Die nächsten Tage verliefen ruhig, nur mit einer Änderung. Cathrin hatte es eingeführt, dass Eileen mit in ihrem Bett schlief.

Dadurch fühlte sie sich nicht mehr so allein.

Die Abende waren einsam, die Nächte lang und schlaflos und die Tage stressig. Sie sah ihre Tochter wenig, meist nur zum Stillen oder für einen kurzen Spaziergang.

Severus hingegen, schien ihr ständig über den Weg zu laufen. Aber da immer irgendjemand in der Nähe war, nickte er ihr nur kurz zu, wie jedem anderen Kollegen auch.

Bei den Mahlzeiten saßen sie nach wie vor nebeneinander und beide waren sehr ruhig. Es kam vor, dass sein Knie versehentlich ihr Knie berührte oder sie beim Reichen des Kaffees die Kanne etwas länger festhielt und er zufällig ihre Finger berührte, aber für die Außenstehenden war nicht ersichtlich, dass diese Bekanntschaft intensiver war.

Bisher waren sie sich nur ein Mal im Lehrerzimmer begegnet. Sie betrat es mit Minerva und er war im Begriff, es zu verlassen. Minerva drehte auf dem Absatz um und verließ das Zimmer unter irgendeinem Vorwand.

Beide standen sich stumm gegenüber. Severus legte seine Hand an ihre Wange und sie schmiegte sich hinein. Keiner sagte ein Wort. Sie genossen nur den kurzen Augenblick, der nicht länger als eine Minute andauerte. Schon kam Minerva wieder herein gepoltert und hinter ihr lief Filius.

Dumbledore hatte Cathrin nahe gelegt, die Spaziergänge mit Eileen auf das Gelände innerhalb des Schlosses zu verlegen, da es hier sicherer wäre.

Es fiel ihr unheimlich schwer, diese Anweisung zu befolgen. Sie liebte es, bei Wind und Wetter an der frischen Luft zu sein und hatte bisher jede freie Minute mit ihrer Tochter dazu benutzt.

An manchen Abenden kam Minerva auf ein Gläschen Wein vorbei und die beiden ratschten und tratschten die halbe Nacht. Diese Abende genoss sie, die lenkten sie ab.

Den anderen Kollegen hatte sie ihre Tochter gezeigt. Alle waren begeistert und boten sich sofort für Babysitterdienste an. Vor allem Filius war ganz vernarrt. Ihm hatte Eileen ihr schönstes Lächeln geschenkt und danach war es um ihn geschehen.

Fast jedes Wochenende fragte er Cathrin, ob er sie beim Spazierengehen begleiten dürfte.

Sie nahm seine Gesellschaft dankbar an und nutzte die Gespräche, um mehr über die Geschichte der Zaubererwelt zu erfahren.

So vergingen einige Wochen. Halloween stand vor der Tür.

Severus fehlte ihr. Es war wieder Abend und sie saß allein vor dem Kamin. Plötzlich kam ihr eine Idee.

Sie rief Dobby und machte sich gemeinsam mit ihm und Eileen auf den Weg zum Kerker.

Vor dem Kerker traf sie auf Draco Malfoy. Man sah ihm seinen Ekel an, aber er vermied es, irgendeinen Kommentar abzulassen, wohl wissend, dass es Punkteabzug nach sich ziehen würde.

„Guten Abend Mister Malfoy! Was machen sie um diese Zeit noch auf den Gängen?", fragte sie ihn provozierend.

Noch bevor er antworten konnte, öffnete sich die Kerkertür und Severus erschien. Er zog die linke Augenbraue nach oben, als er Cathrin erblickte. Die kurze Überraschung auf seinem Gesicht wich schnell seiner alten Maske.

„Habe ich doch richtig gehört Miss Granger. Was verschafft unseren Gewölben die Ehre ihres Besuches? Mister Malfoy, sie sollten längstens im Gemeinschaftsraum sein!"

