Nach einigen Tagen konnte Cathrin aus der Krankenstation entlassen werden. Sie hatte gehofft, dass nun alle drei gemeinsam in ihren Räumen leben würden und machte im Schrank für Severus Platz. Die Besenkammer lies sie von Dobby magisch vergrößern und wollte sie so zu seiner Bibliothek umfunktionieren.

Das alles tat sie streng geheim, wollte sie ihn doch damit überraschen.

Am Nachmittag klopfte es an der Tür. Sie öffnete und Severus stand mit Eileen davor.

Die machte „Buh!" und Cathrin tat, als hätte sie sich erschreckt.

Daraufhin lachte die Kleine herzhaft und wäre ihrem Vater beinahe vom Arm gesprungen.

Er setzte sie ab und sie rannte auf ihre Mutter zu. Cathrin hob sie hoch und spielte mit ihr „Flieger".

Dann ging sie auf Severus zu und gab ihm einen Kuss. Er zog sie sacht an sich und wollte diesen Kuss intensivieren. Da aber Eileen neben den beiden stand und ihnen zusah, löste Cathrin sich sanft von ihm. Er schürzte die Lippen.

„Ich habe eine Überraschung für dich!", strahlte sie ihn an und führte ihn zur Besenkammer. Er zog überrascht eine Augenbraue nach oben und fragte: „In der Besenkammer? Miss Granger, ich bin entsetzt!" Seine dunklen Augen funkelten.

Sie nickte und öffnete lächelnd die Tür. Überrascht sah er sich um, an den Wänden standen Regale, die nur darauf warteten mit Büchern gefüllt zu werden und in der Mitte hatte sie zwei gemütliche Ohrensessel platziert.

Fragend sah er sie an. „Nun schau nicht so, dass wird unsere Bibliothek! Schließlich wollen wir vielleicht gemeinsam abends etwas lesen!", erklärte sie ihm.

„Aber warum? Ich habe eine Bibliothek!", antwortete er.

„Ja aber nun, wo wir in einer gemeinsamen Wohnung leben können, sind doch 2 Bibliotheken sinnlos."

„Ich kann mich nicht erinnern, zugestimmt zu haben, zu dir zu ziehen! Es war nur davon die Rede, dass wir uns nun nicht mehr verstecken müssen! Cathrin, ich werde meine Räume behalten! An den Wochenenden und in den Ferien können wir das gern anders handhaben.", sagte er schneidend.

In diesem Moment fiel ihr keine Erwiderung ein. Sie stand, wie vom Donner gerührt da und starrte ihn an.

„Ich bin ein komplizierter Mensch und brauche meinen Freiraum, eine Rückzugsmöglichkeit.

Ich muss die Möglichkeit haben, allein zu sein, sonst wird mein Verhalten unzumutbar!

Ich bin es nicht gewohnt, ständig Jemanden um mich zu haben, dafür war ich zu lange allein.", versuchte er zu erklären.

„Severus Snape! Das ist nicht dein Ernst! Nun, wo endlich alles vorbei ist, willst du nicht mit

uns zusammen leben? Ich dachte, wir bedeuten dir mehr!", rief sie gekränkt.

Er wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als sie ihn mit zornigen Augen ansah und sagte: „Es ist wohl das Beste, wenn du jetzt gehst! Wir wollen dir unsere Gesellschaft nicht länger als nötig zumuten!"

Es dauerte einige Sekunden bis er begriff, was sie gerade gesagt hatte und in ihm stieg eine unbändige Wut auf. Konnte oder wollte sie ihn nicht verstehen? Er hatte das Gefühl, genug gesagt zu haben, drehte sich um und ging.

Sie stand noch lange regungslos an der gleichen Stelle, bis Eileen sie wieder in die Gegenwart zurückholte.

„Mama, Papa ab?", fragte sie mit ihren großen Augen und klammerte sich an Cathrins Bein.

„Ja mein Schatz, er ist ab!", antwortete sie traurig, hob sie empor und trat mit ihr ans Fenster.

