Ein leichtes Wimmern entfährt meinen Lippen, als ich kurz nach meinem neuerlichen Zusammenbruch auf der Damentoilette wieder erwache und ich fahre erschrocken hoch, da ich im ersten Moment gar nicht weiß, wo ich bin. Doch der beißende Geruch von Putzmitteln, der derb in meine Nase fährt, macht mir schnell klar, wo ich mich befinde. Schwanger. Das Wort liegt verklemmt in meiner Kehle und versperrt jeglichem Sauerstoff den Zutritt zu meiner Lunge. Ich schnappe nach Luft, wie ein Fisch in Trockenen, während sich all meine Adern neuerlich zusammenziehen und meinem Gehirn der nächste Black out droht. Aber ich kriege irgendwie die Kurve, atmete tief durch meine Nase ein und lasse die Luft durch meinen Mund entweichen. Ganz langsam beruhigt sich mein rasender Puls. „Reiß dich zusammen Sam, reiß dich zusammen…", bete ich langsam vor mich hin, während das Bild ihrer sanft über den Bauch streichelnden Hände, einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden will.

Jack liebt Kinder. Eine Schwangerschaft wäre das Ende jeglicher Hoffnungen für mich, vielleicht doch eines Tages nicht nur von einer Zukunft zu träumen. Es würde ihm die Möglichkeit bieten auf eine zweite Chance als Vater, etwas dass ich ihm in vielerlei Hinsicht nicht bieten kann oder will. Vielleicht suche ich einfach nur schnell das Weite, solang ich noch kann und verlasse diesen Ort? Ich weiß, dass die Vorstellung, Jack jeden Tag in einem Leben mit ihr zu sehen, für mich nicht zu ertragen ist und sollte sich das bewahrheiten, kann ich nur noch kampflos das Feld räumen. Ich drücke mich langsam nach oben, denn ich muss Jan finden, um mir den schrecklichen Verdacht zu nehmen oder viel wahrscheinlicher zu bestätigen.

Ich weiß, dass ich Laira eventuell dort über den Weg laufe, aber ich habe gelernt, mich zu beherrschen und ich werde auch das überstehen. Niemand ist je an gebrochenem Herzen gestorben und ich habe nicht vor, die Erste zu sein. Meine Schritte sind zaghaft und haben den Schwung verloren, den sie noch eine halbe Stunde zuvor hatten. Das, womit ich es jetzt zu tun habe, ist eine Liga zu hoch für mich. Ich hole tief Luft, stoße die Tür zur Krankenstation auf und muss erneut annehmen, dass Gott beschlossen hat, mich endgültig für alle Sünden meines Lebens auf einen Schlag büßen zu lassen.

Meine Augen fliegen über den Raum und bleiben unwillkürlich an denen von Laira hängen, die nun nicht mehr allein ist, sondern in trauter Zweisamkeit mit Jack auf dem Bett sitzt und mich lächelnd ansieht. Jacks Blick ist undefinierbar, doch die Art wie er sanft über ihre Locken streicht, zeugt von unsagbarer Intimität und zerfetzt die letzten zusammenhängenden Reste meines Herzens endgültig in tausend kleine Teile. Die Schwere in meiner Brust lastet auf mir wie eine Tonne Schutt und Asche und begräbt mich heillos unter sich. Ich habe das Gefühl, mich innerlich vollkommen aufzulösen, mitgerissen zu werden von Milliarden Emotionen, in denen ich schließlich vollends untergehe.

Nur im Rausch der auf mich einströmenden Eindrücke kann ich Janet wahr nehmen, die auf mich zu läuft, mich lächelnd unterm Arm durch den Raum zieht und für mich versucht, die Fassade aufrecht zu erhalten, die bei mir gerade vollständig in sich zusammen gefallen ist. Ich laufe wie in undurchsichtigem Nebel und mein letzter Rettungsring, der mich vorm ertrinken bewahrt, ist sie. Sie schleift mich in ihr Büro und schließt die Tür, bevor sie versucht mich auf der Liege im anderen Eck des Raumes zu platzieren.

