Ferienzeit!
Endlich war es so weit. Die letzten Wochen hatten sich wie Gummi gedehnt. Die täglichen Spaziergänge mit Remus hatte Cathrin stark reduziert. Irgendwie war die Stimmung zwischen den beiden seit der Weihnachtsfeier leicht gedrückt. Die Wochenendspaziergänge mit Filius behielt sie aber bei. Gespräche mit dem kleinen Zauberer gefielen ihr zu gut.
Aber das alles zählte nicht mehr, es waren Ferien! Wochen voller Ruhe und Frieden in Peel, auch einige Tage bei ihren Eltern, aber erst am Ende der freien Zeit.
Die Koffer waren gepackt, die Schüler abgereist und nun stand ihre eigene Abreise bevor.
Sie ging wie gewohnt mit Eileen in Dumbledores Büro. Dort verabschiedete sie sich von Albus und Minerva und trat mit Dobby und Eileen in den Kamin.
Severus wollte heute nachkommen. Also waren sie erst einmal allein. Für Eileen gehörte es aber schon dazu, dass Severus auf sie wartete und sie in die Luft warf. Ihre Augen suchten den gesamten Raum ab und als sie ihn nicht erblickte drehte sie die rechte Hand mit der Handfläche nach oben, zuckte mit den Schultern und sagte mit einem völlig entrüsteten Ton: „Papa, ab!"
Cathrin musste lächeln. Die Kleine hatte sich schon so an Severus gewöhnt, dass ihre Mutter in der gemeinsamen Zeit fast völlig abgeschrieben war. Die beiden hingen unheimlich aneinander. Aber das war gut so.
Pünktlich zum Essen erschien Severus. Als Eileen ihn erblickte, schrie sie vor Freude auf.
Den Rest des Abends tollten die beiden vergnügt auf dem Boden herum.
Als Eileen später im Bett war, hatten auch ihre Eltern Zeit für sich und die genossen sie in vollen Zügen!
So oft es ging, gingen sie hinunter zum Strand. Sie sonnten sich, gingen spazieren, aber ins Wasser wollte Eileen nicht.
Eines Tages, sie lagen gerade im Sand und genossen die Ruhe, als Eileen sich plötzlich erhob, eine Weile still da stand und dann ganz zaghaft einige Schritte, direkt aufs Wasser zu lief.
Die ersten Schritte, das war etwas besonderes, zumal alle dabei waren.
Von da ab wurde es von Tag zu Tag besser, sie lief immer mehr und immer besser. Nach einigen Wochen ging sie zum ersten Mal direkt ans Wasser.
Erstaunt sah sie zu, wie die Wellen sich zwischen ihren Zehen brachen. Sie spreizte ihre Zehen und sah immer wieder hin und her zwischen dem Wasser und ihren Füßen. Dann kam sie empört schimpfend zurück gerannt.
Das Wasser war ihr zu kalt und zu unheimlich.
Aber sie versuchte es immer wieder, magisch zog es sie an.
Irgendwann stand sie bis zu den Knien im Wasser. Das war ihr wohl zu kalt und mittels ihrer eigenen Magie brachte sie es fertig, es unbemerkt anzuwärmen, gleichzeitig kam ein leichter Wind auf. Nun war sie zufrieden und aus dem Wasser nicht mehr heraus zu bekommen.
Die Wochen gingen ins Land und damit rückte auch die Zeit näher, an dem Cathrin ihre Eltern besuchen wollte.
Nur Eileens Geburtstag sollte noch gemeinsam in Peel gefeiert werden.
Am Morgen des Vortages saßen sie beim Frühstück, als Severus plötzlich blass wurde und an seinen linken Arm griff.
„Was ist los?", fragte Cathrin beunruhigt.
„Der dunkle Lord ruft mich zu sich, ich muss gehen!", flüsterte Severus.
Cathrin erschrak. Zu genau erinnerte sie sich noch daran, wie schlecht es Severus nach seinem letzten Besuch ging.
„Hab keine Angst. Ich bin bald zurück!", sagte er beruhigend und verschwand im Kamin.
Cathrin, beunruhigt wie sie war, machte derweil mit Eileen einen Spaziergang zu den alten Runen. Dort fühlte sie sich in einer seltsamen Art und Weise immer frei und unbeschwert.
Genau das brauchte sie heute!
Sie schlenderten über die Wiesen, bis sie die Steine in der Ferne erkennen konnten.
Je näher sie kamen, umso heller schienen sie zu werden!
Als sie nur noch ein paar Schritte entfernt stehen blieben, begannen die Runen intensiv zu leuchten. Ein Summen lag in der Luft. Die Zeit schien still zu stehen.
oooooooo
„Nun sind wir alle vollzählig! Sehr gut! Ich habe euch gerufen, weil es morgen auf den Tag genau ein Jahr her ist, an dem das Kind geboren wurde. Ihr Narren habt es bisher nicht einmal ansatzweise fertig gebracht, das Kind zu finden!", zischte Voldemort.
