15. Butterbier mal anders
Schweigend
saß Lily mit den drei Maraudern beim Abendessen. Nach dem
Vorfall am Nachmittag im Gewächshaus II zerbrach sich Lily den
Kopf, wie sie es am besten anstellen könnte herauszufinden, wer
Jackie nach dem Leben getrachtet hatte.
"Wo ist eigentlich
Padfoot?", fragte Peter in die Runde, der von alldem mal wieder
nichts mitbekommen hatte.
Remus seufzte, bevor er Peter in einem
väterlichen Tonfall erklärte: "Der wird wohl noch bei
Jackie im Krankenflügel sein. Sie ist nämlich verletzt."
"Und was macht er dort?", fragte Peter verständnislos.
James lachte leise und Remus rollte genervt mit den Augen. Ihr
Freund schien mal wieder auf der Leitung zu stehen und Remus hatte
keine Lust, schon wieder alles haarklein zu erklären, damit auch
er es verstand. Also übernahm James diesmal die Sache und
meinte: "Pad ist sicher im Krankenflügel geblieben, damit
Jackie nicht so allein ist. Verstehst du, Peter?"
Peter
schüttelte verständnislos den Kopf. "Das wäre
dann aber das erste Mal, dass er das Abendessen verpasst und das ist
schon sehr ungewöhnlich."
"Wie Recht du hast",
meinte James und sein Blick ruhte dabei auf Lily, die immer noch
gedankenverloren in den Raum starrte, doch er sah auch noch jemand
anderen, der geradewegs den Gryffindortisch ansteuerte.
Greg
Johnson bedachte die Marauder nur mit einem kühlen Blick und
beugte sich zu Lily herunter. Er säuselte in ihr Ohr: "Hey,
wo warst du die ganze Woche? Ich hab noch einen Spaziergang bei dir
gut."
Etwas irritiert hob Lily den Kopf und starrte den
jungen Ravenclaw an.
"Ich, ja...ich...", stammelte sie
und sah Hilfe suchend zu James.
"Sie war krank, Johnson und
das Wetter da draußen ist ja wohl nicht gerade passend für
einen Spaziergang", fuhr James dazwischen und zeigte auf die
Wolken vergangene Decke der Großen Halle. Ihn piesackte die
Eifersucht und doch wollte er vor Lily so gelassen wie möglich
wirken.
"Dich hab ich nicht gefragt, Potter", zischte
Greg Johnson und richtete seinen Blick wieder auf Lily.
"James
hat aber Recht", meinte sie hastig, "und deshalb muss ich
noch mal schnell in den Krankenflügel."
Eilig stand sie
auf und wollte schon aus der Halle verschwinden, doch Greg Johnson
ließ nicht so schnell locker. Er hielt sie an der Schulter fest
und setzte sein schönstes Lächeln auf. "Ich kann dich
doch begleiten."
'Himmel, was habe ich mir da nur
eingebrockt?', schoss es durch Lilys Kopf und sie schloss einen
Moment genervt die Augen. Als sie sie wieder öffnete stand James
neben ihr und löste Gregs Hand von ihrer Schulter. Mit
zusammengekniffenen Augen grummelte er: "Das geht nicht,
Johnson, wir müssen vorher noch zu Gonni, Schulsprecherkram
besprechen."
Mit diesen Worten schob er Lily schon aus der
Großen Halle, einen wütenden Greg Johnson zurücklassend.
Remus grinste vor sich hin und war in diesem Moment mächtig
stolz auf seinen Freund, der nicht den eifersüchtigen Macho
hatte raushängen lassen, sondern die Selbstbeherrschung in
Person war. Doch ihm war auch klar, dass Johnson das auf keinen Fall
so hinnehmen würde.
"Na, da hast du aber einen
hartnäckigen Verehrer", meinte James grinsend, als er mit
Lily zusammen den Gang zum Krankenflügel entlanglief.
"Ich
hab da wohl einen Fehler gemacht", nuschelte Lily, hielt dabei
aber ihren Blick gesenkt, denn in diesem Moment war ihr klar, dass es
wirklich ein Fehler gewesen war, Greg Johnsons Einladung zum
Halloweenball anzunehmen.