„Setz dich Sam." Ich bin noch immer in dem dichten Nebel gefangen und kann nur ihre Stimme hören, eine eindringliche Stimme, die mich warnt und weiter unaufhörlich an meinem Arm zieht.

„Was zur Hölle muss ich tun, dass du dich setzt, bevor du mir hier umkippst und ich dich noch vom Boden auflesen muss?" Sie beginnt an mir zu rütteln, als mir klar wird, dass Panik ihre Stimme ergriffen hat, nur wegen meines apathischen Zustandes. Die bittere Erkenntnis, dass ich mir was vormache, wenn ich glaube, ich kann über all dem stehen, bereitet mir eine Heidenangst, denn das erste Mal in meinem Leben sehe ich mich mit einem Feind konfrontiert, den ich nicht mit meinem üblichen militärischen Kampfgeist oder meiner enormen Intelligenz bezwingen kann.

Ich lasse mich auf die Liege sinken und lehne mich an die Wand zurück, an der sie steht. „Ist sie… Janet?"

„Ist sie was?" entgegnet sie mir fragend und hält meine Schultern fest. Ich bringe das furchtbare Wort, dass meine düstere Zukunft besiegeln konnte, kaum über meine Lippen. Ich beginne am ganzen Leib zu zittern und ich kann die verfluchten Tränen nicht mehr halten, die mich endgültig verraten werden.

„Schwanger?" presse ich mir unter meinen bebenden Lippen hervor und schluchze in den Armen meiner Freundin, die mich nun fest an sich presst und beruhigend über meine Haare streichelt.

„Schhh, lass es raus. Du hast zu lange alles runter geschluckt. Sam Carter ist keine Maschine, sieh das endlich ein. Niemand sucht sich seine Gefühle aus und auch die Air Force kann deinem Herz nichts aufdiktieren."

Es tut so unendlich gut, einfach mal nicht stark sein zu müssen und sich in die Arme eines Menschen fallen zu lassen, der urteilfrei tröstet.

„Ich wünschte, ich könnte dir die nötige Erleichterung verschaffen, aber ich kann es nicht. Du weißt, ich darf darüber eigentlich nicht sprechen, aber ich denke, ich mach mich mit nichts schuldig, wenn ich dir erzähle, dass es noch zu früh ist, etwas zu sagen. Sie hat mir gestanden, dass die erste gemeinsame Nacht…." Janet beginnt zu stocken, als sie bei dieser Aussage meine bebenden Arme um sich spürt. Zum ersten Mal spricht jemand mit Worten aus, worüber ich mir zwar bewusst bin, es aber trotzdem versuche, zu verdrängen.

„… erst drei paar Tage her ist. Kein Test würde jetzt anschlagen, Sam. Wir werden noch ein wenig Geduld haben müssen, bevor wir Klarheit bekommen."

„Verdammter Arsch…", rutscht mir spontan raus. „Warum sich auf den letzten Metern seinem Schicksal ergeben? Er hätte wissen müssen, dass wir Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn heim zu holen. Ich hasse ihn, Jan."

„Nein das tust du nicht. Wenn du es wirklich könntest, würdest du nicht hier sitzen und weinen wie ein kleines Kind." Ich starre sie einen Augenblick an und wundere mich, wie sie es fertig bringt, den Nagel immer so exakt auf den Kopf zu treffen.

„Ich werde drüber hinwegkommen", erkläre ich stur, meine Zähne reiben knirschend aufeinander. „So wie immer … Jan." Meine Hand wischt mit dem Handrücken über meine Wange, um die letzten Reste meiner zwischenzeitlichen Unzulänglichkeit zu entfernen, als mein Carterscher Sturkopf wie ein Wunder neues Leben in meine kaputte Seele haucht. Wir sind nicht geboren, um uns unterkriegen zu lassen, egal welcher Mist uns vor die Nase geworfen wird. Ich bin die Tochter meines Vaters und somit werde ich mich durchsetzen. Ich stoße mich von der Liege und bin froh zu sehen, dass meine Beine sich nicht weigern, ihren Dienst zu tun.

