Hallo ihr Lieben,

heute springe ich nur kurz rein und lasse ohne großes Vorgelaber das neueste Chap da! Mein heißer Dank gilt heute mal wieder: Allen voran meiner geduldigen Beta Little Whisper!! Und für die lieben Reviews: Leni4888 –doch, fällt ihm auf und bereite ihm Magenschmerzen, mehr dazu kommt in den nächsten Chaps -, zissy xknuddelx – Neville hat vielleicht nicht unbedingt Angst vor seiner Oma, aber durch ihre Herrschsucht mächtig Respekt, xlachx, ja, vielleicht solltest du das wirklich. Harry ist volljährig, d. h., er kann zaubern wie er will und auch apparieren und zu deiner Beruhigung: es ist eine Harry/Draco-Story!!!!, Giftschnecke – es geht weiter mit den Verwirrungen xgrinsx- . Wünsche euch ein wunderschönes Wochenende.

Eure Cassie

Chapter 2 – Leise Ahnungen

Wer kennt es nicht,

das Gefühl

wenn die Angst dich beschleicht

aus dem Hinterhalt

ein Ahnungsschauer dich zittern lässt

(e nomine - Ahnungsschauer)

Hogwarts

Harry schlief unruhig in dieser Nacht, geplagt von einem Alptraum, an welchen er sich am nächsten Morgen nur noch bruchstückhaft erinnern konnte. Alles, was er noch wusste war, dass er von einer Menge unbekannter Gesichter geträumt hatte. Schrille Schreie klangen in seinen Ohren, als er mit jagendem Herzschlag und schweißfeuchter Haut im Bett auffuhr. Nach einigen Minuten, die er brauchte, um seinen Puls und seine Atmung wieder zu beruhigen, sank er matt in die Kissen zurück, rief sich die undeutlichen Traumbilder erneut ins Gedächtnis.

Eine Hand… an eine Hand konnte er sich noch erinnern. Eine schmale Hand, die einen Zauberstab umklammert hielt, erbärmlich zitternd. Ein Fluch hätte niemals sein Ziel gefunden. Das Zittern wurde schließlich so stark, dass sich der Zauberstab langsam senkte. Wieder beschlich Harry das Gefühl, etwas sehr Wichtiges vergessen zu haben. Wenn er doch bloß darauf käme, was es sein könnte… Ein plötzlicher Anfall von Müdigkeit verhinderte weiteres Nachdenken und bescherte ihm unerwartet doch noch ein wenig Schlaf.

Harry wurde von der leisen Unterhaltung seiner Freunde geweckt. Gähnend rieb er sich die Stirn, um einen leichten Anflug von Kopfschmerzen zu vertreiben.

„Morgen, Harry." trällerte George übertrieben fröhlich, handelte sich einen bitterbösen Blick von Ginny ein. Grinsend tastete Harry nach seiner Brille. ‚Das Schuljahr wird ja lustig, wenn die Zwillinge schon am Anreisetag zur Höchstform auflaufen.' dachte Harry und bedauerte Ron im Stillen.

„Kommst du mit ins Bad, Ginny?" fragte Hermine, kramte ihre Sachen zusammen und stieg über einen immer noch schlafenden Fred hinweg. Ginny nickte und krabbelte aus ihrem Bett.

„Ich komme mit!" sagte George enthusiastisch, betrachtete übertrieben anzüglich Hermines Rückansicht.

„Das lässt du schön bleiben, Freundchen!" blaffte Ron seinen Bruder schlecht gelaunt an.

Hermine wurde rot und Harry konnte sich nur mit Mühe einen gemeinen Kommentar darüber verkneifen, dass Ron wohl lieber selbst gern mit Hermine im Bad verschwinden würde. Er warf Ginny einen schnellen Blick zu, nur um seine Bettdecke unheimlich interessant zu finden, sobald sich ihre Blicke kreuzten. ‚Oh ja, dieses Schuljahr dürfte in mehr als einer Hinsicht interessant werden. Vielleicht können Ginny und ich ja doch wieder…?' Harry zupfte an der Bettdecke herum. Wenn er ehrlich war, konnte er sich nicht einmal mehr an den Grund erinnern, wieso sie Schluss gemacht hatten. Er gähnte ausgiebig.

„Was ist los, Brüderchen? Brauchst wohl dringend mal wieder ne Freundin, wenn du schon uns kleine Mädchen bespannen willst." kommentierte Ginny das anhaltende Geflachse ihrer Brüder, folgte Hermine dann ins Bad ohne George eines weiteren Blickes zu würdigen.

„Dich doch nicht, du bist meine Schwester! Bah!" kam Georges Antwort, kurz bevor Ron ihm einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein verpasste. George geriet ins Stolpern, stürzte über den leise schnarchenden Fred und landete mit Ron, an welchem er sich hatte festhalten wollen, auf Harrys Bett.

Als Ginny und Hermine eine Viertelstunde später aus dem Badezimmer kamen, tobte eine wilde Kissenschlacht, in welche mittlerweile auch Fred verwickelt worden war.

„Ich wage zu bezweifeln, dass sie sich irgendwann ändern werden." meinte Hermine resigniert.

