Gegen halb drei wachte Hermine auf und spürte eine leichte Decke auf sich liegen, die Snape wohl für sie heraufbeschworen hatte. Sie war überrascht ob seiner Fürsorglichkeit, nicht aber dass er noch genauso dasaß, wie als sie sich hingelegt hatte. Ein wenig zog er seine Mundwinkel nach oben, als er sah, dass sie erwacht war. „Sie schnarchen, Miss Granger.", bemerkte er gehässig. „Das haben Sie sich ausgedacht!", erwiderte Hermine, auch wenn sie sich nicht so sicher war. Immerhin war ihre Körperhaltung nicht wirklich optimal gewesen, wer konnte da schon völlig ausschließen, dass das nicht zu Atemgeräuschen führte. Sie rappelte sich auf, streckte sich und strich ihre Haare glatt. "Wenn Sie es sagen...", meinte Snape nur kryptisch.

„Ich verschwinde mal kurz…", sagte sie dann und ging um das Bahnhofsgebäude herum. Es dämmerte bereits etwas und während Hermine hockend ihre Blase erleichterte, sah sie in die russische Steppe hinaus. Sie hörte ein leises Knacken hinter sich, doch noch ehe sie reagieren konnte, hatte sie jemand grob an den Armbeugen gepackt, nach oben gezogen und ihr ein dreckiges Tuch in den Mund gestopft. Nach und nach erschienen weitere männliche Gestalten im Morgengrauen um sie herum. Einer von ihnen - groß, blond und blauäugig - sprach mit einem widerlichen Grinsen im Gesicht zu den anderen und kam auf Hermine zugeschritten. Seine Augen glitten gierig über ihren Körper. Ihr Shirt bedecke gerade so ihr Intimstes, Hose und Slip hingen ihr nutzlos auf den Füßen. Hermine wurde speiübel beim Gedanken, dass sie ihren Zauberstab in der Sweatjacke bei Snape gelassen hatte. Doch er hätte ihr ohnehin nichts genutzt, denn der Kerl der sie gepackt hatte, machte keine Anstalten seinen Griff zu lockern, obwohl sie versuchte, sich ihm zu entwinden. Sie verstand nicht, was der Blonde sagte, aber die Art wie er sprach und seine Freunde beifällig lachten, machte ihr schlichtweg Angst. Ihr Puls raste und sie wollte schreien - nach Snape rufen, doch das Tuch erstickte ihre Stimme. Der große Typ stand nun etwa einen Meter vor ihr und griff sich lüstern in den Schritt. Hermine zappelte erneut, doch sein Komplize hielt sie erbarmungslos fest und blies ihr erregt seinen stinkenden Atem in den Nacken. „Du bissd garr nischd so hässlisch, wie mann es von einem Schlammblud erwarrten würrde. Herrr-mine Grrangerr, nicht wahrr? So errfrreud, Ihrre Beganndschaffd su machen…", Hermine würgte, als der Blonde seine Hose öffnete und sein halbsteifes Glied hervorholte, während er mit der anderen Hand einen Zauberstab zückte. Er sprach wieder russisch und seine Kumpane grölten begeistert. „Dann wollen wirr mal sehenn, was das Potterrs kleine Freindin swischen die Beine had." Er richtete seinen Zauberstab auf Hermine und holte gerade Luft für einen Zauberspruch, als ihm der Stab plötzlich entrissen wurde und eine eiskalte Stimme alle verstummen ließ. „Ihr rührt sie nicht an!" Severus Snape war unbemerkt und mit Zauberstab im Anschlag hinzugekommen und Hermine erkannte, dass er nicht nur den Anführer entwaffnet hatte. Etwas strich an ihr vorbei und der Typ, der sie festhielt, wurde von ihr weggerissen und landete stöhnend im Dreck. Sie sah gerade noch rechtzeitig zu Snape, um ein winziges Schnippen seines Zauberstabs in ihre Richtung zu bemerken, ehe ihr Slip und Hose magisch nach oben gezogen wurden. Er kam mit langen Schritten auf sie zu und stellte sich zwischen sie und die Angreifer, die sich ihrerseits hinter dem Blondem versuchten, zu verstecken. „Ah! Wenn das nichd unserr guter Severruss issd! Warrum so geizig? Wirr wollen auch ein Bisschenn Schbahs mid dem kleinen Schlammblud haben." Er unterbrach sich jäh, als Snape mit seinem Zauberstab ausholte und plötzlich ein hellroter Strich seine rechte Wange zierte. „Sag NICHT dieses Wort!", Snapes Gesicht war verzerrt vor Abscheu und blankem Hass. Er hatte in einem von den Angreifern den Typ mit dem Backenbart und der dämlichen