Ihre Eltern hatten ihr nur wenige Fragen gestellt. Natürlich waren sie überrascht, dass sie so schnell und so plötzlich wieder zu Hause war.
Aber sie erkannten schnell, dass Cathrin nicht darüber sprechen wollte. Wenn der Zeitpunkt kommen sollte, würde sie es tun und beide würden zuhören.
Sie benahm sich ihren Eltern gegenüber, als wäre nichts geschehen. Sie hatte im Kindergarten in der Nachbarschaft eine Aushilfsstelle angenommen, aber nur um sich abzulenken.
Ihre Gedanken weilten ununterbrochen in Hogwarts und sie lebte irgendwie mechanisch.
Alles war automatisiert, das Aufstehen, das Arbeiten, das Essen und das Schlafengehen.
Sie lachte, wenn es erwartet wurde und war sie allein, saß sie still auf ihrer Fensterbank und starrte in den Himmel. Manchmal hörte sie leise Musik.
Ihre Eltern machten sich natürlich Sorgen, wagten aber nicht, sie anzusprechen.
Die Adventszeit begann. Weihnachten stand vor der Tür. Aber dieses Jahr interessierte es sie nicht besonders.
Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Last Minute Geschenke besorgen, das Essen planen und vorbereiten, usw.
Hermine würde bald nach Hause kommen. Cathrin war total aufgeregt, sie würde Nachrichten aus Hogwarts mitbringen.
Die Weihnachtsferien begannen und die Eltern machten sich auf den Weg, um Hermine vom Bahnhof abzuholen.
Cathrin wollte lieber zu Hause warten. Sie hatte keine Lust darauf von den Schülern erkannt zu werden und unangenehme Fragen gestellt zu bekommen.
Sie setzte sich auf ihre Fensterbank und hörte Musik. Dabei muss sie wohl eingeschlafen sein, als sie erwachte, stand Hermine vor ihr.
Beide umarmten sich und sie setzte sich zu ihr.
Cathrin war aufgeregt, wollte aber Hermine nicht misstrauisch machen und so stellte sie ungeduldig erst ein paar allgemeine Fragen, die Hermine gern beantwortete.
Natürlich war den Schülern die plötzliche Abreise komisch vorgekommen und es gab auch entsprechende Fragen, aber Albus hatte das abgeblockt mit der Bemerkung, dass eine schwere Erkrankung sie nach Hause gerufen hat.
Das Leben auf Hogwarts ging wieder in normalen Bahnen weiter. Nur für Muggelkunde gab es noch keinen Ersatzlehrer und diese Stunde fiel vorerst aus.
Snape benahm sich noch grantiger und unausgeglichener. Er hatte in den letzten Wochen so viele Punkte abgezogen, wie sonst in einem ganzen Jahr. Hermine fragte sich, welche Laus ihm wohl über die Leber gelaufen war, vielleicht ist ein Todessertreffen nicht nach seinen Vorstellungen verlaufen.
Cathrin wusste es besser, aber sie sagte nichts. Für sie stand fest, er vermisste sie genauso wie sie ihn vermisste. Er litt ebenso und das machte sie traurig.
Aber sie wollte sich nichts anmerken lassen und alberte mit Hermine herum, lachte und scherzte. Nur ihr Lächeln erreichte nicht ihre Augen.
Die Tage vergingen und Cathrin ging es schlecht. Sie hatte Krämpfe, ihr war ständig übel und ihr Kopf schien zu platzen.
Aber sie erzählte es niemandem.
Wahrscheinlich haben Mütter eine Art Intuition oder etwas ähnliches, jedenfalls merkte ihre Mutter bald, dass etwas nicht stimmte.
Sie beschloss, Cathrin darauf anzusprechen. Wenn sie über die gründe ihrer Rückkehr nicht sprechen möchte ist das eine Sache, aber wenn es ihr sichtbar schlecht geht, kann das nicht mehr ignoriert werden.
Sie ging in ihr Zimmer und setzte sich zu ihr auf die Fensterbank.
