7. Vollmondnacht
Etwas spät machten sich Jackie und
Lily am Montagmorgen auf den Weg zum Frühstück. Bevor sie
die Große Halle betraten, zog Jackie aus ihrem Umhang ein
schwarzes Stirnband und steuerte mit energischen Schritten die vier
Marauder an. Sie saßen schon an dem vollbesetzten
Gryffindortisch, doch außer dem Klappern von Besteck war nicht
viel zu hören. Auch bei den Maraudern herrschte an diesem Morgen
Schweigen, aber ihre Blicke richteten sich auf Jackie, die sich zu
Sirius vorbeugte und ihm das Stirnband in die Hand drückte. Sie
flüsterte, nur für ihn hörbar, in sein Ohr:
"Vielleicht kannst du damit etwas den Spötteleien der
Slytherins aus dem Weg gehen."
Sirius verschluckte sich an
seinem letzten Bissen und brachte nur mühsam ein Lächeln
hervor.
Er hatte gehofft, dass der Zauber nach einem Tag
verschwunden wäre, doch dem war nicht so. Derjenige, der ihm das
verpasst hatte, wollte ihn wohl noch länger leiden lassen.
Als
er am Morgen in den Spiegel gesehen hatte, bekam er einen
Schreikrampf und Remus konnte seinen Freund nur mit Müh und Not
beruhigen.
Lily und Jackie setzten sich gegenüber von James
und Sirius, der gerade das Stirnband über seine, noch immer
blinkende, Aufschrift zog, an den Tisch.
"Steht dir aber",
sagte Lily zwischen zwei Bissen und meinte es ehrlich, nur die
blonden Locken passten nicht zu ihm.
Remus schwieg die ganze Zeit
und stocherte lustlos in seinem Frühstück herum. Er war an
diesem Morgen sehr blass und Lilys besorgter Blick ruhte auf ihm, als
James plötzlich stammelte: "Ähm..., also Lily, du
müsstest... ja, du musst heute Abend mal allein Streife gehen.
Ich muss noch dringend..."
Sirius räusperte sich und
wollte seinem Freund aus der Verlegenheit helfen, indem er sagte:
"Ja, also wir müssen was Dringendes erledigen."
Er
setzte bei seinen Worten einen Hundeblick auf, der Lily, ebenso wie
Jackie, ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Jackie sagte
gelassen: "Ich werde Lily begleiten. Ich finde es nämlich
nicht gut, wenn sie nachts allein in den Gängen unterwegs ist."
Ihr Blick ruhte dabei auf den Slytherins, denen wohl alles zuzutrauen
wäre.
James atmete erleichterte aus und nickte zustimmend.
Lily fixierte ihn und ihre Augen huschten immer wieder zwischen dem
kränklich wirkenden Remus und den anderen Maraudern hin und her.
Irgendetwas verbargen sie, das wusste sie genau. Dass Remus ein
Geheimnis hatte, war ihr schon lange klar, doch was seine Freunde
damit zu tun hatten, verstand sie nicht.
Sirius' Blick ruhte
derweil auf Jackie. Sie hatte seine Entschuldigung am gestrigen Tag
nicht so richtig angenommen und dennoch hatte sie ihm dieses
Stirnband gegeben. Dieses Mädchen war für ihn ein Rätsel
und eine Herausforderung zugleich. Eine Herausforderung, von der er
sich nicht sicher war, ob er sie annehmen sollte.
Mädchen,
die nicht solche Schwierigkeiten machten wie Jackie, die ihm
bereitwillig gaben, was er wollte, gab es genug in Hogwarts.
Bei
diesen frustrierenden Gedanken seufzte er laut auf. Jackie lächelte
ihm aufmunternd zu und ihre Blicke trafen sich für einen Moment.
Das belustigte Funkeln in ihren braunen Augen zauberte Sirius ein
Lächeln ins Gesicht, doch James schnappte ihn am Umhang und
zischte: "Los, Slughorn wird sauer wenn wir zu spät
kommen."
"Nanu", meinte Lily verwundert, "seit
wann willst du Erster beim Zaubertrankunterricht sein? Ich dachte, du
hasst dieses Fach."