"Wie meinst du das?", hakte
James nach. Seine Neugierde war geweckt und er hoffte, dass sie ihm
eine klare Antwort geben würde, doch Lily beschleunigte ihre
Schritte und steuerte hastig den Krankenflügel an.
Jackie
saß im Bett und Sirius auf einem Stuhl daneben, sonst war
niemand im Krankenflügel. Gedankenverloren spielte er mit ihrer
Bettdecke und stammelte: "Also, das... das mit Steve heute
morgen... ja das tut mir leid. Ich wusste ja nicht, dass ihr..."
"Schon gut", murmelte Jackie, die sich von dem Schock,
fast von einer Pflanze verspeist worden zu sein, einigermaßen
erholt hatte.
Sirius seufzte und sah in ihr Gesicht. Ihre linke
Gesichtshälfte war mit einer grünen Paste bestrichen und
die andere Seite leicht gerötet. Ihre Haare hatte sie
zusammengebunden und an ihrem Hals waren ebenso einige rote Stellen.
Sie wich seinem Blick aus und sagte leise: "Sieh mich nicht so
an. Ich weiß, dass ich im Moment nicht gerade attraktiv bin."
"Du hast doch gehört was Poppy gesagt hat, das geht
wieder weg", meinte Sirius aufmunternd und griff nach ihrer
Hand, doch Jackie zog sie weg und nuschelte: "Ja, das dauert
aber Wochen."
Sirius atmete geräuschvoll aus. "Sieh
es doch mal so, Jackie, jetzt brauchst du für den Halloweenball
keine Maske. Du machst dir einfach was von dieser tollen Salbe rauf
und schon bist du fertig."
Er wollte sie ein bisschen
aufmuntern und das schien ihm auch gelungen zu sein, denn seine Worte
hatten ein kleines Lächeln auf Jackies Gesicht gezaubert. Sirius
nutzte gleich die Gunst der Stunde und platze heraus: "Was ist
nun, gehst du mit mir zum Ball?"
Jackie seufzte laut auf und
blickte in eine andere Richtung, als sie sagte: "Du brauchst
mich nicht aus Mitleid einladen. Ich kann da auch allein hingehen."
Eine kleine Träne bahnte sich den Weg aus ihrem Augenwinkel,
denn sie hatte ausgesprochen was sie dachte. Im Moment fühlte
sie sich einfach nur hässlich und sie glaubte nicht daran, dass
er es ernst meinte.
Sirius hatte jetzt die Nase voll. Er stand
von seinem Stuhl auf und setzte sich zu ihr auf das Bett. Sein Griff
um ihr Kinn war nicht sehr fest. Er wollte ihr nicht wehtun und
dennoch zwang er sie damit, ihn anzusehen. Für ihn war jetzt die
Stunde der Wahrheit da und endlich wollte er es ihr sagen, das was er
noch keiner anderen vorher gesagt hatte. Er wollte all ihre Zweifel
beseitigen und endlich die Mauer durchbrechen, die sie um sich
aufgebaut hatte, um ihn nicht näher heran zu lassen.
Er sah
in ihre Augen, die von den Tränen schimmerten, als er
eindringlich sagte: "Ich hab dich nicht aus Mitleid gefragt,
sondern weil... ja weil ich mich..."
In diesem Moment
öffneten James und Lily die Tür zum Krankenflügel und
steuerten auf Jackies Bett zu. Sirius schloss frustriert die Augen
und ließ Jackie wieder los. Er sah ihren neugierigen und
dennoch enttäuschten Blick, doch er hatte keine Lust und auch
nicht den Mut, ihr vor den anderen ein Liebesgeständnis zu
machen.
James schien die Situation wohl schnell überblickt
zu haben und blieb stehen. Nur Lily steuerte geradewegs Jackie an.
"Ich geh dann mal", nuschelte Sirius und verließ
eiligen Schrittes den Raum, gefolgt von James, der keine Lust hatte,
allein mit den beiden Mädchen zu bleiben.
"Was ist
denn los, Pad?", fragte James auf dem Gang und konnte dabei ein
Grinsen nicht unterdrücken.
Sirius grummelte: "Das war
jetzt ein ausgesprochen schlechtes Timing, Prongs. Ich war so nah
dran und ausgerechnet jetzt..." Er winkte ab und lief missmutig
weiter, James' leises Lachen hörte er allerdings sehr genau.
