21. Nichts als die Wahrheit
Am nächsten Morgen, dem Tag
nach dem Halloweenball, jagte James das Gryffindorteam schon nach
ihrem verspäteten Frühstück wieder hinaus aufs Feld.
In genau zwei Wochen sollte das erste Spiel der Saison, Gryffindor
gegen Slytherin, stattfinden. Alle waren beim Frühstück
anwesend, nur Jackie fehlte.
Immer wieder glitten Sirius' und
auch Lilys Blick zur Eingangstür der Großen Halle, doch
sie tauchte nicht auf.
Sirius fühlte sich an diesem Morgen
so, wie er aussah, nämlich beschissen. Dunkle Ringe lagen unter
seinen Augen und sein sonst typisches Lächeln war verschwunden.
Lustlos stocherte er in seinem Frühstück herum, während
ihm Lily und James hin und wieder verstohlene Blicke zuwarfen.
Eigentlich war James sauer auf seinen Freund, weil er ausgerechnet in
dem Moment hereingeplatzt war, als er Lily endlich küssen
wollte, doch bei dem Anblick seines Freundes vergaß er seine
verpatzte Chance wieder. Noch nie hatte er Sirius so niedergeschlagen
und in sich gekehrt erlebt. Er war eigentlich immer derjenige, der
morgens allen mit seinen dummen Sprüchen auf die Nerven fiel,
doch heute nahm er noch nicht einmal etwas von seinem Frühstück
zu sich.
James seufzte und erhob seine Stimme: "Also, es
geht los!" Er schulterte seinen Besen und beugte sich noch mal
zu Lily. "Würde es dir etwas ausmachen, die nächsten
zwei Wochen mit jemand anderen die Rundgänge zu machen, wegen
dem Spiel?"
Lily sah ihn mit großen Augen an und noch
bevor sie ihren letzten Bissen herunter geschluckt hatte, antwortete
Sirius: "Ich werde Lily auf den Rundgängen begleiten.
Kümmere du dich mal um den Pokal. Ich hab eh nichts Besseres zu
tun."
Sirius' letzte Worte waren immer leiser geworden und
Lily nickte James kurz zu.
James runzelte die Stirn und folgte
seinem Team nach draußen. Windig und kalt war es an diesem 1.
November. Der Himmel war Wolkenverhangen, dennoch sahen sie alle
Jackie schon von weitem in ihrer roten Quidditchuniform hoch oben
über dem Feld schweben. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt
und ließ sich den Wind um die Nase pfeifen.
Die Spieler
stiegen auf und James flog näher an Jackie heran. "Alles in
Ordnung?", rief er ihr zu, denn er bemerkte ebenso ihre
verquollenen Augen und sie sah aus, als hätte sie die halbe
Nacht nicht geschlafen.
Ein gezwungenes Lächeln erschien auf
ihrem Gesicht. "Klar! Ich hab nur auf euch gewartet."
James atmete geräuschvoll aus, denn er konnte ihr die Lüge
vom Gesicht ablesen, doch das Training erforderte seine volle
Aufmerksamkeit.
Gegen Mittag beendete das Gryffindorteam das
Vormittagstraining. James hatte das Feld allerdings noch einmal für
den Abend gebucht, woraufhin Frank maulte: "Mann, wenn das jetzt
die nächsten zwei Wochen so geht, dann bringt Alice mich um."
Sein gequälter Gesichtsausdruck brachte das Team zum Lachen,
nur Jackie hielt sich etwas abseits. Sie trödelte rum und wollte
sich schon wieder auf ihren Besen schwingen, als James nach dem Stiel
griff und ihn festhielt.
"Du hast heut noch nicht einmal
gefrühstückt, Jackie", sagte er sorgenvoll und sah in
ihr trauriges Gesicht.
"Hab keinen Hunger", nuschelte
sie und blickte in eine andere Richtung.
James atmete
geräuschvoll aus. "Hör zu, Jackie, ohne dich können
wir das Spiel auf keinen Fall gewinnen und wenn du nichts isst,
landest du irgendwann im Krankenflügel."
Hastig wischte
sich Jackie mit der Hand über die Augen, doch James hatte sehr
wohl ihre Tränen bemerkt. Mädchen waren für ihn immer
noch ein Buch mit sieben Siegeln und er wusste nicht so recht, wie er
mit einem dieser Wesen umgehen sollte, das gerade kurz davor war, an
gebrochenem Herzen zu sterben. Das Einzige, was ihm einfiel, platzte
auch gleich aus ihm heraus: "Sirius hat mit niemandem irgendeine
Wette abgeschlossen."
