Es ist Abend, meine Klassenkameraden haben den Gemeinschaftsraum verlassen um zum Abendessen zu gehen.
Ich liebe den Raum, so leer. Man hört das Knistern der Flammen und die Holzscheite die zu Asche werden, in sich zerfallen.
Mary Macdonald fragte mich ob ich auf Diät sei, ich esse so wenig, aber das bin ich nicht. Ich esse nicht, weil ich nicht irgendetwas essen will, sondern weil ich nicht etwas essen will, wenn das Sinn macht. Ich könnte auch sagen, dass ich keinen Appetit habe, wenn ich daran denke, dass ich stattdessen in diesem schönen Raum sitzen kann.
Ich habe nur noch ein paar Monate hier, bald werde ich die Schule verlassen, eine Arbeit suchen, ein eigenes Leben starten. Aber jetzt grade möchte ich diese Jetzt noch genießen und die Zeit mit essen zu verschwenden wäre ekelhaft.
Ich höre einen Luftzug, das sanfte Quietschen des Porträts, das den Eingang zum Gemeinschaftsraum darstellt. Stille.
Sind das Fußstapfen?
Ich drehe mich um und sehe nichts. Ich muss mir etwas eingebildet haben.
Ich strecke mich auf dem Sofa aus, mein Rücken ist verspannt, ich muss in der vorherigen Nacht falsch gelegen haben.
Ich höre wieder ein leises Geräusch, als zöge jemand vorsichtig einen Pullover über seinen Kopf, oder vielleicht einen Umhang.
Die Flammen tänzeln, neben der Couch tänzelt dazu passend ein Schatten.
„Was-"
Ein leises Räuspern.
„Ich hab' dir Kekse mitgebracht, wie versprochen, Lil."
Ah, ja. Ich erinnere mich. Nachdem ich unsere Wette gewann, hatte James sich verpflichtet mir täglich Kekse zu bringen.
„Sind sie noch warm?"
„Natürlich."
„Schokolade?"
„Ja, Ma'am!", mokierte er sich etwa über mich?
Ich biss gierig in einen der dargebotenen Kekse. „Mhh. Deliziös."
Er lehnte sich über mich (immer lehnte er, an Wänden, an Tischen, an mir, an Mädchen, wollte er mich provozieren, mit dem Körper? Nun, ja, das schaffte er) und plötzlich war da seine Hand und er strich mir über die Wange.
„Du hattest da Schokolade."
„Mhh... möchtest du auch einen Keks?"
„Gern."