Ginny grinste: „Diese Hoffnung habe ich schon vor vielen Jahren aufgegeben." Die beiden Mädchen lachten, während sie dem langen Flur zur Treppe ins Erdgeschoss folgten.

Tatsächlich brauchte es mehrere Ermahnungen und ein Machtwort von Remus, bevor die Jungs sich endlich dazu aufraffen konnten aufzustehen, ihre Sachen zu packen und sich in der Küche einzufinden. Ginny schlürfte gerade geräuschvoll den letzten Rest Kakao aus ihrer wuchtigen Steinguttasse, als ihre Brüder und Harry noch immer lachend in die bis eben friedliche Küche einfielen.

„Also damenhaft ist was anderes, Kleines. Wenn du dich wieder an Harry ranschmeißen willst, wirst du wohl an deinen Manieren arbeiten müssen. Superhelden stehen doch eher auf Ladies." bemerkte George leichthin.

Harry klappte die Kinnlade runter und Ginny wurde knallrot. Ron blinzelte verblüfft von seiner Schwester zu seinem Freund, bevor ein ähnlich wissendes Grinsen über sein Gesicht huschte, wie Hermine hinter ihrer Tasse zu verbergen versuchte.

„Genug jetzt! Raus mit euch! Das Taxi dürfte jeden Moment da sein." hetzte Remus in ungewohntem Befehlston. Hektisch versuchte er einige Pergamentrollen in seine ohnehin hoffnungslos überfüllte Tasche zu quetschen. Nach einigen erfolglosen Versuchen gab er schließlich auf und klemmte sich die Papiere kurzerhand unter den Arm.

„Taxi?" Harry war überrascht.

„Ist unauffälliger." antwortete Hermine.

„Genau, wir kommen inkognito…" Fred zog in einer heimlichtuerischen Geste seinen Umhang über die Schultern, schielte scheinbar besorgt in alle Richtungen, bevor er auf Zehenspitzen Richtung Eingangshalle schlich.

„…und schlagen zu, wenn die Lehrer es am wenigsten erwarten." ergänzte George, sprang unter komischen Verrenkungen Ron von hinten an den Hals, imitierte unter wüstem Gefauche einen offenbar tollwütigen Vampir.

„Aaaahh!" schrie Ron mehr erschrocken als ängstlich auf, versuchte dann unter lautstarkem Geschimpfe sein Anhängsel wieder loszuwerden. George zog ihn problemlos mit sich.

„Und das sind meine ÄLTEREN Brüder." stellte Ginny ungläubig fest.

Harry lächelte sie an. Ginny wurde erneut rot, stand schnell auf und hätte beinahe ihre Tasse umgeschmissen. Der Rotton ihrer Wangen vertiefte sich und Harrys Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen.

„Gehen wir lieber nach draußen, sonst findet uns der Taxifahrer nie." Remus scheuchte die Schüler mit eckigen Bewegungen vor sich her, so gut es ihm eben möglich war mit einem Haufen sperriger Pergamentrollen unter dem Arm und einer überfüllten Tasche in der Hand. Ihre Koffer standen schon in der Eingangshalle, unter den argwöhnischen Blicken einer zum Schweigen verfluchten Mrs. Black kramten sie ihr Gepäck zusammen und traten hinaus in die kühle Londoner Luft.

„Wo ist eigentlich der Rest vom Orden?" wollte Hermine wissen. Sie wuchtete einen ihrer Koffer die kurze Treppe hinunter auf die Straße.

„Offensichtlich nicht hier. Mein Auftrag jedenfalls lautet, euch Nervensägen so unauffällig wie möglich…" weiter kam Remus nicht, bevor er vom lauten Gejohle der Zwillinge unterbrochen wurde, die soeben das ankommende Muggel-Taxi in bester Piraten-Manier enterten.

„Unauffällig?" lachte Harry über Remus verärgertes Gesicht.

„Das ist wahrlich eine Aufgabe!" äußerte Hermine ebenso amüsiert.

Remus Antwort bestand in einigen ärgerlich vor sich hingemurmelten Verwünschungen über Zwillinge im Allgemeinen und Weasleys im Besonderen.

Eine halbe Stunde später beschlich Harry der leise Verdacht, dass der Taxi-Fahrer mehr als froh war, sie endlich am Bahnhof absetzen zu können. Jedenfalls bog das Taxi mit verdächtig quietschenden Reifen in die nächst beste Seitenstraße ein, sobald der Fahrer sein Geld von Remus bekommen hatte. Beinahe als hätte der Fahrer Angst, sie würden es sich anders überlegen und wieder nach Hause wollen. Nun ja, Harry konnte es dem Fahrer beim besten Willen nicht verdenken. Fred und George waren nicht nur in Hochform, sie schienen ihren eigenen Rekord im Blödsinn-Machen brechen zu wollen. Eine hohe Messlatte.

Trotz Remus' erneuter Androhung die Zwillinge in Hand- und Fußfesseln in den Zug zu setzen, sofern sie sich nicht endlich etwas erwachsener benahmen, war ihr kleiner Reisetrupp die Attraktion des halben Bahnhofes.

