Wir fuhren schweigsam zu unserem Haus. Edward hatte das Haus vor 9 Jahren gekauft. Er hatte gehofft, dass er und Bella zusammen zum College gehen würden. Dann kam ich und alle Pläne wurden verworfen.
Das Haus war riesig und hatte genügend Platz für unsere gesamte Familie. Es war ähnlich wie in Forks hinter einer langen kurvigen Auffahrt im Wald versteckt.
Jacob parkte vor dem Haus, stieg aus und ließ mich schon mal vorgehen. Er blieb immer zwischen mir und Adam. Als ich zu Tür kam wurde uns die Tür schon von Edward geöffnet. Er nahm mich in die Arme.
Es ist alles in Ordnung Dad, mach dir bitte keine Sorgen.
Ich sah in seinen Augen dass meine Bitte ihn nicht davon abhielt sich trotz allem Sorgen zu machen. Als ich ins Wohnzimmer kam, sah ich sie dort alle stehen. Carlisle und Esme, Jasper und Alice, Emmett und Rosalie und auch Bella. Alle standen reglos da, mit lächelnden Gesichtern, ihre Sorge war zwar gut versteckt aber doch spürbar. Bella kam gleich auf mich zu und nahm mich in den Arm.
„Mom, es ist alles in Ordnung", versicherte ich ihr. Ich klang leicht genervt. Diese Familie neigte, was mich anging, schnell zur Überreaktion.
Edward kam hinter Adam in den Raum. Er stellte sich schützend zwischen Adam und unsere Familie. Dann schaute mich fragend an. „Du bringst einen Werwolf hier her?"
Der Rest der Familie schaute zu Jacob, mit Verwirrung in den Gesichtern. Jacob rollte mit den Augen und blickte dann zu mir. Ganz offensichtlich sollte ich die Vorstellungsrunde übernehmen. Immerhin hatte ich ja auch beschlossen Adam mit hier her zu nehmen.
„Ich möchte euch Adam vorstellen. Ich habe ihn heute kennen gelernt. Er ist der Werwolf oder besser ein Kind des Mondes." Kaum hatte ich das ausgesprochen, sah ich schon wie sich Jasper und Emmett auf Adam stürzten. Ich versuchte noch mich vor Adam zu stellen aber Jacob hielt mich zurück.
„Er hat versprochen niemandem etwas zu tun, lasst ihn!" rief ich voller Entsetzen. Aber Jasper und Emmett griffen ins Leere. Adam war in Richtung Tür ausgewichen. Er war tatsächlich so schnell wie ein Vampir, stellte ich voller Erstaunen fest. Er stand halb im Flur die Hände wieder beschwichtigend gehoben.
„Jasper! Emmett!" Carlisles ruhige Stimme hallte durch den Raum. Das reichte aus und sie gingen wieder zurück. „Nessy, warum erzählst du uns nicht warum du Adam her gebracht hast."
„Umm... also soweit wie ich das verstanden habe bittet er uns um Hilfe, denn er will die Volturi vernichten."
Alle Augen flogen zu Adam der noch immer halb im Flur stand, die Hände in halber Höhe und nun aber interessiert die Gesichter meiner Familie las. Ich hörte sein Herz rasen. Er musste Angst haben. Es klang so lächerlich. Wie will er die Volturi vernichten? Er sah so zerbrechlich so menschlich aus. Ich schaffte es einfach nicht mir vorzustellen wie er es mit einem Haufen Vampire aufnehmen konnte.
Jasper meldete sich „Du brauchst keine Angst haben wir werden dir nichts tun." Und ich spürte wie eine Welle der Ruhe über uns alle ausbreitete.
Wieder sprach Carlisle „Adam, es tut mir Leid aber wir werden nicht gegen die Volturi kämpfen. Das wollten wir nie."
Adam beruhigte sich tatsächlich etwas und kam einen Schritt ins Wohnzimmer zurück.
„Bitte lass mich erst ausreden, dann könnt ihr eure Entscheidung treffen." Dann begann er mit seiner tiefen melodischen Stimme leise zu erzählen: „Vor 5 Jahren hörte ich das erste Mal von euch. Von einem Vampirzirkel so stark, dass er die Volturi zurückschlagen konnte. Und so anders, dass er in Frieden mit den Menschen lebt. Sogar so anders, dass ein Vampir einen Menschen liebte und ein Kind zeugte." Er sah, mit unverhohlener Verwunderung im Blick, zu Edward „Es hörte sich für mich wie ein Märchen an."
„Wer? Von wem hast du die Geschichte erfahren?" Bella schaute skeptisch
Adam blickte etwas schuldbewusst zu Boden.