James lachte: "Ja, das ist wohl
wahr, aber ich habe ein Ziel und dazu brauche ich, Merlin steh mir
bei, eine gute Note in Zaubertränke."
"Wofür
brauchst du einen guten Abschluss in Zaubertränke?", fragte
Lily.
Überrascht über ihre Neugierde sahen Sirius,
Jackie, Remus und sogar Peter zwischen den beiden Schulsprechern hin
und her.
"Ähm ja...", stammelte Lily, "ich
glaube es wird Zeit", murmelte sie und verließ eilig die
Große Halle.
Jackie hörte noch, wie Sirius James
zuzischte: "Das wird schon, Prongs."
James verdrehte
genervt die Augen und lief Lily schnellen Schrittes hinterher,
gefolgt von seinen beiden Freunden und Jackie, die genau das dachte,
was Sirius ausgesprochen hat.
Sirius hatte es an diesem Montag wahrlich nicht leicht. Spott und Hohn der Slytherins begleiteten ihn den ganzen Tag. Doch zur Verblüffung aller, ließ er sich nicht aus der Reserve locken. Dafür bewunderte ihn nicht nur Jackie, sondern auch auf Lily machte seine Beherrschtheit Eindruck. Ihre Lektion hatte also Wirkung gezeigt. Nun war es an Jackie, alles richtig zu machen, damit er ihr nicht das Herz brach.
Beim Abendessen ließen die beiden Mädchen immer
wieder ihre Blicke am Gryffindortisch hin und her wandern, doch
keiner der Marauder war anwesend.
"Sag mal Frank",
murmelte Lily gedankenverloren, "wo sind denn die vier
Verrückten?"
Frank blickte von seinem Essen auf und
lachte: "Seit wann interessiert dich das, Lily? Ich kann dir nur
soviel sagen, dass sie hin und wieder mal nachts verschwinden."
Er beugte sich näher zu Alice und raunte in ihr Ohr: "Das
heißt, wir wären heute Nacht ungestört."
"Hm,
hört sich gut an", meinte Alice und lächelte ihren
Freund an, während sich Lily und Jackie belustigte Blicke
zuwarfen. Dennoch waren ihre Gedanken bei den Maraudern. Dass sie ihr
Geheimnis, schneller als erwartet, aufdecken würden, ahnten sie
jedoch noch nicht.
Bevor sich Lily mit Jackie am späteren
Abend auf den Weg machte, um ihren Rundgang durchs Schloss zu
absolvieren, schlich sich Lily in James privates Zimmer. Sie kannte
das Passwort und suchte eigentlich nur nach einem Anhaltspunkt für
sein Verschwinden. In der Zimmertür blieb sie stehen, verblüfft
darüber, wie ordentlich und aufgeräumt alles war.
Ihr
Blick blieb an einem umgeklappten Bilderrahmen auf seinem
Nachtschrank hängen. Zögerlich ging sie näher, denn
eigentlich war sie nicht der Typ, der irgendjemandem hinterher
spionierte, doch ihre Neugierde war zu groß.
Sie nahm den
kleinen Rahmen in die Hand und ihre Augen weiteten sich, denn auf dem
Bild war sie selbst zu sehen.
Ihre langen roten Haare flatterten
im Wind und sie hatte die Augen geschlossen. Dieses Foto musste
irgendwann in ihrem sechsten Schuljahr aufgenommen worden sein,
heimlich. Irgendwie fühlte sie sich geschmeichelt und sie war
noch nicht einmal sauer auf James, doch eine Frage schwirrte in ihrem
Kopf: Warum hatte er ein Bild von ihr?
Es war lustig mit
Jackie durch die Gänge des Schlosses zu streifen. Ein Pärchen
aus Huffelpuff hatten sie beim Küssen in einem leeren
Klassenzimmer erwischt. Die beiden waren so verlegen, dass Lily es
nicht übers Herz brachte, ihnen Punkte abzuziehen.
