**********Hey Freunde,

Ich danke cloudshape to ennien für das hilfreiche Review. Ich habe versucht, mit diesem Kapitel für Klarheit zu sorgen, wobei man das natürlich auch wieder als Schön/Herausreden interpretieren kann...Ich selbst bin mit der Variante ganz zufrieden, aber bitte vergesst nicht, mir nach dem Lesen, eure Meinung dazu mitzuteilen. Danke!

Danke auch an meine Little Sis, die dieses psychedelische Titelbild als "FanArt" kreiert hat und geduldig mit mir über Snape debattiert. Luv U

So, nun...viel Spaß und Danke euch, fürs Dranbleiben ;-)

Grüße, Nösi**********

Eines Morgens irgendwo im Südzipfel Asiens und nach reichlich zwei Monaten Reise, stellte Snape bei der Pflege seiner Wunden fest, dass diese zu nässen aufgehört hatten. Seit ein paar Tagen schon hatte er das Gefühl gehabt, dass die Bandagen nicht mehr so durchweicht waren, wenn er sie abends abnahm. Doch jetzt wo sein ergrautes Nachthemd erstmals einen trockenen Kragen aufwies, war er sich ganz sicher. Ungläubig betrachtete er seinen verletzten Hals. Die Haut war immer noch stark mitgenommen und verfärbt, kurzum er sah weiterhin aus wie nach einer stümperhaften Vampirattacke, doch wenigstens ohne den ekelhaften Glanz des Wundsekrets.

Er überlegte, ob er es wagen sollte, den Verband wegzulassen, oder ob er Miss Granger damit anwidern würde. Ja, vermehrt machte er sich Gedanken, wie sie dieses oder jenes auffassen könnte und versuchte sogar, nicht mehr ständig seine Überlegenheit zu demonstrieren. Er hatte sich auf sie eingelassen, so wie sie sich auf ihn eingelassen hatte und wollte sie als Begleiterin und Freundin nicht mehr verlieren.

Kleine Zweideutigkeiten erlaubte auch sie sich inzwischen, aber es gelang ihm stets, rechtzeitig auf Distanz zu gehen. Er erklärte sich Hermines Versuche, ihn aus der Reserve zu locken, mit ihrer Jugend und der Isolation, die sie während des gemeinsamen Trips erfuhr. Womöglich reizte sie sein distanziertes Wesen und dass er sich immerzu bedeckt hielt, nur aus Langeweile und Mangel an Alternativen. Jedenfalls beschloss er, einen dünnen Verband anzulegen und sie im Laufe des Tages zu fragen, ob sie Einwände hätte, wenn er ihn fortan ganz wegließe.

„Guten Morgen, Sir.", Hermine lächelte wie üblich, als sie aus dem Zelt kam und Snape bereits abreisebereit auf sie wartete. Sie hatte es aufgeben, mal eher als er draußen sein zu wollen, denn er stand immerzu schon bereit. „Guten Morgen, Miss Granger! Na dann wollen wir mal, was?", und so tarnten und verknüpften sie sich einmal mehr. Hermine hatte nur noch einen flüchtigen Blick für die tropische Kulisse übrig, die sie Tag für Tag durchquerten. Sie waren in Küstennähe und würden bald das Festland verlassen, um sich von Insel zu Insel immer näher an den roten Kontinent zu arbeiten.

Es war permanent feucht, obgleich die Regengüsse deutlich nachgelassen hatten. Um sie her wuchs eine schier verschwenderisch grüne Pflanzenpracht, doch Hermine kannte die wenigsten Gewächse. Einige meinte sie zwar als Zimmerpflanzen zu kennen, doch waren ihre frei lebenden Verwandten so viel größer und üppiger, dass sie sich nie sicher sein konnte. Snapes Sammelleidenschaft hatte nachgelassen, wahrscheinlich aus demselben Grund.