Remus atmete sichtlich auf, als die johlenden Zwillinge endlich die Barriere zum Gleis 9-¾ durchschritten hatten. Ihnen folgten die Mädchen, danach Harry und Ron. Remus bildete das Schlusslicht. Bevor er durch die magische Barriere trat, huschten seine scharfen Augen ein letztes Mal kontrollierend über den Bahnsteig. Sobald er die kleine Gestalt mit den spitzen Ohren erblickt hatte, welche von einem Unscheinbarkeitszauber verborgen im Schatten eines Ticketautomaten stand, schritt Remus beruhigt durch die Barriere.

„Kommst du eigentlich mit uns?" wurde Remus von Harry gefragt, sobald er die Schüler wieder eingeholt hatte. Er verneinte die Frage mit einem knappen Kopfschütteln. „Nein, ich verfrachte euch nur in den Zug, dann habe ich noch eine Verabredung in Ordensangelegenheiten."

„Aha." machte Harry nur. Da war wieder dieses seltsame Gefühl. Wie ein schwarzes Loch in seinem Kopf, wo eigentlich irgendetwas sein sollte. Eine Erinnerung, die ihren angestammten Platz verlassen hatte…

Nun, auf der Zugfahrt würde er schon noch Gelegenheit haben mit Ron und Hermine darüber zu reden.

Ein glückliches Lächeln glitt über Harrys Gesicht, als er den glänzend schwarzen Hogwarts-Express sah. Die Lok stand schon unter Feuer, schickte stoßweise ihre heißen Dampfschwaden gen Himmel. Wie jedes Jahr herrschte hektische Betriebsamkeit, Schüler aller Häuser und Jahrgänge rannten durcheinander, Eulen schuhuten empört, wenn ihre Käfige bei allzu wilden Begrüßungsritualen geschüttelt wurden. Überall sah Harry nur glückliche Gesichter. Aber irgendetwas…

„Hey, Harry!!!" ertönte eine bekannte Stimme und riss ihn aus seinen Gedanken. Harry drehte sich einmal um seine eigene Achse, bevor er Seamus in der Menge ausmachte. Der Ire klopfte ihm zur Begrüßung heftig auf die Schulter, kaum dass er sich durch einen Trupp schnatternder Drittklässler gekämpft hatte.

„Schön, dich wieder zu sehen, wie waren die Ferien? Bei mir eigentlich wie immer, aber jetzt freue ich mich endlich wieder nach Hogwarts zu kommen, die Freizeit ging mir doch allmählich auf die Nerven, schien viel länger zu sein als die letzten Jahre, aber das wird wohl…"

Harry hatte keine Möglichkeit den Redeschwall von Seamus zu stoppen. Erst als zuerst Ginny und dann Hermine Seamus zur Begrüßung auf die Wange küssten, verstummte er abrupt. Ron fing an zu lachen und Seamus wurde knallrot.

„Da hinten sind Lavender und Parvati, wir sehen uns im Zug, Jungs!" rief Hermine noch, bevor sie sich zu ihren Hauskameradinnen durchdrängte. Ginny blieb noch einen Augenblick unschlüssig zwischen Harry und Seamus stehen, bevor sie sich Hermine anschloss. Harry grinste dämlich, doch er konnte es einfach nicht abstellen. Selbst als Seamus vielsagend hinter Ginny herschaute, blieben seine Mundwinkel irgendwo oben in seinem Gesicht kleben.

„Hallo Leute… oh, Entschuldigung…" ertönte Nevilles Stimme hinter ihnen, bevor er sich ein weiteres Mal daran machen musste, die Hälfte seiner Habseligkeiten wieder einzusammeln. Der Riemen seiner neuen Tasche war unglücklicherweise gerissen und nun pflasterten allerlei Schulbücher den Bahnhofsboden.

Der langgezogene Pfiff des Hogwarts-Expresses unterbrach ihre Feixerei über Nevilles Ungeschicklichkeit. Mit dem Rest der Schüler drängten sie sich in den wartenden Zug. Wie jedes Jahr waren die Gänge des Zuges hoffnungslos verstopft. Wie jedes Jahr knallten die Abteiltüren und wie jedes Jahr folgte diesem Zuschlagen das lautstarke Gezeter der Schaffnerhexe. Ein Ruck ging durch die Abteile, langsam setzte sich der Zug in Bewegung.

Harry sah aus dem Fenster, wie jedes Jahr, um die winkenden Familien zu betrachten. Für alle anderen Schüler bedeutete ein neues Schuljahr in Hogwarts den Abschied von ihren Familien. Für Harry war es, als käme er endlich nach Hause.

Doch in diesem Jahr war der Bahnsteig verwaist. Leer bis auf einen verloren wirkenden Remus, der grüßend die Hand hob, als er Harry sah.

Harry wurde kalt. Er griff haltsuchend um sich, als Schwindel ihn erfasste und das Abteil vor seinen Augen verschwamm, von undurchdringlicher Schwärze ersetzt wurde. Schwärze in denen leise Stimmen zu vernehmen waren. Stimmen, die er kannte.

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Wiedersehen." Georges Stimme, leise.

Passt auf euch auf, ja?" Hermines Stimme, belegt, traurig.

Ein Bild gesellte sich zu den Stimmen. Hermine, mit blassem Gesicht und Tränen in den Augen. Ron, Fred, George, wie sie nahe beieinander standen.

