Die nächsten Tage mit Eileen waren anstrengend. Sie lies alles schweben, was nicht festgenagelt war. Es machte ihr richtig Spaß.
Als sie bemerkte, in welche Aufregung sie ihre Mutter damit versetzen konnte, stieg die Freude.
Cathrin verbrachte ihre ganze freie Zeit mit dem Kind. Sie versuchte sie abzulenken und bemühte sich, ihr die Zeit zu vertreiben. Aber viel Erfolg hatte sie nicht.
Darum beschloss sie, sich nicht mehr aufzuregen, sobald es Eileen langweilig werden würde, hörte sie sicher von ganz allein damit auf. Es war so und so schon eine anstrengende Zeit.
Also versuchte Cathrin das Ganze etwas ruhiger anzugehen.
Hermine hatte sich die letzten Abende zu ihr gesellt und gemeinsam verbrachten sie diese auf der Couch, vor dem Kamin und hörten Musik, redeten, lachten und tratschten.
Minerva kam manchmal auch dazu. Solche Frauenabende waren die beste Ablenkung.
Heute jedoch war sie allein.
Ihr fiel ein, dass Sie sich bei der Besprechung der Weihnachtsfeier für die Bowlezubereitung eingetragen hatte.
Nachdem Eileen im Bett war, machte sie es sich auf der Couch vor Kamin bequem, nahm sie ein Cocktailbuch in die Hände und begann mit der Suche.
Apfelbowle, Ananasbowle, Champagnerbowle, Erdbeerbowle, Rote Fruchtbowle, …
Sie konnte sich nicht entscheiden, wusste nur, allzu viel Alkohol durfte nicht enthalten sein, sonst wäre es zu turbulent.
Sie entschied sich dann für eine Schlammbowle und eine Erdbeer-Orangen-Bowle.
Auf ihrer letzten Party daheim sind die beiden gut angekommen und ihre Freunde waren begeistert.
Ihre letzte Party daheim… Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen, ihrem Gefühl nach zu urteilen.
Sie legte das Buch beiseite und begann zu grübeln.
War das hier das Leben, welches sie für ihr Kind wollte? Eileen hatte eine besondere Fähigkeit, das war klar. Aber war es das? Sie war hier bei ihrem Vater, hatte aber nichts von ihm und er nicht von ihr.
Er konnte ihre Entwicklung nicht verfolgen, sie mit ihren Eigenheiten nicht kennen lernen, nicht trösten, nicht auf den Arm nehmen.
Zu Hause gäbe es zwar keine Möglichkeit, mit Severus in Kontakt zu treten, aber Eileen hätte mehr Möglichkeiten.
…Was soll´s! Sie wischte die dunklen Gedanken weg.
Weihnachten stand vor der Tür, mal sehen, was das Fest bringt.
Ihren Liedtext hatte sie gelernt, wie sie ihn vortragen wollten, davon hatte sie noch keine Ahnung.
Sie hatte auch keine Ahnung davon, was Severus gerade durchmachte.
Er war wieder einmal zu Voldemort gerufen worden. Die Tränke schienen zwar noch zu wirken, denn er hatte keine Schmerzen. Dafür war er aber äußerst unzufrieden darüber, dass das Kind noch nicht gefunden war, er spürte, dass mit jedem Tag dessen Zauberkräfte wuchsen.
Er hatte alle Anhänger um sich herum versammelt und ließ seine Wut an ihnen aus.
Er belegte sie der Reihe nach mit dem Cruciatus und das ganze mehrfach. Severus hatte das Gefühl, er würde sich nie wieder richtig bewegen können.
Als es Voldemort zu langweilig wurde und er sich abreagiert hatte, ließ er sie gehen.
Gehen war wohl das falsche Wort. Taumeln, kriechen, schleppen, wäre angebrachter gewesen.
Severus machte sich mühsam auf den Weg zurück nach Hogwarts. Vom Apparierpunkt aus schleppte er sich zurück zum Schloss. Ein Schatten löste sich aus den Bäumen und kam auf ihn zu.
Es war Remus. Als er erkannte, was los war, rannte er auf Severus zu und rief: „Snape, was ist passiert! Komm, ich helfe dir!"
Doch der stieß ihn weg. „ Du bist der letzte Mensch, von dem ich Hilfe annehmen würde! Hau ab und lass mich in Ruhe!", zischte er.