Dass diese Worte verkehrt waren,
bemerkte er spätestens, als er in Jackies zornerfülltes
Gesicht sah. "Erwähne nie wieder seinen Namen in meiner
Gegenwart. Ich bin fertig mit deinem Freund!"
Sie schulterte
ihren Besen und stapfte Richtung Schloss, von dem gerade das
Ravenclaw Team kam, angeführt von Connor McLean, dem Kapitän
und ebenso Siebtklässler. Er war Jackies erster Freund im
sechsten Schuljahr gewesen und sie beide hatten sich eigentlich
einvernehmlich getrennt. Beide hatte nur das Quidditchspielen
verbunden, auch wenn Lily immer geglaubt hatte, sie hätte ihn
wegen Sirius abgeschossen.
Mit gesenktem Kopf lief Jackie an den
Ravenclaws vorbei, doch Connor rief ihr zu: "Hey, Jackie, wie
war euer Training?"
Er hielt sie an der Schulter fest und
Jackie hob den Kopf. Sie sah in seine strahlend blauen Augen, während
seine schwarzen, kurzen Haare vom Wind zerzaust wurden. Er war nicht
unbedingt der Mädchenschwarm, aber sein Äußeres war
auch nicht als hässlich zu bezeichnen. Seine nette Art machte
wieder wett, dass ausgerechnet er der beste Freund von Greg Johnson
war.
"Ging so", nuschelte Jackie und wollte ihren Weg
fortsetzen, doch Connor hielt sie fest.
"Hey Kleines, was
ist denn los? Seit wann lässt dich die Frage nach Quidditch so
kalt?"
Er runzelte die Stirn und sein besorgter Blick ruhte
auf Jackies Gesicht. Er mochte dieses Mädchen, und dass es nicht
mit ihnen geklappt hatte, lag wohl eher daran, dass sie sich so
ähnlich waren. Er hatte ebenso wenig für die aufgedonnerten
Mädchen übrig, die ständig irgendwelchen Typen
hinterher hechelten. Dass Jackie mit Sirius Black zusammen war, war
auch ihm nicht entgangen und deshalb hakte er weiter nach: "Das
hat doch jetzt hoffentlich nichts mit Black zu tun, sonst bring ich
ihn um."
Jackie legte ihm eine Hand auf den Arm und ein
kleines Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie meinte: "Keine
Sorge, wenn dann besorge ich das selbst."
Den Schmerz in
ihrer Stimme konnte sie allerdings nicht verbergen und Connor legte
einen Arm um sie.
"Hey, wenn du jemanden zum Reden brauchst,
ich hör dir gern zu. Ich kann dir vielleicht eher sagen, wie
Kerle so ticken", meinte er mit einem Augenzwinkern.
Jackie
seufzte, als James an ihnen vorbei lief und mit einem kurzen
Kopfnicken den Quidditchkapitän des Ravenclaw Teams begrüßte.
Allerdings ruhten seine Augen dabei argwöhnisch auf Jackie.
Kopfschüttelnd ging er weiter, mit dem festen Entschluss seinem
Freund lieber nichts von dieser Begegnung zu erzählen.
Connor
sah etwas unschlüssig zu seinem Team, das schon oben über
dem Feld schwebte und murmelte: "Also, ich wette du hast noch
nichts gegessen. Du könntest wirklich ein bisschen mehr auf den
Rippen vertragen, sonst weht dich der Wind dort oben bald von deinem
Besen."
Ohne eine Antwort von Jackie abzuwarten, zog er sie
mit hinauf zum Schloss in die Große Halle.
Das
Mittagessen war schon fast beendet und es waren nur noch vereinzelt
Schüler anzutreffen, die Haustische waren fast leer.
Unwillkürlich glitt Jackies Blick zum Gryffindortisch und sie
atmete erleichtert aus, denn derjenige, dem sie aus dem Weg gehen
wollte, war nicht anwesend.
Connor zog sie zum fast leeren
Ravenclawtisch und füllte ihr ordentlich den Teller voll.
"So,
und nun iss mal und erzähl mir dabei, was los ist!"
