Er konnte das alles nicht glauben. Vor drei Tagen ahnte er noch nicht einmal etwas davon und nun war er schon Vater.

Er hielt gerade seine Tochter zum ersten Mal im Arm und vergaß die Welt um sich herum.

Sie hatte himmelblaue Augen und einen weichen hellen Flaum auf dem Kopf. Für ihn war es das schönste Baby, das er je gesehen hatte.

Cathrin beobachtete ihn. Wie er seine Tochter anlächelte und so behutsam mit ihr umging, so hatte sie ihn noch nie erlebt.

Auch ihre Eltern waren von dem Bild fasziniert. Nun wollten aber auch sie ihre kleine Enkeltochter in den Arm nehmen. Nur widerwillig gab Severus sie her.

Die Tür ging auf und Albus, Minerva und Hermine stürmten auf sie zu und drängten sich um Eileen.

Alle flüsterten und es war ein wundervoller Augenblick für Jeden.

Schließlich nahm Madam Pomfrey ihnen die Kleine ab und ging mit ihr fort, um sie zu baden und anzukleiden. Albus und Minerva gingen wieder und zogen Hermine mit sich.

Cathrins Eltern beugten sich zu ihr und ihre Mutter flüsterte ihr ein „gut gemacht" ins Ohr. Dann ließen auch sie die beiden allein. Madam Pomfrey brachte Eileen zurück, nun geschniegelt und gestriegelt und auch sie ging hinaus.

Lange Zeit sagte keiner von beiden etwas. Nur das Glucksen des Babys war zu hören. Cathrin hielt Eileen im Arm und Severus saß vor beiden auf dem Bett und schaute sie nur an. Ein sanftes Lächeln umspielte beider Lippen.

In diesem Moment gab es nur sie drei und keiner dachte an Voldemort, den bevorstehenden Krieg oder die große Gefahr.

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Cathrins Eltern waren nach Hause zurückgekehrt und dadurch konnte sie wieder in ihre alten Räume einziehen.

Dort war alles für Eileen vorbereitet.

Im Schlafzimmer wurde ein Bereich durch eine kleine Trennwand abgeteilt und dahinter standen das Bettchen und ein Wickeltisch. Ein Kleiderschrank verdeckte die Trennwand.

Severus hielt sich an den Abenden bei „seinen Frauen" auf, wie Albus immer scherzhaft betonte.

Tagsüber braute er an dem Illusionstrank für Voldemord. Dank Firenzes Geschenken, war er fast damit fertig. Er wusste, lange würde Voldemort nicht warten.

Aber trotz allem genossen die drei jede freie Minute zusammen. Sie unternahmen Spaziergänge, machten Picknicks am See und aßen zusammen. Die Nacht verbrachten sie immer eng umschlungen und sobald Eileen nur einen Ton von sich gab, wurde sie von ihm mit ins große Bett geholt und zwischen beide gelegt.

Der letzte Abend rückte immer näher und damit der Zeitpunkt, an dem die Schüler und in diesem Jahr auch die anderen Lehrer nach Hogwarts zurückkehrten. Damit würde auch ihre gemeinsame Zeit enden.

Zuvor aber brannte wieder sein dunkles Mal. Als hätte Voldemort geahnt, dass der Trank fertig war. Severus steckte die abgefüllten Phiolen ein und machte sich auf den Weg.

Er wurde bereits ungeduldig erwartet.

„Ich hoffe, du hattest Erfolg, Severus. Die Schmerzen werden immer unerträglicher. Dem Balg muss es blendend gehen.", zischte ihm Voldemort entgegen.

Mit einer demütigen Verbeugung antwortete er: „Jawohl Meister. Der Trank wurde soeben fertig gestellt. Er wird eure Schmerzen bereits nach kurzer Zeit lindern."

Er reichte ihm die Phiole und Voldemort schüttete ihn sofort hinunter.

Dann ging er auf und ab und wartete. Langsam begann der Trank wohl zu wirken, denn er wurde ruhiger.

„Gut gemacht Severus. Ich wünschte die anderen wären auch so erfolgreich wie du und würden mir das Kind endlich bringen. Aber ich bin nur von Versagern umgeben! Und nun geh, bevor der alte Narr aufmerksam wird!"

Mit einer Verbeugung verabschiedete sich Severus, drehte sich um und kehrte nach Hogwarts zurück. Er meldete sich sofort bei Dumbledore, um ihm mitzuteilen, dass der Trank die gewünschte Wirkung hatte und ihnen somit etwas Aufschub verschafft wurde. Albus war zufrieden.