„Sei doch nicht so unvernünftig! Lass mich dir doch helfen!", ließ Remus nicht locker.
„Verstehst du Hau ab nicht? Soll ich es dir anders erklären?", schrie Severus, holte aus und verpasste ihm einen Kinnhaken, danach brach er zusammen.
Remus fiel nach hinten. Er rappelte sich wieder auf und sah Severus am Boden liegen.
Der war mittlerweile bewusstlos.
„Idiot!", brummte Remus und brachte Severus mittels Schwebezauber auf die Krankenstation.
Dort kam ihm Poppy sofort entgegen gerannt.
„Ich glaube, er hat mehrere Cruciatus Flüche abbekommen.", erklärte er ihr.
Dann ließ er ihn sachte auf einem Bett nieder, während Poppy rasch die nötigen Tränke holte.
Zuerst flößten sie ihm einen Schmerzlinderungstrank und dann einen Muskelentspannungstrank ein.
Schließlich gaben sie ihm einen Traumlosschlaftrank und hofften, dass er sich über Nacht wieder erholen würde.
Poppy wachte en seinem Bett, während Remus sich auf den Weg in seine Räume begab, um endlich zu schlafen.
Severus hingegen bewegte sich nicht, aber an seinen ruhigen und gleichmäßigen Atemzügen erkannte Poppy, dass er von der Bewusstlosigkeit in einen erholsamen Schlaf hinüber geglitten war.
Am nächsten Morgen fand kein Unterricht statt. Es war Ferienbeginn und die Schüler, welche diese zu Hause verbringen würden, waren am aufbrechen.
Es war ein riesiges Gewusel und eine große Unruhe im Schloss.
Dadurch bemerkte auch niemand Snapes Fehlen.
Der lag in seinem Bett auf der Krankenstation und schlief noch immer. Dumbledore besuchte ihn. Remus hatte ihm am Morgen alles erzählt.
Er saß noch keine fünf Minuten an seinem Bett, als Snape Anstalten machte, zu erwachen.
Langsam öffnete er die Augen. Noch verschwommen nahm er eine Gestalt an seinem Bett war. Er wollte sich aufsetzen, aber die Schmerzen in seinen Muskeln, zwangen ihn, sich wieder hin zu legen.
„Voldemort?", fragte Albus. Severus nickte und antwortete schwach: „Er ist wütend, dass das Kind noch nicht gefunden wurde. Er spürt, dass seine Zauberkräfte von Tag zu Tag zunehmen. Er lässt mittlerweile auch in der Muggelwelt suchen."
Poppy brachte ihm noch einmal einen Schmerzlinderungstrank und einen Muskelentspannungstrank. Deren Wirkung setzte nach ein paar Minuten ein und Severus konnte sich aufsetzen. Nach einem fragenden Blick auf Poppy sagte diese: „Remus hat dich hergebracht. Du warst bewusstlos."
Er machte Anstalten aufzustehen, als Albus ihn bat, noch einen kurzen Moment zu warten. Er wolle ihm etwas mitteilen. Severus setzte sich und sah ihn fragend an.
Albus begann: „Minerva und ich haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir Cathrin helfen könnten, die Situation für sie erträglicher zu machen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir es ermöglichen sollten, dass ihr drei wenigstens an einigen Tagen im Monat als Familie zusammen sein könnt.
Minerva besitzt ein Haus am Strand, eine ganz einsame Gegend. Niemand weiß von diesem Haus. Ein Wochenende im Monat könnt ihr drei dort verbringen.
Damit keiner etwas davon mitbekommt werdet ihr von dem Kamin in meinem Zimmer aus dorthin flohen. Das die Flohnetzverbindung nicht bemerkt wird funktioniert leider nur an einem Wochenende im Monat. Wäre es mehr, könnte es im Ministerium bemerkt werden und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Voldemort davon erfährt.
Was hältst du davon?"
Severus senkte nachdenklich den Blick. Es dauerte eine Weile bis er schließlich antwortete:
„Bist du dir auch wirklich sicher, dass dies alles gefahrlos ist? Ich möchte natürlich gern Zeit mit den beiden verbringen, aber nicht auf Kosten der Sicherheit!"
Albus nickte und erwiderte: „Glaube mir, wir haben alles lange hin und her abgewogen. Wir sind beide der Meinung, dass das Risiko gering ist und durchaus vertretbar. Also?"
Severus lächelte leicht und nickte nur.