„Wollen wir einen Spaziergang machen?"

Statt einer Antwort hüpfte Eileen auf ihrem Arm auf und ab und nickte wild.

Sie zog die Kleine an und ging mit ihr hinunter zum See. Langsam streiften die beiden über die Wiese und sie versuchte Eileen zu zeigen, wie man Blumen pflückt.

Doch mit ihren Kleinen Händen erwischte sie die Pflanzen immer nur knapp unter der Blüte und so konnte man schließlich keinen Strauß zusammen bringen. Aber sie versuchten es immer weiter.

„Hallo Cathrin, Eileen!", rief es hinter ihnen. Remus Lupin rannte auf sie zu.

„Schön euch beide hier zu sehen, habt ihr etwas dagegen, wenn ich mit spazieren gehe?"

„Nein natürlich nicht. Wir freuen uns, das letzte Mal ist schon viel zu lange her!", antwortete sie und hakte sich bei ihm ein.

Überrascht sah er auf ihren Arm hinab. Gemeinsam spazierten sie weiter.

„Wie geht es dir?", begann Lupin.

„Besser! Ich merke fast nichts mehr, nur wenn ich mich zu schnell drehe oder bücke wird mir schwindelig."

„Wenn man bedenkt, was du durchgemacht hast, sind diese Nachwirkungen winzig.", sagte Remus leise.

„Ja, ich bin auch froh, da so glimpflich raus gekommen zu sein. Ich weiß, dass ich das alles Severus und Firenze verdanke, hätten die beiden nicht so unermüdlich nach Gründen gesucht, läge ich wohl heute noch bewegungslos in meinem Bett."

„Ja. Severus war nicht er selbst. Er hat sich zwar rührend um Eileen gekümmert, aber seine Gedanken sind Tag und Nacht um dich gekreist. Ich glaube, keiner ist glücklicher als er, dass du wieder da bist.", schmunzelte Remus.

„Wenn er glücklich ist, hat er eine seltsame Art, das zu zeigen.", erwiderte Cathrin leise.

Remus horchte auf. „Warum? Was ist geschehen? Hat die alte Fledermaus sich mal wieder daneben benommen?"

Cathrin bückte sich zu Eileen und half ihr, beim pflücken eines Grashalmes. „Schau mein Spatz, immer hier unten anfassen, nicht da oben, dann geht es besser!", erklärte sie ihr stand auf und fuhr zu Remus gewand fort: „Er weigert sich, mit uns zusammen zu wohnen. Angeblich braucht er seinen Freiraum, eine Rückzugsmöglichkeit."

„Das ist nicht dein Ernst! Erst könnt ihr nicht zusammen leben, wegen Voldemort und nun, wo ihr die Möglichkeit habt, verzichtet er? Der ist doch nicht ganz dicht!", regte sich Remus auf.

„Das hab ich ihm auch gesagt und ihn gebeten zu gehen, wenn wir ihm nicht mehr bedeuten.", hauchte Cathrin, den Tränen nahe.

„Komm her Maus!" Liebevoll nahm Remus sie in die Arme und strich ihr tröstend über den Rücken. „Das hat er nicht so gemeint. Ich glaube der gute, alte Severus hat nur Angst vor seiner eigenen Courage bekommen. Er denkt, wenn ihr erst einmal zusammen wohnt, ist es endgültig."

„Und was ist so schrecklich daran?", schluchzte Cathrin an seine Schulter.

„Nichts. Er hat einfach nur Angst. Außerdem weiß er, dass er nicht immer der angenehmste Mensch ist und hat Angst, euch zu verkraulen.", beschwichtigte Remus.

„Glaubst du, er liebt uns wirklich richtig?"

„Was ist denn das für eine dumme Frage? Hätte er sonst wohl das ganze auf sich genommen?", ereiferte sich Remus wieder. „Er mag ja kompliziert sein, aber wenn Severus jemandem ein Gefühl entgegen bringt, ist das immer stark. Liebe genauso wie Hass. Glaub mir, euch beide liebt er über alles!"

