„Sam?" Ein Schlag gegen meinen Rücken weckt mich. Ich kann es nicht glauben, dass ich an meiner Tür gelehnt eingeschlafen bin. Es ist soweit, ich grenze an totalem Irrsinn und ich sollte dringend etwas dagegen unternehmen. Ein paar Tage frei scheinen nun fast unausweichlich und ich drücke mich mit Mühe von der Tür weg, bevor mich Daniel mit geballter Manneskraft über den Haufen schieben kann.
Ich bin gerade aufgestanden, als die Tür mit einem Ruck aufgeht und mein Freund ungläubig vor mir steht.
„Himmel Sam, was hast du denn da am Boden gemacht." Fragt er mich und mustert mich eingehend von Kopf bis Fuß, ob er irgendwelche körperlichen Schäden finden kann.
„Ich dachte mir, ich studiere mal das Muster der Rillen im Fußboden", antworte ich etwas bissig, hatte sich doch meine Laune nach meinem Intermezzo mit Jack im Aufzug noch nicht wirklich gebessert. Er starrt mich an, sagt aber nichts.
„Warum bist du gekommen Daniel? Willst du meine Wunden lecken oder einfach nur nachschauen, ob ich meinen kleinen Alkohol Exzess überlebt habe und sag mir nicht, Janet hat dir nichts erzählt, denn ich kenne euch besser." Ich stemme meine Hände in die Hüften und mein Gemüt wird langsam sanfter. Ich weiß, er will für mich da sein, nicht weil er sich verpflichtet fühlt, nein, weil er einfach Daniel ist und es das ist, was ihn ausmacht, pure Selbstlosigkeit. Vielleicht ist es auch ein Teil von dem, was uns von Anfang an verbunden hat, denn diesen wunderbaren Mann muss man in seiner grenzenlosen Begeisterungsfähigkeit für das Leben einfach lieben.
„Hör zu Sam, ich weiß, dass das sicher nicht dein Lieblingsthema ist, aber…." Ich werfe meine Hand in die Luft und unterbreche ihn.
„Dann lass es doch einfach. Es gibt nichts zu reden und ich bin ein großes Mädchen Daniel. Ich kann damit umgehen", sage ich ihm, presse meine Lippen fest aufeinander und dem Drang, ihm stürmisch um den Hals zu fallen, für das, was er vorher zu Jack gesagt hat, kann ich nur schwer widerstehn. Auch wenn ich weiß, dass es an meiner Situation nichts ändert, so macht es mich dennoch glücklich, ihn auf meiner Seite zu wissen.
„Hm", antwortet er. „Aber du weißt, wo ich bin wenn du… na ja du weißt schon… reden willst oder einfach jemanden brauchst, der dir beim Alkoholexzess die Flasche hält!" Ein leichtes Lächeln huscht über seine Lippen und ich weiß seinen Versuch, mich zum lachen zu bringen, zu schätzen. Ich kann und will ihn nicht enttäuschen, also schenke ich ihm, wonach sein Herz sich sehnt, als ich ihm mein breitestes Grinsen entgegensetze.
„Ich komm drauf zurück", versichere ich ihm, bevor er gehen will und ich sehe, wie er in der Tür nochmals stehen bleibt.
„Sam, ich…", er zögert und die Aura, die ihn umgibt, gefällt mir ganz und gar nicht. „… war noch wegen was anderem hier. Ich schätze, du wirst ohnehin nicht kommen, aber wenn ich es dir nicht sage, wäre es unfair."
Ich neige meinen Kopf fragend zur Seite, als ein dunkler Schatten über sein Gesicht hereinbricht.
„Es gibt eine kleine Party heut Abend um sieben in der Cafeteria. Ein paar Leute finden es passend für Jack eine Willkommensparty zu veranstalten." Er bricht kurz ab und beobachtet meine langsam entgleisenden Gesichtszüge mit Argwohn, doch ich versuche mich so gut es geht zu fangen und erspare ihm den Rest. Ich habe geschworen, mich nicht mehr hinter irgendwelcher Trauer zu verstecken, stattdessen meine lebendige Seite herauszuholen und ich gedenke meinen Schwur einzuhalten.
„Ich werde da sein", antworte ich ihm laut und deutlich und drehe mich dann zu meinem Schreibtisch, um leise vor mich hin zu murmeln. „Alles andere wäre ein Eingeständnis meiner Niederlage." Ich hoffe, er hat es nicht gehört, doch dann spüre ich seine Hand, die mich sanft umdreht und mich in seine Arme zieht.