Seine Anhänger hatten sich um ihn versammelt. Alle hielten den Kopf gesenkt. Wenn der dunkle Lord wütend wurde, war es besser, ihm nicht direkt in die glühenden Augen zu sehen.
Zu schnell kam er auf falsche Gedanken.
Wütend sprach der weiter: „Nur dank den Tränken von Severus bin ich überhaupt in der Lage aufrecht zu stehen! Die Schmerzen wären sonst zu groß, aber nicht einmal das treibt euch zur Eile! Manchmal glaube ich, dass mich nur Versager umgeben!"
„Nicht doch Herr!", hechelte Wurmschwanz. „Wie könnt ihr nur an unserer Loyalität zweifeln?"
„Sei still du Kröte!", schrie Voldemort. „Nicht ein Hinweis und du fragst, wie ich an eurer Loyalität zweifeln kann? Für mich sind keine Anstrengungen erkennbar! Aber das hat sich ja nun endlich geändert! Zum ersten Mal seit einem Jahr gibt es Hinweise auf den Aufenthaltsort des Kindes!"
Diese Information ließ er erst einmal auf seine Anhänger wirken. Erstauntes und erfreutes Getuschel machte sich breit. Severus erschrak. Hat er wirklich Cathrin und Eileen gefunden? Aber wie? Ich war doch die ganze Zeit bei ihnen! Das kann nicht sein. Es ist garantiert falscher Alarm! , versuchte er sich zu beruhigen.
Laut fuhr Voldemort fort: „ Bereits seit einigen Tagen bemerke ich, geringe magische Aktivitäten in Norden. Keine Magie mittels eines Zauberstabes, uralte eigene Magie. Nur gering, aber bemerkbar! Das Kind müsste nun in einem Alter sein, in dem es seine Magie beginnt zu entdecken! Vielleicht sind das tollpatschige Versuche! Bis vor einigen Augenblicken war ich der Meinung, dass man das einfach nur beobachten sollte.
Aber nun spüre ich es ganz deutlich! Es muss seine Magie sein!"
Das Getuschel wurde nun sehr laut. Alle redeten durcheinander. Severus konnte die Anspannung kaum noch ertragen. Ging es wirklich um sein Kind?
Hätte der dunkle Lord in diesem Moment bei ihm die Okklumentik angewandt, vermutlich hätte Severus ihm nichts entgegensetzen können und damit alles preisgegeben.
„Nun los! Diesmal werde ich selbst euch begleiten! Ich gehe mit Severus voran und rufe euch dann mittels des Males!", befahl Voldemort.
Severus war unruhig, aber er hatte keine Wahl. Er disapparierte gemeinsam mit Voldemort. Bei der nächst besten Gelegenheit wollte er aber seinen Patronus zu Dumbledore schicken. Hoffentlich verstand er!
Alle verbeugten sich, als sie verschwanden. Zum Luft holen oder Gedanken austauschen blieb keine Zeit. Schon leuchteten ihre Male. Nacheinander machten sich alle auf den Weg.
oooooooo
Cathrin stand mit Eileen noch immer vor den Steinen. Die Runen strahlten heller, als je zuvor.
Gebannt starrten sie darauf.
Plötzlich schien der Himmel sich zu verdunkeln. Wolken zogen auf, Blitze zuckten, Regen peitschte und Donner grollte über das Land. Besorgt sah sie sich um, vielleicht gab es irgendwo einen Unterschlupf, denn bis zum Haus war es zu weit.
Ihre Augen erblickten mehrere dunkle Gestalten, die in ihre Richtung sahen. Es wurden immer mehr. Ein seltsames Gefühl machte sich in ihr breit und sagte ihr deutlich, dass von denen keine Hilfe zu erwaten wäre. Im Gegenteil, sie bekam Angst, war aber wie gelähmt.
„Dort ist das Kind! Bringt es mir!", schrie eine seltsame Stimme.
Die dunklen Gestalten kamen in ihre Richtung. Cathrin drückte Eileen fest an sich und wich zurück. Sie ging immer weiter in Richtung der Steine, als ein Fluch sie traf.
Crucio! Sie fiel. Eileen blieb unverletzt, aber Cathrin wälzte sich vor Schmerzen auf der Erde.
Levicorpus! Es riss sie in die Luft und sie hing kopfüber nach unten. Nun war sie für alle sichtbar und jeder konnte ihr einen beliebigen Fluch auf den Hals hetzen.
Severus war verzweifelt. Sein Herzschlag schien auszusetzen. Was sollte er tun? Zusehen, wie die Frau, die er liebte, wieder getötet wurde?
„Neeeein!!" schrie er.
Er rannte zu ihr. Als er nur noch wenige Meter entfernt war, traf sie ein Liberacorpus! und sie schlug hart auf dem Boden auf. Ihre Augen waren geschlossen. Eileen weinte.
Protego! Damit schuf er ein Schild zwischen ihr und den Angreifern und trat an sie heran. Eileen war inzwischen in den Steinkreis gelaufen, stand dort und sah ihn mit verweinten Augen an.
Das Summen und Vibrieren wurde lauter. Zwischen den einzelnen Runen begannen sich Linien zu bilden.
