Snape versuchte es mit einem Aufrufezauber, um sein Hab und Gut wieder zu erlangen. Leslie schüttelte hämisch den Kopf: „Wir sind vielleicht nicht so unterbelichtet, wie du dachtest!"
„Ruhe!", schnauzte Snape. Leslie störte ihn beim Nachdenken. Aber der war durch Snapes Unentschlossenheit wieder zu Mut gekommen: „Und den dämlichen Invocabo Aurorem-Scheiß brauchst du gar nicht probieren. Der Chefauror von Australien ist der Mann, der dich bewusstlos hierher gebracht hat. Dein Ruf würde an ihn geleitet, wo er leider leider auf ein totes Ende stieße." Das hinterhältige Grinsen stand Leslie überhaupt nicht, fand Snape, doch er erkannte, dass dieser die Wahrheit sprach. Ohnehin hätte Snape zu diesem Zeitpunkt noch keine Auroren gerufen. Viel zu unübersichtlich war die Lage.
„Was haben Sie an ‚Ruhe' nicht verstanden?!", bellte Snape gereizt und als er sah, dass er mit schlechter Laune offenbar noch immer recht Furcht einflößend wirkte, fühlte er sich unweigerlich milde befriedigt.
„Ich meine ja nur…", brachte Leslie ziemlich kleinlaut hervor. Als Snape jedoch Leslies eigenen Zauberstab entschlossenen Blickes an dessen Kehle hielt, verstummte er schlagartig.
„Sie werden mich dahin bringen, wo Miss Granger gefangen ist…-und Sie werden dabei Ihre Klappe halten. Verstanden?" Leslie nickte und Snape schob ihn zur Tür hinaus.
Severus war so aufgewühlt, wie seit langem nicht mehr. Es beunruhigte ihn, dass er noch keinen aussichtsreichen Fluchtplan im Kopf hatte, was er auf seine unprofessionelle Sorge um Hermine schob. Er wusste, er würde erst dann wieder klar denken können, wenn er sich von ihrer Unversehrtheit überzeugt hatte und er wurde sich der Hinderlichkeit von derart starken Gefühlen einmal mehr bewusst.
Leslie führte Snape durch die labyrinthische Bunkeranlage, wo jeder Gang gleich aussah und unzählige Türen davon abführten. Seltsamer Weise begegnete ihnen niemand bis sie vor einer Tür stoppten und Leslie sich anschickte, sie zu öffnen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Snape und sein unfreiwilliger Führer durch Mortifas Reich sahen sich einem mittelalten Mann gegenüber, dessen rotbrauner Teint, knollige Nase und kurze, drahtige Haare an einen australischen Ureinwohner denken ließen. Im Bruchteil einer Sekunde reagierte Snape mit einem gut gezielten Versteinerungszauber und schon traten sie durch die Tür.
Eine steile und schmale Treppe führte noch tiefer. Leslie stolperte mehr als dass er vernünftig die Treppe hinabstieg und ging Snape mit seinem lärmenden Getue auf den Zeiger. Er hatte die Augen zu schmalen Schlitzen verengt und den Zauberstab im Anschlag. Er war wachsam wie eh und je, rechnete jeden Moment mit weiteren Wachposten.
Und tatsächlich: endlich am Fuß der Treppe angekommen, wo sich eine Art vergitterter Keller befand, erhob sich ein fettwanstiger, irgendetwas mampfender Kerl von einem unbequemen Stuhl und sah überrascht zu Leslie und Snape. Noch ehe sein träges Hirn irgendeinen Sinn in dem Gesehenen finden konnte, sackte er von einem Zauber getroffen bewusstlos zurück auf seinen Stuhl und Severus ließ geschwind seinen Blick schweifen. Es waren offenbar mehrere Verliese angelegt worden, doch nur das, vor dem der Dicke auf seinem Stuhl hing, schien belegt. Denn jetzt kam ungläubig Hermine an die Gitter getreten und ihr Gesicht wurde von einem erleichterten Lächeln erhellt, als sie Severus erkannte. Doch der legte schnell seinen Zeigfinger vor die Lippen, um ihr zu signalisieren, besser nichts zu sagen, was sie glücklicherweise sofort verstand.
Er lähmte Leslie, prüfte den Keller auf die Anwesenheit weiterer Personen und sprengte dann, als er sicher war, mit ihr allein zu sein, Hermines Zellentür auf. Sogleich warf sie sich in seine Arme und auch wenn er zunächst befremdet war, musste Snape sich doch eingestehen, dass er mindestens genauso erleichtert war. „Was hat das alles zu bedeuten, Severus? Wo sind wir? Und wer sind DIE?"