Malfoy murmelte eine kurze Entschuldigung und machte sich sofort auf den Weg zum Gemeinschaftsraum der Slytherins.

Cathrins Herz raste. Sie sah ihm fest in die Augen und sagte: „Mich schickt Madam Pomfrey. Eileen hat starke Koliken und sie könnten ihr eventuell mit einem Trank helfen! Sollten Sie allerdings beschäftigt sein, werde ich ein andermal wieder kommen!"

„Nun kommen sie schon herein, ich will sehen, was sich machen lässt!", erwiderte er mürrisch.

Cathrin betrat zusammen mit Dobby und Eileen Snapes Räume. Dobby legte das Kind auf die Couch und nach einem kurzen Nicken zu beiden verschwand er.

Severus schloß die Tür und atmete tief durch bevor er sich zu ihr herum drehte.

Nun war seine Maske gefallen und er sah sie mit seinen schwarzen, glänzenden Augen unsicher an.

„Was machst du hier? Bist du verrückt hierher zu kommen? Du bringst euch beide in Gefahr!

Im gleichen Atemzug, ohne eine Antwort zu erwarten nahm er sie in die Arme und umschlang sie fest.

Er legte sein Gesicht auf ihr Haar, vergrub seine Nase darin, schloss die Augen und murmelte. „Wie kann man nur so unvernünftig sein!"

Ohne eine Erwiderung schmiegte sie sich an ihn. Sie genoss es, seine Wärme zu spüren.

Nach einer Weile löste er sich von ihr und sah sie an.

Sie hatte das Gefühl, in seinen dunklen Augen zu ertrinken. Ohne ein weiteres Wort küsste er sie sanft. Seine Lippen waren so weich und als seine Zunge um Einlass bat, gewährte sie ihm den nur zu gern.

Als er sich von ihr löste, hatte sie das Gefühl zu frieren. Sie öffnete sie Augen und sah zu, wie er zu Eileen ging und sie betrachtete. Ein leichtes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.

„Gott, wie ich euch vermisst habe!", sagte er leise.

Plötzlich wurde sein Blick härter, er sah sie an und fragte wieder: „Bitte sag mir jetzt, was du hier machst! Wie bist du nur auf diese Idee gekommen?"

Sie sah ihn trotzig an, als sie antwortete: „Ich hatte einfach Sehnsucht nach dir und dachte, die Ausrede mit den Koliken wäre gut und niemand würde etwas merken! Aber wenn wir stören, gehen wir eben wieder!"

Sie wollte auf das Kind zugehen, plötzlich stellte er sich ihr in den Weg und fasste sie bei den Schultern!

„Ihr stört mich nicht, dass weißt du ganz genau! Du weißt aber auch, dass es riskant ist hierher zu kommen. Aber ihr habt mir auch gefehlt und ich danke dir für deinen Einfallsreichtum. Nur bitte, tu das nie wieder! Du bringst alle unnötig in Gefahr!" Mit einem Lächeln fuhr er fort: „Nun würde es auffallen, wenn ihr gleich wieder geht, also musst du noch eine halbe Stunde bleiben, bis der Trank fertig ist, den ich für ihre Koliken braue."

Sie verbrachten die Zeit zusammen mit ihrem Kind auf der Couch und Severus konnte nicht genug von der Kleinen bekommen. Cathrin sah beiden schweigend und lächelnd zu.

Eileens Entwicklung hatte einen enormen Sprung gemacht und er genoss es, das zu beobachten. Sie lächelte und brabbelte, versuchte den Kopf zu heben und sich zu drehen.

Es war einfach wunderbar.

Nach Ablauf der Zeit fiel es allen schwer, sich zu trennen.

Er gab ihnen zum Abschied noch einen Kuss und sah ihnen wehmütig hinterher, als sie gemeinsam mit Dobby die Kerker verließen.