8. Mein ist die Rache
Die Tage bis zum Wochenende zogen sich
dahin. James musste das Quidditchtraining absagen, da ihm sein Bein
noch etwas zu schaffen machte, doch dafür hatte er Zeit mit Lily
das Konzept für den Halloweenball fertig zu stellen.
Noch am
Freitagnachmittag hatten sie es McGonagall überreicht, die mehr
als beeindruckt war. Nicht nur die Dekoration und die Musik hatten
sie festgelegt, auch über das Essen hatten sie sich Gedanken
gemacht. Die Idee mit dem Maskenball kam bei ihr sehr gut an und
schon am Samstagmorgen hingen in allen Gemeinschaftsräumen die
Ankündigungen für den Ball.
Die Hälfte der
Gryffindors drängte sich schon um das Schwarze Brett in ihrem
Gemeinschaftsraum, als die vier Marauder zum Frühstück
gehen wollten. Sirius schob die jüngeren Schüler mal eben
beiseite, was diese mit einem Murren aufnahmen und James grummeln
ließ: "Komm schon, Pad, da steht nichts anderes, als das
was ich dir schon erzählt habe."
Nur widerwillig ließ
sich Sirius durch das Porträtloch schieben und maulte ein
bisschen vor sich hin.
Vor dem Eingang zur Großen Halle
kamen ihnen einige Slytherins entgegen, darunter auch Bellatrix
Black, auf deren Lippen sich bei dem Anblick von Sirius und seinen
Freunden sofort ein abschätziges Grinsen legte. Remus jedoch
schob seine beiden Kameraden energisch vor sich her, gefolgt von
Peter.
An diesem Samstag war der Gryffindortisch noch nicht sehr
gefüllt. Es war Hogsmeade-Tag und einige waren schon weg,
während andere die freie Zeit nutzten und ausschliefen.
Die
vier suchten sich einen freien Platz und ließen sich nieder.
Sirius' Blick klebte an seiner Cousine und er grummelte: "Es ist
Zeit für eine Racheaktion, Prongs. Ich meine, wir können
sie doch nicht ungeschoren davon kommen lassen, für das was sie
mit Lily und Jackie angestellt haben."
James fuhr sich
nachdenklich mit der Hand über sein Kinn und sah Remus an, der
jedoch gleich abwehrend die Hände hob und meinte: "Was
immer ihr tut, ich will es nicht wissen. Aber von dir, James, hätte
ich erwartet, dass du es in diesem Jahr sein lässt mit den
Streichen. Denk an Lily!"
"Das tue ich, Moony, und
deshalb hat Pad Recht, die beiden hätten tot sein können."
Remus schüttelte genervt den Kopf und zischte: "Also
gut, ich bin dabei."
Im Aufenthaltsraum der
Schulsprecher rief Lily gerade aufgebracht: "Sag mal, Jackie,
bist du übergeschnappt? Du willst doch nicht etwa so nach
Hogsmeade?"
Jackie sah an sich herunter und fragte
verständnislos: "Warum denn nicht?"
Lily zog
scharf die Luft ein, denn ihre Freundin stand da mit einem Minirock,
der nur das Notdürftigste verdeckte, langen Stiefeln und einem
Oberteil, das sie auch gleich hätte weg lassen können. Von
dem vielen Make up in ihrem Gesicht gar nicht zu reden.
Lily
schob ihre Freundin vor einen Spiegel in ihrem Zimmer und sagte
vorwurfsvoll: "Das bist nicht mehr du, Jackie. Wo ist meine
verrückte Freundin geblieben, der all die aufgedonnerten Mädchen
immer zuwider waren?"
Jackie biss sich auf die Lippen und
schniefte: "Ich dachte..."
Lily seufzte: "Ja, du
dachtest, wenn wir uns später mit den Maraudern treffen, kannst
du Black Beautys Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Das brauchst du gar
nicht mehr, denn er hängt schon längst am Haken."
Sie
lächelte ihre Freundin aufmunternd an, doch Jackie sagte
zweifelnd: "Soll ich etwa mit Jeans und meinen Lieblingsschuhen,
diesen Muggelturnschuhen, gehen?"
Lily nickte und frustriert
aufseufzend stapfte Jackie aus dem Schulsprecherzimmer, gefolgt von
Lily.