„Die Antworten werden warten müssen, Hermine. Ich will hier schleunigst verschwinden, aber nicht ohne meinen Kram! Hast du irgendetwas mitbekommen, wo sie unsere Zauberstäbe und Taschen aufbewahren?", er hatte Hermine sanft, doch bestimmt an den Schultern genommen und von sich geschoben. Eindringlich sah er in ihre Augen und war froh, darin zwar Verwirrung und Furcht, aber keine Anzeichen eines wie auch immer gearteten Traumas zu erkennen.
„Nein…ich bin erst vor ein paar Minuten aufgewacht…"
Blitzschnell ließ Snape von ihr ab und wandte sich dem fetten, schnarchenden Aufpasser zu. „Hör zu, wenn uns jemand begegnet, sagst du am besten gar nichts…ich habe eine neue Wahrheit geschaffen, um sie von dir abzulenken…Es ist von größter Wichtigkeit, dass wir den Schein von Distanz wahren! Und egal was ich sage und tue – du musst mitspielen! – Legilimens!", er hatte den Bewusstlosen bei seinem Doppelkinn gepackt und den Zauberstab auf dessen Stirn gerichtet. Gebannt sah Hermine zu, wie Severus mit vor Konzentration geschlossenen Augen den Geist des Dicken nach nützlichen Informationen durchstöberte. Er fand sie in einer wenige Minuten alten Erinnerung, die den Wächter und einige andere in einer Küche sitzend zeigte, wo sie sich über Hermines Perlenhandtasche hermachten. Unmittelbar danach hatte sich der Fettwanst mit einem Sandwich in der Hand auf den Weg in diesen Keller gemacht, wo er offenbar den Aborigine abgelöst hatte, der ihnen an der Tür begegnet war.
Snape öffnete die Augen und nahm die Hand von der Kehle seines komatösen Gegenübers. Mit spitzen Fingern klaubte er dessen kurzen und fettig schimmernden Zauberstab aus der Innentasche seiner Collegejacke und reichte ihn Hermine. „Hier, nimm ihn…besser als gar keiner!"
Hermine rümpfte die Nase, als sie nach dem fettverschmierten Stab griff und ihn zunächst an ihrem Shirt versuchte, grob zu reinigen. „Was heißt das: du hast ‚eine neue Wahrheit geschaffen'?", fragte Hermine leicht irritiert und machte sich daran, hinter Snape die Stufen hinaufzusteigen.
„Ich habe gelogen! So wie fast mein komplettes Leben lang…Damit sie nicht auf die Idee kommen, dich zu foltern, um mir die Auskünfte abzuringen, die sie so gern hätten, musste ich so tun, als wärest du mir mehr oder weniger gleichgültig…" Severus ließ bei jedem Schritt ein bis zwei Stufen aus und Hermine sah nur seinen bauschenden Umhang vor sich. „Ich verstehe…", antwortete sie leise und so unwirklich schien ihr, dass sie erst letzte Nacht erfahren hatte, wie viel sie ihm wirklich bedeuten musste.
Snape folgte dem Weg, den er zuvor in der Erinnerung des Dicken gesehen hatte und tatsächlich kamen sie schließlich an eine hell erleuchtete, jedoch beinahe menschenleere Küche. An die Arbeitsplatte gelehnt stand eine einzige recht junge Hexe und sah trübselig in das halbvolle Glas in ihrer Hand. Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes lag Hermines Hab und Gut verstreut. Snape fackelte nicht lange und die junge Frau rutschte ohne aufgeblickt zu haben an den Küchenunterschränken hinab und blieb besinnungslos liegen. Hermine stopfte so schnell sie konnte möglichst viele ihrer persönlichen Gegenstände zurück in die Tasche, dann schrumpfte sie sie auf die Größe einer Erbse und stopfte sie in ihren linken Schuh. Ihr Zauberstab blieb wie Snapes Sachen jedoch noch verschwunden.
Da ertönte ein markerschütternder Schrei und plötzlich flogen etliche Türen draußen im Gang auf. Von überall kamen Hexen und Zauberer gestürmt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Als sie Snape und Hermine in der Küche entdeckten, begann ein wahrer Fluchregen über sie hereinzubrechen. Immerhin hatten Snape und Hermine hier von drei Seiten her feste Mauer um sich, sodass ihnen die Verteidigung noch ganz gut glückte, die Frage war nur wie lange sie das aushalten konnten.