Weit nach
Mitternacht machten die beiden Mädchen ihren letzten Gang durch
die Kerker von Hogwarts. Beide hielten vorsorglich ihre Zauberstäbe
in der Hand, hier unten konnte man nie wissen.
Auf jedes Geräusch
und jeden Schritt lauschend, schlichen sie durch die spärlich
beleuchteten Gänge, doch alles war ruhig. Dass sich hinter ihnen
ein Wandteppich bewegte, bekamen sie nicht mit. Das einzige, was sie
hörten, war ein Zauberspruch, der unisono von zwei Personen
ausgesprochen wurde. Sofort standen Lily und Jackie, mit vor Schreck
geweiteten Augen stocksteif da.
Sie hörten das höhnische
Lachen von zwei, ihnen nur allzu bekannten Slytherins.
"Was
machen wir nun mit ihnen, Bella?", kam es von Rudolfus
Lestrange, der sich jetzt mit einem fiesen Grinsen im Gesicht vor
Jackie und Lily aufbaute.
Bellas diabolisches Lächeln war
nicht zu übersehen, als sie sagte: "Ich weiß was.
Heute ist Vollmond, die Geschöpfe der Nacht werden sich über
ein bisschen Gesellschaft freuen. Wir bringen sie hinunter zum
Schwarzen See. Entweder frisst sie der Riesenkrake oder eine der
Kreaturen aus dem Verbotenen Wald."
Bei diesen Worten lag in
ihren Augen ein irres, manisches Funkeln.
Bella ließ die
erstarrten Gryffindormädchen vor sich herschweben und Rudolfus
lief voraus, darauf bedacht, dass sie niemand erwischte.
Unten
am Schwarzen See steuerten sie den Steg an, der weit in das dunkle
Gewässer hineinragte. Das Mondlicht spiegelte sich auf der
glatten Oberfläche des Wassers und erhellte das Gelände.
Unmittelbar am Ende des Stegs ließ Bella Jackie und Lily
runter. Die beiden Mädchen hielten immer noch ihre Zauberstäbe
in der Hand, doch waren weiterhin unfähig sich zu bewegen, als
Bella und Lestrange mit einem fiesen Grinsen im Gesicht verschwanden.
Einen Moment umgab die beiden eine beängstigende Stille. Man
konnte ihre Herzen schlagen hören, bis es hinter ihnen
plätscherte und schaurige Laute, vermischt mit Wolfsgeheul, aus
dem Verbotenen Wald drangen. Ein leichter Wind wehte und doch war
diese Septembernacht lau und warm.
Lily schäumte innerlich
vor Wut. Zum einen, weil sie von zwei Slytherins so reingelegt worden
waren und zum anderen, weil ihr diese Situation, in der sich die
beiden gerade befanden, überhaupt nicht gefiel.
Ihre Augen
waren starr auf das Ufer des Sees gerichtet. Was hinter ihnen im
Wasser passierte, konnten sie nicht sehen.
Vom Ufer her kam ein
Knurren, ein schauriges und lautes Knurren. Leuchtende Augen zeigten
sich und steuerten den Steg an. Das Kratzen von Krallen auf Holz war
zu hören. Langsam, ein Bein vor das andere setzend, kam das
Geschöpf der Nacht näher. Mit gefletschten Zähnen und
gefährlichem Knurren lief der im Mondlicht gut zu erkennende
Werwolf den Steg entlang.
Lily und Jackie, beide
bewegungsunfähig, aber mit Angst in den Augen, waren sich
darüber bewusst, dass sie geradewegs dem Tod ins Auge sahen und
nichts dagegen tun konnten. Plötzlich sprang ein großes
schwarzes Wesen mit einem Satz durch das Wasser auf den Steg. Einen
Moment blieb der Werwolf stehen, doch das Knurren wurde lauter. Ein
riesengroßer, schwarzer, zottiger Hund kam vor den beiden
Mädchen zum Stehen, doch seine Aufmerksamkeit richtete sich auf
den Wolf, der Schritt für Schritt näher kam. Beide Tiere
knurrten sich an, fletschten die Zähne, bereit für den
Angriff.