Jackie
seufzte und schob sich nur widerwillig ab und an einen Bissen in den
Mund, aber sie erzählte Connor alles, von der Wette und von dem
Zauber, mit dem sie Sirius belegt hatte, damit er ihr nicht zu nahe
kam. Der junge Ravenclaw runzelte die Stirn. "Ich weiß
nichts von einer Wette, Jackie, und glaub mir, wenn es so etwas geben
würde, dann hätte Greg mir mit Garantie davon erzählt."
Plötzlich fiel Jackie die Sache mit dem Liebestrank ein und
ihr Blick glitt zum Slytherintisch. Lestrange saß mit hängendem
Kopf ganz allein am Ende des Tisches. Connor folgte ihrem Blick und
lachte: "Ja, der Gute muss von irgendjemandem Amortentia
verabreicht bekommen haben. Dass ausgerechnet Greg sein Opfer war,
fand ich schon etwas merkwürdig."
Jackie musste ein
Lachen unterdrücken und Connor grummelte: "Seit Potter und
Black vom Markt sind, rennen diese Gänse uns den Schlafraum
ein."
"Wie meinst du das, weg vom Markt, Connor?",
fragte Jackie argwöhnisch.
Der junge Ravenclaw stöhnte
genervt auf und beugte sich über den Tisch. "Mann, Jackie,
Black sieht seit Wochen kein anderes Mädchen an. Nicht mal wenn
sie ihm noch so eindeutige Angebote machen und ihn bis aufs Klo
verfolgen. Er hat nur noch Augen für dich und über Potter
und deine Freundin brauch ich ja erst gar nichts sagen..."
Jackie senkte ihren Blick und ihre Gedanken schlugen Purzelbäume.
Jedem anderen hätte sie nicht geglaubt, aber Connor war ihr
gegenüber immer loyal gewesen und er hatte keinen Grund sie
anzulügen.
"Ich muss jetzt", meinte Connor, nach
einem Blick auf seine Uhr. Zusammen mit Jackie verließ er die
Große Halle. Er umarmte sie noch mal kurz und murmelte in ihr
Ohr: "Denk darüber nach."
"Danke, Connor",
nuschelte Jackie und drückte ihn fest an sich, als ausgerechnet
in diesem Moment Sirius die Große Halle ansteuerte, gefolgt von
Peter. Er konnte nicht näher, als bis auf zwei Meter an sie
heran, was vielleicht auch gut war, denn Jackie sah die Wut in seinem
Gesicht, doch sie sah auch den Schmerz und die Verzweiflung in seinen
Augen.
So schnell es ging, kehrte sie ihm den Rücken zu und
verschwand. Sie brauchte Zeit zum Nachdenken, denn Connors Worte
gingen ihr nicht aus dem Kopf.
Der kalte Herbstwind pfiff ihr um
die Ohren und sie setzte sich hoch oben auf die Tribünen und sah
den Ravenclaws bei ihrem Training zu. Obwohl sie gar nicht
registrierte, was sie dort oben taten, denn ihre Gedanken schweiften
ab zum gestrigen Abend, den sie am liebsten so schnell wie möglich
aus ihrem Leben streichen wollte.
Woran hält sich die
Liebe,
Wenn da keiner mehr ist?
Woran soll ich nur glauben,
Wenn sie mich nicht vermisst?
Sirius war der Appetit
vergangen und er verbrachte den ganzen Nachmittag hoch oben auf dem
Nordturm. Von dort hatte er einen guten Blick über das
Hogwartsgelände. Immer wieder glitten seine Augen zum
Quidditchfeld. Er konnte keine Gesichter erkennen, doch er sah
jemanden auf den Tribünen sitzen, jemanden der nicht zum
Ravenclawteam gehörte.
Er war verletzt, dass Jackie einfach
nicht mit sich reden ließ und noch etwas anderes war dazu
gekommen, Eifersucht. Bis jetzt kannte er dieses Gefühl der
nagenden und schmerzhaften Eifersucht, nicht, doch nun hatte es auch
ihn ergriffen. Er konnte nicht verstehen, warum ausgerechnet ihm so
etwas passieren musste. Er hatte immer versucht niemanden näher
als nötig an sich heran zulassen, einzig und allein seine
Freunde konnten hinter seine Fassade sehen und nun war passiert,
wovor er sich immer gefürchtet hatte. Jemand war in sein Leben
getreten, hatte es auf den Kopf gestellt und ihn auf eine, für
ihn grausame Art und Weise, verletzt.