Der Schlafraum der Siebtklässlerinnen war leer und
Lily ließ sich auf Jackies Bett nieder, während die in
ihrem Schrank kramte und ihr Gesicht vom Make up befreite.
"Wir
müssen uns noch überlegen, wie wir Bella und Lestrange die
Sache von Montagnacht heimzahlen", sagte Jackie, während
sie ihre Schuhe zuschnürte.
Lily seufzte: "Ich weiß
nicht, Jackie..."
Ein Lachen erfüllte den Raum und
Jackie rief: "Das glaub ich ja wohl jetzt nicht, Lily. Du warst
doch diejenige, die es in ihrem letzten Schuljahr noch mal wissen
wollte. Jetzt ist die Gelegenheit, es den Slytherins mal wirklich zu
zeigen und sie haben es verdient. Nachsitzen für die beiden ist
das Mindeste, was dabei rausspringen muss."
Lilys Miene
erhellte sich augenblicklich und ein diabolisches Lächeln legte
sich auf ihr Gesicht. "Nachsitzen? Ich denke, ich weiß,
was wir tun könnten."
Jackie hakte sich bei ihrer
Freundin unter und meinte lächelnd: "Na dann, auf nach
Hogsmeade. Wir brauchen ja auch noch Kostüme für den Ball."
Für einen Einkaufsbummel war das Wetter einfach
herrlich. Zuerst steuerten sie ein Geschäft an, das
ausschließlich Kostüme führte, doch nach der
Bekanntmachung des Maskenballs war es dort rappelvoll. Lily und
Jackie hatten nicht wirklich Lust, dort zu stöbern und deshalb
kauften sie sich in einem anderen Geschäft einige Stoffe und
Zubehör für ihre Kostüme. Sie wollten sie selbst
machen, da ihnen noch genügend Zeit blieb.
Lily steuerte
Zonko's Scherzartikel-Laden an, als ihnen gerade James und Sirius vor
die Füße liefen. Sirius griff gleich nach Jackies
Einkäufen und fragte galant: "Soll ich dir das abnehmen?"
Er war schon ein Charmeur und traf immer die richtigen Wort, doch
Jackie riss ihre Tüte an sich und meinte: "Das ist nicht
nötig. Ich schaff das schon allein."
Sirius machte ein
enttäuschtes Gesicht und fragte hoffnungsvoll: "Aber unsere
Verabredung steht doch noch?"
"Ja, ja später",
brummte Jackie und zog die verdutzte Lily in den Laden.
James sah
ihnen nach und fragte argwöhnisch: "Was zum Henker wollen
die beiden da drin?"
Sirius zuckte mit den Schultern, war
aber ebenfalls überrascht darüber, dass Lily und Jackie
ausgerechnet in den Scherzartikel-Laden gingen. Die zwei Freunde
näherten sich unauffällig und versuchten, durch die
Schaufensterscheibe etwas zu sehen. Lily und Jackie standen vor einem
Regal mit diversen Zaubertränken und diskutierten eifrig. Als
sie scheinbar das Richtige gefunden hatten, schauten sie sich noch
ein bisschen um. Dass sie von den zwei Maraudern beobachtet wurden,
bekamen sie gar nicht mit.
Lilys Blick hing fasziniert an einer
großen Kiste mit lauter pelzigen kleinen Dingern, die in allen
möglichen Farben darin herum krabbelten. Jackie sagte
gelangweilt: "Das sind Minimuffs."
Lily war hin und
weg. Sie griff in die Kiste und holte sich ein kleines rotes
Fellknäuel heraus. Es hatte etwa die Größe eines
Tennisballs und nur seine schwarzen Knopfaugen verrieten, wo vorn und
hinten war. Ein Schnurren war zu hören und eine kleine Zunge
strich über Lilys Hand, deren Besitzerin sofort leise kicherte.
"Ist das süß!", meinte sie und streichelte den
kleinen Minimuff.
Jackie grummelte: "Süß ja, aber
nutzlos." Sie war schon immer praktisch veranlagt und sah in
solchen Spielzeugen keinen Sinn.
Seufzend setzte Lily das kleine
Etwas wieder zu seinen Artgenossen und machte sich mit Jackie auf zur
Kasse.
James war draußen nicht entgangen, dass Lily ganz
fasziniert von diesen kleinen Dingern war und er wollte sich das auf
alle Fälle einmal vormerken.
Noch bevor die Mädchen
den Laden verließen, waren James und Sirius in den Drei Besen
verschwunden, wo sie schon von den anderen beiden Maraudern erwartet
wurden.