Nachdem sie sich ein Stück durch die Vegetation geschlagen hatten und diese etwas lichter wurde, sodass sich die vor ihnen liegende Landschaft zeigte, hielt Snape Hermine zum vielleicht einhundertsten Mal seinen in schwarz gehüllten Arm hin. Sie apparierten Seite an Seite zu dem am weitesten entfernten Ort, den sie von ihrer letzten Position aus hatten ausmachen können. Sogleich machte sich Snape wieder auf den Weg, doch Hermine war eben wieder etwas eingefallen, was sie unmöglich für sich behalten konnte. „Sir? Wissen Sie, was ich letzte Nacht geträumt habe?", fragte sie deshalb rundheraus. „Ich bin nicht sicher, ob ich das wissen möchte.", kam es gewohnt kaltschnäuzig von ihrem finsteren Gefährten, doch er schmunzelte dabei kaum merklich. Hermine konnte das wegen der Tarnung natürlich nicht sehen, doch inzwischen kannte sie die unterschiedlichen Nuancen seiner Stimme nur zu gut und hörte deutlich sein Amüsement heraus.

„Nicht, was Sie gleich wieder denken! Ich habe geträumt, dass ich Sie angefasst habe und Sie mich, wie ein Portschlüssel direkt nach Melbourne gebracht haben. Und das hat in mir zwei Fragen aufgeworfen…Erstens: Wieso haben wir eigentlich keinen Portschlüssel genommen?"

Snape schnaubte unliebsam und antwortete dann, sich den Weg durch das Blatt- und Buschwerk hexend: „Ich hatte mich schon gefragt, wann Ihnen das auffallen würde. Ich bin überrascht, dass Sie erst Ihr Unterbewusstsein darauf bringen musste…Sei's drum…Miss Granger, Sie wissen doch sicher, dass jeder Portschlüssel beim Zaubereiministerium angemeldet sein muss. Da ihr Freund Potter ausgezeichnete Verbindungen dorthin hat, hätten Sie ihn dann auch gleich fragen können, ob er nicht mitkommen will. So wie ich es verstanden habe, wollten Sie genau das doch aber nicht…Und falls Sie im Übrigen dachten, sich via Portschlüssel ans andere Ende der Erde schicken zu lassen, wäre weniger strapaziös als mehrmals am Tag zu apparieren, muss ich Sie eines besseren belehren. Es gibt Menschen, die reagieren – sensibel - auf den Sog, den ein Portschlüssel auf den Körper des Reisenden ausübt…"

„Sie sind doch nicht etwas portschlüsselkrank, Snape?", Hermine konnte den spöttischen Unterton kaum verbergen und grinste staunend. Snape ignorierte ihren Einwurf so gut er konnte und fuhr unbeirrt fort: „Zudem raten Heiler ‚nicht völlig Gesunden' von diesem Beförderungsmittel ab, da es unter Umständen zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen führt…Und zu Ihrer vermutlichen zweiten Frage: Nein, man kann kein lebendes Wesen in einen Portschlüssel verwandeln."

Hermine war kurz verdattert – ihre zweite Frage hatte sich vielmehr mit der mutmaßlichen Beschaffenheit von Snapes Haut befasst, denn – und das hatte sie wohlweißlich verschwiegen – in ihrem Traum, war Snape alles andere als komplett in Kleidung gehüllt gewesen – doch dann konzentrierte sie sich wieder auf den eben neu entdeckten Widerspruch in seiner Persönlichkeit. Voldemorts rechte Hand, der einst eiskalte Todesser Snape, mochte Portschlüsselreisen nicht, wegen der vorübergehenden Übelkeit, die sie verursachen konnten! „Vielleicht sollte ich wirklich ein Buch über Sie schreiben!", begann sie, ihn aufzuziehen. „Sie wollen mir also weismachen, dass ein Heiler Ihnen eher zu einem monatelangen Marsch, als zu einem Griff zum Portschlüssel raten würde? Geben Sie es doch zu! Sie haben einen empfindlichen Magen? Bei Ihrer Ernährungsweise, die überwiegend aus Fasten zu bestehen scheint, toootaaal überraschend…", sie verdrehte lachend die Augen und war schon versucht, ihm den Zeigefinger neckend in die Flanke zu pieksen.