Woran hält
sich die Liebe,
Vom Lieben ganz taub?
Woran soll ich mich
halten,
Wenn du an mich nicht mehr glaubst?
Das
Abendessen in der Großen Halle verlief schweigend. Remus saß
am anderen Ende des Tisches mit Megan O'Leary zusammen, während
Jackie sich zu Connor an den Ravenclawtisch gesetzt hatte. Immer
wieder fixierte Sirius die beiden und in ihm brodelte es mächtig.
Am liebsten hätte er sich den Kapitän des Ravenclawteams
geschnappt und ihn durchgehext, dass ihm hören und sehen
verging. Doch Jackie hatte ihn unbewusst verändert und ihm war
klar, dass er damit alles nur noch schlimmer machen würde.
Für
James war Sirius im Moment undurchschaubar, diesmal konnte selbst er
nicht hinter die Fassade seines Freundes sehen. Nur eines bemerkte
er, dass das Funkeln in den grauen Augen seines Freundes fehlte.
Das Quidditchteam der Gryffindors kehrte erst spät am
Abend in ihren Gemeinschaftsraum zurück. Alle zogen sich sofort
in ihre Schlafräume zurück. Auch Jackie genehmigte sich
erst einmal eine ausgiebige Dusche, bevor sie, nur mit einem Pyjama
bekleidet, in den jetzt leeren Gemeinschaftsraum zurückkehrte.
Sie wollte auf Lily warten, mit der sie den ganzen Tag über noch
kein Wort gesprochen hatte, und die von ihren Rundgängen noch
nicht zurückgekehrt war. Jackie hockte sich vor den Kamin und
zog sich eine Decke um die Schultern. Den ganzen Tag war sie an der
frischen Luft gewesen und es dauerte auch gar nicht lange, bis sie
einnickte. Ihr Kopf ruhte auf der Sitzfläche eines Sessels und
sie hörte nicht, wie sich die Portraittür öffnete.
Weder Sirius noch Lily sah Jackie, als sie sich verabschiedeten
und Lily die Schulsprecherräume ansteuerte. Leise fiel die Tür
hinter ihr ins Schloss und ein gequältes Seufzen entwich ihrer
Kehle. Lily hatte gehofft, James noch anzutreffen, um endlich mal ein
Wort mit ihm zu reden. Den ganzen Tag über waren sie nicht ein
Mal allein gewesen, denn die meiste Zeit war er mit dem Team beim
Training. Sie wollte jetzt endlich reinen Tisch machen, doch
stattdessen hörte sie nur ein leises Schnarchen aus seinem
Zimmer.
Sirius stieg die Treppen zu den Schlafsälen
hinauf, als sein Blick noch einmal in den leeren Gemeinschaftsraum
fiel und da sah er sie, eingewickelt in eine Decke und tief
schlafend.
Das leichte Glimmen des Kaminfeuers spiegelte sich auf
ihrem Gesicht, als er langsam näher ging. Doch einige Schritte
vor ihr, spürte er den Zauber, mit dem sie ihn belegt hatte und
der ihm unweigerlich klar machte, dass er ihr fern bleiben sollte.
Diesmal jedoch wollte er nicht so schnell aufgeben. Er blickte sich
noch einmal um, bevor er sich in seine Animagusgestalt verwandelte.
Er war sich nicht sicher, ob er den Zauber damit brechen könnte.
Einen Moment zögerte er noch, aber als er keinen Widerstand
spürte, trottete er näher heran. Er blickte sie mit seinen
großen Hundeaugen an und fiepte leise.
Langsam schlug
Jackie die Augen auf, doch sie wich nicht ein Stück zurück.
Auch wenn sie ihn bisher nur einmal in seiner Animagusform gesehen
hatte, hätte sie diesen großen schwarzen Hund unter
tausenden erkannt.
"Hallo Padfoot", nuschelte sie und
streckte eine Hand nach dem Tier aus. Jackie fühlte das
seidenweiche Fell unter ihren Fingern und sie hörte sein
wohliges, leises Knurren, bevor er seinen Kopf auf ihren Schoß
legte. Sie schloss die Augen, ohne ihr Tun zu unterbrechen. Dieser
ruhige Moment zwischen ihnen machte ihr klar, dass aus ihrer
Verliebtheit schon lange Liebe geworden war, aber sie wollte die
Wahrheit, die reine Wahrheit, bevor sie ihm wieder ihr Vertrauen
schenkte. Sie hoffte, dass sie mit ihrer Forderung nicht zu weit
gehen würde.