Macht's gut! Ich… ich wünschte, ihr könntet bleiben." Ron umarmte zuerst Fred, dann George. Alle drei Brüder sahen sehr ernst aus. Plötzlich wandte Fred sich um, blickte Harry an.

Und dir, Harry..." Fred brach zögernd ab, schien nicht genau zu wissen, was er sagen sollte.

Viel Glück." sagte George schlicht.

Ja." Fred mied Harrys Blick. „Viel Glück, Harry."

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„Harry? HARRY?"

Harry zuckte zusammen, fand sich noch immer stehend im Zugabteil wieder, mit beiden Händen hatte er sich in die Gepäckablage gekrallt. Draußen rauschte die Landschaft in einem wilden Mix aus Farben und Formen vorbei.

„Alles ok mit dir? Du siehst aus, als hättest du einen Bergtroll im Nachtkleid gesehen." Ron schaute von seinem Platz fragend zu ihm auf.

„Ja… ich…" Harry stockte. Ihm war noch immer entsetzlich kalt. Mit ruckartigen Bewegungen nahm er seine Hände von der Gepäckablage und ließ sich auf den Sitz neben Ron fallen. „Ja, alles ok." log er schließlich, klang allerdings wenig überzeugend. Rons Blick drückte dessen Unglauben deutlich aus. Harry versuchte ansatzweise ein schiefes Grinsen, welches ihm nicht wirklich gelingen wollte. Allerdings schien Ron zu ahnen, dass Harry vor Neville und Seamus nichts sagen wollte, denn er schwieg.

Ein erneuter Ausbruchsversuch von Nevilles Kröte Trevor lenkte Harry ab.

Hermine gesellte sich wenig später zu ihnen, ebenso wie Ginny, die sich mit leicht geröteten Wangen neben Harry fallen ließ. Seamus grinste Harry an.

„Wie kommt es, dass deine Brüder wieder hier sind?" wollte Seamus wissen, nachdem er Trevor unter einem der Sitze dingfest und Neville zurückgegeben hatte.

„Frag mich bloß nicht!" stöhnte Ron sichtlich genervt. „Keine Ahnung wer sie auf die Schnapsidee gebracht hat doch noch ihren Abschluss machen zu wollen."

„Ich wette, Moms Gardinenpredigten haben doch noch geholfen." vermutete Ginny mit einem ironischen Lächeln. Harry bemühte sich eingehend, nicht auf die Grübchen in ihren Wangen zu starren. Himmel, er mochte sie noch immer. Wieso hatten sie eigentlich überhaupt Schluss gemacht?

„Glaube ich nicht, Mom war doch heilfroh darüber, nicht mehr jede Woche einen Heuler von der Schule zu kriegen." widersprach Ron wenig begeistert.

„Jede Woche?" Harry war so fassungslos darüber, dass er sogar vergaß Ginnys Grübchen anzustarren.

Ron nickte. „Einer der Beiden hat doch immer Ärger gemacht."

„Na, was für ein Glück, dass du ganz anders bist, nicht wahr, Ron?"

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, Ginny."

„He, du hast mit Hermine gelernt, oder? Woher kennst du sonst Muggelsprichwörter?" zog Seamus ihn auf.

Hermine lachte über Rons betretenes Gesicht. „Es muss dir nicht peinlich sein mal was für die Schule zu tun, weißt du." sagte sie.

Harry war sich sicher, dass Ron da anderer Meinung war, denn eigentlich sagte sein gequälter Gesichtsausdruck mehr als tausend Worte. Ron konnte sich mit Sicherheit eine angenehmere Verschwendung seiner Freizeit mit Hermine vorstellen als zu lernen. Leider schien ihm bisher der Mut zu fehlen Hermine einen Hinweis in die entsprechende Richtung zu geben.

„Wo ist eigentlich…" Neville gähnte ausgiebig und schien danach seine Frage vergessen zu haben. Harry beobachtete einigermaßen verwundert, wie Neville sich halb in seinem Sitz zusammenrollte und innerhalb weniger Sekunden fest eingeschlafen war.

„Ist er eingeschlafen?" fragte Hermine verdutzt.

„Jepp." Seamus tätschelte Trevor sanft den schleimigen Kopf. Selbst die Kröte schien in einen Dämmerschlaf versunken.

Harry runzelte die Stirn, als ihm einfiel, dass er doch eigentlich fragen wollte, warum dieses Jahr die Familien nicht mit am Bahnsteig waren. Er gähnte ebenso überraschend wie Neville und eine bleierne Müdigkeit machte es ihm schier unmöglich die Augen offen zu halten. Harry war eingeschlafen, bevor er seine Frage formulieren konnte.

Bahnhof

Remus blickte dem abfahrenden Zug hinterher, bis auch der letzte Wagon in der Ferne verschwunden war. Er seufzte, raffte seine Papiere so gut es ging zusammen und disapparierte.

Hogwarts-Express

„Komm rein, das Abteil ist leer." Fred schob die Abteiltür auf. George trat ein, plumpste mit einem erleichterten Seufzen auf einen der Sitze.

Fred zog die Tür zu, überlegte kurz, ob er sie mit einem Zauber verschließen sollte und ließ es doch bleiben. Er lümmelte sich auf den Platz am Fenster, drapierte seelenruhig seine Beine auf dem benachbarten Sitz. „Merlin, ich bin fix und fertig."