Snapes Blick wäre, so man ihn hätte sehen können, finsterer als der Verbotene Wald in einer Neumondnacht gewesen und schließlich sagte er betont beherrscht: „Niemand hat etwas in der Art gesagt, Miss Granger. Ich ziehe es jedoch bei Weitem vor, mich bewusst und selbsttätig fortzubewegen. Portschlüssel hingegen können immer auch manipuliert werden, wie Sie nach Potters unfreiwilliger Reise per Trimagischem Pokal zur Wiederauferstehungsfeier des Dunkeln Lords nur zu gut wissen sollten!"

Sein Ton und dass er von diesem denkwürdigen und schrecklichen Tag anfing, ließen keine Zweifel daran, dass er das Thema nicht weiter vertiefen wollte. „Wenn Sie es jedoch möchten, kann ich Ihnen ohne weiteres den Portus-Zauber zeigen, dann können Sie sich liebend gern blindlings an einen Ihnen nicht vertrauten Ort schleudern lassen." Er war nun stehen geblieben und starrte abwartend auf die Stelle, an der er Hermine vermutete.

„Nein nein…schon gut…Sie haben wahrscheinlich recht…Gut, dass wir mal drüber geredet haben…", sie fürchtete sich ohnehin vor dem unvermeidlichen Ende ihrer gemeinsamen Zeit mit ihrem vormaligen Lehrer, den sie mit all seinen Ecken und Kanten auf ungeahnte Weise zu schätzen gelernt hatte. Und dass Harry ihr auf die Schliche kam, wollte sie wirklich zu gern verhindern. Sie hatte weder ihm, noch Ron gesagt, wann und wo sie die Suche nach ihren Eltern starten wollte. Inzwischen müssten sie natürlich längst bemerkt haben, dass Hermine ohne sie fort war. Dass sie sich aber ausgerechnet mit dem undurchsichtigsten und launischsten aller Lehrer auf den Weg gemacht hatte, konnten sie nicht ahnen und wenn doch, würde es sie glatt umhauen. Denn es stimmte, dass Snape Hermine stets mit beinahe derselben Verachtung gestraft hatte, wie ihren besten Freund. Oft genug hatte er ihr, obwohl sie alles richtig gemacht und gewusst hatte, Punkte abgezogen und sie wegen ihres, in seinen Augen, neunmalklugen Verhaltens zum Gespött der Klasse gemacht. Das alles schien Ewigkeiten her. Inzwischen wusste Hermine, dass er, zwar schon fies und ziemlich anmaßend war, aber eben auch eine empfindsame, weniger gleichgültige Seite an sich hatte. Sie spürte, wie seine sich langsam entwickelnden positiven Eigenschaften sie mehr und mehr in ihren Bann zogen.

Während sie unterwegs waren, kam es kaum zu weiteren Gesprächen. Severus Snape war pure Konzentration. Den ganzen Tag über, relativ unbemerkt von Miss Granger, arbeiteten alle seine Sinne auf Hochtouren. Seine Wachsamkeit ließ nicht einen Moment nach und wie bei ihm üblich, zeigte er das nach außen kaum. Ein Teil seines Bewusstseins war einstweilen jedoch gänzlich mit Miss Granger beschäftigt. Er konnte inzwischen an kleinsten Veränderungen ihrer Bewegungen erkennen, wenn sie ein Bedürfnis hatte; hörte an ihrer Atmung rechtzeitig, wenn es Zeit wurde für eine Pause, zu apparieren oder das Lager aufzuschlagen; und anhand ihrer Garderobenwahl und dessen, was sie aß, konnte er ziemlich genau sagen, in welcher Phase ihres Zyklus sie sich befand.