Ich hörte wie Edward einen überraschten Laut ausstieß, seine Augen waren vor Erstaunen weit aufgerissen. „Er hat einen der Zeugen vernichtet der damals den Volturi gefolgt war."
„Wie kannst du Vampire vernichten? Bitte versteh mich nicht falsch aber du schaust so zerbrechlich aus?" Ich konnte die Frage nicht länger zurück halten. Aber ich war mir mit einem Mal nicht mehr sicher ob ich es wirklich wissen wollte.
Adam lächelte leicht, doch bevor er etwas erwidern konnte, hörte ich Edward ungläubig fragen „Du lässt dich beißen? Wie? Warum?" Edward war fassungslos und starrte Adam einfach nur an.
„Unglaublich!" Stieß Edward aus bevor Adam auch nur ein Wort sagte.
„Adam, warum erzählst du uns nicht etwas mehr über dich und lässt uns alle teilhaben." nun war es Carlisle der Adam wieder gut zu sprach.
„Also gut! Ich werde euch am besten meine Geschichte erzählen, von Anfang an." Adam schaute sich vorsichtig um und setzte sich in einen Sessel. Dann blickte er aus dem Fenster aber er schaute nicht auf die dunklen Formen die sich draußen abzeichneten. Sein Blick war weit in seine eigene Vergangenheit gerichtet. „Ich wurde in einem Dorf an der Südküste Englands geboren. Damals hatte jedes Dorf einen spirituellen Führer, heutzutage würde man sie Druiden nennen. Sie hatten ein großes Wissen über Pflanzen, Riten und spirituelle Zeremonien. Nach meiner Geburt wurde ich zu unserem Druiden gebracht, er muss etwas Besonderes in mir entdeckt haben. Er nahm mich zu sich und zog mich auf. Er lehrte mich das Wissen über die Pflanzen und Riten. Aber jeden Vollmond ließ er mich allein. Als ich ausgewachsen war, verkündete mein Mentor dass es nun Zeit für meine Initiation war. Ich sollte auch dem Druidenzirkel beitreten. Wir reisten zum Versammlungsort der Druiden. Der riesige kreisrunde Wall war gerade erst angelegt worden. Die Steine kamen erst später hin. Heute wird es Stonehenge genannt. Damals war es der heilige Versammlungsort der Druiden."
„Dann bist du etwa 5000 Jahre alt?" Unterbrach Carlisle ihn, seine Stimme war voller Staunen.
Adam nickte. :"Ja, so in etwa…." er zuckte mit den Schultern „Ich weiß noch, dass ich mich darüber wunderte, dass meine Initiation zum Vollmond stattfinden solle. Als die Sonne unterging verließ mich mein Mentor wieder. Ich sollte, wenn der Mond aufgegangen war, zum Versammlungsort kommen. Bisher war ich nur ein paar mal zur Tag-Nacht-Gleiche-Zeremonie da gewesen. Als ich ankam erschrak ich, weil ich nicht von meinem Mentor und den anderen Druiden empfangen wurde, sondern von einem Rudel Wölfe. Es waren so viele. Alle waren silbern und schimmerten leuchtend im Mondschein. Ich war starr vor Angst. Ich konnte nicht weglaufen, da sich meine Beine wie Blei anfühlten. Ein Wolf kam auf mich zu und ich kann nicht sagen warum, aber als er mir in die Augen schaute wusste ich, dass es mein Mentor war. Er war es auch der mich biss. Ich bekam abwechselnd Fieberkrämpfe und Schüttelfrost. Es war fast schon Morgen als auch ich mich das erste Mal in einen Wolf verwandelte. Sobald die Sonne aufging verwandelten wir uns alle wieder zurück und da erzählten mir mein Mentor und die anderen Druiden des Zirkels das erste Mal von den Dämonen. Die Dämonen waren hart wie Stein und ernährten sich von dem Blut der Menschen. Wir waren die Beschützer und unsere Aufgabe war es diese Dämonen aufzuhalten. Allerdings waren die Dämonen sehr stark und sehr schnell. Aber auch wir waren sehr schnell und sehr stark. Unsere wichtigsten Aufgabe war es jedoch uns anstelle eines Menschen dem Dämon dazu bieten, denn in unserem Blut ist Magie. Diese Magie konnte die Dämonen besiegen und sie in ihre Menschliche Form zurück verwandeln."
Ich war ganz und gar in Adams Geschichte versunken gewesen, doch bei den letzten Worten merkte ich deutlich wie sich die Stimmung im Raum schlagartig änderte. 8 Vampire verwandelten sich in Statuen, vor Schock eingefroren. Keiner rührte sich. Was hatte er da erzählt? Es gab für meine Familie einen Weg wieder Mensch zu werden? Das war etwas gewesen was sich alle so oft und so sehnlichst gewünscht hatten.