Remus hatte ihnen allen ein Butterbier besorgt und die
vier steckten die Köpfe zusammen, um den Streich gegen die
Slytherins auszuhecken. Der Pub war brechend voll, was höchst
wahrscheinlich daran lag, dass sich halb Hogwarts dort die Zeit
vertrieb. Der Kostümball war Gesprächsthema Nr. 1 und die
ersten Verabredungen wurden getroffen.
Die vier Marauder bekamen
gar nicht mit, dass sie von kichernden Mädchen angestarrt
wurden. Die Blicke der Mädchen richteten sich hauptsächlich
auf James und Sirius, denn die beiden waren die begehrtesten Typen in
Hogwarts. Es dauerte auch gar nicht lange, bis sich zwei
Sechstklässlerinnen aus Ravenclaw ein paar Stühle an den
Tisch der Jungs schoben und sich einfach zwischen sie drängten.
Peter saß sofort kerzengerade und lächelte die beiden
freundlich an. Remus rollte mit den Augen, Sirius ließ mal
wieder sein typisch Black'sches Lächeln erscheinen und James
fragte verwirrt: "Ähm, können wir euch irgendwie
helfen?"
Eins der Mädchen, eine dunkelhaarige
Schönheit, nickte heftig und säuselte: "Vielleicht
können wir uns ein bisschen unterhalten."
"Mit
mir?", fragte James irritiert und sah Hilfe suchend zu Sirius,
der aber nur mit den Schultern zuckte. Das dunkelhaarige Mädchen
legte James eine Hand auf den Arm und beugte sich zu ihm vor, bevor
sie in sein Ohr raunte: "Wir können ja auch woanders
hingehen."
Remus lachte leise und James schüttelte
unwirsch ihre Hand von seinem Arm, bevor er knurrte: "Da bist du
bei mir an der falschen Adresse... Wie war noch mal dein Name?"
Er tat mit Absicht etwas dumm, denn eigentlich kannte er sie. Sie
war eine abgelegte Freundin von Sirius und auf so etwas hatte er nun
wirklich keine Lust, doch die junge Ravenclaw ließ nicht locker
und rutschte näher an ihn heran. James atmete geräuschvoll
aus und zischte: "Also komm zum Punkt, was willst du?"
Er
hatte seine Arme abwehrend vor seiner Brust verschränkt und sah
das Mädchen nun mit einem durchdringenden Blick an. Diese jedoch
meinte gelassen: "Mit dir auf den Halloweenball."
Ihre
Freundin, die immer noch schweigend neben Sirius saß, sah sie
genauso verblüfft an wie die vier Marauder.
James schloss
die Augen und schüttelte den Kopf. Heute blieb ihm wohl auch gar
nichts erspart, denn gerade kamen Jackie und Lily zur Tür
herein.
"Also ich habe schon eine Verabredung für den
Ball", sagte er hastig und sprang von seinem Platz auf. Er
winkte Lily und Jackie, die sich suchend umsahen und schickte ein
Stoßgebet zum Himmel, dass die beiden Mädchen verschwinden
würden, doch diese dachten nicht im Mindesten daran.
Lily
und Jackie kamen näher und Sirius hatte für sie beide schon
zwei Stühle mit an den Tisch gestellt.
Jackie überblickte
die Situation sofort und meinte sarkastisch: "Ganz schön
voll heut hier."
Sie war sauer und hatte eigentlich keine
Lust, sich zu irgendwelchen schmachtenden Gänsen zu setzen, doch
Lily ließ sich gleich neben Remus nieder und zwinkerte ihrer
Freundin zu. Sirius griff nach Jackies Arm und zerrte sie zwischen
sich und das andere Mädchen, welches es eindeutig auf ihn
abgesehen hatte. James hatte sich erst einmal aus der Affäre
gezogen und war losgegangen, um einen Nachschub an Butterbier zu
besorgen.
Eisiges Schweigen herrschte am Tisch, bis Sirius sich
räusperte und neugierig fragte: "Habt ihr euch ein Kostüm
für den Ball besorgt?"
Jackie blickte stur in den Raum
und Lily sagte: "Nicht direkt, wir haben uns anderes Zeug
gekauft und machen die Kostüme selbst."