„Das kannst du laut sagen, ich hab keine Ahnung wie ich diese ständige Rumgealbere die nächsten Wochen durchhalten soll." stöhnte George theatralisch, wurde allerdings unvermittelt ernst. „Es sind nicht alle da, oder?"

„Nein." antwortete Fred bedrückt. „Viel zu wenige."

Muggellondon

Mit einem kaum hörbaren ‚Plopp' erschien Remus in einer Seitengasse eines heruntergekommenen Viertels in Muggellondon. Aufmerksam schaute er sich um, entdeckte zwischen einigen unordentlich zusammengeschobenen Mülltonnen das vertraute faltige Gesicht eines Hauselfen. Dobby entdeckte Remus im selben Moment und winkte ihn aufgeregt zu sich heran.

Nach einem letzten prüfenden Blick verließ Remus den Schutz der Seitengasse, überquerte eine kaum befahrene Straße. Dobby deutete ihm wortlos ihm zu folgen und gemeinsam schritten sie die schmale Gasse zwischen zwei heruntergekommenen Fabrikhallen entlang.

Dobbys Kleidung war schmutzig und zerrissen, es tat Remus weh ihn so zu sehen. Doch er schwieg, wollte Dobby nicht noch zusätzlich demütigen, wusste er doch, wie viel Wert Dobby seit seiner Befreiung durch Harry auf saubere Kleidung legte. Leider konnte Remus augenblicklich nichts für den kleinen Hauselfen tun. Außer zu hoffen, dass sie alle heil aus dieser Sache rauskamen.

„Hier hinein." sagte Dobby leise, schlüpfte vor Remus durch eine mit Brettern nur fahrig vernagelte Tür in eine der Fabrikhallen. Der Geruch von Maschinenöl und Schweiß stieg Remus in die feine Nase, ließ ihn unwillkürlich das Gesicht verziehen.

„Na endlich!" ertönte eine herrische Stimme irgendwo links von ihm. Remus wandte sich um, blickte dem hochgewachsenen Mann mit gezwungener Ruhe entgegen. Lucius Malfoy wirkte sehr fehl am Platze in diesem zerfallenen Gebäude, in seinem teuren Anzug, dem schweren Umhang und den blank polierten Schuhen.

„Deine Wahl eines Treffpunktes verwundert mich, Lucius." überging Remus die unfreundliche Begrüßung.

„Ich hatte keine andere Wahl!" näselte Lucius, der abschätzige Blick seiner blassen Augen wanderte zu Dobby.

Der Hauself zuckte entschuldigend die schmalen Schultern, von der Angst vor seinem ehemaligen Herren war nichts mehr übrig. „Herren wollten sicheren Platz, Dobby hat sicheren Platz besorgt."

„Ist das alles?" fragte Lucius, ignorierte Dobby so gut es ging und nahm Remus einige der mittlerweile arg zerknitterten Pergamentrollen ab.

„Für den Anfang, ja." sagte Remus, überließ es Lucius die Rollen einer flüchtigen Besichtigung zu unterziehen und kramte nach weiteren Papieren in seiner Tasche.

„Was heißt für den Anfang? Ich brauche alles!" blaffte Lucius, rollte einige der Pergamente zusammen, bevor er mit dem Finger schnippte und ein weitere Hauself erschien. „Nimm das, Vion! Und sei um Merlins Willen vorsichtig damit!" Dobby beobachtete mit schwerem Herzen, wie sein Nachfolger in der Dienerschaft der Malfoys eilig die Pergamente aus der Hand von Lucius nahm. Dobby hatte Mitleid mit Vion.

„Was denkst du? Dass es leicht ist Dumbledores gesamte Aufzeichnungen unbemerkt verschwinden zu lassen?" blaffte Remus den blonden Mann vor sich verärgert an.

Hogwarts-Express

„Harry! Meine Güte, wach doch endlich auf!"

Harry hörte die entfernte Stimme, seufzte und versuchte sich auf die andere Seite zu drehen. Er stieß sich schmerzhaft den Kopf.

„Au!"

„Aua! Jetzt reicht's aber, Mann! Steh auf oder ich hetzt dir nen Waschzauber auf, mit eiskaltem Wasser!"

„Ron?"

„Wer sonst. Bist du jetzt endlich munter?"

„Hmhm, was ist denn?" murmelte Harry noch immer nicht ganz wach, nahm sich die Brille ab und rieb abwesend über seinen Nasenrücken.

„Was ist? Wir sind gleich in Hogsmeade, also wenn du nicht wieder zurück willst, solltest du vielleicht…"

„Wir sind wo?" wurde Ron von der überraschten Frage Harrys unterbrochen.

„Fast in Hogsmeade." antwortete Ginny, tauchte unter Rons Arm hindurch und reichte Harry auffordernd seinen Schulumhang.

„Oh." machte Harry und schaute zum Fenster. Tatsächlich konnte er schon die ersten Ausläufer von Hogsmeade erkennen. Die einzelnen Häuser mit den leuchtend roten Dächern waren nicht zu übersehen. Der Zug würde das Zaubererdörfchen einmal umrunden, um dann in den Bahnhof einzulaufen.