Sie löste sich aus seinem Arm und sah ihn mit tränenverschmierten Augen an. Er nahm ihr Kinn in seine Hand und hob es sacht an. Dann reichte er ihr sein Taschentuch.

„Nun hör auf zu weinen! Gib ihm einfach etwas Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen!", sagte er sanft.

Sie schniefte in sein Taschentuch, trocknete die Tränen und küsste seine Wange.

„Lass ihn das nur nicht sehen, sonst bin ich ein toter Mann! Übrigens, wenn er dich nicht will, ich will dich auf alle Fälle!"

Nun musste Cathrin lachen und sie liefen weiter.

Aus den Kerkerfenstern folgten ihnen ein paar dunkle Augen, aber sie bemerkten es nicht.

Was macht dieses alte Fellknäuel schon wieder bei ihr? Hat sie sich bei ihm ausgeheult und er widert Morgenluft? Hofft er jetzt auf seine Chance bei ihr?

Jetzt schmiegt sie sich auch noch an ihn! Ich bring ihn um!

Der nächste Wolfsbanntrank wird gigantische Nebenwirkungen haben, wenn er so weitermacht.

Was? Ich glaub es nicht! Diesen Kuss wird er bereuen!

Wütend griff er nach dem ersten besten, was er in der Hand hatte und schleuderte es gegen die Wand. Dann setzte er sich in seinen Sessel, lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Severus, du bist ein Idiot. Diese Frau liebt dich, wie dich noch nie ein Mensch geliebt hat und du liebst sie auch! Statt mit ihr glücklich zu sein, musst du sie verjagen! Du müsstest jetzt da draußen bei ihr sein und nicht dieser Wolfersatz!

Genug gegrübelt! Du wirst jetzt raus zu ihr gehen! Zeig dem Affen, dass er keine Chance hat!

Rasch erhob er sich und rannte fast hinaus. Vor den Toren schlug er wieder ein normales Tempo an und lief langsam auf die drei zu.

Als er sie fast erreicht hatte, bemerkte ihn Eileen. „Papa, Papa!" rufend rannte sie auf ihn zu, so schnell sie ihre kleinen Beinchen trugen. Kurz bevor sie bei ihm war, wäre sie fast über eine Wurzel gestolpert und gefallen, aber Severus fing sie auf und nahm sie in seine Arme.

Cathrin und Remus waren stehen geblieben und sahen den beiden entgegen.

Severus blickte ihr fest in die Augen, als er auf die beiden zuging.

„Mama, Papa da! Mama!", rief Eileen. Ihre Stimme überschlug sich fast.

Cathrin stand einfach nur da und sah ihm entgegen. Sie sagten kein Wort. Plötzlich drehte er sich zu Remus.

„Ich danke dir, dass du meiner Familie Gesellschaft geleistet hast, aber nun bin ich da und kann die Aufgabe selbst übernehmen!", erklärte er süffisant.

„Es hat mir nichts ausgemacht und ich bin jederzeit dazu bereit!", antwortete Remus, winkte den beiden zu und ging zurück.

„Das glaube ich sofort!", zischte Severus ihm leise hinterher.

Dann sah er wieder Cathrin an. Lange Zeit sprach keiner von beiden. Eileen wurde es zu langweilig und sie bestand darauf, auf die Erde gesetzt zu werden.

Zögerlich begann Severus: „ Ich… es tut mir leid. Ich möchte gern mit euch zusammen leben."

Cathrin ging einen Schritt auf ihn zu. Sie wusste, wie schwer ihm die Entschuldigung gefallen sein musste. „Ich muss mich auch entschuldigen. Ich glaube, dass ich überreagiert habe."

Zögerlich umarmte er sie und sie umfasste seine Hüfte. Er drückte seine Nase in ihr Haar und atmete ihren unverwechselbaren Duft ein.

Plötzlich zupfte etwas an seinem Bein. Erschrocken sah er nach unten und musste lächeln.

