Am nächsten Tag ließ sich das Unvermeidliche wohl nicht länger vermeiden.
Beim Frühstück fragte sie Snape, ob es ihm passen würde, sie heute durch Slytherin zu führen und ihr auch noch seine Unterrichtsräume zu zeigen.
Snape hielt sich einen Moment länger an der Kaffeetasse fest, als üblich, zog die linke Augenbraue nach oben und nickte dann kurz.
„Ich hoffe, dass sie dann etwas gesprächiger sind und ich auch Laute aus ihrem Mund höre.", sagte Cathrin etwas schnippisch.
Snape starrte sie kurz an. Mit so etwas hatte er wohl nicht gerechnet, bekam sich aber sehr schnell wieder unter Kontrolle.
„Keine Angst Professor da ich gewöhnlich, wie Rumpelstilzchen um meinen Kessel tanze und singe, werde ich es auch schaffen, 1-2 Laute erklingen zu lassen.", zischte er wütend.
Ja, er lebt noch und kann reden! Wunder gescheh´n !´ , dachte Cathrin und sagte laut:" Wann ist es ihnen denn recht? Wann darf ich bei Ihnen klopfen?"
„Recht ist es mir, wenn Halloween und Mitternachtssonne auf einen Tag fallen. Da ich aber nicht umhin komme, seien sie um 10 Uhr vor meinem Labor!", sprach´s, stand auf und verließ die Halle mit wehenden Fahnen.
Minerva beugte sich zu ihr herüber und sagte mit einem Augenzwinkern:" Lass dich von ihm bloß nicht unterkriegen! Der tut nur so. Wenn du es richtig anstellt, ist er garantiert Wachs in deiner Hand. Er ist zu ruppig. Da stimmt etwas nicht! Das ist er zwar immer, aber diese Sprüche sind selbst für ihn zu extrem!"
„Dein Wort in Gottes Gehörgang!", murmelte Cathrin und entschloss sich aufzubrechen.
Punkt 10 klopfte sie an Snape´s Labortür. Er riss sie auf, musterte sie und gab ihr durch ein Nicken zu verstehen, dass sie eintreten sollte.
Der ganze Raum wirkte extrem finster. Vor den Wänden standen Regale, in denen Gläser und Schalen standen. Allerhand Ekliges war darin zu erkennen. Der Raum roch nach Kräutern und Rauch.
Sie trat an die Regale heran und betrachtete den Inhalt der Gläser. Manches erzeugte eine Gänsehaut. So hatte sie sich immer eine Hexenküche vorgestellt. Eingelegte Molche, Mäuse, Schlangen, Fische, Kröten und Schalen voller getrockneter Kräuter, Flaschen mit unaussprechlichen Namen…Alles war hier zu finden.
Snape stand mit verschränkten Armen vor seinem Labortisch und beobachtete sie. Er verzog dabei keine Mine.
„Kennen sie viele Rezepte auswendig?", ergriff Cathrin als Erste das Wort.
„Beim Tankbrauen kann man sich nicht auf seinen Kopf verlassen. Die Anleitung muss akkurat ausgeführt werden. Nur ein Narr macht das auswendig, dafür ist es zu gefährlich.
Schließlich gibt es auch in unserer Welt Bücher. Die Zeit, in der wir die Rezepte in Stein gehauen haben ist vorbei. Kommen sie mit!", befahl er barsch.
„Ich folge gern ihrer freundlichen Einladung. Danke…" , war alles, was sie heraus brachte.
Snape hatte sie in seine Bibliothek geführt und dieser Anblick verschlug ihr den Atem.
Regale voll gestopft bis unter die Decke mit Büchern, auch der Tisch war komplett belegt.
In der Mitte stand ein gemütlich aussehender Ohrensessel und ein kleiner Beistelltisch, auf dem noch eine angefangene Karaffe und ein Weinglas standen.
Sie liebte Bücher und dieser Raum war der Wahnsinn.
Verzückt strich sie über einzelne Buchrücken und las deren Titel. „Traumlostrank und seine Folgen", „Magie der Zaubertränke", „Kräuter und andere Trankzutaten" waren nur ein paar Titel.
„Haben sie die alle gelesen?", fragte sie ehrfürchtig und drehte sich zu Snape um.