Harry ignorierte Hermines fragenden Blick, grinste Ron entschuldigend an und schlüpfte in seinen Umhang. Gutgelaunt drängten sie aus ihrem Abteil hinaus, oder versuchten es eher, denn wie immer standen, die Schüler schon in den Gängen und plapperten aufgeregt durcheinander. Harry versuchte gerade nicht sehr erfolgreich einer triefnäsigen Ravenclaw auszuweichen und stieß prompt mit seinem Vordermann zusammen. Er blickte auf und verfluchte einmal mehr sein Pech.

„Potter, du hast doch schon ne Brille, kannst du nicht aufpassen wo du hinrennst." Kam prompt die gehässige Reaktion als Draco Malfoy erkannte, wer da in ihn hineingelaufen war.

Harry verdrehte genervt die Augen und versuchte etwas Abstand zwischen sich und den Slytherin zu bringen. Mit mäßigem Erfolg. Ron stand so dicht hinter ihm, dass ihn sein Atem im Nacken kitzelte und rechts nieste die Ravenclaw gerade ziemlich beeindruckend. Harry war eingekesselt.

Sehr zu Harrys Verwunderung drehte Malfoy sich jedoch ohne einen weiteren Kommentar einfach um und begann eine Unterhaltung mit einem dunkelhaarigen Jungen, der Harry wage bekannt vorkam. Zabini hieß er, wenn er sich recht erinnerte, war sich aber nicht sicher. Normalerweise gehörte der jedenfalls nicht zu Malfoys engerem Dunstkreis.

Ein weiterer Ruck ging durch den Zug, als der Lokführer abbremste. Sie liefen im Bahnhof von Hogsmeade ein. Harry wurde erneut gegen Malfoy gedrückt.

„Merlinszeiten, Potter! Geh mir endlich aus dem Weg, du Arsch!" blaffte Malfoy ihn erneut von oben herab an.

‚Na also, dachte Harry, ‚das klingt doch schon eher nach dem wahren Malfoy.

Kaum, dass der Zug richtig stand, hatten Malfoy und Zabini es irgendwie geschafft, sich zu den Ausgängen durchzudrängen. Harry vermutete, dass die Ellenbogen von Crabbe und Goyle dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben dürften.

„Den Scheißkerl hab ich jedenfalls nicht vermisst." sprach Ron seine Gedanken aus. Harry warf ihm ein schiefes Grinsen zu. „Glaubst du, es gibt irgendjemanden, der ihn vermisst hat?"

Ron lachte. „Crabbe und Goyle?"

„Ach, die würden sich genauso gut mit Essen beschäftigen." bemerkte Seamus trocken. Sie brachen in fröhliches Gelächter aus, was nur noch lauter wurde, als die Ravenclaw in ein wahres Nieskonzert verfiel.

Harry sprang nach einigen weiteren Minuten erleichtert aus dem Zug, froh, dem Gedränge endlich entkommen zu sein.

„Merlin, ich glaube es wird jedes Jahr enger in diesen Zügen." bemerkte auch Ron.

„Sei nicht albern, Ron, ich glaube dieses Jahr sind sogar zwei Abteile leer gewesen." widersprach Hermine, die unbemerkt an Harrys Seite aufgetaucht war und unpassenderweise herzhaft gähnte.

„Ja, weil die alle auf dem Gang standen." murrte Ron.

Harry warf Ginny einen verschwörerischen Blick zu und deutete ihr unauffällig ihm zu folgen. Wenn Hermine und Ron erst einmal anfingen dieses Thema auszudiskutieren, gab es für Harry nur einen Ausweg. Heillose Flucht, um nicht in die unangenehme Situation zu kommen, für einen der Beiden Partei ergreifen zu müssen.

Ginny schob schließlich fast schüchtern ihre Hand in seine, lächelte scheu und hielt durch das Gedränge Ausschau nach den Kutschen, welche sie zur Schule bringen sollten. Harry lächelte glücklich. Ihre Hand fühlte sich warm in seiner an. Ein vertrautes Gefühl, welches ihm gefehlt hatte. Sie hatte ihm gefehlt seit… Ja, wann genau hatten sie sich eigentlich das letzte Mal gesehen? Es schien ihm eine Ewigkeit her zu sein.

„Da hinten ist Hagrid!" sagte Ginny neben ihm.

Harry schaute auf. Der Halbriese war über die Masse der Köpfe nicht zu übersehen und Harrys Lächeln wurde breiter.

„Erstklässler zu mir!" hallte Hagrids voller Bariton auch schon durch das aufgeregte Geschnatter um ihn herum.

„Hagrid!" rief Harry, zog Ginny eilige hinter sich her.

„Harry?" Hagrid schaute sich suchend um, bis er Harry und Ginny endlich ausmachte. Selbst sein urwüchsiger Bart konnte das breite Grinsen nicht verbergen, welches sich nun über sein Gesicht legte.

„Harry!! Ginny! Wie schön euch zu sehen, wo sin denn Ron und Hermine?" Hagrid schien nicht zu bemerken, dass Harry noch immer Ginnys Hand hielt, sondern presste Harry in einer ungestümen Umarmung so überschwänglich an sich, dass es Ginny fast von den Füßen hob.