„Du musst das nicht machen Sam, jeder könnte das verstehen." flüstert er mir ins Ohr, doch ich habe längst beschlossen, es ist Showtime und dieser Anlass war der beste Aufhänger, den ich mir wünschen konnte. Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Daniel fragt nicht weiter nach, warum ich mir das antun will, dem Himmel sei dank. Da ich aber beschlossen habe, dass Konfrontationstherapie in meinem Fall die beste Variante war mit meiner aufgestauten Wut fertig zu werden, lasse ich mir die Chance nicht entgehen, ihm noch hier und heut zu beweisen, dass ich ihn nicht brauche. Daniel hat mir aber das kleine Detail nicht erspart, dass Laira wohl auch anwesend sein wird. Die Arme darf mit ihrem neuen Lover den Berg aufgrund der strengen Quarantänevorschriften nicht verlassen bis Janet grünes Licht gibt. Mein Mitleid hält sich in überschaubarem Rahmen. Dies hier ist mein Terrain und nicht das ihre und ich werde mich verdammt noch mal nicht verstecken in den Mauern meiner eigenen Festung.
Ich laufe durch die Gänge wie eine aufgezogene Marionette, lächle, grinse, halte Small Talk mit diesem und jenem. Niemand wird merken, wie es in meinem Inneren aussieht, das Chaos, das darin herrscht, erzeugt ohnehin nur Schwindelgefühle. Der Gedanke an die Party, die für mich eher einer Trauerfeier gleich kommt, lässt die Aussicht auf einen weiteren Alkoholexzess wieder in den schönsten Farben erstrahlen und ich beschließe, meinem gedrückten Wesen heut Abend mit etwas Vorglühen den nötigen Boost zu verpassen. Alkohol hebt die Stimmung und enthemmt und Gott ja, ich beabsichtige alle meine Hemmungen fallen zu lassen.
Mein Weg führt mich eigentlich zu Janet, doch unterwegs dorthin sehe ich Teal´c in den Fitnessraum abbiegen. Hach und wer folgt ihm denn da? Unser Frauenversteher und Verführer der armen einsamen Witwen höchstpersönlich. Schon sein Anblick reicht, um meine fiktive Peitsche auszupacken, um ihm zu zeigen, wie sich so diverse Seitenhiebe unter der Gürtellinie anfühlen können. Ich sehe mich in Lack und Leder und die Idee fängt an mir zu gefallen. Hab ich so was nicht noch im Schrank, grüble ich, als ich zum Entschluss komme, dass mein Körper dringend eine Fitnessstunde benötigt. Ich werfe Janet in meinem geistigen Terminplaner eine Stunde nach hinten und hoffe, sie wird mir vergeben.
Im Damenumkleideraum presse ich mich mit voller Absicht in die engste und kürzeste Leggins, die das Repertoire meiner Sportbekleidung zu bieten hat, pushe mental meinen Hintern in bester Jennifer Lopez Manier und lasse meine seidenen BH Träger unter meinem kurzen Sporttop hervorlugen. Ein letzter Blick in den Spiegel gebietet mir noch etwas Farbe auf meinen Lippen, push up für Augen und Wimpern und etwas nachstylen meiner Haare, die ich in wildem jugendlichen Style durcheinander wirble.
Der Zufall spielt mir in die Hände, als mir ein in Sporthose und Achselshirt gekleideter Colonel Makepeace über den Weg läuft. Ich mag diesen Mann nicht wirklich, große Klappe und nichts dahinter. Aber das ist genau das, was Jack jetzt braucht, um ihm endgültig den Rest zu geben.
„Colonel Makepeace", sage ich mit leichtem Flirren in der Stimme, bevor ich meine aufgeschwungenen Wimpern aufschlage und ihn mit meinem schönsten Schlafzimmerblick belohne. Wie erwartet springt er sofort darauf an. Seine gesamte Aufmerksamkeit liegt auf meinem Körper, den er voller Ehrfurcht von oben bis unten betrachtet. Ich kann sehen, dass ihm das Wasser im Mund zusammenläuft, während er auf mein Dekoltee starrt, aber ich brauche mehr.
„Wie wäre es mit einer kleinen Trainingsstunde Colonel, sie und ich?" frage ich ihn, als seine Kinnlade, die schon am Boden zu schleifen scheint, sich langsam schließt, um mir ein sabberndes „Ja sicher Major, mit ihnen doch immer." entgegen haucht. Unter anderen Umständen hätte ich ihn für diesen Blick in die ewigen Jagdgründe geschickt, aber ich brauche den Mann noch und wenn er wüsste, welche Rolle ich ihm zugedacht habe, wäre er wohl auf der Stelle seinem mentalen Orgasmus erlegen, dem er gerade ziemlich nah zu sein scheint.