Der hatte sich inzwischen in seinen Sessel gesetzt sie bei ihren Betrachtungen beobachtete. Ihr interessierter Gesichtsausdruck überraschte ihn, damit hatte er nicht gerechnet.
Dumm von dir, ihre Schwester ist auch ein Bücherwurm, vielleicht hat sie ihr das ja beigebracht.´, dachte er.
„Pfff, natürlich habe ich sie alle gelesen, mehr als einmal sogar. Schließlich braue ich die Tränke nicht nur einmal. Glauben sie, ich bin nur ein Blender, der sich die Regale voller Attrappen stellt? Das hab ich gar nicht nötig!
So, weiter geht der Rundgang, folgen sie mir in die Slytherin - Gemeinschaftsräume!"
Er ging voraus und Cathrin folgte ihm.
Er führte sie in den hintersten Teil des Kerkers.
Unterwegs kam ihnen der Blutige Baron entgegen. Er schrie: "Muggel in Slytherin, wenn Das Salazar wüsste! Es geht bergab mit uns!"
Cathrin erwiderte:" Auch ich wünsche ihnen einen angenehmen Tag und freue mich riesig, ihre Bekanntschaft zu machen!"
Daraufhin wurde er still und verschwand.
„Sind sie immer so kratzbürstig?", erklang eine seidige Stimme kurz vor ihr.
Snape war stehen geblieben und sah ihr direkt in die Augen.
Sie bemühte sich, zu bremsen, um nicht in ihn hinein zu laufen und geriet dabei leicht ins Straucheln. Dadurch entging ihr das leichte Zucken in seinen Mundwinkeln.
Während sie sich wieder fing, antwortete sie: "Nein, ich passe mich nur den hier geltenden Gepflogenheiten an!"
Wortlos lief er weiter, stieß die große Tür auf und schon standen sie im Gemeinschaftsraum.
Dieser war zwar elegant, aber kühl eingerichtet. Kaum eine persönliche Note war hier zu finden. Nur kühle Eleganz.
Lang blieben sie nicht in den Räumen. Man hatte sich schnell satt gesehen und auf einen gemütlichen Plausch, wie mit Filius oder Minerva hatten beide keine Lust.
Cathrin nahm allen Mut zusammen und fragte ihn, ob sie noch einmal in die Bibliothek gehen könnten.
Wenn er überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken. Er nickte und sie gingen zurück.
Dort angekommen nahm sich Cathrin ein Buch aus dem Regal, welches zufällig den Titel „Zaubertränke für Anfänger" hatte und begann darin zu blättern.
Das war alles sehr interessant. Jetzt verstand sie Hermine, die dieses Fach, trotz Snape liebte.
„Wäre es möglich, dass auch ich mich an einem Trank versuchen könnte?", fragte sie vorsichtig.
„Wenn es so einfach wäre, würden wir keine Tränkemeister brauchen! Außerdem hätte ich einige Jahre meines Lebens anders verbringen können, als über Büchern zu brüten!" war die schroffe Antwort.
„Nein, ich weiß, dass ich kein Zauberer bin, aber dieses Gebiet finde ich unheimlich faszinierend. Es wäre toll, wenn sie mich anleiten könnten. Natürlich nur, wenn ihre Zeit das erlaubt. Es würde mich sehr freuen."
Der letzte Satz war kaum hörbar, doch er hatte ihn verstanden. Lange Zeit zögerte er und sagte dann plötzlich:
„Gut, kommen sie jeden Abend um 8 in mein Labor. Wir werden sehen, ob sich der Aufwand lohnt. Natürlich können Sie keine Zaubertränke brauen, sie sind schließlich ein Muggel, aber ein paar Salben und Heiltränke könnten sie bei entsprechender Anleitung vielleicht zu Stande bekommen."
Kaum hatte er diese Einladung ausgesprochen, bereute er sie auch schon wieder. Wenn das sein -Abschrecken- war, vielen Dank!
Cathrin hingegen war überglücklich. Sie nahm seine Hand und schüttelte diese überschwänglich. Sein sauertöpfischer Blick fiel ihr nicht auf, sie war einfach zu glücklich.
Die Tatsache, dass sie nun jeden freien Abend mit Snape verbringen musste, war ihr wahrscheinlich noch nicht bewusst.