Eileen stand dort und streckte ihm ihre kleinen Ärmchen entgegen. Sie wollte mit in die Umarmung eingeschlossen werden.

Er nahm sie auf den Arm, umfasste Cathrin bei der Schulter, sie umarmte seine Hüfte und so gingen sie zurück zum Schloss.

Selbst im Schloss behielten sie diese Haltung bei, was ihnen viele verstohlene Blicke einbrachte und jede Menge Getuschel. Aber das störte sie nicht.

In ihren Räumen angekommen, zog Cathrin Eileen um und setzte sich mit ihr auf den Boden, um ihrer neuesten Leidenschaft, dem Turm bauen zu frönen. Severus machte inzwischen einen Tee. Als Eileen alleine spielte, stand Cathrin auf. Severus umfasste sie von hinten und küsste ihren Nacken. Sie bekam eine Gänsehaut und ihr ganzer Körper schien zu kribbeln.

Sie schloss die Augen und genoss es, seinen Atem auf ihrer Haut zu spüren.

Er trat zurück und holte die Teetassen aus der Küche. Dann setzten sich beide auf die Couch, sahen Eileen beim spielen zu, rückten eng aneinander und tranken ihren Tee.

Cathrin unterbrach die Stille und machte einen Vorschlag: „Du kannst doch dein Labor im Keller beibehalten und dir daneben einen Raum einrichten, der es dir ermöglicht dort auch einmal zu übernachten, falls du länger arbeiten musst oder auch nur einfach deine Ruhe brauchst. Ich finde das völlig o.k, solange es nicht zur Regel wird."

Er antwortete nicht, stellte aber seine Tasse auf den Tisch, beugte sich zu ihr hinunter und nahm sie in seine Arme. Dann küssten sie sich lang und intensiv, als wäre es der letzte Kuss ihres Lebens.

Als sie sich voneinander lösten, sahen sie sich in die Augen und jeder spürte die Liebe und Dankbarkeit des Anderen.

Am Abend, als Eileen schon im Bett war und sie gemütlich mit einem Glas Wein vor dem Kamin saßen, erhob sich Severus. Er ging zu seiner Robe und entnahm ihr eine kleine Schachtel.

„Könntest du bitte kurz aufstehen?", fragte er leise.

Sie erhob sich und stellte sich ihm gegenüber auf. Sie konnte es nicht erklären, war aber auf einmal völlig nervös.

Er öffnete die Schachtel und sie sah zwei ineinander verschlungene Ringe.

Erstaunt blickte sie auf. Severus sah sie an und sie glaubte in seinen dunklen Augen seine Seele zu erkennnen. Leise sprach er weiter.

„Dieser Ring ist das Zeichen meiner unendlichen Liebe zu dir. Er steht für deren Ewigkeit und unsere Verbundenheit. Durch diesen Ring möchte ich dich noch einmal fragen, ob du meine Frau werden willst."

Sie schluckte schwer, dann fiel sie ihm stürmisch um den Hals und hätte ihn dabei fast umgerissen. Nur schwer brachte sie ein „Ja!" heraus, denn sie hatte das Gefühl am Kloß in ihrem Hals zu ersticken.

Erleichtert nahm er den Ring aus der Schachtel und steckte ihn an ihren Finger mit den Worten.

„Er trägt die Inschrift Pignus amoris habes, was für ´Du hast meiner Liebe Pfand' steht. Diese Ringe können nur getrennt werden, wenn einer davon gebrochen wird."

Dann entnahm er seiner Robe eine zweite Schachtel, die den gleichen Ring enthielt und Cathrin steckte ihm diesen an seinen Finger.

Sie hielten sich noch einige Minuten an den Händen, dann schmunzelte er und sagte: „Nach den Gesetzen unserer magischen Gesellschaft, gehört ihr jetzt mir, Miss Granger. Ihr seid bis ans Ende eurer Tage an mich gebunden. Nun seht zu, wie ihr mich zufrieden stellt!"

Sie musste lachen. „Alter Chauvinist! Aber ich glaube, ich habe da schon eine Idee."