Mein Hüftschwung würde jede Bauchtänzerin vor Neid erblassen lassen, als ich vor ihm Richtung Fitnessraum laufe und es sichtlich darauf anlege, dem Mann feuchte schlaflose Nächte für die nächsten vier Wochen zu bereiten. Armes Opfer, denke ich, während ich seinen gierigen Blick auf meinem Hintern spüre.
Ganz der Gentlemen, der er eigentlich nicht ist, öffnet er mir die Tür und ich stoße ein herzhaftes Lachen aus, als wir beide eintreten. Die Blicke der zwei Männer, die schon im Raum sind richten sich sofort auf uns. Ich kann Jacks Missfallen über die vertrauten Gesten, die ich versuche mit Makepeace auszutauschen, in meinem Augenwinkel auffangen.
„Oh Teal´c, schön dich zu sehen", sage ich mit einem überdimensionalen Grinsen im Gesicht, bevor ich meinem Jaffa Freund einen herzlichen Kuss auf die Wange drücke und ich mit einem beiläufigen Nicken Jack gegenüber ein halbherziges „Colonel" hervorstoße.
„Die Freude ist ganz meinerseits Major Carter. Du siehst blendend aus." Tealc lächelt und ich bin perplex so ein Kompliment ausgerechnet aus seinem Mund zu hören. Die beiden Männer scheinen sich mitten in einen unerbittlichen Faustkampf zu befinden und Jack sieht definitiv so aus, als hätte er den offensichtlichen Frustabbau so nötig wie eine baldige Rasur seines stoppeligen Drei Tage Barts. Ich recke gedanklich meine Faust in die Luft, kann ich ihm förmlich ansehen, wie ihm die Spannung zwischen uns fast den letzten Nerv zu rauben scheint. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich denke gar nicht daran, mein Mitleid überhand nehmen zu lassen. Er wird das jetzt so miterleben, wie ich es musste.
Ich werfe ihm noch einen letzten unbedeutenden Blick zu, bevor ich meine volle Aufmerksamkeit wieder „Mister möchte gern Universe" zuwende und mit ihm eine angeregte Unterhaltung beginne. Mein Innerstes ist verwüstet vom Wirbelsturm meiner Gefühle, die sich drehen zwischen unbändigem Begehren für den Mann, der mir nun wehmütig hinterher blickt und Hass von mindestens gleicher Intensität. Aber meine Maske sitzt umso perfekter, je länger ich sie trage.
Wir lachen und scherzen, ich lasse den Körperkontakt zu, den er sucht, obwohl ich ihn am liebsten mit einem beherzten Tritt in bestimmte Regionen in seine Schranken verweisen möchte, aber ich muss zugeben, dass er den Job, den ich ihm zugedacht habe, zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt.
Meine Hände berühren ihn hier und da, flüchtig oder mit voller Absicht und ich scheine ihn damit in seinen schier endlos erscheinenden Flirtversuchen nur noch mehr zu bestärken. Nach einer halben Stunde habe ich Makepeace soweit, dass er mir aus der Hand frisst und wir steigen jeder auf eines der beiden im Raum nebeneinander stehenden Rudergeräte. Jack kann uns nur all zu perfekt sehen, als ich bei jeder Rückwärtsbewegung meine Brust anspanne und sie lasziv nach vorne drücke. Schweißperlen rinnen über meinen Hals und rollen sanft über meine weiche Haut, als ich absetze und meine Hand langsam durch mein nasses Haar streiche. Für einen kurzen Augenblick treffen sich unsere Augen und meine Gedanken rasen. Sein Blick liegt gefesselt auf mir und auf der Hand, die Makepeace jetzt tief auf mein Kreuzbein legt.
Ich sehe den Stich, den es ihm versetzt, als er bemerkt, dass ich lächle während der Mann neben mir seine Hand sanft weiter über meinen Rücken aufwärts gleiten lässt.
Ich weiß, dass ich mit unfairen Mitteln kämpfe, aber es gibt gerade nichts, was mir mehr Genugtuung bereiten würde.