„Da… hinten… streiten… sich…" ächzte Harry, als ihm bei der Umarmung fast die Rippen zerquetscht wurden. „Hagrid… ich… krieg…keine …Luft!"

„Oh…'türlich… tut mir leid…Harry." Hagrid ließ ihn los und zupfte verlegen an dessen Umhang, wobei er Harry fast umschmiss. Hagrid wurde noch röter und ließ mit einer hilflosen Geste die Arme sinken. Harry schaute schnell verlegen auf den Boden, als er sah, dass sich Hagrids kleine Käferaugen mit Tränen füllten.

„Wie geht's dir, Hagrid?" erkundigte Ginny sich freundlich.

„Gut, gut, jetzt wo alle wieder da sind, es war ja auch zu schlimm, dass sie Hogwarts… oh…" Hagrid verstummte abrupt. Harry spürte erneut den kalten Knoten in seinem Hals aufsteigen, bevor Hagrids massige Gestalt vor seinen Augen verschwamm.

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Hogwarts wird geschlossen."

Gibt es wirklich keinen anderen Ausweg?"

Ich fürchte nicht, Mr. Potter, ich fürchte nicht."

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Warme Hände auf seinem Gesicht ließen ihn blinzeln. Er schaute direkt in Ginnys besorgte Augen. „Was ist los mit dir, Harry?"

„Nichts… nichts… nur… ein bisschen Kopfschmerzen, das ist alles." log er ohne lange zu wissen, warum er Ginny nicht die Wahrheit sagte.

Ginny schürzte zweifelnd die Lippen, eine Angewohnheit die Harry erschreckend deutlich an ihre Mutter erinnerte. „Wirklich. Ich bin ok." sagte er nicht sehr überzeugend.

„Sollte jetzt gehen, muss noch die Erstklässer einsammeln. Wir sehn uns im Schloss." nuschelte Hagrid in plötzlicher Hektik. Erstaunt beobachteten Ginny und Harry, wie er sich noch immer rufend „Erstklässler zu mir!" über den Bahnsteig schob.

„He, wieso haut ihr einfach ab?" Ron erschien neben ihm, Hermine an seiner Seite.

„Wir wollten euch nicht beim Rumbalzen stören." antwortete Ginny keck und lachte, als ihr Bruder knallrot wurde.

„Wir haben nicht…" wollte Hermine einwerfen, wurde aber von den Zwillingen unterbrochen, denen anscheinend wieder eingefallen war, mit wem sie die Rückreise nach Hogwarts angetreten hatten.

„Hallo, alle miteinander. Wo habt ihr denn nur gesteckt?" Fred tätschelte Ginny fürsorglich die Wange. „Wir haben uns schon Sorgen gemacht."

Bevor Ginny einen passenden Kommentar abliefern konnte, wurde sie von zwei Mädchen angerempelt, eine davon mit leuchtend grünen Pusteln im Gesicht, die andere offensichtlich darum bemüht, mit ihrer Freundin Schritt halten zu können. „Melinda, ehrlich, so schlimm sieht das überhaupt nicht aus!"

„Sei ruhig! Bring mich nur schnell zu den Kutschen! Oh, wie ich diese Weasleys hasse!"

George seufzte theatralisch. „Die Arbeit von Genies wird zuweilen unterschätzt."

„Wahrscheinlich müssen wir erst sterben, bevor sie unsere wahre Größe erkennen." mutmaßte Fred, während er versuchte Ginny davon abzuhalten ihm ein paar schmerzhafte Ellenbogenstöße in den Magen zu verpassen.

„Ja, das ist wohl unser Schicksal…" ergänzte George und beobachtete versonnen, wie die grün gepunktete Melinda mit ihrer Freundin in eine der wartenden Kutschen stieg.

„Das wird ein langes Jahr." sagte Ron leise neben Harry.

„Könnten wir jetzt endlich gehen, ich will noch vor Mitternacht im Schloss sein." bekundete Hermine ihre Ungeduld. Ron zuckte mit den Schultern und machte sich daran, seiner Freundin zu den Kutschen zu folgen. Hermines Müdigkeit schien vergessen.

Harry, Ginny und die Zwillinge schlossen sich unter lautstarkem Gelächter über Rons Knechtschaft an. Harry war froh, dass die Zwillinge Ginny offensichtlich von seinem Aussetzer abgelenkt hatten. Er sah sich um, obwohl er eigentlich nicht wusste, wonach er schaute. Es sah alles aus wie immer. Eine Traube aufgeregter Erstklässler, die sich um Hagrid geschart hatten. Die älteren Jahrgänge, die sich zu den wartenden Kutschen schoben…

Er betrachtete die Thestrale aus den Augenwinkeln. Obwohl er sie nun schon oft genug gesehen hatte, konnte er sich an den Anblick dieser Tiere nicht wirklich gewöhnen. Mal ganz abgesehen davon, dass er sich einmal mehr wünschte sie nicht sehen zu können. Wie viel anders wäre sein Leben gelaufen, wenn er nicht schon als kleiner Junge… er schüttelte den Kopf. Diese Überlegungen brachten ihm nichts. Nichts außer jener altbekannten Traurigkeit, mit denen seine Nächte in der Besenkammer angefüllt waren. Doch diese Zeit war vorbei. Er war wieder in Hogwarts. Hogwarts, der einzige Ort, an dem er sich jemals zuhause gefühlt hatte.