Jackie und Lily hätten dem Hund so gerne geholfen,
doch sie waren weiterhin nicht dazu in der Lage.
Erneutes
Gepolter war vom Ufer her zu hören und ein stolzer Hirsch mit
einem prächtigen Geweih sprang auf den Steg, direkt auf die
kampflustigen Tiere zu.
Der Werwolf fühlte sich in die Enge
gedrängt und ging zum Angriff über. Er wollte sich auf den
Hund stürzen, doch dieser machte rückwärts ein paar
ausweichende Schritte, auf Lily und Jackie zu. Es war ein Schritt zu
weit, denn mit einem lauten Platschen fielen die Mädchen nach
hinten über in den Schwarzen See. Wie Steine sackten sie
unaufhaltsam zum Grund des Sees hinab, weder fähig sich zu
bewegen, noch in der Lage zu atmen. Einen Moment glaubten beide, hier
würde es enden. Ihre Umhänge und ihre Kleidung waren mit
Wasser voll gesogen und die Dunkelheit des Schwarzen Sees umgab sie,
als plötzlich zwei Hände nach ihnen griffen und sie mit
aller Gewalt wieder an die Wasseroberfläche zerrten.
Sie
hörten eine allzu bekannte Stimme: "Nimm den Fluch von
ihnen Peter, sonst kriegen wir sie hier nie raus."
Diese
Stimme klang panisch und gehörte Sirius.
Vom Steg her war
das Kampfgewirr zweier Tiere auszumachen, als Lily und Jackie sich
endlich wieder bewegen konnten und eine Ratte den Steg entlang
huschte.
Sirius Black, jetzt wieder mit seiner gewöhnlichen
Haarfarbe, hielt die beiden Mädchen an ihren Umhängen fest
und hockte ebenso wie sie im Wasser. Er wartete darauf, dass sie ihre
ersten Atemzüge machten und zischte: "Sobald wir
verschwunden sind, lauft zum Schloss! Verstanden?"
Jackie
nickte hastig, doch Lily wollte schon ansetzen, um etwas zu fragen,
als Peter sich über den Rand des Stegs beugte und panisch rief:
"Schnell Pad, Prongs schafft das nicht allein."
Noch im
Wasser verwandelte sich Sirius in den schwarzen Hund, der noch vor
ein paar Minuten vor ihnen auf dem Steg stand. Mit einem Satz, sprang
er zurück auf den Holzsteg und rannte zum Ufer.
"Sie
sind Animagi!", flüsterte Lily ehrfürchtig.
"Wir
sollten hier verschwinden, denn da war auch ein Werwolf!",
zischte Jackie aufgeregt und schwamm unter dem Steg entlang Richtung
Ufer, gefolgt von Lily.
Das Kampfgetümmel über ihnen
jagte den Mädchen Schauer über ihre, sowieso schon
zitternden, Körper. Noch bevor sie das Ufer erreichten, waren
die Tiere in den Tiefen des Waldes verschwunden.
Schwerfällig
wateten sie aus dem Wasser. Ihre nasse Kleidung machte ihnen das
Laufen schwer, dennoch blickte Lily noch einmal auf den jetzt leeren
Steg zurück. Etwas glitzerte auf dem Holzboden im Mondlicht.
Hastig lief Lily noch einmal auf den Steg und ihr stockte der Atem.
"Einer von ihnen ist verletzt", rief sie Jackie zu und sah
auf die kleine Blutlache vor ihr.
Jackie sah sich panisch um und
grummelte: "Das können wir jetzt auch nicht mehr ändern
und nun komm Lily, bevor dieser Werwolf wieder hier auftaucht."
Mit schnellen Schritten liefen die beiden zum Schloss hinauf.
Erst im Gemeinschaftsraum der Gryffindors atmeten sie tief durch und
warfen ihre nassen Umhänge ab. Lily lief in ihr Zimmer und holte
ihnen zwei Pyjamas, während Jackie das Feuer im Kamin wieder in
die Höhe trieb.
In den Pyjamas und in eine warme Decke
eingekuschelt, saßen die beiden wenig später vor dem
Kamin. Der Morgen graute schon, doch bis zum Frühstück
waren es noch ein paar Stunden.
