Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge.
Sie hatte Eileen immer zum Essen mit in die große Halle genommen. Dank Minervas Fähigkeiten im verwandeln, stand auch ein Kinderstühlchen bereit.
Es machte allen sichtlichen Spaß, zusammen mit der Kleinen zu essen. Die Schüler sahen ständig zu ihr und schmunzelten und auch die Lehrer fanden immer wieder neue Dinge, die Eileen probieren sollte.
Die grapschte nach allem, was in ihrer Nähe war. Einmal erwischte sie im Vorübergehen auch den Umhang von Severus. Alle hielten die Luft an und warteten auf ein Donnerwetter. Sie waren ganz erstaunt, als sie zusahen, wie er ganz sanft ihre Hand löste, sie anlächelte und kein böses Wort verlor.
Trotz des ganzen Versteckspielens, seiner Tochter konnte er nicht als Fiesling gegenüber treten.
Während der täglichen Spaziergänge mit Remus, hörten sie sich gegenseitig ihren Text ab.
Remus war kein guter Schauspieler und Texte merken konnte er sich schon gar nicht gut, also war lachen vorprogrammiert. Sie lachten viel.
Auch Eileen mochte ihn wohl, denn sie hatte keinerlei Einwände, von ihm durch die Gegend getragen zu werden. Dann zog sie ihn am Schnauzer oder an den Ohren und gluckste.
Das Verhalten von Severus gegenüber Remus war noch nie das Beste, aber diese Situation trug nicht zur Besserung bei.
Er warf ihm feindselige Blicke zu und provozierte ihn, wo er nur konnte. Nicht nur, dass Lupin seinen Wunschposten innehatte, jetzt machte er sich auch noch an „seine Frauen" ran. Das war einfach zuviel. Cathrin schien es nichts auszumachen und das ärgerte ihn noch mehr.
Sein Verhalten ihr gegenüber wurde kühler. Die sanften, geheimen Gesten existierten nicht mehr und er vermied es, sie anzusehen.
Remus trug das Ganze mit Humor. Er nahm es einfach gelassen. Aber Cathrin wusste nicht, wie sie das ganze einordnen sollte. Gesprächen mit ihr ging er aus dem Weg.
Sicher hat er nur Stress, Voldemort wird ihn gehörig mit Beschlag belegen. Wenn das vorbei ist, wird er sich auch wieder beruhigen!, dachte sie.
Komischer Weise kam sie nicht auf die Idee, dass er eifersüchtig sein konnte. Für sie war Remus nur ein guter Freund und sie genoss seine Gesellschaft. Aber sie zeigte ihm auch seine Grenzen auf und hatte ihm klar gemacht, dass er nie mehr von ihr erhalten würde.
Darum bestand für Eifersucht ihrer Meinung nach kein Anlass.
Eines Abends, sie spielte wieder mit ihrer Tochter und dem Ball passierte etwas Ungewöhnliches. Der Ball war in die hinterste Ecke gerutscht. Eileen machte Versuche, an ihn heranzurutschen. Aber sie schaffte es nicht. Cathrin wollte sehen, was passiert und wie ihre Tochter das Problem lösen wollte.
Nach einer ganzen Weile, in der Eileen alle Fassetten ihres Könnens durchgespielt hatte, vom in die Hände klatschen (was für ein Bitte, Bitte stand), über weinen und bocken, bis hin zum Zeigen entdeckte sie eine neue Möglichkeit.
Sie hob ihren Arm und zeigte mit ausgestreckter Hand auf den Ball. Dabei fixierte sie ihn mit ihrem Blick. Plötzlich bewegte er sich und rollte auf sie zu.
Sie griff nach ihm und lächelte zufrieden.
Das gleiche wiederholte sich auch im Bettchen. Sie ließ ihren Teddybären, der noch auf der Wickelkommode lag auf ihr Kissen schweben.
Cathrin war völlig perplex und dachte angestrengt nach. Das würde Konsequenzen für sie alle haben, das war ihr klar.
Sie bat Dobby, nach Eileen zu sehen und machte sich verbotener Weise allein auf, zu Albus.
Der war völlig erstaunt, als sie vor seiner Tür stand. Das Passwort hatte er ihr für Notfälle genannt.
Sie erzählte ihm, was soeben passiert war und er wurde nachdenklich. Dann sagte er:
„Hmm. Das bedeutet leider, dass Eileen nicht mehr zum gemeinsamen Essen in die große Halle gehen kann. Schüleransammlungen solltest du mit ihr ebenfalls aus dem Weg gehen.