Während die Thestrale die Kutschen zum Schloss hinauf zogen, lauschte Harry nur mit halbem Ohr Nevilles ausführlicher Beschreibung über die schmierdottrige Blatterhasel. Sein Blick glitt über den See.

In der Ferne konnte er den verbotenen Wald erkennen und kurze Zeit später hoben sich die gewaltigen Zinnen Hogwarts majestätisch vom Firmament ab. Flackernde Lichter auf dem schwarzen See zeigten die Anwesenheit der Boote, welche die Erstklässler zum Schloss bringen würden.

Harry hatte einen merkwürdigen Kloß im Hals und kam sich dumm dabei vor. Er blickte kurz zu seinen Freunden, Ron, der sich gerade einen weiteren Schokofrosch in den Mund steckte, Hermine, die mit Neville über Nebenwirkungen eines Stichs von Nevilles Mumbulus nebreglia diskutierte… Die Zwillinge waren noch immer in eine Partie „Snape explodiert" vertieft…

Ein Lächeln huschte über Harrys Gesicht, gefror aber ebenso schnell wieder, wie es gekommen war. Alles hätte gut sein können, wenn, ja wenn da nicht diese merkwürdigen Aussetzer wären. Hinzu kam dieses nagende Gefühl, des Vergessens…. ‚Vielleicht, dachte Harry in einem Anflug schwarzen Humors, sollte ich mir von Neville mal ein paar Erinnermichs borgen. Der Gedanke brachte sein Grinsen zurück.

Ron hielt ihm wortlos eine Packung von Berta Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen hin. Todesmutig fischte Harry nach einer purpurfarbenen Bohne, bereute seine Entscheidung aber sofort als seine Zunge den beißenden Geschmack identifiziert hatte. Bubotubler-Eiter!! Die Zwillinge hielten sich die Bäuche vor Lachen, als er sich würgend aus dem Fenster der Kutsche beugte.

Kaum, dass sich sein Magen wieder beruhigt hatte, passierten die Kutschen die Schlossportale und entließen eine Menge gutgelaunter, schwatzender Schüler. Harry war noch immer ein bisschen flau im Magen und als Fred ihm mit einer übertrieben demütigen Geste eine weitere Bohne anbot, erntete dieser einen vernichtenden Blich. Unwillkürlich rieb Harrys Hand seinen Magen.

Lachend nahmen Fred und George ihn in die Mitte, während sie die Stufen zur großen Halle erklommen. Erneut wurde Harry von einem beinahe sentimentalen Gefühl erfasst, als sich die Tore zur großen Halle öffneten. Hunderte von Kerzen schwebten über den vier Haustischen, welche in der entsprechenden Farbe des Hauses gedeckt waren. Vorne am Lehrertische konnte Harry Prof. McGonagall ausmachen, die gerade den Sprechenden Hut nach vorne trug und auf dem einsamen Stuhl absetze.

„He Ron, vielleicht solltest du es noch mal probieren, meinst du, du schaffst es noch mal nach Gryffindor?" feixte Fred zu seinem kleinen Bruder.

„Ach halt die Klappe, Fred!" schimpfte Ginny neben Hermine. Die Mädchen steckten tuschelnd die Köpfe zusammen. Harry hätte in diesem Moment nicht glücklicher sein können. Seine Freunde ließen sich rechts und links neben ihm am Gryffindortisch nieder, ein beständiges Summen von hunderten von Stimmen erfüllte die Luft.

„Ist schön wieder hier zu sein, oder?" meinte Hermine leise ohne ihn wirklich anzusehen.

„Hm." machte Harry.

Zaubereiministerium

„Minister! Minister!"

Rufus Scrimgeour blieb überrascht stehen, als sein Sekretär mit wehendem Umhang und aufgelöster Frisur auf ihn zugerannt kam. Eine bemerkenswerte Begebenheit, wenn man bedachte, dass Tim Clansky gut und gerne 280 Pfund auf die Waage brachte.

Keuchend verlangsamte Tim sein Tempo, rang hörbar nach Atem während er Minister Scrimgeour ein Memo übergab. „Das… hier… kommt… vom… Tagespropheten…" brachte er mühsam heraus, sein rasselndes Atmen schwächte zu einem leisen Pfeifen ab. „Sie wollen… eine Stellungnahme… bevor sie es heute… drucken."

Minister Scrimgeour nahm das Pergament entgegen und überflog die wenigen Zeilen.

Tim beobachtete fasziniert das wechselnde Mienenspiel seines Chefs, der zuerst kalkweiß, dann knallrot vor Zorn wurde. „Das kann nicht sein! Das kann einfach nicht sein! Oh Dumbledore, dieser infame alte…" stammelte der Minister wenig professionell.

„Ist Harry Potter wirklich verschwunden?" rutschte es Tim heraus, bevor er erschrocken seine massige Hand vor den Mund schlug.

„Kein Wort darüber zu irgendwem, verstanden?" herrschte Minister Scrimgeour ihn an. Tim nickte hektisch.

Tbc….

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