James hastete seinem Freund hinterher und meinte: "Du
glaubst doch nicht allen Ernstes, der Krankenflügel ist der
richtige Ort, um..."
Er brach ab, denn für ihn war die
Sache zwischen Sirius und Jackie schon etwas seltsam. Soviel er
wusste, waren sie sich in keinster Weise näher gekommen und
plötzlich wollte sein Freund etwas tun, für das er selbst
nicht den Mut aufbrachte. Diese Erkenntnis ließ ihn laut
aufseufzen und er meinte: "Komm, Pad, du hast sicher Hunger und
die Hauselfen freuen sich bestimmt, wenn wir sie mal wieder
besuchen."
Sirius' Augen weiteten sich und er rief: "Ach
du heiliger Drachenmist, ich muss ja noch bei Gonni nachsitzen."
Einen Augenblick später sah James nur noch den Umhang seines
Freundes hinter einer Ecke verschwinden.
Verständnislos
fragte Lily: "Warum ist denn Sirius so schnell gegangen?"
Jackie ließ sich in ihr Kissen zurücksinken und
zischte ihrer Freundin zu: "Weil du uns gestört hast."
"Wobei denn?", fragte Lily argwöhnisch, doch so
langsam dämmerte es ihr.
Jackie rief aufgebracht: "Merlin,
Lily, er wollte mir gerade etwas sagen, etwas sehr Wichtiges. Etwas,
das du James wohl nie sagen wirst."
Jackie war stocksauer.
Endlich hatte sie Sirius so weit gehabt und das trotz ihres
momentanen Aussehens und wieder einmal ging alles daneben.
"Tut
mir leid", nuschelte Lily verlegen.
Jackie winkte ab. "Ist
jetzt auch egal, aber ich will unbedingt wissen, wer mich da
beseitigen wollte. Das war kein Zufall, dass diese Pflanze plötzlich
das Ausmaß eines Hauses hatte."
Lily stand auf und
lief ein paar Schritte durch den Raum, bevor sie nachdenklich sagte:
"Mir fallen da eigentlich nur zwei Personen ein, aber es gibt
noch eine dritte, nur bei der wüsste ich nicht warum."
Jackie rief aufgebracht: "Oh man, Lily, nun mach es doch
nicht so spannend. Du sprichst wieder mal in Rätseln. Nun sag
schon, was glaubst du wer es war?"
Manchmal brachte Lily
Jackie mit ihrer Gelassenheit und Ruhe zur Weißglut, doch
gerade das machte ihre Freundschaft aus.
Lily setzte sich wieder
auf das Bett und schüttelte den Kopf. "Ich kann hier
niemanden verdächtigen, wenn ich keine Beweise habe. Also,
bleibt mir nichts anderes übrig, als Veritaserum zu brauen."
"Was?", rief Jackie entsetzt. "Das ist strafbar,
Lily und es kostet dich einen ganzen Monat, diesen Trank
herzustellen."
Lily seufzte: "Wenn ich ihn aus
Slughorns Vorräten klauen würde, wäre das noch viel
schlimmer."
"Womit du wohl Recht hast", meinte
Jackie resignierend. "Morgen komme ich hier raus und dann werde
ich dir helfen."
Lily umarmte ihre Freundin ganz fest. In
diesem Augenblick wurde ihr schmerzlich bewusst, dass Jackie das
Einzige war, das ihr noch blieb. Ihre Eltern waren tot und somit
hatte sie ihre Bindung zur Muggelwelt verloren, doch in Jackie hatte
sie eine Freundin fürs Leben und gerade deshalb wollte sie
herausfinden, wer dahinter steckte, koste es was es wolle.
"Ich
muss jetzt gehen", nuschelte Lily. "Der versäumte
Stoff hängt mir immer noch im Nacken und ich werde James bitten,
mir bei dem Trank zu helfen. Das ist gleich eine gute Gelegenheit,
ihn auf die Zaubertank-Prüfung vorzubereiten."
Jackie
lachte. "Hätte mir jemand vor einem Monat gesagt, dass wir
mit den Maraudern gemeinsame Sache machen würden, denjenigen
hätte ich ins Sankt Mungo's, auf die geschlossene Station,
einweisen lassen."