„Geh nun zu Cathrin und genießt den letzten Abend! Denkt bitte daran, dass ihr euch ab morgen Abend nur noch oberflächlich kennen dürft!"

Snape ging und Albus legte die Fingerspitzen aneinander und wippte in seinem Stuhl auf und ab, wie er es häufig tat.

Ob das gut geht? Ich glaube, die beiden ahnen nicht, welch schwere zeit da auf sie zukommen wird. Severus ist ein guter Schauspieler, aber ob Cathrin dem gewachsen ist?

Inzwischen war Severus zu Cathrin zurückgekehrt. Eileen schlief bereits tief und fest und die beiden setzten sich auf die Couch vor dem Kamin. Das Feuer prasselte. Beide sagten kein Wort. Plötzlich legte Cathrin ihren Kopf auf seinen Schoß und hob auch die Beine auf die Couch.

Er streichelte ihr Haar. Dann beugte er sich hinab und küsste sie. Irgendwann verloren sich beide in ihrem Kuss. Sie vergaßen alles um sich herum. Es gab nur noch sie beide. Sie küssten sich wild und erkundeten alle Zonen ihrer Körper und auf dem Boden vor dem Kamin kam es dann zum Höhepunkt.

Lange Zeit danach lagen beide noch ineinander verschlungen dort. Noch immer hatten sie kein Wort gesprochen. Das Feuer im Kamin wurde kleiner und es wurde kühler.

Acio Zauberstab. Mit dem zauberte Severus eine Decke für beide hervor und sie schliefen ein.

Als Severus erwachte, saß Cathrin im Sessel und stillte Eileen. Es war ein zauberhafter Anblick. Sie lächelte ihn wehmütig an. Er erhob sich und hockte sich vor ihr nieder.

„Wenn das alles vorbei ist und ich noch am Leben bin, willst du mich dann heiraten, Miss Granger?"

Ihre Augen wurden groß und füllten sich mit Tränen. Sie legte ihre Hand an seine Wange, er kuschelte sich hinein und schloss die Augen.

„Natürlich wirst du noch am Leben sein, Severus Snape und dann werde ich gern deine Frau!"

Gemeinsam brachten sie das Baby wieder zu Bett und legten sich dann in ihres, wo sie den Rest der Nacht eng aneinander geschmiegt verbrachten. Wie bereits beim letzten Abschied, konnte keiner von beiden schlafen und hing seinen Gedanken nach.

Als die Sonne aufging, erhob sich Severus, zog sich an, gab Cathrin einen Abschiedskuss auf die Stirn und sah noch einmal in das Babybettchen. Dann ging er.

Cathrin blieb allein. Sie kroch mit ihrer Nase in sein Kissen, um seinen Geruch aufzunehmen. Leise liefen ihre Tränen über ihre Wange.

Der erste Schultag war da und wieder trafen die Schüler nach und nach ein. Die Auswahlzeremonie stand kurz bevor.

Hermine war zusammen mit Harry und Ron bei ihr erschienen, um den beiden ihre Nichte zu zeigen. Sie waren ganz vernarrt in die Kleine und standen schon die ganze Zeit bei ihr.

Dobby erschien. „Professor Granger es ist Zeit. Sie müssen los! Dobby passt jetzt auf die kleine Miss auf!"

„Du hast ja Recht Dobby. Danke! Sei müsste jetzt eigentlich schlafen. Falls etwas sein sollte, ruf mich!", erwiderte Cathrin und ging mit den Anderen hinunter in die große Halle.

Vor der Tür trafen sie auf Draco Malfoy. Angewidert musterte er sie und sagte dann: Schon wieder Muggel in Hogwarts. Wenn ich das meinem Vater berichte, wird er sich sofort ans Ministerium wenden und ihre Tage hier sind gezählt."

Harry, Ron und Hermine wollten etwas erwidern, aber Cathrin gab ihnen ein Zeichen, dass sie schweigen sollten. Sie musterte ihn ebenfalls abschätzig und konterte: „Allerdings bin auch ich eine Professorin, ob es ihnen nun passt oder nicht Mister Malfoy. Für ungebührliches Verhalten gegenüber einem Lehrer Zwanzig Punkte Abzug für Slytherin."

„Gibt es ein Problem?", erklang eine tiefe, schneidende Stimme hinter ihnen.

