Nur zwei Tage später erhielten sie eine Antwort von Dumbledore. Er erklärte, dass er Kari erst einmal sehen und mit ihr sprechen wollte, bevor er eine Entscheidung traf. Er wollte sehen, wie viel Potential in ihr steckte, ihre innere Bestie unter Kontrolle zu bringen. Karis Mutter entschied, ihr neue Kleidung zu kaufen, um guten Eindruck zu machen. Schließlich hing von diesem Gespräch sehr viel ab. Ihr Vater stattdessen gab ihr Ratschläge, wie sie auf Dumbledores Fragen am Besten antworten konnte. Sie hatte das Gefühl, sie wollten sie so schnell wie möglich loswerden, doch da sie ebenfalls nicht hierbleiben wollte, spielte sie mit. Unter der ganzen Fassade war auch eine kleine Stimme, die ihr sagte, sie solle ihre Eltern nicht schon wieder enttäuschen, doch diese schob sie schnell wieder in die hinterste Ecke ihrer Gedanken.

Am Abend, als Kari nichts ahnend an der Küche vorbei ging, hörte sie ihren Namen im Gespräch fallen. »Ich weiß nicht, was mir Kari los ist«, sagte ihre Mutter, den Tränen nahe, »Sie ist nicht mehr das gleiche, fröhliche Mädchen von früher. Der Biss hat sie von Grund auf verändert« Kari hörte die Schritte ihres Vaters, wahrscheinlich ging er auf ihre Mutter zu, um sie zu trösten. »Sie ist in der Pubertät, da ist so etwas normal« Er wusste ganz genau, dass das nicht normal war. »Sie ist ein anderer Mensch«, begann ihre Mutter, »… und es macht mir Angst« Kari schluckte und hätte man genau hingehört, hätte man ihr Herz brechen gehört. Sogar ihre eigenen Eltern fürchteten sich vor ihr. Langsam und gut darauf bedacht, so leise wie möglich zu sein, ging Kari wieder in ihr Zimmer und schloss sich bis zum Treffen mit Dumbledore dort ein.

Das erste, was Kari auffiel, als sie Albus Dumbledore traf, war die Tatsache, dass er aussah, als wäre er tausende Jahre alt. Und dies war nicht aufgrund seines langen weißen Barts oder den vielen Falten, es war die Art und Weise wie er sprach, die ihn so unsagbar alt aussehen ließ. Als hätte er schon alle Grausamkeiten der Welt gesehen und sich damit abgefunden. »Du fragst dich wohl gerade sicher, wie ich, so alt wie ich bin, noch immer am Leben bin«, er lachte warm und Kari, die sich ertappt fühlte, errötete leicht. »Aber zurück zum Eigentlichen«, begann er, »Wie heißt du denn mit ganzem Namen?« »Kari Myth«, antwortete sie. Dumbledore lachte, »Was für ein passender Name für eine Werwolfdame« Kari schien es, als würde er die Tatsache, dass sie ein Mal im Monat die Kontrolle verlor, nicht wirklich ernst zu nehmen.

»Jedenfalls«, fuhr er fort, »Wir hatten einen Lehrer an der Schule, der sich ebenfalls bei Vollmond verwandelte« Kari hob eine Augenbraue. Sie fragte sich, was die Voraussetzungen für eine Arbeitsstelle in Hogwarts waren. »Wir können einen weiteren schon handhaben« Dumbledore zwinkerte ihr zu. Er schien höflich und nett und doch hatte Kari das Gefühl, dass wenn es nötig war, er sie ohne eine Wimper zu zucken erledigen würde. Sie nickte langsam, »Das klingt gut« Tat es nicht. »Dann ist es beschlossene Sache«, erwiderte Albus Dumbledore strahlend. Er schien an der ganzen Werwolfsache großen Spaß zu haben. Dieser Mann war seltsam, entschied sie.

Dumbledore hielt sein Versprechen da ein Brief aus Hogwarts ankam, kurz bevor die Ferien endeten. Bald würde sie in einem Zug sitzen mit anderen Schülern, die ihr in nächster Zeit zum Opfer fallen konnten. Und irgendetwas an dieser Situation reizte Kari. Sogar sehr.