Natürlich! Der uralte Schutz der Magie durch die Runen! Seine Mutter hatte ihm einst davon erzählt, aber er hatte es fast vergessen!
Langsam hob er Cathrin auf, die die Augen noch immer geschlossen hielt und leise stöhnte.
Mit ihr betrat er ebenfalls den Kreis und legte sie sacht ab.
Um die drei herum begann sich ein Energiefeld aufzubauen. Sie standen nun in einem hellblauen Licht, welches wie eine Kuppel über sie gewölbt war.
Der Protego-Zauber ließ nach und die Flüche trafen die Kuppel. Aber alle prallten von ihr ab.
Expecto Patronum! rief Severus. Sein Patronus erschien und er schickte ihn zu Albus, in der Hoffnung, dass der Orden ihnen zu Hilfe eilen würde.
„Severus, du Verräter!", schrie Voldemort auf.
„Nein! Ihr habt mich verraten. Schon damals, als ich euch bat, Lilly Evans zu verschonen!", entgegnete Severus.
„Dieses Schlammblut? Mach dir nichts vor Severus! Du hast sie doch schnell vergessen!", erwiderte Voldemort kalt.
„Niemals!" spie Severus. „Seit dieser Zeit arbeite ich für Dumbledore und habe euch verraten! Ich wollte sie rächen und das will ich noch!"
„Warum opferst du dich gerade jetzt für dieses Muggelweib und das Balg?", schrie Voldemort angewidert.
Severus nahm Eileen, die ihm ihre Ärmchen entgegen streckte auf den Arm, streckte sich und sah Voldemort ruhig an, bevor er antwortete: „ Es ist meine Familie! Mein Kind! Die Frau, die ich liebe und ich werde nicht noch einmal zusehen, wie ihr meine Familie zerstört! Wenn ihr sie beseitigen wollt, müsst ihr schon vorher mich beseitigen!"
„Das kannst du haben, du Schwachkopf! Wie kann man nur so dumm sein? Du hättest alles von mir haben können! Ich hätte dich reich und mächtig gemacht! Aber du willst es ja so! Stirb!!! Avada Kedavra!" Voldemorts Stimme überschlug sich.
Unzählige Flüche trafen den Schutzschild, aber keiner konnte ihn durchdringen.
Severus sah die hassverzerrten Gesichter und nutzte seine Chance.
Er richtete seinen Zauberstab auf Voldemort, als er überrascht aufsah. Eine kleine Hand hatte sich auf seine gelegt und Eileen sah Voldemort ebenfalls an. Er spürte eine ungeheure Energie.
Avada Kedavra! , schrie er und der Wind trug seine Stimme weit fort.
Die Erde begann zu beben, der Wind wurde zum Orkan, die Steine strahlten so grell, dass alle die Augen schließen mussten. Eine Welle des Lichts ergoss sich ringförmig von den Steinen ausgehend über die gesamte Wiese. Jeder, den sie erfasste, fiel in sich zusammen.
Plötzlich war er still. Die Wolken lösten sich schlagartig wieder auf, der Orkan verstummte und die Sonne brannte am Himmel, als wäre nichts geschehen.
Nur die dunklen Gestalten lagen überall auf der Wiese.
Severus, Eileen und Cathrin befanden sich noch im Kreis. Der Schutzschild baute sich langsam ab. Hastig kniete er sich zu Cathrin hinab. Sie reagierte nicht, aber sie atmete noch.
Er legte ihren Kopf auf seinen Schoss und umklammerte Eileen mit seinem rechten Arm.
„Cathrin, bitte! Mach die Augen auf mein Engel!"
Ringsum erklang ein „Plopp".
Nacheinander erschienen die Mitglieder des Ordens Albus, Minerva, Remus, Nymphadora, Arthur, Molly, Bill, Charly, Mundungus,…
Sie eilten zu den Dreien im Steinkreis.
„Severus, seit ihr in Ordnung? Was ist passiert?", fragte Albus hastig. Minerva nahm ihm Eileen ab und Poppy untersuchte Cathrin. „Severus, bitte lass sie los! Ich muss sie sofort nach Hogwarts bringen!", bat sie ihn.
Aber er hielt sie krampfhaft fest.
„Severus, bitte!", bat nun auch Albus. „Lass sie uns nach Hogwarts bringen. Nur dort können wir ihr helfen!"
Widerwillig ließ er sie los. Minerva und Poppy verschwanden mit Cathrin und Eileen.
Albus hockte sich zu Severus und bat ihn, zu erzählen, was geschehen sei.
Langsam begann Severus. Alles brach aus ihm heraus und Tränen traten in seine Augen.
Albus hörte schweigend zu, bis er geendet hatte.
Unterdessen untersuchten die anderen die dunklen Gestalten. Alle waren tot. Schließlich langten sie bei Voldemort an. Als sie ihn erkannten, versammelten sich alle um ihn herum.
Albus und Severus traten dazu.
„Er ist tot. Voldemort ist tot und alle anwesenden Todesser auch!", sprudelte es aus Arthur hervor.