Sie sah ihn kurz an und antwortete: „Keins, was ich nicht selbst lösen könnte, vielen Dank Professor Snape! Und nun meine Herren, entschuldigen sie mich bitte, die Zeremonie beginnt bald!" Leise flüsterte sie zu Malfoy „Wenn sie nicht noch mehr Punkte verlieren möchten, würde ich mich lieber hineinbegeben!"

„Professor Granger! Das Maßregeln der Schüler meines Hauses ist noch immer meine Sache! Sie brauchen nicht zu lachen, Mister Malfoy! Zehn Punkte Abzug für Slytherin, für das Aufhalten eines Lehrers! Und nun scheren sie sich sofort hinein!"

Damit war für ihn alles erledigt, er hatte wieder das letzte Wort gehabt und rauschte an allen vorbei hinein in die große Halle.

Die anderen folgten ihm schweigend. Harry, Ron, Hermine und Cathrin warfen sich amüsierte Blicke zu. Nur Malfoy, Crabbe und Goyle sahen aus, als wären sie in einen Gurkentopf gefallen.

Alle nahmen Platz. In diesem Jahr saß Cathrin zwischen Severus und Minerva.

So konnte sie wenigstens in seiner Nähe sein, ohne aufzufallen.

Sie begrüßte alle Lehrer mit einem „Guten Abend!". Alle stürmten auf sie zu, umarmten sie und sagten ihr, wie sie sich freuten, dass sie wieder zurück sei.

Nur Severus nickte ihr zu, dann sah er wieder zu den Schülern. Keine Regung verriet seine Gedanken und Gefühle.

Nach der Auswahlzeremonie hielt Dumbledore wieder eine Ansprache.

„… In den nächsten Tagen wird euer Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste eintreffen. Ihr kennt ihn sicher noch, es ist Professor Lupin und

wir freuen uns ganz besonders, in diesem Jahr wieder Professor Granger als Lehrer für Muggelkunde bei uns begrüßen zu dürfen." Seine letzten Worte gingen im allgemeinen Jubelgeschrei unter. Alle applaudierten.

Als wieder Ruhe eingekehrt war, fuhr er fort: „Sicherlich werden sich einige von euch fragen, warum sie uns im letzten Jahr vorzeitig verlassen hat. Einige von euch werden es bestimmt einmal sehen, andere wissen es schon. Seit sechs Wochen ist Professor Granger Mutter einer gesunden Tochter. Während der Schwangerschaft gab es Komplikationen und daher musste sie diese zu Hause abwarten."

Nun begann ein Getuschel im Raum.

Albus fuhr unbeirrt fort: „Ihr Kind wohnt ebenfalls in Hogwarts. Vielleicht werdet ihr im Verlaufe des Schuljahres die Ehre haben, es im Unterricht begrüßen zu dürfen.

Von unserem Lehrkörper stehen ihr Professor MacGonagal und Professor Lupin zur Seite…" nun folgten noch andere Ankündigungen. Das Hauptthema dieses Abends aber war, das Kind von Professor Granger.

Hermine wurde mit Fragen überschüttet. Wer denn der Vater sei, wollten die Mädchen wissen. Wie vereinbart erzählte Hermine, dass es ein Freund aus der Muggelwelt wäre, sie sich aber vor zwei Monaten getrennt hätten.

Das wurde von allen akzeptiert.

Nun begann das große Festessen. Alle plauderten ausgelassen.

Die einzelnen Kollegen, ebenfalls von Dumbledores Ankündigung überrascht kamen auf Cathrin zu, um ihr zu gratulieren. Alle wollten die Kleine natürlich sehen und Cathrin versprach ihnen, sie bei der nächsten Gelegenheit mitzubringen.

Rolanda fragte keck, was der Vater davon halte, dass seine Tochter hier in Hogwarts sei.

Cathrin erklärte ihr, dass sie keinen Kontakt mehr hätten und daher wisse er auch nicht bescheid.

Severus folgte dieser Unterhaltung schweigend und verzog keine Mine. Er hatte wieder seine Maske aufgelegt, die keinen Umstehenden seine Gefühle erkennen ließ.

Er stand auf und sagte nur kurz: „Er wird schon seine Gründe haben, sich nicht mehr zu melden. Wahrscheinlich haben sie ihn genug genervt!" und ging.

Alle schauten ihm entsetzt hinterher und Cathrin dachte: So überzeugend musst du nicht schauspielern, Severus!