Wenn Irgendjemand merkt, dass sie über Zauberkräfte verfügt könnte ihm klar werden, dass sie doch nicht das Kind von zwei Muggeln ist. Das könnte auch Voldemort erfahren und eins und eins zusammen zählen. Die Zeit ist noch nicht reif dafür.
Eileen braucht noch viel Zeit, bis sie ihre Fähigkeiten zielgerichtet einsetzen kann.
Es tut mir leid. Aber ihr müsst euch, zu eurer eigenen Sicherheit noch mehr isolieren!"
Cathrin hatte ihm stumm zugehört. So etwas hatte sie schon befürchtet. Eine noch stärkere Isolation, das war ihr größter Alptraum. Sie durfte schon jetzt das Schloss nicht verlassen und verbrachte fast jeden Abend allein in ihren Räumen. Eileen hatte noch nie geschaukelt oder ihre Finger und Zehen in weichem Sand bewegt. Eine stärkere Isolation, das hatte sie sich nicht für ihr Kind gewünscht!
„Gibt es keine andere Möglichkeit?", fragte sie ihn zaghaft.
„Ich bedaure, nein!", war seine Antwort. Als er ihren traurigen Blick sah, beschloss er, Minerva, Severus und Remus dazu zu rufen. Vielleicht hatten die ja eine andere Idee.
Nach wenigen Minuten erschienen sie. Als sie Cathrin entdeckten, erstaunten alle drei.
Severus trat sofort auf sie zu und fragte, ob mit ihr und Eileen alles in Ordnung wäre.
Er hatte seine Maske abgelegt und sein Gesicht drückte Angst und Sorge aus.
Sie blickte ihn an und deutete zu Albus.
Der informierte die Anderen über die neuen Umstände.
Lange Zeit schwiegen alle. Severus legte stumm den Arm um sie. Remus und Minerva schauten betreten.
Dann ergriffen nach einander alle das Wort. Auch die Anderen hatten keine andere Idee, als die stärkere Isolation.
Remus sagte: „Alternativ gibt es nur die Rückkehr in die Muggelwelt und über die Sicherheit dort, können wir keine Aussagen treffen! Versuche es doch erst einmal, wir werden dir helfen. Sicherlich können wir es einrichten, ein paar gesellige Abende einzuführen, damit du nicht jeden Abend allein bist!" er zwinkerte ihr zu.
Cathrin erklärte sich versuchsweise einverstanden. Ihre Augen blickten traurig. Es ging ja nicht um sie, sondern um ihre Tochter und das hatte sie sich nicht für sie gewünscht.
Auch Severus´Hand verkrampfte sich hinter ihrem Rücken. Aber er blieb still.
„Gut, dann ist das erst einmal klar. Wir müssen uns die nächsten Tage noch einmal mit dem kompletten Lehrerkollegium zusammen treffen, um die Einzelheiten für die Weihnachtsfeier zu besprechen.", versuchte Albus das Thema zu wechseln.
Remus lächelte, sah Cathrin an und sang: „Just one last dance…"
Nun musste sie schmunzeln. Severus zog unverzüglich seine Hand zurück.
Albus beendete das Treffen mit den Worten: „So, nun ab mit euch. Severus, würdest du bitte ausnahmsweise Cathrin zu ihren Räumen begleiten? Wir sehen uns dann morgen. Gute Nacht!"
Alle gingen. Nur Minerva blieb zurück.
Albus und sie sahen sich an. Beide dachten das Gleiche.
Ob Cathrin das jetzt noch aushält?
Sie unterhielten sich die halbe Nacht und machten sich Gedanken, wie sie es für die beiden erträglicher machen konnten.
Inzwischen brachte Severus sie zu ihren Räumen.
„Du willst wirklich mit Lupin singen? Sag bitte, dass das nicht dein Ernst ist!
Merkst du nicht, dass er dich nur anmacht? Er will mehr von dir, das ist doch klar!", polterte er heraus.
Cathrin sah ihn an und erwiderte: „Glaub mir, er hat keine Chance. Mein Herz ist vergeben.
Aber ich habe jetzt andere Probleme, als darüber nachzudenken! Mach es mir nicht noch schwerer Severus! Bitte!"
Er zog sie in eine Nische und gab ihr einen stürmischen Kuss.
„Verzeih mir, ich kann nicht anders! Ich weiß, dass es dumm ist. Pass gut auf euch auf!
Ich liebe dich!", flüsterte er.
„Ich liebe dich doch auch, du Sturkopf! Gute Nacht!", sagte sie leise und ging in ihre Räume.