„Was hast du vor Sam?" Ich sammle noch einmal meine Gedanken, bevor ich sie ansehe.

„Da raus gehen, erhobenen Hauptes, und mein Leben weiterleben. Welche Wahl habe ich sonst Janet? Er hat sich entschieden, als er mit ihr ins Bett gegangen ist und sie dann auch noch mit hier her gebracht hat. Was könnte ich dagegen tun, hm?" Ich habe gerade die Entscheidung getroffen, den Schritt zu gehen, von dem ich hoffte, ihn umgehen zu können. Aber zuerst einmal muss ich jetzt an mich denken. Ich war jahrelang die Professionalität in Person und werde es wohl schaffen mit Stil und Würde diese Krankenstation zu verlassen, um auch den Rest dieser Farce mit dem gleichen Anstand zu überstehen.

Ich stehe vor der Tür, meine Hand am Knauf zittert als ich sie aufreiße. Jacks Blick fällt sofort auf mich. Ein paar Sekunden lang starre ich ihn an während ich den Raum durchquere, scheine mir unbedingt noch einmal den letzten Schub meiner Droge abholen zu müssen und verlasse, ohne ihn oder Laira dabei anzusehen, den Raum. Ich stoße den Atem aus, als ich endlich die Tür hinter mir schließe und plötzlich die Sirenen höre, die um mich zu dröhnen beginnen. Eigentlich sollte ich nach Hause gehen, aber alles in meinem Kopf ist urplötzlich verschwunden und ich drücke hastig den Knopf am Aufzug. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir eines der Teams zurückerwarten und meine schier endlos wirkende Neugier ist geweckt. Doch noch bevor die Tür sich schließt überkommt mich eine leichte Panik, als ich zum zweiten Mal an diesem Tag seine Hand sehe, die mich an meiner Flucht hindert.

Jack schlüpft durch die Tür, bevor sie sich schließen kann. Ich lehne mich schwer atmend an die Wand und beobachte, wie er dasselbe auf der anderen Seite tut. Unsre Augen versuchen ein Gespräch ohne Worte zu führen, bis ich es fast nicht mehr ertragen kann. Die Luft zwischen uns brennt und es scheint, als sei unsre sonst so viel gerühmte selbstverständliche Kommunikation empfindlich gestört. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, mein Herzschlag vibriert in meinen Ohren lauter und lauter. Ich schließe meine Augen, ringe mit meinen mich überwältigenden Gefühlen, bestreite mit mir einen schier aussichtslos wirkenden Kampf um Fassung. Doch bevor ich mich irgendwie fangen kann, liegen seine Lippen mit einer unerklärlichen Begierde auf meinen. Ich öffne die Augen, spüre seine Hände an meinen Hüften, die mich fast ein wenig zu brutal an sich pressen. Ich lasse seine Zunge gewähren, die in mich stößt und mir keine Wahl lässt, als mich ihm bedingungslos zu ergeben, ihn zu schmecken, zu fühlen und zu spüren. Ich gehe mit Haut und Haaren unter in den flatternden Bewegungen seiner Zunge an meiner, seine Berührungen vernebeln meinen Verstand und löschen jegliche Vernunft in mir. Seine Lippen an mir wecken die Sehnsucht nach mehr, soviel mehr. Ein leises Stöhnen entfährt mir, als er sich plötzlich wieder von mir drückt, seine Stirn vorsichtig an meine legt und ich die Tränen sehe, die leise in seinen Augen aufflackern. Sein keuchender Atem schlägt mir entgegen und lässt jeden Nerv in meinem Körper sich nach ihm verzehren. Nein, hör nicht auf damit, möchte ich ihm entgegen schreien, aber ich bleibe stumm. Er öffnet seinen Mund und ich sehe, dass er etwas sagen will, doch der Gong des Aufzugs bestätigt uns, dass wir da sind und die Türen öffnen sich genauso schnell, wie er von mir springt, als hätte er sich an mir verbrannt. „Es tut mir leid Carter … alles", murmelt er mit einem herzzerreißenden Flehen in seinen Augen, bevor er in Richtung Kontrollraum verschwindet und mich frustriert mit tausend unbeantworteten Fragen zurücklässt.

