblos vor mir. Gefährlich, gefährlich, denke ich und ich ziehe kurz in Erwägung, ihn zu warnen, als er seine Hand plötzlich auf meinem Arm legt.

Mein Blick wandert von seinem Gesicht zu seiner Hand und zurück.

„Ich wollte mich bedanken Carter und…." Er zieht scharf durch seine Zähne die Luft ein."…mich entschuldigen."

Hah, wenn er denkt, das würde jetzt noch ziehen, dann hat er aufs falsche Pferd gesetzt. Meines ist nämlich gedanklich schon mit dem nächst besten anderen Prinzen in den Sonnenuntergang geritten. Die Vorstellung ringt mir ein Lächeln ab, das ich mir aber sofort wieder verkneife, als ich ihn ansehe.

„Nicht der Rede wert, das ist mein Job", sage ich mit monotoner Stimme und strecke meine Hand aus, um den Aufzug wieder zu starten, doch seine Hand packt mich am Unterarm und hält mich fest.

„Ich hab nicht gedacht, dass sie es schaffen würden …!" Seine Stimme klingt ehrlich und wiegt eine schmerzliche Melodie in sich, aber ich will verdammt sein, wenn ich jetzt auf die Nummer reinfalle.

„Niemand wird zurückgelassen, waren das nicht ihre eigenen Worte Sir? Wieso hätte sich das jetzt ändern sollen?"

„Carter, hören sie, ich glaube kaum, dass es ihr Job ist, sich Tag und Nacht um die Ohren zu schlagen, nur um mich nach Hause zu bringen. Wie hätte ich das von ihnen erwarten können?"

Ach was, jetzt fällt es ihm plötzlich ein, dass es nicht meine Aufgabe ist, seinen Hintern zu retten? Vielleicht hätte ich vorher so schlau sein sollen. Erneut steigt Wut in mir auf und ich spüre, wie sie die Oberhand gewinnt über mein sonst so friedfertiges Wesen. Ich gehe einen Schritt auf ihn zu und komme seinem Dackelblick mit meinem Todesblick zuvor.

Als ich aber plötzlich in seine ungewöhnlich sanften Augen sehe, beginnt meine Entschlossenheit schon wieder zu bröckeln und ich ermahne mich erneut, stark zu bleiben.

„Genau Sir, wie hätte man das von mir erwarten sollen", hauche ich ihm entgegen und lasse den Geruch meines neuen Parfums in seine Nase ziehen. Leide, wie ich leide, denke ich und das wird erst der Anfang sein.

„Ich denke wir haben genug geredet, ich habe dem nichts hinzu zufügen. Gehen sie und kümmern sie sich um Laira", sage ich mit einem Hauch Bitterkeit in meiner Stimme, die ihm nicht entgeht.

„Carter bitte, mein Anstand Laira gegenüber…." Ich lege meine Hand auf seine Brust, um ihn davon abzuhalten, noch mehr zu sagen.

„Ich habe genug gehört und gesehen Sir, sie haben auf Edora beschlossen, dass ich ihres Vertrauens nicht wert bin und ich kann das akzeptieren. Belassen wir es dabei. Sie haben sich entschieden Sir und es ist okay für mich."

Er blickt mich voller Entsetzen an, dass man ihn am liebsten einfach in den Arm nehmen möchte, aber ich kann nicht. Meine Enttäuschung ist zu groß, mein Schmerz noch zu tief, obwohl es mich mitnimmt, was ich in seinen Augen sehen kann. Sein verdammter Ehrenkodex hat es ihm auferlegt und ich weiß, er kann nicht aus seiner Haut schlüpfen, aber das macht den Verrat an mir nicht ungeschehen. Ich breche unseren intensiven Augenkontakt, in dem er mir alles zu erklären versucht, was ich ihm nicht mehr erlaube in Worten zu sagen.

Meine Hand schnellt auf den Start Knopf des Aufzugs, als aus der Sprechanlage auch schon die Stimme von Siler ertönt, der fragt, ob es ein Problem mit dem Aufzug gibt.

„Nein Sergeant, wir haben schon wieder alles im Griff", antwortet er schnell und sieht mich dabei an, bevor er sich an der Wand abstützt, zu Boden starrt und unverständliche Dinge zu flüstern beginnt, aber ich verstehe es dennoch. „… bis auf die Sache zwischen Carter und mir."

Der Aufzug ruckt und die Tür springt auf. Ich atme scharf aus, als wolle ich alles wegatmen, was gerade gesagt wurde und lasse ihn im Aufzug stehen. Der Drang zu fliehen steigt wieder in mir auf, wie eine Welle, die alles zu überfluten droht und ich erreiche nur mit Mühe und Not mein Labor. Ich lasse die Tür gegen die Wand knallen, als ich sie öffne und werfe sie mit dem gleichen Schwung wieder zu, bevor ich mich mit meinem Rücken daran lehne und mich sanft an ihr hinab gleiten lasse. Mein Kopf versinkt zwischen meinen Händen und ich lasse die Tränen einfach zu, die mich übermannen. Die nächsten Wochen werden eine einzige Hölle und die Aussicht darauf, lässt mich erschaudern. Aber ich bin stark und diesen Satz wie ein Mantra vor mich her zu sagen, wird mir wie immer das Leben retten, dessen bin ich mir sicher.