Lily blickte ins Feuer und sagte
leise: "Der Werwolf war Remus und James der Hirsch."
Jackie schüttelte gedankenverloren den Kopf. "Woher
können sie das nur? Es braucht Jahre, um ein Animagus zu
werden."
Lily seufzte: "Sie haben uns das Leben
gerettet und deshalb können wir Bella und Lestrange nicht
melden."
Jackie nickte: "Ja, weil die Marauder sonst
auffliegen würden. Ach verflixt, die beiden Slytherins hätten
dafür garantiert einen Schulverweis bekommen."
Bei dem
Gedanken daran mussten die beiden Mädels unwillkürlich
lachen. Sie saßen mit dem Rücken zum Gemeinschaftsraum,
doch als sie das Klappern der aufgehenden Portraittür hörten,
drehten sie sich um. Etwas verwirrt schauten sie in den Raum, als vor
ihnen plötzlich drei der Marauder, wie aus dem Nichts
auftauchten. Etwas silbrig Schimmerndes glitt zu Boden und Sirius
legte James mit Hilfe von Peter auf dem Sofa ab.
James presste
die Lippen fest zusammen und mit seiner Hand übte er Druck auf
seinen Oberschenkel aus. Blut lief über seine Finger und
entsetzt sprangen Jackie und Lily auf.
"Hosen aus",
sagte Lily energisch und Jackie beschwor eine Schüssel mit
Wasser herauf.
James sah sie mit großen Augen an und
grummelte: "Ich zieh doch hier nicht meine Hosen vor euch aus."
Lily verschränkte die Arme vor der Brust und meinte
gelassen: "Na gut, entweder verblutest du oder du gehst zu Poppy
und erklärst ihr, wie das passiert ist."
"Nicht
schon wieder", brummte Sirius, "also runter mit den Hosen
Prongs. Ich hab keinen Bock auf Strafarbeit."
James sah
seinen besten Freund entsetzt an und Peter gähnte herzhaft,
bevor er sagte: "Also, ich hau mich noch ein bisschen hin."
Mit diesen Worten schlurfte er auch schon davon.
"Umdrehen!",
fauchte James Lily und Jackie an, bevor er sich an seinem Gürtel
zu schaffen machte. Die Mädchen gehorchten, konnten sich aber
ein Lachen nicht verkneifen. Als jedoch Sirius murmelte: "Scheiße
Alter, das sieht aber nicht gut aus!", drehten sich die zwei
wieder um. Sie sahen noch, wie James hektisch nach einem Kissen griff
und es über seine Unterhose legte. Lilys Blick wanderte zu
seiner Verletzung und Sirius hatte Recht. Eine tiefe Bisswunde
zeichnete sich auf seinem linken Oberschenkel ab und stetig sickerte
Blut heraus.
"Bei Merlin", flüsterte Jackie, "er
hat dich doch nicht erwischt, als du..."
Sirius schüttelte
den Kopf. "Nee, da waren wir schon verwandelt, als Moony ihn
gebissen hat."
"Wusste ich es doch, Remus ist ein
Werwolf, deshalb sieht er immer so krank aus und verschwindet einmal
im Monat", kam es von Lily, die schon eifrig dabei war, James
Bein zu versorgen.
"Hört mal...", setzte Sirius
an, doch Jackie winkte ab und grummelte: "Wir werden es
niemandem sagen. Ihr könnt euch darauf verlassen."
James
und Sirius sahen sich an und atmeten erleichtert aus.
"Wie
geht es Remus?", fragte Lily, blickte dabei aber nicht auf.
Sirius winkte ab. "Nicht weiter tragisch, der bleibt bis
Tagesanbruch in der Heulenden Hütte."
Doch nun wollte
er von Lily und Jackie wissen, warum die beiden mitten in der Nacht
auf dem Steg waren. Während Lily sich weiter um James Bein
kümmerte, erzählte Jackie den zwei Maraudern die ganze
Geschichte.