Was zur Hölle war das denn? Dieser verfluchte Mistkerl glaubt doch nicht, er kann kommen, mich so küssen und dann einfach weglaufen? Unbändige Wut steigt in mir auf, als ich ihm in den Kontrollraum folge. Immer, wenn ich glaube, ich kann es schaffen, über ihn hinwegzukommen, tut er so was. Er sieht mich an wie ein unwissender kleiner Junge, der sich keiner schuld bewusst ist, als ich in den Raum stürme und ihm am liebsten eine Ohrfeige verpassen würde, doch die Menschentraube, die sich mittlerweile versammelt hat, hindert mich daran, ihm zu zeigen, was ich von seinem Aktionismus halte.

„Empfange Tok´ra ID, Sir." Sergeant Harrimans Stimme übertönt alles andere, aber ich kann meinen Blick nicht von dem Mann abwenden, der mich soeben wieder aufs Neue ins Verderben gestürzt hat. Böse Racheschwüre hallen in meinen Gedanken, die ich ihm jetzt am liebsten an den Kopf knallen würde. Gott, er kann heilfroh sein, dass wir hier mehr Publikum haben, als mir lieb ist. Innerlich kocht es in mir hoch und ich warte auf den Dampf, der aus meinen Ohren steigt.

„Iris Öffnen", höre ich Hammond sagen, der völlig ahnungslos zu sein scheint von der verborgenen visuellen Konfrontation zwischen Jack und mir. Insgeheim sehne ich mich danach, genau diesen Moment im Aufzug noch einmal erleben zu dürfen, wieder und wieder, für den Rest meines Lebens, seine weichen Lippen, die meine im Sturm erobern, der Geschmack nach mehr … Schluss jetzt Sam, aufhören zu träumen. Schluss, Schluss, Schluss! Ich muss mich förmlich zwingen, die Gedanken an die letzten Minuten aus meinem Kopf zu verbannen, als ich sehe, wer aus dem Ereignishorizont tritt und die Rampe hinter gelaufen kommt. Ich schaue noch einmal flüchtig auf zu Jack, bevor ich den Raum verlasse und in den Torraum eile. Mein Herz schlägt einen Takt schneller, als ich in ein Paar unbestritten faszinierender blauer Augen blicke.

„Martouf", flüstere ich und er zieht mich an sich, um mich behutsam zu umarmen.

„Samantha." Die sehnsüchtige Art, wie er meinen Namen haucht, stellt jedes Mal alle kleinen Härchen auf meinem Arm auf. Seine Anwesenheit und die Wärme, die er ausstrahlt, wenn er bei mir ist, kommt mir heut mehr als gelegen. Ich kann all das brauchen, nach den Irrungen und Wirrungen der letzten vierundzwanzig Stunden. Zuversicht und Geborgenheit gehen von ihm aus, und auch wenn diese Gefühle tief aus meinen Erinnerungen von Jolinar stammen, heiße ich sie willkommen und alles, was damit verbunden ist.

Martouf löst sich von mir und schaut auffällig lang nach oben in den Kontrollraum, veranlasst mich so, dasselbe zu tun. Ich drehe mich um und mein Blick trifft den, eines ziemlich unzufrieden wirkenden Colonels. Ich kaue auf meinen Lippen, bin vollkommen hin und her gerissen, zwischen dem, was ich darin sehen kann und dem, was die bittere Realität mir sagt, aber ich kann einfach nicht anders. Er hat sich auf Edora entschieden, nicht länger an mich, nein an uns alle hier zu glauben und er hat sich für Laira entschieden, als er sie mit hier hergebracht hat. Und ich? Werde lernen, das zu akzeptieren, auch wenn sein Kuss noch immer heiß auf meinen Lippen brennt und ich keine Ahnung habe, was um Himmels Willen, das bedeuten sollte.