Dann ging alles blitzschnell. Rosalie sprang auf Adam zu, sie hatte die Zähne gefletscht aber Edward warf sich ihr entgegen „Nein Rose!"
Doch Adam war schon wieder in den Flur geflüchtet „Bitte hört mich erst an, dann tue ich für euch alles was in meiner Macht steht."
Langsam beruhigt sich Rosalie in Edwards eisernem Griff. Carlisle nahm sie bei den Schultern und schaute ihr bedeutungsvoll in die Augen „Wir haben versprochen, dass Adam nichts von uns zu befürchten hat. Bitte Rose!"
Danach wandte er sich wieder Adam zu. „Bitte erzähle weiter Adam."
„Jahrhunderte lang war England so gut wie frei von den bluttrinkenden Dämonen. Dann hörten wir Geschichten aus fernen Ländern von Pharaonen die sich wie Götter huldigen ließen. Wir vermuteten, dass dies auch die Dämonen waren. Wir sandten Mitglieder unseres Zirkels aus, doch wir hörten nie wieder etwas von ihnen. Dann hörten wir von der Zerstörung von einer ganzen Dämonengruppe in Rumänien durch eine andere Gruppe. Zuerst waren wir froh, dass die Dämonen sich nun gegenseitig bekämpften. Doch dann hörten die Kämpfe auf und die Gruppe der Dämonen in Italien wurde immer größer. Letztendlich beschlossen wir wieder eine Gruppe unseres Zirkels zu entsenden damit sich jemand den Dämonen entgegenstellt. Ich schloss mich dieser Gruppe an, wir waren zu zehnt. Wir brauchten mehrere Jahre für die Reise und für das Aufspüren der Dämonen. Dann eines Tages trafen wir endlich eine kleine Gruppe von Ihnen. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, dass der blonde der Gruppe zu den Anführern gehörte. Erst später lernte ich, dass sein Name Caius war. Wir konnten sie mühelos zerstören."
„Moment! Caius ist nicht vernichtet. Er ist noch immer einer der drei Anführer der Volturi." Es schwang etwas Misstrauen in Bellas Stimme mit.
Adam schaute sie mit ernstem Gesicht an „Als ich damals Caius traf war er auf der Jagd. Mein Blut paralysierte ihn und er schlief ein. Nachdem er wieder aufgewacht war und feststellte dass er wieder ein Mensch war. Er war außer sich vor Wut. Ich habe bisher keinen Vampir getroffen der darüber besonders glücklich war... „ und hier huschte sein Blick kurz verwundert zu Rosalie "Jedenfalls muss Caius zurück zu Aro und Marcus gegangen sein und wurde erneut in einen Vampir verwandelt. Er hat mir wohl nie verziehen, dass er zwei Mal brennen musste. Deshalb hasst er uns Werwölfe so und hat uns bis zur Ausrottung gejagt. Seit Caius begonnen hatte Jagd auf Werwölfe zu machen, bin ich ständig auf der Flucht. Ich bin überzeugt dass ich der letzte noch lebende Werwolf bin, denn ich konnte kein Mitglied unseres Zirkels mehr finden." Seine Stimme war zum Schluss so angefüllt mit Trauer dass es mir körperlich Schmerzen bereitete. Aber er redete weiter „Jede meiner Kreationen ob nun die zurückverwandelten Menschen oder neue Werwölfe. Sie alle wurden von den Volturi aufgespürt und getötet." Der letzte Satz war nur noch ein flüstern.
Adam wand sich Rosalie zu „Selbst wenn ich dich jetzt in einen Menschen zurück verwandle, würdest du kein langes erfülltes Leben führen. Die Volturi würden dich jagen und töten."
Adam wand sich an Carlisle „Ich möchte euch bitten noch einmal darüber nachzudenken. Helft mir die Volturi zu vernichten und ich werde euch helfen, soweit wie ich es vermag."
Carlisle schaute Adam nachdenklich an „Wir haben vor 8 Jahren die Volturi nur zurück schlagen können, weil wir Freunde hatten. Es war schon schwierig sie zu überreden als Zeugen zu agieren. Ich bezweifle dass sie uns bei einem direkten Angriff auf die Volturi unterstützen würden. Ganz besonders wo verbünden mit Werwölfen einem Todesurteil gleich kommt. Du überschätzt unsere Macht. Wir können dir nicht helfen."