„Tut ihnen nichts an! – Noch nicht!", Mortifas Reibeisenstimme durchdrang den Kampflärm mühelos und schließlich wurden die Zauberstäbe außerhalb der Küche langsam sinken gelassen, während Mortifa durch ihre Anhänger hindurch nach vorne kam.
Ihr Gesicht hatte seine ganze Noblesse eingebüßt und dunkelviolettes Make-up rann ihr die Wangen hinunter. Ihren Zauberstab trug sie auf Augenhöhe vor sich ausgestreckt. Snape wusste, dass sie unmöglich seinetwegen so außer sich gewesen sein konnte, dennoch bemühte er sich, möglichst viel Gleichmut in seine Stimme zu legen, als er sie ansprach: „Ah…Mortifa…Leider stehen du und deine Leute mir schon wieder im Weg! Ich weiß, dass Disapparieren hier drin unmöglich ist…wenn du also so gut wärest und deine Wachhunde abrufst…?"
„Oh…nein-nein-nein, Severus!", antworte sie langsam. „Du hast meinen einzigen Sohn umgebracht! Meine Tochter und ihr Verlobter verbluten!", Mortifa klang zwar kühl, doch die Tränenspuren und ihr Schrei vorhin machten deutlich, wie schmerzerfüllt sie war. Ihre Anhänger stöhnten entsetzt auf und flüsterten aufgebracht miteinander. Hermine schlug fassungslos die Hände vor den Mund und wurde ganz bleich. Einzig Snape schien ungerührt: er starrte geradeaus in den mit Menschen gefüllten Flur, sein Mund ein farbloser schmaler Strich. Er hatte niemanden töten wollen – zu keiner Zeit.
„Du wirst nirgendwo hingehen, Severus Snape! Du wirst mir sagen, was du mit ihnen gemacht hast und wie es zu stoppen geht! – JETZT!", Mortifa kam entschlossen wie eine Furie auf Snape zu.
„Keiner meiner Flüche war tödlich, Mortifa! Hast du keinen fähigen Heiler unter deinen Anhängern?!"
Mortifas eiskalte langgliedrige Hand schnellte hervor und legte sich um Snapes Kehle. „Hör auf mit deinen Spielchen, Snape! Du hast irgendeinen illegalen Fluch verwendet. Keiner meiner Leute, kennt den Gegenfluch…sie hören einfach nicht zu bluten auf! Mein Sohn Tomas war Bluter! Und du hast ihn auf dem Gewissen!", ihre Augen funkelten bedrohlich und feucht. Überraschend ließ sie von Snape ab und wandte sich Hermine zu: „Du! Um dein Blut wäre es nicht schade gewesen!"- Severus trat wie ein schwarzer Wall vor Hermine. „Rührt ihr sie auch nur an, schwöre ich, dann kannst du zusehen, wie dein kostbares Blut aus deiner Tochter rinnt! Ich kann sie retten…wie ich auch deinen Sohn hätte retten können. Ich hatte nie die Absicht jemanden zu töten! Was hätte ihr Tod auch für einen Sinn für mich? Miss Granger aber ist meine Lebensversicherung, wenn ich zurück nach Englang will und die werde ich mir bestimmt nicht nehmen lassen!"
„Was für eine Mutter sind Sie, dass Sie Ihre eigenen Kinder in den Kampf schicken?!", rief Hermine wenig hilfreich hinter Snapes Rücken hervor. „Noch dazu, wenn sie krank sind! Sie haben den Tod Ihres Sohnes selbst zu verantworten!"