Mütze aus der Kneipe erkannt und sah seine düsteren Befürchtungen bestätigt, dass sie Schwarzmagier auf sich aufmerksam gemacht hatten. Noch stärker war aber die Wut darüber, dass er Miss Granger nicht vor diesen Widerlingen hatte bewahren können. Sie hatte so verletzbar und schutzlos ausgesehen, mit entblößten Unterleib im Kreise dieser Schweine, die sich offensichtlich an ihr hatten vergehen wollen. Snape wurde übel bei dem Gedanken und er wollte Miss Granger schnellstmöglich in Sicherheit bringen. „Wer seid ihr?", fragte er forsch, während Hermine hinter ihm das Tuch ausspuckte und fröstelnd die Arme um ihren Oberkörper schlang. „Wirr sind die Nächsde Generation – die Zugunffd. Severruss, hassd du wirglisch geglaubt, mid dem Dunklen Lord issd auch seine Ideologie gestorrben? Neihn…wirr haldenn den Glauben aufrrechd. Wirr sind länngsd dabei, uns erneud zu sammeln…Unsere errsde Aufgabe issd die Rache an Potterr und seinen Freinden! Dann kommsd du dran…Severruss Snep und deinesgleichen! Verräterr und Feiglinge…", der Blonde spuckte vor Snapes Füße und ließ seine Fingerknöchel knacken. Er musste sich auf Drohungen beschränken, da Snape sämtliche Zauberstäbe in seiner linken Hand hielt. Der hatte große Lust, den Typen zu töten oder ihm wenigstens gravierende Schmerzen bevorzugt in der Leistengegend zu verursachen, beherrschte sich aber. Stattdessen richtete er seinen eigenen Zauberstab in den Himmel und seine tiefe Stimme grollte: „Invocabo Aurorem." Ein entsetztes Stöhnen ging durch die Reihen der Russen. Das war ein internationaler Ruf nach Auroren, der nach dem Sturz Voldemorts verbreitet worden war, um Verdächtige schneller stellen zu können und die Selbstjustiz zu einzudämmen. Da Snape ihn zum ersten Mal verwendete, war er über die prompte Wirkung erstaunt. Beinahe augenblicklich apparierte ein halbes Dutzend russischer Auroren und richtete die Zauberstäbe auf die üblen Kerle. Zum Glück verstand einer der ministeriellen Schwarzmagierjäger Englisch und Snape erklärte ihm, was vorgefallen war. Dabei stellte er sich dicht neben Miss Granger und sie war einen Moment versucht, sich an ihn zu klammern wie ein kleines Kind, damit er sie nie verlassen möge. Sie ergänzte ihren Part zu Snapes Darstellung und da der große Blonde noch immer mit offener Hose dastand, war seine Absicht recht offensichtlich. Die Auroren fesselten die Täter schließlich alle und nahmen von Snape ihre Zauberstäbe entgegen. Hermine lehnte ihr Angebot, ihr einen Heiler zu schicken ab und schließlich disapparierten Auroren und Gefangene und Snape blieb mit ihr allein zurück. Kaum dass sie weg waren, wandte Snape sich Miss Granger zu und beinahe wollte er sie bei den Schultern nehmen und an sich drücken, so erleichtert war er, dass ihr kein schlimmeres Leid widerfahren war. Er hielt sich jedoch zurück, denn er wollte sich ihr auf keinen Fall, vor allem nicht nach dem eben Erlebten, aufdrängen. „Wie geht es Ihnen?", er sah ihr eindringlich in die Augen und Hermine hoffte fast, er möge ihre Gedanken lesen, damit er sah, wie dankbar sie ihm war. „Mir ist schlecht.", brachte sie hervor. Zwischen Snapes Augenbrauen lag eine senkrechte Furche und Hermine fiel auf, dass er müde aussah. Plötzlich hörten sie das Bremsen eines Zuges und Snape versuchte einen aufheiternden Ton anzuschlagen. „Na kommen Sie. Sie wollten doch so gern mit dem Zug durch Kasachstan…Und wir finden bestimmt noch irgendwo etwas Schokolade…", er machte eine einladende Geste und so eilten sie auf sein Geheiß hin zum letzten Wagon des Zuges. Doch als Hermine gerade drin war, drehte sie sich entsetzt um. „Das Gepäck! Meine Tasche! Die Jacke! Da ist mein Zauberstab drin!" Als sie wieder raus springen wollte, griff Snape behutsam nach ihrem Arm und hielt sie so zurück. Die Wagentür schloss sich und während der Zug anfuhr, sah Hermine fragend zu Snape. Eine seltsame Wärme, ausgehend von seiner Hand, breitete sich in ihrem Arm aus. „Miss