Adam schaute prüfend in die Gesichter meiner Familie. Dann begann er leidenschaftlich und voller Inbrunst auf uns einzureden. „Wir greifen sie nicht frontal an! Ihr bringt mich zu Caius, Aro und Marcus als euer Gefangener, als Geschenk sozusagen. Sobald wir bei ihnen sind, werde ich sie dazu bringen mein Blut zu trinken. Ich bin überzeugt, dass sobald sie vernichtet sind, die Wache sich auflösen wird und in alle Himmelsrichtungen flieht. Denn dann gibt es nichts mehr was sie aneinander bindet."
„Das ist zu riskant." Edward schüttelte den Kopf „Wir können nicht wissen ob die Rückverwandlung ausreicht um das Band zu zerstören welches Chelsea geknüpft hat um die Loyalität der Wache zu sichern. Und wie willst du es schaffen, dass sie dein Blut trinken? Caius weiß was das bedeutet und wird es nicht freiwillig tun."
Adams Augen glitzerten „Nicht nur ihr habt besondere Fähigkeiten. Meine besondere Fähigkeit ist es meinen Geruch für Vampire besonders... schmackhaft werden zu lassen oder so zu verändern, dass er gar nicht mehr wahrgenommen wird. Wenn ich es möchte kann mir kein Vampir widerstehen!"
Bella schaute ihn mit großen Augen an „Deshalb konntest du ihnen entwischen. Sie konnten deinem Geruch nicht mehr folgen und so konntest du fliehen."
Adam nickte anerkennend dann verdüsterte sich sein Gesicht „Die anderen Werwölfe konnten es leider nicht..."
Lange sagte niemand etwas.
Ich grübelte was passieren wird wenn der Plan funktionieren sollte. Rose würde auf jeden Fall ein Mensch werden wollen und Emmett würde bei ihr bleiben wollen. Er würde ihr überall hin folgen. Edward würde es ebenfalls wollen. Bei Bella wäre ich mir nicht sicher. Sie würde es nicht von sich aus wollen dafür ist sie viel zu gern ein Vampir aber für Edward würde sie alles tun. Da war ich mir sicher. Esme würde ihre halbe Familie verlieren aber sie könnte mit Carlisle eine neue gründen. Und Carlisle würde alles für sie tun. Bei Alice war ich mir auch nicht sicher. Sie hatte keine Erinnerung an ihr menschliches Leben aber würde sie mit Jasper allein bleiben? Und wenn keine Vampire mehr in der Nähe wären, dann würde Jacob sich nicht mehr in einen Wolf verwandeln und altern. Dann wäre ich irgendwann ganz allein...
Mein Magen verwandelte sich in einen Stein.
„Adam was denkst du passiert wenn ich dein Blut trinke?" ich starrte auf den Boden. Ich konnte ihm nicht in die Augen schauen und meine Stimme war nur ein Flüstern.
Er seufzte „Ich weiß es nicht. So jemanden wie dich habe ich noch nie getroffen. Menschen trinken mein Blut nicht und nur mein Biss bei Vollmond verwandelt Menschen in Werwölfe. Möglicherweise neutralisiert mein Blut deine vampirische Seite und du wirst einfach auch nur ein Mensch."
Jacob knurrte „Oder es passiert irgendetwas was keiner ahnen konnte und sie wird verletzt oder schlimmer getötet. Kommt gar nicht in Frage!"
Adams melodische Stimme war leise und ernst „Die Frage ist momentan nicht von Belang. So lange die Volturi existieren wird jeder den ich zurückverwandle von ihnen aufgespürt und getötet."
Nun trat Rosalie in die Mitte des Raumes „Dann werden wir dir helfen!" Sie schaute fragend zu Carlisle und Esme. An ihren Gesichtern konnte ich sehen dass ihre Gedankengänge den meinen sehr ähnlich gewesen sein müssen. Langsam nickte Carlisle, ein gequälter Ausdruck lag auf seinem Gesicht. „Dann bleibt uns wohl keine Wahl."
Ich spürte wie mir kalt wurde und ich begann zu zittern. Jacob schlang seine Arme um mich aber auch seine Wärme schaffte es nicht das Eis aus meinen Adern zu vertreiben. Das war das Ende meiner Familie. Selbst wenn der wahnwitzige Plan aufgehen sollte, würden wir nie wieder so als Familie zusammen sein.
Ich spürte noch wie Jasper seine Hand auf meine Schulter legte und mir ein „Es wird alles gut werden. Mach dir keine Sorgen." zu raunte. Dann umfing mich eine Woge der Ruhe. Der Tag war lang und ereignisreich gewesen. Und ich war so erschöpft dass ich augenblicklich einschlief.