„Martouf, womit haben wir die Ehre deines Besuches verdient?" General Hammond erscheint an meiner Seite und spricht endlich an, was auch mich nur allzu sehr interessiert. Martoufs Hand liegt auf meinem Rücken, streicht zärtlich kleine Kreise auf meiner Schulter, als er mich lächelnd ansieht und bereit ist, unsre Neugier zu stillen.

„Wir brauchen Samanthas Hilfe für eine Mission mit den Tok´ra, General Hammond." Ich beginne innerliche Jubelschreie auszustoßen. Das ist genau die Ablenkung, die ich jetzt mehr als nötig habe, weg vom SGC, weg von alle den mich überschwemmenden Emotionen und … weg von Jack und Laira.

„Ich würde vorschlagen, dass wir uns in den Besprechungsraum begeben. Colonel O`Neill ist im Moment ohnehin noch nicht im Dienst und obwohl ich Major Carter eigentlich ein paar Tage frei verordnet habe, werde ich mir anhören, was sie zu sagen haben", erklärt mein väterlicher Freund dem Tok´ra, während ich mir schon geschworen habe, dass mich keiner von dieser Mission abhalten kann. Das ist wie die Antwort auf all meine Gebete und ich hoffe, dass dabei auch irgendwie ein Treffen mit meinem Vater herausspringt. Plötzlich mit unbeschwerter Leichtigkeit ausgestattet, folge ich Martouf und Hammond beschwingt nach oben. Noch einmal streife ich den Kontrollraum, in dem Jack steht wie angewurzelt und alles in mir brennt darauf, ihn zu fragen, was er sich bei diesem verfluchten Kuss gedacht hat, der mich beinah wieder völlig aus dem Takt geworfen hat, und ich honoriere seinen gequälten Gesichtsausdruck mit eisiger Kälte in meinem Blick, bevor ich die Stufen zum Besprechungsraum nehme.

Ich lausche der metallischen Stimme von Lantash, als er uns von Jolinar erzählt, die eine Weile vor ihrem Tod in mir, ein paar Jaffa Frauen vor dem sicheren Tod durch Heru´ur gerettet hat, nach dem diese ihr während einer Mission als Spionin im Dienste besagten Goa´ulds geholfen hatten zwei von dessen Mutterschiffen zu eliminieren. Sie konnte Niemanden mehr über deren Identität aufklären, geschweige denn darüber, wo sich die drei Frauen jetzt aufhalten.

„Wir müssen sie unbedingt finden und ich bin sicher Jolinar wusste, wohin die drei Frauen ins Exil gegangen sind. Vor zwei Tagen haben wir allerdings einen Hinweis erhalten auf welchem Planeten sie sein könnten, aber dennoch fehlt uns jeglicher Hinweis auf die genaue Identität der Frauen. Wir haben sehr gehofft, du könntest uns damit helfen Samantha. Leider hat der Planet, auf dem wir die Jaffa Frauen vermuten kein Sternentor, aber Jakob und Selmak haben ein Frachtschiff ihren Besitz gebracht, mit dem sie uns in zwei Tagen auf Vorash abholen würden."

Ich spüre mein Herz aussetzen, als Martouf meinen Vater erwähnt. Ich werde ihn wieder sehen. „Kommt er mit uns auf diesen Planeten?", frage ich aufgeregt, denn ich habe ihn vermisst, mehr als Worte sagen können. Ihn immer so weit weg zu wissen, ständig in Gefahr, macht mir mehr zu schaffen, als ich zuzugeben bereit bin. Seit der Sache mit Sokar lebe ich in ständiger Angst um ihn und möglicherweise Zeit mit ihm zu verbringen, lässt Freudentränen in meine Augen springen.