„Ruhe, Granger!", blaffte Snape und Hermine verstummte augenblicklich, während Mortifas Züge von Qual und Wut zeugten. Severus konnte nur ahnen, wozu eine ohnehin schon labile Mutter im Stande war, deren Kinder im Sterben lagen. „Folgendes Angebot kann ich dir machen, Mortifa: du und deine Bande von Nichtskönnern könnt mir gern weiter Steine in den Weg nach draußen legen. Ich werde einen nach dem anderen beseitigen und in der Zwischenzeit verbluten deine Tochter und ihr Zukünftiger sinnlos und allein. Du wirst mich nicht aufhalten können, das haben wir schon gesehen…Oder du gibst mir meine Sachen zurück, ihr bringt die Verwundeten nach draußen, von wo wir problemlos disapparieren können, dort werde ich sie zusammenflicken und dann mit Miss Granger bei freiem Geleit verschwinden. Von dir werden wir nie wieder behelligt und die beiden werden keine bleibenden Schäden zurückbehalten. Du kannst wählen Mortifa…aber wähle klug. Teil deiner Überlegungen sollte auch sein, dass hier hinten ein Mädchen bewusstlos am Boden liegt, das eine frappierende Ähnlichkeit mit dir hat. Sie würde mir im Falle deiner Fehlentscheidung Gesellschaft leisten müssen.", Snape ging einen halben Schritt zur Seite, sodass Mortifa ihre augenscheinlich jüngste Tochter hinter dem Küchentisch liegen sehen konnte. „Sara!", kreischte sie, doch Snape baute sich sogleich wieder vor ihr auf und seine schwarzen, emotionslosen Augen banden Mortifas Blick an sich. „Du solltest vielleicht etwas schneller nachdenken, Mortifa. Auch Magier verfügen nur über fünf-sechs Liter Blut…"
Hermine fragte sich, wie Mortifa überhaupt noch nachdenken konnte! Ihr Sohn war bereits tot. Eine Tochter befand sich in Snapes Gewalt und eine andere lag im Sterben. Schließlich tat Mortifa auch das einzige, was sie in ihrer Lage tun konnte: sie ließ Zauberstab und Kopf sinken. Dann wandte sie sich an ihre Gefolgschaft: „Ihr habt es gehört…Marshall, Western, Bricks und Tony: Bringt Ana und Jonas nach oben – vorsichtig- aber schnell. Hannah, hol die Sachen der beiden…", ihr Kopf ruckte kurz andeutend zu Snape und Hermine. Fünf Leute aus ihrem Gefolge machten sich an ihre Aufgaben.
Snape drehte sich halb zu der immer noch bewusstlosen Sara um und brachte ihren Körper in Schwebeposition. Er wandte sich zu Hermine und sprach leise zu ihr: „Pass gut auf sie auf…Sie ist unser Ticket nach draußen…Ich will nicht, dass ihr was zustößt…", und damit überließ er es ihr, die Hexe, die höchstens Hermines Alter hatte, in der Schwebe zu halten und dafür zu sorgen, dass sie nirgends anstieß.
„Ihr anderen verschwindet! Geht mir aus den Augen!", Mortifa stakste auf ihren hohen Schuhen vor Snape her, dem die schwebende Sara folgte und zum Schluss Hermine. Nach kurzer Zeit kam ihnen die braunhaarige kleine Hexe namens Hannah entgegen. Sie trug zwei Zauberstäbe in der einen und Snapes Tasche in der anderen Hand. Severus rief die Dinge zu sich und stellte zufrieden fest, dass sein Versiegelungszauber noch aktiv, seine Tasche also nicht durchwühlt worden war. Er reichte Hermines Zauberstab nach hinten und steckte Leslies in eine Tasche an seinem Unhang.
Nur sein eigener pechschwarzer Zauberstab vermochte ihm das Gefühl von Vollständigkeit zu geben, das er bevor er nach Hogwarts gekommen war, vermisst hatte. Er hatte seine Fähigkeiten zwar bereits im Kindesalter entdeckt und ausgebaut - für einige Zauber brauchte er auch heute keinen Stab - doch erst sein Zauberstab hatte ihm sein ganzes Potenzial vor Augen geführt. Mit ihm hatte er Zauber gefunden, die ganze Bücher gefüllt hätten. Nicht alle waren wirklich sinnvoll gewesen und viele waren schlichtweg gefährlich. So wie Sectumsempra. Doch irgendwie war dieser Zauber zu seiner Signatur geworden. Das würde endlich aufhören müssen. Er konnte sich nicht von seinem finsteren Image befreien, wenn er zeitgleich herumlief und Leute aufschlitzte.
Es war finstere Nacht, als sie endlich an die frische Luft kamen. Die beiden Opfer lagen auf Feldbetten und um sie her standen die vier Leute, die sie hier hergebracht hatten und beleuchteten mit ihren Zauberstäben die Szenerie. Snape hockte sich neben das Bett mit der jungen Frau. Gesicht und Haar waren blutverschmiert, denn aus einem sauberen Schnitt über ihre ganze Stirn rann beharrlich Blut. Ein weiterer Schnitt begann unterhalb ihrer linken Brust, verlief diagonal und endete auf Bauchnabelhöhe. Sie hatten ihr das Oberteil ausgezogen und Snape hatte freie Sicht auf das, was er im Affekt angerichtet hatte.