Sirius machte
ein erstauntes Gesicht und die schwarzhaarige Ravenclaw sagte
abwertend: "Ach, das ist doch dann nichts Gescheites. Ich hab
mir schon etwas Tolles ausgesucht und lass es mir von zu Hause
schicken."
Lily verdrehte die Augen und Jackie schäumte
vor Wut, doch sie machte gute Miene zum bösen Spiel.
James
kam mit einem Arm voller Butterbierflaschen zurück und meinte:
"Wir können uns doch auch draußen ein Platz suchen.
Hier drin ist es irgendwie so überfüllt."
Sein
Blick ruhte bei diesen Worten auf den beiden Ravenclaw-Mädchen.
Jackie und Lily hatten sich sofort in Bewegung gesetzt und die vier
Marauder folgten ihnen, die zwei Ravenclaws zurücklassend.
Vor
den Drei Besen atmete James erst einmal geräuschvoll aus und
grummelte: "Merlin sei Dank, ich hatte schon Angst, sie folgen
uns."
"Seit wann hast du Angst vor Mädchen?",
fragte Lily verschmitzt und nahm ihm ein paar Flaschen ab.
"Ich
habe nur Angst vor aufdringlichen Mädchen!", knurrte James,
dem die Sache äußerst unangenehm war. Er wollte nichts
riskieren und Lily mit irgendetwas verschrecken. Die letzten zwei
Wochen war es prima gelaufen und sie hatten sich gut verstanden.
Sirius und Jackie hatten sich schon unter einem nahe gelegenen
Baum niedergelassen und winkten die beiden zu sich. Remus und Peter
hatten es vorgezogen sich zu verdrücken. Besser gesagt, Remus
hatte Peter mit sich gezerrt, die beiden wollten die letzten
Vorbereitungen für ihren Streich am Abend treffen.
Entspannt
saßen die vier zusammen und Jackie packte die Stoffe aus, die
sie sich besorgt hatten. Blau und grün schimmerten die Farben
des weich fließenden Stoffes und Sirius fragte neugierig: "Als
was wollt ihr zwei gehen? Nach dunklen Geschöpfen sieht das ja
wohl nicht aus."
Lily lachte: "Die dunklen Geschöpfe
überlassen wir den Slytherins. Wir gehen als die Walküren
Ristar und Mista."
James verschluckte sich an seinem
Butterbier und musste erst einmal kräftig husten.
Sirius
hingegen sagte anerkennend: "Auf die Idee, dass ihr als Nebel
und Wolke gehen wollt, wäre ich jetzt nicht gekommen. Ich bin
echt gespannt, wie eure Kostüme aussehen, wenn ihr fertig seid."
"Ich hab noch keine Idee", gab Lily ehrlich zu und
James meinte: "In der Bibliothek gibt es sicher Bücher mit
Bildern von diesen Geisterwesen. Wir könnten ja heute Abend,
wenn wir unseren Rundgang machen, mal ein bisschen suchen."
"Bücher!", rief Jackie entsetzt, "Merlin, ich
muss noch diese verflixte Hausaufgabe für Gonni schreiben."
Hastig sprang sie auf und wollte davon eilen, doch Sirius rief:
"Jackie, warte, ich hab die auch noch nicht."
Er rannte
Jackie hinterher und lies die beiden verblüfften Schulsprecher
allein zurück.
"Sind die zwei jetzt vollkommen
übergeschnappt? Morgen ist auch noch Zeit für
Hausaufgaben", grummelte James und sah seinem Freund irritiert
nach.
Nun waren die beiden alleine und Lily wollte ihre
Verlegenheit verbergen, indem sie die Stoffe wieder ordentlich
zusammenlegte.
James wusste auch nicht so recht was er sagen
sollte und reichte ihr einfach noch eine Flasche Butterbier.
Lily
lehnte ab und meinte lachend: "Sonst musst du mich nachher noch
zum Schloss hinauf tragen."
"Ich würde dich
überall hintragen", platzte James heraus und schloss wegen
dieser Worte die Augen. Er sah nicht Lilys Lächeln und das
Leuchten ihrer Augen.
Sirius sprintete Jackie nach und kam
schwer atmend neben ihr zum Stehen.
Nach Luft ringend sagte er:
"Wir können zusammen Hausaufgaben machen und ich wollte
dich noch etwas fragen."
Jackie sah ihn gespannt an, obwohl
sie schon ahnte, was gleich kommen würde.