Er kann seinen Blick nicht abwenden, genauso wenig, wie ich es kann, spüre ihn in mich brennen wie einen Flächenbrand, der rasant über meinen Körper hinwegfegt und alles in mir entzündet. Ich gehe in Flammen auf, als ich sehe, wie sehr es ihn mitzunehmen scheint, aber der Rausch in dem ich mich dadurch befinde, ist so intensiv, dass ich nicht genug davon bekommen kann. Auge um Auge, Zahn um Zahn…
Ich wende mich ab und höre einen Schlag, bevor ich wieder zurückblicke und ihn zu Boden sinken sehe. Teal´c hat seine Unaufmerksamkeit gnadenlos ausgenutzt, aber was mich mehr schockiert ist Teal´cs aufblitzendes selbstzufriedenes Lächeln, als er mich ansieht. Der Jaffa redet nicht viel, aber er ist wie ein großer Brummbär, der alles und jeden beschützen will, der ihm nahe steht. Ich weiß, er hat still mit mir gelitten all die Wochen, aber ich will ihn nicht mit in das Loch ziehen, in dem ich momentan sitze. Bei genauerem Nachdenken sollte ich nicht stolz sein auf die Show, die ich gerade abziehe, nur um den einen Menschen ganz tief drinnen zu treffen, der mir eigentlich soviel bedeutet, aber hier steht mein Selbstwertgefühl und mein Stolz auf dem Spiel und die Macht, die mir das hier gibt, hebt mich nach der Hölle in der ich war wenigstens für einige Momente zurück in den Himmel. Sein Name schwingt leise auf meinen Lippen, während ich den Drang in die Knie zwinge, zu ihm zu laufen und mich zu vergewissern, dass es ihm gut geht. Verdammte masochistische Ader!
Teal´c hilft ihm auf. „Das saß Buddy", hör ich Jack sagen, als er das Blut betrachtet, das aus der kleinen Wunde an seinen Lippen rinnt und jetzt an seinem Finger klebt. „Wenn man unaufmerksam ist O`Neill, macht man leicht Fehler und es entgehen einem vielleicht wichtige Details, die später zum Verlust dessen führen kann, was einem am wichtigsten ist."
Als Teal´c das sagt blickt er zuerst zu mir und dann zurück zu Jack und ich weiß instinktiv, dass er sich mit seiner Aussage nicht auf ihren vorherigen Kampf bezieht. Ich schicke meinen großen Jaffa Freund ein aufrichtiges Lächeln und ich sehe, dass er es verstanden hat.
„Wie sieht es aus Major. Darf ich sie noch zu einem Kaffee überreden nach unserer wohlverdienten Dusche?" Mein Blick, der eben noch an Teal´c klemmte, schnellt zurück zu dem Mann, der nun seine Hand schon wieder besitz ergreifend auf meinem Rücken platziert hat. "Sam", entgegne ich ihm. „Nennen sie mich Sam, Colonel." Und er strahlt übers ganze Gesicht, als er mir seine Hand entgegenstreckt. „Robert, aber sie dürfen auch Rob zu mir sagen, Sam." Ich spüre meine eigene Abneigung gegen soviel Vertrautheiten, die ich nur aus einem Grund zulasse, dem Wunsch meine Sehnsucht nach Jack zu betäuben mit den Berührungen eines anderen Mannes. Ich muss mir das beweisen, ich muss einfach, denn es wird sich nichts daran ändern, dass er sie will und nicht mich.
Ich nicke lächelnd, schnappe mir mein Handtuch und Jacks Blick, als ich an ihm vorüberziehe ist Gold wert für mein Selbstbewusstsein. Einen Moment bleibe ich vor der Tür stehen, als ahne ich, was sich hinter mir abspielt. Ich kann den Zorn in seiner Stimme hören, auch wenn er versucht ihn im Zaum zu halten und mein inneres Hin und Her zwischen Hass und Liebe laugt mich langsam, aber sicher aus. Ich verbanne ihn nochmals mental aus dem Dunstkreis der Menschen, von denen ich in nächster Zeit umgeben sein will. In meinem Kopf formiert sich eine Idee, von der ich noch nicht weiß, ob ich stark genug bin, sie durchzuziehen, aber es bleibt mein letzter Ausweg, sollte ich nicht aushalten, weiter mit ihm auf Missionen zu gehen.
„Passen sie bloß gut auf Makepeace, wo sie ihre dreckigen Finger haben. Wenn sie ihr wehtun, werde ich ihnen wehtun!"
Ich blicke verstohlen um die Ecke, bleibe aber dahinter stehen, damit mich die Männer nicht bemerken. Vielleicht sollte mich lieber jemand vor ihm beschützen, nach allem, was er sich geleistet hat? Seine Augen blitzen auf, als Makepeace ein hämisches Grinsen aufsetzt.
„Nicht doch O`Neill. Es ist sicher schwer zu sehen, dass man es selbst versaut hat, oder? Mir scheint, es behagt ihnen in keiner Weise, dass sie nun nicht mehr die erste Geige in Sams Orchester spielen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, was für heiße Töne sie erzeugen kann, wenn sie… na ja sie wissen schon Colonel."