„Er wird das Frachtschiff fliegen. Du und ich gehen auf den Planeten und mischen uns unter das Volk und ich hoffe, du wirst dich erinnern. Leider bin ich gezwungen, dich noch einmal um den Einsatz des Erinnerungsgerätes zu bitten."

Martoufs Hand legt sich sanft über meine, die auf meinem Oberschenkel ruht. Er kann sehen, dass sich meine Begeisterung über das Ding in Grenzen hält, aber in meiner momentanen Situation würde ich selbst mit dem Teufel paktieren, um von hier weg zu kommen.

„Na schön Martouf, ich kann im Augenblick nicht für Major Carter sprechen, die eigentlich nach den Strapazen der letzten Wochen dringend Ruhe bräuchte, aber ich werde der Sache nicht im Weg stehen, wenn sie selbst zustimmt." Eine kurze Pause lässt ihn durchatmen, bevor er anfügt, dass er dabei allerdings Teal´c Anwesenheit wünscht.

Nichts lieber als das, denke ich zufrieden. Ich strahle übers ganze Gesicht, nicke zustimmend und würde Martouf am liebsten hier und jetzt um den Hals fallen für sein überaus perfektes Timing, als ich plötzlich Jack an der Treppe sehe, lässig an der Wand lehnend, bevor er sich abstößt, zum Tisch kommt und mit wütenden Augen beide Arme aufstützt.

„Hab ich da nicht auch noch ein Wörtchen mit zu reden? Ich glaube nicht, dass ich dafür schon grünes Licht gegeben hätte", stößt er wütend aus und sein bohrender Blick scheint Martouf fast zu durchlöchern. „Ich kann mich noch gut an das letzte Mal erinnern Marty, als du wolltest, dass sie sich erinnert und ich meine, dass es mir schon damals nicht gefallen hat."

Mir wird klar, dass es hier nicht um das Erinnerungsgerät geht oder um die Tatsache, dass ihn keiner um Erlaubnis gebeten hat. Ich stehe auf und stütze mich ihm gegenüber auf die Tischplatte.

„Bei aller Liebe Colonel …hmhm… ", räuspere ich mich, als ich mir meiner Wortwahl bewusst werde und korrigiere mich sofort. „Bei allem gebotenen Respekt Sir, aber im Moment sind sie noch nicht einmal im Dienst und General Hammond hat seine Zustimmung bereits gegeben", fauche ich ihm direkt ins Gesicht. Ich will verdammt sein, wenn ich mir die Chance auf eine Auszeit, ausgerechnet von dem Mann versauen lasse, der meinen Drang für eine zeitlang zu entfliehen erst ausgelöst hat.

General Hammond scheint das sich zusammenbrauende Gewitter und den damit verbundenen Sturm, der über uns aufzieht, zu spüren.

„Ich schlage vor, sie beide ziehen sich kurz in mein Büro zurück, um ihre kleine Meinungsverschiedenheit zu klären, aber ich warne sie Colonel, wenn Major Carter sich wirklich entschließt, den Tok´ra zu helfen, werde ich meine bereits gegebene Zusage, nicht mehr revidieren.

Alles in mir schreit auf bei dem Gedanken, mit ihm allein zu sein. „Sir bitte", flehe ich Hammond an. „Was soll das bringen?" Doch der ältere Mann lässt in dem Punkt nicht mit sich verhandeln. „Ich möchte Frieden innerhalb der Teams, sie werden ihn schon überzeugen", flüstert er mir zu und klopft mir aufmunternd auf die Schulter.

Dieser miese, kleine Dreckskerl, fluche ich tief drinnen. Warum nicht noch eintreten auf jemanden, der ohnehin schon am Boden liegt. Ich schnaube vor Wut, als Jack mich am Arm in Hammonds Büro zieht und ich ahne, dass der nächste Eklat schon vorprogrammiert ist. Jedenfalls gebe ich nicht klein bei, vorher werde ich ihm den Kampf meines Lebens bieten…