Sie blieben einen
Augenblick stehen und Sirius sah zu Boden, als er nuschelte: "Also
... ich wollte dich fragen ... ob du mich auf den Halloweenball
begleitest."
Gespannt sah er Jackie an, die nun geräuschvoll
ausatmete und sich langsam in Bewegung setzte. Sirius lief neben ihr,
als sie fragte: "Warum soll ausgerechnet ich dich begleiten?
Jede andere würde sicher gern mit dir da hingehen."
"Weil
ich dich mag", kam es prompt von Sirius, "und weil ich dich
besser kennen lernen möchte."
Jackie machte erneut Halt
und sah in seine stahlgrauen Augen, bevor sie sagte: "Wenn es
dir wirklich ernst ist, dann frag mich noch mal zwei Tage vor dem
Ball. Bis dahin werden wir sehen, ob..."
Sie brach ab und
lief weiter. In ihr tobte ein unerbittlicher Kampf. Sie hatte sich so
sehr gewünscht, dass er sie einläd, doch ihr Kopf hatte
eine andere Entscheidung getroffen. Nun lag es einzig und allein an
ihm.
Sirius stand da und sah ihr nach. Er musste ihre Worte erst
einmal verdauen, denn eigentlich hatte er mit einer klaren Antwort
gerechnet. Leise seufzend lief er ihr nach, denn noch wollte er die
Hoffnung nicht aufgeben.
Sein Blick war auf Jackies Rücken
geheftet. Ihre braunen Locken flatterten im Wind und plötzlich
war ihm klar, was er eigentlich wollte. Er wollte keine Freundin, die
zu allem Ja und Amen sagt. Er wollte eine Herausforderung, jemanden,
der ihm die Stirn bot.
Jackie drehte sich nicht zu ihm um, als
sie lachend rief: "Wenn du auf meinen Hintern starrst Black,
dann hex ich dich zurück in die letzte Woche."
"Nur
das nicht", rief Sirius theatralisch, "dann muss ich mich
wieder mit diesen Haaren herumplagen."
Beide lachten und
liefen gemeinsam hinauf zum Schloss.
Lily und James
schlenderten noch ein wenig durch Hogsmeade.
"Wenn du
willst, helfe ich dir ein bisschen in Zaubertränke", meinte
Lily, "aber nur wenn du mir verrätst, warum du in diesem
Fach eine gute Note brauchst."
James grinste, war aber
dennoch verblüfft über ihr Angebot. "Ich will Auror
werden, genau wie meine Eltern und vor ihnen meine Großeltern."
"Deine Eltern sind Auroren?", fragte Lily überrascht.
Eigentlich wusste sie gar nichts über ihn, wieder einmal
bemerkte sie, wie wenig sie ihn doch kannte.
James murmelte: "Ja,
das sind sie. Ihre Arbeit ist gefährlich und sie sind eigentlich
mehr unterwegs als zu Hause und dennoch sind sie die besten Eltern,
die man sich wünschen kann."
Er sagte das mit einem
undefinierbaren Gesichtsausdruck und Lily war klar, dass er sich
Sorgen machte. Sie wollte ihn ein bisschen ablenken und meinte
verschmitzt: "Mir fällt gerade ein, dass wir ja auch noch
an unserem Eröffnungstanz feilen müssen."
James
hob theatralisch die Arme in die Luft und rief: "Merlin steh mir
bei, das lern ich nie."
Lily kriegte sich gar nicht mehr ein
und zusammen mit James betrat sie lachend die Große Halle, in
der es schon von Schülern wimmelte, denn es war Zeit zum
Abendessen.
Die drei Marauder und Jackie hefteten ihren Blick
auf die Schulsprecher und grinsten vor sich hin.
Sirius flüsterte
Jackie zu: "Siehst du was ich sehe? Ich glaube, nicht mehr lange
und wir haben ein Schulsprecherpaar."
"Abwarten",
murmelte Jackie und rückte ein Stück zur Seite, um Platz
für ihre Freundin zu machen.
James beugte sich zu Remus und
fragte leise: "Und, alles vorbereitet?"
"Geht
gleich los", sagte Remus verschwörerisch und heftete seine
Augen auf den Slytherintisch, besser gesagt auf Lestrange und
Bellatrix Black, die sich beide nichts ahnend ihre Teller füllten.
Sirius hatte den Slytherintisch im Rücken und drehte sich
unauffällig um, damit er ja nichts verpasste.
