Als wir landeten standen am Flughafen schon die bestellten Mietwagen bereit. Es waren 4 schnittige Sportwagen alle in schwarz mit sehr dunkel getönten Scheiben.

Alle stiegen ein und brausten los in Richtung Volterra. Es war dunkel draußen, später Abend und die Landschaft sauste als dunkle Schatten an uns vorbei.

Ich saß mit Edward, Bella und Jacob in einem Wagen. Niemand sagte etwas. Die Stille war erdrückend. Schräg von hinten konnte ich das Gesicht von Bella erkennen. Sie war tief in Gedanken versunken. Ob sie an das letzte Mal dachte, als sie nach Volterra kam? Ich hatte die Geschichte nur einmal gehört wie Bella Edward ganz knapp vor dem Tot gerettet hatte. Rosalie hatte sie mir erzählt. Sie war voller Bewunderung für Bellas Mut gewesen und voller Dankbarkeit.

Ich war noch ganz in Gedanken versunken als der Wagen mit einem mal hielt. Als wir ausstiegen atmete ich die kühle klare nächtliche Luft ein. Der Himmel über uns war wolkenlos und Milliarden kleiner Sterne funkelten über uns. Wäre ich nicht so angespannt gewesen hätte ich diese Nacht und die vielen neuen und fremden Gerüche die in der Luft schwangen genossen.

Die Gesichter meiner Familie waren ernst und entschlossen aber ganz verborgen in ihren Augen konnte ich auch Sorge erkennen.

Wir flogen durch die nächtlichen Gassen. Den wenigen Menschen die unterwegs waren konnten wir problemlos ausweichen.

Als wir zu einem reich verzierten Torbogen kamen, wurde uns schon die Tür geöffnet. Felix, Demitri, Jane und Alec empfingen uns. Ich konnte einen kurzen Moment die Überraschung in ihren Augen flackern, sehen als sie erkannten wie viele wir waren. Sie versperrten den Eingang und sahen nicht so aus als ob sie uns hinein bitten wollten.

„Carlisle, wie schön dich wieder zusehen." meinte Jane aber an ihren Gesichtern war deutlich abzulesen dass niemand das wirklich dachte. „Was hat das zu bedeuten?"

Carlisle trat vor, hinter ihm stand Adam, der zu beiden Seiten von Emmett und Jasper fest gehalten wurde. Carlisle sprach mit ruhiger Stimme. „Hallo Jane! Alec! Demitri! Felix!" er schaute jeden kurz mit der Andeutung eines Nickens an. „Bei eurem letzten Besuch war es zu gewissen Spannungen gekommen. Wir sind gekommen weil wir für Caius ein Geschenk haben um. Wir möchten damit unsere Verbundenheit ausdrücken."

„Was für ein Geschenk?" fragte Jane mit ihrer glockenhellen Stimme und ihre Augen verengten sich zu engen Schlitzen.

Carlisle deutete auf Adam „Das ist unser Geschenk."

„Einen Mensch? Was ist an ihm so besonders?" Jane hatte nun wieder ihren hochmütigen Ausdruck im Gesicht.

„Ich bin mir sicher Caius wird unser Geschenk zu würdigen wissen."

Jane zog eine Augenbraue hoch, drehte sich dann auf den Absätzen um und ging den dunklen Flur entlang „Folgt mir!" sagte sie in einem äußerst gelangweiltem Ton.

Wir wurden durch einen großen Empfangsraum geführt, stiegen in einen Aufzug und gingen dann durch dunkle Gänge. Ich konnte nichts anderes sehen als Adam wie er zwischen Jasper und Emmett ging. Er hatte den Kopf gesenkt. Er zitterte. Auch mir war aufgefallen wie kalt es hier unten war. Wir gingen langsam – in menschlicher Geschwindigkeit. Vermutlich wollten wir die Wachen im Glauben lassen, dass Adam ein Mensch war. Ob sie ihn sofort töten würden, wenn sie wüssten, dass er ein Werwolf – ein Kind des Mondes ist?

Dann kamen wir an zwei große, reich verzierte Flügeltüren die für uns geöffnet wurden. Dahinter lag ein großer, kreisrunder Raum mit Marmorboden und wunderschönem Relief an den Wänden.

Und dann sah ich sie, die drei uralten Vampire. Caius und Aro schauten uns mit prüfenden Blicken an. In Marcus Gesichtsausdruck konnte ich nur Langeweile entdecken.

Aro hatte nun eine freundlich Miene aufgesetzt und kam auf Carlisle zu, um ihm, wie es ausschaute, die Hand zu reichen.

„Carlisle mein alter Freund. Es freut mir außerordentlich dich wieder zusehen und du hast sogar die ganze Familie mitgebracht wie wunderbar!"

Doch bevor er Carlisles Hand nehmen konnte, wich Carlisle einen Schritt zur Seite.

Ich sah wie Adam zeitgleich tief einatmete und den Kopf hob.

Ein Keuchen war von Caius zu hören. Er starrte Adam mit einem ungläubigen Ausdruck an. Caius hatte ihn erkannt und wusste nun wer er war. Auch in Aros Gesicht konnte ich die Erkenntnis sehen aber er verbarg sie schnell.

Adam begann langsam aus zu atmen.

„Es tut mir Leid Aro." hörte ich Carlise murmeln, während Adams Atem über Aro, Caius und Marcus wusch.