Lily schüttelte den Kopf und sagte
entrüstet: "Ich mach doch keine gemeinsame Sache mit den
Maraudern. Eine Zweckgemeinschaft würde es wohl eher treffen.
So, nun muss ich aber."
Jackies Lachen hallte noch durch den
Krankensaal, als Lily die Tür hinter sich schloss.
"Ich
hab auf dich gewartet", raunte eine Stimme auch sofort in Lilys
Ohr.
Erschrocken fuhr sie herum. "Mann, Greg, hast du mich
erschreckt."
Sie sah geradewegs in die blauen Augen des
jungen Mannes und sagte hastig: "Entschuldige, aber ich muss
noch den Stoff der letzten Tage aufholen."
Greg hielt sie am
Arm fest und streckte ihr zwei Flaschen Butterbier, die er in der
anderen Hand hatte, entgegen. Mit bittender Stimme und einem
Hundeblick meinte er: "Lily, ein paar Minuten wirst du doch wohl
mal für mich übrig haben."
Lily ließ sich
mit hängenden Schultern widerstandslos von Greg in das
Pokalzimmer des Schlosses ziehen. Im Moment verfluchte sie James,
weil er sich klammheimlich mit Sirius aus dem Krankenflügel
verdrückt hatte und sie verfluchte sich selbst, weil sie Greg
wohl Hoffnungen gemacht hatte, mit ihrer Zusage für den Ball.
Das Pokalzimmer war nur spärlich beleuchtet, als sie
eintraten und Lily ließ sofort mit einem Schlenker ihres
Zauberstabes das Licht im Raum hell erstrahlen. Sie wollte auf keinen
Fall, dass Greg auf irgendwelche dummen Ideen kam. Sie ließen
sich an einem kleinen Tisch nieder, der in der Mitte des Raumes
stand, und Greg schob ihr eine der beiden Butterbierflaschen zu.
"Hier, du bist ein bisschen blass. Vielleicht wärmt
dich das ein bisschen auf", meinte er und lächelte sie
charmant an. Lily lächelte schwach zurück und hoffte, dass
er nicht weiter nachhaken würde, wo sie in den letzten paar
Tagen gesteckt hatte. Auch wenn sie Gregs Art mochte, war da nicht
das gewisse Etwas, das sie immer verspürte, wenn James in ihrer
Nähe war. Bei diesem Gedanken seufzte sie frustriert auf und
nahm einen Schluck von ihrem Butterbier. Aus einem Schluck wurden
zwei und ein seltsames Wohlgefühl breitete sich in ihr aus. Ihr
Blick verschleierte sich langsam und plötzlich sah sie ihr
Gegenüber in einem ganz anderen Licht.
"Greg",
hauchte sie atemlos.
Oh Gott, war das gerade ihre Stimme gewesen?
Niemals würde sie so verrucht klingen. Lily schüttelte den
Kopf, um dieses irrwitzige Gefühl loszuwerden, doch es half
nichts.
Greg Johnson sah sie mit einem diabolischen Grinsen an
und stand auf. Er zog sie auf die Beine und völlig willenlos
ließ sie es geschehen.
"Hast du jetzt Lust auf einen
Spaziergang?", hauchte er in ihr Ohr und ließ seinen
warmen Atem dabei über ihre Wange streichen.
"Alles was
du willst", quiekte Lily entzückt und schüttelte schon
wieder den Kopf, denn ihre Stimme kam ihr so unwirklich vor und ihre
Worte ebenso.
James und Remus hockten im Aufenthaltsraum der
Schulsprecher über James Aufgaben. Remus wollte seinem Freund
etwas zur Hand gehen, damit er mit seinen Wiederholungen schneller
fertig wurde.
Die beiden waren schon eine ganze Weile
beschäftigt, als Remus plötzlich fragte: "Sag mal,
Prongs, wo ist Lily überhaupt?"
"Krankenflügel",
kam es knapp von James, der seine Arbeit dabei nicht unterbrach.
Remus sah auf die Uhr und meinte verwundert: "Um die Zeit?
Poppy hätte sie schon längst rausgeworfen."
James
sah seinen Freund etwas misstrauisch an und griff dann zu der Karte
auf seinem Tisch. Gezielt suchten die beiden Freunde nach Lilys
kleinem Punkt und James Augen weiteten sich. Da war Lily, zusammen
mit Greg Johnson, gerade in einem Klassenzimmer im 5. Stock
verschwunden.