"Zu blöd, dass wir sie nicht melden können,
ohne dabei selbst aufzufliegen", grummelte James, der scheinbar
Lilys Führsorge genoss. Er hatte seinen Kopf auf die Lehne des
Sofas gelegt und dabei die Augen geschlossen, ein kleines Lächeln
auf den Lippen.
"So", meinte Lily, "fertig! Aber
ein paar Tage wirst du noch brauchen, bis es wieder voll belastbar
ist."
James blickte zögerlich auf sein Bein, doch viel
war nicht mehr von der Wunde zu sehen. Die Bissstelle war zwar noch
gut sichtbar und es war noch gerötet, aber es hatte aufgehört
zu bluten und die Wunde war fast verschlossen.
Jackie hatte ihnen
in der Zeit vier Tassen mit dampfend heißem Tee
heraufbeschworen und reichte James eine davon, wobei seine knappe
Bedeckung der Unterhose etwas verrutschte und Lily sich kichernd
abwandte. Auf James' schwarzer Boxershorts waren lauter kleine rote
Teufelchen zu sehen. Seine Gesichtsfarbe passte sich der der kleinen
Teufel augenblicklich an und er zischte Sirius zu: "Hol mir eine
saubere Hose, sofort!"
Sirius jedoch dachte gar nicht daran,
sondern ließ sich mit Jackie vor dem Kamin nieder. Lily reichte
James eine Decke und meinte verschmitzt: "Süße kleine
Teufelchen."
Hastig warf sich James die Decke über und
blickte verlegen in seine Teetasse. Lily konnte nichts dagegen tun,
dass sich bei diesem Anblick schon wieder die Schmetterlinge in ihrem
Bauch bemerkbar machten. Die leichte Röte, die in James Gesicht
lag und sein verschämter Blick, machten es ihr nicht leicht
dagegen anzukämpfen.
Resignierend warf sie sich in einen
Sessel, als Sirius sich zu ihr umdrehte und fragte: "Hey, am
Samstag ist Hogsmeade-Ausflug. Wir könnten doch zusammen gehen,
was meint ihr?"
Jackie sah Lily mit großen Augen an,
etwas Flehendes lag in ihrem Blick und James warf seinem Freund
diesen dafür-bring-ich-dich-um Blick zu, bevor er gespannt zu
Lily sah.
Lily seufzte und meinte: "Na, vielleicht können
wir uns später in den Drei Besen treffen. Jackie und ich haben
noch was vor." Das stimmte zwar gar nicht, aber sie wollte auf
keinen Fall mit den Maraudern durch Hogsmeade ziehen, aus Angst
davor, es könnte ihr womöglich noch gefallen.
James
Gesichtsausdruck war bei ihren Worten undefinierbar, doch Sirius
machte eine enttäuschte Miene und Jackie atmete erleichtert aus.
Sie war noch lange nicht bereit, soviel Zeit mit Sirius zu verbringen
und war Lily für ihr Eingreifen dankbar.
Sirius jedoch
wollte so schnell nicht aufgeben und sagte: "Wir können
euch doch begleiten, falls euch wieder ein Werwolf über den Weg
läuft."
Jackie sah Lily an und sagte ernst: "Nein,
das könnt ihr nicht. Wir brauchen nämlich neue
Unterwäsche!" Lily nickte zustimmend, doch Sirius meinte
gelassen: "Kein Problem, wir können euch doch beraten. Ich
glaub wir verstehen etwas davon."
James rief aufgebracht:
"Halt jetzt die Klappe, Padfoot!" Er hatte sehr wohl
bemerkt, dass die beiden Mädchen eine Ausrede suchten. Er hatte
sich so sehr gewünscht, dass Lily ihn begleiten würde. Nach
dieser aufregenden Nacht wäre es in seinen Augen das Mindeste
gewesen, doch sie schien noch immer nicht überzeugt von ihm.
Enttäuscht wandte er seinen Blick ab und schloss die Augen.
Warum nur machte sie es ihm so schwer? Mit diesem Gedanken glitt er
in einen leichten Schlaf. Nichts ahnend, dass ein rothaariges junges
Mädchen sich ähnliche Gedanken machte.