„Schatz, was ist los?" fragte sie geradeheraus.
Cathrin lächelte sie an und sagte: „Was soll los sein? Nichts Besonderes!"
„Aber ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht! Möchtest du lieber mit deinem Vater sprechen?"
„Nein Mama, es geht mir gut, ich habe mir wahrscheinlich nur den Magen verdorben.", reagierte Cathrin leicht genervt.
„Ich weiß ja nicht, was in Hogwarts vorgefallen ist und ich will dich nicht drängen, es mir zu erzählen. Aber mein Kind, ich kenne diese Symptome, glaub es mir. Könnte es sein, dass du ein Kind erwartest?", lies ihre Mutter nicht locker.
Cathrin wurde blass. Daran hatte sie wirklich noch nicht gedacht, aber es schien logisch, die Krämpfe, die Übelkeit.
Sie wollte aber nicht reden, darum nickte sie nur.
„Hast du einen Test gemacht?" sie schüttelte den Kopf und ihre Mutter fragte weiter „wollen wir einen besorgen?"
Cathrin schaute sie direkt an und murmelte nur „Ja.", dann lehnte sie den Kopf an die Schulter ihrer Mutter und weinte. Sie weinte das erste Mal, seit sie wieder zu Hause war.
Ihre Mutter streichelte ihr über den Kopf und flüsterte: „Lass es raus mein Schatz. Lass es raus, das ist wichtig. Wenn du mit mir sprechen möchtest oder mir nur etwas sagen möchtest bin ich da, vergiss das nicht. Ich hab dich lieb."
Cathrin hob den Kopf und schaute ihre Mutter an, noch immer standen ihre Augen voller Tränen und sie begann zu erzählen.
Zuerst langsam und stockend, dann deutlich und klar.
Sie nannte seinen Namen nicht, aber sie erzählte ihrer Mutter, dass sie sich verliebt hatte.
Er liebte sie auch und dieses Gefühl sei so echt uns so tief, wie sie es noch nie erleben durfte.
Allerdings würde genau diese Liebe sie in Hogwarts in Gefahr bringen und so habe er sie schließlich überzeugt, dass es für sie sicherer sei, nach Hause zurückzukehren.
Wenn die Gefahr vorüber sei, würde er sofort zu ihr kommen. Was sie von Hermine erfahren habe, zeigte ihr, dass auch er unter der Trennung leidet und das wiederum macht sie noch trauriger.
Ihre Mutter nahm sie wieder in den Arm und sagte nur: „Mein armer Schatz, nun hast du deine große Liebe gefunden, nur um sie gleich wieder zu verlieren."
Sie saßen noch eine Weile so beieinander. Schließlich standen sie auf und besorgten den Schwangerschaftstest.
Cathrin und ihre Mutter saßen am Abend ungeduldig in ihrem Zimmer und warteten. Gerade hatten sie den Test gestartet. Das Ergebnis stand noch aus.
Da, das Stäbchen verfärbte sich. Nun stand es fest, mit großer Wahrscheinlichkeit war sie schwanger. Ein Kind von Severus. Cathrin war glücklich. Wenn er schon nicht bei ihr sein konnte, hatte sie wenigstens sein Kind bei sich.
Sie fiel ihrer Mutter um den Hals. Die beiden beschlossen, ihren Vater sofort einzuweihen. Hermine aber wollten sie nichts sagen, sie würde bald wieder nach Hogwarts gehen und dort sollte es niemand erfahren.
Auch ihr Vater war zuerst überrascht, doch dann freute er sich riesig.
„Ich werde Großvater! Das ist die schönste Weihnachtsüberraschung!", jubelte er.
Am Abend saß Cathrin wieder auf ihrer Fensterbank und sah in den Sternenhimmel.
Severus, wir bekommen ein Kind! Ich würde zu gern dein Gesicht sehen, wenn du das erfährst. Wenn alles vorbei ist, sind wir eine richtige Familie. Hoffentlich dauert es nicht allzu lange bis wir uns wieder sehen.
Es sollte ein paar Monate dauern.