Der Effekt war augenblicklich. Die roten Augen färbten sich tief schwarz. In ihren Gesichtern war einzig und allein unbezwingbarer Durst zu sehen. Sie stürzten sich zu dritt auf Adam der zu Boden gerissen wurde.

Ich schrie auf und wollte zu Adam aber Jacob hielt mich fest. Ich schaute mich um und sah dass meine gesamte Familie weg schaute. Keiner hatte seit der Ankunft in dem Raum auch nur einen Atemzug getan. Ich merkte, dass auch ich die Luft angehalten hatte. Aber im Gegensatz zu meiner Familie musste ich atmen ich konnte nicht ewig meine Luft anhalten. Durch meinen Schrei hatte ich keine Luft mehr in der Lunge und ich spürte wie der Drang Luft zu holen immer stärker wurde. Aber ich konnte nicht einatmen! Ich würde mich genau wie Aro, Caius und Marcus auf Adam stürzen. Ich schaute panisch zu Jacob und er verstand.

„Ich halte dich." murmelte er mir ins Ohr und ich atmete langsam ein. Der Duft war überwältigend. Es gab nichts vergleichbares. Nie zuvor habe ich ein solches Brennen in meiner Kehle verspürt und ich wimmerte. Ich sammelte alles was ich an Willenskraft aufbringen konnte und versuchte mich von Jacob fest halten zu lassen und mich nicht gegen seinen Griff zu wehren.

Ich starrte Adam ungläubig an. Er lag am Boden die drei Vampire hatten nur einen Schluck getan und waren dann reglos wie Mühlsteine umgefallen.

Alles war so unglaublich schnell passiert. Die Wachen Felix, Demitri, Alec und Jane standen wie angewurzelt da. Keiner hatte mit einer solchen Reaktion gerechnet. Dann konnte ich sehen wie auch sie Adams Duft aufnahmen. Wieder färbten sich ihre Augen tief schwarz und sie stürzten sich auf den am Boden liegenden Adam.

Und wieder fielen die Vampire nach dem ersten Schluck von ihm ganz betäubt ab.

Carlisle ging nun zu Adam und hob ihn vom Boden auf. Adam bewegte sich nicht und er hatte die Augen geschlossen.

In Carlisles Gesicht war tiefe Traurigkeit zu sehen während er langsam mit Adam in den Armen den Raum verließ. Weitere Wachen kamen uns nun entgegen. Sie schauten Carlisle verwirrt an. Jasper, Emmett, Edward und Kate stellten sich vor Carlisle auf. Mit leiser Stimme hörte ich wie Edward sagte: „Flieht! Eure Meister sind zerstört. Für euch gibt es hier nichts mehr, nur den Tod."

Ich sah das Zögern. Sie mussten spüren, dass sie nichts mehr an diesem Ort hielt. Die Bande zu ihren Meistern waren durchtrennt. Dann drehten sie sich um und rannten davon.

Wir begegneten niemandem mehr bis wir zum Empfangsraum kamen. Die Frau die uns bei unserer Ankunft noch begrüßt hatte, lag nun erschlagen am Boden. Carlisle übergab Adam an Esme und beugte sich über die Frau. Aber er konnte nur traurig den Kopf schütteln.

Kurz darauf waren wir draußen. Nun konnte ich wieder atmen und ich hörte wie auch die anderen nun vorsichtig Luft holten. Adam lag noch immer bewusstlos in Esmes Armen. Nur die schwache Bewegung seines Brustkorbs und sein unregelmäßiger angestrengter Herzschlag zeigten, dass noch Leben in ihm war.

„Carlisle, was ist mit ihm, wird er sterben?" flüsterte ich und ein kaltes Grauen erfasste mein Herz und schien es zu zerdrücken.

Carlisle ging zu Adam. Er nahm ihn sanft aus Esmes Armen in seine eigenen. „Es ist das Vampirgift. Ich glaube nicht, dass er sterben wird, momentan sieht er stabil aus. Faszinierend dass es ihn tatsächlich nicht brennen lässt." Carlisle sah nun sehr nachdenklich aus so wie er ausschaut wenn er ein seltenes medizinisches Problem analysiert.

Ein Klos war in meinem Hals und ich musste mich mehrmals räuspern um wieder sprechen zu können. „Was können wir tun?"

„Adam hat erzählt, dass bei ihm durch Mondlicht die Heilung beschleunigt wird. Besonders stark ist die Wirkung bei Vollmond. Wir können nur warten und ihn sich ausruhen lassen." erzählte Carlisle leise während er wir durch die schlafende Stadt zu unseren Wagen rannten.

Ich blickte hinauf zum Himmel. Der Mond war noch nicht aufgegangen. Ich hatte keine Ahnung was für eine Mondphase wir hatten.

Carlisle folgte meinem Blick und konnte ohne Mühe die Frage in meinem Kopf erraten.

„Morgen Nacht ist Vollmond.

„Deshalb musste alles so schnell gehen!" rief ich.

Carlisle nickte nur.

Die ganze Autofahrt und den gesamten Flug war ich in Gedanken versunken. Auch den anderen ging es ebenso. Was nun wohl geschehen wird, wenn die Vampirzirkel mitbekommen, dass es die Volturi nicht mehr gab? Ob im Süden die Kriege mit den Neugeborenenarmeen wieder aufflammen werden? Werden wieder unsterbliche Kinder erschaffen werden? Nun gab es niemanden mehr vor dem man Rechenschaft ablegen musste. Oder würde sich einfach ein anderer mächtiger Zirkel aufschwingen und die leere Stelle welche die Volturi hinterlassen hatten füllen?