Lestrange
schenkte Bella gerade Kürbissaft in ihren Becher und Remus legte
sein Besteck ab, denn das Schauspiel wollte er sich auf keinen Fall
entgehen lassen.
Lily und Jackie sahen sich irritiert an und
beobachteten die Marauder, die immer noch wie gebannt zum Tisch der
Slytherins starrten. Remus hielt die Luft an, als Bella und Rudolphus
aus ihren Bechern tranken und sie nichts ahnend wieder abstellten.
"Gleich kommt's!", murmelte er.
Wie hypnotisiert
starrten die vier Marauder zum Slytherintisch, Lily und Jackie
folgten ihren Blicken und schon passierte es. Bellatrix und Lestrange
saßen plötzlich mit zwei großen Goldfischgläsern
auf dem Kopf da, die gut gefüllt mit Wasser waren und kleine
Fischen schwammen munter um ihre Köpfe herum. Sie atmeten ganz
ruhig, aber ihre Augen waren geweitet. Als sie etwas sagen wollten,
blubberte es nur leicht in den Gläsern, die scheinbar
unzerstörbar waren, da soeben einige Slytherins versuchten, sie
mit Zaubersprüchen zu sprengen.
"Hui, die Hauselfen
sind für solche Sachen noch immer die Besten", lachte
Sirius und konnte seine Augen nicht von seiner verhassten Cousine
nehmen.
Die Große Halle war erfüllt vom Lachen der
Schüler und jeder versuchte, einen Blick auf die beiden
Slytherins zu erhaschen. Ihr Hauslehrer, Slughorn, eilte zu seinen
Schützlingen und führte sie aus der Halle.
Lily und
Jackie lachten ebenso wie der ganze Gryffindortisch. Es brauchte
schon eine Weile, bis sich alle wieder beruhigt hatten.
Lily hob
ihren Zeigefinger und fuchtelte damit vor James herum, als sie
grinsend fragte: "Das wart doch ihr, oder? Raus mit der
Sprache!"
James hatte sich bei ihren Worten etwas geduckt,
doch Sirius sagte leise: "Ihr hättet in der Vollmondnacht
da draußen sterben können. Das war jetzt nur eine kleine
Rache, also krieg dich wieder ein, Lily. Den Schulsprecher kannst du
bei deinen Rundgängen raushängen lassen."
Nach
diesen Worten widmete er sich wieder seinem Essen, als wäre
nichts gewesen. Jackie lachte über Lilys entrüsteten
Gesichtsausdruck und Remus sagte leise: "Die Hauselfen haben
sich darum gerissen, das Zeug in den Kürbissaft zu schütten.
Bella hat wohl immer Extrawünsche und deshalb hat es auch
wirklich nur die zwei erwischt."
Lily sah die Marauder
bewundernd an, von ihnen konnte sie noch etwas lernen, doch das
konnte sie unmöglich sagen. Dennoch waren sie und Jackie
beeindruckt und beide waren sich auch ohne Worte darüber einig,
dass die Marauder wohl doch nicht so schlimm waren, wie sie dachten.
Am späten Abend mussten Lily und James wieder ihre
Runden durchs Schloss drehen. James erzählte ihr von dem Gebräu,
das Remus für Bella und Rudolphus gemixt hatte. Lily war ihm
auch gar nicht böse und genoss diesen gemeinsamen Tag mit ihm in
vollen Zügen. Sie hatte eine Seite von ihm kennen gelernt, die
ihr bis jetzt verborgen geblieben war. Eine Seite, die ihr
außerordentlich gut gefiel.
Spät in der Nacht
verabschiedeten sie sich vor ihrem Zimmer und James sagte kaum
hörbar: "Ich fand diesen Tag sehr schön."
Lily
senkte ihren Kopf und nuschelte nur: "Gute Nacht, James."
Ein sanftes Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie ihm den
Rücken zuwandte und ihre Tür öffnete. Seinen
enttäuschten Blick sah sie nicht. Er hatte seinen Kopf gesenkt
und schluckte schwer, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel.
Frustriert warf er sich auf das Sofa vor dem Kamin. So langsam
verzweifelte er, doch eine Idee keimte in ihm auf. Er wollte Lily bei
ihren gemeinsamen Tanzstunden beeindrucken, doch, dass der Schuss
nach hinten losgehen würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch
nicht.