Mit einem leisen Seufzen schob sie den Hund von
sich, stand auf und lief die paar Schritte bis zur Fensterbank. Die
Decke hatte sie fest über ihren Pyjama gezogen und es machte den
Eindruck, als würde sie sich in ein Schneckenhaus zurückziehen.
"Du kannst dich zurück verwandeln", murmelte
Jackie, den Blick dabei aus dem großen Fenster in die
Dunkelheit gerichtet.
Sirius kam ihrer Aufforderung nach, aber er
blieb ihr fern, denn noch immer lag der Zauber auf ihm.
"Sieh
mich an", kam es kaum hörbar jedoch fordernd von ihm.
Jackie drehte sich langsam um und sie sah trotz der spärlichen
Beleuchtung den Schmerz in seinen Augen, als er leise fragte: "Was
soll ich tun, damit du mir glaubst, Jackie?"
Jackie schloss
kurz die Augen. Sollte sie es wagen, das von ihm zu fordern? Es war
ihm gegenüber nicht fair, das wusste sie. Hin und her überlegte
sie, bevor sie den Kopf senkte und murmelte: "Veritaserum!"
Sirius machte große Augen. Er hatte eine Menge erwartet,
aber dass sie so etwas forderte...
Jackie beobachtete seinen
Gesichtsausdruck. Sie war auf eine Ablehnung, auf einen Wutausbruch
oder sonst etwas gefasst, doch er nickte zustimmend.
"Also
gut, wenn es das Einzige ist, was dich überzeugen kann. Aber es
dauert noch eine Woche, bis Lily den Trank fertig hat, das weißt
du", sagte Sirius und fixierte ihre Augen.
Jackie wandte ihm
den Rücken zu und blickte wieder hinaus in die Dunkelheit, bevor
sie leise sagte: "Ich weiß, aber vielleicht ist es gut so
und es lässt uns Zeit zum Nachdenken. Überleg dir genau, ob
du das wirklich tun willst."
Sirius nickte nur, aber das sah
sie nicht, jedoch hörte sie sein leises "Gute Nacht",
bevor sich Schritte von ihr entfernten. Jackie wandte ihren Blick zur
Treppe und sah ihn mit gesenktem Kopf hinauf steigen. Er spürte
nicht, wie sie den Zauber von ihm nahm und er sah nicht, das kleine
Lächeln in ihrem Gesicht.
Die Schulwoche verging rasend
schnell. Den Siebtklässlern wurde momentan alles abverlangt. Sie
erstickten nicht nur an ihren Hausaufgaben, sondern bekamen noch
zusätzliche Aufgaben auf, die sie langsam aber sicher auf ihre
Prüfungen vorbereiten sollten. Für das Gryffindorteam wurde
es allerdings noch schlimmer, denn James hetzte sie in jeder freien
Minute und bei jedem Wetter auf das Quidditchfeld. Er kannte keine
Gnade, auch wenn er selbst oft bis weit nach Mitternacht über
seinen Aufgaben brütete. Das Einzige was er bedauerte war, dass
er während der ganzen Zeit Lily nur bei den Mahlzeiten oder im
Unterricht traf. Wenn er spät abends vom Training kam schlief
sie schon, oder war mit Schulsprecherkram beschäftigt, den sie
ihm bis zum ersten Spiel abgenommen hatte.
Zwischen Jackie und
Sirius lief es ähnlich. Sie wechselten nur hin und wieder ein
Wort, gingen sich sonst aber größtenteils aus dem Weg. In
dieser Zeit wurde Sirius klar, wie sehr er sie brauchte, ihre Augen,
ihre Hand und ihre Stimme, auch wenn sie etwas verlangte, das ihm
eigentlich nicht so behagte, aber er hatte ein reines Gewissen.
Der
Samstag kam, und noch vor dem Frühstück jagte James das
Team wieder zum Training. Windig und regnerisch war es an diesem Tag
und die Spieler kamen total durchgefroren in die Große Halle
zurück. Jackie wärmte sich ihre Hände an heißem
Tee und grummelte: "Ich hab bald Hornhaut am Hintern."
Lily prustete und Sirius grinste, während Remus
kopfschüttelnd meinte: "Ich bewundere euch wirklich, dass
ihr eure Hausaufgaben überhaupt noch schafft."