Der eisenartige Geruch war ihm schrecklich vertraut, was es nicht gerade besser machte. Er fühlte eine Flut von unterdrückten Gefühlen in sich aufsteigen und zwang sich zur Beherrschung. Konzentriert bewegte er seinen Zauberstab und begann die Heilbeschwörung aufzusagen.
Für Hermine klang er wie ein Mönch, der ein immer gleiches Gebet aufsagte. Sie war fasziniert von der Melodie seiner Worte und zugleich zutiefst geschockt, über das Ausmaß seines Zaubers. Wie viel Blut die Zwei auf den Feldbetten bereits verloren hatten, war kaum einzuschätzen, doch selbst im spärlichen Licht der Zauberstäbe wirkte ihre Haut unnatürlich hell.
Mortifa hatte sich neben ihre Tochter drapiert. Sie wirkte vollkommen fehl am Platz in ihrer knappen Kleidung, doch ihre Wangen glänzten tränenfeucht und mit ihrer dürren Hand hielt sie Anas. Langsam begann der Blutstrom zu versiegen und die Wundränder zogen sich zusammen. Wie von einem Reißverschluss schlossen sich die Wunden und zurück blieb eine feine weiße Narbe umgeben vom noch nicht getrockneten Blut. Mortifa schluchzte erleichtert auf und Severus ging zum zweiten Feldbett.
Jonas war trotz seiner blutüberströmten Erscheinung deutlich als sehr attraktiv erkennbar. Er hatte das richtige Maß an Muskeln, um stark aber nicht wie ein Bodybuilder zu wirken. Sein entblößter Oberkörper offenbarte breite Schultern und schmale Hüften. Oberhalb seines linken Knies hatte eine tiefe Wunde sein Hosenbein mit Blut getränkt, ein nahezu senkrechter Schnitt seine Brust geteilt und ein weiterer seine rechte Wange aufgerissen. Blut verklebte den ansonsten gepflegten Vollbart des jungen Mannes. Severus konnte nur hoffen, dass es für seinen Gegenfluch noch nicht zu spät war und tatsächlich keine bleibenden Schäden zurück bleiben würden.
Außer Snapes tiefem Singsang waren nur Mortifas geflüsterte Worte der Beruhigung an ihre Tochter zu hören. Hermine bemerkte, dass vorsichtig und leise immer mehr von ihren Anhängern nach draußen kamen, um zu sehen, ob es Rettung gab für ihre beiden Freunde. Ja, es war offensichtlich, dass ihre Gedanken ganz dem verlorenen Tomas und den beiden Schwerverletzten galten. Vielleicht war ihnen erst heute richtig bewusst geworden, was es hieß auf der Dunklen Seite zu stehen.
Hermine wusste, dass Australien über keine wirklich mächtigen Schwarzmagier verfügt hatte, das war einer der Gründe gewesen, ihre Eltern hierher zu schicken. Sie alle waren wohl einfach einer fixen Idee von Macht und Ansehen erlegen oder den zweifellosen Reizen Mortifas, der man ihre drei Schwangerschaften nicht im Geringsten ansah.
Severus hatte seinen Zauber beendet und wühlte in seiner Tasche. „Gebt ihnen reichlich zu trinken und aller acht Stunden diesen Stärkungstrank.", sprach er sachlich und reichte Mortifa eine hellrote Flasche. Sie nahm sie zwar an sich, verengte jedoch misstrauisch die Augen.
„Wenn du mir nicht traust, gib sie wieder her! Dann braut euch selbst was zusammen. Vielleicht seid ihr darin ja besser, als in der Schwarzen Magie.", auffordernd streckte er die Hand aus, doch Mortifa umklammerte die Flasche. „Wir werden es mit deinem Trank versuchen…angeblich bist du der beste Zaubertrankmeister Englands…"
Snape hob abschätzig eine Augenbraue, dann wandte er sich von ihr ab und kam zu Hermine. Betont höflich bot er ihr die Hand: „Miss Granger, ich denke, es ist an der Zeit für uns zu gehen." Hermine griff nach seiner Hand und versuchte, ein neutrales Gesicht zu machen.
„Lebe wohl, Mortifa! Und…an deiner Stelle würde ich mir ein anderes Hobby suchen!", kühl hallte seine Stimme durch die Nacht und eine Sekunde später waren er und Hermine mit einem „Plopp" in die Dunkelheit eingetaucht.