Schwer fiel es ihm aber immer noch, von sich aus ein Gespräch mit ihr zu beginnen. Vor allem wenn das Gesprächsthema sich um so persönliche Dinge drehte, wie seine Halswunden. Und so wälzte er gedanklich verschiedene Einleitungen, um irgendwie auf den einen relevanten Punkt zu kommen, der beim letzten Mal so gehörig schief gegangen war.

Inzwischen dämmerte es bereits und sie waren dabei, ihre Zelte aufzuschlagen. Snape war klar, dass er es jetzt ansprechen musste, wenn er nicht bis morgen warten wollte, denn sie würden heute zeitig zu Bett gehen. „Miss Granger! Was fällt Ihnen auf? - An mir.", begann er schließlich recht unbeholfen und kam sich sofort lächerlich vor.

Das volle Ausmaß der Geistlosigkeit dieser Eröffnung wurde ihm jedoch erst bewusst, als daraufhin Miss Granger ihre reizenden Augen vollkommen unbedarft über seinen Körper gleiten ließ. Es war schlimmer als vom Dunklen Lord geprüft zu werden, obwohl sich Snape nicht erklären konnte, was er eigentlich von ihr befürchtete. „Ähm, Sir…Mir fällt so einiges auf…", unsicher verweilte ihr Blick auf einer seiner bleichen Hände. „Kalt…Miss Granger.", zischte er ungeduldig vor Anspannung, doch entschlossen, sich nichts anmerken zu lassen. Sofort senkte Miss Granger den Blick auf seine Füße. „Noch kälter!", was für eine dämliche Idee das doch gewesen war, dachte er, während er beobachtete, wie Miss Grangers Augen zaghaft wieder nach oben glitten und einen winzigen Moment auf seiner Körpermitte verweilten, ehe er sich gereizt räusperte. „Entschuldigen Sie Sir, aber ich weiß doch nicht, worauf ich achten soll!", warf sie errötend ein und sah rasch zu seinem Kopf, der seinerseits einen blassen Roséton angenommen hatte.

Plötzlich weiteten sich ihre Augen etwas und sie rief aus: „Ihr Hals! Sir, Sie haben Ihn nicht mehr so dick bandagiert! Heißt das, es geht ihm besser?". Ein erleichtertes, doch als lässig getarntes Grinsen zog seine Mundwinkel in die Länge. „Jedenfalls hat er aufgehört zu nässen. Deshalb möchte ich, mit Ihrer werten Erlaubnis, künftig auf den Verband verzichten.", selbst in seinen Ohren klang er sehr Snape-untypisch, denn er erbat für gewöhnlich nie etwas von Anderen. „Aber sicher! Das wird der Haut sicher gut tun…Und Sir, falls ich zufällig einen Blick darauf werfe, so ist das mit Sicherheit nicht abwertend gemeint!", Miss Granger versuchte ebenfalls so ein Debakel wie im Zug zu vermeiden, was Snape ihr hoch anrechnete, da es nicht ihre Schuld gewesen war. Er sah sie mit einem Blick an, der mehr Dankbarkeit zum Ausdruck brachte, als es seine Worte je vermocht hätten. „Nun…ähm…dann wäre das ja geklärt…Ich wünsche eine angenehme Nacht.", damit drehte er sich langsam zu seinem Zelt um, den Augenkontakt zu ihr noch möglichst lange aufrecht erhaltend.

Hermine fühlte sich mal wieder in Grund und Boden gestarrt, doch auf eine nicht unangenehme Art. Sie lächelte verlegen und antwortete: „Ihnen auch, Sir." Da huschte ein wirklich zufriedenes Lächeln über Snapes Gesicht, ehe er sich schließlich abwandte und in sein Zelt ging.