Disclaimer: siehe Kapitel 1


Kapitel 2: Mors Uxoris

Rhodes saß in seinem Sessel. Für einen Moment lang war sein Puls in die Höhe geschossen und nun beruhigte er sich langsam wieder. Rhodes hatte weder die hasserfüllte, verzerrte Grimasse noch die Worte vergessen, die ihm der Mann entgegen geschleudert hatte, als er zu lebenslanger Haft verurteilt worden war: ‚Verrecken wirst du! Elendig und allein! Und deine Familie wird vor deinen Augen sterben! Versprochen!' Rhodes hatte die Worte Jean Marceaus zuerst abgetan, doch nur wenige Tage nach dem Prozess waren ihm die ersten Zweifel gekommen: Marceau war einflussreich gewesen und besaß große Macht. Würde es ihm wirklich gelingen, aus dem Gefängnis heraus ihn und seine Familie zu gefährden? Seine Sorgen hatten sich erst gelegt, als er von Marceaus Tod erfahren hatte. Mit der Zeit jedoch vergaß er sie, konzentrierte sich mehr denn je auf seine Arbeit. Und nun waren sie mit einem Schlag wieder da! Seine Hand begann zu zittern und nur mit Mühe gelang es ihm, das Zucken unter Kontrolle zu halten. Mit ausgetrocknetem Mund fiel ihm das Sprechen schwer, als er sich an Mireille wandte: „Sind- sind sie sich auch wirklich sicher?" Die blonde Frau nickte. „Ja, Monsieur, das bin ich. Marceau ist zwar tot, doch er hatte viele Freunde und Anhänger. Menschen der Unterwelt oder der Demi-monde, deren ‚Geschäften' sie langsam zu gefährlich werden und die sie allein deshalb gerne tot sähen. Doch von dem abgesehen, hat Marceau ganz offensichtlich einem von ihnen eine Unmenge an Geld zukommen lassen. Geld, um sie zu töten..." Rhodes wischte sich mit dem Ärmel seines Jackets den Schweiß von der Stirn. Dann öffnete er die Schublade seines Sekretärs und holte zwei Gläser und eine Flasche Whiskey hervor. Er füllte beide Gläser und reichte eines davon an Mireille weiter. Diese lehnte dankend ab und Rhodes, der bereits sein eines ausgetrunken hatte, kippte auch das ihre. Er schüttelte sich leicht. Dann sah er sie wieder an, etwas ruhiger. „Woher haben sie die Information, Frau Bouquet? Wie ich doch annehmen darf, waren sie die drei Jahre von der Bildfläche verschwunden und sind nicht ihrem unseligen Geschäft nachgegangen..." Mireille nickte. „Das ist soweit korrekt. Jedoch, Monsieur, sollten sie wissen, dass das Internet eine gute Informationsquelle ist und wir haben uns natürlich auf dem Laufenden gehalten, was die Aktivitäten der Unterwelt angeht." Rhodes nickte unwirsch. „Aber woher genau haben sie die Information?" Die Korsin setzte eine ernste Miene auf. „Rhodes, wie sie selbst gut genug wissen dürften, ist es unschicklich, nach Informanten zu fragen. Allein jedoch meine Anwesenheit hier in ihrem Büro sollte ihnen jedoch Beweis genug sein, dass ich mir ernsthaft um sie Sorgen mache." Der Mann fuhr sich nachdenklich über sein Kinn. „Woher – bei allem Respekt – sollte ich wissen, dass SIE nicht die Person sind, die mich töten soll? Woher weiß ich, dass sie mich nicht in eine Falle locken wollen?" Die blonde Auftragskillerin lachte auf. „Sie können mich gerne durchsuchen. Ich bin unbewaffnet. Und ganz ehrlich, wenn ich sie hätte töten wollen, wären sie das bereits."

Das Klingeln des Telefons unterbrach die Unterhaltung der beiden Personen. Der Inspektor griff nach dem Hörer und nahm ab. „Ja?" Mireille hörte, wie eine aufgeregte Stimme im Hörer widerhallte und sah, wie Rhodes erbleichte. Fragend sah sie ihn an, doch erhielt keine Antwort. „Stellen sie durch..." Während der kurzen Pause, die folgte, stellte Rhodes das Telefongerät auf Freisprecheinrichtung um und sah Mireille mit aschfahlem Gesicht an. Nach einem kurzen Klicken ertönte eine kratzige, raue Männerstimme. Sie war verzerrt und leise, doch Mireille verstand jedes Wort: „Wie ihre Sekretärin ihnen bereits berichtet haben dürfte, ist ihre Frau tot, Monsieur Rhodes. Ihre Tochter wird das nächste Opfer sein. Sie müssen sich bis zu ihrem eigenen Tod nur noch wenig gedulden. Sie finden ihre Frau in ihrem Wagen am Friedhof Père Lachaise." Dann war die Leitung tot. Rhodes legte auf. Mireille war ebenfalls bleich, doch hatte sie sich schnell wieder gefasst. Sie wandte sich an Rhodes: „Mein Beileid." Der Mann reagierte nicht. „Rhodes! Egal, ob sie mir jetzt glauben oder nicht, wir müssen uns beeilen! Ihre Tochter ist in Gefahr! Wo ist sie jetzt?" Der Mann ihr Gegenüber wippte in seinem Sessel vor und zurück und sah mit starrem Blick an die Tür hinter Mireille. Mireille beugte sich vor und gab ihm eine Ohrfeige. „Reißen sie sich gefälligst zusammen! Sie haben keine Zeit für Trauer, wenn sie ihre Tochter vor selbigem Schicksal bewahren wollen!"

Kirika fuhr zusammen und erwachte aus ihrem Tagtraum, als Mireille hinter ihr Tür aufriss und einen Mann, den sie wenige Sekunden später als Inspektor Rhodes identifizierte, hineinstieß. Dann schloss Mireille die Tür und umrundete das Auto im Eilschritt, öffnete die Fahrertür und warf sich auf den Fahrersitz. Noch bevor sie die Tür zuknallte, hatte sie den Schlüssel im Schloss gedreht.

Nur Augenblicke später jagte der Wagen durch die Straßen von Paris in Richtung des Friedhofs Père Lachaise. Kirika, die sofort hellwach gewesen war, sah Mireille fragend an, die – den Blick auf die Straße geheftet – den Wagen geschickt durch den Nachmittagsverkehr von Paris lenkte.


Endnotiz: Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen die Gelegenheit finde, weiter zu schreiben. Jedoch habe ich zur Zeit recht viel um die Ohren (Schule, Bewerbungen, etc.) und werde wohl kaum Zeit dazu finden. sry dafür ;).