James
nuschelte mit vollem Mund: "Wenn das Spiel nächste Woche
vorbei ist, stellen wir das Training bis Weihnachten ein. Es gibt
schließlich auch noch andere Dinge, um die wir uns kümmern
müssen." Er warf bei seinen Worten einen kurzen Blick zu
Lily, die sofort kerzengerade saß und leise sagte: "Der
Trank ist fertig und es wird Zeit, dass wir herausfinden, wer Jackie
da nach dem Leben getrachtet hat."
Sirius' und Jackies
Blicke trafen sich, als Remus sich über den Tisch beugte und zu
Lily flüsterte: "Ich hoffe, du hast einen guten Plan."
Lily seufzte: "Leider noch nicht."
Remus lehnte
sich etwas zurück, dass es in seinem Kopf arbeitete sah man
genau, doch er behielt seine Gedanken für sich und nuschelte
nur: "Ich geh noch mal in die Bibliothek."
"Grüß
Megan!", rief Sirius ihm grinsend nach. James und Lily sahen ihn
verblüfft an, denn die meiste Zeit in der vergangenen Woche
hatte er geschwiegen und sich jeglichen blöden Kommentar
gespart, doch an diesem Morgen war er wie ausgewechselt und nur
Jackie kannte den Grund.
Am späten Vormittag kam Jackie
endlich aus ihrem Schlafsaal. Sie hatte sich nach dem morgendlichen
Training ein langes entspannendes Bad gegönnt und noch einmal
über alles nachgedacht. Über Sirius und diese blöde
Wette, die nun eigentlich nicht mehr zur Debatte stand. Sie hatte ihn
in der letzten Woche oft beobachtet und auch gesehen, dass er sich
von den Mädchen fernhielt, die immer mal wieder versuchten, ihn
mit ihren weiblichen Verführungskünsten um den Finger zu
wickeln.
Mit dieser Erkenntnis betrat sie den gut gefüllten
Gemeinschaftsraum. Unten an der Treppe stand Sirius schon und winkte
ihr mit einer kleinen Phiole. Nur langsam stieg sie die Treppe
hinunter, ihre Augen fixierten dabei die seinigen.
Jackie folgte
ihm aus dem Gemeinschaftsraum hinaus auf den Gang. Er lehnte hinter
einer Rüstung an der Wand und wartete darauf, dass sie näher
kam. Nachdem er noch einmal den Gang rauf und runter gesehen hatte,
öffnete er die Phiole. Noch bevor er seinen Arm hob, hielt
Jackie ihn fest. "Du musst das nicht tun! Allein, dass du bereit
dazu warst, ist Antwort genug."
Sein erstauntes Gesicht und
das Funkeln seiner Augen, das sie in den letzten Tagen so vermisst
hatte, ließen Jackie das einzig richtige tun. Sie drückte
seinen Arm herunter, sodass die Flüssigkeit auf den Boden
tropfte, während sie mit der anderen Hand in seinen Nacken
griff. Die Phiole mit dem Veritaserum fiel zu Boden und zerbrach und
damit auch die Barriere, die zwischen ihnen stand.
"Küss
mich, Black!", waren ihre letzten Worte, bevor sie ihre Augen
schloss und ihre Lippen auf seine legte. Ein überraschtes
Keuchen entwich seiner Kehle. Seine Hände vergruben sich in
ihrem Haar und all die Anspannung der letzten Woche war vergessen. Da
war nur noch ihr betörender Duft und ihre zarten Hände, die
unkontrolliert durch sein Haar fuhren.
"Sucht euch ein
Zimmer", rief Frank lachend, der sich gerade mit Alice auf den
Weg zum Mittagessen machen wollte, gefolgt von James, der wie alle
anderen Spieler schon wieder in seiner Quiddichtuniform steckte.
Er
baute sich vor den beiden auf und grummelte: "Schluss jetzt,
Mittagessen und dann ab zum Training!" Das diabolisch vergnügte
Grinsen auf seinem Gesicht konnte er allerdings nicht verbergen.
"Sklaventreiber", zischte Sirius und machte sich, Hand
in Hand mit Jackie, auf zum Mittagessen. James sah ihnen einen
Augenblick nach und hoffte, dass sich endlich auch für ihn und
Lily so eine Chance ergab, doch das musste wohl warten bis nach ihrem
ersten Spiel.