Granger, Sie gaben mir Ihr Wort, dass Sie mir vertrauen würden. Und auch wenn ich Sie heute Nacht enttäuscht habe, sein Sie sich sicher, dass ich niemals Ihre Habe, wenn Sie sie in meiner Obhut glauben, unbeaufsichtigt lassen würde." Er ließ sie los und holte Hermines Jacke, die Perlentasche und die zwei sehr unterschiedlichen Rucksäcke aus seiner Umhängetasche. Hermine fand sich befremdlich fröstelnd, nun da Snape die Berührung aufgehoben hatte, war aber unendlich erleichtert, als sie ihren Zauberstab wieder in den Händen hielt. „Danke, Sir! Sie sind schon außergewöhnlich!" Sie strahlte ihn an, doch er suchte bereits ein leeres Abteil. Wie im letzten Zug, gab es auch hier nur Doppelsitze. Die Schlafwagen hätten wohl einen Aufpreis gekostet, den sie zwar bereit gewesen wäre, zu zahlen, nur hatte sie die Frage danach wohl nicht richtig verstanden, als sie die Karten gekauft hatte. Snape wartete, bis Hermine es sich wieder am Fenster bequem gemacht hatte und setzte sich dann gegenüber an den Gang. Miss Granger durchwühlte ihr Gepäck, bis sie tatsächlich einen Schokoriegel gefunden hatte und ihn sogleich verspeiste. „Sir? Darf ich Sie etwas fragen?", Snape sah in ihre Richtung. „Seit wann bitten Sie vorher um Erlaubnis?", entgegnete er. Ein verschmitztes Grinsen huschte über ihr Gesicht, ehe sie schließlich fragte: „Warum glauben Sie, Sie hätten mich enttäuscht?" Snape machte ein gequältes Gesicht und Hermine fiel wieder auf, wie erschöpft er aussah. „Erstens, weil ich Ihnen zu Ihrem Abort gefolgt bin und zweitens, weil ich damit offenbar zu lange gewartet habe." Er mied Hermines Blick, sonst hätte er gemerkt, dass sie ziemlich ergriffen war. „Ach Sie nun wieder! Wer weiß, was diese Schweine noch getan hätten, wenn Sie nicht gekommen wären! Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Sie da waren, Mr. Snape…Aber soll das heißen, dass ich für einen Toilettengang eine bestimmte Zeit kriege und ist diese überschritten, steigen Sie mir nach? Das kann mal ganz schön ins Auge gehen!", diesmal sah Severus ihr herzliches Lachen und wie sie zum Spaß mit dem Finger drohte und konnte kaum glauben, dass es ihm galt. „Nein nein, keine Sorge! Es war eher ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmte, das mich so handeln ließ. Sie haben von mir Nichts zu befürchten, Miss Granger." Einen Moment verschmolzen ihre Blicke miteinander und fast schien es, als läge Bedauern darin. Hermine schluckte und Snape sah schließlich zum Fenster hinaus, wo die aufgehende Sonne die russische Einöde in warmes Licht tauchte. „Ähm…kann ich das Rollo runtermachen?", unterbrach Hermine die aufgekommene Stille. „Immerzu!" Snape verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte den Kopf nach hinten an die Lehne. Er hielt nur noch ein Auge offen, um zu beobachten, wie Miss Granger das Rollo herunterließ, sich ihre Jacke in der Rücken stopfte und die Füße auf den Sitz neben Snape legte. Dann gab er sich in Morpheus' Arme. Hermine hatte es sich halbwegs bequem gemacht und war auch eigentlich todmüde, doch sie vermochte den Blick durch die halbgeschlossenen Augen nicht von ihrem einst so verhassten Professor zu nehmen. Sie konnte kaum glauben, wie sehr sie sich inzwischen an ihn gewöhnt hatte und dass er hier in ihrer Anwesenheit schlief, war für sie ein unheimlicher Vertrauensbeweis seinerseits. Sie wusste, dass er seinen Zauberstab unter dem Umhang umklammert hielt und mit Absicht am Gang saß, um unliebsame Besucher beizeiten abhalten zu können. Und das gab ihr ein Gefühl von Sicherheit, das sie in letzter Zeit schon als etwas Selbstverständliches hingenommen hatte. Heute Nacht hatte Severus Snape ihr einmal mehr bewiesen, dass er der einzig richtige Partner für dieses gewaltige Unterfangen war und sie war mehr als nur beruhigt, ihn hier, nur wenige Meter von sich entfernt zu wissen. Sein gleichmäßiges Atmen gab ihr schließlich den Takt vor und so schlief sie irgendwann ein.