Woah, ich pruste beinah das Wasser, dass ich gerade trinke über den halben Flur, als ich seine Worte höre. Männer sind so einfach gestrickt und glauben doch tatsächlich, dass wir Frauen nicht genauso mit ihnen spielen können, wie sie es gewöhnlich tun. Einfältige Idioten, denke ich, als sich mein Bauch schier verkrampft durch meinen inneren Lachanfall, der mir unter Umständen später einen furchtbaren Muskelkater verschaffen wird. Im Moment spielt niemand irgendeine Geige in meinem Orchester, denn als Dirigent habe ich beide genau da, wo ich sie gerade haben will. Aber sollen sie mal schön glauben, dass sie nach außen hin die Führung haben, solange ich sie von innen lenken kann, wohin ich möchte.
Jacks Blick scheint dem eines wilden Tieres zu ähneln, wenn ich mir mal so Teal´cs Gesten betrachte, als er versucht zu verhindern, dass sich die beiden Männer den Schädel einschlagen und der Testosterongehalt in der Luft des Fitnessraumes steigt in Schwindel erregende Höhen. Was zur Hölle soll diese dümmliche "Gentlemen verteidigt wehrlose Jungfrau" Nummer denn bloß, nach allem, was er sich auf Edora geleistet hat, zumal ich momentan himmelweit von der Jungfrau und er noch viel weiter vom Gentleman entfernt ist. Ich schüttle den Kopf, bin mit meiner oskarreifen Leistung vollends zufrieden und denke mir, dass jetzt der Zeitpunkt ist, die Gladiatoren in der Arena allein zu lassen. Die Aufgabe noch etwas Öl ins Feuer zu gießen, hebe ich mir geflissentlich für später auf. Der Tag ist noch jung und der Abend wartet begierig auf eine Hauptrolle in meinem Hollywood Eifersuchtsdrama. Auge um Auge, Zahn um Zahn….
Mein Wahlspruch hämmerte sich in meinen Hinterkopf ein und fast, aber wirklich nur fast, entwickle ich einen Hauch von Mitgefühl für beide Männer, aber vor allem für Makepeace, der quasi nur durch Zufall in meine kleine Posse hineingezogen wurde. Klassicher Fall von `zur falschen Zeit am falschen Ort´ gewesen, erinnere mich aber schnell an den Spruch meiner alten Nachbarin, die regelmäßig zu sagen pflegte: „Mädchen, wenn du alle Männer in einen Sack steckst und mit einer Keule draufhaust, triffst du zu hundert Prozent immer den Richtigen." Wie recht sie doch hatte. Kluge Frau.
Mit Schwung in meinen Hüften und einem leichten Pfeifen auf meinen Lippen spaziere ich wie eine Diva über die Gänge und meine neu gefundene Selbstachtung scheint sogar den letzten dunklen Winkel in den Gängen des SGC auszuleuchten. Eine kurze Dusche bewirkt Wunder und bevor ich Makepeace in der Cafeteria zu treffen gedenke, schlendere ich durch die Tür zur Krankenstation, nur um genau mit der Frau konfrontiert zu werden, die Ursache für meine momentane Rücksichtslosigkeit ist.
Sie sitzt geistesabwesend auf einer der Betten und streicht sanft über ihren Bauch. Ich bleibe in der Tür stehen und die intime Geste geht mir durch Mark und Knochen. Frauen tun so was nur aus einem Grund und ich beginne eine wilde mathematische Rechnung in meinem Kopf, die mich fast schwindlig werden lässt. Fuck, sie brütet über Jacks Kücken, ist alles, was mir in den Sinn kommt. Ich beginne zu würgen, falle wie eine Wilde rückwärts durch die Tür und schaffe es noch eben aufs Damenklo, bevor sich mein Mageninhalt wie schon am Tag zuvor vollends entleert und mich mit Tränen in den Augen neben der Kloschüssel hängen lässt. Habe ich tatsächlich geglaubt, dass es nicht noch schlimmer kommen kann, so werde ich spätestens jetzt eines besseren belehrt. Schwanger! Passen würde es ja wie die Faust aufs Auge in das Gesamtbild dieser Frau. Sie ist das ganze Gegenteil von mir und das wird mir spätestens jetzt klarer, als mir lieb ist, und führt einmal mehr zum erneuten Untergang meiner zuvor erst so glorreich zurück erlangten Selbstsicherheit. Meine Lippen zittern und ich schließe die Augen, bevor mich eine wohlige Dunkelheit in Empfang nimmt.
