Als wir wieder Daheim ankamen, war Adam noch immer bewusstlos. Es hatte sich kaum etwas an seinem Zustand geändert. Wie hatten wir das nur zulassen können. Wenn er sich nun nicht wieder erholte? Dann war alles umsonst. Würde Rosalie sich auch noch auf ihn stürzen, wenn ab zu sehen war, dass er sterben würde? Würde meine Familie ihn letztendlich töten um sich von ihrer verdammten Existenz zu erlösen?

Ich saß am Bett auf dem Adam lag und hielt seine kühle Hand. Fühlte er sich heute noch kälter an?

Ich lauschte seinem Atem. Sein Brustkorb hob sich kaum aber seine Atemzüge waren gleichmäßig. Auch sein Herzschlag war gleichmäßig wenn auch sehr langsam. Es hörte sich an als müsse sein Herz erst überlegen wie es das mit dem Schlagen anstellen soll.

Den ganzen Tag hatte die Sonne geschienen. Nun war die Sonne unter gegangen und die letzten roten Streifen am Himmel verschwanden im Dunkel. Ich konnte meine Familie im Haus hören. Sie diskutierten darüber wer zuerst von Adam zurück verwandelt werden sollte. Welche Vorkehrungen zu treffen sind. Ob es nicht doch besser wäre abzuwarten um zu sehen welche Auswirkungen die Zerstörung der Volturi hatte.

Nach einer ganzen Weile trat Carlisle leise ins Zimmer. „Es ist Zeit." sagte er einfach nur und nahm Adam wieder in seine Arme.

Wir liefen alle gemeinsam in den Wald. Wir hatten gerade eine Waldlichtung erreicht als der Mond aufging. Carlisle legte Adam vorsichtig auf den weichen Waldboden. Als das Mondlicht auf Adams Körper traf begann sein Körper silbern zu schimmern. Seine Konturen wurden unscharf und einen Augenblick später lag an der Stelle wo eben noch Adam gelegen hatte ein silberheller Wolf.

Der Wolf stand mit einem Satz auf. Er war nicht so groß wie Jacob in Wolfsgestalt. Er hatte die Größe eines normalen Wolfes. Sein silbernes Fell leuchtete wo das Mondlicht drauf traf. Und seine Augen hatten die gleiche eisblaue Farbe mit den weißen bleichen Fäden die nun im Mondlicht silbern leuchteten. Er war so schön, dass es mir den Atem raubte. Er schaute uns einen Moment lang an, dann drehte er sich in einer flüssigen, eleganten Bewegung weg von uns zum Wald. Mit wenigen geschmeidigen Sätzen war er schnell zwischen den Bäumen verschwunden.

„Adam!" rief ich und lief ihm hinterher. Ich hörte wie mich jemand verfolgte. Ich rannte schneller und versuchte Adams Fährte zu folgen. Aber ich konnte sie nicht mehr finden. Er war weg.

Jake fand mich und brachte mich nach Hause. Daheim versicherten mir alle, dass Adam wieder zurück kommen wird. Er hatte es ja versprochen. Ich war mir da nicht so sicher. Ich erinnerte mich noch gut an seine Worte im Flugzeug „Es tut mir unendlich Leid, dass ich dir Kummer bereite." hatte er gesagt. Er wusste, dass wenn er zurück kehrt, dann würde er meine Familie auseinander reißen. Sie würden wieder Menschen werden aber ich nicht. Möglicherweise wollte er mir diesen Kummer ersparen.

Ich besuchte wieder meine Kurse im College. Nach allem was passiert war, war es schwierig Normalität vorzutäuschen. Die Tage vergingen und Adam tauchte nicht wieder auf. Zuhause wurde nicht mehr über ihn gesprochen.

Wir alle hofften, dass er noch vor dem nächsten Vollmond zurück sein würde. Aber er kam nicht. Wochen vergingen und es wurde Frühling.

Mein letzter Kurs des Tages war geschafft und ich war auf dem Weg zu Jakes Werkstatt als Adam plötzlich vor mir stand. Ich blieb wie angewurzelt stehen zu überrascht um etwas zu sagen. Ich schaute ihn einfach nur mit großen Augen an. Es gab tausend Sachen die ich ihm sagen wollte. So oft hatte ich über diesen Moment nachgedacht und überlegt was ich sagen würde. Aber es kam kein Wort über meine Lippen. Ich war überrascht und ich war wütend dass er so lange weg war aber vor allem war ich erleichtert dass er zurück gekommen war.

Adam stand mir ebenso wortlos mir gegenüber. Er sah traurig aus und nachdem ich nichts sagte begrüßte er mich.

„Hallo Renesmee!" sagte er leise.

„Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass du wieder kommst." brachte ich mühsam hervor.

„Ich habe auch lange mit mir gerungen. Aber ich konnte nicht weggehen." gestand er.

„Wieso?" flüsterte ich nur noch.

„Ich verdanke deiner Familie so viel... und ich wünschte das ist der wahre Grund. Aber ich konnte nicht weg von dir." Adam schaute zu Boden und schüttelte den Kopf.

„Was wirst du jetzt tun?" ich flüsterte immer noch. Ich schaffte es einfach nicht meiner Stimme mehr Kraft zu verleihen.

„Ich werde mein Versprechen halten!" Adam blickte entschlossen auf, die Zähne fest aufeinander gebissen. „Dass ist das mindeste was ich tun kann."