Hastig griff James nach seinem Umhang und der Karte
und rannte durch den Gemeinschaftsraum der Gryffindors auf den Gang
hinaus, gefolgt von Remus, dem der Gesichtsausdruck seines Freundes
absolut nicht gefiel.
Völlig außer Atem konnte Remus
James, noch kurz vor dem gewissen Klassenzimmer, einholen. Mit hoch
erhobenem Zauberstab traten sie ein und wie erstarrt blieben sie
stehen.
Lily stand an die Wand gelehnt, die Augen geschlossen und
ein verklärtes Lächeln auf den Lippen, während Greg
Johnson gerade dabei war, die letzten Knöpfe ihrer Bluse zu
öffnen. Er war so vertieft in sein Tun, dass er James erst
bemerkte, als der ihn von Lily weg riss und ihn mit einem gezielten
Faustschlag K.O. schlug.
"Greg!", rief Lily hysterisch
und wollte sich zu ihm herunter beugen, als Remus sie an den
Schultern packte. Es störte ihn nicht im Mindesten, dass Lily
gerade mehr Haut zeigte, als er wohl jemals zu Gesicht bekommen
hätte. Sein Blick war auf ihre Augen geheftet, die ihn jetzt
zornig anfunkelten.
"Was hat er dir gegeben?", fragte
Remus in einem lauten, für ihn untypischen, Ton.
Lily
versuchte sich von ihm zu lösen und zischte wütend: "Gar
nichts. Wir haben nur ein Butterbier zusammen getrunken. Das ist noch
lange kein Grund ihn zu verprügeln."
James trat jetzt
näher heran und auch er sah Lilys glasigen Blick. Er griff mit
einer Hand nach ihrem Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung.
Ganz nah, kam er ihrem Gesicht und raunzte: "Hauch mich mal an."
Lily pustete ihm ins Gesicht und James grinste. "Also,
Remus, mein Zaubertrank-Verständnis ist ja nicht so gut, aber
ich würde sagen, Miss Lily hat eine Portion Amortentia intus."
"Lasst mich endlich los, ihr widerlichen Idioten!",
zischte Lily und versuchte sich mit aller Macht gegen Remus' Griff zu
wehren.
"Eindeutig Amortentia", grummelte Remus und
versetzte die widerspenstige Lily mal eben in eine Starre.
"Was
machen wir denn jetzt?", fragte James etwas ratlos, und warf
seinen Umhang über Lilys halb entblößten Oberkörper.
Remus fuhr sich nachdenklich mit der Hand über sein Kinn und
meinte: "Entweder wir gehen zu Slughorn und lassen uns ein
Gegenmittel geben, oder wir warten, bis die Wirkung nachlässt,
aber das wird sicher noch ein paar Stunden dauern."
James
seufzte frustriert auf und blickte in Lilys weit aufgerissene Augen.
Selbst in der Starre waren sie noch zornerfüllt. "Also gut,
dann warten wir. Ich bring sie in die Schulsprecherräume und du
kannst dich ja um diesen Schleimer kümmern", meinte James
und warf noch einen Blick zu Greg Johnson, der mit blutender Nase
immer noch ohnmächtig auf dem Boden lag.
Remus winkte ab.
"Den lass ruhig liegen. Ich denke, Lily wird sich schon
gebührlich an ihm rächen, wenn sie wieder bei sich ist."
Remus hatte bei seinen Worten ein diabolisches Grinsen im Gesicht und
dennoch war er froh, dass sie wohl gerade noch rechtzeitig gekommen
waren, um Schlimmeres zu verhindern.
James warf Lily lässig
über seine Schulter und sagte seufzend: "Vielleicht geht
sie ja dann doch noch mit mir auf den Ball."
Remus gab
seinem Freund keine Antwort. Er wollte lieber erst mal abwarten, was
Lily dazu sagen würde, wenn sie am nächsten Tag wieder Herr
ihrer Sinne war. So wie er Lily in den letzten Wochen kennen gelernt
hatte, war er sich sicher, dass sie sich für Greg Johnson was
ganz besonderes ausdenken würde. Wie James darauf dann reagieren
würde, blieb abzuwarten.
